Witwe von Nobelpreisträger Liu Xiaobo verlässt China

Die Dichterin Liu Xia, Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, hat China verlassen. Liu habe heute gegen 11.00 Uhr (Ortszeit) ein Flugzeug der Linie Finnair bestiegen und damit Peking verlassen, sagte Ye Du, ein Freund der Familie. Liu stand seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihren Mann im Jahr 2010 unter Hausarrest.

Die deutsche Botschaft hatte ihr im April Hilfe für eine Ausreise nach Deutschland angeboten. Die Freilassung erfolgte nur einen Tag nach dem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang zu deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte sich wiederholt für die Freilassung und Ausreise von Liu Xia eingesetzt. Die Künstlerin, Fotografin und Dichterin leidet unter schweren Depressionen, wie ihre Freunde berichteten. Die Ausreise erfolgte nur drei Tage vor dem ersten Jahrestag des Todes von Liu Xiaobo, der am 13. Juli 2017 in Haft an Leberkrebs gestorben war.

Bruder bleibt als „Geisel“

Indem ihr Bruder Liu Hui nicht mit ausreisen durfte, ist Liu Xia auch nach ihrer Ausreise aber nicht wirklich frei. Nach Angaben ihrer Freunde wird Liu Hui als „Geisel“ zurückgehalten. Die Staatssicherheit wolle Liu Xia damit auch im Ausland zum Schweigen bringen, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia. Die Botschaft laute: „Dein Bruder ist hier. Du bist wie ein Flugdrache an der Schnur. Die Grenzen deiner freien Meinungsäußerung sind in den Händen anderer“, formulierte Hu die Drohung dahinter.

Ob die Künstlerin tatsächlich politisch aktiv werden will, ist allerdings völlig offen - nicht nur wegen ihres Gesundheitszustandes, sondern auch, weil Liu Xia nie als Bürgerrechtlerin aktiv war. Durch ihre Heirat mit Liu Xiaobo geriet sie ins Fadenkreuz der Staatssicherheit. „Liu Xiaobo zu lieben, ist ein Verbrechen“, hatte Liu Xia jüngst noch unter Tränen in einem Telefonat mit dem im Exil in Berlin lebenden Schriftsteller Liao Yiwu gesagt. Ihre Behandlung empfand die 57-Jährige als „lebenslange Haft“.