Aktivisten „schmuggeln“ Regenbogenfahne nach Russland

Mit einer speziellen Aktion haben Aktivistinnen und Aktivisten versucht, auf die schwierige Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen (LGBT) in Russland hinzuweisen. So ist etwa die Regenbogenfahne als Teil von möglicher „homosexueller Propaganda“ in Russland verboten - die Aktivisten und Aktivistinnen fanden aber einen Weg, das Verbot zu umgehen: Sie trugen T-Shirts in unterschiedlichen Farben des Regenbogens und liefen quasi als „lebende“ Fahne herum.

Sechs Länder, sechs Farben

Insgesamt sechs Personen trugen T-Shirts mit den Farben rot, orange, gelb, grün, blau und lila, die jeweils für die Länder Spanien, Niederlande, Brasilien, Mexiko, Argentinien und Kolumbien stehen. Sie besuchten gemeinsam bekannte Plätze in Moskau wie den Roten Platz und ließen sich dort fotografieren. Die Fotos wurden unter dem Hashtag „Hidden Flag“ auch in Sozialen Netzwerken veröffentlicht, wo sie regen Zuspruch erhalten haben.

Die Aktion wurde von der spanischen LGBT-Vereinigung FELGTB initiiert und mit einer Agentur umgesetzt. Die sechs Personen sind laut Angaben reale Aktivisten aus den jeweiligen Ländern. Sie hätten sich zuerst unwohl gefühlt in Russland, weil sie nicht gewusst hätten, was sie erwartet, berichtete gestern die BBC. Während des insgesamt fünftägigen Besuchs seien sie aber immer freundlich aufgenommen worden. Es habe keinerlei Drohungen gegeben - allerdings sei nicht klar, ob die von ihnen dargestellte Regenbogenfahne auch als solche erkannt worden sei.

Homophobie ist in Russland weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. 2013 wurde unter dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein international umstrittenes Gesetz verabschiedet, das „homosexuelle Propaganda“ bei Minderjährigen als Straftat einstuft, die auch mit Gefängnis geahndet werden kann. Vor allem westliche Staaten und Menschenrechtsorganisationen hatten das Gesetz als Unterdrückung von Lesben und Schwulen kritisiert. Schon das Zeigen der Regenbogenfahne kann hohe Geldstrafen nach sich ziehen.