Fernsehprediger und Anhänger in Türkei verhaftet

Der bekannte türkische Fernsehprediger Adnan Oktar und zahlreiche seiner Anhängerinnen und Anhänger sind festgenommen worden. Ermittler der Abteilung für Finanzverbrechen hätten Oktar in Istanbul festgenommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu heute. Die Polizei habe im Rahmen der Ermittlungen gegen Oktar insgesamt 235 Haftbefehle erteilt, von denen mindestens 166 bereits vollstreckt worden seien.

Türkische Polizei verhaftet Fernsehprediger Adnan Oktar

APA/AFP/Dogan News Agency/DHA

Dem Prediger werden unter anderem die Gründung einer kriminellen Vereinigung und „Betrug durch Missbrauch von Glauben und religiösen Gefühlen“ zur Last gelegt. Bei dem Polizeieinsatz wurden laut Anadolu auch Schusswaffen beschlagnahmt.

Viele Haftbefehle gegen Frauen

Oktar, der sich selbst Harun Yahya nennt, ist bekannt für eine Sendung im Onlinesender A9. Als Moderator trat er dort stets umgeben von stark geschminkten und leicht bekleideten Frauen auf, die er seine „Kätzchen“ nannte. Laut Anadolu richten sich 106 der Haftbefehle gegen Frauen.

Nach Angaben der Zeitung „Hürriyet“ hatte Oktan versucht, sich den Behörden zu entziehen. Auch seine Anwälte seien festgenommen worden. Unter Einsatz von Hubschraubern habe es Festnahmen in fünf türkischen Provinzen gegeben, berichtete die Zeitung mit Verweis auf eine Erklärung des Staatsanwaltes von Istanbul.

Obskurantismus und Sexismus

Oktar hatte erstmals in den 1990er Jahren als Anführer einer Gruppe von sich reden gemacht, die in mehrere Sexskandale verwickelt war. Infolgedessen war ihm bereits die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen worden.

Er veröffentlichte zahlreiche Schriften, in denen er die Evolutionstheorie Darwins ablehnt. Besonders bekannt ist sein 770 Seiten langes Buch über die Schöpfungsgeschichte aus seiner Sicht.

Im Februar klagte ihn eine religiöse Gewerkschaft unter anderem wegen der Verletzung religiöser Gefühle. Im selben Monat stoppte die türkische Medienaufsicht RTÜK fünfmal die Übertragung seiner Sendung und verhängte Bußgelder, weil darin gegen die Gleichstellung der Geschlechter verstoßen und Frauen erniedrigt worden seien.