Indischer Politiker wegen Vergewaltigung angeklagt

Die indische Justiz hat gestern einen Politiker der Regierungspartei BJP wegen Vergewaltigung einer 16-jährigen Jugendlichen angeklagt. Der einflussreiche Abgeordnete Kuldeep Singh Sengar sitzt seit dem Frühjahr in Untersuchungshaft.

Die heute 17-Jährige beschuldigt ihn, sie im Juni 2017 in seinem Haus im Unnao-Distrikt im Bundesstaat Uttar Pradesh vergewaltigt zu haben. Als ihre Familie das zur Anzeige bringen wollte, lehnte die Polizei das ab.

Erst als die junge Frau im April damit drohte, sich vor dem Büro des Regierungschefs von Uttar Pradesh anzuzünden, nahm die Polizei Ermittlungen auf. Kurz darauf starb der Vater des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers im Polizeigewahrsam. Seine Tochter warf den Beamten vor, ihn gefoltert zu haben. Auch Sengars Bruder soll den Vater im Polizeigewahrsam geprügelt haben.

40.000 Vergewaltigungsanzeigen pro Jahr

Sengar, der von der Justiz zunächst ebenso wenig belangt wurde wie sein Bruder, beteuerte im Fernsehen lächelnd seine Unschuld. Doch der Sprecher der zentralen Ermittlungsbehörde, Abhishek Dayal, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe eine offizielle Anklage gegen Sengar wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen sowie krimineller Verschwörung. Gegen Sengars Bruder Atul Singh Sengar und vier weitere Beschuldigte ist seit vergangener Woche eine Anklage wegen Ermordung des Vaters anhängig.

Seit 2012 wurden die Strafen für Vergewaltiger in Indien deutlich verschärft. Die Zahl der Angriffe auf Frauen in dem Land ist aber weiterhin hoch. Jährlich werden 40.000 Fälle angezeigt. Die Dunkelziffer liegt jedoch wesentlich höher. Viele Opfer sind überzeugt, dass die Polizei sie nicht ernst nimmt. Andere fürchten, bei einer Anzeige sozial stigmatisiert zu werden.