Antisemitischer Angriff in Bonn: Polizei überwältigte Opfer

Ein Deutscher mit palästinensischen Wurzeln hat unweit der Bonner Universität eine antisemitische Attacke auf einen israelischen Hochschulprofessor verübt. Beim anschließenden Einsatz verwechselten die Polizei am Tatort das Opfer mit dem Täter und schlugen dem 50-jährigen Hochschullehrer ins Gesicht, wie die Bonner Polizei heute mitteilte. Bonns Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa bat das in den USA lebende Opfer ausdrücklich um Entschuldigung.

Attackiert und beleidigt

Der 20-jährige Angreifer hatte dem 50 Jahre alten Philosophieprofessor nach Polizeiangaben mehrfach seine Kippa vom Kopf geschlagen und ihn gestoßen. Dabei habe er den Mann auf Deutsch und auf Englisch beleidigt und unter anderem gerufen: „Kein Jude in Deutschland!“

Während die Begleiterin des Opfers die Polizei alarmierte, setzte sich der Professor gegen die Angriffe zur Wehr. Als der Täter die Sirenen der näher kommenden Polizeiwagen hörte, suchte er die Flucht, während der 50-Jährige ihn verfolgte. Als der Professor trotz Aufforderungen der Polizei nicht stehen blieb, hielt ihn die Polizei „irrtümlich für den Aggressor“, überwältigten den Mann und schlugen ihm dabei auch ins Gesicht.

Entschuldigung vor Abreise

Es handle sich um ein „schreckliches und bedauerliches Missverständnis“, sagte die Polizeipräsidentin Brohl-Sowa. Sie habe sich vor der Abreise des Opfers in die USA noch mit ihm getroffen und sich bei ihm entschuldigt. Das Vorgehen der Polizisten werde nun vom Polizeipräsidium Köln untersucht, die Attacke untersucht der Staatsschutz.

Erst im April hatte ein Angriff mit einem Gürtel auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin gesorgt. Ein damals 19-Jähriger war deshalb wegen Beleidigung und Körperverletzung schuldig gesprochen worden.