Musikclips als obskure Begierde
Ausgestattet mit einer Kamera und ein, zwei Mikros drehen der französische Independent-Regisseur Vincent Moon und Chryde, der Gründer des Musikblogs „La Blogotheque“, seit 2006 ihre „Take Away Shows“ (im Original „concerts a emporter“). Das Konzept ist einfach: Bands, die gerade in Paris spielen, werden von der Blogotheque an ungewöhnlichen oder vielmehr gewöhnlichen Orten gefilmt. Auf der Straße, in einem überfüllten Aufzug, im Bus oder im Laden um die Ecke – jede Woche wird eine Band eingeladen, für die Blogotheque zu performen. Die Shows sind dabei weitgehend improvisiert und werden oft in nur einem Take gefilmt.
Statement gegen Kommerz
Mittlerweile dreht die Blogotheque auch in anderen Städten und Ländern, immer mit ihrer eigenen Handschrift, die als künstlerisches Statement gegen die kommerzielle Musikvideo-Industrie verstanden werden kann. Bis jetzt gibt es mehr als 300 Sessions, unter anderen mit Arcade Fire, Beirut, Fleet Foxes, Sigur Ros, Caribou, Mojave 3, Stuart Staples (Tindersticks), Keren Ann, Bon Iver, Yann Tiersen und The National.
Der schnelllebigen und künstlichen Popbranche Momente der Magie und Authentizität gegenüberzustellen, das gelingt der Blogotheque auch mit ihren „Soirees de poche“, wo Künstler spontan in private Apartments eingeladen werden, um dort in kleinem Kreis zu performen. Acts wie Feist, Kings of Convenience, Vampire Weekend und viele mehr wurden so schon mit ihren Fans „intim“.
Gastspiel in Wien
Erfreulich, dass die Blogotheque ein kleines Gastspiel in Wien geben wird. Die Nomaden des bewegten Bildes werden zur Jubiläums-Viennale anreisen und sowohl lokale Indie-Prominenz als auch Festivalgäste zu improvisierten Unplugged-Darbietungen verführen.
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Publiziert am 22.10.2012

