Szene aus "120 battements par minute"

Viennale

Zwischen Melancholie und Lebensfreude

Mit John Carroll Lynchs Regiedebüt „Lucky“ eröffnet eine kluge und wehmütige Ode an das Leben das Wiener Filmfestival und gibt sogleich die Richtung vor, in die sich das diesjährige Programm bewegt. Im Schatten von Hans Hurchs Tod wird das Leben umso mehr gefeiert. In den gewohnten Spielstätten findet sich ein breites Spektrum aus Festival-, Indie- und Arthouse-Gustostückerln.

Einer der Cannes-Gewinner kommt mit Robin Campillos Chronologie des Anti-Aids-Kampfes, „120 Battements par Minute“, nach Wien. Ebenfalls eine queere Thematik hat Eliza Hittmans Debütfilm „Beach Rats“ über die Identitätssuche des heranwachsenden Frankie. Eine Verbeugung vor der großen Chansonsängerin Barbara liefert indes Mathieu Amalric mit seiner sechsten Regiearbeit „Barbara“, für die er auch selbst vor der Kamera stand. Amalric kommt auch zum Festival nach Wien.

Hinweis

Die Viennale 2017 findet von 19. Oktober bis 2. November in Kinos in ganz Wien statt. Das Programm findet man auf viennale.at. Der Kartenvorverkauf startete am 14. Oktober.

Stargast Waltz präsentiert „Downsizing“

Zu den Hollywood-Highlights gehört heuer Alexander Paynes neues Werk „Downsizing“, das der österreichische Oscar-Preisträger Christoph Waltz als Stargast am 24. Oktober persönlich präsentiert. Ebenfalls nach Wien kommt Alex Ross Perry, der am 22. Oktober mit „Golden Exits“ sein hartes Psychospiel vorstellt, während es in Richard Linklaters „Last Flag Flying“ trotz des hochpolitischen Blicks auf die USA mit Bryan Cranston, Steve Carell und Laurence Fishburne humorvoller zugeht.

Christoph Waltz in "Downsizing"

Viennale

Christoph Waltz in „Downsizing“

Und mit Guillermo del Toros moralischem „The Shape Of Water“, der Sally Hawkins und Michael Shannon auf der Leinwand vereint, kommt auch der heurige Venedig-Gewinner nach Wien. Immerhin den Drehbuchpreis am Lido konnte Martin McDonagh für seinen Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ einheimsen, den die großartig-derbe Frances McDormand auf die Leinwand des Wiener Gartenbaukinos bringt.

Österreichische Filme

Einer kleinen, aber feinen Auswahl des heimischen Filmschaffens begegnet man bei der diesjährigen Viennale - mehr dazu hier.

Blick in versteckte Regionen

Ansonsten erlaubt das Festival aber wie immer auch den Blick in cineastische Weltregionen, die es im regulären Kino schwer haben. Alain Gomis’ Frauenporträt „Felicite“ rückt etwa die Gesellschaft des Kongo in den Fokus, während Ziad Doueiri mit „L’Insulte“ eine Parabel auf den Nahost-Konflikt zeigt. Die Mitleidslosigkeit in der russischen Gesellschaft zeichnet Andrey Zvyagintsev mit seinem harten Drama „Loveless“ nach, während Tarik Saleh, Däne mit ägyptischen Wurzeln, mit „The Nile Hilton Incident“ die Verbindung eines Porträts des „arabischen Frühlings“ mit einer Neo-Noir-Geschichte gelingt. Die Abschlussgala am 2. November dominiert Robert Guediguians gesellschaftskritisches Drama „La Villa“.

Szene aus "La Villa"

Viennale

Der Abschlussfilm „La Villa“ spielt in Südfrankreich

Herausragende Dokus

Abschließend noch ein paar Dokumentarfilm-Highlights: In „A L’Ouest Du Jourdain“ behandelt Amos Gitai den Konflikt zwischen Israel und Palästina, „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ von Romuald Karmakar zeigt die deutsche Technoszene, und das berühmt-berüchtigte Oakland Police Department steht im Mittelpunkt von Peter Nicks „The Force“. Außerdem erwähnenswert sind die dreistündige Dokumentation von Frederick Wiseman „Ex Libris - New York Public Library“ und Vanessa Redgraves Film „Sea Sorrow“, den sie persönlich in Wien vorstellen wird.