COV Ausland

Mit neuen CoV-Höchstständen in Russland hat in der Hauptstadt Moskau ein Teil-Lockdown zur Eindämmung der Pandemie begonnen. Seit heute sind lediglich Supermärkte und Apotheken noch geöffnet. Bis mindestens 7. November müssen Schulen, Kinos, Einkaufszentren und Fitnessstudios geschlossen bleiben. Restaurants und Cafes dürfen lediglich Essen und Getränke zum Mitnehmen anbieten.

Landesweit sollen arbeitsfreie Tage von Samstag an gelten. Präsident Wladimir Putin hatte verfügt, dass der Lohn in dieser Zeit weitergezahlt werde. Das gilt hauptsächlich nur für den öffentlichen Dienst. Medien hatten zuletzt berichtet, dass Russen massenhaft auf Urlaub ins Ausland fliegen wollten, etwa nach Ägypten.

Laut offizieller Statistik wurden heute landesweit mehr als 40.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020. Auch die Zahl der Corona-Toten pro Tag erreichte mit 1.160 einen neuen Höchstwert.

Erst ein Drittel vollständig geimpft

Erst ein Drittel der 146 Millionen Menschen in Russland ist offiziellen Angaben zufolge vollständig geimpft. Es sei noch keine Entscheidung getroffen worden, ob es eine landesweite Impfpflicht geben werde, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

„Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt.“ Bisher gibt es in einigen Regionen für bestimmte Berufe eine Pflicht, sich immunisieren zu lassen. Putin hatte sich erst vorige Woche gegen eine Impfpflicht ausgesprochen.

Unklar war, ob die arbeitsfreien Tage verlängert werden. Diese Möglichkeit hatte Putin nicht ausgeschlossen. Ob künftig etwa für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs QR-Codes als digitaler Nachweis einer Corona-Impfung oder überstandenen Krankheit notwendig seien, liege in der Entscheidung der Regionen, sagte Peskow.

In Afrika beginnt die Zahl der Coronavirus-Fälle spürbar zu sinken, obwohl erst 5,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Im Wochenvergleich sanken die Neuinfektionen laut John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) um 26 Prozent auf 31.000 Fälle.

Er sprach heute von einem guten Signal und meinte: „Als Kontinent haben wir eine Menge Fortschritte gemacht.“ Als Spitzenreiter beim Impfen gilt Marokko, das 57 Prozent seiner Bevölkerung bisher entsprechende Injektionen verabreicht hat.

Warnung vor Rückschlag

„Die (Infektions-)Zahlen sinken leicht, aber stetig“, betonte Nkengasong, der aber auch zugleich vor einem möglichen Rückschlag warnte. Auch wenn Afrika beim Kampf gegen die Pandemie noch lange nicht da sei, wo es sein wolle, stimme die Richtung. Insgesamt seien bisher 188 Millionen Impfstoffe verabreicht worden. Impfskepsis sei auf dem Kontinent kaum verbreitet, sagte er auf entsprechende Fragen.

Insgesamt wurden bisher in Afrika laut CDC knapp 8,5 Millionen Infektionen dokumentiert, von denen mehr als 218.800 tödlich waren. Die Dunkelziffer dürfte nach Expertenansicht auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen jedoch weitaus höher liegen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte vor Kurzem erklärt, dass fast 86 Prozent aller Coronavirus-Infektionen in Afrika unbemerkt bleiben und die Zahl aller Infektionen auf dem Kontinent auf 59 Millionen geschätzt. Die CDC versucht, die Mittel der afrikanischen Staaten zu bündeln und Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu koordinieren.

Ein neuer Bericht des UNO-Kinderhilfswerks (UNICEF) offenbart das Ausmaß der Probleme, die Jugendliche in Bezug auf ihre psychische Gesundheit haben. Suizid sei bereits die zweithäufigste Todesursache unter jungen Menschen in Europa.

Erst während der Coronavirus-Pandemie hätte das Thema ausreichend Aufmerksamkeit erhalten. Nun gelte es, den Betroffenen rasch zu helfen, hieß es bei einer Pressekonferenz der UNICEF und Österreichs Liga für Kinder- und Jugendgesundheit heute.

Fast 20 Prozent häufig deprimiert

Denn laut UNICEF seien die Zahlen alarmierend. Bei einer Befragung von Anfang 2021 gaben 19 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren an, sich häufig deprimiert und antriebslos zu fühlen. „Die Zahlen dokumentieren eine Krise, die sich schon lange angebahnt hat“, kommentierte Corinna Geissler von UNICEF Österreich den Bericht.

Bereits vor der Pandemie und ihren verheerenden Auswirkungen auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen war in Europa bei jedem Siebenten zwischen zehn und 19 Jahren eine psychologische Störung diagnostiziert worden – dieser Trend habe sich nun ohne Zweifel verstärkt, meinte Geissler.

160.000 Kinder und Jugendliche belastet

In Österreich sind laut Schätzungen von UNICEF aktuell 160.000 Kinder und Jugendliche psychisch belastet. „Sie alle hätten psychosoziale Betreuung nötig, aber nur 36.000 Betroffene werden derzeit behandelt“, kritisierte die klinische Psychologin Caroline Culen Engpässe in der Versorgung.

Trotz des großen Bedarfs gäben Regierungen weltweit nur 2,1 Prozent ihres Gesundheitsbudgets für Hilfe bezüglich der mentalen Gesundheit ihrer Bürger aus. Der Bedarf an Hilfseinrichtungen könnte aber weiter steigen, so die Expertin.

Durch die Pandemie seien natürliche Entwicklungsaufgaben gestoppt worden, die Jugendlichen hätten sich während der Lockdowns nicht sozial in unbekannten Netzen bewegen und beweisen können. „Das ist so, als würde man einem Jugendlichen sagen, du darfst nicht mehr wachsen“, meinte Culen.

Mehr Angebote gefordert

Es sei deshalb notwendig, Unterstützungsangebote auszubauen, forderte UNICEF von der heimischen Politik: „Die Kinder in Österreich müssen wissen, wo und an wen sie sich wenden können, wenn es ihnen nicht gut geht. Beratungen sollten in mehreren Sprachen vorhanden und auch im digitalen Raum zu finden sein“, sagte Geissler. Es brauche niederschwellige und vor allem kostenfreie Angebote.

Elternprogramme sollten auch die Aufmerksamkeit der Erziehungsberechtigten auf Probleme der Kinder schärfen, denn bei psychischen Belastungen gelte es, rasch zu handeln und „nur nicht abzuwarten und wegzuschauen“. Denn was der aktuelle UNICEF-Bericht auch zeigt: 83 Prozent der 15- bis 24-Jährigen würden vorhandene Hilfsangebote bezüglich psychischer Probleme annehmen.

Hilfe im Krisenfall

Berichte über (mögliche) Suizide und Suizidversuche können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Die Psychiatrische Soforthilfe bietet unter 01/313 30 rund um die Uhr Rat und Unterstützung im Krisenfall. Die österreichweite Telefonseelsorge ist ebenfalls jederzeit unter 142 gratis zu erreichen.

Vor dem Gipfeltreffen der G-20 in Rom haben Hilfsorganisationen mehr Unterstützung für ärmere Länder in der CoV-Pandemie gefordert. Die Organisation Oxfam rief die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag auf, bei ihrem Treffen am Wochenende die „skandalöse Ungleichheit beim Zugang zu Covid-19-Impfstoffen zu beenden“.

In den ärmsten Teilen der Welt seien kaum zwei Prozent der Bevölkerung mit mindestens einer Dosis geimpft, während die Impfquote in wohlhabenden Ländern teilweise bei über 70 Prozent liege.

Die reichen Staaten hätten den Ländern mit niedrigerem Pro-Kopf-Einkommen nur einen Bruchteil der versprochenen Impfdosen zur Verfügung gestellt, beklagte Oxfam. Die Hilfsorganisation verlangte eine Aussetzung des Patentschutzes für CoV-Impfstoffe, „um die Produktion zu steigern und die Kosten für alle zu senken“.

Warnung vor neuen Varianten

Auch die Hilfsorganisation ONE rief die G-20 zum Einsatz für mehr Impfgerechtigkeit auf. „Es kann doch nicht sein, dass wir in Deutschland bereits diskutieren, wer wann die dritte Impfung bekommt, während die meisten Menschen in ärmeren Ländern noch nicht einmal die Aussicht auf eine Erstimpfung haben“, erklärte der Chef von ONE Deutschland, Stephan Exo-Kreischer.

„Je länger die Menschen weltweit ungeimpft sind, desto mehr Corona-Varianten wird es geben, die nicht vor unseren Grenzen haltmachen werden.“ Die G-20 müsse daher alles daransetzen, „dass endlich alle Menschen auf der Welt Zugang zu Impfstoffen erhalten“.

Wegen stundenlanger Wartezeiten vor Notaufnahmen sind in England zuletzt mindestens zwei Patienten gestorben. Interne Dokumente, aus denen die Nachrichtenagentur PA heute zitierte, zeichnen ein katastrophales Bild der Situation.

In einem Brief fordert die Spitze des Gesundheitsdiensts NHS demnach, die Schlangen von Rettungswagen vor Notaufnahmen zu beenden und Ambulanzen nicht mehr als zusätzliche Warteräume zu benutzen.

Das Risiko für die Patienten sei enorm, betonten der medizinische Direktor des NHS, Stephen Powis, und die Chefin des NHS-Notdiensts, Pauline Philip, in dem Schreiben, aus dem PA zitierte.

Rettungsdienstleister: Grund ist Pandemie

Eigentlich soll die Übergabe vom Rettungswagen an die Notaufnahme nicht mehr als 15 Minuten dauern. Grund für die enorme Belastung sei die Pandemie, sagte Martin Flaherty vom Verband der Rettungsdienstleister.

Notfalleinrichtungen und Ambulanzen stünden unter enormem Druck, auch wegen Abstandsregeln sowie Mitarbeitern, die sich nach Kontakt mit Infizierten isolieren mussten. Seit April hat sich die Zahl der Wartezeiten für Rettungswagen fast verzehnfacht. Im September behandelten Notaufnahmen insgesamt 1,39 Millionen Menschen – so viele wie noch nie in einem Monat.

Untersuchung nach Tod eingeleitet

In der Stadt Worcester wurde eine Untersuchung eingeleitet, nachdem ein Patient während fünfstündiger Wartezeit in einem Krankenwagen vor der Tür des Worcestershire Royal Hospital gestorben war. In Cambridge starb eine Frau in einem ähnlichen Fall.

Der NHS in der Region West Midlands um Birmingham erhöhte die Risikoeinschätzung für Verzögerungen bei der Übergabe an Notaufnahmen erstmals in seiner Geschichte auf die höchste Stufe. PA zitierte aus Dokumenten, laut denen ein Patient mehr als 13 Stunden von einer Krankenwagenbesatzung versorgt werden musste. Es habe mehrere Fälle gegeben, in denen „schwere Schäden“ bei Patienten auftraten.

COV Inland

Das Gesundheits- und das Innenministerium haben 4.248 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: heute 9.30 Uhr) gemeldet. Diese Zahlen meldeten die Bundesländer an den nationalen Krisenstab.

11.316 Menschen verstarben bisher an den Folgen des Coronavirus. Derzeit befinden sich 1.289 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 265 auf Intensivstationen.

Daten des Krisenstabs in ORF.at/corona/daten/morgenmeldung

7-Tage-Inzidenz bei 280,9

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 280,9 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl in Salzburg (434,1), gefolgt von Oberösterreich (389,2). Am niedrigsten ist der Wert in Wien (177,5) und im Burgenland (177,7).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

Laut dem – der APA vorliegenden – Arbeitsdokument der zuständigen Kommission schaffen es nur noch das Burgenland und Wien in den orange gefärbten Sektor der CoV-Ampel, der hohes Risiko anzeigt. In den übrigen Bundesländern sowie im Gesamtstaat leuchtet die Ampel rot. Das heißt, es herrscht sehr hohes Infektionsrisiko.

Ausschlaggebend für die Färbung ist die Risikozahl. Ab der Marke 100 gilt sehr hohes Risiko. Nur Wien (81,5) und das Burgenland (78,5) bleiben noch darunter, aber auch in den beiden Bundesländern verschlechtert sich die Lage.

In der Steiermark, in Tirol, Kärnten und Vorarlberg gingen die Werte so stark nach oben, dass sie vom hohen Risiko in die schlechteste, also rote Zone abrutschten, die für Salzburg, Nieder- und Oberösterreich bereits bekanntes Terrain ist.

Der Negativtrend gilt freilich für sämtliche Bundesländer. Die ungünstigste Entwicklung während der vergangenen 14 Tage hatte Vorarlberg mit einem Plus von gleich 108 Prozent. Die höchste Risikozahl mit beachtlichen 326,9 weist Salzburg auf. Zum Vergleich: in der Vorwoche betrug sie 150,7. Das Bundesland hat auch die höchste rohe 7-Tage-Inzidenz (433,4) und auch die mit Abstand schlechteste risikoadjustierte Inzidenz mit 612.

Steigende Risikozahl bei über 65-Jährigen

Schlecht ist, dass auch bei den besonders gefährdeten über 65-Jährigen der Trend in die falsche Richtung zeigt. Das Plus in den vergangenen 14 Tagen betrug 61,4 Prozent, mittlerweile gehen in allen Bundesländern die Werte nach oben. Der Anteil dieser Gruppe an den aktuellen Infektionen stieg minimal von elf auf zwölf Prozent.

Stark abgesackt ist die Zahl der abgeklärten Fälle, die nur noch knapp über 50 Prozent liegt nach 62 Prozent in der Vorwoche. Gesunken ist die Zahl der asymptomatischen Fälle auf 29 Prozent. Dass der Wert nicht noch schlechter ist, ist im Wesentlichen Wien zu verdanken, wo 47 Prozent der ausgeforschten Infektionen ohne Symptome verlaufen.

Das hängt wohl damit zusammen, dass die Bundeshauptstadt weiter bei Weitem die meisten Tests auf die Bevölkerung bezogen durchführt, die Schlusslichter Tirol und Vorarlberg kommen nicht einmal annähernd auf die Hälfte.

Melk mit Spitzeninzidenz

In ganz Österreich gibt es gerade einmal drei Bezirke, in denen der 14-Tage-Trend nach unten geht, in zwei Regionen ist die Lage wenigstens stabil. Eine Inzidenz von unter 100 haben nur noch Hollabrunn und Murau. Melk am anderen Ende der Skala liegt schon über 1.000.

Eine Änderung wird die Kommission am Donnerstagnachmittag wohl auch bei den Risikostufen für die Schulen vornehmen. Vorarlberg wird sich gemäß Vorschlag zu den anderen Ländern auf der Stufe 2 gesellen, also wieder testen müssen.

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Nach dem Auftreten eines Clusters mit 178 Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff aus Deutschland in Wien werden heute alle mit Bussen nach Hause transportiert. 80 Menschen an Bord wurden laut dem medizinischen Krisenstab der Stadt positiv auf das Coronavirus getestet.

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Nach drei Semestern, in denen an den Unis CoV-bedingt vorwiegend Fernlehre stattgefunden hat, sind die Studierenden im aktuellen Wintersemester zu weiten Teilen wieder in den Hörsälen zurück. Dabei setzen die Unis auf „3-G“, in manchen Bereichen gelten strengere Vorgaben.

Mit Ende August waren ohnehin bereits 80 Prozent der Studierenden geimpft, an der Wirtschaftsuni und der Uni Graz gibt es nun erste „Fast Lanes“ für Geimpfte.

„Fast Lanes“ für ÖH in Ordnung

Bei der Bundes-ÖH hat man mit den „Fast Lanes“ keine Probleme und erwartet, dass noch weitere Unis das System übernehmen werden. „Das Feedback der Studierenden ist durchwegs positiv, weil es schneller geht“, so ein Sprecher der Österreichischen Hochschüler_innennschaft (ÖH).

Für die ÖH sei wichtig gewesen, dass der Datenschutz gewahrt bleibe. Und das sei, nachdem es sich sowohl an der WU als auch der Uni Graz um ein freiwilliges Angebot handle, auch der Fall. Von weiteren Unis mit einer derartigen Regelung weiß man in der ÖH ebenso wie in der Universitätenkonferenz (uniko) nichts.

In der uniko wird allerdings auf Anfrage betont, dass die Unis insgesamt daran arbeiten, die Sicherheitsvorkehrungen laufend effizienter und einfacher zu gestalten, um Zeitverzögerungen und große Menschenansammlungen bei den Eingängen zu vermeiden.

Kritik vom RFS

An der WU Wien wurde die „Fast Lane“ diese Woche eingeführt: Geimpfte und Genesene bekommen einen Sticker auf den Studierendenausweis, um die Eintrittskontrollen zu beschleunigen. Scharfe Kritik kommt vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), die Uni verteidigt die Maßnahme.

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An Wiener Mittelschulen und AHS sind seit Beginn des Schuljahres 1,2 Millionen PCR-Gurgeltests durchgeführt worden, nun will die Stadt diese Tests auch in den Kindergärten forcieren. Dafür wurden 80.000 Testkits an Kindergärten verteilt und eine „Mini-Kampagne“ gestartet.

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Ausland

Im Fall einer Serie von Drohschreiben in Deutschland mit der Unterschrift „NSU 2.0“ ist Anklage gegen einen 53-jährigen Tatverdächtigen erhoben worden. Dem zuletzt in Berlin lebenden Mann werden unter anderem Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung und das Verbreiten von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main heute mitteilte.

Der Beschuldigte soll zwischen Anfang August 2018 und Ende März 2021 insgesamt 116 Drohschreiben unter anderem an Bundestagsabgeordnete, Parlamentarierinen des hessischen Landtags, eine Frankfurter Anwältin sowie Künstlerinnen und Menschenrechtsaktivistinnen verschickt haben. Die Drohbriefe, die häufig in Form eines behördlichen Schreibens oder in Form eines Gerichtsurteils verfasst waren, habe er regelmäßig mit „Heil Hitler“ unterzeichnet, sich selbst habe er „SS-Obersturmbannführer“ genannt.

Extreme Drohungen an Frauen

Gedroht wurde unter anderem mit Worten wie „verpiss dich lieber, solange du hier noch lebend rauskommst“ oder damit, dass Familienangehörige „mit barbarischer sadistischer Härte abgeschlachtet“ würden. Um seine Drohwirkung zu verstärken, soll der Beschuldigte in vielen Fällen personenbezogene und zum Teil nicht frei zugängliche Daten der ausschließlich weiblichen Adressatinnen genannt haben.

Der Mann wurde am 3. Mai in seiner Berliner Wohnung festgenommen. Er bestreitet die Tatvorwürfe. Wiederholt hatten Spuren auch zur Polizei selbst verwiesen, weil aus Polizeirevieren Daten der Betroffenen abgerufen worden waren. Der anfängliche Verdacht, Polizeibeamte selbst könnten an der Datenabfrage beteiligt gewesen sein, bestätigte sich nicht.

Indien hat eine atomwaffenfähige Rakete mit einer Reichweite von bis zu 5.000 Kilometern getestet. Die Rakete vom Typ „Agni-5“ sei gestern Abend von einer Insel vor der Ostküste Indiens abgefeuert worden und in den Golf von Bengalen gestürzt, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Indien hatte die 17 Meter langen „Agni-5“-Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, bereits mehrfach zu Testzwecken abgefeuert. Nun nahm das Militär erstmals einen Test bei Nacht vor. In indischen Medienberichten war von einem „Warnsignal“ an China die Rede.

Spannungen mit China

Die Spannungen zwischen den beiden Atommächten hatten in den vergangenen Monaten zugenommen, nachdem im Juni 2020 bei Zusammenstößen im Himalaya-Gebirge 20 indische Soldaten getötet worden waren.

Es war der schlimmste Vorfall im Grenzkonflikt zwischen den beiden Länder seit Jahrzehnten. China und Indien mobilisierten seitdem Zehntausende zusätzliche Soldaten zur Absicherung ihrer Grenzen.

Zuletzt sorgte der mutmaßliche Test einer Hyperschallrakete durch China für Aufsehen. Während die USA von einem „sehr besorgniserregenden“ Ereignis sprachen, dementierte Peking entsprechende Berichte. Es habe sich vielmehr um einen Routinetest für „wiederverwendbare Raumfahrttechnik“ gehandelt.

Inland

Laut Medienberichten soll der österreichische Unternehmer Siegfried Wolf den damaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ersucht haben, bei hochrangigen US-amerikanischen Amtsträgern in Bezug auf US-Sanktionen gegen den russischen Automobilkonzern GAZ zu intervenieren.

Konkret hätte sich Kurz 2020 beim Weltwirtschaftsforum Davos für den Konzern einsetzen sollen, der vom russischen Oligarchen Oleg Deripaska kontrolliert wird. Das berichten heute „Standard“ und „Zeit“.

Die Artikel legen allerdings nahe, dass Kurz der Bitte Wolfs in Davos im Jänner 2020 nicht wirklich nachkam. Wolf habe gehofft, dass Kurz in Davos mit dem damaligen US-Finanzminister Steve Mnuchin und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner zusammentreffen würde. Das sei allerdings nicht geschehen, schrieb der „Standard“.

„Grundsätzlich unterstützen und servicieren Österreich beziehungsweise Österreichs Vertretungsbehörden im Ausland im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten alle Unternehmen“, sagte der Zeitung ein Sprecher des ehemaligen Bundeskanzlers.

Wolf sieht sich „angepatzt“

„Da kann ich mich eigentlich nur mehr wundern“, reagierte Siegfried Wolf in einem Telefonat mit der APA heute Vormittag. Er sprach von einer „anpatzerischen Weise“, in der über ihn geschrieben worden sei.

„Es stimmt, dass ich österreichischer Staatsbürger bin, Aktionär (von GAZ, Anm.) und dass man als unbescholtener Staatsbürger ein Grundrecht hat, um Hilfe zu fragen, wenn man sie braucht“, sagte der APA der in Russland und Österreich bestens vernetzte Unternehmer. Wolf ist auch im Aufsichtsrat von GAZ vertreten.

Bei Deripaska selbst hat man die Publikationen registriert. „Wir wissen nichts über eine Beziehung zwischen Herrn Wolf und Herrn Kurz und können deshalb auch keine Vorwürfe in Bezug auf sie kommentieren“, erklärte eine Sprecherin des russischen Oligarchen heute.

Kurz sprach von freundschaftlicher Verbundheit mit Wolf

Bei einer Beschuldigtenvernehmung hatte Kurz im September erklärt, dass er mit Wolf freundschaftlich verbunden sei und von diesem immer wieder in wirtschaftspolitischen Fragen beraten werde. Ende 2018 war im Umfeld des damaligen Bundeskanzlers über eine mögliche Berufung von Wolf zum Aufsichtsratschef der staatlichen Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG) diskutiert worden, zu der es schließlich jedoch nicht kam.

NEOS will nach den Korruptionsvorwürfen gegen die ÖVP nicht zur Tagesordnung übergehen und fordert ein Ende des Postenschachers im Land. „Es kann nicht sein, dass Posten nur in der ‚Familie‘ vergeben werden“, sagte Generalsekretär Douglas Hoyos heute.

Der Begriff „Freunderlwirtschaft“ sei verharmlosend, es gehe hier vielmehr um „strukturelle Korruption“. Man wolle gegen das „türkise Machtkartell“ ankämpfen. In den bekanntgewordenen Chats rund um den früheren ÖBAG-Chef Thomas Schmid gebe es noch eine Reihe weiterer Hinweise auf Postenschacher, so Hoyos.

Das türkise System, „in dem es nur darum geht, wen man kennt, und nicht, was man kann“, sei trotz des Rückzugs von Sebastian Kurz (ÖVP) aus dem Kanzleramt nach wie vor da, konstatierte Hoyos. Das System sei „verkommen“ und „vollkommen verhabert“.

Transparenz bei Personalentscheidungen und Aufträgen

Die türkis-grüne Regierung würde einfach gerne weitermachen wie bisher, aber es brauche rasch Gesetzesänderungen, verlangte Hoyos. „Es muss zu einem Umdenken in der Politik kommen.“

Konkret will NEOS volle Transparenz bei allen personellen Auswahlprozessen, von öffentlichen Hearings bis zur Offenlegung der Aufträge an Personalberater. Außerdem sollten alle Ausgaben und Einnahmen der Parteien, also auch jede einzelne Parteispende, veröffentlicht werden, wie es bei NEOS bereits der Fall sei, sagte Hoyos.

Komplette Transparenz ist aus seiner Sicht auch bei Auftragsvergaben bei allen öffentlichen Ausschreibungen notwendig. Unter der Prämisse „Karriere ohne Kennen“ dürfe es außerdem auch innerhalb der Ministerien nur Beförderungen nach Qualifikation geben.

Cooling-off-Phase für Politiker

Zudem will Hoyos eine Cooling-off-Phase für Politiker und Mitarbeiter von Parteien, sie sollen 18 Monate lang nicht in den öffentlichen Dienst wechseln dürfen. Die Gesetzesänderungen hätte Hoyos gerne noch heuer und appellierte besonders an die Grünen. Diese hätten bisher nichts geliefert, verwies er etwa auf die geforderte Medien- und Inseratentransparenz.

ÖVP-Generalsekretär Axel Melchior versuchte in einer Aussendung den Ball zurückzuspielen und meinte etwa, dass auf Wiener Ebene „SPÖ-Genossen hochdotierte Posten erhalten“ und NEOS das „unwidersprochen hinnehmen und damit dulden“.

In Wien tagt heute wieder der Gemeinderat. Die Oppositionsparteien Grüne und FPÖ wollen dabei die Inseratenvergabe der Stadt diskutieren und planen Anträge dazu. Die rot-pinke Stadtregierung will unterdessen vier Projekte beschließen, etwa den dritten Reparaturbon.

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Umwelt & Klima

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hat die Teilnehmer der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow zu konkretem Handeln aufgefordert. „Es ist an der Zeit, leere Reden, nicht gehaltene Versprechen und unerfüllte Zusagen hinter uns zu lassen“, sagte sie drei Tage vor Beginn der Konferenz heute in Genf.

„Wir brauchen Gesetze, die erlassen werden, Programme, die auch umgesetzt werden, und Investitionen, die schnell und umfassend finanziert werden – alles ohne weitere Verzögerungen“, so Bachelet.

Nur so könnten Natur- und Umweltkatastrophen abgewendet oder zumindest die Folgen abgemindert werden. Es müsse vor allem denjenigen geholfen werden, die von den Folgen des Klimawandels am meisten betroffen seien, oft arme und ausgegrenzte Menschen. „Das ist eine menschenrechtliche Verpflichtung“, so Bachelet.

Der UNO-Menschenrechtsrat hatte im September erstmals eine Resolution angenommen, die das Leben in einer sauberen, gesunden und nachhaltigen Umwelt als Menschenrecht anerkennt. Das hat konkret zunächst keine Folgen, aber Umweltverbände und Aktivistinnen und Aktivisten können sich darauf beziehen, wenn sie von ihren Regierungen Klima- und Umweltschutzmaßnahmen verlangen.

Mit einem etwas eigenwilligen Werbespruch wirbt das Klimaministerium in einer neuen Kampagne für den Austausch alter Heizkessel. „Holt die Leichen aus dem Keller“, so der Titel der Werbeoffensive, die die Menschen nicht zur Nachschau im Keller, sondern zum Kesseltausch aufruft. Die Kampagne wird in einer ersten Welle vom 31. Oktober 2021 bis zum 5. Dezember 2021 laufen.

Für den Tausch stehe ein „Rekordbudget“ von 1,9 Mrd. Euro an Förderungen zur Verfügung, so das Klimaschutzministerium. Allein für das kommende Jahr sind mehr als eine halbe Milliarde Euro budgetiert.

Pro Heizkesseltausch wird die bisherige Bundesförderung von bis zu 5.000 auf bis zu 7.500 Euro angehoben. Für besonders einkommensschwache Haushalte aus dem unteren Einkommenszehntel wird der Heizkesseltausch mit bis zu 100 Prozent gefördert. Derzeit heizen rund 600.000 Haushalte mit Ölheizungen und eine Million Haushalte mit Gasheizungen.

Die vom Menschen verursachte Erderwärmung hat auch schwere Folgen für die großen Industrienationen. Ohne eine drastische Verringerung der Treibhausgase drohten auch den G-20-Staaten neue Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Überschwemmungen, warnte heute eine Studie des italienischen Euro-Mittelmeer-Forschungszentrums für Klimawandel (CMCC) im Auftrag der europäischen Klimastiftung.

Vor dem Gipfel der großen Industrieländer (G-20) am Wochenende in Rom und dem am Sonntag beginnenden Weltklimatreffen (COP26) im schottischen Glasgow warnten die Wissenschaftler, dass die G-20-Staaten durch den Klimawandel 2050 im Schnitt mindestens vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung (BIP) pro Jahr einbüßen dürften. Bis 2100 wären es sogar acht Prozent, warnten die Wissenschaftler.

Einbußen auch bei Erreichen von Zwei-Grad-Ziel

Könnten die Emissionen so gesenkt werden, dass die Erwärmung auf zwei Prozent begrenzt werde, müsste etwa Deutschland 2050 immer noch ein Minus von 1,35 Prozent oder 45 Milliarden Euro hinnehmen. Im ungünstigen Fall müsste Deutschland 2050 auf 1,85 Prozent Wirtschaftsleistung jährlich verzichten – bis 2100 dann 2,95 Prozent. Landwirtschaft, Tourismus und Küstenregionen seien besonders bedroht.

„Es ist an der Zeit, dass die G-20 ihre Wirtschaftsagenda zu einer Klimaagenda machen“, meinte Laurence Tubiana, Chefin der europäischen Klimastiftung. „Das Zeitfenster für wirksame Maßnahmen schließt sich schnell.“ Die G-20-Länder stünden vor einer Entscheidung: „Die Weltwirtschaft zu schützen und einen raschen Übergang in eine klimaneutrale Zukunft einzuleiten – oder die Weltwirtschaft durch klimaschädliche Politik aus den Angeln zu heben.“

Die Österreicherinnen und Österreicher sehen den Ausbau von Autobahnen und Schnellstraßen im Widerspruch zu den Klimazielen. Nur ein Drittel hat sich bei einer Umfrage für den weiteren Ausbau ausgesprochen, eine Mehrheit von 63 Prozent lehnt diesen ab. 20,6 Millionen Tonnen CO2 hat der Verkehr in Österreich im Vorjahr verursacht – trotz Covid-19-Pandemie um 6,8 Millionen Tonnen mehr als im Jahr 1990, berichtete der VCÖ.

„Der Verkehr ist der einzige Sektor, dessen klimaschädliche Emissionen in den vergangenen 30 Jahren gestiegen sind. Die Verkehrszunahme macht die Einsparungen der anderen Sektoren wieder zunichte. Die Klimaziele im Verkehr sind nur mit einem anderen Mobilitätsverhalten zu erreichen“, sagte VCÖ-Vertreter Michael Schwendinger.

Zentralen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten hat laut VCÖ die Verkehrsinfrastruktur. Der Verein hat im Vorfeld der COP26-Klimakonferenz von Glasgow vom Meinungsforschungsinstitut Market unter mehr als 1.200 Personen erheben lassen, welche Infrastrukturen aus Sicht der Bevölkerung ausgebaut werden sollen und welche nicht.

Mehrheit gegen weiteren Ausbau von Autobahnen

Sieben Prozent haben sich bei der Umfrage sogar für den Rückbau des Autobahnen- und Schnellstraßennetzes ausgesprochen. Auch Autofahrerinnen und Autofahrer, die mehrmals pro Woche hinter dem Lenkrad sitzen, sprachen sich mit 57 Prozent mehrheitlich für einen Autobahnbaustopp aus. Unter allen Befragten lehnen 63 Prozent einen weiteren Ausbau ab.

Knapp keine Mehrheit in der Bevölkerung findet allerdings die Aussage, dass der Bau zusätzlicher Autobahnen und Schnellstraßen nicht mehr zeitgemäß sei und generell beendet werden solle. 47 Prozent der Befragten stimmten hier zu.

80 Prozent sind jedoch dafür, dass vor dem Bau zusätzlicher Autobahnen und Schnellstraßen aufgrund der durch die Klimakrise stark veränderten Ausgangssituation klimaverträglichere Alternativen geprüft werden.

IT

Strafverfolger des Landeskriminalamts Baden-Württemberg haben laut Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) und der „Zeit“ (Onlineausgabe) einen mutmaßlichen Drahtzieher hinter der Schadsoftware REvil ermittelt.

Bei der Software handelt es sich den heutigen Berichten zufolge um eines der berüchtigtsten Programme für Ransomware-Angriffe. In Deutschland seien unter anderem das Staatstheater Stuttgart, mehrere mittelständische Unternehmen und auch Krankenhäuser davon betroffen gewesen.

Bei Ransomware – auch als Erpressungstrojaner bekannt – handelt es sich um eingeschleuste Software, die Computer und andere Systeme blockiert. Anschließend werden die Betreiber erpresst, damit die Systeme wieder freigeschaltet werden. In dem Begriff steckt das englische Wort für Lösegeld („ransom“).

Russischer Staatsbürger

Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um einen russischen Staatsbürger handeln, der in einer Großstadt im Süden des Landes lebt. Er soll nach Ansicht der Ermittler „zweifelsfrei“ der Kerngruppe von REvil und deren mutmaßlichem Vorgänger Gandcrab angehören.

Reporter des BR und der „Zeit"hätten Anhaltspunkte dafür gefunden, dass der Verdächtige Geld erhalten habe, das direkt aus Ransomware-Fällen stammen soll.

Weder die ermittelnden Behörden – das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg – noch die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollten sich auf Nachfrage der Medien dazu äußern. Auch der Tatverdächtige habe nicht auf Anfragen reagiert. Solange er sich in Russland aufhält, könne er nicht von deutschen Strafverfolgern festgenommen werden, so die Medien.

Wirtschaft

Der Brexit wird nach Einschätzung einer unabhängigen britischen Behörde deutlich schlimmere Folgen für die Wirtschaft des Landes haben als die Pandemie. Um etwa vier Prozent werde der EU-Austritt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringern, sagte der Chef der Aufsichtsbehörde Office for Budget Responsibility (OBR), Richard Hughes, in einem in der Nacht auf heute ausgestrahlten Gespräch in der BBC. Die Pandemie senke das BIP um weitere zwei Prozent.

„Langfristig ist es so, dass der Brexit größere Auswirkungen als die Pandemie haben wird“, betonte Hughes. In ihrem jüngsten Bericht hatte das Beratungsgremium betont, dass Versorgungsengpässe aufgrund der schärferen Einwanderungsregeln sowie mehr Zöllen und Bürokratie die Lage in Großbritannien seit dem Brexit verschärft hätten.

Warnung vor hoher Inflation

Gestern hatte Finanzminister Rishi Sunak seinen Haushalt vorgestellt. Er kündigte darin Milliardenhilfen für zahlreiche Branchen ebenso wie Steuererhöhungen an. Das OBR warnte daraufhin, die Lebenshaltungskosten könnten so schnell wie seit 30 Jahren nicht mehr zulegen, und die Inflation könnte auf fünf Prozent steigen. Die „Times“ nannte Sunaks Steuererhöhungen „immens“. Das Boulevardblatt „Sun“ kritisierte eine „Epidemie der Regierungsausgaben“.

Sunak hatte ein positives Bild gezeichnet. Er kündigte an, die britische Wirtschaft werde 2022 das Niveau vor der Pandemie erreichen und rechnete mit einem Wachstum von 6,5 Prozent in diesem und sechs Prozent im kommenden Jahr.

Die Preise in der EU, besonders die Erzeugerpreise, sind zuletzt wesentlich stärker gestiegen als in den Vorjahren. Verantwortlich dafür sind vor allem die stark anziehende Nachfrage und die anhaltenden Unterbrechungen der globalen Lieferketten infolge der wirtschaftlichen Erholung von der CoV-Krise.

Abhilfe könnte die Aufhebung der EU-Anti-Dumping-Zölle schaffen. Das hat eine Untersuchung der Ökonomen Gabriel Felbermayr vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und Alexander Sandkamp vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ergeben.

Vor allem China im Fokus

Zum Schutz des europäischen Marktes vor Billigimporten setzt die EU auch handelspolitische Schutzinstrumente ein. Am häufigsten sind das Anti-Dumping-Zölle, die vor allem gegen China verhängt werden.

China wird in der EU-Anti-Dumping-Verordnung als „Nicht-Marktwirtschaft“ behandelt, die Zölle auf Importe aus China seien deshalb höher als für viele andere Länder, heißt es in dem „Research Brief“. Offiziell hat die EU das „Nicht-Marktwirtschaft“-Konzept 2017 aufgegeben, die Umsetzung ist aber noch nicht abgeschlossen.

Vor allem in Metall- und Chemiebranche

Die Untersuchung der Wirtschaftsforscher hat ergeben, dass Anti-Dumping-Zölle „erhebliche Handelshemmnisse“ darstellen und die Importe stark reduzieren. Solche Zölle werden häufig auf Zwischenprodukte erhoben und sind vor allem in der Metall- und Chemiebranche verbreitet.

Eine Abschaffung der Anti-Dumping-Zölle könne den Druck auf die Vorleistungs- und Verbraucherpreise, mit dem die EU-Volkswirtschaften derzeit kämpfen, insbesondere in der Metall- und Chemieindustrie, teilweise mildern.

Wegen einer relativ geringen Laufwasserkraft- und Windstromerzeugung ist die österreichische Stromversorgung im September zu einem Viertel von Importen abhängig gewesen. Davor habe es durch gute Wasserführung noch fast 100 Prozent Strom aus klimafreundlichen Energiequellen und einen deutlichen Exportüberschuss gegeben.

Im September hingegen sei die Importquote bei rund 26 Prozent gelegen, erklärte der Stromnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) heute.

Im September lieferten die Laufwasserkraftwerke hierzulande laut APG nur noch 2.146 Gigawattstunden (GWh) – nach noch 3.223 GWh im August. Weiter eher niedrig war die Erzeugung aus Windkraft mit 370 GWh. Buchstäblich von einem Tag auf den anderen sei Österreich Anfang September zum Stromimportland geworden, so die APG in einer Aussendung.

Beim Stromverbrauch wurde im September – gemessen am Vergleichszeitraum 2017–2019 – eine leichte Steigerung um rund zwei Prozent auf 5.017 GWh registriert. Bedingt sei der leichte Verbrauchsanstieg durch die zunehmende Nutzung von Strom in vielen Bereichen des täglichen Lebens, von E-Autos bis hin zu strombetriebenen Wärmepumpen oder Klimaanlagen. Auch die zunehmende schrittweise Elektrifizierung der Industrie trage dazu bei.

Die Geldwäschemeldestelle des Bundeskriminalamts hat im Vorjahr einen signifikanten Arbeitsanstieg verzeichnet. Im ersten Jahr der Pandemie sind über 5.000 Akteneingänge bearbeitet worden, davon über 4.300 Verdachtsmeldungen. Das entsprach einem Plus von fast 40 Prozent. Mit 89 Verurteilungen wegen Geldwäsche wurde in strafrechtlicher Hinsicht ein neuer Rekord erreicht.

Aufgrund von Verdachtsmeldungen oder im Zusammenhang mit Straftaten wurden rund 30,3 Mio. Euro an Vermögenswerten sichergestellt, die mit Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung in Verbindung standen. Davon machten Immobilien insgesamt 25 Mio. Euro aus.

„Das konsequente Vorgehen gegen Geldwäsche ist vor allem der Kampf gegen die organisierte Kriminalität und ihre Strukturen“, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) heute anlässlich der Veröffentlichung des „Lageberichts Geldwäscherei“ fest.

Wie die Spezialisten vom Bundeskriminalamt am Donnerstag bekräftigten, hat die Pandemie neue Trends und Betrugsmuster hervorgebracht. Darunter etwa Fake-Shops, die vorgeben, medizinische Produkte wie Schutzmasken oder Desinfektionsmittel zu verkaufen, aber nach Erhalt des Geldes nicht liefern. Auch auf öffentliche Fördermittel hatten es die Kriminellen abgesehen. Mit betrügerischen Taktiken wurden zunächst Förderungen erschlichen und anschließend mittels Geldwäsche die Herkunft dieser Zahlungen verschleiert.

Die Zuckerrübenernte hat begonnen, und die burgenländischen Landwirte sind zuversichtlich: Die Wetterverhältnisse sorgen für eine gute Ernte, und nach Jahren des Verfalls steigen wieder die Preise, für die der gewonnene Zucker abgenommen wird. Die Zahl der Zuckerrübenbäuerinnen und -bauern im Burgenland sinkt trotzdem.

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Die Energiepreise befinden sich seit geraumer Zeit auf Rekordniveau, Entspannung ist nicht in Sicht. Verantwortlich gemacht werden dafür vor allem der Wirtschaftsaufschwung nach den langen Pandemiemonaten und die wachsende Nachfrage. Debattiert wurde in der EU zuletzt aber auch die geopolitische Komponente, vor allem die Rolle Russlands als Europas wichtigster Gaslieferant. Gestern kündigte das Land an, seine Gaslieferungen nach Deutschland und Österreich aufzustocken.

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Überzogene Konten sind im Schnitt mit 1.500 Euro im Minus, so das Ergebnis einer Umfrage des Vergleichsportals Durchblicker.at. Die meisten dauerhaft überzogenen Konten gibt es demnach in Kärnten und Tirol.

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Gesundheit

Ein Antidepressivum könnte laut einer Studie dabei helfen, den Krankenhausaufenthalt von CoV-Hochrisikopatientinnen und -patienten zu verkürzen. Fluvoxamin könne insbesondere in Ländern, in denen noch nicht genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen, als günstige Behandlungsmethode zum Einsatz kommen.

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Sport

Raphael Dwamena befindet sich in stabilem Zustand. Möglicherweise hat dem 26-jährigen Stürmer von Blau Weiß Linz ein implantierter Defibrillator gestern Abend das Leben gerettet. Dwamena war beim kurz darauf abgebrochenen Cupachtelfinale gegen Hartberg am Spielfeldrand zusammengebrochen.

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Fassungslos wie selten zuvor ist Bayern München nach dem historischen Debakel im DFB-Pokal aus Mönchengladbach abgereist. Während die Borussen gestern die überragende 5:0-Gala mit 50.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion zelebrierten, fanden die Bayern keine Erklärungen für die höchste Cuppleite ihrer Geschichte. „So ein kollektives Versagen habe ich noch nicht erlebt“, meinte Bayern-Offensivmann Thomas Müller.

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Nach der vierten Niederlage aus den vergangenen sechs Partien hat sich der FC Barcelona von seinem Trainer Ronald Koeman getrennt. Die Entscheidung sei nach dem 0:1 bei Rayo Vallecano in der spanischen Liga gefallen, teilte der Verein in der Nacht auf heute auf seiner Website mit.

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Chronik

Eine Frau soll in der vergangenen Woche in einer Wohnung in Wien-Landstraße zweimal von ihrem Ehemann dermaßen attackiert worden sein, dass sie ihr Bewusstsein verlor. Der Mann wurde laut Polizei auf freiem Fuß angezeigt.

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Ein 86-jähriger Autofahrer, der im Sommer vor dem Stift St. Florian (Oberösterreich) in eine Menschenmenge gefahren ist und dabei zwölf Menschen verletzt hat, ist nun verurteilt worden. Er kommt mit einer Geldstrafe davon.

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Ein schwerer Auffahrunfall hat sich gestern Nachmittag auf der Inntalautobahn (A12) im Gemeindegebiet von Kramsach (Tirol) ereignet. Ein Autofahrer fuhr ungebremst auf einen stehenden Lkw auf, er wurde unter dem Sattelschlepper eingeklemmt.

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Mit einer intensiven Befragung zu seinem Lebenslauf und den finanziellen Verhältnissen hat heute in München der Prozess gegen einen 66-Jährigen begonnen, der mehrere Männer auf deren eigenen Wunsch hin kastriert haben soll. Einer von ihnen starb der Anklage zufolge kurz nach dem Eingriff.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann deshalb nicht nur schwere und gefährliche Körperverletzung, sondern auch Mord durch Unterlassen vor.

Der Verteidiger des Angeklagten kündigte an, dass dieser auch zur Sache aussagen werde. Zugleich ließ der Anwalt anklingen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Kastration und dem Tod des Mannes infrage gestellt werde.

Der aus Baden-Württemberg gebürtige, aber zuletzt im oberbayrischen Markt Schwaben lebende Angeklagte soll zunächst aus Geldnot über Internetforen sadistische Sexualpraktiken angeboten haben. Sein Repertoire erweiterte er laut Anklage aber schon bald um Kastrationen. Dabei hatte er – anders als er es den Betroffenen vorgaukelte – keinerlei medizinische Ausbildung, wie er am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht München II zugab. Ein Urteil soll voraussichtlich Ende November fallen.

Wegen des aufsehenerregenden Doppelmords an zwei Schwestern in einem Londoner Park ist ein 19-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der junge Mann könne frühestens nach 35 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden, entschied das Londoner Strafgericht Old Bailey heute.

Der Mann wollte laut Gericht einen „Pakt mit dem Teufel“ erfüllen. Er habe die Frauen wahllos ausgesucht und sie „Satan“ als Opfer darbringen wollen. Bei dem Mann war ein „Vertrag“ gefunden worden, den er mit seinem eigenen Blut unterschrieben hatte und in dem er alle sechs Monate die Ermordung von sechs Frauen versprach – im Gegenzug für einen Millionengewinn im Lotto.

Das Strafgericht Old Bailey hatte bereits zuvor den Täter schuldig gesprochen, die Frauen im Alter von 46 und 27 Jahren in der Nacht zum 1. Juli 2020 erstochen zu haben. Der zur Tatzeit 18 Jahre alte Mann wies die Vorwürfe zurück. Die Verteidigung machte keine psychischen oder gesundheitlichen Probleme geltend.

Religion

Die katholische Initiative „Maria 2.0“ will in der ersten November-Woche rund 20.000 Postkarten an Papst Franziskus schicken. Damit wollen die Initiatorinnen auf die bestehenden Missstände in der Kirche aufmerksam machen – etwa sexualisierte Gewalt und mangelnde Gleichberechtigung.

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Science

Britische Forscherinnen und Forscher haben die nach Eigenangaben bisher schärfsten Bilder lebender Bakterien gemacht. Sie zeigen, dass ihre äußere Schutzschicht anders aufgebaut ist als bisher gedacht – das könnte für die Antibiotikaforschung eine gute Nachricht sein.

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Ein unbemannter Raumfrachter auch mit Geschenken für Weihnachten und den Jahreswechsel an Bord ist zur Internationalen Raumstation (ISS) aufgebrochen. Der Transporter vom russischen Typ Progress MS-18 startete in der Nacht auf heute vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan in Zentralasien, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte.

Das Raumschiff soll am Samstag andocken. Nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos bringt es hauptsächlich Treibstoff, Wasser und Nahrungsmittel zur ISS.

„Da der nächste Raumfrachter erst im Februar eintrifft, rechnen wir damit, dass wir Geschenke für die anstehenden Feiertage erhalten“, sagte der Kosmonaut Pjotr Dubrow. „Natürlich gibt es Pakete von Zuhause, Überraschungen, Briefe.“ Derzeit halten sich insgesamt sieben Raumfahrer auf der ISS auf.

Kultur

Morgen starten die Salzburger Osterfestspiele – mitten im Herbst. Wegen der Pandemie haben sich die Macher des Festivals zu einem reduzierten Programm an vier Tagen zu ungewöhnlicher Jahreszeit entschieden. Auf eine szenische Produktion verzichtet man. Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt stattdessen bis 2. November täglich ein Konzert, dreimal unter Leitung ihres Chefdirigenten Christian Thielemann.

Zum Auftakt steht Mozarts „Requiem“ auf dem Programm. Den zweiten Abend wird Gastdirigent Daniele Gatti gestalten. Hilary Hahn spielt Mozarts A-Dur-Violinkonzert. Zu hören sind außerdem Felix Mendelssohn Bartholdys „Meeresstille und glückliche Fahrt“ sowie Robert Schumanns 3. Symphonie.

Mit „Winterstürme“ ist das Konzert am Sonntag überschrieben. Zur Aufführung kommen Ausschnitte aus Wagners „Ring“-Opern „Walküre“ und „Götterdämmerung“. Einen Höhepunkt zu Allerheiligen setzen dann Thielemann und die Sächsische Staatskapelle mit Denis Matsuev, der Edvard Griegs Klavierkonzert spielt.

Rückkehr zur Normalität 2022 geplant

Im nächsten Jahr sollen die Osterfestspiele wieder regulär über die Bühne gehen. Thielemann dirigiert in seinem Abschiedsjahr eine Neuinszenierung von Wagners „Lohengrin“. Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt unter Gastdirigent Tugan Sokhiev die 7. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch.

Dann steht der große Wechsel in Salzburg an, wenn 2023 der bereits ab kommendem Jahr mit der künstlerischen Gesamtverantwortung betraute Nikolaus Bachler eine Neuausrichtung und Erweiterung angekündigt hat. Dazu zählt auch das Ende des Vertrages mit der Sächsischen Staatskapelle unter Thielemann.