Ausland

Die im Roten Meer zum Schutz von Handelsschiffen eingesetzte deutsche Fregatte „Hessen“ hat den ersten Angriff der aus dem Jemen agierenden Huthi-Miliz abgewehrt.

Das an der EU-Militärmission „Aspides“ beteiligte Schiff habe gestern Abend „zwei feindliche Flugziele erfolgreich bekämpft“, hieß es. Es war der erste scharfe Waffeneinsatz der deutschen Marine in dem am Freitag begonnenen Einsatz. Dieser gilt als relativ gefährlich. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz will mit dem Beschuss von Handelsschiffen im Roten Meer ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen.

Reedereien meiden Route

Der Seeweg durch das Rote Meer und den Sueskanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Wegen der Angriffe der Huthis meiden große Reedereien zunehmend die kürzeste Seeverbindung zwischen Asien und Europa – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

In der vergangenen Woche hatte die Huthi-Miliz erklärt, Angriffe auf Handelsschiffe vor der Küste des Landes ausweiten zu wollen. Man setze auf Eskalation als Antwort auf die Eskalation Israels im Gazastreifen, sagte der Anführer der Gruppe, Abdel-Malik al-Huthi, in einer Fernsehansprache.

Der Anwalt des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist verhaftet worden. Er wurde gestern in Moskau in Gewahrsam genommen, berichteten mehrere russische Medien. Der Jurist Wassili Dubkow hatte vergangene Woche die Mutter Ludmilla Nawalnaja zum Straflager „Polarwolf“ begleitet, in dem Nawalny gestorben war. Nawalny war vor zehn Tagen überraschend gestorben. Er war zu mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Mutter des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny mit seinem Anwalt, Wassili Dubkow
Reuters/Maxim Shemetov

Die Organisation einer Trauerfeier für Nawalny wird nach Angaben seines Teams von den Behörden in Russland behindert. „Nach einem Tag Suche haben wir immer noch keinen Trauersaal gefunden“, schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch auf X (Twitter). Einige Bestattungsunternehmen hätten erklärt, sie seien ausgebucht, andere hätten abgelehnt, sobald der Name Nawalny gefallen sei.

„An einer Stelle wurde uns gesagt, dass den Beerdigungsinstituten verboten worden sei, mit uns zu arbeiten.“ Nawalny starb am 16. Februar nach Behördenangaben in einem Straflager in der sibirischen Arktisregion Jamal. Die Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Der durch den Giftanschlag 2020 und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein.

In Tschetschenien ist ein Mann wegen einer Koranverbrennung verurteilt worden, der vom Sohn des Machthabers dort vor laufender Kamera verprügelt worden war. Nikita Schurawel wurde der staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge gestern zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der 20-Jährige war im Mai 2023 festgenommen worden, nachdem er eine Kopie des Korans vor einer Moschee in Wolgograd verbrannt hatte, 800 Kilometer von der tschetschenischen Hauptstadt Grosny entfernt.

Der Fall wurde nach Tschetschenien verlegt, mit der Begründung, es habe viele entsprechende Anfragen gegeben. Später wurde ein Video veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie der Sohn des diktatorischen Machthabers Ramsan Kadyrow Schurawel in der Haft tritt und schlägt.

Ein Vertreter eines russischen Anwaltsverbands, Jewgeni Smirnow, erklärte, die Strafe könne angesichts der Prügel und der öffentlichen Demütigungen als milde angesehen werden. Schurawel hatten bis zu zehn Jahre Gefängnis gedroht. Tschetschenien hat eine überwiegend muslimische Bevölkerung, Kadyrow stellt sich als Russlands führender Verteidiger des islamischen Glaubens dar.

AfD-Chefin Alice Weidel hat in einem Schreiben an die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen den Gebrauch des Begriffs „Remigration“ durch ihre Partei gerechtfertigt. Deutschen Medien wirft Weidel im Zusammenhang mit dem Potsdamer Geheimtreffen „Lügen“ und „Manipulation“ mit dem Ziel vor, die AfD vor den anstehenden Wahlen zu schwächen.

Das Wort „Remigration“ bedeute lediglich die Anwendung in Deutschland bestehender Gesetze, schrieb Weidel in dem Brief, der der AFP gestern vorlag. Weidel hatte sich vergangene Woche mit der Fraktionschefin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN), Le Pen, in Paris getroffen.

Nach RN-Angaben verpflichtete sich Weidel zu schriftlichen „Klarstellungen“ über die Positionen ihrer Partei nach den Berichten über das Potsdamer Treffen. Nach Recherchen des Netzwerks Correctiv hatten sich AfD-Politiker, Mitglieder der rechtskonservativen Werteunion, Rechtsextreme und Unternehmer im November 2023 in einem Hotel versammelt, um die Vertreibung von Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aus Deutschland zu besprechen.

Le Pen distanzierte sich von AfD

Martin Sellner, langjähriger Sprecher der rechtsextremen Identitären Österreichs, stellte dort einen Plan für eine solche beschönigend „Remigration“ genannte Massenvertreibung vor. Le Pen hatte sich danach deutlich von der AfD distanziert und mit einem Ende der gemeinsamen Fraktion im EU-Parlament gedroht. AfD und RN zählen beide zur Fraktion Identität und Demokratie im EU-Parlament.

Weidel schrieb in ihrem Brief an Le Pen, Correctiv habe mit „Dramatisierungen und Lügen“ über das Treffen berichtet, auch seien „hinterhältige Vergleiche“ gezogen worden. Diese Darstellung sei von „fast allen Medien“ übernommen worden. Das sei für die „unbeliebte linke Regierung“ eine willkommene Gelegenheit gewesen, von den eigentlichen Problemen des Landes abzulenken, schrieb die AfD-Vorsitzende weiter.

Inland

Michael Radasztics, Richter im Falschaussageprozess gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und einstiger Staatsanwalt in der Eurofighter- und BUWOG-Causa, ist im Mai 2023 zu einer Disziplinarstrafe verurteilt worden. Wie der „Kurier“ gestern berichtete, wurde die Entscheidung des zuständigen Disziplinargerichts, des Oberlandesgerichts (OLG) Graz, aber erst am Montag im Rechtsinformationssystem (RIS) veröffentlicht – just drei Tage nach dem Urteil gegen Kurz.

Richter Michael Radasztics
ORF/Roland WInkler

Radasztics bestätigt die Causa gegenüber dem „Kurier“ und erklärte die zeitliche Komponente der Veröffentlichung damit, dass die Entscheidung zwar im Mai fiel, daraufhin aber die Oberstaatsanwaltschaft als Ankläger und er selbst als Beschuldigter Rechtsmittel eingelegt hätten. Die Causa ging zum Obersten Gerichtshof, dann hätten aber beide Seiten die Rechtsmittel zurückgezogen. Deshalb sei die Entscheidung erst im Dezember rechtskräftig geworden. Seine Strafe habe er heuer gezahlt, so Radasztics.

Pflichten „schuldhaft verletzt“

Der ehemalige Staatsanwalt, der erst seit 1. Jänner 2023 Richter ist, wurde laut „Kurier“ zu einer Geldstrafe in Höhe eines halben Monatsbezugs verurteilt. In der BUWOG-Causa habe Radasztics dem OLG Graz zufolge seine auferlegten Pflichten „schuldhaft verletzt“, indem er das Ermittlungsverfahren erst abgebrochen und es 2012 dann unterlassen habe, den Beschuldigten, den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos), zu verständigen, dass gegen ihn ein Strafverfahren läuft.

In der Causa Eurofighter geht es um den Vorwurf, dass Radasztics dem Ex-Grünen-Abgeordneten Peter Pilz im Jahr 2018 Informationen aus Ermittlungsakten gesteckt haben soll. Konkret betraf es eine Weisung aus dem Verteidigungsministerium, wonach Aktenstücke aus Gründen der nationalen Sicherheit an das Ressort zurückzustellen seien. Strafrechtliche Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs und Verletzung des Amtsgeheimnisses wurden damals fallengelassen.

Kurz-Anwalt wollte Richterwechsel

Das Thema kam bereits am ersten Prozesstag gegen Ex-Kanzler Kurz im vergangenen Oktober auf. Kurz’ Verteidiger Otto Dietrich beantragte aus Befangenheitsgründen einen Richterwechsel. Die Begründung: Radasztics sei mit Pilz befreundet und Pilz sei ein Gegner von Kurz.

Der Richter wies den Antrag ab und konterte: „Ich habe weder ein freundschaftliches noch ein Vertrauensverhältnis zu Dr. Pilz.“ In der Eurofighter-Causa sei Pilz als Zeuge einvernommen worden, mehr habe nicht stattgefunden, so der Richter.

Nach dem Schuldspruch gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wegen Falschaussage vor einem U-Ausschuss stellt sich auch die Frage, ob sich das Urteil auf künftige U-Ausschüsse auswirken könnte. Mögliche Konsequenzen eines Aussageverhaltens seien den Auskunftspersonen „schon bisher hinlänglich bekannt“ gewesen, sagte Verfahrensrichterin Christa Edwards gestern zu ORF.at.

Das – nicht rechtskräftige – Urteil werde zu mehr Entschlagungen und Erinnerungslücken führen, hieß es in den vergangenen Tagen in diversen Medien. Auch Kurz sagte gestern in der ZIB2: „Viele Leute werden nicht mehr hingehen, andere werden sich entschlagen, und die, die dorthin gehen und sich nicht entschlagen, werden sich an nichts mehr erinnern können“, so der Ex-Kanzler.

Auskunftspersonen wissen über Folgen Bescheid

Edwards, die in den im März startenden U-Ausschüssen als Verfahrensrichterin sitzen wird, sieht sich nicht als Hellseherin. „Ob sich Auskunftspersonen künftig vermehrt entschlagen wollen werden, kann ich persönlich naturgemäß nicht vorhersehen“, so die erfahrene Richterin. Personen, bei denen es Anhaltspunkte für ein mögliches Entschlagungsrecht gab, hätten sich schon bisher „recht häufig und weitreichend“ darauf berufen.

Sie erinnerte auch daran, dass es neben dem Kurz-Urteil jüngst ein weiteres Strafverfahren wegen falscher Zeugenaussage vor einem U-Ausschuss gab. Ein Oberstaatsanwalt hatte angegeben, sich nicht mehr an den Sachverhalt erinnern zu können. In erster Instanz wurde er für schuldig befunden, später wurde der Spruch aufgehoben.

Unter Umständen könne sogar die Aussage, „sich an etwas nicht erinnern zu können, zur Einleitung eines Strafverfahrens führen“, so Edwards. „Die theoretisch möglichen Konsequenzen eines Aussageverhaltens waren daher den Auskunftspersonen schon bisher hinlänglich bekannt.“

„Gewisse Großzügigkeit“ in U-Ausschüssen

In U-Ausschüssen gilt die Wahrheitspflicht. Auskunftspersonen, gegen die strafrechtlich ermittelt wird, können sich aber ihrer Antwort entschlagen. Edwards betonte, dass die Gründe und Voraussetzungen für die Gewährung einer Entschlagung „gesetzlich klar geregelt“ seien.

Gleichzeitig bedürfe es in U-Ausschüssen einer „gewissen Großzügigkeit“, weil Auskunftspersonen trotz diverser Vorwürfe zur Wahrheit verpflichtet sind und kein begründungsloses Recht zu schweigen haben. „Aus meiner Sicht musste daher mit dem Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen, schon immer verantwortungsvoll und sorgsam umgegangen werden.“

Wirtschaft

Im Konflikt um die Kollektivverträge für das Bodenpersonal der deutschen Lufthansa hat die Gewerkschaft ver.di einen mehrtägigen Warnstreik ab heute angekündigt. Fluggäste sollen aber nicht davon betroffen sein.

Zum dreitägigen deutschlandweiten Ausstand aufgerufen seien unter anderem Beschäftigte und Auszubildende der Lufthansa Technik, Lufthansa Aviation Training und Lufthansa Technical Training, teilte ver.di mit.

Streik bei der Lufthansa
Reuters/Maximilian Schwarz

Bisher hat ver.di in dem Konflikt zwei ganztägige Warnstreiks geführt, bei denen jeweils mehrere hundert Flüge ausgefallen waren. Ver.di hatte zuletzt ein neues Angebot der Lufthansa nach zweitägigen Tarifverhandlungen als unzureichend abgelehnt.

Der polnische Diskontriese Pepco, der in Österreich mit 73 Filialen und rund 680 Beschäftigten vertreten ist, hat gestern beim Handelsgericht Wien einen Insolvenzantrag eingebracht.

Die Passiva liegen im hohen zweistelligen Millionenbereich, den Liquidationswert beziffern AKV und Creditreform auf gut 11,6 Millionen Euro. Betroffen sind laut Kreditschützern mehr als 300 Gläubiger, wie sie mitteilten. Diese können ihre Forderungen bis 23. April anmelden.

Pepco-Filiale in Wien
APA/Max Slovencik

Die Geschäfte würden bis auf Weiteres geöffnet bleiben, das Unternehmen werde sich aber aus Österreich zurückziehen, gab die Pepco Group zuvor bekannt. Pepco Österreich habe trotz verschiedener Initiativen und struktureller Veränderungen Verluste erwirtschaftet.

Pepco war erst vor zweieinhalb Jahren in Österreich eingestiegen, damals wurde das Gros der Geschäfte der Schuhhandelskette CCC übernommen. Das Unternehmen bietet unter anderem Bekleidung, Spielzeug, Haushaltswaren und Möbel zu Niedrigpreisen an.

In Frankreich dürfen vegetarische Produkte nicht mehr mit üblicherweise Fleischprodukten vorbehaltenen Bezeichnungen vermarktet werden. Die Regierung in Paris veröffentlichte gestern eine entsprechende Liste.

Wörter wie Steak, Schnitzel, Schinken und Filet seien rein tierischen Produkten vorbehalten. Die fleischverarbeitende Industrie hatte seit Langem auf eine solche Regelung gepocht.

Paris hatte bereits 2020 die Verwendung von Begriffen, „die traditionell mit Fleisch und Fisch in Verbindung gebracht werden“, für vegetarische Produkte für nicht mehr zulässig erklärt.

Bevor das Verbot im Oktober 2022 in Kraft trat, setzte das oberste Verwaltungsgericht es jedoch nach einer Klage einer Verbraucherorganisation aus. Die Regierung veröffentlichte nun eine angepasste Verordnung.

Fleischindustrie: „Begriffe verwirren“

Demnach kann eine Reihe von verarbeiteten Produkten mit einem kleinen Anteil pflanzlicher Eiweiße als Fleischprodukte vermarktet werden. Dazu zählen etwa verschiedene Wurstsorten und Cordon bleu. Die Fleischindustrie hatte argumentiert, dass etwa als „vegetarische Wurst“ oder „pflanzliches Steak“ vermarktete Produkte die Verbraucherinnen und Verbraucher verwirren würden.

Die Organisation Proteines France, welche vor dem obersten Verwaltungsgericht geklagt hatte, führte hingegen an, dass eher das Vermarktungsverbot für Verwirrung sorge. Erzeuger aus anderen EU-Ländern sind von dem neuen Gesetz nicht betroffen und können weiterhin in Frankreich vegetarische Lebensmittel mit Fleischnamen verkaufen.

Laut EU-Gesetzgebung ist die Verwendung von Begriffen für Produkte tierischen Ursprungs außer für Ersatzprodukte für Milcherzeugnisse bisher zulässig.

Chronik

Ein britischer Mann ist bei dem Versuch, im Alleingang auf dem Atlantik zwischen Gran Canaria und Barbados zu rudern, ums Leben gekommen. Wie der „Guardian“ schrieb, hatte sich vor zwei Tagen ein Fischerboot auf den Weg zu den Koordinaten des 54-jährigen Michael Holt gemacht, nachdem „man in den letzten vier Tagen unermüdlich daran gearbeitet“ habe, ihm Hilfe zukommen zu lassen.

„Bei seiner Ankunft wurde Michael leider tot in seiner Kabine aufgefunden“, schrieb sein Bruder David auf Facebook. Natürlich sei das nicht das Ergebnis, das sie sich erhofft hatten, sagte er. „Aber es tröstet mich zu wissen, dass er bei etwas gestorben ist, das er mit Leidenschaft machen wollte, und dass er dabei mehr als 1.100 Kilometer gerudert ist.“ Das sei schon eine Leistung für sich.

Geld für wohltätige Zwecke gesammelt

Holt hatte sich am 27. Jänner auf den Weg über den Atlantik gemacht. Er rechnete mit einer Dauer von 40 bis 110 Tagen für die fast 3.000 Meilen (rund 4.800 Kilometer) lange Strecke. Mit seiner Aktion sammelte er Geld für mehrere wohltätige Zwecke.

Der aus Nordwales stammende Mann war allein auf seinem Boot namens „Mynadd“ unterwegs gewesen. Bevor eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet wurde, versuchte er, auf eigene Faust nach Kap Verde vor der Nordwestküste Afrikas zu gelangen, nachdem er krank geworden war.

Mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert

Holt wurde im Alter von 28 Jahren mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Nach einer schweren Unterzuckerung im Jahr 2015 brauchte er eine rekonstruktive Operation an den Schultern, bei der, wie er sagte, „ein Titanbeschlag in meinem rechten Arm und etwa 20 Titannägel und eine Platte in meiner linken Seite eingesetzt wurden“.

Er könne sich an nichts mehr erinnern, was passiert sei. Holt beschrieb seine Herausforderung als „ein Diabetikerruderer, zwei rekonstruierte Schultern, dreitausend Meilen Ozean“.

Der Multimillionär und Vorstandsvorsitzende des US-Lebensmittelriesen Kellogg’s, Gary Pilnick, hat sich zuletzt viel Spott und Häme im Internet zugezogen. Wie unter anderem der „Guardian“ gestern berichtete, hatte er vor einer Woche live im US-TV-Sender CNBC vorgeschlagen, dass Familien mit angespannten finanziellen Verhältnissen damit zurechtkommen könnten, „Müsli zum Abendessen“ zu essen.

Im Internet wurde die fragliche Bemerkung prompt mit dem Satz „Lasst sie Kuchen essen“, der häufig ohne Beweise Marie-Antoinette vor ihrer Hinrichtung während der Französischen Revolution zugeschrieben wird, verglichen.

„‚Müsli zum Abendessen‘ kommt sehr gut an“

Getreide sei „schon immer recht erschwinglich“ und eine gute Wahl, wenn man finanziell unter Druck stünde, sagte Pilnick in der Diskussion über hohe Lebensmittelpreise. „Wenn man bedenkt, was ein Müsli für eine Familie kostet, im Vergleich zu dem, was sie sonst essen würde, dann ist das viel erschwinglicher.“

Der CNBC-Moderator fragte Pilnick, ob seine Äußerungen bei den Konsumentinnen und Konsumenten, die seit 2020 gezwungen sind, rund 26 Prozent mehr für Lebensmittel auszugeben, „falsch ankommen“ könnten. Dieser antwortete, dass es in der Tat „sehr gut“ ankomme, Müsli zum Abendessen zu essen. Er würde sogar erwarten, dass sich das fortsetze.

„Glaubt ihr, er füttert seinen Kindern Müsli zum Abendessen?“, verwies ein Nutzer auf der Onlineplattform TikTok spöttisch auf einen Bericht der US-Börsenaufsichtsbehörde von 2023, wonach Pilnick ein jährliches Grundgehalt von mehr als einer Mio. Dollar (rund 900.000 Euro) und mehr als vier Mio. Dollar (rund 3,86 Mio. Euro) Prämien verdiene.

Gleich teuer wie Tiefkühllasagne

Andere wiesen darauf hin, dass gerade Kellogg’s-Müslis nicht unbedingt billig seien. Wieder andere stellten infrage, ob der Verzehr von Müsli wirklich so gesund sei, wenn man bedenke, wie viel Zucker manche Marken enthielten.

Eine Person argumentierte, dass eine Zehn-Dollar-Packung (rund neun Euro) Müsli zusammen mit Milch um drei Dollar (rund drei Euro) etwa so viel koste wie eine Tiefkühllasagne, mit der die gleiche Anzahl von Personen zum Abendessen versorgt werden könne.

Kellogg’s wirbt für seine „Müsli zum Abendessen“-Kampagne seit etwa 2022, als die Lebensmittelpreise laut US-Landwirtschaftsministerium um 9,9 Prozent stiegen, mehr als in jedem anderen Jahr seit 1979. Der 59-jährige Pilnick ist der Plattform LinkedIn zufolge seit Oktober Vorstandsvorsitzender von Kellogg’s und arbeitet seit mehr als 23 Jahren für das US-Unternehmen.

IT

Der US-Technologiekonzern Apple gibt einem Medienbericht zufolge die Entwicklung eines eigenen Elektroautos auf. Die zuletzt knapp 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Projekts seien gestern (Ortszeit) von der Ankündigung überrascht worden, schrieb die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Viele von ihnen sollten künftig an künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Um Apples Autoprojekt ranken sich seit Jahren Gerüchte. Der US-Konzern soll schon vor Jahren potenziellen Partnern aus der Autobranche erste Prototypen gezeigt haben, dann wurde jedoch laut Medienberichten beschlossen, sich erst auf Software zum autonomen Fahren zu konzentrieren.

Definitiv bekannt war nur, dass Apple bis zuletzt zu selbstfahrenden Fahrzeugen umgebaute Testwagen im Silicon Valley auf die Straße schickte. Der als Projektleiter eingesetzte ehemalige Tesla-Manager Doug Field ging 2021 zu Ford, wo er die Elektroautosparte verantwortet.

Kultur

Er habe Schauspielerinnen und Schauspieler vor zahlendem Publikum getreten oder geschlagen, er habe Nacktszenen unabgesprochen ausgedehnt: Die Vorwürfe gegen Paulus Manker unter anderem von Inszenierungen seines Stücks „Alma“ sind nicht neu. Eine vom NDR produzierte Doku rollt sie nun allerdings neu auf.

Anonymes Interview mit einem Crewmitglied
NDR

„Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film“ nimmt den österreichischen Theatermacher als Beispiel für eine Branche, die augenscheinlich für Gewalt und Machtmissbrauch besonders anfällig ist. „Jeder der folgenden Fälle hilft zu verstehen, was grundsätzlich falsch läuft in einer Branche, in der Stars so gefeiert werden“, so Kira Gantner in der Doku, eine der Autorinnen.

Schläge, Tritte, Nacktheit

Gantner und ihre Kollegin Zita Zengerling recherchierten über drei Jahre und sprachen mit 200 Film- und Theaterschaffenden. Etwa 70 davon legten eidesstattliche Erklärungen dazu ab, was sie den Journalistinnen berichteten. Viele der Berichte, das machten die Journalistinnen deutlich, haben es nicht in die Doku geschafft, weil Betroffene Sorge haben, keine Beschäftigung mehr in der Branche zu bekommen, teils weil ihnen damit auch gedroht wurde.

Von Schlägen, Tritten, verbalen Erniedrigungen berichten Betroffene, davon, sich ohne Anlass und ohne anwesende Vertrauensperson vor der Kamera nackt ausziehen zu müssen. Sie sprechen von sexualisierten Beschimpfungen, übergriffigen Berührungen, von angeblichen Castings in Privatwohnungen von Regisseuren und von Situationen, in denen Oralsex gefordert wurde als Gegenleistung für eine Vertragsverlängerung.

Die Namen bleiben in den meisten Fällen unausgesprochen. „Die Namen sind nicht egal“, so Verena Altenberger, die im Film nicht über eigene Erlebnisse spricht, wohl aber über die Notwendigkeit, die Branche zu ändern. „Aber wir dürfen nicht denken, wenn wir jetzt die Namen haben und sie sind draußen, ist alles gut.“

Vorwürfe gegen „Polt“-Regisseur

Der zweite prominente Name aus Österreich ist Julian Pölsler, dessen größter Erfolg die Marlen-Haushofer-Verfilmung „Die Wand“ war und der für seine „Polt“-Krimiverfilmungen bekannt ist. Ihm wird verschiedentlich verbal übergriffiges Verhalten bei Dreharbeiten vorgeworfen, ehemalige Studierende berichten von „abschätzenden Blicken“ im Unterricht.

Im Film wird von einem Casting berichtet, bei dem Pölsler eine Szene mit einem sexuellen Übergriff ohne Notwendigkeit an mehreren jungen Schauspielerinnen handgreiflich nachspielte, und dass er eine junge Darstellerin bat, sich vor der Kamera auszuziehen, um ihr danach zu sagen, sie sei ohnehin zu jung für die Rolle.

Systemisches Problem

Den Journalistinnen gelingt es, das systematische Problem aufzuzeigen, etwa am Beispiel des deutschen Schauspielers und Regisseurs Kida Ramadan, dessen Ausbrüche an Filmsets berüchtigt sind – und der trotzdem immer weitere hoch dotierte Serienprojekte umsetzen darf, auch öffentlich-rechtlich finanziert.

Der Schwerpunkt auf österreichische Fälle dürfte damit zusammenhängen, dass es hier seit 2022 eine größere Bereitschaft als in Deutschland gibt, über Übergriffe zu sprechen. Damals waren es die Schauspielerin Luna Jordan, die in ihrer Dankesrede beim Filmpreis erlebte Übergriffe ansprach, und die Regisseurin Katharina Mückstein, die ihr anvertraute Erlebnisse von Betroffenen vor und hinter der Kamera öffentlich machte.

Der deutsche Blick auf österreichische Verhältnisse ist ernüchternd. Gerade am Beispiel Manker wird deutlich, wie sehr dem Theatermacher sein „Enfant terrible“-Image nicht schadet, sondern die Öffentlichkeit übergriffiges Verhalten eines Stars entschuldigt und kleinredet. Auf die Frage, ob man als Publikum eine Verantwortung hat, sagt im Film eine Zuschauerin von Manker: „Da dürfte ich in viele Theater nicht mehr gehen.“

„Gegen das Schweigen“ ist seit heute online zu sehen, zwei Wochen vor der Fernsehausstrahlung.

Tausende Künstlerinnen und Künstler haben den Ausschluss Israels von der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig gefordert. Es sei inakzeptabel, Kunst aus einem Staat zu präsentieren, der gegenwärtig Gräueltaten gegen die Palästinenser in Gaza ausführe, hieß es in einem online veröffentlichten offenen Brief der Art Not Genocide Alliance (ANGA).

Die Künstlerinnen und Künstler werfen Israel Völkermord vor. Nach Angaben der Aktivistengruppe haben inzwischen mehr als 8.000 Kunst- und Kulturschaffende die Petition unterschrieben. Die Forderung kommt knapp zwei Monate vor der berühmten Kunstausstellung in der norditalienischen Lagunenstadt Venedig.

Petition: Kein Länderpavillon für Israel

Die Kunstbiennale findet vom 20. April bis zum 24. November statt. Dort werden zahlreiche Länderpavillons gezeigt. Die Künstlerinnen und Künstler fordern, dass es keinen israelischen Pavillon geben soll. „Jede offizielle Vertretung Israels auf der internationalen Kulturbühne ist eine Befürwortung dessen Politik und des Völkermords in Gaza“, hieß es in der Petition.

Dort ist außerdem von einem „Genozidpavillon“ die Rede. Israel wird von Kritikerinnen und Kritikern vorgeworfen, im Kampf gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Israel weist den Vorwurf entschieden zurück.

Die Angriffe werden als Selbstverteidigung nach der Terrorattacke der Hamas und anderer Extremisten am 7. Oktober vergangenen Jahres gerechtfertigt, bei denen nach israelischen Angaben rund 1.200 Menschen getötet und etwa 250 aus Israel entführt worden waren.

Italiens Kulturminister solidarisch mit Israel

Italiens Kulturminister Gennaro Sangiuliano reagierte empört auf den Aufruf und bezeichnete ihn als inakzeptabel und beschämend. Er sprach dem Staat Israel und seinen Künstlerinnen und Künstlern seine Solidarität aus.

„Die Kunstbiennale wird immer ein Ort der Freiheit, der Begegnung und des Dialogs sein und nicht ein Ort der Zensur und Intoleranz“, sagte Sangiuliano laut Mitteilung. Kultur sei eine Brücke zwischen Menschen und Nationen, keine Mauer der Trennung.

Das bekannte Londoner Anwesen von Queen-Sänger Freddie Mercury steht für eine Millionensumme zum Verkauf. Seine langjährige Lebensgefährtin Mary Austin, die auch nach der Trennung seine Vertraute blieb, bietet „Garden Lodge“ für mehr als 30 Millionen Pfund (35 Mio. Euro) an, wie das Maklerunternehmen Knight Frank gestern mitteilte. Aus Sicherheitsgründen würden aber weder der Grundriss noch weitere Details preisgegeben.

Das Haus sei für sie die schönste Erinnerung, in jedem Zimmer herrschten Liebe und Wärme, sagte Austin der Mitteilung zufolge. „Es war eine Freude, hier zu leben, und ich habe viele wundervolle Erinnerungen hier.“ Es sei stets ein Ort des Friedens gewesen, „ein wahres Künstlerhaus, und jetzt ist es an der Zeit, dieses Gefühl des Friedens der nächsten Person anzuvertrauen“, sagte Austin.

Nach Tod alles Austin hinterlassen

Vor seinem Tod 1991 hatte Mercury ihr das Anwesen im noblen Bezirk Kensington sowie alle seine Besitztümer überlassen. „In den folgenden 30 Jahren kümmerte sich Mary sorgfältig um das Haus und die Sammlung und bewahrte sie weitgehend so, wie es ihr vermacht worden war“, hieß es von Knight Frank weiter.

Im September 2023 hatte Austin bereits rund 1.500 Gegenstände aus dem Nachlass des berühmten Sängers versteigern lassen. Darunter war auch eine von Fans bekritzelte Eingangstür zu dem Privathaus. Insgesamt brachte die Auktion knapp 39,5 Mio. Pfund (46,2 Mio. Euro) ein. Ein Teil der Erlöse sollte an gemeinnützige Stiftungen gehen.

„Garden Lodge“ war 1907 im neo-georgianischen Stil vom Architekten Ernest Marshall für das Künstlerehepaar Cecil Rea und Constance Halford entworfen worden. Mercury kaufte es 1980 für 500.000 Pfund (584.000 Euro) von einem Mitglied der Bankiersfamilie Hoare, wie die Zeitung „Times“ berichtete.

Leute

Der französische Schauspielstar Alain Delon ist wegen illegalen Waffenbesitzes ins Visier der französischen Justiz geraten. Bei einer Durchsuchung wurden in seinem Anwesen 72 Waffen, darunter auch solche, die als Kriegsgerät eingestuft sind, sowie rund 3.000 Schuss Munition gefunden.

Das Anwesen von Alain Delon
APA/AFP/Guillaume Souvant

Da der Schauspieler keinen Waffenschein habe, habe die Justiz nun Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft gestern in Montargis mit. Dass Delon ein Waffenfan ist, war weithin bekannt. Vor zehn Jahren hatte er einen Teil seiner Sammlung versteigert.

Auf seinem Grundstück in Douchy-Montcorbon befindet sich auch ein Schießstand. Die Tatsache, dass Delon keine Genehmigung für den Waffenbesitz hatte, erregte allerdings erst jetzt Aufsehen, da der 88-Jährige wegen seiner zunehmenden Unselbstständigkeit einen Betreuer zugewiesen bekommen hatte.

Streit zwischen Delons Kindern

Der Waffenfund löste eine neue Runde im Streit von Delons drei Kindern über den Umgang mit dem schwer kranken und reichen Vater aus. „Anthony und Alain-Fabien wissen, dass ich Waffen verabscheue. Das ist ein Machoding meines Vaters“, sagte Tochter Anouchka der Zeitschrift „Elle“.

Anthony Delon feuerte mit einer Schimpftirade auf Instagram zurück, in der er seiner jüngeren und vom Vater bevorzugten Schwester vorwarf, sich ebenfalls mit Schusswaffen auf dem Familienbesitz amüsiert zu haben.

Auch die ehemalige Partnerin des Schauspielers, Hiromi Rollin, die die Kinder in seltener Einmütigkeit aus dem Haus geworfen hatten, mischte sich ein. „Meine Mandantin ist sehr besorgt, dass Alain Delon keine medizinische Behandlung bekomme und Schusswaffen in seiner Nähe habe“, erklärte ihre Anwältin.

Mehrere Schlaganfälle

Delon hat mehrere Schlaganfälle erlitten und kann sich nach Angaben seiner Kinder nur noch mit Mühe verständlich machen. Der Streit der drei Kinder dreht sich unter anderem um die Frage, ob der Schauspieler seinen Lebensabend in seiner Residenz in Frankreich verbringen soll oder noch in die Schweiz übersiedelt, wo seine Tochter Anouchka lebt. Delon besitzt auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Der französische Schauspielstar Alain Delon
APA/AFP/Christophe Simon

Laut dem ältesten Sohn Anthony legte Alain Delon in seinem Testament fest, dass seine Tochter Anouchka die Hälfte und die beiden Söhne jeweils ein Viertel seines Besitztums erben sollen. In der Öffentlichkeit hatte der Schauspieler seine Tochter Anouchka häufig seinen Söhnen vorgezogen.