Ausland

Während tausende Flüchtlinge oder Migranten aus Haiti von einer texanischen Grenzstadt abgeschoben werden, hat die Regierung von US-Präsident Joe Biden angekündigt, im kommenden Jahr doppelt so viele Flüchtlinge aufnehmen zu wollen wie im laufenden Jahr.

Die Obergrenze für die Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge im Zuge einer Umsiedlung soll von derzeit 62.500 auf 125.000 Menschen angehoben werden, wie das US-Außenministerium gestern mitteilte. Das Ministerium erklärte, wegen „humanitärer Krisen in aller Welt“ bestehe eine größere Notwendigkeit für das sogenannte Resettlement.

„Für Interessen der USA wichtig“

„Ein robustes Flüchtlingsaufnahmeprogramm ist für die außenpolitischen Interessen der USA und Ziele der Nationalen Sicherheit höchst wichtig, und es spiegelt grundlegende amerikanische Werte wider“, erklärte das Außenministerium. Die USA hätten eine lange Tradition als Land, das Einwanderer und Flüchtlinge willkommen heiße.

Die Obergrenze von 125.000 Flüchtlingen gilt für das Haushaltsjahr 2022, das am kommenden 1. Oktober beginnt. Über das Umsiedlungsprogramm sollen teilweise auch afghanische Ortskräfte aufgenommen werden, die nach dem US-Truppenabzug und der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban aus dem Land geflohen sind.

Tausende Menschen nach Mexiko abgeschoben

US-Behörden wollen tausende Migranten, die sich binnen weniger Tage in der Grenzstadt Del Rio versammelt haben, schnell wieder außer Landes bringen. Zuletzt seien an einem Tag rund 3.000 Menschen verlegt worden, sagte Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas bei einem Besuch in der texanischen Stadt Del Rio. Er betonte, dass alle in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden sollen. Die Mehrheit der Migranten stammt aus dem bitterarmen Karibikstaat Haiti.

Tausende Menschen hatten in den vergangenen Tagen die Gelegenheit ergriffen, mit niedrigem Wasserstand im Grenzfluss Rio Grande von Mexiko nach Texas zu laufen. Sie versammelten sich unter der Brücke, die über den Rio Grande führt.

Nach der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl in Russland ist es in Moskau zu Protesten gekommen. Auf dem Puschinkplatz im Zentrum der Hauptstadt versammelten sich gestern Abend schätzungsweise 300 Menschen friedlich und forderten den Rücktritt von Staatschef Wladimir Putin, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtete. Sie folgten einem Aufruf der Kommunisten, die sich bei der Abstimmung zur neuen Staatsduma um Stimmen gebracht sehen.

So fehlten zuerst lange die in der Hauptstadt Moskau online abgegebenen Stimmen, dann gab es plötzlich mehr Stimmen als Wahlberechtigte. Kritiker sahen sich in ihren Befürchtungen bestätigt, während Putins Lager feierte.

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Fast drei Tonnen Kokain aus Afghanistan sind in einem indischen Hafen sichergestellt worden. Die Drogen mit einem Verkaufswert von rund 2,7 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) seien in zwei Containern versteckt gewesen, teilten die indischen Behörden mit. Die Drogenlieferung gelangte über einen iranischen Hafen nach Indien und wurde im westlichen Bundesstaat Gujarat abgefangen.

Zwei Inder seien festgenommen worden. Den Ermittlern zufolge waren auch afghanische Staatsbürger in den Drogenschmuggel verwickelt.

Afghanistan ist der größte Heroinproduzent der Welt. Für die radikalislamischen Taliban, die kürzlich wieder die Macht in dem Land an sich gerissen hatten, ist der Anbau von Schlafmohn, aus dem Opium und Heroin gewonnen wird, eine wichtige Einnahmequelle.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Außenminister Alexander Schallenberg (beide ÖVP) nehmen heute an der Eröffnung der Generaldebatte im Rahmen der 76. UNO-Vollversammlung teil. Traditionell werden das Staatsoberhaupt von Brasilien, Jair Bolsonaro, UNO-Generalsekretär Antonio Guterres und US-Präsident Joe Biden Reden halten. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs sind wegen CoV erneut nur online dabei.

Die US-Regierung bemüht sich angesichts des schweren diplomatischen Streits mit Frankreich um eine Beschwichtigung der Partner in Paris. US-Präsident Joe Biden habe um ein Telefonat mit dem Präsidenten Emmanuel Macron gebeten, um über das weitere Vorgehen und sein klares Bekenntnis zum Bündnis mit Frankreich zu sprechen, sagte ein hochrangiger Beamter der US-Regierung gestern in Washington.

„Der Präsident möchte seinen Wunsch zum Ausdruck bringen, eng mit Frankreich im Indopazifik und weltweit zusammenzuarbeiten.“ Dabei sollten auch konkrete und praktische Schritte für die Kooperation zur Sprache kommen. Die Partnerschaft zwischen den USA und Frankreich habe über Jahrzehnte Sicherheit, Stabilität und Wohlstand auf der Welt gefördert.

Von der Leyen stellt sich hinter Frankreich

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat das Vorgehen der USA, Australiens und Großbritanniens gegenüber Frankreich im Streit um einen geplatzten U-Boot-Deal als „nicht akzeptabel“ bezeichnet. „Es gibt viele offene Fragen, die beantwortet werden müssen“, sagte von der Leyen in einem Interview mit dem US-Sender CNN, von dem heute Ausschnitte beim Onlinedienst Twitter veröffentlicht wurden.

Frankreich hatte wegen Canberras Rückzug aus einem milliardenschweren U-Boot-Geschäft in der vergangenen Woche empört reagiert. „Wir wollen wissen, was passiert ist und warum“, so die EU-Kommissionspräsidentin.

Hintergrund des ungewöhnlich heftigen Streits unter Verbündeten ist die Gründung eines neuen Sicherheitsbündnisses für den Indopazifik zwischen den USA, Großbritannien und Australien. Dieses veranlasste die australische Regierung, das seit Langem vereinbarte U-Boot-Geschäft mit Frankreich platzen zu lassen und stattdessen US-Atom-U-Boote anzuschaffen.

Ein Strafgericht in der Slowakei hat den ehemals langjährigen Sonderstaatsanwalt des Landes, Dusan Kovacik, für 14 Jahre hinter Gitter geschickt. Er werde in allen Punkten der Anklage für schuldig befunden, darunter Korruption, Amtsmissbrauch und Unterstützung einer Verbrechergruppe, urteilte das Gericht gestern in Pezinok bei Bratislava.

Auch soll sein Vermögen zugunsten des Staates verfallen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Kovacik kündigte bereits an, er werde in Berufung bis zum Höchstgericht gehen. Eine definitive Entscheidung dürfte somit erst in mehreren Monaten erfolgen.

Richterin Pamela Zaleska erklärte in ihrer Begründung, beim Strafausmaß habe sie berücksichtigt, dass ein ehemaliger Sonderstaatsanwalt vor Gericht stehe, der als erster gegen Kriminelle ankämpfen sollte. „Es gibt keinen größeren Täter“, meinte sie. Die Anklage hatte im Vorfeld für Kovacik nur 13 Jahre Freiheitsentzug gefordert. Die Sonderstaatsanwaltschaft ist ähnlich wie das Spezialgericht für große Korruptionsfälle und das Organisierte Verbrechen zuständig.

Medien des Landes sehen in dem Urteil eine Wende. Noch nie in der Geschichte der Slowakei sei ein derart hochrangiger Funktionär der Strafverfolgung hinter Gitter geschickt worden, hieß es. Kovacik war seit 2004 auf dem Posten, festgenommen wurde er kurz vor Auslaufen seiner dritten Amtszeit.

Inland

Im Februar ist ein Kärntner Polizist bei einer untersagten Anti-CoV-Demo in Innsbruck im Einsatz gewesen. Auf einem Bild mit Text wurde er in Facebook beschuldigt, bei der Festnahme eines 82-Jährigen beteiligt gewesen zu sein, der zu Boden gerissen, verhaftet und stundenlang verhört worden sei. Der Anwalt des Polizisten kündigte zahlreiche weitere Anzeigen an.

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Der niederösterreichische Glückspielkonzern Novomatic ist mit seiner Beschwerde gegen eine Hausdurchsuchung im Februar 2021 abgeblitzt. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien habe dieser nicht Folge gegeben, teilte das Gericht gestern mit. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hatte am 11. Februar 2021 nicht nur die Wohnung von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) durchsucht, sondern auch den Novomatic-Firmensitz in Gumpoldskirchen.

Der Richter begründete seine Entscheidung mit einem „ausreichenden Anfangsverdacht zum Zeitpunkt der Bewilligung“. Bei den Ermittlungen geht es um ein Steuerproblem von Novomatic in Italien, bei dem ÖVP-Chef Sebastian Kurz als damaliger Außenminister helfen sollte. Wie die APA im Februar aus damals aufgetauchten Chatprotokollen zitiert, habe der damalige Novomatic-Chef Harald Neumann an Blümel geschrieben: „Guten Morgen, hätte eine Bitte: bräuchte einen kurzen Termin bei Kurz (erstens wegen Spende und zweitens bezüglich eines Problemes, das wir in Italien haben!)“.

Die Ermittlungen der Korruptionsfahnder ist noch nicht abgeschlossen. Sowohl Novomatic als auch die ÖVP-Politiker haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei Tage nach der von ÖVP und Grünen angekündigten Pensionserhöhung hat der Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Walter Pöltner, gestern seinen Rücktritt angekündigt. Er treffe diese Entscheidung „aus Frust, weil die Politik die langfristige Sicherung der Pensionen, aber auch der Pflege, nicht ernst genug nimmt“, so Pöltner.

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Die neue Ausstellung „Boden für alle“ zeigt den hohen Bodenverbrauch beim Bauen. Österreich liege seit Jahren im Spitzenfeld Europas, sagen Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker. Die Schau in deren Salzburger Standesvertretung zeigt Rezepte gegen die Zersiedelung. Pro Tag gehe eine Fläche von 18 Fußballfeldern verloren.

Mehr dazu in salzburg.ORF.at

COV Inland

Der Lebensmittelhandel sieht sich mit einem nie dagewesenen Personalmangel konfrontiert. Derzeit gebe es fast 10.000 unbesetzte Stellen in der Branche. Die Handelsfirmen Spar, REWE, Hofer, Lidl, MPreis und Unimarkt sowie der Handelsverband appellieren daher in einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesregierung für den Entfall der FFP2-Maskenpflicht für Beschäftigte bei Vorlage eines „2-G“-Nachweises. Auch die GPA ist für ein Ende der FFP2-Maskenpflicht für Geimpfte und Genesene.

„Acht Stunden täglich mit den dicht sitzenden FFP2-Masken zu arbeiten, das erschwert die Arbeitsbedingungen der Handelsangestellten enorm“, hieß es gestern in einer Aussendung des Handelsverbands. In Handelsfirmen abseits des Lebensmittelhandels gilt die FFP2-Maskenpflicht nicht. In dem Schreiben wird eine rechtliche Gleichstellung des Personals des Lebensmitteleinzelhandels mit dem allgemeinen Handel gefordert. Die kürzlich eingeführte Differenzierung verschärfe den Personalmangel in der Branche eklatant, so die Handelsvertreter.

Im Lebensmitteleinzelhandel sind derzeit rund 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, der Großteil davon Frauen. „Der Ärger unter den Beschäftigten im Lebensmittelhandel über die aktuellen Coronavirus-Schutzmaßnahmen ist groß. Überdurchschnittlich viele Angestellte haben sich impfen lassen und haben nun endlich Erleichterungen erwartet“, so die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Werner Hackl (Betriebsratsvorsitzender Billa und Billa Plus) und Sabine Eiblmaier (Zentralbetriebsratsvorsitzende Interspar) im Wirtschaftsbereich Handel in der Gewerkschaft GPA laut einer Aussendung.

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 156,4 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl in Wien (221,6), Oberösterreich (194,4) und Salzburg (163,0). Am niedrigsten ist der Wert in Tirol (87,9) und im Burgenland (100,3).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Ministerien melden 1.399 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium haben 1.399 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet (Stand: gestern, 9.30 Uhr). Die Zahlen meldeten die Bundesländer an den nationalen Krisenstab. Die Gesamtzahl der bekannten Fälle beläuft sich damit bisher auf 724.035.

10.896 Menschen verstarben bisher an den Folgen von Covid-19. Derzeit befinden sich 839 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 219 auf Intensivstationen. Als genesen gelten mittlerweile 691.691 Personen.

Daten des Krisenstabs in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

Wirtschaft

Nirgendwo in Europa können so viele Plasmamedikamente hergestellt werden wie in Wien. Das liegt daran, dass man in Wien für eine Blutplasmaspende Geld bekommt. Das Rote Kreuz übt daran aber Kritik – und hat eine Wettbewerbsklage eingebracht.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Die Angst vor dem kriselnden chinesischen Immobiliensektor hat die Wall Street gestern stark belastet. Darüber hinaus befürchten die Anleger auch eine baldige Abkehr von der lockeren US-Geldpolitik. Im späten Handel aber griffen einige Investoren auf niedrigem Kursniveau wieder zu und hielten so die Verluste in Grenzen.

Der Leitindex Dow Jones Industrial knickte am Ende um 1,78 Prozent auf 33.970,47 Punkte ein, nachdem er im Handelsverlauf kurz auf den tiefsten Stand seit Ende Juni abgesackt war. Der breiter gefasste S&P 500 büßte 1,70 Prozent auf 4.357,73 Zähler ein. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 2,10 Prozent auf 15.012,19 Punkte.

Angst vor Zahlungsausfall bei Evergrande

Zu Wochenbeginn rückte die chinesische Immobilienbranche verstärkt in den Fokus der Anleger. Der angeschlagene Konzern Evergrande muss frisches Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger zu bezahlen. Anleger befürchten einen Zahlungsausfall.

Die Probleme haben sich laut Beobachtern für Evergrande in den letzten Monaten verschärft, weil Peking strengere Regeln für den hoch verschuldeten Immobiliensektor des Landes durchsetzt. Wirtschaftliche Probleme in China können sich über internationale Handels- und Finanzbeziehungen auf die Weltwirtschaft übertragen.

COV Ausland

Biontech und Pfizer wollen schnellstmöglich die Zulassung ihres Coronavirus-Impfstoffs für fünf- bis elfjährige Kinder beantragen. Der Impfstoff habe sich in Studien als sicher und wirksam erwiesen, teilten die beiden Pharmaunternehmen gestern nach Auswertung der ersten Ergebnisse der Zulassungsstudie für den Impfstoff Comirnaty für unter Zwölfjährige mit.

In der Studie wurden fünf bis elf Jahre alte Kinder im Abstand von drei Wochen zweimal geimpft – die Dosis betrug allerdings nur ein Drittel dessen, was Menschen ab zwölf Jahren verimpft wird. In die Studie flossen die Daten von fast 2.270 Kindern in dieser Altersgruppe ein.

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EU

Im Streit um die Braunkohleförderung im polnischen Tagebau Turow nahe der deutschen und tschechischen Grenze hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) den Druck auf Polen erhöht. Warschau müsse „an die Kommission ein Zwangsgeld in Höhe von 500.000 Euro pro Tag (…) zahlen, bis der Mitgliedsstaat der einstweiligen Anordnung nachkommt“ und die Förderung einstellt, teilte der EuGH gestern mit. Im Mai hatte der EuGH nach einer Klage aus Tschechien einen Förderstopp verhängt.

Es sei „eindeutig, dass Polen der einstweiligen Anordnung nicht nachgekommen ist“, begründete die Vizepräsidentin des EuGH, Rosario Silva de Lapuerta, den Beschluss. Die Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen müsse daher durch ein Zwangsgeld „verstärkt“ werden. Das endgültige Urteil in dem Fall soll zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.

Im Mai verhängter Förderstopp

Das polnische Umweltministerium hatte die Betriebserlaubnis für den Tagebau im März 2020 um sechs Jahre verlängert. Die EU-Kommission kritisierte im Dezember, Polen habe die Umweltfolgen unterschätzt und seine Nachbarn falsch informiert. Tschechien beschloss im Februar zu klagen: Polen habe gegen die EU-Richtlinie zur grenzüberschreitenden Prüfung der Umweltverträglichkeit verstoßen.

Den Förderstopp verhängte der EuGH im Mai, Polen setzte die Anordnung nicht um und argumentierte, die Energieversorgung sei dadurch gefährdet. Tschechien beantragte daraufhin am 7. Juni, dass Polen für jeden weiteren Tag, an denen es seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, fünf Millionen Euro an die EU zahlen müsse. Warschau beantragte im Gegenzug die Aufhebung der einstweiligen Verfügung. Der Gerichtshof wies den Antrag Polens nun zurück. Warschau kündigte an, den Kohleabbau trotzdem weiterbetreiben zu wollen.

Sport

Nach einem historisch schlechten Saisonstart ist die Laune bei Juventus Turin endgültig im Keller. „So gewinnt man keine Titel“, schimpfte Trainer Massimiliano Allegri nach dem 1:1 im Spitzenspiel der Serie A gegen den AC Milan. Der italienische Rekordmeister hat in den ersten vier Ligapartien nur zwei Punkte geholt, das war den „Bianconeri“ letztmals vor 60 Jahren und in ihrer Vereinshistorie überhaupt erst dreimal passiert.

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Olympiasiegerin Anna Kiesenhofer ist gestern im Einzelzeitfahren der Rad-WM 2021 in Belgien ein Spitzenplatz verwehrt geblieben. Die 30-Jährige bewältigte die 30,3-km-Strecke von Knokke-Heist nach Brügge in 39:01 Minuten und schaffte es damit nur auf den 17. Rang.

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Chronik

Nach rund fünf Wochen mit 45 Zeugenaussagen hat die Staatsanwaltschaft vor Gericht in New York ihr Plädoyer gegen den früheren Popsuperstar R. Kelly (54) abgeschlossen. Im Anschluss nahmen gestern die vier Verteidiger des Musikers ihre Plädoyers auf. Dabei kündigten sie US-Medienberichten zufolge an, rund sechs Zeugen vorladen zu wollen. Eine Aussage von Kelly selbst war zunächst nicht geplant.

Vorwurf sexueller Ausbeutung und Kidnappings

Dem „I Believe I Can Fly“-Sänger werden unter anderem sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung vorgeworfen. Im Zentrum der Anklage stehen sechs Frauen, von denen mindestens drei zur Tatzeit minderjährig gewesen sein sollen. Bei einer Verurteilung in allen Punkten droht Kelly eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang.

Seit dem 18. August hatte die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen den Musiker mit Hilfe der Zeugen, darunter auch elf mutmaßliche Opfer, detailliert vorgetragen. Die Verteidiger hatten zwischendurch immer wieder versucht, die mutmaßlichen Opfer als eifersüchtige Fans darzustellen, die böse auf den Sänger wurden, nachdem dieser sie nicht mehr beachtet hatte.

Kelly weist alle Vorwürfe zurück

Kelly, der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt, hat alle Vorwürfe vor Prozessbeginn immer wieder zurückgewiesen und seinen Kritikern eine Rufmordkampagne vorgeworfen. Vor Gericht soll er laut Prozessbeobachtern bisher ruhig und oft ausdruckslos das Geschehen verfolgt haben.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago als Robert Sylvester Kelly geborenen Musiker wurden bereits vor rund 25 Jahren bekannt. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht – und wurde freigesprochen.

Weitere Verfahren warten bereits auf Kelly

Das Verfahren ist – nach Fällen wie denen von Filmproduzent Harvey Weinstein und Komiker Bill Cosby – die nächste in den USA und weltweit viel beachtete juristische Aufarbeitung der „#MeToo“-Ära. Unabhängig vom Ausgang des New Yorker Verfahrens wird es vor Gericht weitergehen: Der Sänger muss sich auch in weiteren Verfahren in Illinois und Minnesota zu ähnlichen Anklagepunkten verantworten.

Ein Mitarbeiter soll im deutschen Regensburg über Jahre hinweg Goldspäne aus den Produktionsräumen der Firma Osram geschmuggelt haben – insgesamt rund 67 Kilogramm. Das Diebesgut habe zur Tatzeit einen Wert von rund 2,3 Millionen Euro gehabt, sagte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg. Die Fälle sollen den Ermittlungen nach zwischen 2012 und 2016 stattgefunden haben. 2018 erstattete Osram Anzeige wegen Diebstahls.

Wie genau der Tatverdächtige die Goldspäne schmuggelte, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht. Der Mann soll sie am Körper getragen haben. Es gehe um 360 einzelne Taten, von denen jedoch einige schon verjährt seien. In der Anklage werden dem Mann noch 222 Diebstähle vorgeworfen. Der Fall war wegen der Unerreichbarkeit des Tatverdächtigen zwischenzeitlich vorläufig eingestellt worden. Nach Angaben der dpa wurde der heute 41-Jährige in seiner Heimat Russland festgenommen und dann nach Deutschland ausgeliefert.

Von dem Gold soll der Mann Marihuana gekauft haben – und zwar im Tausch. Ein Kilogramm Gold tauschte er den Ermittlungen nach gegen ein Kilogramm Marihuana – wobei der Wert des Goldes um ein Vielfaches höher war als der Wert der Drogen. Der Sprecher der Firma Osram erläuterte, dass die Goldspäne bei der Produktion von LED-Chips entstünden. Diese würden vor allem für die Autoindustrie benötigt, etwa für die Innenbeleuchtung in Fahrzeugen. Die anfallenden Goldspäne würden wiederverwertet.

Nach der weitgehenden Gewissheit, dass die 22-jährige Gabby Petito tot ist, nehmen die Behörden verstärkt ihren verschwundenen Freund ins Visier. Gestern durchsuchten Polizei und FBI das Haus seiner Eltern in Florida, in dem das Paar zeitweise auch gelebt hatte.

Der 23-jährige Freund der Frau war Anfang September allein vom Roadtrip des Paars durch die USA zurückgekehrt – und ist seit vergangener Woche nicht auffindbar.

Ermittler hatten am Wochenende eine Leiche in einem Nationalpark im Bundesstaat Wyoming gefunden und gehen davon aus, dass es sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um Petito handelt. Gewissheit soll eine Autopsie bringen. Die 22-Jährige hatte zuletzt Ende August Kontakt zu ihrer Familie.

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Kultur

Im Frühjahr hat das Kulturministerium erstmals die Vergabe von Kinopreisen angekündigt, um der Branche nicht zuletzt in Zeiten des Umbruchs unter die Arme zu greifen. Im Juli wurden die Preise ausgeschrieben. Nun stehen die Gewinner des Preisregens fest, der neben einem mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis für herausragende Programmarbeit, zwei Förder- und fünf Anerkennungspreise umfasst. Die Haupttrophäe geht dabei an die Salzburger Institution Das Kino.

Ökologieförderung an Gartenbaukino

Über den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften kann sich indes das derzeit in Generalsanierung befindliche Wiener Gartenbaukino freuen. Der zweite, für innovatives Arbeiten gedachte Förderpreis geht nach Innsbruck an das Leokino für seinen programmatischen Schwerpunkt auf Filmbildung.

Anerkennungspreise für Einsaalkinos

Und schließlich standen auch fünf mit je 3.000 Euro dotierte Anerkennungspreise für engagierte Einsaalkinos auf dem Programm der Verleihung, die heute Abend in der Wiener Urania angesetzt war. Hier wurden das Admiral Kino Wien, das Grazer Filmzentrum im Rechbauerkino, das Stadtkino Grein aus Oberösterreich, die niederösterreichischen Stadtlichtspiele Retz sowie das Klagenfurter Volkskino bedacht.

In ihrer Dankesrede verwies Grünen-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer dabei auf die herausragende Rolle der Kinobetriebe in der Gesellschaft: „Sie sind es, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass Kinos nicht nur wichtige kulturelle Treffpunkte sind, sondern als soziale Orte eine große gesellschaftliche Bedeutung haben. Um die Vielfalt der Kinolandschaft in Österreich zu gewährleisten, wurden die Kinopreise des Bundes ausgeschrieben, die ab nun biennal vergeben werden.“

Der spanische Erfolgsautor Javier Marias, der gestern seinen 70. Geburtstag feierte, lässt sich weder vom Lauf der Zeit noch von seinen heftigen Selbstzweifeln stoppen. Sein letztes Buch, der im Frühjahr veröffentlichte Spionageroman „Tomas Nevinson“, sei wohl Marias’ bestes Werk überhaupt, urteilte etwa der Literaturkritiker Jose Carlos Mainer.

Erfolg dank literarischem Quartett

Dabei galt der unbequeme Denker lange als schwer verkäuflich, auch im deutschsprachigen Raum. Bis „Mein Herz so weiß“ im Sommer 1996 – rund vier Jahre nach dem Erscheinen der spanischen Fassung – in der TV-Sendung „Das literarische Quartett“ unisono mit Lob überschüttet wurde.

Der 2013 gestorbene „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki sprach von einem „genialen Buch“ und dem „größten im Augenblick lebenden Schriftsteller der Welt“. Der Roman eroberte nach der Sendung und weiteren positiven Kritiken die Bestsellerlisten und verkaufte sich allein in der deutschen Übersetzung 1,2 Millionen Mal.

„Ewiger Nobelpreiskandidat“

Die bisher 16 Romane von Marias wurden nach Angaben seines Verlages Alfaguara in 46 Sprachen übersetzt und insgesamt neun Millionen Mal verkauft. Der Autor gehört zu den „ewigen Nobelpreiskandidaten“.

Er wird von so namhaften Kollegen wie Orhan Pamuk und J.M. Coetzee in den Himmel gelobt. Dabei räumt der Kettenraucher und Spätaufsteher unumwunden ein, er werde stets von „enormer Unsicherheit“ geplagt, wenn er in seiner Wohnung voller Bücher im Zentrum von Madrid ein neues Werk beginnt.

Rebell des Literaturbetriebs

Je älter er werde, verstehe er „immer weniger, wie Romane gemacht werden“. Während das leere weiße Blatt – Marias verabscheut Computer und tippt stets an der Schreibmaschine – ihm Unbehagen bereitet, verursacht das fertige Werk dem Literaturhistoriker und Hochschullehrer oft Verdruss. „Alle meine Romane erscheinen mir unmittelbar nach der Vollendung schlecht. Ich würde oft am liebsten alle Seiten in den Papierkorb werfen“, erzählte er.

Marias gilt als Rebell im Literaturbetrieb. Er gewährt äußerst selten Interviews, nimmt keine Auszeichnungen staatlicher Stellen in Spanien an – und auch keine Vorauszahlungen. Seine Erklärung: „Ich würde meine Freiheit verlieren. Und ein Buch, das nicht gelungen ist, nicht in die Schublade stecken können.“