COV Inland

Die effektive Reproduktionszahl ist in Österreich wieder unter 1,0 gesunken. Sie liegt für den 27. Mai bei 0,9, teilte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) heute Abend auf ihrer Website mit. Auch in Wien und Niederösterreich gab es seit der vergangenen Analyse vor einer Woche einen Rückgang, und die Reproduktionszahl liegt in beiden Bundesländern wieder unter 1,0.

Die Reproduktionszahl ist eine Schätzung der durchschnittlichen Zahl der Fälle, die von einer infizierten Person ausgehen. Liegt die Zahl über 1,0, nimmt die Zahl der Infektionen kontinuierlich zu, liegt sie darunter, geht die Zahl der Infektionen zurück. Für den Schätzwert werden die vorangegangenen 13 Epidemietage herangezogen. Für Tage, an denen die Schätzung der effektiven Reproduktionszahl auf weniger als zwölf Fällen beruhen würde, führt die AGES wegen fehlender Zuverlässigkeit keine Schätzung durch.

Zahl der Erkrankten weiter gesunken

Die Anzahl der Covid-19-Kranken in Österreich ist weiter gesunken. Heute (Stand: 16.00 Uhr) wurden landesweit 640 Krankheitsfälle verzeichnet, 34 weniger als gestern.

Insgesamt gibt es hierzulande bisher (Stand heute, 16.00 Uhr) 16.576 bestätigte Fälle, 15.347 Personen gelten nach einer Infektion laut Statistik des Gesundheitsministeriums als genesen. 434.302 Tests wurden bisher durchgeführt.

78 Menschen befinden sich wegen der Infektion noch in Spitalsbehandlung. Hinzu kommen 25 Personen, die aktuell auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Die Anzahl der Verstorbenen liegt der Definition des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) zufolge derzeit bei 638.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Hinweis zur Aktualisierung der Daten

Um die Daten zur Zahl der Coronavirus-Infektionen weiter aktuell zu halten, übernimmt ORF.at die Informationen direkt aus dem offiziellen Dashboard des Gesundheitsministeriums. Wichtig: Die aktuellen Fallzahlen im Kopf der Seite werden stündlich aktualisiert, die Verlaufsgrafiken zum Tageswechsel, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Genaue Informationen zu Definitionen, Herkunft der Daten, Aktualisierung und FAQs finden sich im Infopoint Coronavirus von ORF.at.

Mehr dazu in Daten und Karten und Daten-Updates und Quellen

Die Expertenkommission zur Untersuchung des Tiroler Coronavirus-Krisenmanagements ist beinahe vollzählig. „Bis auf ein Mitglied steht die Kommission eigentlich“, sagte deren Vorsitzender Ronald Rohrer gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ (Freitag-Ausgabe). Lediglich im Bereich Tourismus gebe es noch keine Zusage, Kandidaten wurden jedoch bereits angefragt.

Sechs Mitglieder – Rohrer eingeschlossen – stehen damit bereits fest. Eines davon ist, wie bereits bekannt war, der Schweizer Krisenmanager Bruno Hersche. Auch ein Virologe und ein Spezialist auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts sollen Teil der Kommission sein.

Wer das ist, wollte Rohrer, ehemaliger Vizepräsident des Obersten Gerichtshofs (OGH) und Verfahrensrichter im Eurofighter-U-Ausschuss, vorerst jedoch nicht öffentlich machen. Bis Anfang nächster Woche soll die Kommission vollzählig sein, gab sich Rohrer optimistisch.

Er habe mittlerweile mit der Aktensichtung begonnen. Allein die bisherige Menge an Unterlagen, die ihm das Land zugeschickt habe, sei „sehr groß“, meinte Rohrer zur „TT“. Wer von der Expertenkommission angehört wird, könnte Anfang Juni feststehen. Bis Oktober soll der Endbericht fertig sein.

VSV: Mehr als 6.000 Geschädigte meldeten sich

Der Verbraucherschutzverein (VSV), der in der Causa eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eingebracht hatte, gab indes bekannt, dass sich mittlerweile 6.151 Geschädigte aus 47 Staaten meldeten: 4.000 davon aus Deutschland, 800 aus den Niederlanden, 222 aus Österreich, 180 aus Großbritannien und 156 aus der Schweiz. 75 Prozent gaben an, in Ischgl auf Urlaub gewesen zu sein, 70 Prozent wurden positiv auf das Coronavirus getestet.

Der VSV habe inzwischen auch den Zwischenbericht der Landespolizei Tirol erhalten. „Wir werden diesen Bericht über Pfingsten prüfen und Anfang nächster Woche bekanntgeben, welche Anträge im Verfahren wir stellen werden“, sagte VSV-Obmann Peter Kolba. Zudem wolle man erste zivile Klagen auf Amtshaftung der Republik Österreich vorbereiten.

NEOS fühlt sich durch die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Peter Hajek Public Opinion Strategies in seiner Kritik an den Coronavirus-Maßnahmen bestätigt. Gemäß den Daten sei es Türkis-Grün nicht gelungen, eine Balance zwischen Gesundheit, Wirtschaft, Rechtsstaat und Gesellschaft herzustellen, hieß es heute.

Guten Noten im Bereich Gesundheit stünde teils heftige Kritik in den Bereichen Wirtschaft und Arbeit gegenüber. An der von der Oppositionspartei in Auftrag gegebenen Onlinebefragung nahmen im Zeitraum vom 20. bis 25. Mai 1.001 Befragte teil. Die maximale Schwankungsbreite liege bei plus/minus 3,1 Prozent.

Wirtschaftsentwicklung bereitet Menschen Sorgen

Im Detail: Der mit 24 Prozent relativ gesehen größte Teil der Befragten meinte auf die Frage „Was macht Ihnen am meisten Sorgen in der CoV-Krise?“ den „Einbruch der Wirtschaft“. Dahinter folgten 19 Prozent, die die „Gesundheit Angehöriger“ nannten. Danach kamen 15 Prozent, denen die „Einschränkung persönlicher Freiheiten“ am meisten Sorgen bereitet.

Überhaupt gaben 53 Prozent auf die Frage, wo langfristig der größte Schaden durch die CoV-Krise entsteht, den Bereich Wirtschaft an. Weit abgeschlagen dahinter 18 Prozent der Befragten, die die Entwicklung der Staatsschulden fürchten.

Elf Prozent bereitet die Einschränkung der Bürgerrechte Kopfzerbrechen. Ganze 72 Prozent schätzen die Zeit nach der Coronavirus-Krise in Österreich überhaupt schlechter als davor ein. Ihnen stehen 18 Prozent gegenüber, die sagen, dass es gleich bleibt, und fünf Prozent, die sagen, dass es besser wird.

Klimakrise größte Herausforderung

Bei den langfristigen Herausforderungen für die Gesellschaft liegt mit 31 Prozent die Klimakrise an der ersten Stelle, gefolgt von Wirtschaftswachstum (23 Prozent), CoV-Krise (20 Prozent) und sozialer Zusammenhalt (14 Prozent). 58 Prozent halten eine steuerliche Entlastung der Arbeitnehmer als die am geeignetsten Maßnahme, um aus der Krise zu kommen, 39 Prozent jene von Betrieben.

Der Unterausschuss des Nationalrats zu den Coronavirus-Hilfen lässt weiter auf sich warten. Stand jetzt wird er entgegen den ursprünglichen Plänen nicht beim heutigen Plenum in die Wege geleitet. Dabei hatten sich Koalition und Opposition zuletzt angenähert.

Konkret waren ÖVP und Grünen den anderen Fraktionen insofern entgegengenommen, als der Unterausschuss ähnliche Rechte wie ein Untersuchungsausschuss haben sollte. Allerdings bestand vor allem die ÖVP darauf, dass im Gegenzug die Oppositionsparteien in den Covid-19-Beirat einziehen sollten. Das wurde von SPÖ, FPÖ und NEOS bisher boykottiert.

In der Budgetwoche ist es nun offenkundig nicht gelungen, eine gemeinsame Vorgangsweise zu finden. Eigentlich hätte in einem zusätzlichen Geschäftsordnungsausschuss ein Antrag gezimmert werden sollen, der in einer Zweiten Lesung heute am Ende des Plenums hätte behandelt werden können. Damit wäre einem unkompliziertem Beschluss in der kommenden Plenarwoche im Juni nichts mehr im Weg gestanden. Nun hängt die Causa weiter in der Luft.

Inland

Der Nationalrat hat heute mittels Sammel-Novelle den Krankenkassen die Prüfkompetenz hinsichtlich der lohnabhängigen Abgaben und Beiträge wieder zurückgegeben. Türkis-Blau hatte die entsprechenden Kompetenzen weg von der Sozialversicherung hin zum Finanzministerium transferiert. Das hat der VfGH vergangenen Dezember aufgehoben, mit dem Beschluss erfolgte nun die Reparatur.

Damit erhält die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) – so wie seinerzeit die Gebietskrankenkassen – ab 1. Juli 2020 eigene Prüfkompetenzen. Am schon seit Jahren bewährten System, dass alle Abgaben (Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge, Kommunalsteuer) gemeinsam geprüft werden – also vice versa von der Finanz bzw. den Kassen – wird jedoch festgehalten. Der beim Finanzministerium eingerichtete Prüfdienst wird in „Prüfdienst für Lohnabgaben und Beiträge“ umbenannt und ab Juli grundsätzlich nur mehr im Auftrag der Finanzämter Prüfungen durchführen.

Den Gemeinden wird durch die Novelle das Recht eingeräumt, sowohl beim zuständigen Finanzamt als auch bei der Gesundheitskasse eine Kommunalsteuerprüfung anzufordern. Wird dieser nicht innerhalb von drei Monaten Folge geleistet, können sie künftig selbst Prüfungen durchführen. Der Beschluss erfolgte mit Stimmen der Koalitionsfraktionen ÖVP und Grüne sowie SPÖ und FPÖ. NEOS stimmte wie schon im Ausschuss-Beschluss dagegen, da sie bedauerten, dass der VfGH ein seiner Meinung nach sinnvolles Element der Kassenreform aufgehoben habe.

Der Nationalrat wird gegen das umstrittene, jährliche Kroatentreffen auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg in Kärnten aktiv. Auf Initiative der Grünen wurde heute gemeinsam mit SPÖ, ÖVP und NEOS ein – unverbindlicher – Entschließungsantrag eingebracht, der die Bundesregierung zum künftigen Verhindern des Treffens drängt. Nur die FPÖ war bei der Initiative nicht dabei.

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EU

Die EU will auf das umstrittene Sicherheitsgesetz zu Hongkong nicht mit Sanktionen gegen China reagieren. Er denke nicht, dass Sanktionen der richtige Weg seien, um Probleme mit Peking zu lösen, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell heute nach einer Videokonferenz der EU-Außenministerinnen und -Außenminister.

Die EU äußere ihre „ernste Besorgnis“ über die Entwicklungen zu der chinesischen Sonderverwaltungszone, hieß es in einer schriftlichen Erklärung Borrells im Namen der EU. „Die Beziehungen der EU zu China basieren auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Diese Entscheidung stellt den Willen Chinas, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen, weiter infrage“, hieß es.

Ziel der EU sei es, mit China im Gespräch zu bleiben und „Druck auf die chinesische Regierung auszuüben“, sagte Borrell. ÖVP-Außenminister Alexander Schallenberg war bei der Videokonferenz nicht dabei, wohnte stattdessen der Präsentation der neuen grünen Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer im Parlament bei.

USA drohen China mit Sanktionen

Chinas Nationaler Volkskongress hatte ein Sicherheitsgesetz zu Hongkong gebilligt, mit dem nach Ansicht von Kritikern die Bürgerrechte in der Sonderverwaltungszone stark beschnitten werden.

Das Gesetz soll „Abspaltung“, „Subversion“, „Terrorismus“ und die „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ unter Strafe stellen und den offenen Einsatz der festlandchinesischen Sicherheitsbehörden in Hongkong ermöglichen. Die USA drohen der Volksrepublik deswegen mit Sanktionen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) besteht auf einer zeitlichen Befristung der EU-Coronavirus-Hilfen. Sein Land werde einem Wiederaufbauplan nur zustimmen, wenn er zeitlich befristet und als einmalige Nothilfe gedacht sei, sagte Kurz dem Magazin „Der Spiegel“. Allen Versuchen, eine „komplette Vergemeinschaftung“ von Schulden zu erreichen, werde sich Österreich widersetzen. Kurz fügte hinzu: „Wir vertreten im Übrigen nur das, was noch vor wenigen Wochen auch die deutsche Position war.“

Streitfrage Kredite oder Zuschüsse

Der 750-Milliarden-Wiederaufbauplan der EU-Kommission sieht vor, 500 Milliarden Euro als nicht rückzahlbare Zuwendungen und weitere 250 Milliarden Euro als Kredite für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Coronavirus-Krise zu vergeben.

Finanziert werden soll das Programm über Schulden, die die EU-Kommission mit Hilfe von Garantien der EU-Staaten aufnehmen und dann zwischen 2028 und 2058 über den EU-Haushalt zurückzahlen will.

Kurz sagte, über das Verhältnis von Zuschüssen und Krediten müsse noch verhandelt werden. „Klar ist, dass wir erst am Beginn von langen Verhandlungen stehen und dass am Ende das Ergebnis für alle Mitgliedstaaten passen muss.“

Orban: Gelderverteilung „perverse Lösung“

Ungarns rechtspopulistischer Ministerpräsident Viktor Orban bezeichnete die geplante Verteilung der Gelder unter den Mitgliedsländern indes als „absurde und perverse Lösung“. Den Reichen würden nämlich mehr Mittel zukommen als den Armen, meinte der Regierungschef in seinem wöchentlichen Radiointerview. „Es ist keine gute Idee, mit dem Geld der Armen die Reichen zu finanzieren.“

Der Premier erklärte zum gesamten Wiederaufbauplan der EU-Kommission, dass er sich auf den ersten Blick gegen dessen Finanzierung aus Krediten „sträube“, den Plan aber nicht sofort ablehne, sondern erst prüfen müsse.

„Nationale Konsultation“ in Ungarn

Orban kündigte zudem den Start einer neuen „nationalen Konsultation“ an. Dabei handelt es sich um ein von der Orban-Regierung regelmäßig eingesetztes Instrument von Befragungen der Bevölkerung per Fragebogen, die von Kritikern als „Suggestivfragen“ und „Propaganda“ eingestuft werden.

COV Ausland

Seit Wochen macht Schweden mit seinen vergleichsweise wenigen Regeln im Kampf gegen das Coronavirus Schlagzeilen – nun haben die beiden größten Oppositionsparteien eine unabhängige Untersuchung dieses Vorgehens gefordert. Die Kommission müsse noch vor dem Sommer ihre Arbeit aufnehmen, erklärten heute in Stockholm die konservative Moderate Partei und die rechtspopulistischen Schwedendemokraten.

Die Oppositionsparteien setzten damit Regierungschef Stefan Löfven unter Druck. Der Sozialdemokrat war bisher grundsätzlich offen für die Einsetzung einer unabhängigen Kommission. Diese soll nach seinem Willen aber erst nach Ende der Coronavirus-Pandemie ihre Arbeit aufnehmen.

Höhere Sterberate als Nachbarländer

Das nordeuropäische Land verzeichnet mittlerweile eine wesentlich höhere Sterberate als seine skandinavischen Nachbarländer. Der Regierung war zuletzt vorgeworfen worden, durch den Verzicht auf konsequente Maßnahmen mit dem Leben ihrer Bürger zu spielen.

Die schwedischen Gesundheitsbehörden dagegen vertreten weiter die Ansicht, ihr Vorgehen sei langfristig nachhaltiger. Drastische kurzfristige Maßnahmen seien nicht effektiv genug, um deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu rechtfertigen, argumentieren sie. In Schweden starben bisher 4.350 Coronavirus-Infizierte, drei Viertel der Todesopfer waren pflegebedürftige Senioren.

Angetrieben von den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie verabschiedete die spanische Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sanchez heute ein „minimales Grundeinkommen“. Es handelt sich um eine Art Mindestabsicherung, um die Armutsbekämpfung auszubauen. Mit diesem Grundeinkommen, das ab Juni ausgezahlt wird und für das der Staat jährlich ein Budget von drei Milliarden Euro zur Verfügung stellt, sollen rund 850.000 hilfsbedürftige Haushalte in Spanien unterstützt werden, die keine Sozialhilfe bekommen.

Alleinstehende erhalten eine Hilfe von mindestens 462 Euro im Monat, Familien mit Kindern bis zu 1.015 Euro. Spaniens linker Sozialminister Pablo Iglesias kündigte heute an, die Maßnahme könne bis zu 1,6 Millionen Menschen aus der extremen Armut holen.

Die Coronavirus-Pandemie treibt immer mehr Menschen in Spanien in die Armut. Im Zuge der Krise und des Alarmzustands verloren bereits über eine Million Menschen ihren Job. Mit knapp 238.000 Infektionsfällen und mehr als 27.000 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder der Welt. In über 1,1 Millionen Haushalten hat kein einziges Familienmitglied mehr ein Einkommen. In Spanien leiden mittlerweile fast vier Millionen Menschen unter Armut, die Hälfte davon sind Kinder. Das bekommen vor allem Suppenküchen und Armenspeisungen zu spüren.

Die Coronavirus-Krise hat in Bosnien-Herzegowina nun zu Festnahmen wegen einer im April erfolgten Anschaffung von 100 umstrittenen Beatmungsgeräten geführt. Nach einer achtstündigen Einvernahme wurde der Ministerpräsident der Bosniakisch-Kroatischen Föderation, Fadil Novalic, gestern nach Angaben seiner Anwältin Vasvija Vidovic mit einer 24-stündigen Untersuchungshaft belegt.

In Haft befinden sich zwei weitere Personen: der suspendierte Direktor der Föderationsverwaltung für Zivilschutz, Fahrudin Solak, und Fikret Hodzic, Chef der Firma, die die Beatmungsgeräte importiert hatte.

Amtsmissbrauchs- und Geldwäscheverdacht

Sie alle stehen unter dem Verdacht des Amtsmissbrauchs und der Geldwäsche sowie Dokumentenfälschung und Bestechung, hieß es in Medienberichten.

Nachdem im April die ersten 80 Beatmungsgeräte in Sarajevo eingetroffen waren, hatten Gutachter der Staatsanwaltschaft festgestellt, dass sie „nicht einmal ein Mindestmaß der Eigenschaften für eine adäquate Behandlung von Patienten auf Intensivstationen“, darunter auch von CoV-Fällen, erfüllen würden.

Trotz schnell steigender Coronavirus-Infektionszahlen lockert Indien seine Ausgangssperre. Von gestern auf heute gab es einen weiteren Infektionstagesrekord mit 7.466 neuen Fällen, wie das indische Gesundheitsministerium mitteilte. Inzwischen sind im Land nach offiziellen Zahlen mehr Menschen an oder mit Covid-19 gestorben als in China.

Dennoch wurden diese Woche beispielsweise Inlandsflüge wieder erlaubt. Am Wochenende könnte die Ausgangssperre ganz enden, wenn sie nicht von Premier Narendra Modi verlängert wird.

In der größten Demokratie der Welt gibt es einen enormen wirtschaftlichen Druck und Millionen arbeitslose Menschen, von denen viele Angst haben zu verhungern.

Mumbai als Zentrum

Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter, die aus den großen Städten in ihre Dörfer zurückkehren, könnten das Virus mitbringen und ausgerechnet dort neue Infektionsherde begründen, wo die Gesundheitsversorgung besonders schlecht ist. Zudem gehen im Pandemiezentrum in der Millionenmetropole Mumbai – der reichsten Stadt des Landes – die Betten und Beatmungsgeräte aus.

Indien liegt nach der Anzahl der Infektionen zurzeit weltweit auf Platz neun – knapp hinter Frankreich und Deutschland. Indien dürfte die beiden Länder aber bald überholen.

Ausland

In dem von Israel besetzten Westjordanland hat ein Palästinenser versucht, sein Auto in eine Gruppe israelischer Soldaten zu lenken. Er sei bei dem versuchten Angriff nördlich von Ramallah erschossen worden, teilte die israelische Armee heute mit. Israelische Soldaten seien bei dem Vorfall nicht verletzt worden.

Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Inzwischen leben dort etwa 400.000 israelische Siedler. Die UNO stuft die Siedlungen als völkerrechtswidrig ein.

Schallenberg warnt Israel vor Annexion

ÖVP-Außenminister Alexander Schallenberg machte in einem Interview deutlich, dass Österreich eine Annexion des Westjordanlands durch Israel ablehnen würde. „Die rote Linie Österreichs ist das Völkerrecht“, sagte Schallenberg laut Vorausmeldung in einem Interview mit der „Presse“ (Samstag-Ausgabe).

Der Außenminister erklärte in dem Interview, warum Österreich einen gemeinsamen Aufruf der EU-Länder an Israel zum Abrücken von Annexionsplänen im Westjordanland verhindert hatte. „Ich war der Meinung, dass es nicht der richtige Moment ist, die israelische Regierung am Tag der Angelobung mit einer expliziten Warnung vor der Annexion der Westbank zu begrüßen. Doch es gibt an der österreichischen Haltung zur Annexion keinen Zweifel, ich habe sie auch Israels Außenminister mitgeteilt. Die einseitige Ausdehnung von Territorium widerspricht dem internationalen Recht und zahlreichen Sicherheitsratsresolutionen seit 1967.“

Schallenberg bestätigte allerdings, dass sich die österreichischen Linie zugunsten Israels geändert habe. „Das spiegelt sich im Regierungsprogramm wider, das eine klare Sprache zur historischen Verantwortung Österreichs für Israel enthält. Ich finde das sehr gut.“

Der Tod von 30 Migranten bei einem mutmaßlichen Racheakt in Libyen hat über das Bürgerkriegsland hinaus Entsetzen ausgelöst. Das Außenministerium der international anerkannten Regierung in Tripolis verurteilte die Tat heute „aufs Schärfste“ und sprach von einem „abscheulichen Massaker“.

Es werde nicht ohne Strafe bleiben. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, die Tat sei ein weiterer „entsetzlicher Grund“, warum Libyen nicht sicher sei.

Nach Regierungsangaben handelte es sich bei der Tat um Rache für die Tötung eines Mannes, der in Menschenschmuggel verstrickt gewesen sein soll. Demzufolge brachten Angehörige des Mannes in der Wüstenstadt Misda 26 Migranten aus Bangladesch und vier aus Afrika um. Elf weitere Migranten seien verletzt worden, hieß es. Die Täter würden gesucht.

In Lagerhalle getötet

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) forderte eine Untersuchung der lokalen Behörden. „Dieses sinnlose Verbrechern ist eine düstere Erinnerung an den Horror, den Migranten durch Schmuggler und Menschenhändler in Libyen erleiden müssen“, erklärte der IOM-Leiter in dem nordafrikanischen Land, Federico Soda.

IOM erklärte, die Opfer seien in einer Lagerhalle festgehalten und dort am Mittwoch getötet worden. „Kriminelle Gruppen“ nutzten die Instabilität und die Sicherheitslage in Libyen aus, um verzweifelte Menschen auszubeuten, sagte Soda.

Die libysche Nachrichtenseite al-Wasat berichtete unter Berufung auf einen Zeugen, die Angreifer seien in die Halle eingedrungen und hätten die Menschen „liquidiert“.

Gesundheit

Die Gesundheitsreferenten der Bundesländer haben sich heute nicht auf Impfpflicht, aber auf eine „große Öffentlichkeitskampagne“ zur Erhöhung der Impfbereitschaft für Influenza in einer Videokonferenz verständigt. Eine Arbeitsgruppe solle das bis Ende Juni ausarbeiten.

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Die Apothekerkammer begrüßte den Vorschlag. „Apothekerinnen und Apotheker stehen bereit, wenn es darum geht, die Durchimpfungsraten in der Bevölkerung durch das Impfen in bestimmten Apotheken zu heben“, sagte Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer in einer Aussendung.

„Der niederschwellige Zugang zu Impfungen, wie ihn die 1.400 österreichischen Apotheken mit ihren rund 400.000 täglichen Patientenkontakten bei entsprechendem politischem Willen bieten könnten, würde zu deutlich höheren Impfraten führen. Beispiele aus dem Ausland belegen dies eindrucksvoll. In zwölf EU-Staaten sowie auch in den USA, in Kanada und in Neuseeland gehört das Impfen in der Apotheke zum Alltag“, sagte Kobinger.

TV-Hinweis

Wirtschaft

Die EU-Kommission hat ihre in Deutschland scharf kritisierte Haltung zum milliardenschweren Rettungspaket der deutschen Bundesregierung für die AUA-Mutter Lufthansa verteidigt.

Ihre Behörde schaffe hier „keine zusätzlichen Hindernisse“, sondern stelle lediglich sicher, „dass Wettbewerbsverzerrungen behoben werden“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager heute in Brüssel. Im Übrigen hätten die EU-Länder die entsprechenden Wettbewerbsregeln akzeptiert.

Die Lufthansa und die deutsche Bundesregierung hatten sich angesichts der wirtschaftlich dramatischen Lage infolge der Coronavirus-Krise auf ein neun Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm geeinigt, das mit einem Einstieg des Staates verbunden ist. Berichten zufolge will die EU-Kommission ihre Genehmigung an die Abgabe von Start- und Landerechten an Wettbewerber knüpfen.

Lufthansa-Aufsichtsräte stellen Insolvenz in Raum

Bei der Lufthansa brachten indes mehrere Aufsichtsräte eine Pleite der Fluglinie ins Spiel. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung habe durchaus Vorteile gegenüber den Staatshilfen, zitierte das Magazin „Focus“ Mitglieder des Aufsichtsgremiums.

So könnte bei einer Insolvenz beispielsweise die Rückerstattung von Flugtickets, die mit bis zu 1,8 Milliarden Euro veranschlagt wird, ausgesetzt werden.

Außerdem wären Kündigungen und die Schließung unrentabler Tochterfirmen einfacher möglich. Dadurch könnten weit mehr als die bis jetzt anvisierten rund 10.000 Jobs wegfallen. „Die Ablehnung des Rettungspakets ist ein Signal an die Bundesregierung, noch einmal mit Brüssel zu verhandeln“, zitierte „Focus“ ein Aufsichtsratsmitglied.

Den Freiwilligen Feuerwehren fehlen aufgrund der Coronavirus-Krise rund 100 Millionen Euro. Der Grund: Veranstaltungen im Frühjahr, etwa Feuerwehrfeste, mussten aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Allein in Niederösterreich fehlen 19 bis 20 Mio. Euro.

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Auch Kärntner Feuerwehr klagt

Feuerwehrfeste sind auch für die freiwilligen Einsatzkräfte in Kärnten gute Umsatzbringer. Mit dem Geld werden neues Gerät angeschafft und Bauarbeiten finanziert. In Kärnten fehlen rund fünf bis sechs Millionen Euro.

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Sport

Der Vertrag von Franco Foda als Teamchef des österreichischen Nationalteams ist bis zum Ende der WM-Qualifikation im November 2021 verlängert worden. Sollte die Qualifikation für die Endrunde in Katar erfolgreich verlaufen, dann verlängert sich der Kontrakt noch einmal automatisch bis zum Turnier im November und Dezember 2022. Das gab der ÖFB heute nach einer Präsidiumssitzung bekannt.

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Dominic Thiem nimmt im Juli an einem spektakulären Einladungsturnier in Berlin teil. Der Weltranglistendritte schlägt wie etwa auch Alexander Zverev, Nick Kyrgios und Julia Görges bei zwei Kurzevents auf, die von 13. bis 19. Juli auf Rasen im Steffi-Graf-Stadion bzw. auf Hartplatz in einem Hangar auf dem Flughafen Tempelhof stattfinden. Je sechs Damen und Herren nehmen daran teil.

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Chronik

An der englischen Nordsee-Küste, nahe der Stadt Clacton-on-Sea, ist heute ein mehr als zwölf Meter langer Walkadaver angespült worden. Die Polizei in der Grafschaft Essex rief die Menschen per Facebook auf, sich von dem toten Tier fernzuhalten. „Wir sind derzeit vor Ort mit anderen Organisationen, und es wird beraten, wie er entfernt werden kann“, hieß es in der Mitteilung.

Ein gestrandeter Wal in Clacton-on-Sea in Essex (England)
AP/Joe Giddens

Trotzdem fanden sich am Strand zahlreiche Schaulustige ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Es soll sich Fachleuten zufolge um einen Finnwal handeln.

Dem Evolutionsbiologen Ben Garrod von der Universität of East Anglia zufolge könnte der Vorfall ein Hinweis darauf sein, dass sich die Bestände erholen. „Wir sehen tote Tiere wie dieses, aber eigentlich könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die Zahlen in der freien Natur zunehmen, was ironischerweise eine gute Nachricht ist“, zitierte die BBC den Wissenschaftler.

Science

Aus Angst vor einem Ausbruch des Coronavirus unter den Raumfahrern hält Russland für den nächsten Start im Oktober erstmals auch eine dritte Besatzung für den Notfall bereit. Für den Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) gebe es nun eine zusätzliche Ersatzcrew, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos heute in Moskau mit.

Normalerweise steht für je einen Raumfahrer ein zweiter bereit, der etwa im Krankheitsfall auch kurzfristig einspringen kann. In die zusätzliche Ersatzmannschaft hat Roskomos zwei Kosmonauten berufen. Die Sojus-Trägerrakete soll in gut fünf Monaten vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben. Als Hauptmannschaft sind die Kosmonauten Sergej Ryschikow und Sergej Kud-Swertschkow und die US-Astronautin Kathleen Rubins vorgesehen.

Bereits beim Start im April gab es strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die Raumfahrer waren zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus in Quarantäne. Zwei Wochen nach dem Flug hatte Roskosmos mitgeteilt, dass die Mannschaft nach wie vor gesund sei.

IT

Zwei neue Videospiele befassen sich mit Arbeit im Kapitalismus auf völlig unterschiedliche Art und Weise. In „Good Company“ übernimmt man das Management eines Hightech-Unternehmens, und in „Tonight We Riot“ kämpft man auf der Seite der Beschäftigten für mehr Rechte. Beide Spiele beweisen, dass man Politik und Wirtschaft in Videospiele einbauen kann, ohne die Leichtigkeit und Unterhaltung zu verlieren.

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Kultur

Der Pariser Louvre plant, am 6. Juli seine Türen wieder für Besucher zu öffnen. Damit reagiert das weltbekannte Museum auf die Ankündigung weiterer Lockerungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie, die Premierminister Edouard Philippe gestern angekündigt hatte. Unter anderem mit einem neuen Buchungssystem will man die Sicherheit der Besucher garantieren, die gebeten werden, eine Schutzmaske zu tragen.

Die Regierung in Paris kündigte eine weitgehende Lockerung der Coronavirus-Auflagen an, die nach Pfingsten in Kraft tritt. Besonders sehnlich erwartet wird die Aufhebung der Reisebeschränkungen: Seit Ende der Ausgangssperre am 11. Mai können sich die Bürger mit wenigen Ausnahmen bisher nur im Radius von 100 Kilometern um ihren Wohnort bewegen. Diese Auflage entfällt nun.

Zudem dürfen die seit Monaten geschlossenen Restaurants, Bars und Cafes wieder öffnen, wenn sie Hygieneregeln befolgen. Im besonders von CoV betroffenen Großraum um Paris gilt das vorerst nur für die Außenbereiche.

Der Direktor der Uffizien in Florenz, Eike Schmidt, hat eine Rückgabe sakraler Kunstwerke aus staatlichen italienischen Museen an Kirchen gefordert. In zahlreichen Sammlungen befänden sich Altarbilder und andere Gemälde, die ursprünglich für geistliche Räume geschaffen worden seien, sagte Schmidt laut der italienischen Tageszeitung „La Nazione“ (Freitag-Ausgabe).

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Panorama