COV Inland

Der Schutz von Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hat in Österreich vergleichsweise gut funktioniert. Gleichzeitig sind und waren aber die Mitarbeiter dieser Einrichtungen einer enormen Belastung ausgesetzt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die heute von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Studienautorin Elisabeth Rappold präsentiert wurde.

Aktuell sind sieben Bewohner und 19 Mitarbeiter von Alters- und Pflegeheimen infiziert. Gleichzeitig steigen die Ansteckungen in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen. „Möglicherweise haben wir ein Problem mit dem Risikobewusstsein bei den Jungen“, so Anschober zu dieser Entwicklung.

Minister zufrieden mit Schutz Älterer

Er zeigte sich aber zufrieden damit, dass der Schutz der älteren Menschen gut funktioniert habe. Bis zum 22. Juni wurden insgesamt 923 Infektionsfälle in Alters- und Pflegeheimen erfasst, das entspricht rund 1,3 Prozent aller Bewohner.

260 der Infizierten verstarben, das entspricht einem Anteil von rund 36,8 Prozent an allen bis zu diesem Zeitpunkt verstorbenen Coronavirus-Fällen (706 zum Stichtag) in Österreich. Bei Pflegern und Betreuern gab es über 500 Ansteckungen und keinen einzigen Todesfall. Bei den Verstorbenen pro 100.000 Einwohner liegt Österreich mit 7,8 deutlich unter dem EU-Schnitt von 21,3, erläuterte Rappold.

Die im internationalen Vergleich guten Zahlen bedeuten aber nicht, dass alles gutgegangen sei. Verbesserungspotenzial gebe es vor allem bei der Information und Kommunikation sowie bei der Schutzausrüstung. „Die Schutzausrüstung war ein zentrales Thema für Mitarbeiter in Alters- und Pflegeheimen“, sagte Rappold.

Der Mangel an Schutzausrüstung habe bei den Mitarbeitern große Ängste ausgelöst, gleichzeitig sei das Tragen von Schutzausrüstung eine enorme Belastung. Pfleger und Betreuer müssen seit März den ganzen Tag Schutzkleidung tragen. Sie wünschen sich für die Zukunft eine zentrale Verteilung von Schutzausrüstung.

Für den Herbst, auf den man sich laut Anschober derzeit intensiv vorbereitet, empfiehlt die Studie eine Einbindung der Pflegekräfte in die Krisenstäbe, ein verbessertes Kommunikationsmanagement und eine Verbesserung der personellen Situation, die Einräumung eines Mitspracherechts für die Bewohner und die Erforschung der psychosozialen Folgen der Pandemie für Heimbewohner.

Klagen wegen Freiheitsentzugs: Verbesserungen versprochen

Auf die sich mehrenden Klagen wegen Freiheitsentzugs in Alters- und Pflegeheimen angesprochen, versprach Anschober Verbesserungen, nannte aber noch keine konkreten Schritte. Man sei derzeit in enger Abstimmung mit den Ländern und wolle rechtliche Verankerungen schaffen. Das Spannungsfeld zwischen Schutz vor einer Ansteckung und persönlicher Freiheit sei eine „Riesenherausforderung“, so Anschober.

Der Minister wies einmal mehr auf die dramatische Entwicklung weltweit hin und sah Österreich auf einem guten Kurs. „Wir haben eine stabile Situation. Der Reproduktionsfaktor liegt derzeit bei 1,01. Der Kurs stimmt, die Richtung stimmt.“

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Personen liegt in Österreich derzeit bei 1.383 (Stand: heute, 11.00 Uhr). Das sind 51 weniger als am Vortag. Der Grund dafür ist ein deutliches Plus bei der gemeldeten Anzahl der Genesenen.

In Summe wurden hierzulande bisher 21.503 Fälle gezählt, als genesen gelten aktuell 19.464 Personen. Im Spital behandelt werden im Moment insgesamt 105 Personen, 25 davon auf der Intensivstation.

701 Menschen starben in Österreich am Coronavirus. Für die Zählung ist die Definition des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) ausschlaggebend.

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Hinweis zur Aktualisierung der Daten

Um die Daten aktuell zu halten, übernimmt ORF.at die Informationen direkt aus dem offiziellen Dashboard des Gesundheitsministeriums. Die aktuellen Fallzahlen im Kopf der Seite werden stündlich aktualisiert, die Verlaufsgrafiken zum Tageswechsel, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Genaue Informationen zu Definitionen, Herkunft der Daten, Aktualisierung und FAQs finden sich im Infopoint Coronavirus von ORF.at.

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Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) greift den heimischen Würstel- und Kebabständen mit einer Steuervereinfachung unter die Arme. Die im Rahmen des Coronavirus-Gastropakets im Mai beschlossene Erhöhung der Ausgabenpauschalierung von 255.000 auf 400.000 Euro Jahresumsatz galt bisher nur für Betriebe mit mehr als zehn Sitzplätzen. Diese Regel wurde nun gestrichen.

Die Änderung verkündete der Finanzminister heute in mehreren Tageszeitungen inklusive Foto eines Wiener Würstelstandbesuchs. Blümel geht auch als ÖVP-Spitzenkandidat in die Wien-Wahl am 11. Oktober.

Blümel: „Wegfall hilft kleineren Betrieben“

„Der Wegfall der Sitzplatzbeschränkung hilft vor allem den kleineren Betrieben. Damit unterstützen wir auch zahlreiche Wiener Würstelstände als fixen Bestandteil des Stadtbildes“, so der Finanzminister in einer Aussendung. In Österreich würden rund 800 Imbissbetriebe ohne Sitzplätze von den Steuervereinfachungen profitieren.

Die Ausgabenpauschalierung ermöglicht im Gegensatz zur vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung eine einfachere Gewinnermittlung sowie einen Wegfall der Betriebsausgabenaufzeichnungen und der Belegsammlung für die pauschalierten Ausgaben.

Auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hofft auf einen positiven Effekt für die in der Krise schwer getroffenen Gastrounternehmen.

Wegen der stark steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen könnte nach Deutschland auch bald Österreich vor Reisen in Teile Nordspaniens warnen. Wie die Tageszeitung „Österreich“ (Mittwoch-Ausgabe) berichtete, sollen davon die Regionen Katalonien, Navarra und Aragon betroffen sein. Das Außenministerium sagte dazu auf Anfrage, dass derzeit „intensiv geprüft“ werde, welche Schritte gemacht werden.

Eine Teilreisewarnung für das Land könnte noch diese Woche verkündet werden. Laut „Österreich“ ist dann – wie bei der Rückeinreise nach Österreich aus anderen als Risikogebiet eingestuften Regionen bzw. Ländern – ein negativer Test oder eine zehntägige Heimquarantäne verpflichtend.

Eine Reisewarnung (Sicherheitsstufe sechs) gilt derzeit für zahlreiche Staaten, darunter die EU-Länder Portugal, Schweden, Bulgarien und Rumänien sowie die USA und die Türkei. Für alle anderen EU-Staaten gilt nach wie vor der Reisehinweis der Stufe vier („hohes Sicherheitsrisiko“), von nicht unbedingt notwendigen Reisen wird abgeraten.

Spanien zählt in Europa zu den am stärksten von der Coronavirus-Krise betroffenen Ländern. Laut Johns-Hopkins-Universität wurden bisher knapp 303.000 CoV-Fälle bestätigt, fast 29.000 Personen sind mit oder an dem Virus gestorben.

COV Ausland

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Israel nach einem starken Anstieg zuletzt leicht zurückgegangen. Seit dem Rekordhoch von Dienstag vergangener Woche blieb die Zahl konstant unter dem Wert von 2.000 Fällen. Diese galt zuletzt als Marke für schärfere Einschränkungen bis hin zu einem kompletten „Lock-down“.

Das Gesundheitsministerium des Landes mit einer Bevölkerung von rund neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern teilte heute mit, am Vortag seien 1.700 Fälle gemeldet worden. Der Rekord liegt bei 2.100 neuen Fällen.

Insgesamt wurden in Israel bisher 76.763 Infizierte registriert, als aktiv gelten derzeit 24.866 Fälle, davon sind 355 Menschen schwer erkrankt. 564 Infizierte starben bisher laut den offiziellen Angaben.

Starker Anstieg nach Lockerungen

Einen ersten kleineren Anstieg der täglichen Neuinfektionen hatte es im März gegeben. Die Zahl ging jedoch im April stark zurück und lag Mitte Mai nur noch im zweistelligen Bereich. Nach raschen Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen schnellten die Zahlen jedoch seit Ende Mai wieder in die Höhe. Einige Restriktionen wurden in den vergangenen Wochen wieder eingeführt.

Italien denkt an eine weitere Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie. So prüft Premier Giuseppe Conte den Neustart des Kreuzfahrt- und des Kongresstourismus. Auch Messen sollen wieder organisiert werden, sagte der Premier im Gespräch mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Mittwoch-Ausgabe).

Die Öffnung von Diskotheken, die für Mitte Juli erwartet worden war, soll jedoch nochmals verschoben werden. „In Sachen Diskotheken müssen wir noch vorsichtig sein. Ich begreife die Ungeduld der Betreiber, die neu starten wollen, in Diskotheken können aber nicht die Distanzen eingehalten werden, das Risiko ist noch zu groß“, sagte der Premier.

Aktionen zur Belebung der Gastronomie

Die italienische Gastronomie soll Hilfe erhalten. So erwägt die Regierung, Restaurantgästen die Rückerstattung von 20 Prozent ihrer Ausgaben zu gewähren, wenn sie per Kreditkarte zahlen und sich auf einer App anmelden. Die Maßnahme soll für den Zeitraum von September bis Ende Dezember gelten und vor allem zur Belebung jener Lokale in den Stadtkernen beitragen, die unter der Krise besonders hart zu leiden haben.

Ein Einmalbonus von 5.000 Euro soll Bars, Cafes und Restaurants helfen, sich in diesen schwierigen Monaten über Wasser zu halten. Die Regierung plant auch einen 500-Euro-Voucher für Familien mit niedrigem Einkommen zum Erwerb von Tablets und PCs. Dafür will die Regierung 200 Millionen Euro aufbringen. Von der Maßnahmen sollen Familien mit einem Jahreseinkommen unter 20.000 Euro profitieren.

Weitere 20 Millionen Euro soll das Kulturministerium für die Organisatoren von Ausstellungen und Events zur Verfügung stellen, die wegen der Pandemie gestrichen oder verschoben werden mussten.

Italien zählt knapp 35.000 Tote mit und durch das Virus. Mehr als 243.000 Menschen wurden seit Februar positiv getestet.

Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sind US-Wissenschaftlern zufolge weltweit bereits mehr als 700.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das ging aus heutigen Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervor. Inzwischen gibt es bereits mehr als 18,5 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger SARS-CoV-2.

Erst vor rund zweieinhalb Wochen war die Schwelle von 600.000 Toten und 14 Millionen bestätigten Infektionen überschritten worden. Seither hat sich die Pandemie unter anderem in den USA, Brasilien, Peru, Mexiko, Indien und Südafrika weiter ausgebreitet.

Über 157.000 Tote in USA

Weltweit entfallen die meisten Infektionen und Todesfälle auf die USA, ein Land mit rund 330 Millionen Einwohnern. Dort gibt es laut der Uni etwa 4,8 Millionen bestätigte Infektionen und rund 157.000 Todesfälle. An zweiter Stelle steht Brasilien mit etwa 2,8 Millionen bekannten Infektionen und rund 96.000 Todesfällen.

Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Toten jedoch in einigen europäischen Ländern höher. In den USA etwa starben der Uni zufolge 47,5 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Brasilien 45. In Großbritannien liegt dieser Wert bei 70, in Italien bei 58 und in Schweden bei 56 – in Deutschland bei elf, in Österreich bei rund acht.

Die Website der Johns-Hopkins-Uni wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden die Zahlen zuletzt aber auch wieder nach unten korrigiert. Experten gehen in jedem Fall von einer höheren Dunkelziffer aus.

Ausland

Im Prozess zur Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der Hauptverdächtige Stephan E. die Tat vor Gericht gestanden. Er habe den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker abgefeuert, sagte der 46-Jährige heute vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.

In einer ersten Vernehmung hatte E. wenige Tage nach seiner Festnahme den Mord bereits gestanden. Dabei gab er an, allein gehandelt zu haben. Kurze Zeit später widerrief er sein Geständnis. Im Jänner ließ sich E. erneut zu den Tatvorwürfen ein, beschuldigte jedoch seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H., Lübcke im Streit versehentlich erschossen zu haben.

E. soll den CDU-Politiker 2019 aus rechtsextremistischen Motiven erschossen haben. Der Deutsche muss sich seit Juni vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt verantworten. Der zweite Angeklagte, H., wird der Beihilfe beschuldigt. Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsmaßnahmen statt. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde zudem die Zahl der Besucher und Prozessbeobachter begrenzt.

Ein Iraner, der bei regimekritischen Demonstrationen einen Soldaten der Revolutionsgarden (IRGC) getötet haben soll, ist heute hingerichtet worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA wurde Mostafa S. in einem Gefängnis in der zentraliranischen Stadt Isfahan gehängt.

Ihm war vorgeworfen worden, bei den Protestdemonstrationen 2018 in Isfahan einen IRGC-Soldaten getötet zu haben. Das Todesurteil war vom obersten Gericht bestätigt worden, gab die Justizbehörde in Isfahan nach Angaben von ISNA bekannt.

Der Oberste Gerichtshof in Kolumbien hat den ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe unter Hausarrest gestellt. „Die Freiheitsberaubung erfüllt mich mit tiefer Trauer wegen meiner Frau, meiner Familie und der Kolumbianer, die immer noch glauben, dass ich etwas Gutes für das Land getan habe“, schrieb Uribe, einer der einflussreichsten Politiker des südamerikanischen Landes, gestern auf Twitter.

Das oberste Gericht bestätigte die Maßnahme. Der Senator könne von zu Hause aus seine Verteidigung mit allen Garantien des Rechts auf ein ordentliches Verfahren fortsetzen, hieß es in einer Erklärung.

Die historische Entscheidung hat in Kolumbien zugleich zu hitzigen Diskussionen geführt, auch weil sich ehemalige Anführer der
Rebellenorganisation FARC auf freiem Fuß befinden.

Gegen Uribe wird ermittelt, weil er Zeugen und Zeuginnen bestochen und unter Druck gesetzt haben soll, um sie zum Schweigen zu bringen. Der Senator und Ex-Staatschef und seine Familie werden beschuldigt, Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen gehabt zu haben, die in mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg in Kolumbien Angst und Schrecken verbreitet hatten.

Aus Solidarität mit den Betroffenen der gewaltigen Explosion in Beirut sollen die Farben der libanesischen Fahne das Rathaus der israelischen Küstenstadt Tel Aviv erleuchten. Humanität sei wichtiger als jeder Konflikt, schrieb Bürgermeister Ron Huldai auf Twitter. „Unsere Herzen sind nach diesem schrecklichen Unglück bei den Menschen im Libanon.“

Der Libanon und Israel haben keine diplomatischen Beziehungen. Offiziell befinden sich die Nachbarländer noch im Krieg. Das Rathaus von Tel Aviv soll heute Abend in den Farben der libanesischen Fahne erleuchtet werden.

In der Nacht zuvor waren bereits der Wolkenkratzer Burdsch Chalifa in Dubai und die Pyramiden von Giseh in Ägypten aus Solidarität mit den Menschen in Beirut und in Gedenken an die Opfer der Explosion in den libanesischen Nationalfarben beleuchtet worden.

Inland

Im BUWOG-Prozess sind heute unter anderem Telefonüberwachungsprotokolle abgespielt worden, die bisher nicht Teil der gut zweieinhalb Jahre dauernden Hauptverhandlung waren. Das Problem dabei: Auch umfangreiche Investitionen in den Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts haben dessen schlechte Akustik nicht entscheidend verbessert.

So war heute vieles des Abgehörten nicht oder nur schlecht verständlich. Vorgespielt wurden unter anderem Aufnahmen des Zweitangeklagten Walter Meischberger zu seiner ehemaligen Villa in Wien-Döbling. Hier geht es um ein zurückliegendes Verfahren und einen damit einhergehenden angeblichen Prozessbetrug durch Meischberger rund um den Verkauf des Gebäudes an einen Wiener Werbeunternehmer.

Meischberger benötigte das Geld aus der Veräußerung unter anderem dazu, um seine Steuerschuld aus der Millionenprovision bei der Privatisierung der Bundeswohnungen (BUWOG u. a.) zu begleichen. Nach einem Rechtsstreit mit dem neuen Eigentümer musste Meischberger aus der Villa ausziehen, wobei sich der ehemalige FPÖ-Generalsekretär übervorteilt sieht.

Denn in Wirklichkeit sei er weiterhin der „nicht grundbücherliche Eigentümer“ der Villa, denn dem Verkauf liege ein Scheinvertrag zugrunde – es sei nie geplant gewesen, sein Haus zu verkaufen.

Die SPÖ fordert angesichts der hohen Arbeitslosigkeit staatliche Förderungen für die Pflegeausbildung. Arbeitslose, die sich zu Pflegekräften umschulen lassen, sollten einen Bonus von 500 Euro pro Monat erhalten, verlangte Parteichefin Pamela Rendi-Wagner heute bei einer Pressekonferenz: „Nur alleine die Kurzarbeit wird nicht reichen, um aus dieser Rekordarbeitslosigkeit herauszukommen.“

Rendi-Wagner verwies auf Prognosen, wonach in den nächsten zehn Jahren 76.000 Pflegekräfte gebraucht werden. Sie forderte die Regierung auf, den „Pflegenotstand“ und die Rekordarbeitslosigkeit gleichzeitig zu bekämpfen, anstatt Umschulungswilligen Steine in den Weg zu legen: „Es kann nicht die Lösung sein, dass wir mit Zügen und Flugzeugen jeden Monat ausländische Pflegekräfte nach Österreich bringen müssen.“

Neben dem „Ausbildungsbonus“ und einer Pflegegarantie für die Betroffenen forderte Rendi-Wagner einmal mehr eine Steuersenkung von 1.000 Euro jährlich für kleine und mittlere Einkommen, 300 Euro mehr Arbeitslosengeld zur Kaufkraftstärkung und eine Viertagewoche. Andernfalls drohe im Herbst eine „zweite Welle der Arbeitslosigkeit“.

Religion

Wirtschaft

IT

Der 17-jährige mutmaßliche Drahtzieher des großangelegten Hackerangriffs auf Twitter-Konten zahlreicher Prominenter hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Bei einer Gerichtsanhörung im US-Staat Florida plädierte der Jugendliche gestern auf nicht schuldig, wie die Zeitung „Tampa Bay“ berichtete. Er wurde am Freitag in Tampa an Floridas Westküste festgenommen.

Gemeinsam mit dem 17-Jährigen werden ein 19-Jähriger aus Großbritannien und ein 22-Jähriger aus Orlando in Florida beschuldigt, den Hackerangriff Mitte Juli begangen zu haben. Bei der „Bit-Con“-Attacke waren unter anderen die Twitter-Konten von Ex-US-Präsident Barack Obama, Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk gekapert worden.

Auf den gehackten Twitter-Konten war ein Aufruf erschienen, binnen 30 Minuten Bitcoins zu überweisen. Angeblich sollte das mit einer Rückzahlung in doppelter Höhe belohnt werden. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Beschuldigten so Kryptowährung im Wert von mehr als 100.000 Dollar (rund 85.000 Euro) erbeutet haben. Gegen den 17-Jährigen wurden 30 Anklagepunkte eingebracht, unter anderem Betrug in zahlreichen Fällen, Missbrauch persönlicher Informationen und unerlaubtes Eindringen in Computersysteme.

Twitter hatte nach der Attacke erklärt, 130 Nutzerkonten seien angegriffen worden. Bei 45 Konten hätten die Hacker „die Kontrolle übernehmen und Tweets senden“ sowie Passwörter ändern können. Von acht Konten seien persönliche Daten heruntergeladen worden. Neben Obama, Gates und Musk waren auch US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Rapper Kanye West von der Hackerattacke betroffen, außerdem der Technologiekonzern Apple.

Sport

Manchester United geht mit dem Selbstverständnis eines Titelfavoriten in die entscheidende Phase der UEFA Europa League. Der Viertelfinal-Einzug scheint vor dem heutigen Achtelfinal-Rückspiel (21.00 Uhr) in Old Trafford gegen den LASK nur Formsache. Die Aufmerksamkeit liegt nach dem 5:0-Erfolg im Hinspiel nicht auf den Linzern, sondern auf einer möglichen Verpflichtung von Jadon Sancho.

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Chronik

In Krems (Niederösterreich) ist heute Früh eine schwimmende Tankstelle mit etwa 12.000 Liter Tankinhalt gekentert. Die Behörden konnten die Plattform mittlerweile sichern, Treibstoff ist nicht ausgetreten. Die Donau führt derzeit Hochwasser, die Pegelstände sollten aber bis morgen wieder deutlich sinken.

Mehr dazu in noe.ORF.at

Die Hochwassersituation in Oberösterreich entspannt sich unterdessen. In Schärding stiegen die Pegel in der Nacht nicht auf die befürchteten Höhen, auch entlang der Donau erwartet man keine größeren Probleme.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Wegen anhaltender Regenfälle verhängt die Stadt Wien für die nächsten Tage ein Badeverbot entlang der Neuen Donau. Das berichtet die Tageszeitung „Heute“. Betroffen ist davon etwa der neue Copa Beach. Die Strände entlang der Alten Donau bleiben geöffnet.

Mehr dazu in wien.ORF.at

In der Steiermark führten gestern heftige Unwetter erneut zu Dutzenden Einsätzen. Besonders gefordert war die Feuerwehr im Bezirk Voitsberg. In Graz stand der Straßenverkehr teilweise wegen Starkregens still.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at

Ein Elfjähriger ist im Süden Russlands bei einem Angriff von zwei Bären ums Leben gekommen. Die Tiere verletzten den Buben so schwer, dass er im Spital nicht mehr gerettet werden konnte, wie die Behörden heute mitteilten.

Der Schüler sei am Vortag am Stadtrand von Sotschi am Schwarzen Meer durch ein unverschlossenes Tor auf ein Privatgelände gelangt. Dort wurden den Angaben nach zwei wilde Bären in einem Käfig gehalten. Unklar war, ob der Bub in dieses Gehege gelangt war. Die Polizei will die Umstände und die Frage klären, ob die Tiere dort überhaupt gehalten werden durften.

Auf der Flucht vor einem heftigen Waldbrand an der französischen Mittelmeer-Küste haben mindestens 2.700 Menschen die Nacht in Notunterkünften verbracht. Rund 1.800 Feuerwehrleute sowie Löschflugzeuge waren im Einsatz gegen das Feuer, das gestern nahe der Stadt Martigues westlich von Marseille ausgebrochen war.

Menschen beobachten den Waldbrands an der französischen Mittelmeer-Küste aus der Ferne.
APA/AFP/Christophe Simon

Starker Wind fachte die Flammen an und trieb sie auf mehrere Ortschaften zu. Acht Campingplätze wurden sicherheitshalber geräumt und deren Bewohner über das Meer in Sicherheit gebracht.

„Es herrschte völlige Panik, wir mussten an den Strand ausweichen und konnten die Flammen näher kommen sehen“, berichtete die 83-jährige Maryse Escuder, die mit ihrer gesamten Familie samt Urenkeln auf dem Campingplatz „La Source“ Urlaub machte und nach ihrer Rettung übers Meer in einer Turnhalle übernachten musste.

„Ich habe Rauch gerochen und dann habe ich die Flammen gesehen“, schilderte der deutsche Familienvater Marc Lorenz, der mit seiner Frau und drei Kindern ebenfalls in eine Turnhalle gebracht wurde und die Nacht auf Feldbetten verbrachte.

1.000 Hektar Nadelwald zerstört

Heute Vormittag konnte der Brand nach Feuerwehrangaben schließlich unter Kontrolle gebracht werden. Schwer verletzt wurde niemand, doch mehrere Wohnhäuser und Campingplätze wurden beschädigt. Mehr als 1.000 Hektar Nadelwald gingen in Flammen auf.

Bei einem gleichzeitig wütenden Waldbrand nahe einem Industriegebiet bei Marseille wurden 130 Hektar Wald vernichtet und ein Wohnhaus sowie mehrere Firmensitze beschädigt. 14 Feuerwehrleute erlitten bei dem Einsatz Rauchvergiftungen oder leichte Verletzungen. Die Ursache beider Brände war noch unklar, die Ermittlungen laufen.

Gesundheit

Kultur

Das Disney-Märchen „Mulan“, dessen Kinostart wegen der Pandemie mehrfach verschoben wurde, soll nun statt auf der Leinwand im Streamingservice Disney+ erscheinen.

Die teure Realverfilmung, basierend auf dem Disney-Trickfilm „Mulan“ von 1998, soll ab September dort zu sehen sein, zum Preis von knapp 30 Dollar (rund 25 Euro), wie der Konzern gestern bekanntgab. In den USA sind wegen der Krise noch viele Kinos geschlossen. Auf anderen Märkten, wo Lichtspielhäuser bereits geöffnet haben, könnte der Film auch dort gezeigt werden, hieß es.

Das Abenteuermärchen um die chinesische Heldin Hua Mulan sollte schon Ende März in die Kinos kommen. Die Hollywood-Premiere fand Anfang März noch statt, dann durchkreuzte der Kino-„Shut-down“ die Pläne. Der Start wurde erst auf Juli, dann weiter auf August geschoben. Zuletzt kündigte Disney Ende Juli einen Aufschub auf unbestimmte Zeit an.

In der rund 200 Millionen Dollar teuren Produktion der neuseeländischen Regisseurin Niki Caro spielt die chinesische Schauspielerin Liu Yifei die Hauptrolle.

In Italien hat eine Spendensammlung für die Restaurierung des von einem oberösterreichischen Touristen beschädigten Werks des Bildhauers Antonio Canova in einem Museum in Possagno unweit Trevisos begonnen. „Es sind schon einige Spenden eingetroffen“, sagte der Kunstexperte und Parlamentarier Vittorio Sgarbi, Präsident der Stiftung Antonio Canova.

Um ein Foto zu schießen, hatte sich der 50-jährige Tourist auf das Originalmodell in Gips der Marmorstatue der Pauline Bonaparte gesetzt und dieser dabei zwei Zehen abgebrochen. Die Museumsleitung veröffentlichte das Video des Touristen in Shorts, der sich auf die Füße der Statue setzt. Ein Restaurierungsteam prüft derzeit noch das Ausmaß des Schadens.

„Der österreichische Tourist hat die Pauline Bonaparte mit einem Sofa verwechselt. Als Sicherheitsvorkehrung werden wir unweit der Gipsstatue einen Diwan hinstellen“, scherzte Sgarbi. Er schätze jedenfalls den Entschuldigungsbrief, den ihm der Tourist geschrieben habe. „Er hat seinen Fehler begriffen“, sagte Sgarbi.

Bei dem beschädigten Objekt handelt sich um das Gipsmodell der Statue der Napoleon-Schwester Pauline Bonaparte. Die dazu entstandene Marmorstatue („Venus Victrix“) von Anfang des 19. Jahrhunderts zählt zu den Hauptattraktionen der Galleria Borghese in Rom.

„Erwarte mir eine Strafe“

Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, zu der die Kleinstadt Possagno gehört, lobte die Arbeit der Carabinieri bei der Identifizierung des Touristen, der mit einer Gruppe von Touristen verschwunden war, ohne den Schaden zu melden.

„Ich erwarte mir jetzt eine Strafe, Entschuldigungen genügen nicht. Wer die Canova-Statue beschädigt und dem künstlerischen Erbgut unser Regionen einen schweren Schaden zugefügt hat, muss dafür zahlen. Der Schaden ist nicht nur einem Kunstjuwel, sondern der gesamten Gemeinschaft zugefügt worden“, sagte Zaia.

Die Anzeige gegen den Touristen wurde von der Museumsleitung eingereicht und wird jetzt von der Staatsanwaltschaft Treviso geprüft. Der Oberösterreicher, der inzwischen mit den anderen Touristen in die Heimat zurückgekehrt ist, könnte zur Rückerstattung der Schäden gezwungen werden. Im schlimmsten Fall droht ihm ein Strafverfahren.

Der Paul-Celan-Preis 2020 für herausragende Literaturübersetzungen geht an Eveline Passet. Sie bekomme den mit 20.000 Euro dotierten Preis für ihr Gesamtwerk von Übersetzungen aus dem Französischen und Russischen, teilte der Deutsche Literaturfonds heute mit.

„Besonders würdigt die Jury die Übersetzung des 2019 erschienenen ersten Bandes der Tagebücher von Michail Prischwin, die sie auch herausgibt und kommentiert.“ Passet erweise sich als hellhörige, die Tonlagen und Redeweisen des Textes erkennende Übersetzerin und übertrage ihn in ein reiches, vielstimmiges Deutsch.

Der jährlich vergebene Preis ist nach dem Lyriker Paul Celan (1920–1970) benannt. Wann und wo der Preis übergeben werde, sei noch unklar, sagte eine Sprecherin.

Science