Ausland

Der Bruder des Toulouse-Attentäters Mohamed Merah ist in Frankreich zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Sondergericht in Paris sprach Abdelkader Merah heute im Berufungsverfahren der Komplizenschaft an den sieben von seinem Bruder begangenen Morden schuldig. Sein Anwalt kündigte umgehend Revision an.

In erster Instanz war der heute 36-Jährige zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte Merah damals der Mitgliedschaft in einer „terroristischen, kriminellen Vereinigung“ für schuldig befunden, ihn aber vom Vorwurf der Komplizenschaft freigesprochen.

„Stolz“ gegenüber Bruder bekundet

Das Sondergericht in Paris sah es aber als erwiesen an, dass Abdelkader Merah ein Komplize seines jüngeren Bruders war. Er habe einen Motorroller gestohlen, den Mohamed Merah bei den Anschlägen nutzte, erklärte das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Er habe seinem Bruder, über dessen Pläne er informiert gewesen sei, damit bei der Vorbereitung der Attacken geholfen. Zudem habe er während der Ermittlungen „Stolz“ über seinen Bruder bekundet und keinerlei Reue gezeigt.

Mohamed Merah hatte 2012 im Großraum Toulouse sieben Menschen getötet. Er erschoss zunächst drei Soldaten und dann drei Schüler und einen Lehrer einer jüdischen Schule. Die Taten sorgten in Frankreich für Entsetzen. Nach einer Großfahndung wurde der Islamist von Polizisten erschossen.

Urteil für Verteidigung „unverständlich“

Der Anwalt von Abdelkader Merah, Eric Dupond-Moretti, nannte den Richterspruch „unverständlich“. Eine Haftstrafe von 30 Jahren wegen Komplizenschaft sei völlig ungewöhnlich. „Alle Justizexperten sind überrascht von diesem Urteil“, sagte er zur Begründung für die Revision. Der Fall geht nun vor den Kassationshof als oberste französische Instanz.

Die Strafe für einen zweiten Angeklagten, Fettah Malki, senkte das Gericht im Berufungsverfahren ab. Er muss nun für zehn Jahre ins Gefängnis, weil er Mohamed Merah eine Waffe und eine kugelsichere Weste geliefert hatte. In erster Instanz hatte er noch 14 Jahre Haft erhalten.

Mehr als sechs Monate nach dem Mord an dem saudischen Journalisten und Regierungskritiker Jamal Khashoggi in Istanbul hat die Türkei zwei angebliche saudische Spione festnehmen lassen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete heute Nachmittag, dass die Männer auf Befehl des Istanbuler Staatsanwalts inhaftiert worden seien. Man prüfe, ob die Verdächtigen Verbindungen zum Mord an Khashoggi hätten.

Khashoggi war Anfang Oktober im saudischen Konsulat im Istanbuler Stadtviertel Besiktas getötet worden. Die türkischen Behörden machen ein aus Saudi-Arabien angereistes Mordkommando dafür verantwortlich. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte mehrfach betont, „höchste Kreise“ seien involviert. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird auch international verdächtigt, die Tat in Auftrag gegeben oder zumindest von ihr gewusst zu haben.

In der Spendenaffäre um die AfD ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin laut Medienberichten gegen den Bundesschatzmeister der Partei, Klaus Fohrmann. Dabei gehe es um den Verdacht auf Verstoß gegen das Parteiengesetz, berichteten heute das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und das ARD-Magazin „Report Mainz“.

Wie die Staatsanwaltschaft dem „Spiegel“ bestätigte, wurden in den Rechenschaftsberichten von 2016 und 2017 möglicherweise falsche Angaben gemacht. Hintergrund der Ermittlungen sollen fragwürdige Wahlkampfhilfen des Stuttgarter „Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ sein. Dieser machte mit Hilfe der Schweizer Werbeagentur Goal AG jahrelang Stimmung für die AfD. Unter anderem stellte der Verein demnach der Partei im Bundestagswahlkampf 2017 offenbar Tausende Exemplare einer rechten Wochenzeitung als Wahlkampfmaterial zur Verfügung.

In den Ermittlungen geht es laut Staatsanwaltschaft um fragwürdige Werbemaßnahmen im Wert „einer Gesamtsumme im unteren sechsstelligen Bereich“. Fohrmann erklärte auf Anfrage, ihm sei das Ermittlungsverfahren bisher nicht bekannt.

Mehrfach im Zwielicht

Die AfD steht wegen diverser dubioser Wahlkampfspenden unter Druck. Erst am Dienstag erließ die Bundestagsverwaltung zwei Bescheide, wonach die rechtspopulistische Partei insgesamt 402.900 Euro Strafe zahlen muss. Bei den Spenden geht es um Wahlkampfzuwendungen für den AfD-Chef und Europaabgeordneten Jörg Meuthen sowie den AfD-Europakandidaten Guido Reil. Die AfD will gegen die Bescheide klagen. Auch Fraktionschefin Alice Weidel erhielt zweifelhafte Spenden aus der Schweiz; in dem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Konstanz.

Vor einem Auftritt der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg sind heute in Rom Tausende Schülerinnen und Schüler zu einem „Klimastreik“ zusammengekommen. Sie versammelten sich am Vormittag auf der zentralen Piazza del Popolo und folgten damit einem Appell der Bewegung „Fridays For Future“.

Greta Thunberg
AP/Alessandra Tarantino

„Es genügt nicht, dass Politiker uns sagen, dass sie uns und unseren Einsatz bewundern. Wir Jugendliche drängen, damit sie sofort handeln und wir unsere Träume und unsere Zukunft zurückerlangen können. Wir haben diese Krise nicht geschaffen. Wir wurden in diese Krise hineingeboren, für die keine Lösungen gesucht werden. Wir sind jene, die den Unterschied machen können. Wir sollten eigentlich nicht diejenigen sein, die für Klimaschutz kämpfen müssen, doch wir sind dazu gezwungen, weil niemand etwas unternimmt“, so Thunberg.

Keine Zeitverschwendung

„Jemand behauptet, dass wir Zeit verschwenden, die wir lieber fürs Lernen nutzen sollten. Wir wollen aber in Zukunft sagen können, dass wir alles getan haben, um eine Katastrophe abzuwenden“, sagte die umjubelte Schülerin.

Die Bühne, auf der Thunberg sprach, wurde mit Energie gespeist, die von 120 Radfahrern produziert wurde. Die Räder wurden auf Generatoren montiert. Beim Radeln produzierten sie „saubere“ Energie ohne CO2-Emissionen, betonten die Veranstalter der Demonstration.

Thunbergs Ansprache vor den Demonstranten ist die letzte Etappe ihres am Mittwoch begonnenen Rom-Besuchs. Die Schwedin hatte bei der Generalaudienz am Mittwoch kurz den Papst begrüßt, der sie aufgefordert hatte, ihren Kampf für den Klimaschutz weiterzuführen.

Am Rande der nordirischen Stadt Londonderry ist es zu gewaltsamen Ausschreitungen und tödlichen Schüssen auf eine junge Journalistin gekommen. Der Tod der 29-jährigen Lyra McKee in der Wohnsiedlung Creggan werde als „terroristischer Vorfall“ behandelt, teilte die örtliche Polizei mit.

McKee sei getroffen worden, als ein Mann im Wohnviertel Creggan auf Polizisten geschossen habe, sagte der Vizechef der nordirischen Polizei, Mark Hamilton, am Freitag vor Journalisten. Der Schütze sei ein „gewalttätiger Nationalist“.

McKee hat viel über den Nordirland-Konflikt und seine Folgen geschrieben und war unter anderem für das Magazin „The Atlantic“ und Buzzfeed News tätig. Sie hatte noch gestern Abend ein Foto auf Twitter veröffentlicht, das die Unruhen in Creggan zeigte. „Derry heute Abend. Völlig verrückt“, schrieb sie dazu.

Brennendes Auto in Creggan, Londonderry
AP/PA/Niall Carson

Seit Jahresbeginn immer wieder Vorfälle

Londonderry hat rund 85.000 Einwohner und liegt im äußersten Nordwesten der nordirischen Provinz an der Grenze zur Republik Irland. Dort wohnen vor allem Katholiken, die ihre Stadt schlicht Derry nennen.

In dem britischen Landesteil treiben paramilitärische Gruppierungen ihr Unwesen. Seit Jahresbeginn sind wiederholt Sprengsätze in Londonderry explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hätte. Einer davon detonierte im Jänner vor einem Gericht mitten in der Stadt, nachdem kurz zuvor eine Warnung bei den Behörden eingegangen war. Unklar war zunächst, ob die neuerlichen Unruhen im Zusammenhang mit dem Osterwochenende stehen, das traditionell für politische Kundgebungen genutzt wird.

Die Massenproteste gegen Algeriens politische Führung sind auch den neunten Freitag in Folge weitergegangen. In der Hauptstadt Algier und in anderen Orten zogen heute nach Schätzungen erneut Zehntausende auf die Straße, wie Augenzeugen und lokale Medien berichteten. Fernsehbilder zeigten einen völlig überfüllten Platz im Zentrum der Hauptstadt.

Die Demonstrierenden forderten den Rücktritt von Übergangspräsident Abdelkader Bensalah und einen grundlegenden Wandel des bisherigen politischen Systems. Sicherheitskräfte versuchten in Algier, den Strom der Menschen mit Straßensperren zu bremsen.

Die Protestwelle hatte Ende Februar begonnen und sich zunächst gegen den altersschwachen Langzeitherrscher Abdelaziz Bouteflika gerichtet. Auch nach dessen Rücktritt zogen die Menschen weiter auf die Straße.

„Die ganze Bande muss ausgerottet werden“

Die Demonstrierenden sehen in dem 77 Jahren alten Bensalah, einem Weggefährten Bouteflikas, sowie in anderen Spitzenpolitikern Vertreter des alten Regimes. „Die ganze Bande muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden“, sagte eine 22 Jahre alte Demonstrantin der dpa. Ein neuer Präsident soll am 4. Juli gewählt werden.

Am Dienstag hatte mit dem Chef des Verfassungsrates, Tayeb Belaiz, ein weiterer führender Vertreter der Elite seinen Rücktritt erklärt. Das nordafrikanische Land wird von einem Geflecht aus Politikern, Militärs und Wirtschaftsvertretern regiert. Viele Algerierinnen und Algerier beklagen die Korruption. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International steht Algerien auf Platz 105 von insgesamt 180 Ländern.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat erstmals einen Anschlag in der Demokratischen Republik (DR) Kongo für sich reklamiert. Zugleich sprachen die sunnitischen Fundamentalisten von einer neuen „Provinz Zentralafrika“ ihrer Organisation. Bei einem Angriff nahe der östlichen Stadt Beni in der Provinz Nordkivu seien mindestens drei Soldaten getötet worden, hieß es in einer Mitteilung des IS, die über die üblichen Kanäle der Extremisten in den Sozialen Netzwerken verbreitet wurde.

Zahlreiche Milizen aktiv

Kongolesische Behördenvertreter hatten nach dem Angriff vom Dienstag von zwei getöteten Soldaten gesprochen. Im instabilen Ostkongo sind bereits zahlreiche Milizen und Rebellengruppen aktiv. Diesen geht es vor allem um die Kontrolle von Gebieten und deren Bodenschätzen. Rund um Beni ist auch die ursprünglich aus dem nahen Uganda stammende Islamistenmiliz ADF aktiv.

Der IS spielte im Ostkongo dagegen bisher keinerlei Rolle. Gruppen, die der Terrororganisation die Treue geschworen haben, sind bisher vor allem in Westafrika aktiv, etwa in Mali, Burkina Faso, Niger und in Nigeria.

In der Provinz Nordkivu und im angrenzenden Ituri gibt es derzeit die bisher zweitschwerste bekannte Ebola-Epidemie der Geschichte. Dort sind bereits rund 1.300 Menschen erkrankt, mehr als 840 starben. Wegen anhaltender Kämpfe in der Region fällt es Helfern schwer, die Epidemie einzudämmen.

Inland

Im Juni 2017 ist ein Kärntner in der Justizanstalt Karlau von einem Mithäftling erschlagen worden. Der Täter habe unmittelbar davor „kein Gefährdungspotenzial“ gezeigt, betont ÖVP-Justizminister Josef Moser in einer aktuellen parlamentarischen Anfragebeantwortung. Aus dieser ergibt sich aber auch, dass der Mann in seiner Zelle ein Waffenarsenal gehortet hatte und als gewaltbereit bekannt war.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at

Die Koalition will bei der neuen Mindestsicherung weitere Zuschüsse von Ländern und Gemeinden erlauben. ÖVP-Klubobmann August Wöginger kündigte heute in der „Kleinen Zeitung“ an, dass zusätzliche Unterstützungsleistungen für Heizung oder Mieten die Ansprüche aus der Sozialhilfe nicht schmälern sollen: „Es ist notwendig, dass wir das klarstellen.“

Spenden werden nicht abgezogen

Beim Hearing zur Mindestsicherung im Sozialausschuss hatten ÖVP und FPÖ klargestellt, dass Spenden von privaten und öffentlichen Institutionen nicht von der neuen Sozialhilfe abgezogen werden sollen. Nun kündigt Wöginger an, dass auch zusätzliche Unterstützungsleistungen von Ländern und Gemeinden erlaubt werden sollen.

Das betrifft sowohl einmalige Maßnahmen wie Heizkostenzuschüsse, Schulstart- oder Weihnachtsgelder als auch monatliche Wohnbeihilfen. Letzteres müsse man sich aber noch ganz genau anschauen, um sozial treffsicher zu sein, so Wöginger.

Verhalten positiv reagiert auf diese Ankündigung der Sozialexperte der evangelischen Diakonie, Martin Schenk. Er verweist darauf, dass die in der neuen Mindestsicherung vorgesehenen Wohnzuschüsse allein nicht ausreichen, um die hohen Mietkosten in vielen Städten abzudecken. Er hofft daher, dass Länder und Gemeinden mit Wögingers Ankündigung nun mehr Flexibilität für zusätzliche Zuschüsse außerhalb der Sozialhilfe erhalten.

EU

Der italienische Innenminister Matteo Salvini trifft den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban am 2. Mai in Budapest. Das teilte Salvinis rechtspopulistische Regierungspartei Lega in einer Presseaussendung heute mit. Bei dem Treffen soll es unter anderem um die internationale Wahlallianz für die EU-Parlamentswahlen Ende Mai gehen.

Salvini hoffe, dass Orbans FIDESZ-Partei der „Europäischen Allianz der Völker und Nationen“ beitreten werde, die er am 8. April in Mailand vorgestellt hatte und die zur stärksten Fraktion im EU-Parlament avancieren solle, verlautete aus Lega-Kreisen in Rom.

Die FPÖ hatte vergangene Woche ihre Teilnahme an dem Bündnis europäischer Rechtspopulisten offiziell gemacht, dem auch die slowakische Sme Rodina („Wir sind Familie“) um Boris Kollar und die Estnische Konservative Volkspartei (EKRE) um den Abgeordneten Jaak Madison beigetreten sind.

Diese ist derzeit auf dem Sprung in die estnische Regierung. Mitglieder der Allianz sind auch die Partei der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pens Rassemblement National (RN), die deutsche AfD (Alternative für Deutschland) um Jörg Meuthen, die finnische Partei „Basisfinnen“ und die Dänische Volkspartei (DF).

Am 26. Mai wählt Österreich seine Abgeordneten für das Europäische Parlament. Fünf Spitzenkandidaten und zwei Spitzenkandidatinnen sind für ihre Parteien in den Wahlkampf für das Rennen ums EU-Parlament gezogen.

Neben der Durchführung des Brexits ist die Zukunft der EU so viel diskutiert wie schon lange nicht. Was halten Sie für die zentrale Frage für die Zukunft der EU? Welche Rolle soll das Parlament spielen? Wie intensiv sollen die Vorgaben sein, „die aus Brüssel kommen“? Soll Europa wieder eine losere Föderation mit Wirtschaftsschwerpunkt werden oder sich politisch noch enger vernetzen und zu einer Art Bundesstaat werden?

Was liegt Ihnen zu Europa am Herzen, und was wollen Sie welchen Spitzenkandidaten fragen?

Illustration eines gelben Sessels
ORF.at

Im Rahmen der Serie „Ihre Frage zu Europa“ reist ORF.at den Spitzenkandidaten in den Wahlkampf nach und stellt die Fragen unseres Publikums. Und Ihre Frage kann dabei zum Zug kommen. Weil sie besonders prägnant ist oder eine Sorge zum Ausdruck bringt, die vielen anderen, die uns schreiben, ebenso am Herzen liegt. Stellen Sie auf ORF.at bis 29.4. Ihre Frage zu Europa!

Um Ihre Fragen zu stellen, nutzen Sie bitte das Onlineformular.

Sport

Der Jubel bei Eintracht Frankfurt über den erstmaligen Einzug in ein Europacup-Halbfinale seit 1980 war grenzenlos. „Ich bin absolut stolz. Beeindruckend. Es gibt nichts Schöneres als diesen Moment, es ist auch für mich mein größter Erfolg“, sagte Trainer Adi Hütter, nachdem seine Mannschaft mit einem 2:0-Sieg im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Benfica Lissabon gestern das 2:4 aus dem Hinspiel wettgemacht hatte.

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Mit einem neu nominierten Quintett nimmt das österreichische Eishockey-Nationalteam seine letzten beiden Heimspiele im Rahmen der Euro Hockey Challenge in Angriff. Lukas Herzog, Erik Kirchschläger, Daniel Jakubitzka, Alexander Cijan und Konstantin Komarek stehen für die Duelle mit der Slowakei heute in Salzburg (18.00 Uhr) und morgen in Innsbruck (17.30 Uhr, jeweils live in ORF Sport +) im Kader.

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Chronik

In Imst in Tirol ist heute Nachmittag eine Filiale der Drogeriekette Bipa überfallen worden. Ein mit einem Messer bewaffneter Mann bedrohte eine Kassiererin und zwang sie zur Herausgabe von Bargeld, sagte ein LKA-Ermittler der APA. Wenig später konnte der Verdächtige im Zuge einer Alarmfahndung festgenommen werden. Verletzt wurde niemand.

Ob weitere Personen bedroht wurden, war vorerst unklar. Die Ermittlungen zum genauen Tathergang waren im Gange.

Im Osterreiseverkehr ist es heute zu Verzögerungen Richtung Osten gekommen. Auf der Westautobahn (A1) ereigneten sich mehrere Unfälle, bei Loosdorf in Niederösterreich reichte der Stau über zehn Kilometer zurück.

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Stau vor Gleinalmtunnel

Auch in der Steiermark führt der Osterreiseverkehr zu Staus. Vor dem Gleinalmtunnel in Fahrtrichtung Süden bildeten sich heute mehrere Kilometer Stau.

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Über der dänischen Insel Bornholm ist ein F16-Kampfflugzeug mit einem Vogel zusammengestoßen. Daraufhin habe der Jet eine Sicherheitslandung auf dem Flughafen der Ostseeinsel hinlegen müssen, teilte das dänische Militär heute via Twitter mit. Bei der Landung habe es keine Probleme gegeben, Technikfachleute sollten im Anschluss einen Blick auf die Maschine werfen.

Nach Angaben des Lokalsenders TV2 Bornholm hatte sich das Militärflugzeug gemeinsam mit einem weiteren Düsenjäger auf einem Trainingsflug befunden. Bornholm liegt südlich von Schweden, gehört aber zu Dänemark.

Ein „großer Regenschirm“ soll die schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame vor Wasser schützen. Dabei handle es sich um eine große Plane, die über dem Gebäude angebracht werden soll, sagte heute die Präsidentin der Architektenvereinigung für historische Gebäude, Charlotte Hubert, dem Sender BFM TV.

Der Chefarchitekt werde einen „großen Regenschirm“ schaffen, der die Form eines Spitzdaches haben soll. Die Konstruktion müsse größer sein als das ursprüngliche Dach, damit die Handwerker darunter arbeiten können.

Regen könnte Gebäude weiter beschädigen

Das Dach der weltberühmten Kathedrale war bei dem Brand am Montagabend in großen Teilen zerstört worden. Für kommende Woche ist in Paris Regen vorhergesagt. Bereits das Löschwasser hatte in der Kathedrale großen Schaden angerichtet. Regen könnte das Gebäude weiter beschädigen. Kulturminister Franck Riester hatte dem Sender gesagt, dass es besonders gefährlich wäre, wenn sich Wasser auf dem Dach der Kathedrale ansammeln würde. Das würde die Einsturzgefahr erhöhen.

Alle Gemälde gerettet

Unterdessen teilte Riester mit, dass alle Gemälde aus Notre-Dame gerettet seien und im Laufe des Tages in Sicherheit gebracht würden. Voraussichtlich werden sie im Louvre und in anderen Museen zwischengelagert. Unter den Werken sind unter anderem solche der Maler Laurent de La Hyre und Charles Le Brun aus dem 17. Jahrhundert. Noch während des Großbrandes konnten auch andere Kunstschätze und Reliquien gerettet werden, unter anderem die Dornenkrone, die Jesus der Überlieferung zufolge bei der Kreuzigung trug. Später wurde auch der Hahn des eingestürzten Spitzturms gefunden.

Zwei Tage nach dem Busunglück mit 29 Toten auf der portugiesischen Insel Madeira sind heute noch 16 Verletzte im Krankenhaus behandelt worden. In Lebensgefahr sei niemand mehr, zwei Patienten lägen aber weiterhin auf der Intensivstation, zitierte die Onlinezeitung „Observador“ die Direktion der Klinik in der Inselhauptstadt Funchal. In ganz Portugal galt eine dreitägige Staatstrauer.

Ein Reisebus mit Dutzenden deutschen Urlaubern war am frühen Mittwochabend in dem Ort Canico von der Straße abgekommen, hatte sich überschlagen und war einen Abhang hinunter auf ein Haus gestürzt. Augenzeugen zufolge könnte das Unglück auf Bremsversagen zurückgehen. Der Bus sei immer schneller geworden, während der Fahrer verzweifelt versucht habe, das Fahrzeug zum Halten zu bringen.

Fast alle Passagiere aus Bus geschleudert

Fast alle Passagiere seien bei dem Unfall aus dem Bus herausgeschleudert worden, zitierten Medien den Koordinator der medizinischen Notfalldienste, Antonio Coelho. „Nur fünf Menschen, darunter der Fahrer, waren beim Eintreffen der Rettungsteams im Bus. Alle anderen befanden sich außerhalb.“ Wahrscheinlich hatten sie keine Sicherheitsgurte angelegt.

Bis dato gab es noch keine offizielle Bestätigung der deutschen Bundesregierung, ob die Todesopfer – nach portugiesischen Berichten elf Männer und 18 Frauen – ausschließlich Deutsche waren. Nach portugiesischen Medienberichten könnten auch zwei Einheimische ums Leben gekommen sein.

Wirtschaft

Ein fünfminütiges Werbevideo für den deutschen Kamerahersteller Leica sorgt in China für Aufregung. Das Video zeigt blutige Unruhen aus der Perspektive eines Fotojournalisten, darunter auch prominent die Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tian’anmen-Platz in Peking vor fast genau 30 Jahren. Auf der Social-Media-Plattform Weibo wurden alle Postings mit dem Wort „Leica“ gelöscht.

Leica distanziert sich

Die Firma distanzierte sich von dem Video, es sei nicht autorisiert worden und daher kein offizieller Werbefilm. Das Unternehmen bedauere die entstandenen Missverständnisse und falschen Schlüsse, die vielleicht gezogen worden seien, sagte eine Sprecherin gestern. Über die offiziellen Leica-Kanäle sei das Video auch nicht verteilt worden.

China ist für Leica der größte Wachstumsmarkt, etliche neue Shops sind geplant, und mit der „Leica Akademie“ bietet man Programme für junge Fotografen in China. Zudem gibt es eine Kooperation mit dem Smartphone-Hersteller Huawei, Leica steuert die Kameras für die Telefone bei. Produziert wurde der Film von der in Brasilien ansässigen Werbeagentur F/Nazca Saatchi & Saatchi, die auch schon bisher Clips für Leica gedreht hatte. Von dort gibt es bisher keine Stellungsnahmen zum Video.

Die Verschmelzung der Essenslieferservices Foodora und Mjam ist im Gange. Die Fahrerinnen und Fahrer wurden bereits mit neuem Equipment ausgestattet und sind nun statt in Pink in Grün und unter dem Namen MjamPlus unterwegs. „MjamPlus ist sozusagen eine Submarke von Mjam und liefert für alle Restaurants, die über keinen eigenen Lieferservice verfügen“, sagte Mjam-Chef Artur Schreiber.

Der Umstellungsprozess erfolgte schleichend und zog sich von Mitte März beginnend über rund zwei Wochen. Den Job verlor dabei niemand. Laut Schreiber wurden alle Foodora-Fahrer zu Mjam geholt, eine Neubewerbung war dafür nicht nötig.

Foodora-Website besteht vorerst weiter

Die Bestellungen erfolgen aber nach wie vor über die pinke Foodora-Website. Diese wird es auch noch länger geben. Denn, so Schreiber: „Würden wir die Website morgen abstellen, würde das eventuell den Umsatz für unsere Restaurantkunden belasten.“ Mjam sei daher bei der Umstellung sehr vorsichtig und wolle die Bestellkunden nur langsam auf Mjam umgewöhnen. Ein genaues Datum, wann die beiden Bestellseiten zusammengeführt werden, gebe es dementsprechend noch nicht, so Schreiber.

Die KV-Verhandlungen in der Zusteller-Branche sind ebenfalls bereits angelaufen. Vor etwa zwei Wochen habe das erste Treffen stattgefunden, sagte Schreiber. Es werde wahrscheinlich noch mehrere Treffen zwischen Arbeitgebern und -nehmern dafür brauchen, Schreiber rechnet aber damit, dass eine Lösung gefunden werden wird. Die Arbeitssituation von Fahrradzustellern ist derzeit oft ungeordnet und variiert von Unternehmen zu Unternehmen.

Science

Religion

Auf einem YouTube-Video des Islamischen Zentrums in Wien-Floridsdorf ist behauptet worden, dass „Homosexualität das Ende der Menschheit“ bedeutet. Die zuständige iranische Botschaft verweigert eine Stellungnahme.

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IGGÖ geht auf Distanz

Die Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) reagierte bereits auf das Video. Homophobie sei genauso „abzulehnen wie Islamophobie“, so die IGGÖ per Presseaussendung.

Mehr dazu in religion.ORF.at

IT

Gesundheit

Kultur

Der französische Starautor Michel Houellebecq ist in die Ehrenlegion aufgenommen worden. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verlieh dem Schriftsteller („Elementarteilchen“, „Ausweitung der Kampfzone“, „Unterwerfung“) gestern den Orden eines Ritters der Legion d’honneur, wie der Elysee-Palast mitteilte. Unter den Gästen der Zeremonie war auch Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy.

Houellebecq ist einer der erfolgreichsten und international bekanntesten Schriftsteller Frankreichs – und zugleich einer der polemischsten. Sein neuestes Buch „Serotonin“ kam im Jänner in den Handel. Der düstere Roman über die Hoffnungslosigkeit in ländlichen Regionen Frankreichs schien die Proteste der „Gelbwesten“ vorwegzunehmen.

„Serotonin“ ist der erste Roman des 63-Jährigen seit „Unterwerfung“, der am Tag des islamistischen Anschlags auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ im Jänner 2015 erschienen war. In „Unterwerfung“ wird ein Muslim französischer Präsident und führt islamisches Recht ein.

Leute

Günter Wallraff ist nach seinem schweren Fahrradsturz wieder zu Hause. Er sei nach zweieinhalb Wochen aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte der 76 Jahre alte Journalist und Schriftsteller gestern. „Der Abschied fiel mir fast schwer, so gut bin ich da operiert, behandelt und umsorgt worden“, sagte Wallraff über das St.-Franziskus-Krankenhaus in Köln.

Der Investigativjournalist („Der Aufmacher“, „Ganz unten“) war in Köln auf dem Nachhauseweg mit dem Vorderrad an einer Gehsteigkante hängen geblieben und gestürzt. Dabei zog er sich unter anderem einen komplizierten Trümmerbruch im Oberschenkel sowie Kopfverletzungen zu.

„Nehme das als Herausforderung“

Nun versuche er, in seiner Wohnung zurechtzukommen und langsam wieder gehen zu lernen. Termine könne er vorläufig nicht wahrnehmen. „Ich nehme das als Herausforderung und jammere nicht. Ich sage mir, das ist eine Art Prüfung. Für das, was ich jetzt noch mache, nehme ich mir mehr Zeit.“

Panorama

Der kleinste neugeborene Bub der Welt darf nach fast sieben Monaten das Kinderkrankenhaus Nagano in Japan verlassen. Ryusuke Sekiya, der mit einem Gewicht von nur 258 Gramm auf die Welt kam, sei nun bereit für die Außenwelt, sagte sein Arzt heute.

Neugeborenes in Japan
APA/AFP/Jiji Press

Das Baby war am 1. Oktober nach 24 Wochen und fünf Tagen mit einem Notfallkaiserschnitt zur Welt gekommen, nachdem bei seiner Mutter Toshiko zu hoher Blutdruck festgestellt worden war.

Mit einer Größe von 22 Zentimetern und einem Gewicht von 258 Gramm war er sogar noch leichter als der bisherige Rekordhalter mit 268 Gramm, ebenfalls ein japanischer Bub. „Als er geboren wurde, war er so klein. Es wirkte, als ob er durch eine bloße Berührung zerbrechen könnte“, sagte Ryusukes Mutter Toshiko.

Neugeborenes in Japan
APA/AFP/Nagano Children’s Hospital

Auf der Neugeborenenintensivstation des Krankenhauses wurde der Bub aufgepäppelt. Er wurde über Schläuche ernährt, mit Wattetupfern träufelten Pfleger Muttermilch auf seine Lippen. Inzwischen hat er das 13-fache seines Gewichts zugelegt und wiegt mehr als drei Kilo.

Im Londoner Kanalsystem ist ein riesiger „Betonberg“ entdeckt worden, der drei Abwässerkanäle aus der viktorianischen Zeit verstopft. Alex Saunders, Betriebsleiter beim Wasserversorger Thames Water, sagte, es handle sich um die größte Betonmasse, die das Unternehmen je gesehen habe. Die Kanäle seien auf einer Länge von 100 Metern verstopft. Der Betonklotz wiege geschätzte 105 Tonnen. Die Aufräumarbeiten werden wohl zwei Monate dauern und Hunderttausende Pfund kosten.

Betonberg in Londoner Kanalisationen
Thames Water

Es wird angenommen, dass der Schaden von einer Baufirma verursacht wurde, die überschüssigen Zement einfach in Abflüsse goss. Thames Water gab an, eine Untersuchung eingeleitet zu haben, um die Verursacher zu ermitteln und auf Schadenersatz zu klagen.

Erinnerung an Riesenfettberg

Normalerweise würden Verstopfungen durch Fett, Öl, Windeln und Feuchttücher im Abwasserkanal verursacht, sagte Sauders. „Aber in diesem Fall handelt es sich um steinharten Beton.“ Thames Water gibt laut eigenen Angaben jedes Jahr 18 Millionen Pfund aus, um Verstopfungen aus den Abwasserkanälen zu beseitigen. 42.000 Einsätze aus diesem Grund gab es allein 2018.

Für Schlagzeilen sorgte 2017 ein riesiger, 130 Tonnen schwerer Fettberg, der einen Abwasserkanal im Stadtteil Whitechapel verstopft hatte. Das Abtragen des Kolosses dauerte Wochen, er wurde zu Biodiesel umgewandelt. Ein kleiner Rest wurde später in einem Museum ausgestellt.