Ausland

Medien: Saudischer Bericht zu Chaschukdschi erwartet

Saudi-Arabien erwägt Medienberichten zufolge, einen gewaltsamen Tod des verschwundenen Journalisten Dschamal Chaschukdschi einzuräumen. Der US-Nachrichtensender CNN meldete gestern, Saudi-Arabien bereite einen Bericht vor, demzufolge der Regierungskritiker während eines schief gelaufenen Verhörs gestorben sei.

CNN beruft sich bei seinem Bericht auf zwei Quellen. Demnach könnte Saudi-Arabien erklären, Chaschukdschi sei bei einem schief gelaufenen Verhör während eines Entführungsversuchs gestorben. Eine Quelle sagte, in dem Bericht dürfte festgehalten werden, dass die gegen Chaschukdschi gerichtete Operation ohne Genehmigung von oben abgelaufen sei – und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

Königshaus will Verantwortung von sich weisen

Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ berichtete, das Königreich erwäge zu erklären, Chaschukdschi sei versehentlich während eines Verhörs von „schurkenhaften“ Agenten getötet worden. Damit wolle das Königshaus eine direkte Verantwortung von sich weisen.

Von Chaschukdschi fehlt jede Spur, seit er am 2. Oktober das saudiarabische Konsulat in Istanbul besuchte. Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der im US-Exil lebende Journalist und Regierungskritiker in dem Gebäude von Agenten seines Heimatlandes ermordet wurde. Saudi-Arabien bestreitet dies.

Polizisten durchsuchten Konsulat

Zur Aufklärung des Falls durchsuchten türkische Polizisten nun – rund zwei Wochen nach Chaschukdschis Verschwinden – erstmals das Konsulat. Die Ermittler betraten das Gebäude gestern Abend und verließen es heute in den frühen Morgenstunden nach rund acht Stunden, wie eine AFP-Journalistin vor Ort berichtete. Sie nahmen dabei mehrere Proben mit – unter anderem von Erde des Konsulatsgartens, wie ein Behördenvertreter vor Ort sagte.

Es war das erste Mal, dass türkische Beamte seit dem Verschwinden Chaschukdschis das Konsulat betraten. Saudi-Arabien hatte die Türkei zwar kurz nach dem Verschwinden eingeladen, sich in dem Gebäude ein Bild von der Lage machen. Aber um die Durchsuchung des Konsulats und die damit zusammenhängenden Ermittlungen hatte es ein tagelanges Tauziehen zwischen beiden Ländern gegeben.

US-Außenminister Pompeo in Riad

König Salman hat in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump vehement bestritten, dass die Führung des Königreichs etwas mit Chaschukdschis Verschwinden zu tun habe. Das Dementi des Königs sei „sehr, sehr stark“ gewesen, sagte Trump. Es habe sich für ihn so angehört, als könnten „vielleicht schurkenhafte Killer“ am Werk gewesen sein. US-Außenminister Pompeo will heute in Riad König Salman treffen. Morgen soll er dann in die Türkei reisen und dort Außenminister Mevlüt Cavusoglu treffen, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Geiselnahme in Köln: Polizei „ermittelt in alle Richtungen“

Nach der Geiselnahme auf dem Kölner Hauptbahnhof gestern schließt die Polizei einen Terrorhintergrund nicht aus. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so eine Polizeisprecherin am Montagabend bei einer Pressekonferenz in Köln. Am Tatort wurden Papiere eines Syrers gefunden – die Identität des Täters sei aber noch nicht eindeutig geklärt, hieß es.

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Autonome attackierten Polizeistation in Athen

Dutzende Autonome haben gestern Abend zahlreiche Brandflaschen auf die Polizeistation des Omonia-Platzes im Zentrum Athens geschleudert. Dabei wurden nach Berichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vier Polizisten leicht verletzt. Zudem seien fünf Fahrzeuge beschädigt worden, die vor der Polizeistation geparkt waren. Der Überfall dauerte nach Augenzeugenberichten weniger als fünf Minuten.

Die Polizei habe niemanden festnehmen können, hieß es weiter. Linksautonome griechische Aktivistengruppen versuchen immer wieder mit ähnlichen Aktionen, auf sich aufmerksam zu machen.

Australiens Minister für Ureinwohner propagiert Rassismus

Australiens Minister für Ureinwohner hat ein rassistisches Papier mit dem Titel „Es ist okay, weiß zu sein“ unterzeichnet. Der Minister für indigene Angelegenheiten, Nigel Scullion, unterzeichnete neben weiteren Regierungsmitgliedern einen Antrag der populistischen Senatorin Pauline Hanson, der sich gegen „die Zunahme von antiweißem Rassismus“ richtet.

Gestern wurden Rücktrittsforderungen gegen die Minister laut. „Wenn der Minister für indigene Angelegenheiten für etwas stimmt, das allgemein als Slogan der weißen Suprematisten bekannt ist, ‚Es ist okay, weiß zu sein‘, macht ihn das als Minister unhaltbar“, sagte der Gründer der Anti-Rassismus-Organisation IndigenousX, Luke Pearson. Scullion ist seit 2013 als Minister für die Belange der Ureinwohner zuständig.

„Ticket für einen Lottogewinn“

Hansons Antrag wurde im Parlament mit 31 zu 28 Stimmen abgelehnt. Grünen-Chef Richard Di Natale empörte sich in der Debatte über die Darstellung, Weiße würden in Australien benachteiligt: „Es ist nicht nur okay, weiß in Australien zu sein, es ist sogar ein Ticket für einen Lottogewinn“, sagte er. „Sehen Sie sich hier in dieser Kammer um und sehen Sie, wie viele Gesichter weiß sind.“

Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, waren vor 200 Jahren von den britischen Siedlern von ihrem Land vertrieben worden. Bis heute werden ihre Nachfahren diskriminiert.

Brasilianischer Rechtsaußen Bolsonaro laut Umfrage vorn

Der rechtsextreme Kandidat bei der brasilianischen Präsidentenwahl, Jair Bolsonaro, liegt laut einer Umfrage vor der Stichwahl Ende Oktober deutlich vor seinem Rivalen. Bolsonaro kommt auf 59 Prozent der Stimmen, wie eine gestern veröffentlichte Umfrage des Instituts Ibope ergab. Für seinen Konkurrenten Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei wollen demnach 41 Prozent der Wähler stimmen.

In der ersten Runde vor gut einer Woche hatte Bolsonaro 46 Prozent der Stimmen erhalten und damit die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt. Die Stichwahl am 28. Oktober gilt als Bewährungsprobe für die Demokratie in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, die von Politskandalen und wirtschaftlicher Misere gezeichnet ist.

Geiselnehmer töteten Rote-Kreuz-Mitarbeiterin in Nigeria

Radikalislamische Geiselnehmer haben in Nigeria die zweite von drei entführten Rote-Kreuz-Mitarbeiterinnen ermordet. Der nigerianische Informationsminister Lai Mohammed sagte gestern, die Regierung sei schockiert, dass die Frau getötet worden sei.

Drei Frauen Anfang März entführt

Eine Splittergruppe der Terrororganisation Boko Haram hatte Anfang März drei Rot-Kreuz-Mitarbeiterinnen entführt. Eine von ihnen war bereits im September hingerichtet worden. Das Schicksal der dritten Mitarbeiterin und das eines christlichen Schulmädchens, das im Februar entführt worden war, ist weiter ungewiss.

Die sunnitischen Fundamentalisten hatten in einer Videobotschaft mit der Hinrichtung der zweiten Mitarbeiterin gedroht. Daraufhin hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Nigerias Regierung aufgefordert, alles zu tun, um eine Freilassung der Mitarbeiterinnen zu garantieren. Zudem flehten das IKRK die Geiselnehmer um Gnade an. Die Angestellten seien unschuldige Helfer, die sich im Nordosten Nigerias um die Versorgung der örtlichen Bevölkerung bemüht hätten.

Boko Haram hatte mit weiteren Hinrichtungen gedroht, wenn die Regierung nicht ihren Forderungen nachkomme. Mohammed sagte, die Regierung habe alles getan, was eine verantwortungsbewusste Regierung machen sollte, um die Frauen zu retten. Boko Haram hat seit 2009 Zehntausende Menschen in der Region getötet.

Jemen: Präsident entließ Premier wegen Hungersnot

Der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi hat Regierungschef Ahmed bin Dagher entlassen. Dagher müsse seinen Posten räumen, weil seine Regierung im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und das Leiden der Bevölkerung versagt habe, sagte der Staatschef gestern laut der Nachrichtenagentur Saba. Die UNO warnt indes vor einer Verschärfung der Hungersnot.

Dagher habe es nicht geschafft, den wirtschaftlichen Abschwung und insbesondere den Verfall der Landeswährung Rial zu stoppen. Hadi ordnete an, Ermittlungen gegen Dagher einzuleiten. Zum neuen Regierungschef ernannte der Staatschef den bisherigen Infrastrukturminister Maeen Abdulmalik Saeed, der nach Angaben von politischen Beobachtern „ausgezeichnete“ Verbindungen zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterhält.

UNO: Millionen von Hunger bedroht

Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten schiitischen Houthi-Rebellen seit 2014 gegen die Truppen von Präsident Hadi. Eine vom sunnitischen Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition unterstützt seit März 2015 Hadis Einheiten. Seitdem wurden in dem Konflikt fast 10.000 Menschen getötet.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnte unterdessen vor einer Verschärfung der Hungersnot. Sollte sich die Lage im Jemen nicht ändern, könne die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen um weitere 3,5 Millionen auf zwölf Millionen anwachsen, sagte der Sprecher der Organisation, Herve Verhoosel, gestern. Außerdem herrscht in dem Land eine Cholera-Epidemie

Inland

Equal Pay Day: Frauen bekommen 10.172 Euro weniger

Am Samstag, den 20. Oktober, wird in Österreich der Equal Pay Day begangen. Dies ist statistisch gesehen jener Tag, an dem Männer bereits das Einkommen erreicht haben, wofür Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Frauen arbeiten somit 73 Tage „gratis“. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine kleine Verbesserung.

Ganzjährig vollzeitbeschäftigte Männer kamen laut Daten der Statistik Austria zuletzt auf ein Einkommen von 51.035 Euro, Frauen auf 40.864 Euro. Das ist eine Differenz von 10.172 Euro oder 19,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine leichte Verbesserung, denn 2017 lag dieser Wert bei 21,7 Prozent.

Größter Unterschied in Vorarlberg

Leichte Verbesserungen gab es in allen Bundesländern zu verzeichnen, die Differenzen bestehen aber weiterhin. Am größten sind die Einkommensunterschiede in Vorarlberg (27,6 Prozent oder 14.358 Euro weniger), gefolgt von Oberösterreich (24,2 Prozent oder 12.111 Euro weniger). Die geringsten Unterschiede gibt es in Wien (15,2 Prozent oder 8.212 Euro weniger) sowie im Burgenland (19,5 Prozent oder 9.664 Euro weniger) und Kärnten (19,6 Prozent oder 9.642 Euro weniger). In Niederösterreich verdienen Frauen 20,4 Prozent weniger, in der Steiermark 21,4 Prozent und in Salzburg 22,8 Prozent. In Tirol besteht eine Differenz von 22,9 Prozent.

In Wien am 6. November

Der bundesweite Equal Pay Day findet am 20. Oktober statt. In Vorarlberg war dies bereits der 22. September, in Wien ist es erst am 6. November so weit.

In Österreich werden seit Jahren zwei Tage der Einkommensgerechtigkeit begangen, was auf die Berechnungsmethode zurückzuführen ist. Neben dem Herbsttermin gibt es somit auch einen Equal Pay Day im Frühling.

BVT-Ausschuss: Lansky und Belastungszeugen geben Auskunft

Im BVT-Untersuchungsausschuss sind heute erstmals Belastungszeugen als Auskunftspersonen geladen. Bei einem der beiden wird vermutet, dass er das ominöse Dossier voller Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Bundesamts verfasst hat, das Basis der ganzen Affäre ist. Beide hatten im Ministerbüro ihre Vorwürfe berichtet, ehe sie vor der Staatsanwaltschaft aussagten.

Dritte Auskunftsperson ist Anwalt Gabriel Lansky. BVT-Beamte sollen widerrechtlich beschaffte Daten seiner Kanzlei nicht wie vorgeschrieben zurückgegeben bzw. gelöscht, sondern diese aufbewahrt und weiterverwendet haben.

Doppelpass für Südtiroler: Strache beharrt auf Umsetzung

Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bekräftigt, dass die im Regierungsprogramm vorgesehene Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler umgesetzt werde. Auch, wenn es „keinen großen Jubel“ gebe, werde man das „im Einvernehmen mit Italien“ realisieren, sagte Strache gestern bei einer Pressekonferenz der Südtiroler Freiheitlichen in Bozen.

Die italienische Regierung stand dem Vorhaben bisher ablehnend gegenüber. Zuletzt meldete sich etwa Innenminister Matteo Salvini diesbezüglich zu Wort.

Österreich entscheide, wer die Staatsbürgerschaft bekomme – wie Italien ja auch Kroatien und Slowenien nicht gefragt habe, als es den Italienern dort seine Staatsbürgerschaft gegeben habe, argumentierte Strache.

Der FPÖ-Chef griff gestern der Südtiroler Schwesterpartei vor der Landtagswahl am Sonntag wahlkampftechnisch unter die Arme. Strache zeigte sich davon überzeugt, dass die „patriotischen Kräfte“ zulegen werden. Der regierenden Südtiroler Volkspartei (SVP) würde „eine Watschen guttun“, so der Vizekanzler.

Kurz empfängt morgen Singapurs Premier

Im Vorfeld des EU-Asien-Gipfels kommt der Premier des Stadtstaates, Lee Hsien Loong, morgen zu Gesprächen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach Wien.
Lee wird zu Mittag mit militärischen Ehren empfangen, danach ist ein Gespräch der beiden Regierungschefs geplant. Es ist bereits das dritte Treffen der beiden Regierungschefs heuer. Im April hatten sie einander beim Wirtschaftsforum im chinesischen Bao getroffen, Ende August besuchte Kurz Singapur.

„Können viel lernen“

Österreich könne „viel von Singapur lernen, gerade im Bildungsbereich und bei der Innovation“, sagte der Kanzler im Vorfeld des nunmehrigen Treffens. „Singapur ist ein kleiner, sicherer, sauberer Staat mit einer beeindruckenden Entwicklung. Vor rund 40 Jahren war Singapur noch ein Entwicklungsland, nun ist es eine offene und weltweit sehr erfolgreiche Volkswirtschaft.“

Treffen im Vorfeld des EU-Asien-Gipfels

Singapur führt derzeit den Vorsitz im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Am Donnerstag und Freitag kommen in Brüssel Vertreter von 51 europäischen und asiatischen Staaten zum EU-Asien-Gipfel (ASEM) zusammen. Kurz und Lee werden morgen auch über den Gipfel der beiden Wirtschaftsregionen sprechen, die zusammen 60 Prozent der globalen Wirtschaftskraft, der Weltbevölkerung und des Welthandels ausmachen.

„Wenn die 51 ASEM-Partnerstaaten gemeinsam an einem Strang ziehen, dann ist es auch möglich, global gemeinsam etwas zu bewegen“, sagte Kurz. Konkret nannte er Bedrohungen wie den Klimawandel und die Cyberkriminalität. Singapur will bei dem Gipfel mit der EU auch ein Investitionsschutzabkommen sowie ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen unterfertigen.

Bilaterales Abkommen zu Digitalisierung

Bilateral möchte Österreich mit Singapur vor allem im Bereich Digitalisierung enger zusammenarbeiten. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) will im Rahmen des Besuchs ein Memorandum of Understanding (MoU) zum Thema Digitalisierung unterzeichnen. Wien und Singapur eint auch das Bestreben, das 500 Millionen Euro umfassende bilaterale Handelsvolumen weiter auszubauen. Einen Schub könnte diesbezüglich das EU-Singapur-Freihandelsabkommen geben, das am Rande des EU-Asien-Gipfels in Brüssel unterzeichnet werden soll.

„Mangelhafte Demokratie“

Freilich gibt es auch Schattenseiten. Singapur wird von Kritikern als „Demokratur“ bezeichnet, in der es keinen funktionierenden politischen Wettbewerb gibt und die öffentliche Ordnung zum Teil mit drakonischen Maßnahmen aufrechterhalten wird. Premier Lee ist der Sohn des legendären verstorbenen Staatsgründers Lee Kuan Yew.

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1965 gab es erst drei Regierungschefs. Sie gehören alle der Partei PAP („People’s Action Party“) an, die bei den jüngsten Wahlen 70 Prozent der Stimmen erreichte. Im angesehenen Demokratieindex der Economist Intelligence Unit (EIU) liegt Singapur nur am 69. Platz und wird als „mangelhafte Demokratie“ eingestuft.

Medien

EU

Einigung auf Ostsee-Fischfangquoten

Die EU hat sich auf Fischfangquoten in der Ostsee fürs nächste Jahr geeinigt. Die Einigung gab die österreichische EU-Ratsvorsitzende und Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) gestern Abend nach einem Rat in Luxemburg bekannt.

Es ging um die Quoten für Kabeljau, Dorsch, Hering, Sprotte, Lachs und Scholle. Die Fischerei macht zwar weniger als ein Prozent des Bruttonationaleinkommens der EU aus, in ihr arbeiten aber immer noch mehr als 300.000 Menschen. Pro Kopf verzehren die Österreicherinnen und Österreicher nach Angaben des Agrarministeriums pro Jahr 13,4 Kilogramm Fisch, das ist der gleiche Wert wie in Deutschland, damit liegt Österreich vor allen anderen Binnenländern.

In der Ostsee gab es 2014 schätzungsweise 6.500 aktive Schiffe. Die finnische Flotte war die größte (1.764 Schiffe). Unter den EU-Mitgliedsstaaten sind die estnische, finnische und lettische Seefischerei vollständig vom Ostsee-Raum abhängig, während andere Schiffe der EU-Mitgliedsstaaten auch in anderen Meeresfischregionen tätig sind.

Wirtschaft

US-Finanzriese Fidelity startet Service für Kryptowährungen

Digitale Währungen wie Bitcoin haben bisher ein schwarzes Jahr hinter sich, doch der große US-Vermögensverwalter Fidelity Investments macht Anhängern wieder etwas Hoffnung. Der Finanzriese, der in seinen Fonds mehr als 7,2 Billionen Dollar (6,2 Bio Euro) an Anlegergeld verwaltet, gab gestern die Gründung einer Tochterfirma für sogenannte Kryptowährungen bekannt.

Das Fidelity Digital Asset Services genannte Unternehmen solle Profianlegern wie Hedgefonds oder Family Offices Dienstleistungen zum Handel von Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten bieten. Das Ziel sei, solche Anlagen zugänglicher für Investoren zu machen, erklärte Fidelity-Chef Abigail P. Johnson in der Mitteilung.

Auf dem Markt sorgte die Nachricht zwischenzeitlich für starken Kursauftrieb – zeitweise stieg der Preis für einen Bitcoin an der Online-Börse Coinbase am Montag um mehr als zehn Prozent auf fast 6.700 Dollar. Zuletzt notierte er allerdings nur noch rund vier Prozent im Plus. Auf Jahressicht betrachtet bleiben die Verluste nach dem Ende 2017 erreichten Rekordhoch bei rund 20.000 Dollar indes gewaltig.

Metaller-KV: Verhandlungen gehen in die dritte Runde

Heute Mittag gehen die richtungsweisenden Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller weiter. Bisher gab es noch keine Annäherung. Mit einer Einigung ist in dieser dritten Gesprächsrunde noch nicht zu rechnen. Die Positionen von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern liegen noch zu weit auseinander. Für Freitag dieser Woche ist außerdem noch ein viertes Verhandlungstreffen vorgesehen.

Die Arbeitnehmerseite fordert ein Lohn-/Gehaltsplus von fünf Prozent und umfangreiche Zugeständnisse zur Kompensation der neuen Arbeitszeitregeln – Stichwort: Zwölfstundentag und Sechzigstundenwoche. Die Arbeitgeberseite sieht ein „inakzeptables Forderungspaket“. Ein konkretes Gegenangebot zur Gehaltssteigerung gibt es von ihnen bisher aber nicht.

Die Arbeitgebervertreter wollen im Rahmen eines von ihnen gewünschten „KV 4.0“, der den Arbeitnehmern heute erläutert werden soll, unter anderem einen mehrjährigen Abschluss. Einen solchen lehnen wiederum die Gewerkschafter ab, wie es hieß.

Sport

ÖFB: Dragovic hofft auf Turnaround

Die Situation von Aleksandar Dragovic in der österreichischen Nationalmannschaft hat sich gewandelt. War er unter Marcel Koller aus der Anfangsformation nicht wegzudenken, setzte Teamchef-Nachfolger Franco Foda zuletzt deutlich seltener auf die Dienste des Wieners. Beim Freundschaftsspiel heute abend in Dänemark (20.45 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) hofft Dragovic auf ein Comeback in der Startelf.

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Chronik

Fall Weinstein: Ashley Judds Klage erst 2020 vor Gericht

Die Klage von US-Schauspielerin Ashley Judd gegen den ehemaligen Filmproduzenten Harvey Weinstein wird voraussichtlich erst 2020 vor Gericht gehen. Die Anwälte beider Seiten hätten einen Prozesstermin für Ende Jänner 2020 vorgeschlagen, berichtete „Deadline.com“ gestern.

Sie bemühten sich um eine schnelle Beweisaufnahme und freuten sich auf den Prozess, um Weinsteins „abscheuliches Benehmen“ zu beweisen, sagte Judds Anwalt Theodore Boutrous dem Filmportal.

Vorwurf der sexuellen Belästigung

Die 50-Jährige hatte die Zivilklage im April eingereicht. Als Folge von sexueller Belästigung habe Weinstein ihrer Karriere geschadet. Sie wirft dem Produzenten unter anderem vor, durch eine Schmierkampagne in den 1990er Jahren ihre mögliche Zusammenarbeit mit dem „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson zu Fall gebracht zu haben.

Jackson hatte enthüllt, dass Weinstein damals Judd und deren Kollegin Mira Sorvino schlecht gemacht und ihn vor einer Zusammenarbeit mit den Schauspielerinnen gewarnt habe. Judd verlangt eine finanzielle Entschädigung. Jedwede Einnahmen wollte sie der „Time’s Up“-Bewegung zukommen lassen, betonte sie.

In New York muss sich Weinstein in einem Strafprozess wegen Vergewaltigung verantworten. Die nächste Anhörung ist für den 20. Dezember angesetzt. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Der gestürzte Mogul hat in der Vergangenheit Fehlverhalten eingeräumt, aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex wiederholt zurückgewiesen.

Gesundheit

WHO beruft wegen Ebola im Kongo Krisenausschuss ein

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo einen Krisenausschuss eingerufen. Die Experten sollen entscheiden, ob angesichts der wachsenden Zahl von Fällen die Weltgesundheit bedroht ist, teilte die WHO gestern mit. Es besteht die Gefahr, dass sich die Infektionskrankheit auf Uganda und Ruanda ausweitet.

Der Ausschuss könnte Empfehlungen geben, mit welchen Mitteln die Verbreitung von Ebola eingedämmt werden könnte. Nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums erkrankten in der vergangenen Woche 33 Menschen neu an Ebola, 24 von ihnen seien gestorben. Seit Juli gab es rund 200 Verdachtsfälle, 130 Menschen starben. Bei einem Ausbruch von Ebola in den westafrikanischen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea kamen zwischen 2013 und 2016 mindestens 11.300 Menschen ums Leben.

Science

Kultur

Rapper Ferris MC steigt bei Deichkind aus

Der Hamburger Rapper Ferris MC verlässt die Band Deichkind. „Nach vielen grandiosen Jahren sagen wir aus tiefstem Herzen ‚Danke‘ an Sascha Reimann und schauen auf eine unvergessliche Zeit zurück“, schrieb die Band gestern auf Facebook. „Seid lieb zu Ferris und checkt ab, was er in Zukunft Heftiges auftischt.“

„Wer einmal bei uns im Tourbus gesessen und den Schweiß aus dem Innenfutter des Müllsacks geleckt hat, der ist für immer in unseren Herzen und dessen Trikot wird bei uns im Lager unter die Decke gehängt. Die Rückennummer 7 wird mit sofortiger Wirkung nie wieder vergeben.“ Ferris MC bedankte sich ebenfalls auf seiner Facebook-Seite: „Vielen Dank Deichkind, für die 10 Jahre unvergesslichen Abriss.“

Deichkind kündigten zugleich an, dass es weitergeht: „Wir möchten Euch sagen, dass die mächtigen Männer mit ihren Wampen noch lange nicht genug haben und der Zug gerade mit Höchstgeschwindigkeit auf die nächste Wand zusteuert, die wir dann mit Euch durchbrechen wollen.“ Sie freuten sich schon, ihre Fans mit dem neuen Album auf der nächsten Tour wiederzusehen.

Seit Gründung der Band 1997 sind Philipp Grütering (Kryptik Joe) und Henning Besser (DJ Phono) an Bord, Ferris MC gehörte seit zehn Jahren dazu.

Viggo Mortensen gibt Regiedebüt mit Vater-Sohn-Drama

Viggo Mortensen begibt sich hinter die Kamera. Mit dem Vater-Sohn-Drama „Falling“ will der dänisch-amerikanische Schauspieler sein Regiedebüt geben, wie die US-Branchenblätter „Variety“ und „Hollywood Reporter“ gestern berichteten. Mortensen, der auch das Drehbuch liefert, ist zudem als Produzent und als Hauptdarsteller an Bord.

Er porträtiert einen Mann, der mit seinem Partner und der Adoptivtochter des schwulen Paares in Südkalifornien lebt. Dort wird er mit der traditionellen Welt seines Vaters konfrontiert, gespielt von US-Schauspieler Lance Henriksen, als der Pensionist vom Lande nach Los Angeles umzieht. Auch der Schwede Sverrir Gudnason, der in dem Sportlerdrama „Borg/McEnroe“ die Rolle des Tennisspielers Björn Borg spielte, ist an Bord.

Mortensen wurde 2017 für seine Hauptrolle in „Captain Fantastic“ für einen Oscar nominiert. Zuletzt spielte er eine Hauptrolle in der Filmbiografie „Green Book“ unter Regie von Peter Farrelly.

Religion

Streit um Ukraine: Russische Kirche bricht mit Konstantinopel

Die russisch-orthodoxe Kirche hat den Bruch mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel vollzogen. Die eucharistische Gemeinschaft werde aufgekündigt, sagte der für die Außenbeziehungen zuständige Metropolit Hilarion gestern in Minsk. Demzufolge können Priester beider Kirchen keine gemeinsamen Gottesdienste mehr feiern und Gläubige der beiden Kirchen nicht mehr zusammen die Kommunion empfangen.

Die russisch-orthodoxe Kirche reagierte damit auf die Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats, die Loslösung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskau zu akzeptieren. Seine Kirche erkenne diesen Beschluss nicht an und könne nicht länger den Kontakt zum Ökumenischen Patriarchat aufrechterhalten, sagte Hilarion nach einer Sitzung des Heiligen Synods, des obersten Gremiums der russisch-orthodoxen Kirche.

Das in Istanbul ansässige Ökumenische Patriarchat hatte am Donnerstag in einer von Patriarch Bartholomäus I. geleiteten Sitzung der Unabhängigkeit der ukrainisch-orthodoxen Kirche zugestimmt.

Leute

Panorama

New York: Erstes Wochenende ohne Schießerei seit 1993

New York hat erstmals seit 25 Jahren ein Wochenende ohne Schießerei erlebt. „Es gab am Freitag, Samstag und Sonntag weder Schießereien noch Morde“, sagte der Polizeichef der US-Metropole, James O’Neill, gestern. „Das ist das erste Mal seit Jahrzehnten, und darauf kann nicht nur die New Yorker Polizei stolz sein, darauf können alle New Yorker stolz sein.“

Der Polizei zufolge gab es in der Millionenstadt zuletzt 1993 ein Wochenende ohne Schießerei. Allerdings lässt sich von der guten Nachricht vom Wochenende kein Trend ablesen. So sei das Wochenende vom 6. und 7. Oktober „furchtbar“ gewesen, erklärten die Behörden, es habe mehrere Schießereien in Brooklyn und in den Bronx gegeben.

Auch nimmt die Zahl der Morde in New York wieder zu, nachdem im vergangenen Jahr mit 292 Morden die niedrigste Zahl seit den 1950er Jahren verzeichnet worden war. Im ersten Halbjahr 2018 gab es 147 Morde, eine Zunahme um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.