Ausland

Der frühere Sicherheitsberater und spätere Kritiker von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, ist Berichten zufolge angeklagt worden. Wie US-Medien gestern berichteten, erhob eine Grand Jury der Bundesjustiz die Anklage gegen Bolton.

Diesem wird die Weitergabe und das Einbehalten von Informationen zur Verteidigung der Nation vorgeworfen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Es ist das dritte Mal in den vergangenen Wochen, dass das Justizministerium Anklage gegen einen Kritiker Trumps erhebt. Ein Anwalt Boltons bestritt ein Fehlverhalten seines Mandanten.

Der Anklage vorausgegangen waren Ermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung von Verschlusssachen gegen Bolton. Im August hatten Agenten der Bundespolizei FBI das Haus und das Büro von Bolton durchsucht und dabei unter anderem als vertraulich eingestufte Unterlagen beschlagnahmt.

Auch Comey und James angeklagt

Trump hatte im Wahlkampf Vergeltung gegen seine Gegner angekündigt und Justizministerin Pam Bondi wiederholt gedrängt, Anklage gegen seine Widersacher zu erheben. Zuletzt waren der frühere FBI-Direktor James Comey und die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James angeklagt worden.

Bolton diente in Trumps erster Amtszeit als Nationaler Sicherheitsberater und entwickelte sich später zu einem seiner schärfsten Kritiker. In seinen im vergangenen Jahr veröffentlichten Memoiren bezeichnete er Trump als amtsunfähig. Insidern zufolge drängte die Führung des Justizministeriums auf eine rasche Anklageerhebung gegen Bolton, obwohl einige Staatsanwälte das als überstürzt ansahen.

Nach dem Tod des kenianischen Oppositionsführers Raila Odinga sind in einem Stadion der Hauptstadt Nairobi nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens drei Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden.

Im Kasarani-Stadion am Stadtrand hatten sich gestern Zehntausende Menschen versammelt, um von dem beliebten Politiker an dessen Sarg Abschied zu nehmen. Es kam zu Ausschreitungen, die Sicherheitskräfte schossen und setzten Tränengas ein, in dem Stadion brach Panik aus.

Panik nach Schüssen und Tränengaseinsatz im Kasarani-Stadion in Nairobi
APA/AFP/Kabir Dhanji

Die Sicherheitskräfte hatten zuvor versucht, eine große Menschenmenge auseinanderzutreiben, die versucht hatte, in den VIP-Bereich des Stadions einzudringen.

Odinga war am Mittwoch während eines Besuchs in Indien im Alter von 80 Jahren vermutlich an einem Herzinfarkt gestorben. Er war in den vergangenen Jahrzehnten eine prägende Figur der kenianischen Politik, auch wenn er fünfmal bei Präsidentschaftswahlen unterlag.

Französische Ermittler haben ein Attentat auf einen russischen Oppositionellen vereitelt und vier Verdächtige festgenommen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft gab gestern die Festnahme von vier Männern bekannt, nannte aber nicht den Namen des Oppositionellen. Laut einem Bericht der Zeitung „Le Parisien“ handelt es sich um den in Frankreich lebenden Wladimir Ossetschkin. Ossetschkin selbst bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, er sei der Oppositionelle, gegen den sich die Attentatspläne in Biarritz im Südwesten Frankreichs gerichtet hätten.

Ossetschkin leitet die Menschenrechtsorganisation Gulagu.net, die Folter, Misshandlungen und Korruption in russischen Gefängnissen dokumentiert. Es gehe ihm gut, sagte Ossetschkin der AFP. Er bedankte sich bei allen Ermittlern der französischen Polizei und der Geheimdienste, „die an der Festnahme dieser Gangster, dieser Mörder beteiligt waren“ und sich darum bemühten, die „schmutzigen, blutigen Pläne“ von Kreml-Chef Wladimir Putin in Frankreich und ganz Europa zu verhindern.

Wie die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft mitteilte, wurden die vier Männer im Alter von 26 bis 38 Jahren bereits am Montag festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen der „Beteiligung an einer terroristischen kriminellen Vereinigung mit dem Ziel der Vorbereitung eines oder mehrerer Verbrechen gegen Personen“.

US-Bomber haben sich nach US-Medienberichten der Küste Venezuelas genähert. Mehrere Langstreckenbomber des Typs B-52 seien am Mittwoch aus dem US-Staat Louisiana gestartet und mehrere Stunden in Küstennähe geflogen, berichteten gestern unter anderem die „New York Times“ und der Sender ABC News. Sie beriefen sich auf einen hochrangigen US-Beamten und Daten zu Flugbewegungen.

In den Medienberichten wurden die Flüge als Machtdemonstration der USA bewertet. Es wäre eine weitere Eskalationsstufe in der Auseinandersetzung zwischen den USA und Venezuela. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wirft Venezuela vor, die USA mit Drogen zu überschwemmen. Die USA gehen inzwischen militärisch dagegen vor.

Zuvor war bekanntgeworden, dass Trump Aktionen des Auslandsgeheimdiensts CIA in Venezuela autorisiert hat. Details blieben unklar. Er kündigte zugleich an, Rauschgiftschmuggler nun auch an Land bekämpfen zu wollen. Venezuelas Präsident Nicolas Maduro äußerte sich erzürnt.

US-Präsident Donald Trump hat der Terrororganisation Hamas mit dem Tode gedroht. Wenn diese weiter Menschen im Gazastreifen töte, „werden wir keine Wahl haben, als hineinzugehen und sie zu töten“, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social gestern.

Zuvor hatte Trump noch ein gewisses Verständnis für die Hamas gezeigt. Er kommentierte Berichte über Tötungen von Menschen im Gazastreifen durch die islamistische Hamas milde. Die Hamas habe gegen „sehr, sehr schlimme Banden“ durchgegriffen, sagte Trump diese Woche. „Das hat mich nicht groß gestört, um ehrlich zu sein. Das ist okay.“ Gemeint waren lokale Clans, die während des Konflikts versucht hatten, die Kontrolle über Teile des Gazastreifens zu übernehmen.

Auf der Plattform X war etwa ein Video veröffentlicht worden, das eine Gruppenerschießung von rund acht Menschen auf einem Platz südlich der Stadt Gaza zeigen soll. Augenzeugen hatten der dpa telefonisch gesagt, die Hamas habe den Getöteten vorgeworfen, Kollaborateure der israelischen Armee zu sein. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes hatte die Erschießungen als schockierend bezeichnet. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die mutmaßlichen Exekutionen scharf.

Auch Israel erzürnt

Israel zeigte sich unterdessen erzürnt, weil die Hamas nicht alle Leichen von israelischen Geiseln übergeben habe. „Wenn die Hamas sich weigert, das Abkommen einzuhalten, wird Israel in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten die Kämpfe wieder aufnehmen“, so der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. Die Hamas gab an, man habe alle Leichen von Geiseln, zu denen man Zugang habe, ausgehändigt.

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Der Ministerpräsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mohammed Mustafa, hat UNO-Vertretern einen Plan zum Wiederaufbau des Gazastreifens vorgestellt. Der palästinensische Küstenstreifen solle „als offener, vernetzter und florierender Teil des Staates Palästina wiederaufgebaut werden“, sagte Mustafa gestern vor UNO-Vertretern, Diplomatinnen und Diplomaten in Ramallah.

Der Ministerpräsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mohammed Mustafa
Reuters/Ali Sawafta

Die Autonomiebehörde habe einen Fünfjahresplan für den Gazastreifen ausgearbeitet, der sich über drei Phasen erstrecken und 65 Milliarden Dollar (56 Mrd. Euro) erfordern solle.

Eigene Rolle ungeklärt

Er hoffe, dass die Palästinensische Autonomiebehörde im Gazastreifen in zwölf Monaten voll arbeitsfähig sein werde, sagte Mustafa wenige Tage nach dem Inkrafttreten der von den USA vermittelten Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen.

Welche Rolle die Autonomiebehörde in der Zukunft des kriegszerstörten Gazastreifens spielen kann, ist bisher unklar. Die Autonomiebehörde spielt seit der Machtübernahme durch die mit ihr rivalisierenden Hamas 2007 keine Rolle mehr in der Verwaltung des Küstenstreifens. Sie erbringt jedoch weiterhin einige Dienstleistungen in dem Gebiet.

Inland

Der Geschäftsordnungsausschuss des Nationalrats hat gestern Abend den von der FPÖ forcierten Untersuchungsausschuss zur Causa Pilnacek auf Schiene gebracht. Nachdem die Regierungsparteien das erste Verlangen der FPÖ, in dem neben den Ermittlungen zu Christian Pilnaceks Tod auch die CoV-Pandemie Thema sein sollte, bestritten hatten, fiel der Beschluss nun einstimmig positiv aus. Wird die Materie in der nächsten Nationalratssitzung aufgerufen, gilt der U-Ausschuss als eingesetzt.

Dieser kann danach seine Arbeit aufnehmen. Die nächste Nationalratssitzung ist für 19. November angesetzt. Der U-Ausschuss soll dem Verlangen der FPÖ zufolge der „Klärung politischer Einflussnahme auf Ermittlungen in der Causa Pilnacek“ dienen.

Der ehemalige Justizsektionschef war im Oktober 2023 tot aufgefunden worden. Die FPÖ vermutet bei den Ermittlungen politische Interventionen über das Innen- und das Justizministerium, aber auch das Kanzleramt.

In den Blick nehmen wollen die Freiheitlichen den Zeitraum von 19. Oktober 2023, dem Vortag des Todestags Pilnaceks, bis 4. September 2025, als die Zuständigkeit für die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Krems an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt übertragen wurde.

Der Nationalrat hat gestern mit den Stimmen von Koalition und Grünen die Pensionsanpassung für 2026 beschlossen. Bis zu einem Bezug von 2.500 Euro wird die Inflation von 2,7 Prozent voll abgegolten, darüber gibt es einen Fixbetrag von 67,50 Euro. Das heißt, je höher die Pension ist, umso geringer fällt die Anpassung prozentuell aus.

Neu ist zudem, dass bei der Anpassung alle Pensionen einer Person zusammengezählt werden. Das heißt, es geht nicht, dass ein Teil des Ruhensbezugs nur mit einem Fixbetrag, ein anderer Teil aber voll abgegolten wird.

Um hier auch Sonderpensionen der Länder mit einbeziehen zu können, war eine eigene Bestimmung mit einer Zweidrittelmehrheit nötig. Bei diesem Passus stimmten neben den Grünen auch die Freiheitlichen zu.

Das Balkendiagramm zeigt die gesetzlichen Anpassungswerte und die tatsächlichen Pensionserhöhungen in Österreich von 2018 bis 2026. Die höchste Pensionserhöhung gab es 2024 mit 9,7 %. 2023 lag die Spanne zwischen 5,8 % und 10,2 %. Für 2026 ist ein durchschnittlicher Anstieg von 2,25 % vorgesehen.
Grafik: APA/ORF; Quelle: Sozialministerium/Statistik Austria

Debatte über Sonderpensionen

FPÖ-Mandatar Peter Wurm forderte die anderen Parteien dazu auf, die Sonderpensionen gleich ganz abzuschaffen. Dies würde auch ohne Zustimmung der ÖVP gehen. Die Grünen hatten davor in Person von Sozialsprecher Markus Koza gefordert, die gesetzliche Obergrenze für Pensionen von Funktionären und Bediensteten staatsnaher Rechtsträger zu senken.

Dass dies nicht zustande gekommen ist, lastete er der Volkspartei an. Ein Sparpaket für die breite Masse gehe bei der ÖVP jederzeit, gehe es aber um die Privilegien von Reichen, sei es mit Reformen vorbei, sagte Koza.

Während Koza die gestaffelte Anpassung akzeptabel fand, zogen die Freiheitlichen gegen diese ins Feld. Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch listete Förderungen für Integrationsinitiativen auf und echauffierte sich: „Für die Migranten ist immer Geld da, für die NGOs ist immer Geld da, aber bei den Pensionisten wird eingespart.“

Bedauern der Sozialministerin

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) bedauerte, dass man nicht allen Pensionistinnen und Pensionisten die Inflation abgelten könne: „Das geht aufgrund der budgetären Lage nicht.“ Es sei aber gelungen, mehr als 71 Prozent der Pensionisten die Teuerung kompensieren zu können.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch pochte darauf, dass seine Partei Schlimmeres verhindert habe, habe Kanzler Christian Stocker (ÖVP) doch nicht mehr als zwei Prozent Erhöhung zulassen wollen. Die Kritik der FPÖ wies er mit einem Gegenangriff zurück: „Die größten Pensionseinschnitte hat es immer gegeben, wenn die FPÖ das Sozialministerium besetzt hat.“

Auch ÖVP-Klubobmann August Wöginger konnte mit der freiheitlichen Kritik wenig anfangen. Schließlich seien die Pensionen in den Jahren 2023 bis 2025 um über 20 Prozent angehoben worden: „Zeigt’s mir das irgendwo auf der Welt, dass ein Land die Pensionen um ein Fünftel angehoben hat in drei Jahren.“ Die Maßnahme werde jetzt auch gesetzt, um die hohe Inflation in Griff zu bekommen.

Shetty: „Nicht das Populäre, aber das Richtige“

Dass die Inflation nicht komplett angepasst wird, sah NEOS durchaus als eigenen Verdienst. Klubobmann Yannick Shetty meinte: „Mit Reformresistenz ist jetzt Schluss.“ Nach Jahren der Anpassung über der Inflation gebe es nun einen Kurswechsel im Sinne des Budgets und auch des Gesamtsystems: „Das ist nicht das Populäre, aber das Richtige“, sah Shetty ein „faires Paket.“

Am Ende der zweitägigen Plenarwoche ist der FPÖ-Abgeordnete Gerhard Deimek vom Nationalrat „ausgeliefert“ worden. Alle Parteien bis auf die FPÖ, die ihren Mandatar verteidigt hatte, stimmten gestern Abend dafür. Im Raum steht der Verdacht eines Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz. Nicht ausgeliefert wurden hingegen FPÖ-Chef Herbert Kickl und FPÖ-Mandatar Christofer Ranzmaier.

Deimek soll im März 2022 ein Bild veröffentlicht haben, auf dem Männer mit Hitlergruß bzw. tätowiertem Hakenkreuz zu sehen seien. Dabei solle es sich laut Deimek um ein kritisches Posting gehandelt haben. Deimek habe mit politischem Extremismus nichts am Hut, sagte sein Parteikollege Norbert Nemeth. Auf dem Bild seien junge Männer aus der Ukraine zu sehen, die den Hitlergruß zeigten.

Deimek habe es im Zuge einer Diskussion mit einem deutschen SPD-Abgeordneten gepostet, um zu argumentieren, dass kein Steuergeld an die Ukraine fließen soll, so Nemeth. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden hätten „nicht einmal einen Anfangsverdacht gesehen und keine Ermittlungen aufgenommen“. Das Ersuchen um die „Auslieferung“ stammt von der Staatsanwaltschaft Steyr.

ÖVP-Mandatar: Kein Zusammenhang mit politischer Tätigkeit

Ein Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit, der eine „Verfolgung“ unmöglich machen würde, bestehe nicht, zeigte sich ÖVP-Mandatar Christoph Zarits überzeugt. Der FPÖ-Abgeordnete habe das Posting schließlich nicht unter seinem Klarnamen abgesetzt, sondern über einen Account, „wo nicht ersichtlich war, dass Gerhard Deimek dahintersteckt“.

„Wenn ich meine politische Meinung in einer Diskussion zu Gehör bringen will, dann mache ich das unter meinem Namen“, sagte auch Agnes Sirkka Prammer (Grüne). Tue man das nicht, könne man sich auch nicht auf den Status als Abgeordneter berufen. Die Obfrau des Immunitätsausschusses, Selma Yildirim (SPÖ), wies darauf hin, dass es um drei FPÖ-Abgeordnete geht. Immer mehr würden sich freiheitliche Akteure einer Sprache bedienen, die die Gesellschaft vergifte.

Henrike Brandstötter (NEOS) betonte, der Beschluss, Kickl nicht auszuliefern, „entbindet einen aber nicht davon, einmal darüber nachzudenken, wie man eigentlich miteinander umgeht, und wie man auch jeden Tag verbal unsere Demokratie aushöhlt“. Gernot Darmann (FPÖ) meinte hingegen, die übrigen Parteien wollten „aus Willkür einen Freiheitlichen vorführen“.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen den ehemaligen Spitzenbeamten Johannes Peterlik Anklage wegen Missbrauchs der Amtsgewalt sowie Verletzung einer Pflicht zur Geheimhaltung eingebracht.

Ihm wird zur Last gelegt, als Generalsekretär des Außenministeriums ohne Erfordernis einen als „geheim“ klassifizierten Bericht u. a. zum Nervengift Nowitschok angefordert zu haben und dem ehemaligen Polizeibeamten Egisto Ott interne Dokumente zugänglich gemacht zu haben.

Konkret soll Peterlik, der unter der damaligen FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl zum Generalsekretär aufgestiegen war, den als geheim klassifizierten Bericht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu einem Giftanschlag im Jahr 2018, der auch die Formel eines Nervengifts der Nowitschok-Gruppe zum Inhalt hatte, angefordert haben.

Dadurch hat er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine Befugnis mit dem Vorsatz, die Republik Österreich an ihrem Recht auf strengste Geheimhaltung zu schädigen, wissentlich missbraucht.

Dokumente an Ott

Weiters wird Peterlik zur Last gelegt, im Oktober 2018 Ott mehrere OPCW-Dokumente zu den Nowitschok-Vorfällen, die ihm ausschließlich kraft seines Amtes zugänglich waren, gezeigt zu haben, wodurch das Interesse der Republik Österreich an der Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtungen und an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit internationalen Behörden gefährdet worden sei.

Gegen Ott wurde zuletzt Anklage vor allem wegen geheimer nachrichtendienstlicher Tätigkeit zulasten der Republik Österreich und Amtsmissbrauch erhoben. Er soll für den russischen Geheimdienst gearbeitet haben, was der frühere Staatsschützer bestreitet.

Die Strafdrohung im Verfahren gegen Peterlik beträgt sechs Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte hat das Recht, innerhalb von 14 Tagen ab Zustellung der Anklageschrift Einspruch bei Gericht zu erheben. Sowohl für Peterlik als auch für Ott gilt die Unschuldsvermutung.

Grüne fordern U-Ausschuss

Für die Grünen ist die Anklage ein Anlass, die vergangene Regierungsbeteiligung der FPÖ zu kritisieren. „Der Fall Peterlik bestätigt, was wir im U-Ausschuss zum rot-blauen Machtmissbrauch im Vorjahr bereits aufgezeigt haben: FPÖ-geführte Ministerien standen im Zentrum des größten Spionageskandals der Zweiten Republik“, sagte die außenpolitische Sprecherin Meri Disoski.

Sie forderte einen eigenen Russland-Untersuchungsausschuss. Zudem kündigte Disoski eine parlamentarische Anfrage an das Außenministerium an.

Chronik

Tausende Britinnen und Briten haben eine Sammelklage gegen den US-Pharma- und Kosmetikkonzern Johnson & Johnson (J&J) wegen möglicherweise krebserregenden Babypuders eingereicht. Die etwa 3.000 Klägerinnen und Kläger forderten Entschädigungen in Höhe von insgesamt mehr als einer Milliarde Pfund (rund 1,15 Mrd. Euro), erklärte die Anwaltskanzlei KP Law gestern.

Babypuder von Johnson & Johnson
Reuters/Lucas Jackson (Archivbild)

Bei der Klage geht es um den Vorwurf, dass Babypuder von J&J krebserregendes Asbest enthielt. Die Klägerinnen und Kläger machen das Puder für Krebserkrankungen wie Eierstockkrebs verantwortlich, die sie selbst oder Angehörige von ihnen entwickelten.

In der Klageschrift sei dargelegt, dass J&J „seit mehr als 50 Jahren wusste, dass sein Talkumpuder krebserregende Stoffe einschließlich Asbest enthielt“, betonte die Anwaltskanzlei. Dennoch habe das Unternehmen das Babypuder „im Streben nach Profit“ weiter vertrieben. Erst drei Jahre, nachdem das Puder in den USA vom Markt genommen wurde, sei der Verkauf 2023 schließlich auch in Großbritannien eingestellt worden.

In den Industrieländern greift eine wachsende Einsamkeit unter Jungen und Pensionisten sowie Pensionistinnen um sich, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergeben hat.

Unter den 16- bis 24-Jährigen sank der Anteil mit täglichen Kontakten zu Freunden zwischen 2015 und 2022 von 44 auf 36 Prozent. Bereits zwischen 2006 und 2015 hatte es einen Rückgang um neun Prozentpunkte gegeben, wie die Industriestaatenorganisation in Paris gestern mitteilte.

Soziale Isolation: Stärkster Anstieg bei Älteren

Die jüngste Altersgruppe sei auch die Einzige gewesen, die keinen Anstieg täglicher Kontakte zu Freunden über Telefon oder soziale Netzwerke zu verzeichnen hatte. Zusammen mit den 25- bis 49-Jährigen trugen sie zudem zum allgemeinen Anstieg des Anteils der Befragten bei, die nie Kontakt zu Freunden aufnehmen, so die OECD.

Unter älteren Menschen ab 65 Jahren wurde unterdessen unter allen Altersgruppen der stärkste Anstieg an sozialer Isolation festgestellt – dabei geht es um den Anteil jener Menschen, die angeben, sich nie mit Freunden zu treffen. Ihr Anteil stieg zwischen 2015 und 2022 um 5,5 Prozentpunkte auf 11,4 Prozent.

Auswirkungen der Pandemie

Allerdings gab die OECD zu bedenken, dass bei diesen Zahlen noch die Zurückhaltung bei direkten Kontakten während der CoV-Pandemie eingeflossen sein dürfte. Insbesondere ältere Menschen seien während der Hochphase der Pandemie vor den Gefahren persönlicher Treffen mit anderen Menschen gewarnt worden.

Insgesamt kam die OECD-Studie zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Menschen in den Industrieländern, die sich persönlich mit anderen treffen, in den letzten 15 Jahren stetig zurückgegangen ist, während der häufige Kontakt mit Freunden und Familie über Telefon oder soziale Netzwerke zugenommen hat.

Kultur

Die British Library hat den verstorbenen irischen Schriftsteller Oscar Wilde geehrt: 130 Jahre nach seiner Verurteilung wegen „grober Unsittlichkeit“ stellte die britische Nationalbibliothek einen neuen Leserausweis auf seinen Namen aus. Das berichtete die BBC gestern.

Neue Karte soll „Ungerechtigkeit“ anerkennen

Dem berühmten Lyriker, Romanautor und Dramatiker wurde 1895 der Zugang zum Lesesaal der Bibliothek untersagt, weil man ihm vorwarf, homosexuelle Beziehungen gehabt zu haben – damals eine Straftat. Die neue Karte soll „die Ungerechtigkeit und das immense Leid anerkennen“, denen Wilde ausgesetzt gewesen sei, teilte die Bibliothek mit.

Die Entscheidung, Wildes Ausweis für die Bibliothek – damals der Lesesaal des British Museum – zu widerrufen, wurde ohne Kommentar im Protokoll vom 15. Juni 1895 festgehalten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wilde bereits drei Wochen einer zweijährigen Haftstrafe verbüßt.

Der Irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900)
picturedesk.com/Roger Viollet

Wilde wurde verurteilt, nachdem er einen Verleumdungsprozess gegen den Marquess of Queensberry verloren hatte, der ihn der Homosexualität bezichtigt hatte, nachdem er von der Beziehung Wildes mit dessen Sohn erfahren hatte. Die damaligen Bibliotheksvorschriften sahen vor, dass verurteilten Personen die Karte entzogen wird.

Enkel: „Schöne Geste der Vergebung“

Die neue Karte geht in den Besitz seines Enkels Merlin Holland über, dem einzigen noch lebenden Nachkommen Wildes. Die Neuausstellung sei eine „schöne Geste der Vergebung, und ich bin sicher, dass er innerlich berührt und erfreut sein wird“, so Holland.

Der deutsche Musikproduzent Jack White ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Die Berliner Polizei bestätigte gestern entsprechende Medienberichte der „Bunten“ und der „Bild“-Zeitung.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Dadurch soll geklärt werden, wie der Musikproduzenten und Komponist starb. Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von einem Suizid aus, wie ein Sprecher sagte.

Musikproduzent Jack White im August 2020
APA/dpa/Bernd von Jutrczenka (Archivbild)

White, der bürgerlich Horst Nußbaum hieß, galt als einer der erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten. Er schrieb Hits für internationale Stars wie Paul Anka, Barry Manilow und Tony Christie und stand für Erfolge wie „Self Control“ von Laura Branigan und „Looking for Freedom“ mit dem Schauspieler David Hasselhoff als Sänger.

Erst vor wenigen Wochen feierte White seinen 85. Geburtstag. Rund um den Geburtstag wurde bekannt, dass seine vierte Ehe mit seiner mehr als 40 Jahre jüngeren Ehefrau Rafaella gescheitert war. Das Paar hatte zwei Kinder.