Inland

Kogler zum Bundessprecher der Grünen gewählt

Werner Kogler ist heute zum Bundessprecher der Grünen gewählt worden. Beim Bundeskongress in Wien bekam der bisher interimistische Parteichef 203 von 205 gültigen Delegiertenstimmen. Die Zustimmung mit 99,02 Prozent ist nicht überraschend, gab es doch keinen Gegenkandidaten.

„Ich nehme die Wahl an“, sagte Kogler unter viel Applaus. Er will das Parteiamt für zwei Jahre ausüben und dann an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben. Zusätzlich soll er bei der EU-Wahl 2019 als Spitzenkandidat der österreichischen Grünen ins Rennen gehen.

Am Nachmittag wurde auch ein neuer Bundesvorstand gewählt. Das Rennen machten die Wiener Bundesrätin Ewa Dziedzic, die Landtagsabgeordneten Lara Köck (Steiermark, als Einzige schon bisher vertreten), Nina Tomaselli (Vorarlberg) und Stefan Kaineder (Oberösterreich) sowie der Salzburger Landesgeschäftsführer Rudi Hemetsberger.

Kogler: „Liebeserklärung an die Welt“

Vor seiner Wahl versuchte Kogler in einer fast einstündigen Rede, seine Partei für einen Weg zurück zu Wahlerfolgen zu begeistern. „Rudern statt sudern!“, lautete sein Aufruf. Grüne Politik sei eigentlich eine „Liebeserklärung an die Welt“, zitierte er einen Unterstützer. Koglers Fazit: „Ökologie und Gerechtigkeit, diese Mischung hast du nur mit uns, deshalb braucht es Grün.“

Das Debakel bei der Nationalratswahl 2017 bezeichnete er als selbst verschuldeten „ziemlichen Potsch’n“. Man könne diesem „Riesenmalheur“ als Katharsis aber auch Positives abgewinnen. Viele hätten erkannt, dass es die Grünen weiter brauche. Heute verzeichne man Nettozuwächse an Parteimitgliedern. „Ich habe den Eindruck gehabt, wir könnten eigentlich drei grüne Parteien neu gründen“, meinte er.

Viel Kritik für Regierung

Gerade Ökothemen zeigten, dass es die Grünen brauche, „weil es macht sonst niemand in dieser Konsequenz“. Angesichts des Handelns der ÖVP, aber auch von SPÖ-Widerstand gegen „Fundifirlefanz“ in Umweltfragen, sage er: „Da bin ich stolz darauf, ein Fundi zu sein.“ Realpolitik könne man nur dann machen, wenn man auf einem festen Fundament stehe. Als Grüne müsse man „radikal und real“ agieren und als Bündnispartei auf Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und Zivilgesellschaft zugehen.

Vor allem an der Regierungspartei ÖVP rieb sich Kogler. Diese betreibe im Sozialen eine Umverteilung von unten nach oben. Beim UNO-Migrationspakt habe sie sich von rechten Trollfabriken treiben lassen, wo selbst die CSU in Deutschland richtig argumentiere. Es gehe darum, „die Heimat Europa zu schützen vor den alten Nationalisten und den neuen Rechtsextremen“. In der EU laufe vieles schief, sie deshalb infrage zu stellen sei aber falsch: „Ich will ja wegen Schwarz-Blau auch nicht Österreich abschaffen.“

Zivildienstgesetz am Mittwoch im Ministerrat

Das neue Zivildienstgesetz wird am Mittwoch vom Ministerrat beschlossen. Das kündigte das Büro der zuständigen Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) heute gegenüber der APA an. Wesentlichste Punkte sind, dass die Zivildiener aufgefordert sind, eine Staatsbürgerschaftskunde zu absolvieren und dass längerer Krankenstand leichter zu einer (vorübergehenden) Entlassung aus dem Dienst führt.

Bei letzterem Punkt gab es nach der Begutachtung noch eine Änderung. Statt der bisher vorgesehenen 21 Kalendertage sind es nun 24, die ein Zivildiener während seines Diensts im Krankenstand sein darf. Fehlt er öfter, wird er entlassen und muss zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise auch an einer anderen Stelle die verbliebene Dienstzeit nachholen.

Staatsbürgerschaftskunde kommt

Neu eingeführt wird durch die Novelle eine Art Staatsbürgerschaftskunde, die von den jungen Männern in einem E-Learning-Tool absolviert werden muss. Die (Computer-)Infrastruktur muss von den Trägern zur Verfügung gestellt werden, was diesen in der Begutachtung missfiel.

Auch für Vorgesetzte von Zivildienern wird es künftig ein E-Learning-Tool geben, das über die Rechte und Pflichten, das Wesen des Zivildienstes sowie ein angemessenes Führungsverhalten informiert. Die Absolvierung des Moduls ist verpflichtend und muss spätestens alle drei Jahre wiederholt werden.

Anerkennung ohne Anforderung

Neuerungen gibt es zudem bei der Anerkennung von Trägerorganisationen. Gegenüber der Begutachtung geändert wurde, dass auch in bestehende Anerkennungsbescheide eingegriffen werden kann, wenn sich gezeigt hat, dass die bewilligten Plätze deutlich über dem tatsächlichen Bedarf liegen. Grundsätzlich wird festgehalten, dass die Anerkennung einer Organisation als Träger widerrufen wird, wenn diese drei Jahre keinen Zivildiener angefordert hat.

Dass das Innenressort hier etwas strenger wird, wird damit argumentiert, dass das Potenzial an Zivildienern durch geburtenschwache Jahrgänge geringer wird. Laut Edtstadler ist alleine seit dem Jahr 2010 die Zahl der tauglichen Wehrpflichtigen von rund 39.600 auf 30.800 im Jahr 2017 zurückgegangen. Trotzdem konnten im Vorjahr 14.907 Männer den 1.687 Zivildienstorganisationen zugewiesen werden. Heuer werden es voraussichtlich nur noch rund 14.500 Zuweisungen sein.

Länder bei humanitärem Bleiberecht nicht einig

Bei der Konferenz der Flüchtlingsreferenten in Linz haben sich die Länder nicht auf eine Linie zum humanitären Bleiberecht einigen können. Laut dem Vorarlberger Landesrat Christian Gantner (ÖVP) lehnt Niederösterreich den Vorarlberger Vorschlag nach einer Landeskompetenz ab.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at

Abschiebung sorgt für Zwist mit Kurz

Zuletzt gab es zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vorarlbergern eine hitzige Debatte zu dem Thema. Nachdem sich mehrere Bürgerinnen und Bürgern wegen einer umstrittenen Asylentscheidung dem ÖVP-Politiker am Donnerstag in den Weg gestellt und Antworten verlangt hatten, kritisierte Kurz in einem Interview die Vorarlberger scharf.

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„Profil“: Ministerium zahlt an FPÖ-nahes Institut

Laut einem Bericht des „profil“ (aktuelle Ausgabe) zahlt das Verteidigungsministerium jährlich 200.000 Euro an das Institut für Sicherheitspolitik (ISP). Präsident des im November 2016 gegründeten sicherheitspolitischen Thinktanks ist der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Markus Tschank. Laut „profil“ liefert das ISP dem Ministerium vor allem Analysen zu Russland.

Grundlage ist laut Tschank eine entsprechende Leistungsvereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Institut. Laut dem Bericht hat das Institut einen fixen Mitarbeiter und ist in den Kanzleiräumlichkeiten von Tschank untergebracht. Tschank ist im Zivilberuf Rechtsanwalt in Wien.

Ausland

ZAR: Milizen richten Massaker in Flüchtlingscamp an

Bei einem Angriff bewaffneter Milizen auf eine katholische Kathedrale und ein nahe gelegenes Flüchtlingslager sind laut örtlichen Medienberichten in der Stadt Alindao in der Zentralafrikanischen Republik mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen.

Zwei Geistliche getötet

Ehemalige Seleka-Rebellen der Unite pour la Paix en Centrafrique (UPS) hätten gestern das Bischofsgelände in Alindao angegriffen und unter anderem auch den Generalvikar der Diözese und einen weiteren Priester getötet, berichtete heute Kathpress unter Berufung auf den vatikanischen Pressedienst Fides.

„Nachdem sie die Kathedrale geplündert und niedergebrannt hatten, zogen die Rebellen weiter in das Flüchtlingslager, wo sie mindestens 42 Menschen töteten“, schilderte der aus der Zentralafrikanischen Republik stammende Priester Amos Boubas, der in Rom studiert und im Kontakt zu seinen Mitbrüdern in der Zentralafrikanischen Republik steht.

„Wir sind in großer Sorge, dass die Friedensverhandlungen in der Zentralafrikanischen Republik scheitern und der Bürgerkrieg wieder mit voller Wucht ausbricht“, sagte der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio Aachen, Klaus Krämer.

Der Angriff habe zudem 26.000 geflüchtete Menschen vom Gelände in Alindao vertrieben, hieß es. Seit Mai 2017 hatten sie dort Schutz gefunden. „Das alarmiert uns sehr, da diese Flüchtlinge bisher durch ein Abkommen zwischen den Rebellen und Regierungstruppen geschützt waren und dieses Abkommen jetzt gebrochen wurde“, berichtete Krämer.

Bürgerkrieg schwelt seit Jahren

Seit dem Sturz von Präsident Francois Bozize im Jahr 2013 ist das Land Schauplatz eines religiös motivierten Bürgerkriegs. Laut UNO-Angaben flohen rund 1,2 Millionen Menschen vor den Kämpfen. Weite Gebiete werden von Rebellen kontrolliert.

Tschechiens Premier legte Gedenkstrauß in der Nacht nieder

Die Regierungskrise in Tschechien hat heute auch das Gedenken an den Beginn der Samtenen Revolution vor 29 Jahren überschattet. Offenbar aus Angst vor Protesten legte Ministerpräsident Andrej Babis überraschend bereits in der Nacht einen Strauß an einem Mahnmal auf der Prager Nationalallee nieder, wie in einem Facebook-Video zu sehen ist.

In der Früh warfen Aktivisten die Blumen in einen Mistkübel, wie die Agentur CTK berichtete. Die Polizei stellte das Gebinde sicher und ermittelt wegen Sachbeschädigung. Die brutale Niederschlagung einer friedlichen Studentendemonstration in Prag hatte am 17. November 1989 die demokratische Wende in der damaligen Tschechoslowakei ausgelöst.

Der Multimilliardär Babis steht wegen einer wiederaufgeflammten Debatte über eine Korruptionsaffäre unter Druck. Dabei geht es um Subventionen für das Wellness-Resort „Storchennest“ in Mittelböhmen. Zuletzt erklärte der Gründer der liberal-populistischen Partei ANO, er werde „niemals“ zurücktreten. Mehrere Organisationen haben für den Nachmittag und Abend zu Demonstrationen, unter anderem „gegen Hass und Lügen“, aufgerufen.

Kramp-Karrenbauer will Flüchtlingsjahr 2015 aufarbeiten

Im Zuge ihrer Neuaufstellung an der Spitze debattiert die deutsche CDU über ihr Verhältnis zur Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel. Eine Aufarbeitung der massenhaften Aufnahme von Flüchtlingen im Herbst 2015 sei existenziell „wichtig“ für die Union, sagte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. CDU-Vorstandsmitglied Peter Altmaier vermisst ebenfalls eine Diskussion der Partei über die Flüchtlingspolitik.

Die Beschäftigung mit den Geschehnissen vom Herbst 2015 werde der CDU „guttun“, sagte Kramp-Karrenbauer, die sich als Nachfolgerin Merkels als CDU-Parteivorsitzende bewirbt, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das habe „nichts mit einem Schlussstrich zu tun“, sondern trage vielmehr der Tatsache Rechnung, dass die Debatte über die Flüchtlingspolitik andauere.

„Was passiert, wenn man Grundkonflikte nicht wirklich miteinander ausspricht, kann man bei der SPD beobachten bei der Frage, ob Hartz IV gut oder schlecht war“, warnte Kramp-Karrenbauer. Sie halte es für notwendig, aus 2015 zu lernen. „Das ist wichtig auch für unser Europawahlprogramm 2019.“

Für Abschaffung des Doppelpasses

Kramp-Karrenbauer erklärte, die Regelungen für die doppelte Staatsbürgerschaft kippen zu wollen, falls sie am 7. Dezember beim CDU-Parteitag zur neuen Vorsitzenden gewählt wird. „Das Konzept Doppelpass kann nur funktionieren, wenn es nicht dazu dient, Integration zu verhindern“, sagte sie dem „Spiegel“.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan schüre Loyalitätskonflikte der hier lebenden Deutschtürken, um seine Politik im eigenen Land durchzusetzen. „Wenn das so läuft, dann hat der Doppelpass seinen Sinn und Zweck verfehlt, und dann müssen wir auch darüber reden, wie wir dieses System beenden“, forderte Kramp-Karrenbauer. Sie sprach sich für ein Modell eines Generationenschnitts aus, nach dem zwar die Kinder von Einwanderern den Doppelpass erhielten, die Enkel jedoch nicht mehr.

Ein CDU-Parteitag hatte im Jahr 2016 beschlossen, den Doppelpass abzuschaffen. Allerdings hatte Merkel erklärt, dass sie sich an den Beschluss nicht gebunden fühle.

„Brexit“: Neue Minister bringen May Verschnaufpause

Die britische Premierministerin Theresa May hat sich mit der Ernennung zweier neuer Minister eine kleine Verschnaufpause im „Brexit“-Streit verschafft. Während der wenig bekannte Stephen Barclay „Brexit“-Minister wird, kehrt mit Ex-Innenministerin Amber Rudd eine enge Vertraute Mays zurück. Ein Misstrauensvotum droht May dennoch. Zudem sollen einige Minister mit Rücktritt drohen, sollte May beim Abkommen mit der EU nicht nachverhandeln.

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Flüchtlinge sterben bei Bootsunglück vor Sardinien

Mehrere Flüchtlinge sind bei einem Bootsunglück vor der italienischen Insel Sardinien gestorben. Zwei Leichen seien geborgen worden, teilte die Küstenwache heute mit. Nach Angaben von Überlebenden seien zehn der 13 Menschen über Bord gesprungen, weil das Boot einen Motorschaden gehabt habe.

Sie hätten versucht, einen Kilometer vor der vorgelagerten Isola del Toro an die Küste zu schwimmen. Die drei Menschen, die im Boot geblieben seien, seien gerettet worden, nach den restlichen werde weiter gesucht. Die ersten Meldungen zu dem Boot waren nach Angaben der Küstenwache bereits am Donnerstag eingegangen.

Zuletzt gab es immer wieder Berichte von kleinen Booten mit Menschen, die von Algerien aus versuchen, Sardinien zu erreichen. Über die zentrale Mittelmeer-Route von Libyen in Richtung Sizilien gelangen wegen einer Hafenblockade der Regierung in Rom derzeit immer weniger Menschen nach Italien.

Wirtschaft

US-Regierung macht Weg für Verkauf von Laborfleisch frei

Die US-Regierung macht den Weg für den Verkauf von Laborfleisch frei: Das Landwirtschaftsministerium und Lebensmittelbehörde FDA stellten gestern (Ortszeit) Eckpunkte für künftige Regeln im Umgang mit durch Zellkulturen erzeugtem Fleisch vor. Die FDA soll Herkunft und Vervielfältigung der tierischen Stammzellen kontrollieren, aus denen das Fleisch im Labor gezüchtet wird. Das Ministerium ist für die Überwachung der Produktion und des Vertriebs zuständig.

Laborfleisch in einer Petrischale
Reuters/David Parry

Bei den Eckpunkten seien die Erfahrungen aus den bisherigen Aufgabengebieten der beiden Institutionen zusammengeführt worden, hieß es. Zwar gab es in den Vereinigten Staaten bisher kein Laborfleisch zu kaufen. Allerdings arbeiten mehrere Unternehmen daran, die Produktionskosten zu senken und das aus Zellkulturen erzeugte Fleisch bald auf den Markt zu bringen.

Anders als in Europa ist in den USA die Fleischerzeugung im Labor weitgehend unstrittig. Hersteller verweisen auf das Tierwohl und die Vermeidung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen, die bei der Aufzucht von Nutztieren in großem Umfang anfallen. Landwirte ziehen jedoch in Zweifel, dass bei den Laborzüchtungen noch von „Fleisch“ gesprochen werden kann.

Palmölprotest: Greenpeace-Aktivisten auf Frachter festgesetzt

Sechs Greenpeace- Aktivisten und Aktivistinnen werden derzeit auf einem Frachter im Golf von Cadiz bei Spanien festgehalten, der Palmöl von dem Konzern Wilmar International transportiert. Die Umweltschützer hatten das Transportschiff „Stolt Tenacity" zuvor in einer Protestaktion besetzt und ein Transparent mit der Aufschrift “Schützt unseren Regenwald“ entrollt.

„Wir sind über Funk in Kontakt mit unseren Aktivistinnen und Aktivisten und haben an den Kapitän appelliert, sie freizulassen, damit sie ihren friedlichen Protest fortsetzen können“, sagte Lukas Meus von Greenpeace Österreich. „Mit dieser Aktion bietet Greenpeace dem Palmölgiganten Wilmar die Stirn. Denn der Konzern ist mitverantwortlich dafür, dass der Lebensraum von Tieren wie Orang-Utans oder Sumatra-Tigern zerstört wird.“

70.000 Hektar binnen Kurzem zerstört

Wilmar International ist der weltweit größte Palmölhändler und beliefert international bekannte Marken wie den Konzern Mondelez, der vor allem für Süßigkeiten bekannt ist. Ein kürzlich veröffentlichter Greenpeace-Report zeigt, dass die Palmöl-Zulieferer von Mondelez innerhalb von zwei Jahren 70.000 Hektar des südostasiatischen Regenwalds zerstört haben. Das entspricht fast der doppelten Fläche Wiens. Zudem wies Greenpeace in einigen der Gebiete Ausbeutung der Angestellten, Kinderarbeit und Landraub nach.

USA und China auf Konfrontation bei Asien-Pazifik-Gipfel

Im Handelsstreit zwischen China und den USA haben sich beide Seiten mit neuen gegenseitigen Vorwürfen überzogen. Beim Asien-Pazifik-Gipfel in Papua-Neuguinea hielt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den Vereinigten Staaten heute (Ortszeit) vor, die gesamte Weltwirtschaft zu gefährden. Der Aufbau von neuen Handelsschranken sei zum Scheitern verurteilt.

Chinas Präsident Xi Jinping
Reuters/Fazry Ismail

Im Gegenzug warf US-Vizepräsident Mike Pence der Volksrepublik „unfaire Praktiken“ vor. China versuche auch, mit aggressiven Krediten wirtschaftlich schwächere Länder in die Abhängigkeit zu treiben. Bei dem Treffen in Papua-Neuguineas Hauptstadt Port Moresby sind alle 21 Mitgliedsländer der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) dabei. US-Präsident Donald Trump verzichtete – ebenso wie Russlands Staatschef Wladimir Putin – darauf, selbst dabei zu sein.

Xi: „Nein zu Protektionismus“

Xi hielt den USA gleich zum Auftakt in einer Rede vor, ein „egoistisches“ Programm zu verfolgen. An die anderen Teilnehmer appellierte er: „Wir sollten Nein sagen zu Protektionismus und Unilateralismus.“ Zugleich warnte er: „Die Geschichte beweist, dass Konfrontation – ob in Form eines Kalten Kriegs, eines echten Kriegs oder eines Handelskriegs – keine Gewinner hervorbringt.“

US-Vizepräsident Mike Pence
Reuters/Fazry Ismail

Pence entgegnete unmittelbar im Anschluss, dass sich sein Land „unfaire Handelspraktiken“ nicht länger gefallen ließe. Washington sei zu Zusammenarbeit auch mit Peking bereit. Aber: „Die USA werden ihren Kurs nicht ändern, solange China seinen Kurs nicht ändert.“ Beide großen Mächte haben in den vergangenen Monaten Strafzölle in Milliardenhöhe gegeneinander verhängt. Ende des Monats treffen sich Xi und Trump beim Gipfel von 20 Industrie- und Schwellenländern in Buenos Aires.

Pence warnt vor Investitionen aus China

In ungewöhnlich deutlicher Form warnte Pence andere Staaten davor, sich auf chinesische Angebote für Infrastrukturprojekte einzulassen. „Nehmt keine Kredite an, die eure Souveränität gefährden können. Schützt eure Interessen. Erhaltet Euch eure Unabhängigkeit. Macht es wie Amerika: immer euer eigenes Land zuerst.“ Mit Blick auf die chinesische Initiative für eine „Neue Seidenstraße“ fügte der US-Vize hinzu: „Wir suchen Zusammenarbeit, keine Kontrolle. Wir bieten keine Einbahnstraße an und auch keine Gürtel, die einschnüren.“ Zudem sei die Arbeit häufig von „schlechter Qualität“.

Zu den APEC-Mitgliedern gehören neben wirtschaftlichen Schwergewichten wie Japan und Kanada auch Länder wie die Philippinen und Malaysia. In den APEC-Ländern rund um den Pazifik lebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Der Gastgeber mit nur acht Millionen Einwohnern ist mit Abstand das ärmste aller APEC-Mitglieder. Das Ziel der 1989 gegründeten APEC ist eigentlich, ein großes Freihandelsabkommen rund um den Pazifik zu schaffen.

Sport

Chronik

Aktivistin bei Spritpreis-Demo in Frankreich getötet

Bei Protesten gegen hohe Kraftstoffpreise in Frankreich ist heute eine Frau getötet worden. Eine Autofahrerin sei angesichts einer Straßenblockade in Panik geraten und habe eine Demonstrantin überfahren, sagte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner bei einer live im Fernsehen übertragenen Videoschaltung mit dem zuständigen Präfekten. Der Unfall ereignete sich in Pont-de-Beauvoisin, nördlich von Grenoble.

Demonstranten mit gelben Westen blockieren den Verkehr auf einer Autobahn
APA/AFP/Francois Lo Presti

Bis heute Mittag seien zudem 47 Menschen verletzt worden, drei von ihnen schwer, hieß es von offiziellen Stellen. 24 weitere Menschen seien festgenommen worden, 17 befänden sich in Polizeigewahrsam. Insgesamt hätten im Land rund 124.000 Menschen an rund 2.000 Protestaktionen teilgenommen, sagte Innenminister Castaner laut der Nachrichtenagentur AFP.

Die Protestbewegung richtet sich gegen das Vorhaben der Regierung, die Steuern für Autofahrer im kommenden Jahr weiter zu erhöhen. Geplant ist unter anderem eine Anhebung der Abgaben auf Diesel und Benzin. Ein Liter Superbenzin kostet derzeit in Frankreich rund zwei Euro.

Neunjähriger zerkratzt 50 Autos: 50.000 Euro Schaden

Ein neun Jahre alter Bub soll in Oberhausen im deutschen Ruhrgebiet insgesamt 50 Autos zerkratzt und damit einen Schaden von rund 50.000 Euro verursacht haben. Das Kind sei mindestens zweimal an Nachmittagen auf dem Nachhauseweg durch die Straßen der Nachbarschaft gezogen und habe die Wagen mit einem spitzen Gegenstand beschädigt, teilte die Polizei heute mit.

Während der Bub beim ersten Mal rund 20 geparkte Autos zerkratzte, waren es beim zweiten Lauf gestern in denselben Straßen weitere 30 Wagen. Zeugen erkannten den Neunjährigen schließlich wieder und alarmierten die Polizei.

Mindestens acht Tote bei Winterstürmen in den USA

Bei Winterstürmen sind im Osten und Süden der USA laut Medienberichten bisher mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Zehntausende wurden von der Stromversorgung abgeschnitten, wie der Sender CNN heute berichtete. Während im äußersten Westen der USA weiter Dürre und Waldbrände den Katastrophenschutz in Atem hielten, fielen im Osten gestern bis zu 30 Zentimeter Schnee.

Gefrierender Regen machte Straßen zu gefährlichen Rutschbahnen. Tote gab es bei Verkehrsunfällen in den Staaten Ohio, Mississippi, Indiana und Arkansas. In New York steckten Autofahrer am Donnerstag nach Unfällen im Schnee stundenlang auf der George-Washington-Brücke fest, die über den Hudson River von New York nach New Jersey führt. Mehr als 8.200 Flüge hatten laut CNN landesweit Verspätung, über 1.900 wurden gestrichen. Heute sollte der Schneefall im Nordosten der USA nachlassen, eine neue Kaltfront wurde aber morgen in den Neuengland-Staaten erwartet.

Fußgänger während dichtem Schneefall in New York
APA/AFP/Angela Weiss

Die „New York Times“ berichtete über großen Unmut der Bürger wegen des Krisenmanagements der New Yorker Behörden. Im Central Park in New York wurden dem Bericht zufolge mit 6,4 Zoll (rund 16,25 Zentimeter) der höchste Schneefall an einem einzigen November-Tag in 136 Jahren gemessen. Hätte die Stadt gewusst, wie schlimm der Wintersturm würde, hätten die Behörden die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben, sagte Bürgermeister Bill de Blasio.

Toter bei Zimmerbrand in Wien

Ein schwerer Zimmerbrand hat heute Vormittag in Wien-Währing für einen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. In der Wohnung in der Gentzgasse fanden die Einsatzkräfte einen toten Mann. Die Ursache des tödlichen Schwelbrands steht noch nicht fest.

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In Bischofshofen (Salzburg) mussten gestern Abend mehr als 60 Feuerwehrleute zu einem Dachstuhlbrand mitten im Ortszentrum ausrücken. Auf der Dachterrasse eines Mehrparteienhauses hatte es zu brennen begonnen – verletzt wurde niemand.

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