Inland

Die FPÖ setzt zum Auftakt der abschließenden Wahlkampfwoche wieder auf das Ausländerthema. Spitzenkandidat Norbert Hofer drängt darauf, bei anerkannten Asylwerberinnen und Asylwerbern zu prüfen, ob noch immer ein Asylgrund besteht oder ob diese heimkehren können.

Als vorrangiges Ziel einer künftigen Bundesregierung sieht der FPÖ-Obmann die „Nullzuwanderung in das Sozialsystem“. Hofer ortet „dramatische Migrationsströme“ von der Türkei nach Griechenland. Daher müsse man schon jetzt klare Signale setzen, „einerseits mit einem effizienten Grenzschutz, andererseits mit einem deutlichen Zeichen, dass es für Sozialmigranten keinen Platz in Österreich gibt und sie hier nicht bleiben können“, so der FPÖ-Chef in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Wenn die FPÖ nicht in der Regierung sei, drohe sich das Szenario der großen Flüchtlingsbewegung von 2015 schon in kurzer Zeit zu wiederholen.

Nach Berichten über eine engere Verbindung von Reinhard Teufel, dem ehemaligen Kabinettschef von Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), zu den rechtsextremen Identitären ist ein Schlagabtausch zwischen ÖVP und FPÖ entbrannt. ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer forderte von FPÖ-Obmann Norbert Hofer Taten. Sein freiheitliches Pendant Christian Hafenecker empfahl der Volkspartei, vor der eigenen Tür zu kehren.

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Kickl verteidigte Teufel

Hofer konnte gestern Abend nichts Verwerfliches an den häufigeren Kontakten Teufels zu den rechtsextremen Identitären erkennnen. Er bekannte allerdings, die Identitären nicht zu unterstützen. Kickl sprach in der ORF-Debatte „im Zentrum“ in der Causa Teufel von „Rufmord an einer untadeligen Person“, „von dreckigen Methoden des Anpatzens“ und einer „Sudelkampagne“.

Er verwies darauf, dass Teufel selbst einen persönlichen Kontakt und dann die „eine oder andere SMS“ eingeräumt habe. Der Vorwurf eines intensiven Kontakts sei aber „falsch“. Kickl forderte Innenminister Wolfgang Peschorn auf, die SMS vorzulegen, dann werde man sehen, dass es einen solchen nicht gegeben habe.

BVT „dicht wie ein Nudelsieb“

Kickl kritisierte, dass ein BVT-Zwischenbericht, in dem diese Vorwürfe erhoben werden, an die Medien gelangt sei. Daraus könne man das Problem des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sehen, das „so dicht wie ein Nudelsieb“ sei.

Das von der ÖVP geforderte Verbot der rechtsextremen Identitären lehnte Kickl neuerlich als „Grundrechtseingriff“ ab. Zur Einschätzung der Identitären als Rechtsextreme hielt er fest, dass hier laut Verfassungsschutzbericht keine nachgewiesene Gewaltbereitschaft vorliege.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz will seine Partei nicht vorzeitig in die Siegerrolle für die Nationalratswahl drängen lassen. „Ich glaube, dass es deutlich enger werden wird“, sagte er gestern in der ORF-„Pressestunde“ zu Umfragen, die die Volkspartei mehr als zehn Prozent vor den Verfolgern sehen. Seine Sorge sei, dass es eine Mehrheit an der ÖVP vorbei gebe.

Die Wahlkampfgrenze von sieben Millionen Euro wird die ÖVP laut Kurz einhalten. Seine Partei soll innerhalb von fünf Jahren schuldenfrei sein. In der Koalitionsfrage legte sich Kurz nicht fest. Es gebe niemanden in der ÖVP in einer Verantwortungsposition, der dafür sei, die FPÖ per se auszuschließen, sagte Kurz, auch wenn er skandalträchtige Aussagen und Kontakte von Freiheitlichen mit den rechtsextremen Identitären „grauslig“ finde.

Eine Minderheitsregierung schloss Kurz nicht aus, betonte aber, dass das nicht seine Lieblingsvariante wäre. Diese wäre viel mehr eine stabile Koalition mit guter Arbeit für Österreich.

ÖVP-Obmann Sebastian Kurz in der „Pressestunde“

ÖVP-Chef Kurz will seine Partei trotz guter Umfragewerte bei der NR-Wahl nicht vorzeitig in der Siegerrolle sehen. Auf mögliche Koalitionsvarianten wollte sich Kurz nicht festlegen.

Keine „Was-wäre-wenn-Spiele“ über Klubobleute

Neuerlich wies er daraufhin, dass noch nicht klar sei, ob sich in der FPÖ das Lager um Parteichef Norbert Hofer oder jenes um Ex-Innenminister Herbert Kickl durchsetzen werde. Ersterer habe in der Koalition immer Gemeinsames über Trennendes gestellt, bei Kickl sei genau das Gegenteil der Fall gewesen.

Nicht äußern wollte sich Kurz dazu, ob er Kickl in einer Koalition als freiheitlichen Fraktionschef akzeptieren würde. Er mache keine „Was-wäre-wenn-Spiele über Klubobmänner anderer Parteien“. Lediglich bei seiner Partei wisse er, dass August Wöginger seinen Posten als Klubchef behalten werde.

Dass dieser wegen einer Aussage bei einer Wahlveranstaltung, wonach es nicht gehe, dass die Kinder nach Wien gingen und dann nicht mehr die ÖVP, sondern die Grünen oder NEOS wählten, in die Kritik geraten war, focht Kurz nicht sonderlich an: „Lassen Sie ihn doch den Witz machen.“ Der Wahlkampf sei ohnehin geprägt von totalem Wahnsinn und permanentem Hickhack, da störe ihn eine humorvolle Äußerung nicht.

Kurz neuerlich gegen CO2-Steuer

Was das Hickhack angeht, zeigte sich der ÖVP-Chef verärgert darüber, dass SPÖ-Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner noch immer behauptet, er habe seinen Pressesprecher angewiesen, die Presse über eine fiebrige Erkrankung von FPÖ-Obmann Hofer vor TV-Duellen zu informieren: „Was hätte ich davon gehabt?“, frage Kurz in die Runde und betonte auch, dass mittlerweile erwiesen sei, dass die Aussage Rendi-Wagners nicht stimme. Als „lächerlich“ bezeichnete Kurz Kritik, wonach er sich nicht entscheiden könne, ob er Wiener oder Niederösterreicher sei: „Ich fühle mich an beiden Orten zu Hause.“

Einer CO2-Steuer erteile Kurz erneut eine Absage, er will weiter auf eine Wasserstoffoffensive als Teil eines Maßnahmen-Mix setzen. Ausgeschlossen wurde vom früheren Regierungschef, dass Österreich wie befürchtet hohe Bußen wegen Verfehlung der Klimaziele wird leisten müssen: „Die Strafen werden definitiv nicht fällig werden.“

In Sachen Bundesheer sicherte Kurz zu, dass das Budget vor allem für Geräteanschaffung und Stärkung der Miliz steigen werde, das Ziel von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde aber nicht sofort zu erreichen sein und eine Verlängerung des Präsenzdiensts lehnte er ebenfalls ab. In der Zuwanderungspolitik sprach sich der ÖVP-Chef dafür aus, die kulturelle Identität, die Österreich ausmache, hochzuhalten und auch wehrhaft gegen negative Einflüsse aufzutreten.

Trotz des deutlichen und stabilen Rückstands der SPÖ in den Umfragen hat Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner gestern in der ORF-„Pressestunde“ betont, bei der Wahl am kommenden Sonntag Platz eins erzielen zu wollen. Eine Koalition mit der FPÖ schloss sie neuerlich aus. Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) warf sie ein unehrliches „Spiel mit der Wahrheit“ vor.

Rendi-Wagner zeigte sich bemüht, trotz der schwachen Umfragewerte Optimismus für das Wahlkampffinale zu verbreiten. „Die einzige Umfrage, die mich interessiert, ist die am Wahltag“, verwies sie auf zahlreiche noch unentschlossene Wählerinnen und Wähler. Kein Spitzensportler fahre los, ohne gewinnen zu wollen: „Alle fahren mit dem Ziel Platz eins, und das ist mein Ziel.“

SPÖ-Chefin schließt Rot-Blau aus

Parteichefin will Rendi-Wagner auch bleiben, wenn die SPÖ die Wahl nicht gewinnt. Ihr Ziel sei, die offenbar bereits paktierte Neuauflage der ÖVP-FPÖ-„Ibiza-Koalition“ zu verhindern, betonte sie. Wobei die SPÖ-Chefin eine rot-blaue Koalition ausschloss. Nicht ausschließen wollte sie auf Nachfrage, auch als Zweitplatzierte Kanzlerin zu werden. Sollten die Gespräche in diese Richtung gehen, könne das „eine von vielen Optionen“ sein.

SPÖ-Vorsitzende Rendi-Wagner in der „Pressestunde“

In der ORF-„Pressestunde“ bekräftigte SPÖ-Chefin Rendi-Wagner, ihre Partei trotz des derzeitigen Umfragrückstands bei der Wahl auf Platz eins führen zu wollen.

ÖVP-Chef Kurz warf die SPÖ-Vorsitzende ein unehrliches „Spiel mit der Wahrheit“ vor. Sie bekräftigte hier den Vorwurf, Kurz habe vor einer TV-Konfrontation seinen Sprecher angewiesen, Medien über die Erkrankung von FPÖ-Chef Norbert Hofer zu informieren: „Das war vor meinen Augen.“ Auch dass Kurz mal angibt, aus Wien zu stammen, mal aus dem Waldviertel, führte sie gegen ihn ins Treffen. Und in Sachfragen wie der Abschaffung der Maklerprovision hält Rendi-Wagner die ÖVP ebenfalls für unverlässlich.

„Es ist ein professionelles Verhältnis, innig ist es zur Zeit nicht“, beschrieb Rendi-Wagner ihre Beziehung zu Kurz. Einer Koalition mit der ÖVP stehe das aber nicht im Wege, denn da brauche es eine „professionelle Herangehensweise“: „Da haben persönliche Befindlichkeiten gar nichts zu suchen.“

Krankenkassenfusion nicht rückabwickeln

Inhaltlich forderte Rendi-Wagner eine rasche Steuersenkung, einen steuerfreien Mindestlohn von 1.700 Euro und Verbesserungen bei der Arbeitszeitflexibilisierung, etwa einen erleichterten Anspruch auf die sechste Urlaubswoche.

Die Fusion der Gebietskrankenkassen würde die SPÖ-Chefin nicht rückabwickeln, denn: „Das 1:1 rückzuführen ist in dieser Form nicht möglich.“ Aber man müsse „an mehreren Schrauben drehen“ – etwa die Leistungen harmonisieren und im Sinne der Selbstverwaltung den Einfluss der Arbeitnehmervertreter stärken. Einzelne Koalitionsbedingungen wollte sie aber nicht formulieren.

Verteidigt hat Rendi-Wagner die Nationalratsbeschlüsse im „freien Spiel der Kräfte“, trotz der damit verursachten Mehrkosten. Sowohl die stärkere Erhöhung geringer Pensionen als auch die Wiedereinführung der „Hackler-Regelung“ seien eine Frage der Gerechtigkeit. Nicht unterstützt wird von ihr die Forderung des früheren SPÖ-Bundesgeschäftsführers Max Lercher nach dem kommunalen Wahlrecht für Ausländer. Das sei verfassungsrechtlich nicht möglich, so die Parteichefin.

Wahlstimmen

Ob Peter Pilz und seine Partei JETZT den Wiedereinzug in den Nationalrat schaffen, weiß auch der Parteigründer nicht. Überzeugter gibt sich der Spitzenkandidat auf der ORF.at-„Wahlstimmen“-Couch da bei seinen politischen Forderungen, bei denen sich viel um Investitionen dreht – und um ein Dreieck, in dem auch das Wiener Schnitzel eine Rolle spielt.

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Ausland

Nach den Protesten gegen Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi haben die Behörden die bekannte Menschenrechtsanwältin Mahinur al-Masri festgenommen. Masri habe bei den Protesten festgenommene Demonstranten verteidigen wollen, teilten ihre Anwälte gestern Abend mit.

Die Menschenrechtsanwältin Mahinur al-Masri
AP/CTK/Michal Krumphanzl

Proteste in mehreren Städten

Als sie nach den Anhörungen am Sitz der für die Staatssicherheit zuständigen Staatsanwaltschaft das Gebäude verlassen habe, sei sie festgenommen worden. Bei für Ägypten seltenen Protestaktionen hatten zuvor Hunderte Menschen in mehreren Städten den Rücktritt von Sisi gefordert.

Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die teils Tränengas gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten einsetzte. Mehr als 350 Menschen wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen festgenommen.

„Sisi, hau ab“ auf Tahrir-Platz

Unter anderem hatten sich in Kairo Dutzende Demonstranten auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz versammelt – 2011 Schauplatz wochenlanger Massenproteste, die den Langzeitherrscher Hosni Mubarak aus dem Amt vertrieben. Videoaufnahmen von den Freitagskundgebungen zeigten, wie Demonstranten „Sisi, hau ab“ riefen.

Die Menschenrechtsanwältin Masri saß unter Mubarak mehrmals im Gefängnis. Sie war eine der Anführerinnen des Aufstandes gegen ihn. Aber auch nach dem Sturz des langjährigen Machthabers wurde sie wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte bereits zweimal zu Haftstrafen verurteilt.

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava haben gestern Zehntausende Demonstrantinnen und Demonstranten gegen das Recht auf Abtreibung protestiert. Der von der katholischen Kirche initiierte Protest richtete sich gegen ein seit Jahrzehnten geltendes Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche erlaubt.

Demonstranten in Bratislawa
APA/AFP/Vladimir Simicek

Der slowakischen Bischofskonferenz zufolge beteiligten sich rund 50.000 Menschen an dem „Nationalen Marsch des Lebens“. „Der Mensch hat sich das Leben nicht selbst gegeben, es ist ein Geschenk an ihn“, sagte der Erzbischof von Bratislava, Stanislav Zvolensky, vor der Menge im Stadtzentrum.

Rund 66 Prozent der 5,4 Millionen Slowakinnen und Slowakinnen sind katholischen Glaubens. Einer Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Focus von Anfang September zufolge wünschen sich jedoch nur 11,6 Prozent der Slowaken strengere Abtreibungsgesetze.

Die Regierungskoalition aus der sozialdemokratischen Smer-Partei und der nationalistischen SNS hat zuletzt Pläne zur Verschärfung der Abtreibungsgesetze ausgesetzt. In der Slowakei findet im kommenden Februar eine Parlamentswahl statt.

Im internen Rennen der US-Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur hat die Senatorin von Massachusetts, Elizabeth Warren, erstmals in einem Bundesstaat in Umfragen den Favoriten Joe Biden überholt. Im wichtigen Bundesstaat Iowa erreichte Warren einer Umfrage von „Des Moines Register“ und CNN zufolge 22 Prozent Zustimmung; Biden kam auf 20 Prozent.

Der landesweit drittplatzierte demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders erhielt elf Prozent Zustimmung. Landesweit bleibt Biden der führende Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten. Die neue Umfrage deutet jedoch auf ein knapper werdendes Rennen zwischen Biden und Warren hin.

Warren konnte zudem ihren Vorsprung gegenüber Sanders ausbauen. Alle übrigen Kandidaten, die sich noch in der demokratischen Bewerberrunde befinden, erhielten in der Umfrage in Iowa einstellige Zustimmungswerte. Iowa gilt als besonders wichtiger Bundesstaat für die Präsidentschaftsanwärter, weil die dortigen Wähler bei den Vorwahlen als Erste abstimmen dürfen.

Die verbliebenen 182 Geflüchteten an Bord des Rettungsschiffs „Ocean Viking“ dürfen im sizilianischen Messina an Land gehen. Der sichere Hafen sei dem Schiff vom italienischen Innenministerium zugeteilt worden, hieß es nach Medienangaben in Rom gestern Abend.

Zuvor hatte Italiens Ex-Premier Matteo Renzi dafür plädiert, die Menschen an Land zu lassen. Es sei menschenunwürdig, die Flüchtlinge tagelang an Bord eines Schiffes zu halten, so Renzi.

35 in maltesischen Gewässern gerettete Menschen, die von der „Ocean Viking“ an Bord genommen worden waren, waren am Freitag nach Malta gebracht worden. Für die anderen 182 hatten die Betreiber des Schiffes – SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen – einen Hafen gesucht.

EU

Der britische Premierminister Boris Johnson erwartet keinen Durchbruch in den Brexit-Verhandlungen am Rande der UNO-Generalversammlung in New York. Es gebe weiterhin Differenzen und Schwierigkeiten bei den Gesprächen mit der EU, sagte Johnson vor der Presse auf dem Flug in die US-Metropole.

In New York wird er sich zu Beratungen unter anderen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar und EU-Ratspräsident Donald Tusk treffen.

Johnson will Vertragsänderungen

Johnson drängt auf Änderungen an dem Brexit-Abkommen, das seine Amtsvorgängerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hatte. Die Union dagegen pocht auf den vereinbarten Vertrag. Johnson bekräftigte, auf dem EU-Gipfel am 17. und 18. Oktober einen nachgebesserten Deal erreichen zu wollen. Eine Reihe wichtiger Staaten strebe eine Vereinbarung an, sagte er. Neben Großbritannien seien das auch Frankreich, Deutschland und Irland.

Hauptstreitpunkt ist die im Brexit-Vertrag festgehaltene Notfallregelung zur Gestaltung des Grenzverkehrs zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland. Johnson will eine Streichung des „Backstop“, der die Einführung strenger Grenzkontrollen verhindern soll. Vergangene Woche legte die britische Regierung dazu Vorschläge in Brüssel vor. Diese bieten aus Sicht der EU-Kommission aber keine befriedigende juristische Lösung.

Die Innenminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und Malta beraten heute über eine Übergangslösung für aus Seenot gerettete Geflüchtete. Bei dem Treffen in der maltesischen Stadt Vittoriosa soll eine Grundsatzeinigung dafür gefunden werden, wie Bootsmigranten aus dem zentralen Mittelmeer künftig auf andere EU-Staaten verteilt werden.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte jüngst angekündigt, Deutschland könne bei einer Übergangslösung ein Viertel der vor Italien Geretteten aufnehmen.

Bisher sitzen gerettete Geflüchtete teils wochenlang an Bord ziviler Rettungsschiffe fest, weil die Regierungen in Rom und Valletta den Hilfsorganisationen die Einfahrt in ihre Häfen verbieten. Sie fordern, dass andere EU-Staaten vorher zusagen, ihnen die Geflüchteten abzunehmen. Dann erst sind sie bereit, ihre Häfen zu öffnen. Zuletzt musste in jedem Einzelfall geklärt werden, welches Land sich zur Aufnahme der Menschen bereiterklärt.

An dem Treffen auf Malta wollen auch EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos und die finnische Innenministerin Maria Ohisalo teilnehmen. Finnland hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten inne. Sollte es zu einer Einigung kommen, sollen beim Treffen der EU-Innenminister Anfang Oktober weitere Länder davon überzeugt werden mitzumachen.

Malta kritisiert mangelnde Solidarität

Der maltesische Außenminister Michael Farrugia beklagte mangelnde Solidarität unter den EU-Mitgliedsstaaten in Sachen Migration. Trotz Faruggias skeptischer Aussagen könnte bei dem Treffen auf Malta nach Jahren des Streits erstmals wieder eine Verständigung in der Einwanderungsfrage erzielt werden. Den Weg dafür dürfte der selbst verschuldete Abschied der rechtspopulistischen Lega aus der italienischen Regierung frei gemacht haben.

Die EU-Kommission will offenbar eine Neuauflage der zuletzt mit Erbitterung geführten Diskussion über Upload-Filter verhindern. Für 15. Oktober ist der erste „Stakeholder-Dialog“ in Brüssel angesetzt, neben Rechteverwertern und Internetfirmen sind diesmal auch Daten- und Konsumentenschützer eingeladen.

In Deutschland ist das Karussell bereits auf Touren, Anfang September hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) das deutsche Leistungsschutzrecht wegen eines Formfehlers annulliert. Fast gleichzeitig ging eine große öffentliche Konsultation zur Umsetzung der Coypright-Richtlinie in Deutschland zu Ende. Wie aus den Eingaben hervorgeht, kann vom behaupteten Gleichklang der Interessen von Urhebern und Verlegern keine Rede sein.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

Chronik

Gestern Abend sind auf der Tiroler Straße und auf der Inntalautobahn (A12) in Tirol zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein Mann verbrannte bei Hall im Auto, ein 20-jähriger Motorradfahrer prallte in Rietz frontal in einen Pkw.

Mehr dazu in tirol.ORF.at

Vier Tote bei Unfall im Burgenland

Ein Unfall auf der Burgenland-Schnellstraße (S31) forderte im Burgenland zuvor vier Menschenleben. Laut Meldungen der Polizei und der Landessicherheitszentrale stießen zwei Autos frontal zusammen.

Mehr dazu in burgenland.ORF.at

Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt einem Medienbericht zufolge wegen Foltervorwürfen gegen 15 Gefängniswärter.

Die Beamten eines Gefängnisses im norditalienischen San Gimignano sollen einem Bericht der Zeitung „La Repubblica“ (Sonntag-Ausgabe) zufolge einen tunesische Gefängnisinsassen misshandelt haben. Die Staatsanwaltschaft in Siena wirft den Beamten vor, den Gefangenen im vergangenen Jahr geschlagen und erniedrigt zu haben.

Vier der Wärter sollen bereits vergangene Woche vom Dienst freigestellt worden sein. Dem Medienbericht zufolge stützt sich die Staatsanwaltschaft auf Aufnahmen von Überwachungskameras und auf Zeugenaussagen anderer Gefängnisinsassen.

Kurz vor dem Eintreffen von US-Präsident Donald Trump in New York hat die Polizei Ermittlungen zu Einbrüchen im luxuriösen Trump Tower aufgenommen. Aus zwei Wohnungen seien Schmuckstücke im Gesamtwert von 353.000 Dollar (rund 330.000 Euro) gestohlen worden, berichtete gestern unter anderem die „New York Times“ („NYT“).

Die beiden bestohlenen Frauen gaben an, die mit Edelsteinen besetzten Ringe, Armbänder, Ohrringe und Halsketten seien während ihrer jeweiligen Urlaube vor kurzer Zeit abhandengekommen.

Die Ermittlungen der Polizei wurden durch den bevorstehenden Aufenthalt Trumps in seinem Penthouse erschwert, da das Gebiet in Manhattan aus Sicherheitsgründen weiträumig abgeriegelt wurde. Trump wurde noch gestern Abend (Ortszeit) in New York erwartet. Er will an der UNO-Vollversammlung teilnehmen.

Wirtschaft

Heute startet die Herbstlohnrunde mit den Metallern. Zuerst kommt es zur traditionellen Forderungsübergabe durch die Gewerkschafter an die Arbeitgebervertreter in der Wirtschaftskammer. Danach gibt es auch gleich die erste Verhandlungsrunde. Der Abschluss im Metaller-KV gilt als richtungsweisend für die Verhandlungen in anderen Branchen.

Im Vorfeld hatte die Gewerkschaft eine „Erntezeit für Beschäftigte“ ausgerufen, weil es in der Metallbranche in den vergangenen Jahren gutging. Die Arbeitgeber sehen hingegen wenig Spielraum aufgrund der Konjunkturabkühlung: „Die Party ist vorbei“, hatte es von dort geheißen. Alleine in der Metalltechnische Industrie arbeiten rund 126.500 Menschen.

Religion

Erneut ist Papst Franziskus auf einem Graffito zu sehen. Diesmal wird er auf einem Wandbild in Albano Laziale nahe Rom als „Fensterputzer“ dargestellt, der den Smog einer nahen Fabrik vom Himmel wischt. Das Graffito auf dem Bischofshaus von Albano ist ein Werk des Künstlers Mauro Pallotta („Maupal“) und versinnbildlicht den Einsatz des Papstes für den Umweltschutz.

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Sport

Science

Rund 40 Prozent aller Ehen werden in Österreich geschieden. Während die Gesamtrate sinkt, steigt sie bei über 50-Jährigen seit Jahren. Das schadet den Finanzen und der Gesundheit – kann aber vor allem für Frauen auch sehr befreiend sein.

„Diese Frauen sind oft in Pension, haben keine ehelichen Verpflichtungen sowie beruflichen Aufgaben mehr und genießen einfach das Leben“, fasst es die Soziologin Susan Brown von der Bowling Green State University im US-Bundesstaat Ohio im Gespräch mit ORF.at zusammen.

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Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist tot. Der DDR-Kosmonaut starb am Samstag im Alter von 82 Jahren, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gestern Abend mitteilte.

„Mit Sigmund Jähn verliert die deutsche Raumfahrt einen weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur“, sagte die Vorstandsvorsitzende des DLR, Pascale Ehrenfreund, laut Mitteilung.

Der ehemalige DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn
APA/dpa/Zentralbild

Jähn war mit der Rakete „Sojus 31“ am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus gestartet. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (1934–2019) war er sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All.

Der Kosmonaut war in der DDR ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt. Erst 1983 flog Ulf Merbold aus dem Westen als zweiter Deutscher ins All.

Gesundheit

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wirft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, den Ebola-Impfstoff in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) zu rationieren. Rund 225.000 Menschen seien seit Anfang August 2018 geimpft worden, doch diese Zahl sei „in hohem Maße unzureichend“, teilte die Organisation heute mit. Die WHO wies die Vorwürfe zurück.

Die Gründe für die Einschränkungen seien unklar, hieß es in der Mitteilung von MSF weiter. Der Impfstoff des deutschen Pharmakonzerns Merck habe „seine Sicherheit und Wirksamkeit unter Beweis gestellt“.

Einen Mangel an dem Arzneimittel schloss MSF als Grund aus. Merck habe gesagt, dass zusätzlich zu den bereits an die WHO gelieferten 245.000 Impfdosen bei Bedarf 190.000 weitere Dosen verschickt werden könnten. In den nächsten sechs bis 18 Monaten könnten weitere 650.000 Impfdosen geliefert werden, hieß es.

WHO bestreitet Vorwürfe

Bis zu 2.500 Menschen könnten täglich geimpft werden statt wie derzeit bis zu 1.000, sagte Isabelle Defourny von MSF. Die Organisation forderte die Einrichtung eines „unabhängigen internationalen Koordinierungsausschusses“, um Transparenz bei der Verwaltung des Bestands an Impfdosen zu gewährleisten.

Die WHO bestritt, den Zugang zu dem Arzneimittel einzuschränken. Sie tue „alles ihr Mögliche“, um die Epidemie zu beenden, teilte die Organisation mit. Sie arbeite eng mit der Regierung der DR Kongo zusammen, um so viele Gemeinden und Menschen wie möglich in den betroffenen Gebieten zu erreichen.

Der Gesundheitsminister der DR Kongo, Oly Ilunga, war Ende Juli zurückgetreten, nachdem er als Leiter des landesweiten Programms zur Ebola-Bekämpfung abgelöst worden war. Ilunga wird beschuldigt, für den Kampf gegen Ebola vorgesehene Mittel unterschlagen zu haben. Seine Anwälte wiesen die Anschuldigungen zurück.

WHO: Seit 2018 3.145 Ebola-Fälle in DR Kongo

In seinem Rücktrittsschreiben kritisierte Ilunga Pläne der WHO, einen neuen Ebola-Impfstoff einzuführen, der sich noch in der Testphase befindet. „Seit einigen Monaten wird starker Druck ausgeübt, um ein neues Experiment in der Demokratischen Republik Kongo durchzuführen“, schrieb Ilunga.

Die WHO hatte auf die Einführung eines zweiten Impfstoffs gedrängt, der von einer Tochtergesellschaft des US-Konzerns Johnson & Johnson hergestellt wurde. Das Gesundheitsministerium unter Ilunga hatte das abgelehnt. Seit Beginn der Epidemie vor einem Jahr registrierte die Regierung in der DR Kongo der WHO zufolge insgesamt 3.145 Fälle. Mehr als 2.100 Menschen starben an dem Virus.

Kultur

Die große Tutanchamun-Ausstellung in Paris ist gestern mit einem französischen Besucherrekord zu Ende gegangen. 1,42 Mio. Menschen besuchten nach Angaben der Veranstalter die Ausstellung im Kulturzentrum Grande Halle de La Villette.

Damit brach die im März eröffnete Ausstellung „Tutanchamun: Der Schatz des Pharaos“ auch den bisherigen französischen Besucherrekord einer anderen Tutanchamun-Ausstellung aus dem Jahr 1967. Damals wollten 1,24 Mio. Besucherinnen und Besucher die Pharaonenschätze sehen.

Statuen bei der Tutanchamun-Ausstellung in Paris
APA/AFP/Stephane De Sakutin

Ab November in London

Ab November wird die Tutanchamun-Ausstellung in London gezeigt. Zu sehen gibt es darin unter anderem mehr als 150 Schätze aus dem Grab des berühmten ägyptischen Königs Tutanchamun. Fast alle der insgesamt rund 3.400 Exponate stammen aus dem Ägyptischen Museum in Kairo.

Ägypten verleiht sie bis zur Eröffnung des neuen Großen Ägyptischen Museums in der Nähe der Pyramiden von Giseh an verschiedene Städte weltweit. Später sollen die Schätze Ägypten nie wieder verlassen.

Tutanchamun ist einer der berühmtesten Könige der ägyptischen Geschichte. Er soll mit nur neun Jahren Pharao geworden und zehn Jahre später, etwa um das Jahr 1323 vor Christus, gestorben sein. Sein Grabmal im Tal der Könige wurde 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter entdeckt. Anders als viele andere Pharaonengräber war es nicht bereits ausgeplündert, sondern enthielt mehr als 5.000 intakte Objekte, davon viele aus Gold.

Der „Star Trek“-Schauspieler Aron Eisenberg ist tot. Eisenberg sei im Alter von 50 Jahren gestorben, berichteten US-Medien gestern unter Berufung auf seine Ehefrau.

Eisenberg hatte in dem „Star Trek“-Ableger „Star Trek: Deep Space Nine“ den Ferengi Nog gespielt. Erst zuletzt erschien eine Dokumentation über die Serie, in der er mitwirkte. Eisenberg arbeitete nach seiner Schauspielkarriere als Fotograf und hatte eine eigene Galerie.

„Star Trek“-Kollegen bestürzt

Malissa Longo, die Ehefrau von Eisenberg, schrieb auf Twitter: „Er war eine intelligente, bescheidene, lustige und einfühlsame Seele.“ Eisenberg wurde mit nur einer funktionierenden Niere geboren, zweimal musste ihm eine Niere transplantiert werden. Woran Eisenberg starb, ist nicht bekannt.

„Star Trek“-Kollege Armin Shimerman, der in „Deep Space Nine“ seinen Onkel Quark spielte, zeigte sich bestürzt. „Ich habe einen großartigen Freund und die Welt ein großartiges Herz verloren. Er war ein Mann der Überzeugung und des enormen Einfühlungsvermögens“, so Shimerman auf Twitter. Auch Penny Johnson Jerald (Kassidy Yates in „Deep Space Nine“) und weitere Kolleginnen und Kollegen aus dem „Star Trek“-Universum zeigten sich bestürzt.

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