Ausland

Der Favorit für den Posten des britischen Premierministers, Boris Johnson, hält nach eigenen Worten die Chancen für einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU ohne Vereinbarung für äußerst gering.

Es sei zwar wichtig, dass man auf einen „No Deal“-Brexit vorbereitet sei, um am Ende die Ausstiegsvereinbarung zu bekommen, die man wolle, sagte der Ex-Außenminister gestern im parteiinternen Wahlkampf der Torys in London. „Aber ich glaube nicht, dass es am Ende so kommt. Ich glaube, die Chancen stehen eins zu eine Million dagegen.“

Am Dienstag hatte Johnson bekräftigt, den Brexit notfalls auch ohne Vereinbarung mit der EU durchzusetzen. Er wolle das zwar nicht, aber man müsse sich ernsthaft darauf vorbereiten, hatte er der BBC gesagt.

Johnson gilt als Favorit für den Parteichefposten der regierenden Konservativen und damit auch für das Amt des Premierministers. Die 160.000 Parteimitglieder müssen sich bis Ende Juli per Briefwahl zwischen Johnson und Außenminister Jeremy Hunt entscheiden. Die britische Wirtschaft hat ebenso wie Unternehmen und Experten vor einem Brexit ohne Vereinbarungen gewarnt.

Regierungstreue Einheiten haben im Westen Libyens nach eigenen Angaben eine strategisch wichtige Stadt eingenommen. Die Kämpfer des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar seien aus Ghardschan vertrieben worden, sagte ein Armeesprecher gestern. Er sprach von einem „bedeutenden Sieg“. Dutzende Kämpfer der Libyschen Nationalen Armee (LNA) Haftars seien getötet und mindestens 18 weitere gefangen genommen worden.

Ein Sprecher der Haftar-Truppen bestätigte die Kämpfe in der 100 Kilometer südwestlich von Tripolis gelegenen Stadt. Ghardschan befinde sich aber weiterhin unter Kontrolle der LNA.

Erbitterte Kämpfe um Hauptstadt

Haftar hatte Anfang April eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet, wo die international anerkannte Einheitsregierung ihren Sitz hat. Regierungstreue Truppen und Einheiten Haftars liefern einander seither erbitterte Kämpfe um die Kontrolle der Hauptstadt. Nach UNO-Angaben wurden bisher mehr als 650 Menschen getötet und 3.500 weitere verletzt.

In Libyen herrscht seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Einheitsregierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar unterstützt eine Gegenregierung im Osten Libyens.

Die venezolanische Regierung hat nach eigenen Angaben einen Putschversuch vereitelt. Mehrere Offiziere hätten mit Unterstützung der USA, Kolumbiens und Chiles ein Attentat auf Präsident Nicolas Maduro geplant, sagte Kommunikationsminister Jorge Rodriguez gestern.

Der Plan der mutmaßlichen Putschisten sollte demnach am vergangenen Sonntag oder Montag umgesetzt werden. Sechs Verdächtige seien festgenommen worden.

Rodriguez warf dem kolumbianischen Staatschef Ivan Duque, dem chilenischen Präsidenten Sebastian Pinera und dem Nationalen Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, eine Verwicklung in den gescheiterten Umsturzversuch vor.

Machtkampf zwischen Maduro und Guaido

In Venezuela herrscht seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen Maduro und dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaido, der von den USA und mehr als 50 weiteren Staaten anerkannt wird. Ende April war ein Putschversuch von Teilen der Streitkräfte gegen Maduro gescheitert. Der umstrittene Staatschef kann nach wie vor auf den Rückhalt der Militärführung zählen und wird unter anderem von Russland unterstützt.

Moskau kündigte indes die Heimreise der vor drei Monaten nach Venezuela entsandten russischen Soldaten an. Sie hätten ihre Mission zur technischen Unterstützung und Ausbildung der venezolanischen Streitkräfte abgeschlossen, teilte die russische Botschaft in Caracas mit.

Nach dem Foto von der mexikanischen Grenze zu den USA, auf dem ein ertrunkener Vater und seine Tochter zu sehen sind, werden nun auch von Mexikos Südgrenze Bilder notleidender Geflüchteter im Internet verbreitet.

Die mexikanische Zeitung „El Universal“ veröffentlichte gestern ein Video einer Frau in einem Auffanglager nahe der Grenze zu Guatemala, die nach eigenen Angaben aus Haiti stammt und weinend um Hilfe für sich und ihr kleines Kind bittet.

Es gebe kein Trinkwasser und zu wenig zu essen, sagt sie auf dem Boden liegend durch einen Spalt unter dem Tor des Lagers. Ihr 14 Monate alter Sohn sei seit einigen Tagen krank. „Hilfe“ und „Gerechtigkeit“, ruft die junge Frau immer wieder.

Bestürzung über Foto

Das Foto von Mexikos Nordgrenze hatte zuletzt in aller Welt Bestürzung ausgelöst. Es zeigt laut Medienberichten die Leichen eines jungen Mannes aus El Salvador und seiner knapp zweijährigen Tochter am Ufer des Rio Grande. Der Mann und das Mädchen seien bei dem Versuch ertrunken, über den Grenzfluss illegal aus Mexiko in die USA zu gelangen.

Die Situation an der Grenze verschlimmerte sich in den vergangenen Monaten. Allein im Mai setzten US-Grenzpolizisten mehr als 144.000 Menschen vorwiegend aus Mittelamerika fest, die vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern geflüchtet waren. Seit einigen Monaten müssen Migranten und Migrantinnen auf der mexikanischen Seite der Grenze warten, bis über ihre US-Asylanträge entschieden wird – rund 15.000 Menschen wurden nach Mexiko zurückgeschickt.

Nachdem US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen auf alle Importe aus Mexiko gedroht hatte, setzte das Nachbarland inzwischen knapp 15.000 Soldaten an der gemeinsamen Grenze ein, um die illegale Migration in die USA zu verhindern. An der Grenze zu Guatemala sind seit Kurzem rund 6.500 Angehörige der mexikanischen Armee und der Nationalgarde im Einsatz.

Kanada hat erstmals zwei rechtsextreme Organisationen auf seine Terrorliste gesetzt. Die kanadischen Sicherheitsbehörden veröffentlichten gestern eine aktualisierte Version der Terrorliste, in der nun auch die Neonazi-Gruppe Blood & Honour (Blut und Ehre) und ihr bewaffneter Arm Combat 18 (Kampf 18) aufgeführt werden. Die Behörden verwiesen unter anderem auf von Mitgliedern von Blood & Honour verübte Angriffe in Nordamerika und Europa.

Auf der kanadischen Liste von Terrororganisationen werden rund 60 Gruppen aus aller Welt aufgeführt. Bei den meisten handelt es sich um dschihadistische Gruppen.

Im vergangene Woche veröffentlichten Jahresbericht des kanadischen Geheimdienstes CSIS wird auf die Gefährlichkeit der rechtsextremen Szene hingewiesen. Seit 2014 seien mehrere gewalttätige Angriffe durch Täter verübt worden, die vom Rechtsextremismus beeinflusst seien, heißt es in dem Bericht.

In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang ist ein australischer Student verschwunden, der Stadtführungen für Ausländerinnen und Ausländer organisiert. Der 29 Jahre alte Mann soll laut verschiedenen Medienberichten verhaftet worden sein. Der australische Fernsehsender ABC meldete heute, dass er zu Beginn der Woche von Freunden vermisst gemeldet worden sei.

Das australische Außenministerium in Canberra verlangte sofortige Auskunft über das Schicksal des Manns. Details nannte es nicht. Ein Sprecher bestätigte lediglich, dass das Ministerium der Familie konsularische Hilfe leiste. Australien hat – wie viele andere westliche Länder – in Nordkorea keine eigene Botschaft. Es lässt sich von Schweden vertreten.

Der vermisste Student ist angeblich der einzige Australier, der in dem autoritär regierten Staat permanent lebt. An der Universität Pjöngjang studiert der 29-Jährige koreanische Literatur. Zudem betreibt er dort eine Reiseagentur namens Tongil Tours, die Bildungsreisen in Nordkorea anbietet. Er kommt aus der westaustralischen Stadt Perth.

Gut 16 Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA nimmt der Wahlkampf der Demokraten zur Ablösung des republikanischen Amtsinhabers Donald Trump Fahrt auf. Zehn Bewerber und Bewerberinnen um die Kandidatur der Partei lieferten einander gestern Abend (Ortszeit) in Miami im US-Bundesstaat Florida das erste Fernsehduell.

Weil das Bewerberfeld so groß ist, werden heute bei einem weiteren TV-Duell zehn weitere Kandidaten auftreten. Bisher haben 25 Bewerber ihren Hut bei den Demokraten in den Ring geworfen – mehr Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur hatte die Partei nie.

Strenge Zeitregelung

Um sich für das Fernsehduell zu qualifizieren, mussten die Bewerber in drei Umfragen mindestens ein Prozent Unterstützung erhalten oder Spenden von insgesamt 65.000 Förderern aus 20 US-Bundesstaaten nachweisen. Jede der beiden Debatten wurde in fünf Segmente unterteilt, bei denen jeder Kandidat eine Minute zur Beantwortung von Fragen und weitere 30 Sekunden zur Beantwortung von Nachfragen hat. Weitere 45 Sekunden waren für ein Abschlussstatement vorgesehen.

Beim ersten Auftritt standen unter anderen die Senatorin Elizabeth Warren, New Yorks umstrittener Bürgermeister Bill de Blasio sowie der ehemalige texanische Abgeordnete Beto O’Rourke auf der Bühne. Heute treffen unter anderen Ex-Vizepräsident Joe Biden und Senator Bernie Sanders aufeinander.

Trump, auf dem Weg zum G-20-Treffen in Japan, twitterte bei einem Zwischenstopp in Anchorage im Bundestaat Alaska nur ein Wort: „LANGWEILIG.“

Inland

Die Quote der Bildungsabbrecher ist in Österreich wesentlich größer als in offiziellen EU-Zahlen ausgewiesen – statt bei rund sieben liegt sie bei knapp 13 Prozent, heißt es in einem „Policy Brief“ des Instituts für Höhere Studien (IHS). Je nach politischem Bezirk sind fünf (Zwettl) bis 25 Prozent (Wien-Favoriten) der Jugendlichen betroffen. Bei Migranten schneiden städtische Bezirke besser ab.

Laut EU-Ziel soll die Zahl der frühen Bildungsabbrecher (18- bis 24-Jährige, die sich nicht mehr in Ausbildung befinden und höchstens einen Pflichtschulabschluss haben) zehn Prozent nicht überschreiten. In Österreich liegt diese Zahl derzeit offiziell bei 7,4 Prozent. „Wir haben aber viel bessere und genauere Daten“, so IHS-Bildungsforscher Mario Steiner vor Journalistinnen und Journalisten.

Starke Schwankungen je nach politischem Bezirk

Die offiziellen Zahlen seien nicht falsch. Sie beruhten aber auf dem Mikrozensus, für den ein Prozent der Österreicher befragt wird. „Wir haben aber schon Verwaltungsdaten des bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitorings, in denen 100 Prozent erfasst sind. Das vermeidet die Schwankungsbreite einer Stichprobe und eliminiert die Möglichkeit sozial erwünschter Antworten“, so Steiner.

Außerdem könne man in diese Daten „hineinzoomen“: Die Abbrecherquote schwankt je nach politischem Bezirk stark und liegt etwa in Zwettl (NÖ), Rohrbach (NÖ), Scheibbs (NÖ), Lienz (T), Murau (St) und Oberpullendorf (B) nur knapp über fünf Prozent. Umgekehrt kommen die fünf Wiener Bezirke Favoriten, Brigittenau, Meidling, Simmering und Hernals auf Werte um die 20 Prozent bzw. darüber, auch Baden (NÖ) und Linz-Stadt (OÖ) liegen nur knapp unter 20 Prozent. Wenig überraschend sind im Ausland geborene Personen stärker vom Bildungsabbruch betroffen als in Österreich geborene.

Zu einem überraschenden Ergebnis kommt man, wenn man die Bildungsintegration der Migranten und Migrantinnen in den einzelnen politischen Bezirken betrachtet: Hier zeigt sich, dass städtische Bezirke tendenziell besser abschneiden. Am geringsten ist für Migranten und Migrantinnen die Gefahr des Bildungsabbruchs in zehn Wiener Bezirken sowie in Graz und Klagenfurt (zwischen 20 und 30 Prozent), am höchsten dagegen in Urfahr-Umgebung (OÖ) und Baden (NÖ) mit Werten über 60 Prozent, knapp gefolgt von Neusiedl am See (B), Deutschlandsberg (Steiermark) und Schärding (OÖ) mit je knapp unter 60 Prozent.

Die roten Gewerkschafter und Pensionisten haben sich offiziell von der SPÖ abgekoppelt, die Partei im Wahlkampf 2017 aber unterstützt. So trat der damalige Kanzler Christian Kern kurz vor der Wahl bei roten Betriebsrätekonferenzen auf, der Pensionistenverband hatte Kern auf dem Cover seines Mitgliedermagazins. Die ÖVP kritisiert das als Umgehung der Wahlkampfkostengrenze. Die SPÖ sieht sich im Recht und weist die Kritik zurück.

Sowohl die FSG als auch der SPÖ-nahe Pensionistenverband haben nach Beschluss der neuen Transparenzregeln 2012 neue Vereine zwischen sich und die Partei geschaltet und gelten damit formal nicht mehr als parteinahe Organisationen. Im Gegensatz zu den Bünden der ÖVP müssen sie Spenden und Sponsorings somit nicht offenlegen.

Sickinger: Rechtlich nicht verpflichtet

In die Wahlkampfkostengrenze des Jahres 2017 eingerechnet hat die SPÖ aber weder einen Beitrag der FSG noch des Pensionistenverbandes. Wie der Politikwissenschaftler Hubert Sickinger der APA sagte, war die SPÖ dazu rechtlich auch nicht verpflichtet, weil beide Organisationen seit 2012 offiziell kein Teil der Partei mehr sind.

Die offiziellen Vorfeldorganisationen sind nämlich die damals neu gegründeten Vereine „GewerkschafterInnen in der SPÖ“ und „Arbeitsgemeinschaft 60 plus“. Sollten sie die Partei unterstützen, wäre das Teil der offiziellen Wahlkampfkosten. Und Spendeneinnahmen der beiden Vereine müsste die SPÖ offenlegen.

Kritik der ÖVP

Scharfe Kritik an dieser Vorgehensweise kommt von der ÖVP. Für Generalsekretär Karl Nehammer sind die von der SPÖ genannten 7,4 Mio. Euro Wahlkampfkosten angesichts der Aktivitäten von Pensionistenverband und FSG „unglaubwürdig“. Die ÖVP hat im Wahlkampf ja 13 Mio. Euro ausgegeben. „Wer Wahlkampf für die SPÖ betreibt, sich im Statut sogar klar zur SPÖ bekennt, ist eine nahestehende Organisation und nicht unabhängig“, so der ÖVP-Generalsekretär.

Die SPÖ weist die Kritik zurück. Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda hält die FSG-Veranstaltungen angesichts der nun bekanntgewordenen Großspenden der ÖVP für „nicht spielentscheidend“. Außerdem gehe es hier um Betriebsrätekonferenzen und nicht um Wahlkampfveranstaltungen.

Ähnlich FSG-Bundesgeschäftsführer Willy Mernyi, der betont, dass bei der Landeskonferenz des ÖGB Steiermark zuletzt ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer geredet habe: „Müsste ich ihm auch eine aliquote Rechnung für die Veranstaltung stellen?“ Der Pensionistenverband verweist ebenfalls darauf, dass bei seinen Veranstaltungen auch Politiker anderer Parteien zu Wort kämen – zuletzt etwa ÖVP-Landesrätin Barbara Schwarz bei einer Seniorenwanderung in Niederösterreich.

Drozda hatte gestern eine Spendenliste von 560.000 Euro vorlegte und Umgehungskonstruktionen seiner Partei verteidigt. NEOS warf Drozda „Unehrlichkeit“ vor.

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Das von der ehemaligen ÖVP-FPÖ-Koalition ausgearbeitete Gewaltschutzpaket kommt vorerst nicht. Das sagte Justizminister Clemens Jabloner gestern im Justizausschuss des Nationalrats laut Parlamentskorrespondenz. Die Übergangsregierung wolle nicht die mit dieser Strafrechtsreform verbundenen Werteentscheidungen treffen. Auch strukturelle Änderungen bezüglich Weisungsrecht seien nicht angedacht.

Dafür kündigte der Minister an, bald einen Entwurf für eine Strafvollzugsgesetzesnovelle in Begutachtung zu schicken. Außerdem wolle er sich weiter mit den Initiativen seiner Vorgänger zur Maßnahmenvollzugsreform auseinandersetzen. Für eine Realisierung der Verbesserungsvorschläge für psychisch kranke Inhaftierte fehle derzeit aber das Geld.

Überhaupt sei das Justizministerium in „einer eher misslichen finanziellen Situation“, so Jabloner laut Aussendung. Derzeit befinde sich das Budget des Ministeriums mit 70 Millionen Euro im Minus, um den täglichen Normalbetrieb sicherzustellen.

Laut NEOS ist gestern im Justizausschuss des Nationalrats ein Beschluss zur gleichgeschlechtlichen Ehe gefasst worden. Laut der Aussendung des stellvertretenden Klubobmanns Nikolaus Scherak wird damit möglich, dass gleichgeschlechtliche Paare „auch dann eine Ehe schließen können, wenn die Partner_innen aus einem Land kommen, das gleichgeschlechtliche Ehen verbietet“.

ÖVP und FPÖ hätten bisher geweigert, eine Bestimmung im Sinne des Verfassungsgerichtshofs zur „Ehe für alle“ umzusetzen. Die Gesetzesänderung solle nächste Woche im Plenum des Nationalrates beschlossen werden.

EU

Im Streit über Fahrverbote in Tirol wenden sich Italien und Deutschland an die EU-Kommission. In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc fordern der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli und sein deutscher Amtskollege Andreas Scheuer die EU-Kommission gestern erneut dazu auf, Druck für eine Abschaffung der „restriktiven Maßnahmen“ Tirols auszuüben.

„Wir sind zu allen möglichen Maßnahmen bereit, um unsere Speditionsunternehmen zu schützen, die gravierende Schäden durch die Tiroler Fahrverbote erleiden“, sagte Toninelli in Rom. Italien und Deutschland seien zum Gang vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Tiroler Fahrverbote bereit.

Toninelli hatte Bulc bereits Ende Februar einen Protestbrief geschickt. Im April hatte er gemeinsam mit Scheuer ein weiteres Schreiben an die EU-Kommissarin gerichtet. „Mit diesem neuen Brief bekräftigen wir noch eindringlicher den Widerstand unserer Länder gegen die Tiroler Fahrverbote, die klar dem Geist der EU-Verträge widersprechen“, so Toninelli in einer Presseaussendung.

Platter sieht Bund auf seiner Seite

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kam indes zu einem Gespräch mit Verkehrsminister Andreas Reichhardt in Wien zusammen. Platter sah Reichhardt auf Tirols Seite, der Minister habe „Verständnis für die Tiroler Situation und Maßnahmen gezeigt“, sagte der Landeshauptmann der APA. „Es war ein gutes Gespräch mit Bundesminister Reichhardt. Er versteht, dass außergewöhnliche Situationen, wie sie derzeit in Tirol vorherrschen, außergewöhnlicher Maßnahmen bedürfen“, meinte Platter. Er sei „sehr froh, dass Tirol aus ganz Österreich – egal ob aus der Bevölkerung, den anderen Bundesländern und auch von der Bundesregierung – eine derartige Unterstützung erhält“.

Sport

Wirtschaft

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat nach eigenen Angaben ein mögliches Risiko bei Boeings Krisenbaureihe 737 Max gefunden. Das Problem müsse behoben werden, bevor das Flugverbot für die Maschinen aufgehoben werden könne, teilte die FAA gestern in Washington mit. Konkretere Angaben machte die Behörde nicht. Eine Stellungnahme von Boeing lag zunächst nicht vor.

Die 737-Max-Serie muss nach zwei tödlichen Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März auf dem Boden bleiben. Eine umstrittene Steuerungssoftware von Boeing steht nach ersten Unfallberichten als mögliche Unfallursache im Verdacht. Ob das nun von der FAA identifizierte Problem in Zusammenhang damit steht, ist unklar.

Am Montag tritt eine EU-Verordnung in Kraft, die sich mit den Geräuschen von E-Autos beschäftigt. Die an sich nahezu geräuschlosen Fahrzeuge können zur Gefahr für Fußgängerinnen und Fußgänger werden, wenn sie nicht gehört werden. Mit dieser Typengenehmigungsverordnung muss nun EU-weit in jedem neu typisierten E-Auto eine akustische Warneinrichtung eingebaut sein, also ein künstliches Motorengeräusch.

Das gilt für Geschwindigkeiten bis 20 km/h. Darunter, also beim Anfahren, Ein- und Ausparken sowie in Begegnungszonen, sind E-Autos einfach zu leise. Ab einem Tempo von rund 30 km/h machen Reifenabrieb und Wind genügend Geräusche.

Das Warnsystem AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) muss dabei ein Geräusch von sich geben, das einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor ähnelt. Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs begrüßte gestern die Verordnung, die zu praktisch keiner Erhöhung des Verkehrslärms beitragen werde, hieß es in einer Aussendung.

AVAS sei für Blinde und Sehbehinderte ein „überlebenswichtiger Sicherheitsaspekt“. Die Gemeinschaft forderte zudem, dass auch andere geräuscharme Fahrzeuge akustisch wahrnehmbar gemacht werden.

Die Umweltorganisation Global 2000 und der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer OÖ haben über 300 Waschmittel auf synthetische Polymere untersucht. „Die schlechte Nachricht: In 119 Waschmitteln wurde industriell hergestelltes und zugesetztes Plastik gefunden. Die gute Nachricht: Es gibt auch Waschmittel, die für Mensch und Umwelt empfohlen werden können“, hieß es in einer Aussendung.

Die Umwelt-NGO sah auch eine erste positive Reaktion: Hofer, Lidl, REWE und Spar hätten bereits vor der Veröffentlichung der Testergebnisse zugesichert, festes Mikroplastik aus den Waschmitteln ihrer Eigenmarken zu verbannen.

Mikroplastik in verschiedener Form

Für den Test haben Global 2000 und der Konsumentenschutz der AK OÖ 36 Waschmittelproben im Labor des Umweltbundesamtes auf mögliche Mikroplastikverbindungen untersuchen lassen. Zusätzlich wurden die Inhaltsstoffe laut Herstellerangaben von mehr als 300 Waschmitteln auf synthetische Polymere durchleuchtet. In fester Partikelform sind diese als Mikroplastik bekannt.

Synthetische Polymere gibt es aber auch in flüssiger, gelartiger oder gelöster Form. Sie werden Waschmitteln zugesetzt, um beispielsweise Grauschleier oder Verfärbungen zu verhindern oder dem Waschmittel eine bestimmte Konsistenz zu verleihen. Anders als bei Lebensmitteln oder Kosmetika müssen laut Global 2000 nicht alle Inhaltsstoffe von Waschmitteln direkt am Produkt angegeben werden.

Chronik

Im US-Bundesstaat Washington wird ein Mann beschuldigt, zwei deutsche Urlauber mit seinem Auto überfahren und getötet zu haben. Der 71-Jährige soll mit seinem Jeep am Strand eines Flusses entlanggefahren sein und den Mann und die Frau dabei erfasst haben, die am Wasser lagen, wie die Polizei der Stadt Washougal gestern (Ortszeit) mitteilte. Die Frau und der Mann wurden in kritischem Zustand in ein Krankenhaus gebracht, wo sie starben.

Gesprayte Markierungen am Strand eines Flusses im US-Bundesstaat Washington
AP/Gillian Flaccus

Der Verdächtige wurde laut Polizei noch am selben Abend festgenommen. Er soll mit seinem Wagen zunächst einen Zaun zu dem Park durchbrochen haben und dann zu dem Strand gefahren sein. Zeugen hätten berichtet, dass er den Jeep während der gesamten Fahrt durch den Park nicht verlangsamt habe, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Der Sender KATU2 berichtete, der Mann habe bei der Polizei ausgesagt, dass er vor dem Vorfall getrunken habe. Bei den Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um einen 61 Jahre alten Mann und eine 62 Jahre alte Frau. Sie seien für einen Familienbesuch in der Gegend gewesen, erklärte die Polizei.

Ein US-Gynäkologe, der jahrelang an einer kalifornischen Universität gearbeitet hatte, ist gestern wegen zahlreicher sexueller Übergriffe auf Studentinnen angeklagt worden. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft in Los Angeles werden dem 72-jährigen Frauenarzt Belästigungen von 16 Patientinnen im Alter von 17 bis 29 Jahren vorgeworfen.

Die Vorfälle in dem Gesundheitszentrum der University of Southern California (USC) sollen zwischen 2009 und 2016 passiert sein. Der gestern festgenommene Arzt, der bis 2017 an der Universität gearbeitet hatte, wies die Vorwürfe zurück. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm bis zu 53 Jahre Haft.

Berührungen und Fotografien

Laut der Anklage soll der Gynäkologe Studentinnen bei Untersuchungen unter anderem unangemessen berührt und ihre Geschlechtsteile fotografiert haben. Die Polizei ging mehr als 130 Beschwerden nach. Die Vorwürfe von Studentinnen waren 2018 ans Licht gekommen.

Hunderte Frauen gehen auch mit Zivilklagen gegen den Arzt oder die Universität vor. Die Belästigungen sollen bis in die 1990er Jahre zurückgehen. Die Universität habe Beschwerden von Patientinnen und Krankenschwestern lange ignoriert, hieß es. Im vorigen Herbst hatte die Hochschule zugestimmt, in einer Sammelklage Hunderter Frauen eine Entschädigung von 215 Millionen Dollar zu zahlen.

Inmitten der europaweiten Hitzewelle hat ein Waldbrand in Spanien Tausende Hektar Fläche zerstört. Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten waren gestern im Einsatz, um das Feuer auf dem Gebiet der Gemeinde Torre del Espanol in der Region Katalonien zu bekämpfen. Unterstützt wurden sie durch 15 Löschflugzeuge und Hubschrauber.

Brennender Wald in der Nähe von Maials (Spanien)
Reuters/Albert Gea

Kataloniens Innenminister Miquel Buch sagte, der Brand in der Provinz Tarragona habe binnen sechs Stunden 3.500 Hektar Fläche zerstört. Bis das Feuer gelöscht sei, könnten 20.000 Hektar betroffen sein. Buch sprach vom schlimmsten Waldbrand in Katalonien seit 20 Jahren.

Das Feuer war gestern am frühen Nachmittag ausgebrochen. Starke Winde fachten die Flammen an.

Science

Obwohl Fischereiflotten im Nordatlantik offiziell für den Schwertfischfang eingesetzt werden, gehen weit mehr Haie als Schwertfische ins Netz. Haiarten wie der Kurzflossen-Mako stehen dadurch unter Druck, zeigt der gestern veröffentlichte Greenpeace-Bericht „Sharks Under Attack“. Abhilfe könnten weltweite Meeresschutzgebiete schaffen.

Vor allem spanische und portugiesische Fangflotten erlegen Blauhaie, Heringshaie und Kurzflossen-Makos gezielt und auch als Beifang. Das führte dazu, dass die industrielle Fischerei im Jahr 2017 ausgehend vom Gewicht viermal so viele Haie wie Schwertfische fing.

Die Knorpelfische werden hauptsächlich wegen ihrer Flossen getötet, die zu Haifischflossensuppe verarbeitet in vielen Ländern als Delikatesse gelten. Die steigende Nachfrage bewirkt, dass dafür 73 Millionen Haie pro Jahr sterben.

„Skrupelloses Geschäft im Nordatlantik“

Kurzflossen-Makos gelten mittlerweile als überfischt und wurden heuer von der Weltnaturschutzunion als stark gefährdet eingestuft. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass es eine 54-prozentige Chance gibt, dass sich die Population bis 2040 wieder erholt. Dafür müsste der Fang dieser Haie allerdings auf null zurückgehen – 2017 wurden noch rund 25.000 derartige Haie gefangen.

„Dieses skrupellose Geschäft im Nordatlantik ist nur deshalb möglich, weil niemand die industrielle Fischerei kontrolliert. Schutzmaßnahmen auf dem Papier haben bis heute komplett versagt“, sagte Lukas Meus, Meeresexperte bei Greenpeace Österreich. So würden viele Fischereiorganisationen wissenschaftliche Empfehlungen ignorieren und ihren ökonomischen Profit vor den Meeresschutz stellen.

Erhaltungsmaßnahmen, die von den Mitgliedern der Internationalen Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) aufgestellt wurden, sind laut Greenpeace-Bericht extrem schwach.

„Historische Chance“ nicht verpassen

Ein globales Hochseeschutzabkommen, das derzeit von den Vereinten Nationen verhandelt wird, könnte dabei helfen, dass sich die Haipopulationen wieder erholen. So setzt sich Greenpeace dafür ein, dass weltweit Meeresschutzgebiete implementiert werden, die industrielle Fischerei verbieten.

Derzeit ist nicht einmal ein Prozent der hohen See als starkes Meeresschutzgebiet ausgewiesen. „Die Verhandlungen sind eine historische Chance, die wir nicht verpassen dürfen. Staaten müssen sich dem Druck der Fischereiindustrien widersetzen und ein starkes Abkommen beschließen“, forderte Meus.

Kultur

Der US-Schauspieler Max Wright, bekannt durch seine Rolle als Willie Tanner, der Familienvater in der Serie „Alf“, ist tot. Laut der Promiseite TMZ.com verstarb er gestern 75-jährig in Kalifornien an den Folgen einer Krebserkrankung. Die 1986 gestartete Comedyserie „Alf“ um den zotteligen und vorlauten Außerirdischen vom Planeten Melmac wurde rasch zum TV-Hit. In vier Staffeln wurden insgesamt 102 Folgen der Serie gedreht.

Schauspieler Max Wright
AP/Nick Ut

Der Außerirdische wurde in der TV-Serie teilweise von dem kleinwüchsigen Schauspieler Michu Meszaros in einem Kostüm dargestellt, teilweise als Handpuppe von mehreren Puppenspielern kontrolliert, darunter der Produzent der Serie, Paul Fusco. Meszaros starb 2016.

Wright spielte in etlichen anderen Serien kleinere Nebenrollen, etwa in den ersten Staffeln von „Friends“. Auch in einigen Kinofilmen wie „Reds,“ „Soul Man“ und „Hinter dem Rampenlicht“ war er zu sehen. Seine Krebserkrankung wurde bereits 1995 diagnostiziert. In den 2000er Jahren geriet er wegen Alkohols am Steuer und Drogenvideos in die Schlagzeilen, TV- oder Filmrollen hatte er seit dieser Zeit praktisch keine mehr.

Manchmal bunt, manchmal ikonisch: Das Whitney Museum in New York zeigt ab morgen seine Sammlung amerikanischer Kunst aus dem 20. Jahrhundert in einer neuen Ausstellung. In der Schau sind mehr als 100 Arbeiten aus der Zeit zwischen 1900 und 1965 von mehr als 70 Künstlern zu sehen, darunter Edward Hopper, Joan Mitchell und Andy Warhol.

„Was wir hier sehen, ist die Bedeutung amerikanischer Kunst in einem Fingerzeig“, sagte Direktor Adam Weinberg gestern in New York. Es sei wichtig für das Museum, immer wieder zurückzuschauen und die Gegenwart in Kontext mit der Vergangenheit zu setzen.

Kurator David Breslin beschrieb die Komposition der Ausstellung als „zielgerichtet und zufällig“. Einige Gemälde wie das Bild „The Brooklyn Bridge“ von Joseph Stella zeigen Stadtansichten. Auch gibt es einen ganzen Raum, der dem Realisten Hopper gewidmet ist, sowie landschaftliche Motive und großformatige Stücke. Die Ausstellung zeigt dabei auch einige Fotos sowie Skulpturen.

Panorama

Die Lieblingsfarbe der Österreicherinnen und Österreicher ist Blau. Das erhob das Linzer Meinungsforschungsinstitut Spectra. Von 500 Befragten nannten 31 Prozent Blau, 19 Prozent Grün und 17 Prozent Rot als Favoriten.

Allerdings gibt es starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Sind unter den Männern 39 Prozent Blau-Fans, sind es bei den Frauen nur 25 Prozent. Die Vorlieben von Frauen verteilen sich gleichmäßiger auf das restliche Spektrum. Sieben Prozent der weiblichen Befragten bezeichneten Rosa als ihre Lieblingsfarbe, bei den Männern lag der Anteil hingegen bei null.

Mit der Forderung nach der Abschaffung der Zeit schaffte es die kleine norwegische Insel Sommaröy weltweit in die Schlagzeilen – doch nun hat sich die Geschichte als PR-Gag entpuppt. Die staatliche Marketingagentur Innovation Norway räumte gestern ein, dass es sich um eine erfundene Geschichte gehandelt habe, um mehr Touristinnen und Touristen in den Norden des Landes zu locken.

Sommaröy liegt nördlich des Polarkreises, im Sommer geht dort die Sonne 69 Tage lang nicht unter. Da die Mitternachtssonne den Tagesrhythmus der 320 Bewohnerinnen und Bewohner durcheinanderbringe, solle die Insel vom Joch der Zeit befreit werden – so lautete das angebliche Ziel der Initiative „Lasst uns die Zeit stoppen“. Sommaröy solle zur ersten „zeitfreien Zone“ der Welt werden, hieß es. Feste Arbeits- und Unterrichtszeiten sollten angeblich der Vergangenheit angehören.

Kritik an Werbemethode

Nachdem Medien in mehreren Ländern die Geschichte aufgegriffen hatten, gab Innovation Norway nun zu, alles nur erfunden zu haben. „Traditionelle Werbung ist nicht mehr effektiv, und daher versuchen wir neue Wege zu gehen, um Norwegen zu vermarkten.“

Bei norwegischen Kommentatoren sorgte die PR-Kampagne für Kopfschütteln. Dass die staatliche Agentur Innovation Norway Falschnachrichten produziere, sei „unglaublich“, schrieb Kristoffer Egeberg von der Faktencheck-Website Faktiskt.no. „Dass sie es mit Stolz tut, ist geradezu beängstigend.“