Inland

Laut einem Bericht des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) steigt der Bedarf an Pflegekräften in den nächsten Jahrzehnten stark an. Im Jahr 2030 würden gut 24.000 zusätzliche Stellen (18.000 Vollzeitäquivalente) benötigt.

Bis zum Jahr 2050 schätzt das Institut den Mehrbedarf sogar auf knapp 80.000 Kräfte (58.000 Vollzeitäquivalente). Besonders viele Pflegekräfte fehlen in Vorarlberg. Derzeit (Stand 2016) gibt es gemäß dem der APA vorliegenden Bericht 63.000 Pflegekräfte (45.000 Vollzeitäquivalente) in Österreich.

Zahl verdoppelt sich

Laut den Pflegeexperten des WIFO, Ulrike Famira-Mühlberger und Matthias Firgo, würde die prognostizierte Steigerung bis 2030 einen Zuwachs um rund 39 Prozent bedeuten. Bis 2050 sind laut den Berechnungen des Instituts sogar mehr als doppelt so viele Pflegekräfte nötig (ein Plus von rund 127 Prozent).

Die Prognosen basieren auf Daten der Statistik Austria und aktuellen Projektionen zur Nachfrage nach Pflegedienstleistungen. Die Schätzung umfasst sowohl den Bereich der mobilen Pflege (für jene, die zuhause gepflegt werden) als auch den stationären Bereich (Pflegeheime).

2050 mehr als eine Mio. über 80

Wesentlicher Grund für die Erhöhung des Personalbedarfs ist die demografische Entwicklung. Laut WIFO wird sich die Zahl der alten Menschen in Österreich in den kommenden Jahrzehnten sowohl absolut als auch relativ (zu jener der Jüngeren) stark erhöhen. Während im Jahr 2017 nur 4,9 Prozent der Österreicher 80 Jahre oder älter waren, werden es bis 2030 6,7 Prozent sein, zeigen Daten der Statistik Austria. 2050 wird dann schon mehr als jeder zehnte Österreicher über 80 Jahre alt sein (11,1 Prozent). In absoluten Zahlen wird die Steigerung noch deutlicher: 2017 waren rund 436.000 Personen 80 Jahre oder älter. Laut Prognose werden es 2030 dann 636.000 sein. 2050 übersteigt die Zahl der Älteren bereits die Millionengrenze (1,084 Mio.).

Unterschiede zeigt der WIFO-Bericht auch zwischen den Bundesländern: In Wien fällt der prognostizierte Mehrbedarf an Pflegekräften mit 32 Prozent bis 2030 noch „geringer“ aus, in Vorarlberg beträgt der Wert 52 Prozent. Bis 2050 sind es errechnete 98,8 bzw. 154 Prozent plus.

Weniger pflegende Angehörige

Die Nachfrage nach Pflegekräften wird aber nicht nur wegen des Anstiegs an älteren und sehr alten Menschen zunehmen. „Durch die Alterung der Gesellschaft fallen auch potenzielle informelle Pflegepersonen in der Angehörigenpflege weg“, erklärte Koautorin Ulrike Famira-Mühlberger. Um den steigenden Bedarf künftig decken zu können, empfiehlt das Forschungsinstitut, die Attraktivität der Pflegeberufe deutlich zu steigern. Dabei gehe es nicht nur um höhere Einkommen, wiewohl diese die Attraktivität von Pflegeberufen „wesentlich verbessern“ würden.

Maßnahmen wären auch bei den Arbeitsbedingungen nötig, erklärten die Autoren mit Verweis auf entsprechende Umfragen. Die Betroffenen würden psychosoziale Begleitung, eine Einschränkung der Zahl der prekären Dienstverhältnisse, eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, mehr berufsbegleitenden Ausbildungsmöglichkeiten, die Einführung von Lehrberufen im Bereich der Pflege sowie die Förderung der Höherqualifizierung von Personal begrüßen.

Das Pensionsantrittsalter steigt weiter. Im Vorjahr sind in Österreich Männer durchschnittlich mit 61,3 Jahren in Pension gegangen, Frauen mit 59,3 Jahren.

2017 war das Antrittsalter noch bei 60,9 bzw. 59,0 Jahren gelegen. In den letzten zehn Jahren stieg es bei Männern im Schnitt um 2,6 Jahre und bei Frauen um 2,3 Jahre, wie aus jüngsten Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), die der APA vorliegen, hervorgeht.

Pensionen der Frauen deutlich niedriger

Die 61,3 Jahre für Männer und 59,3 Jahre für Frauen bedeuten das höchste Antrittsalter der vergangenen zehn Jahre. 2008 hatten Männer noch durchschnittlich mit 58,7 Jahren und Frauen mit 57,0 Jahren ihren Ruhestand angetreten. PVA-Obmann Manfred Anderle sieht diese Entwicklung positiv und kündigte weitere Bemühungen in die entsprechende Richtung an: „Um dies weiter zu forcieren, sind die medizinischen Maßnahmen, die in den Eigenen Einrichtungen der PVA erbracht werden, wichtig.“

Die durchschnittliche Pensionshöhe der Männer, die 2018 ihre Pension angetreten haben, lag bei 2.268,40 Euro – um 42,81 Euro mehr als im Jahr davor. Bei den Frauen stieg die durchschnittliche Pensionshöhe im Vorjahr um 72,63 auf 1.292,05 Euro.

575 Pensionisten auf 1.000 Versicherte

Anderle konstatierte zwar eine „positive Tendenz“ der Pensionshöhen, gesteht aber zu, dass die Kluft zwischen der durchschnittlichen Pensionshöhe einer Frau und eines Mannes „noch immer enorm groß“ sei. "Um hier eine Verbesserung zu erzielen, ist es notwendig, die Teilzeitbeschäftigung zu minimieren. Denn sie betrifft in erster Linie Frauen und wird nicht immer freiwillig praktiziert.

Das Verhältnis von Versicherten zu Pensionisten hat sich im Vorjahr leicht entspannt. 2017 kamen auf 1.000 Versicherte noch 585 Pensionisten, im Vorjahr waren es 575. Die Zahl der Pensionen insgesamt wuchs von Dezember 2017 auf Dezember 2018 um etwas mehr als 20.000 auf 1,965.991 an.

In elf Gemeinden Salzburgs finden heute die Bürgermeisterstichwahlen statt, weil dort kein Kandidat beim ersten Wahlgang am 10. März die notwendige Mehrheit erhalten hatte. Offen ist das Rennen noch in der Stadt Salzburg, in den Bezirkshauptstädten Hallein, St. Johann und Zell am See und anderen meist größeren Gemeinden. Wahlschluss ist – bis auf Straßwalchen (15.00 Uhr) – um 16.00 Uhr.

Auch wenn die Entscheidung nur mehr in elf der 119 Gemeinden offen ist, können noch fast 42 Prozent der Wahlberechtigten des Bundeslandes entscheiden, weil es sich um die größten Kommunen des Landes handelt. In der Landeshauptstadt lag der amtierende Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) nach der ersten Runde mit 41,3 Prozent klar vor seinem Stellvertreter Bernhard Auinger (SPÖ), der es auf 30,7 Prozent brachte.

In der zweitgrößten und ehemals roten Stadt Hallein könnte nach 20 Jahren die SPÖ den Bürgermeistersessel von der ÖVP zurückerobern. Auch Zell am See könnte nach zehn Jahren wieder zugunsten der SPÖ gedreht werden.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner will selbst und mit der SPÖ künftig offensiver agieren, wie es in einem Interview mit der Tageszeitug „Österreich“ (Onlineausgabe) gestern hieß. „Ja, wir müssen und werden die Schlagkraft erhöhen, sowohl programmatisch-inhaltlichb als auch organisatorisch als auch in der Kommunikation.“ Sie wolle sich außerdem „verstärkt auch auf den Parlamentsklub und auf unsere wichtige Arbeit im Parlament offensiver“ konzentrieren.

In der parteiinternen Diskussion über SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda stellt sie sich hinter ihn: „Ich habe mir, wie alle Vorsitzenden vor mir, meinen Bundesgeschäftsführer selbst ausgesucht. Das war auch meine Bedingung, bevor ich den Parteivorsitz übernommen habe. Ich werde an meinem Bundesgeschäftsführer festhalten.“

Die Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes (VfGH), Brigitte Bierlein, übt leise Kritik an den Plänen der Regierung für eine Sicherungshaft für potenziell gefährliche Asylwerber. „Seit 1998 gilt in Österreich ein modernes Verfassungsgesetz, das eine Präventivhaft nicht kennt. Und das ist gut so“, sagt Bierlein in einem Interview für die Jubiläumsausgabe der „Presse am Sonntag“.

Andere europäische Länder hätten eine Art Sicherheitsverwahrung, „aber kein Verfassungsgesetz wie wir“, so Bierlein. Deshalb müsse sich die Regierung derzeit auch um die Zustimmung von SPÖ oder NEOS für eine Verfassungsmehrheit bemühen, sagt die VfGH-Präsidentin und betont, dass sie tagespolitische Kontroversen nicht kommentiere.

„Schätze Ad-Hoc-Gesetzgebungen nicht sehr“

Reserviert reagiert die VfGH-Präsidentin auch darauf, dass die Regierung auf aktuelle Mordfälle Bezug nehme und die Gewichte etwas von der Freiheit in Richtung Sicherheit verschiebe: „Es gab tragische Fälle, aber ich schätze Ad-Hoc-Gesetzgebungen nicht sehr.“

Den erst kürzlich ernannten Verfassungsrichter Michael Rami, der zuvor als Anwalt Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Innenminister Herbert Kickl (beide FPÖ) vor Gericht vertreten hat, verteidigt die Präsidentin. Rami habe inzwischen alle Mandate zurückgelegt.

„Er wird jedenfalls keine Politiker mehr vertreten, egal von welcher Partei. Wenn er es täte, müsste er sich in politisch relevanten Fällen für anscheinsbefangen erklären“, so Bierlein.

Ausland

Knapp fünf Jahre nach einem Militärputsch wählt Thailand heute ein neues Parlament. In dem südostasiatischen Königreich sind mehr als 51 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Der amtierende Premierminister Prayut Chan-o-cha, der sich 2014 an die Macht geputscht hatte, will Regierungschef bleiben. Insgesamt bewerben sich mehr als hundert Parteien um die 500 Sitze, die zu vergeben sind. Erste Ergebnisse werden noch am selben Tag erwartet.

Ursprünglich hatte die Armee versprochen, nach dem Putsch bald wieder wählen zu lassen. Der Termin wurde aber immer wieder verschoben. Durch Änderungen im Wahlrecht und eine neue Verfassung sind die Militärs nun klar im Vorteil.

Thaksin-Partei werden gute Chancen eingeräumt

Im Oberhaus des Parlaments, dem Senat, haben sie sich bereits alle 250 Sitze gesichert. Senat und Repräsentantenhaus wählen den künftigen Premier gemeinsam. Deshalb reichen Prayut und seiner Partei PPRP, die der Armee nahesteht, 126 der zu vergebenden 500 Mandate für eine Mehrheit aus.

Zuverlässige Umfragen gab es vor der ersten Parlamentswahl in Thailand seit acht Jahren nicht. Gute Chancen, stärkste Partei zu werden, werden jedoch der Partei Pheu Thai eingeräumt, die dem ehemaligen Regierungschef Thaksin Shinawatra nahesteht. Der Ex-Premier war vom Militär gestürzt worden und lebt nun im Ausland. Mit Interesse wird auch das Abschneiden der Partei Future Forward unter Spitzenkandidat Thanathorn Juanggroongruangkit erwartet. Sie hofft vor allem auf die etwa sieben Millionen Erstwählerinnen und -wähler.

Bei einem bewaffneten Überfall auf das Dorf Ogossagou im Zentrum Malis sind nach übereinstimmenden Angaben aus mehreren Quellen gestern mindestens 130 Zivilpersonen getötet worden. Der Angriff habe sich gegen ein Dorf der Volksgruppe der Fulbe gerichtet und sei von Jägern der Volksgruppe der Dogon verübt worden, hieß es aus Militärkreisen.

Die Angreifer seien aus dem Nordosten und Südosten in das Dorf vorgedrungen und hätten das Feuer auf die Bewohnerinnen und Bewohner eröffnet. Wahllos seien auch alte Menschen, Kinder und Frauen getötet worden, berichtete ein Mitarbeiter des lokalen Rathauses.

„Massaker an Zivilisten“

Der Bürgermeister eines benachbarten Dorfes sprach von einem „Massaker an Zivilisten“, für das Angehörige der Dogon-Volksgruppe verantwortlich seien. In den vergangenen Jahren haben sich die ethnischen Konflikte zwischen den Fulbe, die der Viehzucht nachgehen, und den Dogon, die Landwirtschaft betreiben, verschärft. Das wird mit dem Erscheinen der dschihadistischen Gruppierung des Predigers Amadu Kufa in Verbindung gebracht, der vor allem unter den Fulbe Kämpfer für seine Organisation rekrutiert.

Die Dogon und die Volksgruppe der Bambara bauten in dieser Zeit ihrerseits „Selbstverteidigungsgruppen“ auf. Nach Angaben der UNO wurden durch diesen Konflikt im vergangenen Jahr mehr als 500 Zivilpersonen getötet.

Das westafrikanische Mali ist seit 2012 Aufmarschgebiet für islamistische Gruppierungen, die damals die Kontrolle über den Norden des Landes übernahmen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff 2013 militärisch ein und drängte die Islamisten zurück. Trotz der Präsenz Tausender internationaler Soldaten herrscht weiter Instabilität.

Mit Wasserwerfern und Schlagstöcken sind gestern in Marokko Sicherheitskräfte gegen eine Demonstration von Lehrerinnen und Lehrern vorgegangen. Mehrere tausend Menschen hatten in der Hauptstadt Rabat gegen die Befristung von Zehntausenden Lehrerstellen protestiert.

Als einige von ihnen in der Nacht vor dem Parlament ein improvisiertes Lager aufschlugen und dieses nach zwei Stunden langen Verhandlungen nicht räumen wollten, trieben Sicherheitskräfte die Menschen mit Wasserwerfern und Schlagstöcken auseinander. Die 55.000 befristeten Lehrer des Landes demonstrieren seit Monaten regelmäßig. Sie fordern eine Gleichstellung mit unbefristet Beschäftigten.

Die NATO will in Polen einen Stützpunkt für US-Militärausrüstung einrichten. Ein Sprecher der Militärallianz in Brüssel bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht der Zeitung „Wall Street Journal“. Demnach soll der Stützpunkt in Powidz rund 200 Kilometer westlich von Warschau aufgebaut werden und als Depot für Waffen, Munition und gepanzerte Fahrzeuge der US-Armee dienen.

Die Kosten für den Bau des Stützpunktes werden auf 260 Millionen Dollar (230 Millionen Euro) veranschlagt. Die Zeitung zitierte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit der Aussage, dass die Bauarbeiten in diesem Jahr beginnen und zwei Jahre dauern sollen.

Seit dem Ukraine-Konflikt und der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland vor fünf Jahren hat die NATO ihre militärischen Kapazitäten an ihrer Ostflanke erheblich ausgebaut. 2017 stationierte sie in den drei baltischen Staaten sowie Polen rund 4.000 Soldaten. Deutschland übernahm die Führungsrolle über ein Bataillon in Litauen, Großbritannien in Estland, Kanada in Lettland und die USA in Polen.

Die Ex-Chefanklägerin der UNO-Kriegsverbrechertribunale, Carla del Ponte, tritt dafür ein, einen internationalen Gerichtshof mit Sitz in einem Nachbarland Syriens zu gründen. Dort sollte auch über europäische IS-Kämpfer verhandelt werden. Ein solches Gericht könnte „zum Beispiel in Jordanien, in der Türkei oder im Libanon“ ansässig sein, so Del Ponte im Interview mit der „Presse am Sonntag“.

„Es wäre natürlich besser, wenn man sie in Syrien vor Gericht stellen könnte. Aber dort existiert kein Justizapparat mehr“, so Del Ponte. „Das Tribunal könnte all diese schweren Verbrechen ahnden und Täter vor Gericht stellen – die Staaten wären von der Gefahr der ‚Foreign Fighters‘ befreit.“

Es sollte ein Tribunal nach dem Vorbild von Ex-Jugoslawien oder Ruanda sein. Der Internationale Strafgerichtshof habe die Ressourcen nicht, um alle diese Fälle zu behandeln. „Es wären zu viele“, sagt die Juristin. Ein internationaler Gerichtshof an Ort und Stelle sei viel einfacher.

„Krise der internationalen Strafgerichtsbarkeit“

Die Verhandlungen könnten auf Arabisch stattfinden. Das würde weniger Kosten verursachen. Außerdem sollte der Gerichtshof „nicht nur die hohen Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, sondern auch die Täter auf mittlerer Ebene, die die Verbrechen ausgeführt haben.“ Del Ponte ortete in dem Interview mit der „Presse am Sonntag“ außerdem eine „Krise der internationalen Strafgerichtsbarkeit“ und eine „Schwäche der UNO“.

„Die UNO steht still. Humanitäre Hilfe ist alles, was sie machen kann – und das nicht so gut, wie es sein sollte“, so die frühere Chefanklägerin. Sie frage sich: „Wo sind die Menschenrechte geblieben? Syrien, Jemen, afrikanische Staaten, Venezuela – man muss sich auf der Welt ja nur umschauen, dann sieht man, wie katastrophal die Lage ist. Menschenrechte dienen nur noch als Alibi und werden angesprochen, wenn es politisch opportun ist. Das ist wirklich schrecklich. Wir sind an einem Tiefpunkt angelangt, den ich mir nie hätte vorstellen können.“

Menschenrechtsverletzungen in Syrien

Del Ponte war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für Jugoslawien und bis 2003 ebenfalls für Ruanda. Von 2011 bis 2017 war sie Mitglied einer UNHCHR-Kommission (IICISyria), die Menschenrechtsverletzungen in Syrien im dortigen Bürgerkrieg untersuchte. Solche Foltermethoden wie in Syrien habe sie noch nie gesehen, sagte die 72-jährige Schweizerin.

„In Syrien lässt man die Menschen so lang, wie es geht, am Leben, damit sie länger leiden. Das war in den Fällen, die ich beim Jugoslawien-Tribunal erlebt habe, nicht so. Und wie die Kinder behandelt wurden. Sie wurden getötet, zum Kämpfen gezwungen, starben auf der Flucht. Das ist unglaublich.“

Der frühere Mossad-Agent Rafi Eitan, der 1960 die Kommandoaktion zur Festnahme des NS-Verbrechers Adolf Eichmann befehligte, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Wie der israelische Rundfunk meldete, starb Eitan gestern in einem Krankenhaus in Tel Aviv. Regierungschef Benjamin Netanjahu würdigte den Agenten als „einen der Helden des Geheimdienstes des Staates Israel“.

Rafi Eitan
AP/Sebastian Scheiner

Er habe sich in zahlreichen Fällen um die Sicherheit des Landes verdient gemacht. „Wir betrauern sein Ableben“, hieß es in einer Erklärung des Ministerpräsidenten. Eitan wurde in den 1950er Jahren Spion des Auslandsgeheimdienstes Mossad und stieg dort zum Chef der Kommandoaktionen auf. 1960 befehligte er den berühmten Einsatz, der zur Festnahme von Eichmann in Buenos Aires führte.

Der einstige SS-Obersturmbannführer Eichmann war ab 1939 im Reichssicherheitshauptamt mit verantwortlich für die Deportation der europäischen Jüdinnen und Juden in die NS-Vernichtungslager. Nach dem Krieg gelang dem Protokollführer der Wannseekonferenz die Flucht aus einem US-Gefangenenlager. Der Mossad spürte ihn schließlich in Buenos Aires auf und brachte ihn nach Israel. Dort wurde er nach einem neunmonatigen Prozess im Mai 1962 hingerichtet.

EU

Wirtschaft

Die EU-Kommission sorgt sich um die wirtschaftliche Entwicklung Italiens und befürchtet neuen Streit mit Rom. „Ich mache mir wirklich Sorgen wegen Italien. In keinem EU-Mitgliedsland hat sich die Wirtschaft so stark abgekühlt“, sagte der stellvertretende EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis der deutschen „Welt am Sonntag“.

Es zeige sich deutlich, dass der Kurs der Regierung in Rom nicht gut für die Wirtschaft gewesen sei. Die Zinsen seien gestiegen, ebenso die Instabilität. Das geschwundene Vertrauen in das Land habe die Investitionsbereitschaft nicht erhöht. „Wir sehen die Situation als problematisch an und erwarten schwierige Diskussionen“, sagte Dombrovskis.

Annahmen „zu optimistisch“

Er kündigte an, dass die Kommission Anfang Juni einmal mehr Bestand aufnehmen und über die nächsten Schritte sprechen werde. „Die Wachstumsannahmen von Rom sind zu optimistisch.“ Die EU-Kommission hatte Ende vergangenen Jahres die Haushaltsplanungen der Regierung in Rom für 2019 zunächst scharf kritisiert und mit einem Strafverfahren gedroht. Nach dem Verzicht Roms auf rund zehn Milliarden Euro Ausgaben einigten sich beide Seiten schließlich.

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat nach Angaben aus informierten Kreisen den technischen Defekt behoben, der für den Absturz zweier Maschinen des Typs 737 MAX 8 verantwortlich gemacht wird. Das Unternehmen habe eine Korrektur am Trimmsystem MCAS vorgenommen, hieß es gestern aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen.

Am 10. März war eine 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt, im Oktober verunglückte eine Lion-Air-Maschine des gleichen Typs vor der indonesischen Insel Java. Die Abstürze wiesen Ähnlichkeiten auf, weshalb die gesamte Flotte des 737 MAX seit anderthalb Wochen nicht mehr fliegen darf.

Die Auswertung der Flugschreiber lenkte den Verdacht auf das Trimmsystem. Das MCAS soll verhindern, dass der Schub der Triebwerke im Steigflug derart stark wird, dass sich die Maschine nicht mehr gerade ausrichten lässt.

FAA muss System genehmigen

Boeing muss seine Korrektur des Systems nun den drei US-Fluggesellschaften American Airlines, Southwest und United präsentieren, wie es aus Industriekreisen weiter hieß. Die US-Luftfahrbehörde FAA muss dann das überarbeitete System genehmigen.

Boeing selbst lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Seit dem Unglück in Äthiopien steht der US-Flugzeug- und Rüstungskonzern durch fallende Kurswerte an der Börse sowie durch einen enormen Imageschaden unter Druck.

Das deutsche Finanzministerium will einer Zeitung zufolge rund 50 Milliarden Euro ins Schienennetz der Deutschen Bahn (DB) investieren. Die Summe sei für den Zeitraum zwischen 2020 und 2029 vorgesehen, berichtete „Bild am Sonntag“ im Voraus ohne Nennung von Quellen.

Derzeit überweise der Bund jährlich 3,5 Milliarden Euro für sogenannte Ersatzinvestitionen, eine Summe, die alle fünf Jahre neu verhandelt werde. Im Rahmen eines neuen Zehnjahresplans sollten die Zuschüsse für das Schienennetz ab 2020 auf 4,6 Milliarden Euro und ab 2025 auf 5,6 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen. Ein Bahnsprecher habe unter Verweis auf die laufenden Verhandlungen einen Kommentar zu Einzelheiten abgelehnt.

Sport

Chronik

Der Motorschaden an dem gestern vopr Norwegen in Seenot geratenen Kreuzfahrtschiff ist nach Angaben der Einsatzkräfte größtenteils behoben. Drei der vier Motoren der „Viking Sky“ funktionierten wieder, hieß es heute Früh. Damit könne das Schiff wieder mit eigener Kraft fahren. Es soll in einen Hafen gebracht werden.

Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“
AP/NTB scanpix/Odd Roar Lange

Die „Viking Sky“ war mit rund 1.300 Passagieren an Bord bei starkem Wellengang in Seenot geraten. Das Schiff befand sich auf dem Weg von Tromsö in Nordnorwegen nach Stavanger im Süden, als es wegen eines Motorschadens einen Notruf absetzte.

Aufwändiger Einsatz

Die anschließende Rettungsaktion ging nur langsam voran, weil die Passagiere einzeln in einen Hubschrauber hochgezogen werden mussten. Mehrere Menschen mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Die meisten Passagiere an Bord des Kreuzfahrtschiffes stammen laut Polizei aus Großbritannien und den USA.

Evakuierung von Kreuzfahrtschiff
AP/Odd Roar Lange

Zweites Schiff in Seenot

Im selben norwegischen Küstengebiet geriet unterdessen ein Frachter in Seenot. Bei dem Frachtschiff „Hagland Captain“ sei im Seegebiet Hustadvika ebenfalls der Motor ausgefallen, woraufhin es Schlagseite bekommen habe, teilte der südnorwegische Rettungsdienst mit. Das norwegische Fernsehen berichtete, der Frachter habe sich auf dem Weg zum Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ befunden, um bei dem dort laufenden Rettungseinsatz zu helfen. Die Wellen waren laut Rettungsdienst bis zu acht Meter hoch.

Starker Wind

Der Einsatz fand bei Windgeschwindigkeiten von 38 Knoten statt, was etwa 70 km/h entspricht. Die 2017 gebaute „Viking Sky“ gehört Viking Ocean Cruises, die wiederum zur Viking Cruises Group gehört, die vom norwegischen Milliardär Torstein Hagen gegründet wurde.

Laut der Webseite des Unternehmens beträgt die maximale Zahl an Passagierinnen und Passagieren 930. Dazu kommt dann noch die Besatzung, über deren exakte Zahl zunächst keine Informationen vorlagen. Das knapp 230 Meter lange Schiff wird von vier Maschinen angetrieben.

Kultur

Lifestyle

Diagonale