Ausland

EuGH urteilt über möglichen „Brexit“-Rückzieher

Der Europäische Gerichtshof urteilt heute, ob Großbritannien den Austritt aus der Europäischen Union ohne Zustimmung der übrigen EU-Länder stoppen könnte. Das oberste schottische Zivilgericht hatte den EuGH um diese Bewertung gebeten.

Großbritannien hatte der EU im März 2017 offiziell die Absicht zum Austritt mitgeteilt. Damit begann ein zweijähriges Verfahren, das nach jetzigem Stand mit dem „Brexit“ am 29. März 2019 endet. Vor dem EuGH geht es um die Frage, ob Großbritannien den Austrittsantrag einseitig zurückziehen könnte.

Das Urteil fällt einen Tag vor der Abstimmung des britischen Parlaments über das von Regierungschefin Theresa May mit der EU ausgehandelte Brexit-Vertragspaket. Dafür zeichnet sich keine Mehrheit ab. Mit der Abstimmung fürchte sich auch die Zukunft der Premierministerin entscheiden.

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Armenien: Partei von Regierungschef führt bei Wahl

Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen in Armenien liegt die Partei des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan nach Teilergebnissen in Führung. Wie die Wahlkommission gestern Abend nach Auszählung von 25 Prozent der Wahlbezirke mitteilte, kommt Paschinjans Parteienbündnis auf 70,25 Prozent.

Der Reformpolitiker Paschinjan will mit einem Sieg bei der vorgezogenen Wahl den Machtwechsel in der Ex-Sowjetrepublik besiegeln. Paschinjan war im Mai zum Regierungschef gewählt worden, nachdem er wochenlange Proteste gegen den langjährigen Staatschef Sersch Sarkissjan angeführt hatte. Seither begann er Reformen in Polizei und Geheimdiensten.

Im bisherigen armenischen Parlament hatte allerdings die Partei von Ex-Präsident Sarkissjan weiterhin eine Mehrheit. Paschinjan sah dies als Hindernis für seine Reformagenda. Der 43-jährige frühere Journalist trat deshalb Mitte Oktober zurück, um Neuwahlen zu ermöglichen. Eigentlich hätte die nächste Parlamentswahl erst 2022 stattfinden sollen.

UNO bringt Hilfslieferungen von Jordanien nach Syrien

Erstmals seit der Wiedereröffnung eines wichtigen Grenzübergangs zwischen Syrien und Jordanien hat ein UNO-Konvoi mit Hilfen für 650.000 Syrerinnen und Syrer die Grenze passiert. 369 Lkw seien an der vierwöchigen Aktion, die gestern startete, beteiligt, teilte das UNO-Büro für die Koordinierung der Nothilfe OCHA mit. Sie transportieren dringend benötigte Nahrungsmittel, Wasser, Zelte und Medikamente.

Der Übergang Jaber-Nassib war am 15. Oktober wieder geöffnet worden. Der Übergang an der Autobahn von Damaskus nach Amman war seit seiner Übernahme durch syrische Rebellen im April 2015 geschlossen gewesen. Im Juli zwangen Truppen der Regierung in Damaskus jedoch die Aufständischen zum Abzug aus der Region, womit der Weg für die Wiedereröffnung der wichtigen Handelsroute freigemacht wurde.

Seit dem Beginn des Bürgerkriegs im Nachbarland 2011 hat Jordanien nach eigenen Schätzungen knapp 1,3 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Insgesamt verließen mehr als die Hälfte der 23 Millionen Syrer ihre Heimat.

Insider: Trumps Kandidat für Stabsführung winkt ab

US-Präsident Donald Trump muss sich Insidern zufolge einen anderen Kandidaten für den Posten des Stabschefs im Weißen Haus suchen. Sein Wunschkandidat, der bisherige Stabschef von Vizepräsident Mike Pence, Nick Ayers, stehe nicht zur Verfügung, sagten zwei mit der Entwicklung vertraute Personen gestern.

Entscheidung bis Ende des Jahres

Ayers selbst schrieb auf Twitter lediglich, er werde das Amt bei Pence zum Jahresende aufgeben und sich dann anderweitig in Trumps Sinne politisch betätigen. Den Kreisen zufolge sind nun Finanzminister Steven Mnuchin und der als erzkonservativ geltende republikanische Abgeordnete Mark Meadows im Gespräch. Trump werde über die Nachfolge von John Kelly bis Ende des Jahres entscheiden.

Zu diesem Zeitpunkt gibt Kelly laut dem Präsidenten die Leitung der Stabsstelle auf. Kelly und Trump waren in den vergangenen Monaten wiederholt aneinandergeraten. Vor Kelly hatte Reince Priebus den Posten nach nur sechs Monaten im Amt verlassen.

Den Wunschkandidaten Ayers wollte Trump Präsidialamtskreisen zufolge für zwei Jahre verpflichten, was der 36-Jährige aus familiären Gründen aber nicht habe zusagen können.

Fall Khashoggi: Saudi-Arabien schließt Auslieferung aus

Im Fall des ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat Saudi-Arabien eine Auslieferung von zwei hohen Beamten aus dem Umfeld des Kronprinzen Mohammed bin Salman ausgeschlossen. Die Türkei hatte Anfang Dezember gegen Saud al-Kahtani, einem engen Vertrauten des Prinzen, und den Ex-Geheimdienst-Vizechef Ahmed al-Asiri Haftbefehle erlassen. Khashoggi war am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden.

Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair sagte gestern, sein Land werde die Gesuchten nicht überstellen, wie der saudische Sender Al-Arabija online berichtete. „Wir liefern unsere Bürger nicht aus.“

Medien: Laut Haftbefehl „Folter“

Den Haftbefehlen zufolge, aus denen die türkische Nachrichtenagentur Anadolu zitierte, wirft die Staatsanwaltschaft den beiden prominenten Beamten „geplanten und vorsätzlichen Mord“ vor. Auch von „Folter“ ist die Rede. Die Männer seien unter denjenigen gewesen, die den Mord in Saudi-Arabien geplant hätten. Die Fahndungs- und Haftbefehle wurden allerdings eher als ein politischer Schachzug bewertet, um den Druck auf Saudi-Arabien aufrecht zu erhalten, als ein aussichtsreiches juristisches Manöver.

Saudi-Arabien hat einen eigenen Prozess angestrengt, in dem angeblich elf Menschen angeklagt wurden und fünf nach dem Willen der Staatsanwaltschaft hingerichtet werden sollen.

Die Türkei und Saudi-Arabien sind Rivalen in der Region. Außerdem nimmt es die türkische Regierung Riad übel, das Verschwinden des Regierungskritikers in der Türkei orchestriert zu haben.

Nobelpreisträger nehmen Auszeichnungen entgegen

In Oslo und Stockholm werden heute die Trägerinnen und Träger der diesjährigen Nobelpreise ihre Auszeichnung entgegennehmen. Die Friedensnobelpreisträger, die Jesidin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege bekommen die Auszeichnung, weil sie mit ihrem Engagement bekannt machten, wie sexuelle Gewalt in Kriegs- und Konfliktgebieten als Waffe genutzt wird.

Sie werden bei einer Zeremonie im Osloer Rathaus ihr Diplom und ihre Medaille entgegennehmen. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm werden die Nobelpreise für Medizin, Chemie, Physik und Wirtschaftswissenschaften verliehen. Der Literaturnobelpreis wurde wegen eines Streits in der Schwedischen Akademie für dieses Jahr abgesagt.

Inland

Ärztekammer drängt auf ambulante Sonderklasse

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) drängt auf die Möglichkeit, in Spitalsambulanzen Sonderklassegebühren einzuheben. Es gehe nicht um „VIP-Ambulanzen“, sagte gestern ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres, sondern eigentlich darum, Zweiklassenmedizin zu verhindern. Deshalb forderte er die Parteien auf, dem Regierungsentwurf zuzustimmen. Die SPÖ will ein Verbot von Sonderklasse für ambulante Leistungen.

Szekeres ist – wie es in einer Aussendung hieß – „unglücklich“ darüber, „dass eine Maßnahme, die eine Zweiklassenmedizin verhindern soll, nun als Maßnahme für die Zweiklassenmedizin politisch diskutiert wird“. Die ambulante Sonderklasse wäre nötig, um zu verhindern, dass Zusatzversicherte in Privatspitäler abwandern.

Es gehe aber nicht darum, ihnen „Fast Lanes“ – also eine bevorzugte Behandlung – zu bieten. Vielmehr müsse man öffentlichen Krankenhäusern ermöglichen, heutzutage ambulant erbrachte Leistungen wie Augenoperationen, Stents und einfache Operationen auch mit den Privatversicherungen abzurechnen. Bisher habe man das als „tagesklinische Leistungen“ bezeichnet und damit verhindert, dass Zusatzversicherte stationär aufgenommen werden müssen, damit die Privatkrankenversicherung bezahlt.

Drohende Einnahmenrückgänge

Den öffentlichen Spitälern eine ambulante Sonderklasse zu verbieten, würde ihnen und ihren Ärzten Einnahmenrückgänge bescheren, argumentierte Szekeres. Zudem würden die Privatkrankenversicherungen diese Leistungen dann nur mehr in ihren Privatspitälern anbieten – womit die Trennung von Privat- und sonstigen Patienten noch weiter fortschreiten und öffentliche Spitäler für Ärzte weniger attraktiv würden.

Die Änderung des Kranken- und Kuranstaltengesetzes (KAKuG) wird am Donnerstag im Nationalrat beschlossen. Die SPÖ befürchtet, dass die geplante Bestimmung darauf abzielt, Privatpatienten in den Ambulanzen bevorzugt zu behandeln. Deshalb hat Vizeklubchef Jörg Leichtfried einen Abänderungsantrag angekündigt, der die „Einhebung von Sonderklassegebühren für jede Art von ambulanten Leistungen“ verbietet.

IGGÖ-Präsident ist gegen „jede Form von Extremismus“

Der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, sieht im zunehmenden antimuslimischen Rassismus einen seiner großen Arbeitsschwerpunkte. Es gelte, die Kräfte innerhalb der Glaubensgemeinschaft zu bündeln und „jede Form von Extremismus Hand in Hand mit der Gesamtgesellschaft“ zu bekämpfen, sagte er nach seiner Wahl Samstagabend.

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FPÖ-Landeschefs kritisieren Moser: „Justiz ist Baustelle“

Die FPÖ-Landesparteichefs von Tirol und Vorarlberg, Markus Abwerzger und Christof Bitschi, warten mit scharfer Kritik an ÖVP-Justizminister Josef Moser auf. „Er kommt nicht in die Gänge. Im Justizministerium stockt es. Der Justizbereich ist eine Baustelle“, sagte Abwerzer gestern. Die Umsetzung des Regierungsprogramms im Bereich Justiz sei bis dato nicht erfolgt, so die Landesparteichefs.

„Am meisten Aufholbedarf“

Moser müsse „endlich tätig werden“ und sich neben seiner Funktion als Reformminister auch um den Justizbereich kümmern. Es gehe einfach „so nicht mehr weiter“. „Er hat im Jahr 2019 sicher am meisten Aufholbedarf“, meinte Abwerzger in Richtung Justizminister.

Bitschi verwies auf drängende Probleme bei den Asylverfahren und dabei vor allem auf die „stockenden Verfahren am Bundesverwaltungsgericht“. Während bei dem in die Zuständigkeit des Innenministeriums fallenden Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) rund 10.000 anhängig seien, würde die Zahl der anhängigen Verfahren bei dem zum Justizbereich gehörenden Bundesverwaltungsgericht 30.000 betragen.

Auch in Bezug auf die vereinbarten Reformen im Vollzugsbereich sah Abwerzger Moser nach wie vor säumig. Insgesamt herrsche „Notstand“ im Bereich der Justiz. Das sei das Resultat der bis zum vergangenen Jahr amtierenden SPÖ-ÖVP-Regierung.

EU

Claudia Gamon will NEOS in EU-Wahl führen

Die Nationalratsabgeordnete Claudia Gamon will NEOS in die EU-Wahl führen. Sie habe sich entschlossen, bei der Kandidatenkür am 26. Jänner für Listenplatz eins anzutreten, gab sie gestern via Instagram bekannt. Damit wird NEOS auch nach Angelika Mlinars Rückzug eine Frau an der Spitze der EU-Liste haben.

Gamon, die aus Vorarlberg stammt, war schon zweimal – erfolgreiche – österreichweite Spitzenkandidatin, nämlich der liberalen Hochschülerschaftsfraktion JULIS (mittlerweile JUNOS) in den Jahren 2011 und 2013. Im Oktober 2015 kam sie als Nachfolgerin von Beate Meinl-Reisinger, die damals in den Wiener Gemeinderat wechselte, in den Nationalrat. Dort ist die 29-jährige Betriebswirtin aktuell NEOS-Bereichssprecherin für Wissenschaft und Forschung, Rechnungshof, Frauen, Jugend und Sport. Wahlziel von NEOS für den 26. Mai sind zwei Mandate. 2014 holte sich die Partei mit 8,14 Prozent einen Sitz im EU-Parlament.

Die EU-Kandidaten bei NEOS werden mit einem Hearing am 12. Jänner und dann einem offenen Onlinevoting vom 18. bis 24. Jänner gekürt, endgültig gewählt wird die Liste von der Mitgliederversammlung am 26. Jänner. Für die Erstellung der Kandidatenliste werden sowohl das Voting als auch die Abstimmungen in den NEOS-Gremien und in der Mitgliederversammlung berücksichtigt und zusammengezählt.

Neue EU-Verordnungen zu stärkerer Überwachung ab 2019

Die EU-Innenminister haben diese Woche im Ministerrat die umstrittene Verordnung „zur Verhinderung der Verbreitung terroristischer Online-Inhalte“ durchgewunken. Der Ministerrat billigte auch die ebenso umstrittene Verordnung zur „Sicherung elektronischer Beweismittel“ („E-Evidence“).

Beiden gemeinsam ist, dass Strafverfolger unter Umgehung nationaler Behörden EU-weit erstmals grenzüberschreitend auf Inhalte im Netz zugreifen können.

Die Anti-Terror-Verordnung schreibt grenzüberschreitendes Löschen von Daten binnen einer Stunde und indirekt auch Upload-Filter vor. In beiden Fällen drohen Strafen von zwei bzw. vier Prozent des Weltumsatzes. Klarerweise sind damit in erster Linie die US-Internetkonzerne gemeint, ebenso klar aber ist, dass auch alle anderen Anbieter betroffen sind.

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Wirtschaft

Landesweiter Warnstreik der Deutschen Bahn

Ein bundesweiter Warnstreik von Beschäftigten der Deutschen Bahn dürfte heute Früh die Reisepläne Tausender Fahrgäste und Berufspendler in Deutschland durchkreuzen. Für die Zeit von 5.00 bis 9.00 Uhr hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Mitglieder im Konzern zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Wo genau wie viele Verbindungen ausfallen, war nicht bekannt. Die Bahn stimmte ihre Kunden aber bereits am Abend auf einen „stark beeinträchtigten“ Zugverkehr in ganz Deutschland ein.

Auch in den Stunden nach dem Warnstreikende am Vormittag sei mit Störungen zu rechnen, erklärte das Unternehmen: „Die Deutsche Bahn setzt alles daran, die Auswirkungen der Warnstreiks auf ihre Kunden so gering wie möglich zu halten.“ Man bedauere, „dass die Reisenden, darunter viele Arbeitnehmer, in der Adventszeit möglicherweise mehr Zeit und Geduld aufbringen müssen, um an ihr Ziel zu kommen.“

Die EVG hatte nach abgebrochenen Tarifgesprächen zu dem Ausstand aufgerufen. Ein Schwerpunkt soll nach Informationen der Bahn Nordrhein-Westfalen sein. Aus Kreisen der EVG hieß es, die Aktionen sollten vor allem in Stellwerken und Werkstätten anlaufen.

Am Wochenende gingen die Tarifparteien in Hannover ohne Ergebnis auseinander. Die EVG nannte ein aus ihrer Sicht zu geringes Lohnangebot des Managements als Anlass für die Warnstreiks – die Bahn sprach hingegen von einer „völlig überflüssigen Eskalation“. Sie rief die Gewerkschaft auf, eine Einladung zu neuen Gesprächen anzunehmen.

Handelsverband erhob Beschwerde gegen Amazon

Der österreichische Handelsverband hat eine Beschwerde gegen den Onlineriesen Amazon eingebracht, nun ermittelt die Bundeswettbewerbsbehörde, berichtet der „Standard“ (Montag-Ausgabe). Im Visier stehen der Datenaustausch innerhalb Amazons und seine Geschäftsbedingungen für Händler.

Doppelrolle Amazons in der Kritik

Konkret gehe es um eine Sachverhaltsdarstellung rund um die Doppelrolle des Konzerns, der zum einen klassischer Onlinehändler ist, zum anderen jedoch auch größter Marktplatz für andere Webshops. Amazon soll zwischen diesen beiden Tätigkeiten unerlaubt Daten austauschen und sich damit erhebliche Vorteile gegenüber anderen Handelspartnern aus Österreich verschaffen.

„Als führender Marktplatz kann Amazon theoretisch die Daten der gelisteten Händler einsehen, deren Preise unterbieten und langfristig das gesamte Geschäft an sich binden. All das läuft gänzlich an der österreichischen Volkswirtschaft vorbei.“, so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, laut Aussendung.

Berichte über Unklarheiten bei Verträgen

Im Visier sind zudem laut dem „Standard“-Bericht die Verträge des Konzerns mit seinen Marktplatzhändlern. Diese sollen mit starken Vorbehalten und Unklarheiten zugunsten Amazons verbunden sein. Amazon selbst war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auch in Deutschland wird gegen Amazon ermittelt. Dabei stehen mögliche missbräuchliche Geschäftspraktiken auf dem Prüfstand, teilte das deutsche Bundeskartellamt Ende November mit.

8. Dezember: Handel sieht Anzeichen für starkes Geschäft

Nach dem 8. Dezember sieht der Handel nun doch Anzeichen für eine Trendwende: Nach einem eher müden Start komme das Weihnachtsgeschäft nun doch in Schwung, so der stellvertretende Geschäftsführer der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Roman Seeliger, gegenüber der APA. Nun hoffe man auf ein starkes Finale.

Gefragt waren am Samstag vor allem Gutscheine, Kosmetika und Schmuck, Kleidung sowie bis zu einem gewissen Grad auch Bücher und Spielwaren. Das Wetter habe zum „Erlebniseinkauf“ der ganzen Familie eingeladen, wovon sowohl Geschäftsstraßen als auch Einkaufszentren profitierten. Die Hoffnung auf ein insgesamt gutes Weihnachtsgeschäft ergebe sich auch daraus, weil der Trend zu Späteinkäufen von Jahr zu Jahr stärker werde, erläuterte Seeliger.

Gewerkschaft protestierte

In den vergangenen Jahren galt der offene 8. Dezember als zusätzlicher Weihnachtseinkaufstag. Da der Feiertag heuer auf einen Samstag fiel, war das auch der Grund, warum heuer der erste Adventeinkaufssamstag bereits am 24. November über die Bühne ging. Der 8. Dezember galt also nicht als regulärer Einkaufssamstag. Die Geschäfte konnten von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, aber nicht wie sonst an einem Einkaufssamstag von 6.00 Uhr früh bis 18.00 Uhr offen halten.

Dafür gab es heuer Gewerkschaftsproteste: Im Ringen um den Kollektivvertrag für die 430.000 Handelsangestellten kam es in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck inmitten des vorweihnachtlichen Einkaufstrubels zu Protestaktionen der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Dabei wurden auch die Konsumenten aufgefordert, die Anliegen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu unterstützen. Zuletzt haben die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung im Handel um 2,35 Prozent angeboten. Die Gehaltsforderung der Gewerkschaft liegt bei 3,5 Prozent bzw. mindestens 60 Euro.

Sport

Chronik

Totes Baby: Mutter wieder auf freiem Fuß

Nach dem Fund eines toten Säuglings in Weikendorf (Niederösterreich) ist die 18-jährige Mutter wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Das Landesgericht Korneuburg leistete dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf U-Haft nicht Folge. Der Richter habe keine Haftgründe gesehen, bestätigte Sprecher Friedrich Köhl gestern einen Bericht der Tageszeitung „Heute“ (Onlineausgabe).

Säugling wäre lebensfähig gewesen

Gegen die Frau wird laut Staatsanwalt Köhl wegen Mordverdachts ermittelt. Für Verbrechen, die mit einer mindestens zehnjährigen Freiheitsstrafe bedroht sind, ist zwar eine bedingt obligatorische Untersuchungshaft vorgesehen. Da es sich bei der 18-Jährigen um eine junge Erwachsene handelt, gelten jedoch andere Bestimmungen.

Den Angaben der Frau zufolge war das Baby am 7. November nachmittags zur Welt gekommen. Sie habe keine Lebenszeichen bei dem Säugling wahrgenommen. Sie hätte keine Gewalt gegen das Kind ausgeübt, aber auch keine lebenserhaltenden Maßnahmen gesetzt. Das tote Baby wurde am Donnerstag von einem Gemeindemitarbeiter in einem Gebüsch entdeckt. Dem Obduktionsergebnis zufolge wäre der männliche Säugling lebensfähig gewesen. In Folge wurde die Mutter ausgeforscht.

Ein Gewinner knackt Lotto-Vierfachjackpot

Bei der gestrigen Ziehung von Lotto „6 aus 45“ hat es einen Solosechser zu rund 5,86 Mio. Euro gegeben. Es wurden folgende Gewinnzahlen ermittelt:

15 16 35 38 41 42 / Zusatzzahl: 19

Die Zahlen bei Lotto plus waren:

6 16 19 23 27 45

Der richtige Joker lautet:

4 9 7 5 6 7

Alle Angaben ohne Gewähr.

Ersatzgerät im Einsatz

Die Ziehung der Lottozahlen musste zuerst unterbrochen werden. Noch vor Verkündung der ersten Gewinnzahl ertönte ein Warnsignal. Ein „technischer Defekt“, heißt es vonseiten der Lotterien, führte dazu, dass ein Ersatzgerät für die Ziehung verwendet werden musste. Der zweite Anhieb verlief ohne Zwischenfälle.

Panik in Disco: Reizgassprüher offenbar identifiziert

Nach der Massenpanik in einer italienischen Diskothek am Samstag hat die Polizei laut Medienberichten einen Jugendlichen identifiziert, der dort Reizgas versprüht und damit das Unglück verursacht haben soll. Bei der Massenpanik starben sechs Menschen.

Polizei vor der Disco Lanterna Azzurra
APA/AFP/Luca Prizia

Der Bursch, der im Lokal eine schwarze Kappe trug, wurde mit Hilfe von Zeugen identifiziert, hieß es. Währenddessen wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen im Lokal überprüft, in dem sich laut Ermittlern wesentlich mehr Menschen als erlaubt aufhielten – was die Inhaber dementierten.

Inhaber wehren sich gegen Vorwürfe

Im Lokal befanden sich laut einem Eigentümer nicht mehr als 800 Personen. Der Mann bestritt auch, dass wesentlich mehr Karten für das Konzert des Mailänder Rappers Sfera Ebbasta verkauft worden seien, als die Diskothek Platz biete. Der Inhaber des Lokals beklagte Morddrohungen gegen ihn.

Der Gesundheitszustand von sieben schwer verletzten Jugendlichen im Krankenhaus von Ancona blieb stabil, aber weiterhin kritisch, berichteten die Ärzte. Mehrere Leichtverletzte konnten die Spitäler der Gegend verlassen. Inzwischen wurden Kontrollen in italienischen Diskotheken verschärft. Die Polizei schloss zwei Lokale in der süditalienischen Provinz Salerno, nachdem festgestellt wurde, dass sich darin zu viele Besucher befanden.

Religion

Klöster an Taufstelle Jesu nach 50 Jahren zugänglich

Drei Klöster an der Stätte, an der Jesus Christus nach biblischer Überlieferung vor gut 2.000 Jahren getauft worden sein soll, sind nach rund 50 Jahren erstmals wieder zugänglich. Die britische Halo-Stiftung befreit mit dem israelischen Verteidigungsministerium das Gebiet um Kasr al-Jahud seit dem Frühjahr von Minen und Sprengfallen. „Die Minenräumung der Taufstelle – eine für viele so wichtige Sehenswürdigkeit – ist eine einmalige und wundervolle Arbeit“, sagte der Leiter der israelischen Minenräumungsbehörde gestern.

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Lifestyle

Kultur

Judith Schalansky: Jägerin der verlorenen Schätze

Versunkene Inseln, ausgestorbene Tierarten und verschollene Zeugnisse – Judith Schalansky hat sie in einem „Verzeichnis einiger Verluste“ archiviert. Die Erzählsammlung, die schon vor Erscheinen mit dem renommierten Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet wurde, ist eine vielstimmige, akribisch recherchierte und grandios fantasievolle Annäherung an Phänomene der Zerstörung und Zersetzung.

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„Die Weiden“: Jubel für Uraufführung an Staatsoper

Ein Warnschrei, getarnt als Groteske: Mit der Uraufführung von „Die Weiden“ von Johannes Maria Staud und Durs Grünbein Samstagabend hat die Wiener Staatsoper eine bitterböse Abrechnung mit der „conditio austriaca“ und damit zugleich ein Lehrbuchexemplar eines österreichischen Theatermahnmals herausgebracht.

Das Stück, in dem Nationalismus, Hetze und Fremdenhass mit dickem Pinselstrich und einer dringend notwendigen Portion Absurdität an den Pranger gestellt werden, erzählt anhand einer Flussreise, die unschwer erkennbar an der Donau in Ostösterreich angesiedelt ist, vom Versinken einer Gesellschaft im braunen Strom, verziert mit pseudointellektuellen Bierzeltreden und vollendet durch die Verwandlung von Menschen in hässliche, gleichförmige Karpfen.

Ö1 bietet die Uraufführung von „Die Weiden“ zum Nachhören in seinem Player.

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Ungeschminkte Gegenwartsparabel

Regisseurin Andrea Moses inszenierte die ungeschminkte Gegenwartsparabel mit viel Pragmatismus, setzt ein bisschen gar viel auf Filmeinspielungen und sorgt mit Sinn für beiläufige Pointen für eine ganze Reihe starker Szenen.

Stauds charakteristische Tonsprache, die Elektronisches beinahe gleichwertig in ihre Textur integriert, reich an Zitaten und Collagen ist und sich über weite Strecken auf den gesprochenen statt gesungenen Text verlässt, sorgt für hohe Spannung und vermittelt emphatisch die Dringlichkeit einer nur noch knapp zu vereitelnden Katastrophe.

„Die Weiden“
Wiener Staatsoper GmbH/Michael Pöhn

Lang anhaltender Beifall

Das Libretto von Grünbein verwebt Zitate aus dem aktuellen politischen Diskurs geschickt in ein düsteres Sprachpanorama am schmalen Grat zwischen Heimat und Hass, zwischen Verdrängtem und Hervorbrechendem. Der laut hörbaren, warnenden Botschaft wird dabei jedoch meist das Primat vor dem Poetischen eingeräumt.

Von einigen fest entschlossenen Buhrufern abgesehen zeigte sich das Publikum einverstanden und spendete den Protagonisten und Machern langen Applaus. Rachel Frenkel, die sich wegen einer Stimmbandentzündung Nachsicht erbeten hatte, wurde für ihre Hauptrolle als kritische Fremde Lea gefeiert, Tomasz Konieczny für seine kraftstrotzende Darstellung des heimkehrenden Peter.