Inland

Sozialversicherung: Doch kein Rotationsprinzip im Dachverband

Das ursprünglich geplante Rotationsprinzip bei der Führung des künftigen Dachverbands der Sozialversicherungsträger kommt nun doch nicht. ÖVP und FPÖ werden dem Vernehmen nach noch einen entsprechenden Abänderungsantrag zum Sozialversicherungsreformpaket einbringen, das heute im Nationalrat beschlossen wird.

Der Entscheidung waren in den vergangenen Tagen intensive Gespräche zwischen den Sozialpartnern Wirtschaftskammer und Gewerkschaft vorangegangen, mit der Regierung konnte man sich schließlich auf eine entsprechende Adaptierung des Führungsmodells im Dachverband einigen, der in der jetzigen Struktur noch als Hauptverband der Sozialversicherungsträger firmiert.

In ersten Plänen sollte der Dachverband, der unter anderem Kassenverträge mit Ärzten und Ärztinnen und Medikamentenpreise mit der Pharmaindustrie verhandeln und koordinierende Aufgaben für die Sozialversicherungen übernehmen soll, in jährlicher Rotation von einem der Obmänner der künftig fünf Sozialversicherungsträger geführt werden.

Regierung sieht zwei fixe Vorsitzende vor

Das hätte sieben verschiedene Vorsitzende in fünf Jahren zur Folge gehabt. Von den bisherigen Spitzen des Hauptverbands gab es deshalb Kritik. Eine gezielte Unternehmensentwicklung werde damit verunmöglicht, in der Privatwirtschaft würde kein Unternehmen den Chef so oft tauschen. Ein solches System sei wirtschaftlich dysfunktional und würde den Dachverband handlungsunfähig machen, so die Argumentation.

Die Regierung hat in letzter Minute auf die Bedenken reagiert und sieht nun doch zwei fixe Vorsitzende vor, die den Vorsitz im Dachverband für fünf Jahre abwechselnd ein halbes Jahr führen und damit de facto eine Doppelspitze bilden, wie aus dem der APA vorliegenden Abänderungsantrag hervorgeht. Die beiden Vorsitzenden werden aus dem Kreis der zehn Obleute und Stellvertreter der fünf neuen Sozialversicherungsträger gewählt.

Papamonat: AK kritisiert „absurde bürokratische Hürden“

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl fordert das Familienministerium auf, „absurde bürokratische Hürden“ beim Familienzeitbonus (Papamonat) zu beseitigen. So vertritt die AK einen Vater vor Gericht, dessen Antrag abgelehnt wurde, weil Mutter und Kind nach Komplikationen bei der Geburt im September ein paar Tage länger im Spital bleiben mussten.

Durch diesen Spitalsaufenthalt habe der Vater keinen gemeinsamen Haushalt mit Mutter und Kind gehabt, lautete der AK zufolge die Begründung für die Ablehnung. Für den Familienzeitbonus muss der Vater mindestens 28 Tage lang mit Mutter und Kind zusammenleben.

Der Antrag sei abgelehnt worden, weil der Spitalsaufenthalt nicht als Zeit gewertet wurde, die der betroffene Vater, der anonym bleiben möchte, mit seiner Frau und seinem Kind in einem gemeinsamen Haushalt lebte. Den Antrag nachträglich zu ändern und den Beginn des Papamonats auf die Zeit nach dem Spitalsaufenthalt zu verschieben ist laut AK nicht möglich.

Anderl fordert Rechtsanspruch

„Es widerspricht jedem gesunden Menschenverstand, wenn die Eltern zusammenleben, nicht von einem gemeinsamen Haushalt auch mit dem Kind auszugehen“, so Anderl zur APA. „Eine Auslegung des Gesetzes, die zu einer Ablehnung des Familienzeitbonus für den Vater führt, weil Mutter und Kind wegen Komplikationen im Spital sind, würde ja dem Sinn und Zweck des Papamonats völlig widersprechen.“

Die AK-Präsidentin fordert nun vom Familienministerium, diese Hürden zu beseitigen, da es sich nicht um einen Einzelfall handle. Außerdem brauche es einen Rechtsanspruch auf den Betreuungsmonat.

Auf der Website des Familienministeriums heißt es, der Familienzeitbonus in Höhe von 700 Euro sei für erwerbstätige Väter vorgesehen, „die sich unmittelbar nach der Geburt des Kindes intensiv und ausschließlich der Familie widmen und ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen“. Allerdings wird auch darauf verwiesen, dass der Bezug bei einer Geburt im Krankenhaus „frühestens am Tag der Entlassung des Kindes aus dem Krankenhaus“ beginnen könne.

Familienministerium will Problem „beleuchten“

Das Familienministerium reagierte auf den aufgezeigten Härtefall der AK zurückhaltend. „Der geschilderte Fall stellt für die Familie sicherlich eine schwierige Situation dar“, sagte ein Sprecher in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Ob es eine Reparatur geben wird, solle aber erst im Zuge der Evaluierung des Kinderbetreuungsgeldkontos geklärt werden.

Das Familienministerium sagte, dass nur 0,2 Prozent der abgelehnten Fälle wegen eines nicht gemeinsamen Haushalts abgelehnt werden. „Das neue Kinderbetreuungsgeldkonto und den Familienzeitbonus gibt es seit 1.3.2017. Derzeit wird dieses System evaluiert. Im Zuge dieser Evaluierung wird auch der Familienzeitbonus beleuchtet werden“, so der Sprecher.

NÖ: Erneut Rücktrittsaufforderung an Waldhäusl

Der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) sieht sich erneut mit einer Rücktrittsaufforderung konfrontiert, nachdem er gesagt hatte, dass man bei integrationsunwilligen Asylwerbern eine „Sonderbehandlung“ anstreben müsse.

Für Reinhard Hundsmüller, Klubobmann der SPÖ Niederösterreich, ist „spätestens jetzt der Zeitpunkt erreicht“, an dem der FPÖ-Landesrat zurücktreten müsse.

„Der Begriff ‚Sonderbehandlung‘ war in der NS-Sprache eine Tarnbezeichnung für die Ermordung von Menschen“, hieß es heute in einer Aussendung. „Auch wenn es nicht für möglich zu halten war, die neuerliche Entgleisung mit der Verwendung von NS-Bezeichnungen zeigt eine neue Qualität des widerwärtigen Drehens der Sprachspirale nach unten“, wurde Hundsmüller zitiert. Waldhäusl sei „untragbar“ und „in jeder politischen Funktion fehl am Platz“.

Behördenwege werden elektronisch erleichtert

Die Behördenwege sollen elektronisch weiter erleichtert worden. Das bestimmt eine Gesetzesnovelle, die gestern Abend vom Nationalrat beschlossen wurde. So werden die Anwendungsmöglichkeiten der Bürgerkarte nun auch auf An- und Ummeldungen im Zentralen Melderegister ausgedehnt.

Daneben werden die Behördenwege nach der Geburt eines Kindes durch die Einführung eines digitalen „Babypoints“ vereinfacht. Vorgesehen ist auch ein Erinnerungsservice über den bevorstehenden Ablauf der Gültigkeitsdauer eines Reisepasses.

ÖH-Wahl wird um einen Tag vorgezogen

Ebenfalls in den Abendstunden der nach Mitternacht zu Ende gegangenen Sitzung wurde eine Verschiebung der ÖH-Wahlen beschlossen. Diese werden von 27. Mai bis 29. Mai 2019 abgehalten und damit einen Tag früher als üblich, weil der 30. Mai ein Feiertag ist.

SPÖ verlangt Doppelpass für Holocaust-Opfer-Nachfahren

Die Nachfahren von Holocaust-Opfern sollen die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten, sofern sie das wünschen. Das sieht ein Gesetzesantrag der SPÖ vor, der heute im Nationalrat eingebracht wird. Auch die Koalition hat entsprechende Pläne geschmiedet, bisher aber keine Gesetzesinitiative vorgelegt.

Der SPÖ-Antrag richtet sich an Personen, deren Vorfahren sich als Staatsbürger oder Staatsbürgerinnen vor dem 9. Mai 1945 aufgrund von Verfolgung ins Ausland begeben haben.

Straftäter ausgenommen

Ausgenommen wären nur jene Nachfahren, die etwa als verurteilte Straftäter, Kriegsverbrecher, Terroristen oder Extremisten registriert sind. Bei Staaten, für die das erforderlich erscheint, sollten im Wege bilateraler Abkommen Doppelstaatsbürgerschaften ermöglicht werden.

Die geplante Privilegierung in Sachen Staatsbürgerschaft soll mit der dritten der eigentlich vertriebenen Person nachfolgenden Generation, also den Urenkeln, erlöschen. Allerdings sollen auch diese die Staatsbürgerschaft noch auf ihre eigenen Kinder erstrecken lassen können, sodass die Privilegierung eine Familiengeschichte von rund 100 Jahren jedenfalls abdeckt.

TV-Hinweis

Ausland

US-Senat treibt Votum zu Saudi-Arabien-Resolution voran

Der Senat in Washington treibt eine Resolution für ein Ende der US-Unterstützung für den Militäreinsatz Saudi-Arabiens im Jemen voran. Die Kongresskammer votierte gestern dafür, eine Schlussabstimmung über den Text zuzulassen, der ein klares Signal gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump ist. Unter den 60 Ja-Stimmen waren auch die von elf Senatoren von Trumps Republikanern. Die Schlussabstimmung wird für heute erwartet.

Allerdings müsste die Resolution selbst bei einer Annahme durch den Senat noch in das Repräsentantenhaus. Dort haben die Republikaner noch bis 3. Jänner eine Mehrheit. Trump könnte zudem ein Veto gegen den Text einlegen. Die Resolution hat deswegen vor allem symbolischen Charakter.

Kritik an weichem Kurs gegenüber Riad

Senatoren der oppositionellen Demokraten wie der Republikaner kritisierten, dass Trump trotz der offensichtlichen Rolle Saudi-Arabiens bei der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi (Dschamal Chaschukdschi) und bei der humanitären Krise im Jemen keinen härteren Kurs gegen das Land fährt.

Die geplante Resolution verlangt ein Ende der militärischen Unterstützung der USA für die saudi-arabisch geführten Kräfte im Jemen-Krieg. Bisher lassen die USA dem Königreich Geheimdienstinformationen zukommen und bilden Piloten aus. Eine Zeit lang halfen sie auch bei der Luftbetankung von Kampfflugzeugen im Jemen-Einsatz.

Der Senat könnte in den kommenden Tagen außerdem einen Text beschließen, in welchem dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman eine direkte Verantwortung für Khashoggis Tod vorgeworfen wird. Trump hat in den vergangenen Wochen versucht, Zweifel an der Verantwortung des Thronfolgers zu säen. Der US-Präsident hält am engen Bündnis mit Saudi-Arabien fest.

China bestätigt Festnahme eines zweiten Kanadiers

China hat die Festnahme eines zweiten Kanadiers bestätigt. Auch gegen den Korea-Experten Michael Spavor werde ermittelt, weil er verdächtigt werde, „in Aktivitäten verwickelt zu sein, die die nationale Sicherheit gefährden“, berichtete die Nachrichtenagentur China News Service heute unter Hinweis auf das Staatssicherheitsbüro in Dandong an der nordkoreanischen Grenze.

Mögliche Vergeltung

Die Formulierung ist fast wortgleich mit dem Vorwurf gegen den anderen Kanadier und Experten der Crisis Group, Michael Kovrig, der ebenfalls am Montag festgenommen worden war. Das chinesische Vorgehen wird von Beobachtern als mögliche Vergeltung für die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada angesehen.

Demo in Budapest: Tränengas gegen Demonstranten

Mit dem Einsatz von Tränengas ist in der Nacht auf heute eine Demonstration auf dem Budapester Kossuth-Platz vor dem ungarischen Parlament beendet worden. Die Protestierenden hatten sich dort zu einer Aktion gegen die Arbeitsgesetzreform der rechtspopulistischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban, die gestern von der FIDESZ-Partei im Parlament verabschiedet wurde, versammelt.

Die von den Arbeitnehmerverbänden als „Sklavengesetz“ bezeichnete Novelle sieht eine starke Ausweitung der erlaubten Überstunden – von den bisherigen 250 auf 400 im Jahr – vor. Auch der Zeitrahmen für die Bezahlung der Überstunden soll von einem auf drei Jahre ausgeweitet werden.

Donau-Brücken blockiert

Wegen der „gestiegenen Aggressivität“ seitens der Demonstrierenden, die die Polizisten auf dem Kossuth-Platz nach eigenen Aussagen provoziert hätten, hätten diese Tränengas einsetzen müssen, berichtete das Internetportal 444.hu. Laut Behörde versuchten die Protestierenden auch, in das Parlamentsgebäude einzudringen. Fünf Polizisten seien verletzt worden. Der Kossuth-Platz wurde geräumt.

Die Menschen blockierten am Abend zeitweise mehrere Donau-Brücken und zogen zum Sitz der FIDESZ. Einige erklommen den Balkon des Gebäudes und schwenkten eine EU-Fahne, während die Menge „Demokratie“ skandierte und versuchte, in das Gebäude zu gelangen, das von der Polizei bewacht wurde. Der „harte Kern“ kehrte laut Medienberichten dann zum Kossuth-Platz zurück, wo es zu den Zusammenstößen mit der Polizei kam.

Syriens Kurden machen gegen Türkei nach Drohung mobil

Nach der türkischen Drohung mit einer neuen Militäroffensive im Norden Syriens haben die dortigen Kurden eine Generalmobilmachung verkündet. Der Führungsrat der kurdischen Selbstverwaltung in der Region rief alle Syrer auf, sich geschlossen gegen die „imperialistische Politik“ der Türkei zu stellen, wie es in einer Erklärung gestern Abend hieß.

Zugleich forderte er Syriens Regierung auf, gegen die türkische Drohung Position zu beziehen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor eine weitere Militäroffensive gegen kurdische Truppen im Norden Syriens angekündigt. Diese solle in einigen Tagen beginnen, sagte er.

Türkei sieht YPG als Terrororganisation

Die Türkei will gegen die Kurdenmiliz YPG vorgehen, die im Norden und Osten Syriens große Gebiete kontrolliert. Die Regierung in Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und und hat sie als Terrororganisation eingestuft.

Zugleich ist die Kurdenmiliz in Syrien wichtigster Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die US-Armee hat in der Region eigene Truppen im Einsatz und unterstützt die Kurden mit Luftangriffen. YPG und lokale Verbündete gehen derzeit im Osten Syriens gegen eine der letzten IS-Bastionen vor. Die USA lehnen eine Militäroffensive der Türkei gegen kurdische Truppen entschieden ab.

Palästinenser vor österreichischem Hospiz in Jerusalem getötet

Vor dem österreichischem Hospiz in der Altstadt von Jerusalem ist heute Früh ein mutmaßlich palästinensischer Angreifer von israelischen Polizisten erschossen worden. Er soll nach Angaben der Polizei in der Nacht zwei Polizisten angegriffen und verletzt haben. Sicherheitskräfte hätten auf den Mann geschossen. Die Polizisten seien leicht verletzt worden.

Vor dem Hospiz gibt es eine ständige Präsenz israelischer Polizei in der Tal-Straße, einer der wichtigsten Gassen in der Altstadt. Sie führt vom Damaskustor zur Klagemauer.

Zuvor zwei mutmaßliche Attentäter im Westjordanland getötet

Kurz zuvor töteten israelische Sicherheitskräfte zwei mutmaßliche palästinensische Attentäter aus dem Westjordanland bei ihrer versuchten Festnahme. Israel hatte intensiv nach den beiden Männern gesucht. Sie hätten zwei Anschläge verübt, bei denen insgesamt drei Israelis getötet und mehrere weitere verletzt worden seien, sagte Israels Minister für öffentliche Sicherheit und strategische Angelegenheiten, Gilad Erdan.

Nach Angaben aus israelischen Sicherheitskreisen hatte einer der Palästinenser versucht, zu fliehen und die Sicherheitskräfte anzugreifen. Der zweite habe sich versteckt und sei bewaffnet gewesen. Er habe bereits einen weiteren Anschlag geplant, hieß es in einer Stellungnahme.

EU

Italien-Budget: Gespräche mit Brüssel gehen weiter

Nachdem die Regierung in Rom gestern eine Senkung des geplanten Defizits von 2,4 auf 2,04 Prozent im kommenden Jahr vorgeschlagen hat, setzt Wirtschaftsminister Giovanni Tria heute die Verhandlungen in Brüssel fort. Regierungschef Giuseppe Conte zeigte sich nach Medienangaben überzeugt, dass Italien ein Strafverfahren abwenden könne.

„Wir arbeiten, um die Wahlversprechen in Sachen Recht auf Beschäftigung, Pension, Gesundheit und Sicherheit zu halten. Wir versuchen, ein EU-Strafverfahren und Probleme mit Europa und den Finanzmärkten abzuwenden“, so Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini auf Twitter.

Conte: „Ernster und vernünftiger Vorschlag“

Durch die zusätzlichen Ressourcen habe sich ein neuer Verhandlungsspielraum in den Gesprächen mit Brüssel ergeben, sagte Conte zuvor. Italien habe einen „ernsten und vernünftigen Vorschlag“ vorgelegt. Er sei zuversichtlich, dass er „im Interesse aller und insbesondere der Italiener“ zu einer Einigung führen werde.

Conte versicherte, dass die im Haushaltsplan enthaltenen Reformen planmäßig im ersten Quartal 2019 in Kraft treten werden. Erwartet wird in Rom jedoch, dass die Zahl der Italiener und Italienerinnen, die von der Pensionsreform 2019 profitieren werden, geringer als bisher geplant ausfallen werde. Auch mit mehr Privatisierungen will die Regierung Conte das Defizit drücken.

Der Regierungschef zeigte sich überzeugt, dass Italiens Wirtschaft im kommenden Jahr dank der im Haushaltsplan enthaltenen Reformen „über unsere Erwartungen“ wachsen und es zu einer „positiven Lösung“ im Dialog mit Brüssel kommen werde.

„Roms Vorschlag genügt noch nicht“

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici ist hingegen mit der von der italienischen Regierung vorgeschlagenen Defizitreduzierung nicht zufrieden. „Die vorgeschlagene Defizitsenkung ist noch ungenügend“, so Moscovici nach Angaben italienischer Medien.

„Rom hat zwar einen Schritt in die richtige Richtung unternommen, doch wir sind noch nicht am Ziel. Man muss noch weitere Schritte unternehmen, wahrscheinlich auf beiden Seiten“, so der EU-Kommissar.

Berlusconi will 2019 wieder in EU-Parlament

Italiens ehemaliger Regierungschef Silvio Berlusconi wird eigenen Angaben zufolge „sehr wahrscheinlich“ bei der Europawahl im kommenden Jahr noch einmal antreten. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich in allen italienischen Wahlkreisen antrete. Das würde der Forza Italia zwischen drei und acht Prozent mehr Stimmen bescheren“, sagte Berlusconi gestern Abend.

Berlusconi war bis vor Kurzem von politischen Ämtern ausgeschlossen. Grund war eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Das Ämterverbot wurde von einem italienischen Gericht im Mai aufgehoben, ursprünglich sollte es bis 2019 gelten. Berlusconi bestritt Gerüchte, laut denen er eine Wahlallianz mit Ex-Premier Matteo Renzi plane.

Dieser denkt Kreisen zufolge an den Austritt aus der Demokratischen Partei (PD), Italiens stärkster Oppositionspartei, um eine eigene, europaorientierte Gruppierung zu gründen.

Forza verliert Stimmen an Lega

Die Forza Italia schwächelt derzeit in den Umfragen. Bei der Parlamentswahl im März kam die Partei nur auf 14 Prozent, in den neuesten Umfragen liegt sie bei durchschnittlich acht Prozent.

Die Forza Italia verliert an Stimmen zugunsten der Lega von Innenminister Matteo Salvini, die laut jüngsten Umfragen auf einem Rekordhoch von über 30 Prozent segelt. Forza Italia und Lega hatten im Rahmen einer Mitte-rechts-Allianz gemeinsam an der Parlamentswahl teilgenommen. Die Lega ist jedoch eine Regierungskoalition mit der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung eingegangen. Die Forza Italia ist seitdem in Opposition und verliert zunehmend an Popularität.

Berlusconi war bereits bei den EU-Parlamentswahlen 1994, 1999, 2004 und 2009 angetreten. Im Parlament in Straßburg saß er aber nur von 1999 bis 2001. In den anderen Jahren hatte er seinen Sitz an einen Parteikollegen abgetreten.

Wirtschaft

Handel kritisiert schnelles Plastiksackerlverbot

Ab 2020 soll es in Österreich ein generelles Verbot von Plastiksackerln geben. Auch Mikroplastik, etwa in Kosmetika, soll verboten werden, plant die Regierung. Der Handel kritisiert nun, dass Österreich schneller unterwegs ist, als es durch die entsprechende EU-Richtlinie vorgeschrieben wäre.

Zwar sei man bei der Wirtschaftskammer natürlich auch für die Plastikvermeidung, allerdings gegen zu schnelle Verbote, wie sie die Regierung vorhabe, hieß es im Ö1-Morgenjournal.

Audio dazu in oe1.ORF.at

Peter Buchmüller, Obmann der Handelssparte der Wirtschaftskammer, forderte daher längere Übergangsfristen. Es brauche mindestens zwei Jahre, um Lagerbestände abzubauen, so Buchmüller. Er kritisierte gegenüber Ö1 auch, dass es zwischen Handel und Regierung bisher keine Gespräche gegeben habe. Er habe aber aus Regierungskreisen vernommen, dass das nun geplant sei.

Chronik

Zugsunglück in Ankara: Mindestens neun Tote

In der türkischen Hauptstadt Ankara sind bei einem schweren Zugsunglück Medienberichten zufolge neun Menschen ums Leben gekommen und 47 verletzt worden.

Der Hochgeschwindigkeitszug von Ankara nach Konya entgleiste heute Früh in oder nahe der Station Marsandiz am Stadtrand, weil er mit einer Lokomotive zusammengeprallt war, die auf denselben Gleisen fuhr. Daraufhin sei der Zug in eine Überführung gefahren, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Ankara, Vasip Sahin.

Schweres Zugsunglück in Ankara

In Ankara ist ein Hochgeschwindigkeitszug entgleist. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

Sahin bestätigte das Unglück in der Früh vor Fernsehkameras. Teile der Überführung seien auf zwei der Waggons heruntergefallen. Bilder zeigten umgestürzte Waggons, zerrissenes Metall und fieberhafte Bergungsarbeiten. Wieso der Zug entgleiste und wie schnell er unterwegs war, ist unklar.

Der Unfallort liegt nahe der Station Marsandiz, die keine belebte Großstadtstation ist. Ersten Informationen und Bildern zufolge liegt dort unter anderem eine Anlage zur Wartung von Zügen.

Immer wieder Zugsunglücke in Türkei

Wieso gleichzeitig zwei Züge auf denselben Gleisen fuhren, konnten die Behörden noch nicht beantworten. Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge hat die Staatsanwaltschaft in Ankara eine Untersuchung eingeleitet.

Zugsunglücke sind in der Türkei keine Seltenheit. Erst im Juli waren bei einem schweren Unfall in der Nordwesttürkei mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 300 Menschen mussten verletzt in Krankenhäuser gebracht werden. Ein Zug mit 362 Reisenden an Bord war entgleist, nachdem Regenfälle das Gleisbett weggespült hatten.

„Gelbwesten“-Demonstrant von Lkw erfasst und getötet

Ein Demonstrant der „Gelbwesten“ ist im südfranzösischen Avignon von einem Lastwagen erfasst und getötet worden.

Der Demonstrant sei in der Nacht auf heute auf Höhe einer Autobahnausfahrt an einer Straßenblockade der Protestbewegung der „Gelbwesten“ angefahren worden, wie die zuständige Präfektur mitteilte. Der Lkw-Fahrer wurde laut den Angaben in Gewahrsam genommen. Medienberichten zufolge war der Demonstrant 23 Jahre alt.

Die Protestbewegung demonstriert seit Mitte November im ganzen Land für mehr Kaufkraft und gegen die Reformen der französischen Regierung. Dabei errichten die „Gelbwesten“ regelmäßig Straßenblockaden. Am Rande der Proteste sind bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Zwei Techniker starben in Antarktis-Forschungsstation

Zwei Techniker einer US-Forschungsstation in der Antarktis sind bei einem Zwischenfall in einem Generatorengebäude ums Leben gekommen. Sie hätten Wartungsarbeiten am Feuerschutzsystem des Gebäudes ausgeführt, teilte die Wissenschaftsstiftung NSF gestern auf ihrer Webseite mit.

Demnach hatte ein Hubschrauberpilot im Vorbeifliegen Rauch aus dem Gebäude aufsteigen sehen und war gelandet, um der Sache nachzugehen. Er fand die beiden Techniker bewusstlos am Boden liegend. Ein Rettungsteam erklärte einen der beiden noch am Unfallort für tot, der zweite Techniker starb später im Krankenhaus der McMurdo-Station. Der Vorfall werde noch untersucht. Angaben zur Unglücksursache gab es zunächst nicht.

Die McMurdo-Station ist laut ihrer Webseite die größte Forschungsstation in der Antarktis. Dort leben und arbeiten in Stoßzeiten bis zu 1.000 Menschen. Geforscht wird dort unter anderem in den Bereichen Biologie, Geologie, Geophysik und Klima.

Jackpot bei Lotto „6 aus 45“

Niemand hat gestern bei der Ziehung von Lotto „6 aus 45“ die sechs Richtigen getippt. Der Jackpot macht deshalb zusätzlich zum ersten Rang der nächsten Runde mehr als 751.000 Euro aus.

Bei der Ziehung von Lotto „6 aus 45“ wurden folgende Gewinnzahlen ermittelt:

8 9 14 26 27 34, Zusatzzahl 16

Die aktuellen LottoPlus-Zahlen lauten:

4 5 16 28 32 38

Die Joker-Zahl lautet:

5 1 4 4 0 4

Alle Angaben ohne Gewähr

Sport

Gesundheit

Impfrate gegen Grippe ging in EU deutlich zurück

Die Impfrate gegen Grippe ist in der EU deutlich zurückgegangen. Hatte sie 2011 im Durchschnitt noch 49,6 Prozent betragen, sank sie laut Eurostat-Daten von heute bis 2016 auf 42,73 Prozent. Spitzenreiter bei der Grippeimpfung ist Großbritannien mit einem Anteil von 70,5 Prozent der Bevölkerung. Am anderen Ende rangiert Estland mit nur 2,8 Prozent.

Allerdings lagen Daten nur für 18 EU-Staaten vor. Für Österreich sowie für neun weitere EU-Länder gab es von dieser Seite keine Informationen. Bei einer Pressekonferenz anlässlich des Österreichischen Impftages gestern in Wien hatte es unterdessen geheißen, im Jahr 2017 hätten sich nur rund sechs Prozent der heimischen Bevölkerung gegen die Influenza immunisieren lassen.

Religion

Science

Kultur

Panorama

Roboter in russischem Staatsfernsehen war nur Mann in Kostüm

Ein vermeintlicher Roboter, der kürzlich bei einer Veranstaltung des russischen Staatsfernsehens aufgetreten ist, war offenbar mehr Mensch als Maschine. Der BBC zufolge wurde ein Roboter namens Boris vor diversen Medien präsentiert, Journalistinnen und Journalisten hinterfragten aber binnen kürzester Zeit seine Echtheit.

Grund dafür sei unter anderem gewesen, dass der Nacken des „Roboters“ deutlich zu sehen gewesen sein soll. Außerdem habe die Maschine keine Sensoren gehabt, und es habe auch keine Vorankündigungen gegeben, so die BBC. Während die Organisatoren des Proyektoria Technology Forums zugaben, dass der Roboter nicht echt war, behauptete der Sender Russia-24 das Gegenteil.

Eine Recherche der BBC ergab, dass es sich bei dem „Roboter“ um ein Kostüm der Firma Show Robots handle, die die Verkleidung als „Alyosha the Robot“ um 250.000 Rubel (rund 3.300 Euro) verkaufe.

102-Jährige knackt Weltrekord im Fallschirmspringen

Mit einem Tandemsprung aus 4.300 Meter Höhe ist die Australierin Irene O’Shea (102) zur ältesten Fallschirmspringerin der Welt geworden. Die Frau aus einem Vorort der südaustralischen Großstadt Adelaide überstand das Wagnis ohne Probleme.

Irene O’Shea macht einen Fallschirmsprung
AP/Bryce Sellick

Auf die Frage, ob sie ein Adrenalinjunkie sei, antwortete sie: „Ich bin ein ganz normaler Mensch.“ Die Urgroßmutter, die auf einen Stock angewiesen ist, hatte ihren ersten Sprung vor zwei Jahren an ihrem 100. Geburtstag absolviert.

Dieses Mal ließ sich O’Shea zusammen mit dem Fallschirmspringer Jed Smith (24) in die Tiefe fallen. Im Unterschied zu ihrem Tandempartner, der in T-Shirt und kurzer Hose unterwegs war, hatte sie sich dick eingepackt: Kapuze, dicker Pullover, lange Hose und Handschuhe. Nach der Landung wurde die Uroma auf dem Boden von Freunden und Familie gefeiert. Mit dem Sprung wollte sie auf eine Erkrankung des motorischen Nervensystems aufmerksam machen, an der auch ihre Tochter leidet.

Leute

Stones-Gitarrist Keith Richards trinkt „fast nicht mehr“

Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards (74) trinkt nach eigener Aussage kaum noch Alkohol. Im vergangenen Jahr habe er sich nur noch „gelegentlich ein Glas Wein und ein Bier“ gegönnt, sagte der britische Rockstar in einem Interview der Musikzeitschrift „Rolling Stone“.

Keith Richards
APA/AFP/Boris Horvat

„Ich habe damit Schluss gemacht. Ich hatte genug davon. Es war Zeit aufzuhören“, sagte Richards, der am Dienstag seinen 75. Geburtstag feiert. Bei der jüngsten Europatour der Stones sei es „interessant“ gewesen, „nüchtern zu spielen“, so Richards.

Auch Bandmitglied Ronnie Wood (71) scheint der neue Stil der einst für ihre Exzesse bekannten Gruppe zu gefallen. „Wir sind in unseren Siebzigern, aber wir rocken noch wie 40-Jährige“, sagte er dem Magazin.