Ausland

Im Streit um die Kanzlerkandidatur der deutschen Union wächst in der CDU-Spitze der Unmut über CSU-Chef Markus Söder. Die frühere CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer warf Söder mangelnden Respekt vor der großen Schwesterpartei und deren Gremien vor. Sowohl CDU-Präsidiumsmitglied Daniel Caspary als auch die Vorsitzende der Frauen-Union (FU), Annette Widmann-Mauz, sprachen sich für CDU-Chef Armin Laschet aus.

Der Europapolitiker Dennis Radtke brachte sogar eine Ausdehnung der CDU nach Bayern ins Spiel, womit beide Parteien um dieselben Wählerstimmen konkurrieren würden. Mit dieser Drohung hatte 1976 der damalige CDU-Vorsitzende Helmut Kohl einen Machtkampf mit CSU-Chef Franz Josef Strauß für sich entschieden. Auch im Streit der Schwesterparteien in der Flüchtlingskrise 2016 hatte es Überlegungen gegeben, die CDU nach Bayern auszudehnen.

Laschet und Söder beharren auf Kandidaturanspruch

Gestern Abend zeichnete sich noch keine Einigung zwischen Laschet und Söder ab. Beide beharrten auf ihrem Anspruch auf die Kanzlerkandidatur für beide Unionsparteien. Ein Gespräch zwischen Laschet und Söder war einem „Welt“-Bericht zufolge in der Nacht zuvor ohne Einigung zu Ende gegangen. In CDU-Kreisen hieß nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters, dass Laschet und Söder in „guten Gesprächen“ seien. In der CSU war von „konstruktiven“ Gesprächen die Rede.

Das thüringische CDU-Bundesvorstandsmitglied Mike Mohring warnte vor einer anhaltenden Spaltung der Partei – und sprach sich ebenfalls für Laschet aus. Der rheinland-pfälzische Vize-Landesvorsitzende Christian Baldauf forderte eine Konferenz der CDU-Kreisvorsitzenden. Diese würden „eher (ein) repräsentatives Bild der Stimmung im Land und in der Partei“ abbilden, sagte das Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Im Vorstand seines Kreises Rheinhessen-Pfalz habe es eine deutliche Mehrheit für den CSU-Chef gegeben.

Laschet und Söder hatten eine Klärung der Kanzlerfrage bis zum Wochenende angekündigt. Wann und wie eine Einigung zustande kommen könnte, blieb aber zuletzt unklar. In CDU-Kreisen wird vermutet, dass Söder auf eine Entscheidung in der Unions-Bundestagsfraktion am Dienstag spekulieren könnte. Dort hätte der bayerische Ministerpräsident wohl eine deutliche Mehrheit. Unter seinen Anhängern wird bereits eine Unterschriftenliste vorbereitet, mit der Abgeordnete eine Abstimmung erzwingen wollen, sollte es am Wochenende nicht zu einer Einigung kommen.

Tschechien hat 18 Mitarbeiter der russischen Botschaft in Prag ausgewiesen. Der Grund ist der Verdacht, dass die Offiziere von russischen Geheimdiensten GRU und SVR in zwei Explosionen in Munitionslagern im südmährischen Vrbetice 2014 verwickelt gewesen seien, teilte der tschechische Premier Andrej Babis und der Innenminister Jan Hamacek gestern mit.

Die ausgewiesenen 18 Mitarbeiter der russischen Botschaft seien als Angehörige von russischen Geheimdiensten identifiziert worden. Sie sollen Tschechien innerhalb von 48 Stunden verlassen, hieß es. Es handelt sich offenbar um die umfangreichste Ausweisung von ausländischen Diplomaten in der Geschichte Tschechiens.

Laut Babis war der Staatspräsident Milos Zeman über den Vorgang der Regierung informiert und sei damit „völlig einverstanden“. Zeman gilt als pro-russisch.

Beziehungen schon länger angespannt

Die Beziehungen zwischen Tschechien und Russland sind seit längerem angespannt. Der Grund ist unter anderem die Beseitigung der Statue des sowjetischen Marschalls Iwan Konew, dessen Einheiten Prag 1945 befreit hatten, auf einem Prager Platz im vergangenen Jahr.

Auch die Installierung einer Gedenkplakette für die sogenannte Russische Befreiungsarmee (ROA) von General Andrej Wlassow in einem Prager Stadtviertel 2020 trug zu den Spannungen bei. Wlassow, ein sowjetischer Generalleutnant, lief in deutscher Gefangenschaft zu den Nazis über, kämpfte aber dann beim Prager Aufstand 1945 gegen die deutschen Besatzungstruppen.

Die britische Regierung wird im Mai angesichts zunehmender Spannungen zwischen der Ukraine und Russland offenbar Kriegsschiffe ins Schwarze Meer entsenden. Dies berichtet die britische Zeitung „Sunday Times“ unter Berufung auf hochrangige Marinevertreter.

Damit wolle das Land seine Solidarität mit der Ukraine und seinen NATO-Verbündeten demonstrieren. Ein mit Flugabwehrraketen bewaffneter Zerstörer vom Typ 45 und eine Fregatte vom Typ 23 zur U-Boot-Abwehr würden die Trägergruppe der Royal Navy im Mittelmeer verlassen und durch den Bosporus ins Schwarze Meer fahren.

Die Gespräche zum Atomabkommen mit dem Iran in Wien kommen nach Angaben mehrerer beteiligter Staaten offenbar voran. Wie der Gesandte der EU, Enrique Mora, gestern mitteilte, habe es „Fortschritt in einer alles andere als einfachen Aufgabe gegeben“. Nun sei mehr Detailarbeit nötig. Sein russischer Kollege Michail Uljanow teilte mit, die Teilnehmer hätten ihre Entschlossenheit bekundet, „den Prozess so schnell wie möglich erfolgreich abzuschließen“.

An den Gesprächen nahmen Vertreter der EU, Großbritanniens, Chinas, Frankreichs, Deutschlands, Russlands und aus dem Iran teil. Der Vertreter Teherans, Abbas Araktschi, zeigte sich beim Onlinedienst Telegram optimistisch: „Es scheint, als ob das neue Abkommen Form annimmt, und es gibt jetzt ein gemeinsames finales Ziel.“

Iran reichert Uran auf bis zu 60 Prozent an

Am Vortag hatte der Iran mit der Anreicherung von Uran auf bis zu 60 Prozent begonnen, was gegen das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen verstößt. Darin ist dem Iran eine Anreicherung auf maximal 3,67 Prozent für eine zivile Nutzung gestattet. Der Schwellenwert der Urananreicherung für eine militärische Nutzung von Atomkraft liegt bei 90 Prozent.

Die 2015 geschlossene Wiener Nuklearvereinbarung soll verhindern, dass der Iran die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe erlangt. 2018 traten die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen aus und verhängten neue Sanktionen gegen Teheran.

Die neue US-Regierung von Joe Biden hat sich grundsätzlich zu neuen Verhandlungen mit dem Iran bereit erklärt, dringt allerdings darauf, dass das Land zunächst zu seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen zurückkehren müsse. Der Iran wiederum macht die Aufhebung der US-Strafmaßnahmen zur Vorbedingung.

Auch eine Delegation der USA ist in Wien anwesend. Sie nimmt aber nur „indirekt“ an den Gesprächen teil und sitzt nicht mit den Vertretern aus Teheran an einem Tisch.

Inland

Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache will zurück in die FPÖ und stellt sich hinter Klubchef Herbert Kickl und gegen Parteiobmann Norbert Hofer. Strache wirft seinem Nachfolger Hofer „Feigheit“ im Maskenstreit mit Kickl vor, weil er die Klubsitzung geschwänzt hätte. „Ich bin davon überzeugt, dass er als Parteiobmann nicht imstande ist diese Aufgabe zu meistern und ich glaube auch, dass er es aus gesundheitlichen Gründen nicht schafft“, sagt Strache im Interview mit oe24.TV.

Auf die Frage, ob er in die FPÖ zurückwolle, antwortet Strache: „Ja. Wir sind eine gemeinsame freiheitliche Familie, auch wenn einmal gestritten wird. Ich bin ein Teil dieser Familie und in Wahrheit gehört das auch amtlich gemacht.“ Er reiche Kickl und der FPÖ jedenfalls die Hand. „Schauen wir, ob Kickl selbst bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen und sich zutraut als Obmann in der ersten Reihe zu stehen.“

In einer Aussendung des FPÖ-Parlamentsklubs betont FPÖ Generalsekretär Michael Schnedlitz „im Namen der gesamten FPÖ“, dass es für Strache „kein Zurück in die FPÖ“ gebe. Er habe sich mit seinem Verhalten selbst aus der freiheitlichen Gemeinschaft ausgeschlossen – „dieser Akt ist erledigt und unumkehrbar.“

Haimbuchner stellt sich hinter FPÖ-Obmann Hofer

Der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) stellte sich in seinem ersten Interview nach seiner lebensbedrohlichen Covid-Erkrankung hinter FPÖ-Obmann Norbert Hofer.

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Die geplante Änderung der Strafprozessordnung wird nicht so kommen wie geplant. Justizministerin Alma Zadic (Grüne) versicherte bei ATV gestern, dass Hausdurchsuchungen in Ministerien und Amtsgebäuden weiterhin möglich sein werden, auch wenn nicht gegen den Behördenleiter ermittelt wird: „Das wird natürlich der Fall sein.“

„Wenn die Staatsanwaltschaft das Gefühl bekommt oder Anhaltspunkte hat, dass eine Amtshilfe nicht greift, weil zum Beispiel ein hoher Beamter betroffen ist, dann muss sehr wohl eine Zwangsmaßnahme, eine Hausdurchsuchung oder Sicherstellung möglich sein“, so Zadic.

Warum es erst einen Aufschrei von Fachleuten braucht, um die Reform zurückzuziehen, erklärt Zadic so: „Weil es tatsächlich unter den Expertinnen und Experten unterschiedliche Meinungen gab, wie man den Paragrafen interpretieren kann.“

In Zusammenhang mit dem Multiversum in Schwechat (Bezirk Bruck a. d. Leitha) liegen zwei Anklageschriften vor. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft elf Personen versuchten schweren Betrug bzw. versuchte Untreue vor.

Mehr dazu in noe.ORF.at

COV Inland

Die SPÖ will den zurückgetretenen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in den CoV-Beschaffungsausschuss laden, wenn er dazu bereit ist. Begründet wird das damit, dass Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei seiner Befragung im ständigen Unterausschuss des Rechnungshofausschusses zugegeben habe, dass die Regierung im Rahmen der europäischen Impfstoffbeschaffung auf Millionen Impfdosen verzichtet und die Verantwortung dafür auf Anschober geschoben habe.

Kurz habe im „Kleinen“ Untersuchungsausschuss zu den Beschaffungen jegliche Schuld und Verantwortung dafür von sich gewiesen und stattdessen behauptet, dass die Verantwortung für die Beschaffung der Impfstoffe bei Anschober und dem Beamten Clemens Martin Auer gelegen sei.

Kurz-Aussagen für SPÖ „unglaubwürdig“

Außerdem habe der Kanzler behauptet, dass das Sparen bei den Impfstoffen kein Thema gewesen sei, Anschober habe nur nie um mehr Geld gebeten, schildert Karin Greiner, die Fraktionsführerin der Sozialdemokraten. Für sie sind die Aussagen des Kanzlers „völlig unglaubwürdig“, weil Anschober selbst sehr wohl von einem Kostendeckel, den es gegeben habe, gesprochen habe.

Die Ladung des Gesundheitsministers in den Beschaffungsausschuss war für 27. April geplant gewesen. „Auch wenn er als Minister zurückgetreten ist, möchten wir Rudi Anschober weiterhin die Möglichkeit geben, sich gegen die Anschuldigungen von Sebastian Kurz zu wehren. Anschober könnte bei dieser Gelegenheit seine Sicht der Impfstoffbeschaffungen ungefiltert darlegen und das Bild wohl etwas zurechtrücken“, so Greiner.

Gleichzeitig respektiere man selbstverständlich die Privatsphäre Anschobers. Wenn er dem Ausschuss nicht als Auskunftsperson zur Verfügung stehen wolle, werde die SPÖ offiziell auf die Ladung des Ex-Gesundheitsministers verzichten und für eine erweiterte Befragung von Clemens Martin Auer plädieren, erklärte Greiner.

Ungewöhnlich direkt und scharf haben sich SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gegen die Öffnungsschritte im Burgenland geäußert. Die Situation auf den Intensivstationen gebe solche Schritte nicht her. Die SPÖ-Burgenland konterte gestern umgehend: Es sei eine „sehr langwierige und gut überlegte“ Entscheidung gewesen.

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Um den Impffortschritt in Niederösterreich zu beschleunigen, gehen ab nächster Woche unter der Hauptverantwortung des Roten Kreuzes die ersten Impfzentren in Betrieb. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte gestern beim Besuch einer Impfstraße in Wiener Neustadt einen „Impfturbo“ an.

Mehr dazu in noe.ORF.at

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 194,7 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum.

In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Ministerien meldeten 2.048 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten 2.048 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: gestern, 9.30 Uhr). Diese Zahlen nannten die Bundesländer dem nationalen Krisenstab. Landesweit starben laut Ministerien bisher 9.870 Personen an oder mit Covid-19.

Derzeit befinden sich 2.078 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 548 auf Intensivstationen.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

COV Ausland

In mehreren deutschen Städten hat es gestern zum Teil trotz Verboten Proteste gegen die CoV-Beschränkungen gegeben. In Stuttgart schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmer aus der „Querdenker“-Bewegung auf etwa 1.000. Mehr als 700 von ihnen wurden angezeigt und erhielten Platzverweise, teilte das Polizeipräsidium Stuttgart am Abend mit. Die Zahl der Gegendemonstranten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt schätzte die Polizei auf etwa 400.

Auch in Dresden war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz, um das unter anderem gegen die Initiative „Querdenken 351“ erlassene Versammlungsverbot durchzusetzen. Die Polizei zeigte sich am Abend zufrieden. „Wir haben den potentiellen Teilnehmern einer verbotenen Versammlung kaum Flächen gelassen, auf denen sich große Gruppen hätten sammeln können“, erklärte Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Zahlreiche Menschen, darunter Hooligans und Reichsbürger, wurden nach einer Mitteilung der Bundespolizeiinspektion Dresden bereits am Bahnhof abgefangen.

„Querdenker“-Versammlungen in Erfurt und Jena aufgelöst

Zu einer nicht angemeldeten „Querdenker“-Versammlung in Erfurt kamen zahlreiche Menschen, die aber von der Polizei abgewiesen wurden. Wie die Thüringer Landespolizeidirektion mitteilte, wurden 129 Platzverweise erteilt und dutzende Anzeigen erstattet. In Jena wurde den Angaben zufolge ein Aufzug von etwa hundert „Querdenkern“ aufgelöst.

In Mainz versammelten sich trotz eines Verbots aus Protest gegen die Maßnahmen „Spaziergänger“. Auch hier wurden dutzende Platzverweise ausgesprochen und Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie das Polizeipräsidium Mainz mitteilte. Ähnliches ereignete sich unter anderem in Heidelberg, Wiesbaden, Saarbrücken, Düsseldorf und Kempten.

In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo ist es erneut zu Straßenprotesten wegen der schleppenden Beschaffung von Impfstoff gegen das Coronavirus gekommen. Gestern blockierten Autofahrerinnen und -fahrer mit ihren Fahrzeugen den Bahnhofsplatz in Sarajevo. Zahlreiche Demonstrierende marschierten danach vor das bosnische Parlament, wie das Nachrichtenportal klix.ba berichtete.

Sie prangerten zudem eine mangelhafte Versorgung der an Covid-19 Erkrankten an und forderten den Rücktritt der bosnischen Gesamtregierung sowie der Regierung der Föderation BiH, des bosniakisch-kroatischen Landesteils.

In Bosnien wird wenig geimpft. Die Vakzine, die zur Verfügung stehen, stammen aus internationalen Spenden oder dem internationalen Impfstoffprogramm Covax. Zugleich ist das Balkan-Land fest im Griff der Pandemie. Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Virus SARS-CoV-2 lag bei 641 pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. In den vergangenen 24 Stunden starben in dem Land mit 3,5 Millionen Einwohnern 86 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Umwelt & Klima

Die USA und China wollen gemeinsam gegen das drängende Problem des Klimawandels vorgehen. Das erklärten der US-Klimabeauftragte John Kerry und sein chinesischer Amtskollege Xie Zhenhua in Shanghai. Sie betonten, dass die Klimakrise mit der „gebotenen Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit angegangen werden muss“. Kerry ist das erste Mitglied der Regierung von Präsident Joe Biden, das China besuchte.

Er betonte seine Hoffnung, dass beide Länder trotz politischer Spannungen zusammenarbeiten könnten. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, die zusammen für fast die Hälfte der ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich sind, kündigten an, „ihre jeweiligen Maßnahmen“ zum Klimaschutz zu verstärken und an „multilateralen Prozessen“ wie dem Pariser Klimaschutzabkommen mitzuarbeiten.

Die Reise des früheren Außenministers Kerry diente der Vorbereitung eines von den USA organisierten virtuellen Klimagipfels am 22. und 23.April, zu dem auch Chinas Staatschef Xi Jinping eingeladen ist. Biden hat den Kampf gegen die Erderwärmung zu einem seiner Hauptanliegen gemacht. Sein Vorgänger Donald Trump hatte die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 geführt und die Vereinigten Staaten damit bei der Klimapolitik international zum Außenseiter gemacht.

Als eine von mehreren Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung und Klimawandel hat das französische Parlament gestern die Einführung eines Straftatbestandes „Ökozid“ befürwortet. Die Maßnahme soll auf „die ernstesten Fälle von Umweltschädigungen von nationaler Bedeutung“ anwendbar sein, sagte Umweltministerin Barbara Pompili. Bei einem Verstoß drohen bis zu zehn Jahre Haft sowie Bußgelder von bis zu 4,5 Millionen Euro.

Die Nationalversammlung nahm den „Ökozid“-Vorschlag mit 44 zu zehn Stimmen an.
Das gesamte Gesetzespaket wird der Nationalversammlung im kommenden Monat zur Abstimmung vorgelegt und wandert im Falle einer Annahme danach in den Senat.

Strenge Strafen vorgesehen

Der neue Straftatbestand würde beispielsweise bei der Verschmutzung eines Flusses in Frankreich anwendbar sein, sagte die Ministerin. Eine Anwendung außerhalb des Landes, wie etwa bei der Beschädigung des brasilianischen Regenwaldes, unterliege nicht dem französischen Recht. Das spätere Gesetz solle strengere Strafen für die vorsätzliche „ernste und anhaltende“ Verschmutzung von Wasser, Luft und Boden ermöglichen.

Mehrere rechtsgerichtete Abgeordnete kritisierten eine Entwicklung hin zu einer „Strafökologie“. Unternehmen drohe „rechtliche Unsicherheit“. Linksgerichteten Abgeordneten gehen die geplanten Maßnahmen nicht weit genug. Statt nur vorsätzliches Handeln zu bestrafen, müssten auch Umweltschäden einbezogen werden, die durch Fahrlässigkeit oder Leichtsinn verursacht worden seien.

Wirtschaft

Viele Rohstoffe sind seit Ausbruch der CoV-Krise knapp. Daher werden Baumaterialien immer teurer, und das lässt auch die Baukosten massiv in die Höhe schnellen. Besonders prekär seien derzeit aber auch die Lieferzeiten von Baustoffen, heißt es.

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Sport

Lewis Hamilton geht heute beim Grand Prix der Emilia-Romagna (15.00 Uhr, live in ORF 1) zum 99. Mal in seiner Karriere von der Poleposition aus ins Rennen. Der englische Mercedes-Star verwies gestern im Qualifying den Mexikaner Sergio Perez im Red Bull um nur 0,035 Sekunden auf Platz zwei. Dritter wurde dessen Teamkollege Max Verstappen aus den Niederlanden.

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Der sechsfache Champion Marc Marquez hat gestern nach fast neunmonatiger Pause wegen eines Oberarmbruchs ein starkes Comeback gegeben. Der spanische Honda-Pilot holte im Qualifying für den dritten WM-Lauf der MotoGP-Klasse in Portimao den sechsten Startplatz. Die Poleposition ging an Fabio Quartararo. Neben dem französischen Yamaha-Pilot stehen Alex Rins (ESP/Suzuki) und Johan Zarco (FRA/Ducati) in Reihe eins.

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Der FC Bayern München hat gestern den nächsten Schritt in Richtung neunten Meistertitel hintereinander geschafft. David Alaba und Co. hielten im Schlager der 29. Runde der deutschen Bundesliga den drittplatzierten VfL Wolfsburg mit 3:2 (2:1) auf Distanz und vergrößerten damit den Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig. Im Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt zeigte Adi Hütters künftiger Club, dem aktuellen des Vorarlbergers klar die Grenzen auf.

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Matthias Schwab hat bei den Austrian Golf Open in Atzenbrugg gestern wieder einen seiner besseren Tage erwischt. Nach dem gestrigen Rückfall auf Platz 47 spielte der Steirer eine 66er-Runde mit sechs Birdies und ohne Schlagverlust. Damit katapultierte sich der 26-Jährige mit dem Gesamtscore von 212 (vier unter Par) um 38 Plätze auf Rang neun vor.

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Chronik

In Matrei in Osttirol (Bezirk Lienz) ist gestern kurz nach 13.00 Uhr am Großen Zunig eine Lawine abgegangen, die zwei Skitourengeher erfasst hat. Eine Person konnte nur noch tot geborgen werden. Die zweite Person wurde schwer verletzt in das Krankenhaus nach Lienz gebracht.

Mehr dazu in tirol.ORF.at

Durch eine falsche Handhabung ihrer Kleinkaliberpistole hat sich gestern eine 31-Jährige in Traun (Bezirk Linz-Land) selbst in den Hals geschossen und dabei schwere Verletzungen erlitten. Es gebe keine Hinweise auf Fremdverschulden oder einen Suizidversuch, bestätigte die Polizei gestern einen Bericht der „Kronen Zeitung“.

Die Frau befand sich alleine in einer Schießkoje in dem Schützenverein, wie Videoaufnahmen zeigten. Das Projektil soll durch den Hals, den Gaumen und die Nase eingedrungen sein. Die Frau wurde operiert und liegt wegen eines Luftröhrenschnitts im künstlichen Tiefschlaf in einem Linzer Spital. Sie war zu keinem Zeitpunkt in einem lebensgefährlichen Zustand, wie ein Arzt der Exekutive mitteilte. Die Verletzte soll nächste Woche zu dem Zwischenfall einvernommen werden, hieß es.

Science

Der bereits mehrfach verschobene erste Hubschrauberflug über einen anderen Planeten soll nun frühestens morgen stattfinden. Das teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA gestern mit. Auch dieser Versuch könne aber auch kurzfristig noch verschoben werden.

Der erste Flug des kleinen Hubschraubers „Ingenuity“, der an Bord des Rovers „Perseverance“ im Februar auf dem Mars gelandet war, war zuvor für den 11. April geplant gewesen, dann wegen technischer Probleme zunächst auf den 14. April und dann erneut verschoben worden.

Die Ingenieure der NASA arbeiteten derzeit an einer Lösung für Probleme mit der Computer-Software des Hubschraubers, hieß es. Der mit Lithium-Ionen-Akkus betriebene Helikopter bleibe aber grundsätzlich einsatzbereit und sei in gutem Zustand.

Schwierige Operation für 30-sekündiges Schweben

Der rund 1,8 Kilogramm leichte „Ingenuity“ („Einfallsreichtum“) soll in seinem ersten Testflug auf eine Höhe von etwa drei Metern steigen, dort für dreißig Sekunden auf der Stelle schweben und dann wieder auf der Oberfläche des Mars landen. Es wäre der erste Flug eines Luftfahrzeugs auf einem anderen Planeten.

Der Hubschrauber muss dabei extremen Bedingungen trotzen: Auf dem Mars ist es nachts bis zu minus 90 Grad kalt, zudem ist die Anziehungskraft des Planeten geringer und die Atmosphäre wesentlich dünner.

Kultur

Wenn ein Spätwerk einen Sinn haben soll, dann wohl den, dass es die Summe aller Leistungen und offenen Fragen ist. Richard Wagners „Parsifal“ trifft dieser Befund punktgenau. An seinem „Parsifal“ entzündet sich noch die Gegenwart. Aus gutem Grund. Für Wien hat der russische Dissident Kirill Serebrennikow unter schwierigsten Umständen eine Fassung erstellt, die nicht nur wegen Elina Garanca und Jonas Kaufmann ein ganz neues Publikum fesseln könnte. Der Club Gralsritter, das ist hier eine eingesperrte Gesellschaft – ob wegen Coronavirus oder aus politischen Gründen. Eine Inszenierung mit Sprengkraft und Bestbesetzung, der der ORF ein gesamtes Themenwochenende widmet.

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Eine mehr als 3.500 Jahre alte Schiefertafel aus der Bretagne dürfte laut Forschern zu den ältesten Landkarten in Europa gehören. Die Platte stamme aus der frühen Bronzezeit (etwa 2150 bis 1600 vor Christus) und sei bereits vor über 120 Jahren im bretonischen Ort Leuhan gefunden worden, berichtete das französische Archäologie-Institut Inrap.

Wahrscheinlich markieren die eingravierten Linien auf dem Stein demnach ein damaliges Herrschaftsgebiet. Die sogenannte Platte von Saint-Bélec wurde laut der Fachzeitschrift „Bulletin de la Société préhistorique française“ im Jahr 1900 von dem Archäologen Paul du Chatellier in einem Grab entdeckt und geriet dann für rund ein Jahrhundert in Vergessenheit.

Die Platte mit den kurvenförmigen und geraden Linien wurde dann vor sieben Jahren in einem Keller des Museums für Archäologie in Saint-Germain-en-Laye bei Paris wiedergefunden.

Panorama

Das kleine Schweizer Dorf Champagne darf künftig nicht mehr „Gemeinde Champagne“ auf die dort produzierten Weine schreiben. Das entschied das Verfassungsgericht des Kantons Waadt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur SDA von gestern zugunsten des französischen Wirtschaftsverbands der Champagner-Produzenten. Die Schaffung einer geschützten Herkunftsbezeichnung (AOC) durch die Kantonsbehörden verstoße gegen bilaterale Abkommen zwischen der Schweiz und der EU.

Das Dorf Champagne hatte erst am 13. Jänner nach jahrelangem Streit das Recht erhalten, seinen Namen auf seine Produkte zu schreiben. Die Kantonsbehörden sahen laut ihrer Entscheidung keine Gefahr, dass die Weißweine von den rund 28 Hektar Weinbergen nahe dem Neuenburgersee in der Westschweiz mit dem weltbekannten französischen Schaumwein verwechselt werden könnten.

Der französische Interessenverband der Champagner-Hersteller, die zusammen rund 34.000 Hektar Weinberge bewirtschaften, hatte jedoch Klage eingereicht und bekam nun recht. In der Entscheidung des Verfassungsgerichtes des Kantons Waadt heißt es, der französische Begriff „champagne“ genieße durch das bilaterale Abkommen zwischen der Schweiz und der EU einen exklusiven Schutz. Dieser verbiete „jede Verwendung des Namens für Weine, die nicht aus der französischen Champagne kommen“.