Inland

Grasser-Prozess: Auch Linzer Causa wieder im Fokus

Bei der Durchsicht von Einvernahmeprotokollen aus den Ermittlungen vor dem Prozess mit Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos) ist es heute wieder um die Linzer Causa, nämlich den Korruptionsverdacht bei der Einmietung der Finanz in den Linzer Terminal Tower, gegangen. Grasser betonte, nicht er habe den Mietvertrag unterschrieben, sondern der damalige Generalsekretär des Finanzministeriums.

Grasser verweist auf Angelegenheit seiner Beamten

Dieser ist mittlerweile verstorben. Laut Grasser handelte es sich überhaupt um eine Angelegenheit seiner Beamten wie bei den übrigen Immobilienangelegenheiten. Einmal habe er in dem Zusammenhang den damaligen RLB-OÖ-Generaldirektor Ludwig Scharinger getroffen, der bei ihm für das Projekt interveniert habe. Wann das Treffen war, daran kann sich Grasser nicht erinnern. Er habe Scharinger damals mehrmals getroffen, sonst aber mit ihm über Bankangelegenheiten in dessen Funktion als Spitzenbanker gesprochen.

Richterin Marion Hohenecker stellte fest: „Dass es eine Überweisung gegeben hat von der Porr an die Astropolis, das ergibt sich aus dem Akt.“ 200.000 Euro wurden von der Baufirma Porr, die den Linzer Büroturm errichtete und mit Raiffeisen OÖ im Konsortium saß, an die zypriotische Firma Astropolis des nun mitangeklagten Peter Hochegger überwiesen.

Die Anklage sieht darin Schmiergeld als Gegenleistung für die Einmietung der Finanz in den Linzer Büroturm – was die Angeklagten zurückweisen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Anklage gegen „korrupten Finanzminister“ kann nicht stimmen

Grasser hob hervor, dass die Beamten des Finanzministeriums die Verhandlungen geführt hätten, insbesondere der Generalsekretär. Dabei hätten sich die Beamten dafür eingesetzt, den Mietzins zu reduzieren und weiter Vorteile fürs Finanzministerium herauszuverhandeln.

Daher könne die Anklage, dass ein „korrupter Finanzminister“ Geld genommen habe, gar nicht stimmen, meinte Grasser. Er habe einmal kurz vor Weihnachten erfahren, dass es Widerstand der Mitarbeiter gegen den Standort gebe, daraufhin sei er erzürnt gewesen. Einige Monate später wurde der Vertrag dann unterzeichnet. Laut Anklage soll Grasser dadurch Druck gemacht haben, dass Schmiergeld fließen solle – was Grasser entschieden zurückweist.

Schwiegermuttergeld wieder Thema

In Zusammenhang mit den 500.000 Euro, die Grasser von seiner Schwiegermutter bekommen haben will, empörte sich Grasser heute erneut über die Ermittler. Diese hätten ihm bei einer Einvernahme vorgehalten, dass sich seine Schwiegermutter im ersten Halbjahr 2005 kein einziges Wochenende im Ort Zug in der Schweiz aufgehalten habe, wo Grasser angibt, das Geld übernommen zu haben.

Er habe dann selber recherchiert, und sie sei sehr wohl an mindestens zehn Wochenenden in dem Zeitraum dort gewesen. „Wenn man einen derart falschen Vorhalt macht, könnte man schon den Verdacht des Amtsmissbrauchs gegen Ermittlungsbeamte ableiten“, sagte der Hauptangeklagte.

Landbauer auch geschäftsführender FPÖ-NÖ-Chef

Udo Landbauer ist heute als neuer geschäftsführender Landesparteichef der FPÖ Niederösterreich vorgestellt worden. Morgen soll er außerdem zum geschäftsführenden Klubmann gewählt werden. Die Entscheidung, in die Politik zurückzukehren, gab Landbauer bekannt, nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in der NS-Liederbuchaffäre Ende August eingestellt hatte. Landesparteisekretär wird Michael Schnedlitz.

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„Made im Speck“: NEOS-Kritik an Wirtschaftskammern

NEOS übt Kritik daran, dass die zehn Wirtschaftskammern in Österreich ihre Einnahmen laufend steigern, obwohl von Sparmaßnahmen die Rede sei. Seit 2010 habe es ein Plus von fast 29 Prozent gegeben. Die Wirtschaftskammer hält dem entgegen, dass der Anstieg der Inflationsrate entspreche und zugleich die Leistung ausgebaut worden sei.

Die Summe aller Einnahmen der neun Landeskammern und der Bundeskammer (WKÖ) sowie der Fachorganisationen lag laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch das Wirtschaftsministerium 2017 bei 993 Mio. Euro. 2010 waren es 772 Mio. Euro gewesen.

„Ausgeblutete“ Mitglieder

„Die Kämmerer sprechen von einer angeblichen Senkung der Umlagen, in Wirklichkeit steigen die Einnahmen aber ungebremst an. Die Wirtschaftskammern bluten ihre Mitglieder aus und leben wie die Made im Speck“, kritisierte NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn.

Insbesondere die Kammerumlage II, die Teil der Lohnnebenkosten ist, sei seit 2010 um 28,8 Prozent auf fast 350 Mio. Euro gestiegen, die Kammerumlage I um 20 Prozent auf 213,6 Mio. Euro. Das sind die Haupteinnahmequellen der Wirtschaftskammern. Dazu kommen noch „sonstige Einnahmen“, die von 2010 bis 2017 um 42 Prozent auf 209 Mio. Euro stiegen.

Die Wirtschaftskammer verweist darauf, dass sie nur die Kammereinnahmen verantworte, das sind die Kammerumlagen I und II sowie „sonstige Einnahmen“ wie Kursangebote der Wifis und Sonderleistungen der Außenwirtschaftsorganisation für einzelne Unternehmen – nicht aber die Einnahmen der Fachorganisationen.

„Leistungsangebot immer stärker ausgedehnt“

Der nominelle Anstieg der Kammerumlagen entspreche ziemlich genau der Inflationsrate, sagte Wirtschaftskammer-Finanzchefin Michaela Kogler-Bohrer. Zugleich sei die Zahl der Mitglieder im gleichen Zeitraum um über 35 Prozent gestiegen, „unser Leistungsangebot musste immer stärker ausgedehnt werden“. Pro Mitglied seien die Einnahmen seit dem Jahr 2000 auch nominell um 18 Prozent gesunken.

EU

Trump lobt Juncker: „Eine harte, harte Nuss“

US-Präsident Donald Trump hat dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker ein ungewöhnliches Lob ausgesprochen: „Er ist hart, er ist fies, er ist die Art von Typ, den ich gern als Verhandlungsführer für mich hätte“, sagte Trump gestern vor Reporterinnen und Reportern im Weißen Haus. „Er ist eine harte, harte Nuss.“

Im gleichen Atemzug lobte der US-Präsident ein weiteres Mal seine eigenen Qualitäten bei Verhandlungen. Im Handelskonflikt mit der EU habe Juncker dreimal Nein gesagt, bis sich beide Seiten im Juli einigten: „Ich habe gesagt, okay, wir brauchen gar nicht mehr zu verhandeln. Wir werden einfach Zölle auf all die Millionen von Autos erheben, die ihr in die USA schickt“, so Trump mit zufriedenem Grinsen. Daraufhin sei Juncker „so schnell von Europa in mein Büro gekommen – ich wusste gar nicht, dass sie so schnelle Flugzeuge haben“.

Trump und Juncker hatten sich bei einem Treffen im Juli in Washington auf einen gemeinsamen Kurs zur Beilegung der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und der EU verständigt. Sie vereinbarten unter anderem, auf einen fast vollständigen Abbau von gegenseitigen Restriktionen im Handel mit Industriegütern hinzuarbeiten.

Strafverfahren gegen Ungarn: Österreich am Zug

Knapp eine Woche nachdem das EU-Parlament in Straßburg die Einleitung eines Artikel-7-Rechtsstaatsverfahrens gegen Ungarn beschlossen hatte, ist der Fall einem Medienbericht zufolge bei der österreichischen Ratspräsidentschaft gelandet.

Das Magazin „Politico“ (Onlineausgabe) berichtete heute, EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani habe Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gestern in einem Brief über die Entscheidung der Abgeordneten informiert. Damit liegt der Ball bei Österreich, das laut dem Magazin nun entscheiden muss, wann das Thema auf die Agenda des Europäischen Rates gesetzt wird.

In seinem Schreiben an Kurz fordert Tajani laut „Politico“ den Europäischen Rat auf festzustellen, „ob das Risiko eines ernsthaften Verstoßes Ungarns gegen die Werte, auf denen die Union beruht, eindeutig besteht“. Er wolle „vermitteln, welche Wichtigkeit das EU-Parlament dem Thema beimisst“, so Tajani weiter.

„Systemische Bedrohung der Demokratie“

Das Europaparlament hatte Mittwoch vergangener Woche Ungarn eine „systemische Bedrohung der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechte“ bescheinigt und per Zweidrittelmehrheit ein Rechtsstaatsverfahren nach Artikel 7 der Europäischen Verträge ausgelöst.

Im äußersten Fall droht Ungarn der Verlust der Stimmrechte im EU-Ministerrat. Bis dahin gibt es aber hohe Hürden. Die ungarische Regierung hat bereits angekündigt, gegen das Votum vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) anfechten zu wollen.

Ungarn startet Kampagne gegen EU-Parlament

Im eigenen Land startete die ungarische Regierung indes eine Kampagne gegen das EU-Parlament. Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte sie ein knapp halbminütiges Video mit dem Titel „Geben wir der Erpressung nicht nach!“ In dem mit dramatischer Musik untermalten Clip sagt ein Sprecher: „Die einwanderungsfreundliche Mehrheit im Europaparlament will uns zum Schweigen bringen, weil wir unsere Heimat und Europa mit einem Grenzzaun schützen.“

Das Video ist offenbar nur Teil einer breiter angelegten Kampagne zur Darstellung der Position der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban. Ähnliche Clips und Tonbeiträge würden in den kommenden Tagen als Anzeigen in Fernsehen, Radio und Onlinemedien geschaltet, berichtete die regierungsnahe Tageszeitung „Magyar Idök“.

Ausland

Pakistans Ex-Premier Sharif kommt frei

Ein Gericht in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hat die Freilassung des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif angeordnet. Gleichzeitig setzte das Gericht im Juli ergangene Urteile gegen Sharif, seine Tochter Maryam Nawaz und seinen Schwiegersohn Muhammad Safdar aus, berichteten heute lokale Medien.

Sharif, der insgesamt dreimal Ministerpräsident Pakistans war, wurde im Juli wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt, seine Tochter Maryam zu acht Jahren. Es ging vor allem um die Finanzierung teurer Wohnungen in London.

„Politische Verschwörung“ vermutet

Sharif hatte drei Tage nach seiner Inhaftierung Mitte Juli aus dem Gefängnis Berufung eingelegt. Das Urteil sei auf keinen Beweisen begründet, sagte er damals. Seine Anhänger nannten das Gerichtsverfahren und Urteil kurz vor der Parlamentswahl Ende Juli eine „politische Verschwörung“. Viele vermuten, das mächtige Militär, mit dem Sharif überkreuz liegt, habe die Hände im Spiel gehabt.

Während der neun Wochen im Gefängnis verschlechterte sich Nawaz’ Gesundheitszustand. Auch seine Frau Begum Kulsoom Nawaz verstarb während dieser Zeit, Sharif wurde für die Begräbnisfeier fünf Tage aus der Haft entlassen.

Versetzung Maaßens sorgt bei SPD für Unmut

Der Fall des bisherigen deutschen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen sorgt in der SPD weiter für Unmut. „Ein SPD-Bundesinnenminister hätte Herrn Maaßen nicht in sein Ministerium geholt“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gestern Abend im ZDF-„heute-journal“ mit Blick auf die Versetzung Maaßens auf den Posten eines Innenstaatssekretärs.

Umstrittene Aussagen zu Vorfällen in Chemnitz

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte die Versetzung „nicht gut“. Der Juso-Chef Kevin Kühnert sagte, der Preis „für den Fortbestand der Koalition“ sei zu hoch gewesen.

Auslöser des Streits waren umstrittene Äußerungen Maaßens zu den Vorfällen in Chemnitz. Er hatte sich skeptisch zur Echtheit eines Videos geäußert, auf dem die Verfolgung von Ausländern in der sächsischen Stadt zu sehen war. Zudem widersprach er der Einschätzung, es habe dort Hetzjagden gegeben – damit widersprach er zugleich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

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Seehofer: Noch keine Entscheidung über Nachfolge

Über die Nachfolge Maaßens ist nach Angaben von Innenminister Horst Seehofer (CSU) noch keine Entscheidung gefallen. Die Nachfolge sei nach der Entscheidung der Koalitionsspitzen über die Ablösung Maaßens noch offen, auch er persönlich habe noch keinen Namen im Kopf, sagte Seehofer heute in Berlin.

Mit Blick auf die Bedeutung des Bundesamts für Verfassungsschutz müsse die Personalie nach „gründlicher Überlegung“ entschieden werden. Das solle aber „zeitnah“ geschehen, sagte Seehofer weiter. An einer „geordneten Übergabe“ an der Spitze des Verfassungsschutzes liege ihm „sehr, sehr viel“.

Seehofer sprach Maaßen erneut sein Vertrauen aus. Maaßen sei ein kompetenter und integrer Mitarbeiter, sagte der CSU-Politiker: „Ich habe ihn immer als solchen erlebt.“ Maaßen habe sich hohe Verdienste erworben.

Strache traf Aserbaidschans Präsidenten Alijew

Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat heute Aserbaidschans Präsidenten Ilham Alijew getroffen. „Es ist uns ein großes Anliegen, die Beziehungen zu vertiefen“, so Strache. Schon jetzt gebe es eine gute Tradition der außenpolitischen Beziehung, allerdings sei noch vieles möglich.

Bei einem Vieraugengespräch sprach Strache laut eigener Aussage auch die Frage der Menschenrechte in Aserbaidschan an. Was Alijew konkret geantwortet habe, sagte der Vizekanzler aber nicht. Der aserbaidschanische Präsident wird unter anderem für seinen autoritären Führungsstil international kritisiert, allerdings auch nicht völlig gemieden. Zuletzt besuchte ihn etwa die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Wirtschaftsprojekte geplant

Neben Strache sind der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann im Nationalrat, Johann Gudenus, die FPÖ-Abgeordneten Gerald Hauser und Markus Tschank sowie die ÖVP-Mandatare Barbara Krenn und Johannes Schmuckenschlager Teil der Delegation. Bei den Gesprächen geht es unter anderem um Infrastrukturprojekte sowie Zusammenarbeit in Tourismus und Landwirtschaft.

Mutmaßliches Opfer Kavanaughs fordert FBI-Untersuchung

Die Frau, die dem Wunschkandidaten von US-Präsident Donald Trump für den Supreme Court sexuelle Übergriffe vorwirft, fordert vor ihrer Aussage vor dem US-Senat eine Untersuchung des Falls durch das FBI.

Das schrieben ihre Anwälte gestern in einem Brief an den Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, der mehreren US-Medien vorlag. Eine gründliche Untersuchung durch die Bundespolizei ermögliche eine unparteiische Beurteilung der Fakten, heißt es in dem Schreiben.

Die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford aus Kalifornien wirft Kavanaugh vor, sie vor 36 Jahren bei einer Highschool-Party auf ein Bett geworfen und versucht zu haben, sie auszuziehen. Er soll sie am Schreien gehindert haben, indem er ihr mit der Hand den Mund zuhielt.

Die heute 51 Jahre alte Ford hatte ihre Geschichte in der „Washington Post“ offenbart. Seitdem habe sie enorme Unterstützung erhalten, sei aber auch zum Opfer „böser Schikanen“ und gar von Todesdrohungen geworden, schrieben ihre Anwälte. Kavanaugh hat die Vorwürfe der Frau bestritten.

Sport

Wirtschaft

EuGH stärkt Rechte schwangerer und stillender Frauen

Die Rechte von schwangeren und stillenden Frauen sind durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gestärkt worden. Um besonderen Schutz in Hinsicht auf Nachtarbeit zu genießen, reicht es, wenn sie nur manchmal nachts arbeiten. Das geht aus dem Urteil des Luxemburger Gerichts von heute hervor. Damit können auch schwangere und stillende Schichtarbeiterinnen beanspruchen, von Nachtarbeit befreit zu werden.

Frau aus Spanien brachte Klage ein

Geklagt hatte eine Frau in Spanien, die während ihrer Stillzeit erreichen wollte, dass ihr Arbeitsverhältnis ruht. Sie machte Wachdienst in einem Einkaufszentrum und das teilweise nachts. Außerdem wollte sie von ihrem Arbeitgeber eine nach spanischem Recht vorgesehene Sozialleistung. Ihr Arbeitgeber sah das jedoch anders, worauf die Frau klagte. Das Obergericht von Galicien legte den Fall dann dem EuGH vor.

Die obersten europäischen Richter und Richterinnen wiesen nun darauf hin, „dass eine Arbeitnehmerin, die Schichtarbeit leistet, in deren Rahmen sie ihre Arbeit nur zum Teil während der Nachtzeit verrichtet, als während der ‚Nachtzeit‘ arbeitend anzusehen und daher als ‚Nachtarbeiter‘ einzustufen ist“. EU-Recht verbietet, schwangere und stillende Frauen zu Nachtarbeit zu verpflichten, wenn diese ein ärztliches Attest vorlegen.

Das Luxemburger Gericht entschied außerdem, dass Risikoprüfungen am Arbeitsplatz die „individuelle Situation“ von schwangeren und von stillenden Frauen und ihrer Kinder berücksichtigen müssten, um sie nicht zu diskriminieren. In dem konkreten Fall muss nun das Obergericht in Galicien abschließend entscheiden.

SeaWorld zahlt wegen Täuschung von Anlegern Millionen

Wegen Täuschung seiner Anleger zahlen das Freizeitparkunternehmen SeaWorld und sein ehemaliger Chef James Atchison insgesamt fünf Millionen Dollar (4,3 Mio. Euro). Sie hatten in den Jahren 2013 und 2014 die Auswirkungen des Dokumentarfilms „Blackfish“ über Orcas in Gefangenschaft heruntergespielt, wie die US-Börsenaufsicht SEC erklärte.

Film drückte auf Unternehmenswert

Der Kurs der Aktie von SeaWorld fiel wegen des Films aber stark, die Anlegerinnen und Anleger erlitten laut SEC „große Verluste“. SeaWorld Entertainment zahle nun vier Mio. Dollar, Atchinson eine Million Dollar, um einen Prozess zu vermeiden, teilte die SEC gestern (Ortszeit) mit. Weder das Unternehmen noch der Ex-Chef bekannten sich damit zu der Anlegertäuschung, bestritten sie aber auch nicht.

Orcas gelten als sehr soziale Tiere, die unter beengter Einzelhaltung und Gefangenschaft leiden. Der Film „Blackfish“ zeigte 2013, wie sich die Gefangenschaft auf die Schwertwale auswirkt. Auch dass ein Orca einen SeaWorld-Trainer tötete, deckte der Film auf. Das Unternehmen wies zunächst alle Vorwürfe der Filmemacher zurück. Im August 2014 schließlich gab die Geschäftsführung zu, dass der Film für sinkende Besucherzahlen sorgte.

Die SEC kritisierte gestern, SeaWorld habe seinen Ruf als „einen der wichtigsten Vermögenswerte“ dargestellt, habe es aber versäumt, die Auswirkungen von „Blackfish“ auf das Geschäft zeitnah zu analysieren und bekanntzumachen. Wegen des großen öffentlichen Drucks kündigte SeaWorld 2016 an, keine Orcas mehr für seine Shows zu züchten. Nach dem Tod der noch lebenden Tiere werde das Unternehmen künftig keine Schwertwale mehr halten.

Chronik

Wärmstes Sommerhalbjahr der Messgeschichte in Österreich

Der September dauert zwar noch einige Tage, aber eines steht schon fest: „Wir haben das wärmste Sommerhalbjahr seit Messbeginn im Jahr 1767 erlebt“, sagte heute Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

„Berücksichtigt man die Prognosen für die letzten September-Tage, dann liegt dieses Sommerhalbjahr um 2,6 Grad Celsius über dem vieljährigen Mittel 1981 bis 2010“, sagte der Klimatologe. Das bisher wärmste Sommerhalbjahr war im Jahr 2003 und lag 1,5 Grad über dem Mittel.

Temperaturschwankungen in Wintermonaten häufiger

Wertet man nicht nur Sommerhalbjahre aus, sondern allgemein Zeiträume von sechs Monaten, liegt das Halbjahr April bis September 2018 was Abweichungen betrifft, auf dem zweiten Platz hinter dem Zeitraum November 2006 bis April 2007.

„Die sechs Monate damals lagen um 2,9 Grad über dem für November bis April durchschnittlichen Temperaturwert“, berichtete Orlik. „In den Wintermonaten kommt es häufiger zu starken Temperaturschwankungen, da hier die Sonneneinstrahlung eine geringere Rolle spielt und die Temperatur vor allem von den Luftmassen der aktuellen Wetterlage beeinflusst wird.“

Von April bis September gab es heuer in Österreich je nach Region nur etwa vier bis sechs Tage mit für die Jahreszeit zu tiefen Temperaturen. Die restliche Zeit war es überdurchschnittlich warm. „Bereits der April war heuer so warm wie ein durchschnittlicher Mai, und der viertwärmste Sommer der Messgeschichte lieferte natürlich auch einen wesentlichen Beitrag zu diesem ungewöhnlich warmen Halbjahr“, sagte der ZAMG-Klimatologe. Mitte September liegen die Nachmittagstemperaturen immer noch fünf Grad über den für die Jahreszeit typischen Werten.

Ungewöhnliche Trockenheit

Das Sommerhalbjahr 2018 fiel auch sehr trocken aus. Im Westen Österreichs zeichnet sich für den Zeitraum April bis September einer der geringsten Werte seit Beginn der Niederschlagsmessungen im Jahr 1860 ab. In der österreichweiten Auswertung ist es mit 15 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel das trockenste Sommerhalbjahr seit 2003.

Für den ungewöhnlichen Wetterverlauf in diesem Jahr gibt es laut Orlik mehrere Gründe: So sei das Temperaturniveau in den vergangenen Jahrzehnten durch die Klimaerwärmung deutlich gestiegen. „Dazu kommen die natürlichen Schwankungen, die in jedem Jahr stattfinden und heuer sehr stark ausfielen“, so der Experte. „Die ersten sehr warmen und stabilen Hochdruckwetterlagen im heurigen Frühling könnten auch den Weg für das größtenteils stabile Wetter im Sommer bereitet haben. Tiefdruckgebiete vom Atlantik konnten nur selten bis Mitteleuropa vordringen.“

Nach Zugsunglück: Opfer noch nicht identifiziert

Nach dem tödlichen Zugsunglück gestern in Graz sind am Tag danach noch immer nicht alle Identitäten der zehn Verletzten bekannt. Über die Unfallursache gibt es weiter nur Mutmaßungen.

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91-Jährige nach Unglück betrogen

Nach dem Zugsunglück versuchten Betrüger mehrfach, mit einer Variante des Neffentricks Geld zu ergaunern. Eine 91-jährige Frau glaubte den falschen Polizisten und übergab eine Goldmünzensammlung.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at

USA: Protest von McDonald’s-Angestellten gegen Übergriffe

Angestellte der Fast-Food-Kette McDonald’s sind in zehn Städten der USA auf die Straße gegangen, um gegen mangelnden Schutz vor sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz zu demonstrieren. McDonald’s tue nicht genug gegen eine in seinen Restaurants „weit verbreitete Kultur der Verharmlosung“, lautete ihr Vorwurf.

Vor vier Monaten hatten weibliche Angestellte der Kette in neun Städten Klage gegen McDonald’s vor der US-Behörde für Gleichstellung am Arbeitsplatz eingereicht.

Die Organisatorin der Demonstration in Chicago, Karla Altmeyer, betonte, es sei nicht länger hinnehmbar, dass „einer von zwei Angestellten sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz erfährt“.

US-Arzt und Freundin Hunderter Missbräuche verdächtig

Ein wegen Vergewaltigung von zwei Frauen festgenommener US-Orthopäde und seine Freundin stehen im Verdacht, Hunderte weitere Opfer unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht zu haben. Bei der Staatsanwaltschaft im kalifornischen Landkreis Orange County gingen gestern zahlreiche Hinweise ein, nachdem die Ermittler an mutmaßliche Opfer des Paares appelliert hatten, sich zu melden.

Der 38-jährige Orthopäde und seine sieben Jahre jüngere Freundin waren in der vergangenen Woche wegen Vergewaltigung von zwei Frauen festgenommen worden. Auf dem Handy des Mediziners fanden die Ermittler Hunderte Videos, die den sexuellen Missbrauch von offensichtlich unter Drogen stehenden Frauen zeigten.

„Wolf im Arztkittel“

Die Behörden gehen nach den Worten von Staatsanwalt Tony Rackauckas davon aus, dass die beiden im Tandem zusammenarbeiteten, um in Restaurants und Bars potenzielle Opfer auszuwählen und Kontakt zu knüpfen. „Wir glauben, dass die Beschuldigten ihr gutes Aussehen und ihren Charme einsetzten, um die Zurückhaltung ihrer potenziellen Beute zu senken“, sagte Rackauckas. „Wir haben alle schon vom Wolf im Schafspelz gehört. Nun, ein Wolf kann auch OP-Kleidung oder Arztkittel tragen. Oder ein Wolf kann eine schöne Frau sein.“

Ersten Erkenntnissen zufolge setzten die beiden Ecstasy, K.-o.-Tropfen und Kokain ein, um die Opfer wehrlos zu machen und sie im Haus des Arztes in Newport Beach sexuell zu missbrauchen. Die Anwälte der Verdächtigen betonten, die beiden wiesen alle Vorwürfe zurück und warteten ungeduldig auf einen Prozess. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem Arzt bis zu 40 Jahre Haft, seiner Freundin bis zu 30 Jahre.

Staatsanwalt Rackauckas appellierte an mögliche Opfer, sich zu melden. „Ihre bewusste Entscheidung, mit diesen Beschuldigten zu feiern, gibt den beiden keinen Freifahrtschein, Sie zu vergewaltigen, zu belästigen oder mit Ihnen Sex zu haben, nachdem Sie den Punkt überschritten haben, an dem Sie zustimmen können“, sagte er.

IT

IBM will „Black Box“ der künstlichen Intelligenz lüften

IBM will mit einem neuen Softwarewerkzeug mehr Transparenz in Anwendungen mit künstlicher Intelligenz (KI) bringen und damit das Vertrauen in solche Lösungen stärken. Die Software öffne die „Black Box“ der KI und erkenne automatisch mögliche Verfälschungen bei den Ergebnissen, teilte das Unternehmen heute mit.

„Alle Entscheidungen, die künstliche Intelligenz trifft, haben ihre Basis in den eingegebenen Daten“, sagte Wolfgang Hildesheim, der bei IBM in Deutschland für KI zuständig ist, „da kann der Algorithmus so gut sein, wie er will.“ IBMs neue Technologie überprüfe etwa, ob eine ausgewogene und signifikante Datenbasis vorliege und damit auch tatsächlich verlässliche und relevante Ergebnisse geliefert werden können.

Das Werkzeug soll in Echtzeit Licht ins Dunkel bringen, wie eine KI-Anwendung zu ihren Entscheidungen kommt. IBM wolle damit vor allem auch das Vertrauen in KI-Systeme stärken. „Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen“, sagte Hildesheim. Eine Studie des Unternehmens habe jüngst herausgefunden, dass 82 Prozent der Unternehmen gerne künstliche Intelligenz zur Umsatzsteigerung nutzen würden.

Religion

Caritas und Pfarren starten Erntedanksammlung

Die Caritas hat ihre Herbstsammlung von Lebensmitteln für armutsbetroffene Menschen begonnen. Kardinal Christoph Schönborn und Caritas-Präsident Michael Landau riefen heute vor dem Stephansdom zu Spenden für das Projekt „Lebensmittel und Orientierung“ (Le+O) auf. Das Projekt bietet neben Lebensmitteln Beratung für armutsbetroffene Menschen an.

„Rund 1,25 Millionen Menschen in Österreich sind von Armut betroffen oder armutsgefährdet – das ist jeder Siebte“, sagte Schönborn. Konkret werden in der Zeit von 24. September bis 22. Oktober in 155 Pfarren von Wien und Niederösterreich haltbare Lebensmittel wie Zucker, Reis, Öl, Konserven, Kaffee und Tee gesammelt.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Science

Kultur

Jack Black enthüllte Hollywood-Stern

Der Komiker Jack Black hat auf dem „Walk of Fame“ im Herzen von Hollywood eine Sternenplakette mit seinem Namen enthüllt – und am Ende seiner Ansprache gegen US-Präsident Donald Trump gewettert.

„Ich liebe euch alle so sehr“, sagte er vor Hunderten Schaulustigen, Fans und Bekannten, die der Zeremonie beiwohnten. „Ausgenommen Donald Trump, er ist ein Drecksstück“, rief Black in die Menge.

Jack Black liegt auf seinem Hollywood-Stern
APA/AFP/Getty Images/David Livingston

Vor Fotografen und Fotografinnen und Fans räkelte sich Black auf dem Gehsteig, küsste die Plakette und sprang lachend in die Luft. Kollegen und Freunde wie Tim Robbins, Eli Roth und Bob Odenkirk feierten mit, auch Blacks Familie, darunter Ehefrau Tanya Haden und die gemeinsamen Söhne Samuel (12) und Thomas (10).

„Koloss“ mit Talent

Black sei ein „massiver Koloss“ von Talent und ein großartiger Kerl, würdigte Regisseur Richard Linklater als Gastredner den Schauspieler. Für die von Linklater inszenierte schwarze Komödie „Bernie – Leichen pflastern seinen Weg“ (2011) hatte Black eine Golden-Globe-Nominierung als bester Komödiendarsteller erhalten.

Als Schauspieler wurde der Kalifornier durch seine Rolle in „High Fidelity“ (2000) bekannt. Weitere Auftritte hatte er in „King Kong“, „Nacho Libre“ und zuletzt in „Don’t Worry, weglaufen geht nicht“. Er ist auch Leadsänger der Rockband Tenacious D, die Black mit seinem langjährigen Freund Kyle Gass gründete.

Leute

Justin Bieber sang vor Buckingham-Palast für Verlobte

Popstar Justin Bieber hat vor dem Londoner Buckingham-Palast spontan für seine Verlobte Hailey Baldwin (21) gesungen. Der 24-Jährige saß gestern wie ein Straßenmusiker am Brunnen gegenüber dem Palast und spielte Tracey Champmans „Fast Car“, wie Videos im Internet zeigen.

Um den Kanadier Bieber standen neben seiner Freundin mehrere Fans, die das Minikonzert verfolgten. Bieber begleitet Baldwin während der Fashion-Week in der britischen Hauptstadt. Die beiden sind seit mehreren Monaten verlobt. Am Montag hatte der Onkel des Models, US-Schauspieler Alec Baldwin, Reporterinnen und Reportern bei der Emmy-Verleihung allerdings gesagt, das Paar habe bereits geheiratet. Die 21-Jährige wiederum hat das dementiert.