Ausland

Boot mit 100 Personen an Bord vor Libyen in Seenot

Nach zwei Bootsunglücken im Mittelmeer, bei denen mindestens 56 Menschen ums Leben gekommen sind, sind weitere Flüchtlinge auf See in Schwierigkeiten geraten. Ein Boot mit 100 Personen befindet sich 60 Seemeilen vor der libyschen Küste. Das Boot sei in Seenot, berichteten italienische Medien.

Es handelt sich um eine weitere Notstandslage nach zwei Bootsunglücken in den vergangenen Tagen. Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) berichtete gestern von einem Schiffbruch mit 53 Toten im westlichen Mittelmeer. Eine Person überlebte und wurde nach 24 Stunden im Wasser von einem Fischerboot gerettet.

Salvini will Häfen nicht öffnen

Auf einem weiteren vor Libyen in Seenot geratenen Schlauchboot waren nach Angaben von drei Überlebenden ursprünglich 120 Menschen an Bord gewesen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit.

Die deutsche Hilfsorganisation Sea Watch, die 47 Migranten auf dem Mittelmeer barg, wartet inzwischen auf Anweisungen, in welchem Hafen diese landen sollen. Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte umgehend, nach Italien dürften sie nicht.

Tote bei Angriff auf UNO-Stützpunkt in Mali

Bei einem Angriff auf einen UNO-Stützpunkt im Nordosten Malis sind heute mindestens acht Blauhelmsoldaten aus dem Tschad getötet worden. Wie die UNO-Mission MINUSMA mitteilte, wurde der Stützpunkt in Aguelhok von zahlreichen bewaffneten Angreifern attackiert. Die Soldaten hätten sich gegen den „komplexen Angriff“ zur Wehr gesetzt. MINUSMA-Chef Mahamat Saleh Annadif sprach von einem „schändlichen und verbrecherischen Angriff“.

Das westafrikanische Mali ist seit 2012 Aufmarschgebiet für islamistische Gruppierungen, die damals die Kontrolle über den Norden des Landes übernahmen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff 2013 militärisch ein und drängte die Islamisten zurück. Doch trotz der Präsenz Tausender internationaler Soldaten herrscht weiterhin Instabilität.

Zwei Festnahmen nach Nordirland-Anschlag

Der Autobombenanschlag im nordirischen Londonderry geht nach Einschätzung der Polizei vermutlich auf das Konto einer Splittergruppe der militanten Untergrundorganisation IRA. Die Ermittlungen richteten sich in erster Linie gegen die New IRA, sagte der stellvertretende Polizeichef Mark Hamilton heute. Zwei Personen seien festgenommen worden. Nach Behördenangaben wurde bei dem Anschlag gestern im Stadtzentrum niemand verletzt.

Hamilton sagte, er sehe in dem Anschlag keine Eskalation. Allerdings fällt er in eine Phase, in der vor einem möglichen Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts gewarnt wird, sollte im Zuge des Brexit wieder eine harte Grenze zwischen dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland und dem EU-Mitglied Irland eingerichtet werden.

Die New IRA hat in den vergangenen Jahren immer wieder sporadisch Anschläge verübt. Die Nationalisten lehnen das 1998 geschlossene Friedensabkommen ab, das weitgehend einen Schlussstrich unter drei gewaltgeladene Jahrzehnte zog.

Ausschreitungen bei Mazedonien-Kundgebung in Athen

Die griechische Polizei hat heute Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt, um eine Gruppe von Rechtsextremisten daran zu hindern, auf den Hof des Parlaments in Athen vorzudringen. Die Demonstrierenden trugen griechische Fahnen und skandierten Sprüche wie „Politiker – Verräter“.

Sie schleuderten Steine und andere Gegenstände und Feuerwerkskörper auf die Beamten, wie Reporter an Ort und Stelle im Fernsehen berichteten. Die Polizei habe die Lage rasch in den Griff bekommen, hieß es.

Demo in Athen
AP/Thanassis Stavrakis

Aus Protest gegen die geplante Ratifizierung der Namensänderung Mazedoniens in Nordmazedonien versammelten sich in der Früh rund 100.000 Demonstrierende in Athen.

In den Vororten wurden zahlreiche Busse gesichtet, mit denen nationalistisch und konservativ orientierte Menschen aus allen Landesteilen nach Athen strömten, wie das Fernsehen zeigte.

Mehr als 70 Prozent der Griechen gegen Namensänderung

Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte im vergangenen Jahr mit Skopje ausgehandelt, das südliche Balkanland solle sich künftig Nordmazedonien nennen. Das Abkommen soll kommende Woche im griechischen Parlament abgesegnet werden.

Weil auch eine nordgriechische Provinz den Namen Mazedonien trägt (Gr.: Makedonia), sind mehr als 70 Prozent der Griechen Umfragen zufolge dagegen. Sie befürchten, das Nachbarland könne Gebietsansprüche an die nordgriechische Region Makedonien stellen. Zudem sind sie der Ansicht, dass der Nachbarstaat, wenn er das Wort Mazedonien in seinem Namen behalte, das hellenische Kulturerbe an sich reiße.

Das Parlament in Mazedonien hat das Abkommen trotz ähnlicher Reaktionen nationalistischer Kreise bereits ratifiziert. Bei erfolgreichem Abschluss auch in Athen soll Nordmazedonien NATO-Mitglied werden und später auch der EU beitreten.

„Shutdown“: Demokraten lehnen Trumps Angebot ab

Mehr als vier Wochen nach Beginn des „Shutdown“ in den USA hat auch ein neues Angebot von Präsident Donald Trump an die Demokraten keinen Durchbruch in Budgetstreit gebracht. In einer Ansprache im Weißen Haus bot Trump an, bestimmte Gruppen von Migranten in den USA drei Jahre lang vor Abschiebung zu schützen.

Im Gegenzug beharrte er aber auf seiner Forderung nach 5,7 Milliarden Dollar für eine Mauer an der Grenze zu Mexiko, deren Finanzierung die Demokraten verweigern. Die Demokraten machten deutlich, dass auch der neue Vorstoß Trumps keinen Durchbruch in dem völlig festgefahrenen Streit bringen wird.

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Beobachtungsstelle: Tote bei Explosion in Damaskus

Bei einer Explosion in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat es nach Angaben von Aktivisten heute Tote und Verletzte gegeben. Die „starke Explosion“ habe sich in der Nähe eines Gebäudes des Militärgeheimdienstes ereignet, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mit, die ihre Angaben von Aktivisten an Ort und Stelle bezieht. Nach der Explosion habe es Schüsse gegeben.

Der Beobachtungsstelle zufolge war zunächst unklar, ob die Explosion durch eine Bombe oder einen Selbstmordanschlag ausgelöst wurde. „Einige Menschen wurden getötet und verletzt“, erklärte die Organisation, deren Angaben unabhängig kaum zu überprüfen sind. Die genaue Zahl sei aber noch unklar.

Zuvor hatte das Staatsfernsehen von einer Explosion nahe der Schnellstraße im Süden der Stadt berichtet. „Erste Berichte deuten auf eine terroristische Tat hin“, hieß es dort ohne weitere Angaben.

Tote und Verletzte auch in Afrin

Bei der Explosion eines Busses in der nordsyrischen Stadt Afrin kamen unterdessen mindestens zwei Zivilisten ums Leben. Mindestens zehn weitere wurden verletzt. Die Explosion habe sich im Stadtzentrum ereignet, teilte die Zivilschutzorganisation Weißhelme mit. Vor einem Jahr waren türkische Truppen in die Region um Afrin einmarschiert. Die Hintergründe der Explosion seien noch unklar.

In Syrien tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg, bei dem bereits mehr als 360.000 Menschen getötet und Millionen weitere vertrieben wurden. Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren rund zwei Drittel des Landes. Im vergangenen Mai vertrieben sie nach eigenen Angaben Dschihadisten aus dem Süden von Damaskus und brachten damit zum ersten Mal seit sechs Jahren die komplette Hauptstadt unter ihre Kontrolle.

Inland

Volksanwalt zu Asyl: „Mindeststandards sind einzuhalten“

In der Diskussion über Flüchtlingsunterkünfte in Niederösterreich hat Volksanwalt Günther Kräuter heute festgehalten: „Menschenrechtliche Mindeststandards sind einzuhalten.“ Er kündigte in einer Aussendung an, dass er bei der Tagung des Menschenrechtsbeirates am Dienstag „ausführlich über die Situation in Niederösterreich berichten“ werde.

Zur Kritik von Asyllandesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) „an seiner verfassungsrechtlich vorgegebenen Aufgabe des präventiven Schutzes von Menschenrechten in Einrichtungen“ erklärte Kräuter, dass Mindeststandards bei der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen zu erfüllen seien.

„Das Recht von Minderjährigen auf menschenwürdige Unterbringung und Schutz vor Gewalt in Flüchtlingsunterkünften folgt aus der UNO-Kinderrechtekonvention, der Europäischen Menschenrechtskonvention, EU-Richtlinien sowie dem Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern. UNICEF Österreich hat im Vorjahr in Zusammenarbeit mit den zuständigen Mitgliedern der Landesregierungen von Wien, Oberösterreich, Tirol, Salzburg und Vorarlberg, den Kinder- und Jugendanwaltschaften sowie zahlreichen Institutionen der Zivilgesellschaft Mindeststandards erarbeitet.“

„Massive Mängel“ in Unterkunft festgestellt

Bei einem Besuch in dem von der Österreichischen Jungarbeiterbewegung (ÖJAB) betriebenen Quartier für unbegleitete Minderjährige in Greifenstein (Niederösterreich) wurden laut Aussendung „massive Mängel festgestellt, darunter mangelnde Qualifikation der Betreuungspersonen, das Fehlen freizeitpädagogischer Angebote, rechtlich nicht zulässige Ausgangssperren, das Fehlen von professionellen Konzepten zu Deeskalation und Gewaltprävention und Defizite in der medizinischen, jugendpsychiatrischen und therapeutischen Betreuung“.

Die ÖJAB hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und Freitag mitgeteilt, dass der Standort nach den zugrunde liegenden behördlichen und gesetzlichen Vorschriften betrieben werde. Waldhäusl erklärte gestern, dass die Asylunterkünfte in Niederösterreich „aus Sicht des Landes bestens geführt“ seien.

Rolle der Volksanwaltschaft ist Menschenrechtsschutz

Die Rolle der Volksanwaltschaft zum Menschenrechtsschutz sei – zusätzlich zur Bearbeitung von Beschwerden über die öffentliche Verwaltung – seit 2012 vom Parlament vorgegeben, wurde in der Aussendung der Institution weiter ausgeführt.

Interdisziplinär zusammengesetzte Expertenkommissionen besuchen unangemeldet Einrichtungen, haben Zugang zu allen Örtlichkeiten, führen vertrauliche Gespräche mit Bewohnern und nehmen Einsicht in Dokumente, hieß es zur Vorgangsweise. Bei festgestellten Mängeln, Defiziten und Missständen konfrontiere die Volksanwaltschaft die zuständigen politischen Verantwortlichen, ersuche um Stellungnahmen und verfasse Empfehlungen.

Der Menschenrechtsbeirat unterstützt die Volksanwaltschaft bei ihrer Aufgabe des präventiven Menschenrechtsschutzes. Er setzt sich jeweils zur Hälfte aus Vertretern der Regierung sowie Repräsentanten der Zivilgesellschaft zusammen.

Zentralmatura: Änderungen in Mathe Ende Jänner

ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann will Ende Jänner die geplanten Änderungen bei der Zentralmatura im Fach Mathematik vorstellen. Wie im Vorjahr angekündigt, sollen die Texte der Aufgaben verständlicher werden, sagte Faßmann in der ORF-Sendung „Hohes Haus“ heute. „Sie muss inhaltlich nicht unbedingt leichter sein, aber sie soll fairer sein für die Schülerinnen und Schüler.“

Bildungsminister Faßmann im „Hohen Haus“

Heinz Faßmann spricht über das Kopftuchverbot, seine Pläne für Ethikunterricht und die Zentralmatura.

Dafür habe er den ehemaligen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz beauftragt. Dieser habe die Aufgabe mit „großem Engagement und Professionalität“ erledigt. Nun wisse man genau, was Lehrkörper und Schülerinnen und Schüler über die Mathematura denken, so Faßmann. So müssten neben der Verständlichkeit auch inhaltliche Änderungen her: Ein Rechenfehler solle nicht reichen, eine ansonsten korrekte Prüfung vollends abzuwerten. Beides gehe sich bis zur nächsten Matura aus.

Einmal mehr plädierte Faßmann außerdem für ein religiöses „Neutralitätsgebot“ für Lehrer. Sie sollten sich wie auch Richter und Polizisten religiös und weltanschaulich neutral verhalten und keine religiöse Kleidung tragen, findet Faßmann.

Ausmaß der Pflegegelderhöhung noch offen

Die Bundesregierung will das Pflegegeld erhöhen. Laut Regierungsprogramm soll das ab Pflegestufe vier erfolgen, doch auch eine Anpassung schon ab Stufe drei oder auch in allen sieben Stufen ist derzeit im Gespräch. In welchem Ausmaß die Erhöhung erfolgen soll, ist ebenso noch unklar wie ein mögliches Schrauben an den Anspruchsvoraussetzungen.

Im Dezember 2018 gab es österreichweit 454.805 Bezieherinnen und Bezieher von Pflegegeld. Würde ab Stufe vier erhöht, käme das 146.685 Menschen zugute (32,3 Prozent aller Bezieherinnen und Bezieher), ab Stufe drei wären es 229.146 pflegebedürftigen Personen (50,4 Prozent).

Sieht man sich die Mehrkosten für den Staat durch eine Erhöhung an, wären die Unterschiede aber gar nicht so eklatant. Ein Prozent mehr Pflegegeld würde die Steuerzahlerinnen und -zahler laut APA-Berechnungen ab Stufe vier jährlich knapp 16 Mio. Euro kosten, ab Stufe drei rund 20,5 Mio. Euro und für alle Bezieher rund 26,3 Mio. Euro.

Inflation durch Erhöhung nicht ausgeglichen

Tatsächlich müsste die Erhöhung aber wohl viel höher ausfallen, denn Expertinnen und Experten beklagen regelmäßig, dass das Pflegegeld seit seiner Einführung im Jahr 1993 rund 35 Prozent Wertverlust zu verzeichnen hatte. Erhöht wurde es seither nur fünfmal. Die in diesem Zeitraum eingetretene Inflation wurde bei Weitem nicht ausgeglichen.

Im Sozialministerium hieß es auf APA-Anfrage, dass man den Vorschlag von ÖVP-Klubobmann August Wöginger begrüße, eine Erhöhung in allen Pflegestufen vorzunehmen. „Diesen Weg würden wir gerne mitgehen. Allerdings wissen wir nicht, ob dieser Vorschlag von der gesamten ÖVP mitgetragen wird“, wurde in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt.

Ob an anderen Schrauben gedreht wird, etwa eine Änderung bei der Stundenzahl des erforderlichen Pflegebedarfs in den verschiedenen Stufen, ließ man im Ministerium offen. Im Zuge der Erstellung des „Pflege-Masterplans“ „werden sämtliche mögliche Konstellation an Verbesserungen erarbeitet und diskutiert werden“, hieß es.

SPÖ-Senioren fordern zehn Prozent Plus

Der SPÖ-Pensionistenverband forderts unterdessen eine zehnprozentige Anhebung des Pflegegelds in allen sieben Stufen. „Die ÖVP-FPÖ-Regierung spart bei den Bezieherinnen und Beziehern von Pflegegeld“, kritisierte Generalsekretär Andreas Wohlmuth. Eine Anhebung nur in den höheren Stufen und erst ab 2010 sei völlig unzureichend. Denn 68 Prozent der Bezieher seien in den unteren drei Stufen.

„Gerade jene Menschen, die zu Hause betreut und gepflegt werden – das sind die Bezieher der unteren Pflegegeldstufen -, müssen stärker unterstützt werden“, forderten die SPÖ-Senioren. Außerdem müsse das Pflegegeld in Zukunft jährlich angehoben und auch der zuletzt 2008 erhöhte Förderungsbetrag für Betreuungskräfte angepasst werden.

Sport

Tennis: Federers Regentschaft in Melbourne beendet

Stefanos Tsitsipas hat am Sonntag für die große Sensation bei den Australian Open gesorgt. Der 20-jährige Grieche bezwang im Achtelfinale des Grand-Slam-Turniers in Mebourne den Sieger von 2017 und 2018, Superstar Roger Federer, nach 3:45 Stunden mit 6:7 (11/13) 7:6 (7/3) 7:5 7:6 (7/5). Nach zuletzt 17 Siegen in Melbourne in Folge musste sich der 37-jährige Schweizer damit erstmals seit 2016 (Semifinal-Aus gegen Novak Djokovic) geschlagen geben.

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Wirtschaft

Bericht: Frankreich will Renault und Nissan fusionieren

Frankreich hat einem Medienbericht zufolge die Regierung in Tokio von Plänen in Kenntnis gesetzt, die Autobauer Renault and Nissan zusammenzuführen. Eine französische Delegation habe als wahrscheinlichste Variante einer Integration eine Holdinggesellschaft genannt, berichtete heute die Zeitung „Nikkei“.

Zudem wolle Frankreich den nächsten Vorsitzenden von Nissan benennen. Ein Stellungnahme des Unternehmens lag zunächst nicht vor. Das Autobündnis wird gegenwärtig durch die Untersuchungshaft des Renault-Chefs Carlos Ghosn in Japan erschüttert.

Michelin-Chef als Ghosn-Nachfolger?

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire brachte unterdessen Michelin-Chef Jean-Dominique Senard als Nachfolger Ghosns ins Gespräch. Senard sei eine anerkannte Größe in der Autoindustrie, sagte Le Maire der Zeitung „Journal du Dimanche“.

Außerdem habe der Michelin-Chef gezeigt, dass er einen großen Industriekonzern führen könne und sich der sozialen Verantwortung seines Amtes bewusst sei. „Es liegt nun am Verwaltungsrat, die Vorschläge der Berufungskommission zu prüfen“, ergänzte Le Maire. Die Regierung, die größter Renault-Aktionär ist, werde dabei mitreden.

Ghosn sitzt seit dem 19. November in Japan in Untersuchungshaft. Grund sind Vorwürfe, die seine Rolle als früherer Chef der Renault-Schwestergesellschaft Nissan betreffen. Der 64-Jährige soll seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben. Zudem warfen die Strafverfolger Ghosn auch schweren Vertrauensbruch vor. Ghosn selbst – einst die treibende Kraft hinter dem Autobündnis von Renault, Nissan und Mitsubishi – sagte, er sei „unrechtmäßig angeklagt“.

Absagen bestimmen Weltwirtschaftsforum in Davos

Vor dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF, 22. bis 25. Jänner) im schweizerischen Davos haben vor allem die prominenten Absagen die Schlagzeilen bestimmt. US-Präsident Donald Trump, der seine Teilnahme wegen des Haushaltsstreits in den USA schon vor Tagen abgesagt hatte, strich am Donnerstag auch noch die Reise der gesamten US-Delegation.

Die britische Premierministerin Theresa May bleibt wegen des Streits um den Brexit zu Hause, der französische Präsident Emmanuel Macron wegen der „Gelbwesten“-Proteste.

Motto: „Globalisierung 4.0“

Die Organisatoren des WEF, das von Dienstag bis Freitag in dem Wintersportort in den Schweizer Alpen stattfindet, geben sich trotz der Absagen gelassen: Die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs, darunter neben der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch der neue brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, repräsentierten immerhin ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung, erklärten sie vor Beginn.

Das offizielle Motto lautet „Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution“. Die Veranstalter um den Gründer Klaus Schwab verweisen zudem auf die mehr als 800 angemeldeten Teilnehmer aus den USA, darunter die Chefs weltweit führender Unternehmen. Mit insgesamt rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Politik- und Wirtschaftselite werde das Treffen daher wieder „eine Plattform für wichtige Diskussionen“.

Chronik

Ein Toter bei Lawinenabgang in Schweiz

Im Schweizer Kanton Waadt sind gestern drei französische Skitourengänger von einer Lawine erfasst worden. Zwei konnten sich aus den Schneemassen befreien, ein 39-Jähriger starb.

Das Unglück ereignete sich in der Nähe des Berggipfels Vanil Carre im Gemeindegebiet von Chateau-d’Oex. Die zwei Geretteten wurden leicht verletzt in ein Spital gebracht.

Brand in deutschem Altersheim: 103-Jähriger sprang aus Fenster

Ein 103-Jähriger ist bei einem Brand in einem Alters- und Pflegeheim in Lübeck in Deutschland aus dem Fenster gesprungen und hat sich schwer verletzt. Das Feuer sei heute kurz nach Mitternacht im Zimmer des Mannes ausgebrochen, teilte ein Polizeisprecher mit.

Der 103-Jährige habe sich vor den Flammen in Sicherheit bringen wollen. Er wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Zwei Tote bei Brand in französischem Skiort

Auch in Frankreich kam es heute zu einem Brand. Im Nobelskiort Courchevel in den französischen Alpen kamen dabei zwei Menschen ums Leben. Das Feuer sei in den frühen Morgenstunden in einem dreistöckigen Wohngebäude für Saisonarbeitskräfte ausgebrochen, teilte die Präfektur mit. Feuerwehrleute hätten zwei Leichen aus dem ausgebrannten Gebäude geborgen. 14 weitere Menschen seien verletzt worden, vier davon schwer.

In dem Gebäude waren rund 60 Menschen untergebracht, die in dem Wintersportort arbeiten. Die Ursache für den Brand war zunächst unklar. 70 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Nach etwa vier Stunden war das Feuer im Wohngebäude gelöscht.

Religion

Papst stellt per iPad Gebets-App vor

Papst Franziskus hat beim Angelus-Gebet heute die offizielle Gebets-App „Click To Pray“ vorgestellt. Mit einem iPad präsentierte der Heilige Vater offiziell die sechssprachige App und rief Jugendliche auf, diese herunterzuladen, um mit ihm den Rosenkranz für den Frieden zu beten, vor allem anlässlich des Weltjugendtags in Panama.

Papst Franziskus
APA/AFP/Vincenzo Pinto

„Click To Pray“ schickt jeden Tag drei kurze Gebetsimpulse. Über die App, die vom Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes betrieben wird, kann man auch eigenen Gebete formulieren und posten.

Gesundheit

WHO: Impfmüdigkeit gefährdet globale Gesundheit

Mangelnde Impfbereitschaft zählt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den gegenwärtig größten Gesundheitsrisiken der Welt. Sie drohe die Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten zunichte zu machen, die durch Impfen vermeidbar sind. Die Verbesserung der Impfbereitschaft gehört deshalb laut WHO zu den vorrangigen Zielen für die kommenden Jahre.

Als weitere maßgebliche Gefahren für die Gesundheit der Menschen weltweit sieht die WHO die Luftverschmutzung, die Ausbreitung antibiotikaresistenter Keime, die Übergewichtsepidemie und das Auftauchen gefährlicher Erreger wie Ebola. Impfungen verhindern laut WHO jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle. Weitere 1,5 Millionen könnten hinzukommen, wenn weltweit mehr Menschen geimpft würden.

Masern zunehmend Problem

Die Gründe für die Impfmüdigkeit seien vielfältig. Dazu gehörten schlichte Nachlässigkeit, der schwierige Zugang zu Impfstoffen und mangelndes Vertrauen. Welchen Folgen das haben könne, zeige das Beispiel Masern: Weltweit sei die Zahl der Fälle im Jahr 2017 um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Auch in einigen Ländern, die bereits kurz vor der Ausrottung der Krankheit gestanden hätten, gebe es wieder mehr Fälle.

Zu einem Anstieg der Masernfälle kam es zuletzt auch in der WHO-Region Europa: Dort seien im gesamten Jahr 2017 23.927 Menschen erkrankt – 2016 waren es nur 5.273.

Im laufenden Jahr will die WHO unter anderem die Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs über eine Ausweitung der HPV-Impfungen vorantreiben. Auch die Ausrottung von Polio in Afghanistan und Pakistan sei ein wichtiges Ziel.

Kultur

Früherer Hollywood-Produzent Andrew Vajna gestorben

Der ehemalige Hollywood-Produzent Andrew Vajna ist heute in Budapest im Alter von 74 Jahren gestorben. Der in Ungarn geborene Film-, Medien- und Casinounternehmer sei einer langwierigen Krankheit erlegen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf den Ungarischen Nationalen Filmfonds, den Vajna geleitet hatte.

Vajna produzierte in den USA rund 50 Streifen, zumeist aus dem Action-Genre. Unter anderem wirkte er als Produzent mit an den „Rambo“-Filmen mit Sylvester Stallone und an „Red Heat“ und „Terminator 3“ mit Arnold Schwarzenegger. „Evita“ mit Popstar Madonna in der Titelrolle ließ er an Schauplätzen in Budapest drehen.

Regierungskommissar für Filmwesen unter Orban

In den 2000er Jahren verlagerte er seine Tätigkeit zusehends in seine Altheimat Ungarn. Er freundete sich mit dem von 1998 bis 2002 und seit 2010 regierenden rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban an. Dieser machte ihn nach seinem Wahlsieg 2010 zum Regierungskommissar für das Filmwesen.

An der Spitze des Nationalen Filmfonds gestaltete Vajna die staatliche Filmförderung um. Dabei entzog er sich durchaus den ideologischen Begehrlichkeiten der Meinungsmacher des Orban-Staats. Der vom Filmfonds geförderte Auschwitz-Film „Sauls Sohn“ (2015) von Laszlo Nemes gewann 2016 den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Zugleich war Vajna geschäftlich in Orbans Oligarchensystem fest eingebunden. Er erhielt die Konzession für die meisten Casinos im Land. Mit den Krediten einer staatlichen Bank kaufte er den privaten Fernsehsender TV2, der früher zur ProSiebenSat1-Gruppe gehört hatte. Unter seiner Führung wurde TV2 zu einem Instrument der Regierungspropaganda mit Boulevardmethoden. Ende des vergangenen Jahres gab er den Sender an einen anderen, mit Orban verbündeten Oligarchen weiter.

Joyce Carol Oates erhält Jerusalem-Preis 2019

Die amerikanische Autorin Joyce Carol Oates wird mit dem diesjährigen Jerusalem-Preis ausgezeichnet. Er soll am 12. Mai bei der Eröffnung der Internationalen Buchmesse in Jerusalem übergeben werden, wie Israels Regierungspressestelle heute mitteilte. Der mit 10.000 Dollar (rund 8.800 Euro) dotierte Jerusalem-Preis ist Israels höchste literarische Auszeichnung.

Über mehr als fünf Jahrzehnte habe Oates „ein breites Spektrum an Literatur geschaffen“, hieß es in der Begründung der Jury. Mit ihrer Arbeit erschließe Oates „neue kreative Horizonte“ und überwinde immer wieder Grenzen. Die Jury attestierte der Autorin „unerschöpflichen Einfallsreichtum“. In jedem neuen Buch untersuche sie „ein weiteres unbekanntes Gebiet“. Oates erhelle „die Spannung zwischen den versteckten Ängsten und Sehnsüchten der menschlichen Psyche“.

Oates „zutiefst geehrt“

Oates äußerte sich „zutiefst geehrt“ durch die Auszeichnung. „Eines der größten Rätsel in meinem Familienleben hat mit der Mutter meines Vaters zu tun, die jüdisch war – wie wir nach ihrem Tod herausgefunden haben“, sagte Oates laut der Mitteilung.

„Das ist eine ganze Dimension in meinem Leben, die für mich nicht zugänglich war und die ich als verloren angesehen haben könnte“, sagte sie. „Deshalb wird ein Besuch in Israel für mich wahrscheinlich ein sehr tiefgreifendes und lebensveränderndes Erlebnis sein.“

Der Preis wird alle zwei Jahre im Rahmen der Buchmesse in Jerusalem vergeben. Der deutsche Autor Stefan Heym bekam ihn 1993, der Schweizer Max Frisch 1965. Weitere Preisträger sind Ian McEwan, Mario Vargas Llosa, Milan Kundera, Simone de Beauvoir und Susan Sontag. Die Buchmesse dauert drei Tage, ein parallel stattfindendes internationales Autorenfestival noch einen Tag länger.

Leute

Ältester Mann der Welt gestorben

Der älteste Mann der Welt, der Japaner Masazo Nonaka, ist im Alter von 113 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie japanischen Medien heute mit. Das Guinness-„Buch der Rekorde“ hatte Nonaka im April 2018 als ältesten Mann der Welt anerkannt.

Masazo Nonaka
Reuters/Kyodo

Er kam am 25. Juli 1905 auf Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido zur Welt, das Jahr, in dem Albert Einstein seine Relativitätstheorie veröffentlichte. Nonaka, der mit seiner im Jahr 1992 verstorbenen Frau zwei Söhne und drei Töchter großgezogen hat, lebte in seiner Heimatstadt Ashoro bei seiner Familie.

Japan für hohe Lebenserwartung bekannt

Ihr Zuhause ist eine ebenfalls mehr als 100 Jahre alte Herberge mit heißer Naturquelle, die Nonaka leitete. In der Quelle badete er auch in seinen letzten Lebensjahren gerne einmal in der Woche, wie seine Familie schilderte.

Japan ist berühmt für die hohe Lebenserwartung seiner Bürgerinnen und Bürger. Ende vergangenen Jahres zählte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt fast 70.000 Menschen im Alter von 100 oder mehr Jahren. Die meisten sind Frauen. Zur Langlebigkeit der Japaner sollen die gesunde traditionelle Küche, Fortschritte in der Medizin und ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein beitragen. Dennoch geht die Bevölkerung Japans wegen der niedrigen Geburtenrate zurück.

Prinz Philip fuhr wieder Auto – ohne Gurt

Nur zwei Tage nach seinem Verkehrsunfall hat Prinz Philip sich eine polizeiliche Rüge wegen Fahrens ohne Gurt eingehandelt. Nachdem britische Zeitungen gestern Fotos veröffentlichten, die den 97-jährigen Ehemann von Königin Elizabeth II. unangeschnallt am Steuer seines Land Rover zeigten, erklärte eine Polizeisprecherin, die Fotos seien den Behörden bekannt.

„Dem Fahrer wurden angemessene Ratschläge gegeben“, erklärte sie. Das sei das übliche Verfahren, wenn die Polizei auf ein derartiges Vergehen aufmerksam werde.

Prinz Philip war am Donnerstag mit seinem Geländewagen in der Nähe von Schloss Sandringham in Ostengland mit einem Kia zusammengestoßen, als er von einer Seitenstraße auf eine Hauptstraße einbog.

Debatte über Fahrtauglichkeit älterer Menschen

Sein Land Rover stürzte auf die Fahrerseite, und die Windschutzscheibe ging zu Bruch, der Duke of Edinburgh konnte aber von herbeigeeilten Unfallzeugen unverletzt aus dem Wagen gezogen werden. Die 28-jährige Kia-Fahrerin wurde kurzzeitig im Krankenhaus behandelt. Ihr neun Monate altes Baby blieb unverletzt.

Der Unfall fachte in Großbritannien eine Debatte über die Fahrtauglichkeit älterer Menschen an. In Großbritannien läuft der Führerschein ab 70 Jahren aus, kann aber mit einem simplen Selbsteinschätzungstest erneuert werden. Amtlichen Angaben zufolge haben im Königreich mehr als 100.000 Senioren und Seniorinnen über 90 Jahren noch eine Fahrerlaubnis.

Der Ehemann der Queen ist ein leidenschaftlicher Autofahrer. 2016 ließ er es sich nicht nehmen, das damalige US-Präsidentenpaar Barack und Michelle Obama während ihres Großbritannien-Besuchs zusammen mit der Queen auf dem Anwesen von Schloss Windsor herumzufahren.

Til Schweiger zerschlug ersten Filmpreis

Schauspieler und Regisseur Til Schweiger („Keinohrhasen“) hat gestanden, seinen ersten Filmpreis vom Max-Ophüls-Festival im deutschen Saarbrücken 1993 zerstört zu haben. „Damals war er noch potthässlich und ich habe das Ding gleich am nächsten Morgen zerschlagen“, gab der 55-Jährige gestern Abend in Saarbrücken zu, wo er beim 40. Festival die Auszeichnungen an den besten Schauspielnachwuchs vergab.

Im Nachhinein habe ihm der Preis, den er als bester Newcomer für „Ebbies Bluff“ erhalten hatte, aber sehr viel bedeutet, zumal dieser das „Opening“ für seine Karriere gewesen sei. „Auf einmal haben alle angerufen, und dann ging es los.“

Bei der diesjährigen Festivalausgabe gingen die Preise für den besten Schauspielnachwuchs an österreichische Produktionen: Joy Alphonsus wurde für ihre Leistung in „Joy“ (Regie: Sudabeh Mortezai) prämiert, Simon Frühwirth reüssierte mit seinem Spiel in Gregor Schmidingers „Nevrland“. Der 17-Jährige stand ohne jede Schauspielerfahrung das erste Mal vor der Kamera. Schweiger überreichte ihm den Preis mit den Worten: „Jetzt kann nichts mehr schiefgehen – mach was draus!“