Bub mid Down Syndrom zeigt seine Zeichnung
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Einfache Sprache

Kinder mit Behinderungen nicht wegsperren

Alle Menschen sind von der Coronavirus-Krise betroffen, auch Kinder. Sie bekommen sehr wenig Aufmerksamkeit, vor allem Kinder mit Behinderungen. Sie sind besonders gefährdet und müssen geschützt werden. Daher leiden Kinder mit Behinderungen sehr unter der Coronavirus-Krise. Man darf sie aber nicht wegsperren, um sie zu schützen.

Für viele Eltern von Kindern mit Behinderungen ist die Coronavirus-Krise eine sehr schwierige Situation. Der Kindergarten und die Schule sind geschlossen. Die Kinder dürfen keine Freunde treffen. Die Kinder sind den ganzen Tag zu Hause. Die Eltern müssen zu Hause auch arbeiten. Für die Eltern ist es eine große Herausforderung, sich gleichzeitig um die Kinder zu kümmern und zu arbeiten. Für Kinder ohne Behinderungen ist das Coronavirus nicht gefährlich. Aber Kinder mit Behinderungen gehören zur Risikogruppe, weil viele davon auch andere Krankheiten haben. Für die Risikogruppe ist das Coronavirus sehr gefährlich.

Deswegen müssen viele Kinder mit Behinderungen zu Hause bleiben. Sie müssen von den Eltern zu Hause betreut werden. Das muss sein, damit sich nicht viele Menschen mit dem Coronavirus anstecken. Kinder mit Behinderungen sollen auch ihre Eltern sehen können. Wenn die Kinder in Wohneinrichtungen sind, dürfen sie ihre Eltern nicht sehen. Die Eltern dürfen ihre Kinder in den Einrichtungen nämlich nicht besuchen.

Kind malt mit Mutter
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Kinder mit und auch ohne Behinderung brauchen viel Aufmerksamkeit

Deshalb ist es für die Kinder in der Coronavirus-Zeit besser, zu Hause bei den Eltern zu wohnen. Eltern, die auf Kinder mit Behinderungen aufpassen, dürfen drei Wochen mehr Urlaub nehmen. Viele haben diese drei Wochen aber schon verbraucht oder dürfen nicht länger zu Hause bleiben. Für viele Eltern ist diese Situation sehr anstrengend. Sie müssen zu Hause arbeiten und ihre Kinder zu Hause unterrichten, weil die Schulen geschlossen sind. Das erzählt Herbert Pichler, der Präsident des Behindertenrats. Der Behindertenrat setzt sich für Menschen mit Behinderungen ein.

Wenig Möglichkeiten für Eltern

Friederike Pospischil ist die Mutter eines Kindes mit Behinderung. Sie erzählt, dass ihr Sohn seinen gewohnten Tagesablauf verloren hat. Er darf nicht mehr jeden Tag in eine Werkstätte gehen. Der Sohn ist schon 40, und er hat eine Lernbehinderung. Deshalb verhält er sich auch mit 40 noch wie ein Kind. Das Alter ist bei vielen Menschen mit Lernbehinderungen nicht wichtig.

Pospischil erzählt, dass es in der Coronavirus-Zeit schwierig ist, einen Ausflug mit ihrem Sohn zu machen. Er greift gerne alles an und möchte keine Maske tragen. Diese Probleme berichten mehrere Eltern, die Kinder mit Behinderungen haben. Viele Erwachsene haben keinen Partner. Sie erziehen ihre Kinder allein. Sie heißen alleinerziehende Eltern. Für diese Menschen ist die Situation besonders schwierig. Sie können zum Beispiel nicht einfach einkaufen gehen, weil die Kinder mit Behinderungen zu Hause bleiben sollen. Sie brauchen Hilfe von einer anderen Person. Die Eltern dürfen mit den Kindern aber Spazierengehen oder Radfahren im Freien.

Pospischil erzählt auch, dass es zu wenig Platz in Kurzzeitbetreuungen gibt. Eine Kurzzeitbetreuung ist ein Ort, an dem Menschen mit Behinderungen für kurze Zeit wohnen können. In den letzten Jahren wurden zu wenige Plätze in Kurzzeitbetreuungen eingerichtet. Gerade in der Coronavirus-Zeit merkt man, dass es zu wenige Plätze gibt.

Eigene Betreuung für jedes Kind

Viele Kinder mit Behinderungen brauchen in der Schule besondere Hilfe. In der Coronavirus-Zeit müssen Kinder mit und ohne Behinderungen zu Hause lernen. Für Kinder mit Behinderungen ist das sehr schwierig. Sie bekommen nicht die nötige Unterstützung. Das erzählt Petra Bauer. Sie ist die Direktorin einer inklusiven Schule in Wien. Eine Direktorin ist die Chefin einer Schule. Eine inklusive Schule ist eine Schule für Kinder mit Behinderungen und Kinder ohne Behinderungen.

Mutter mit Kind auf dem Weg zu ihrem Einkauf
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Kinder mit Behinderung können in der Coronavirus-Krise nicht immer mitkommen

Für jedes Kind braucht es eine eigene Idee. Die Idee muss an das Kind angepasst sein. Diese Idee muss mit Onlineformaten umgesetzt werden. Onlineformate sind zum Beispiel Zoom, WhatsApp oder YouTube. Damit das Kind die Aufgabe zu Hause machen kann, braucht es dazu einen Computer.

Viele Kinder haben nicht die passenden Geräte zu Hause. Diese Kinder bekommen Briefe nach Hause geschickt. Mit diesen Briefen können auch Stifte mitgeschickt werden, weil viele Kinder keine Stifte zu Hause haben. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen dann überprüfen, ob die Kinder zu Hause die Aufgaben machen. Das machen sie mit dem Handy. Wenn die Kinder Fragen haben, können sie die Lehrerinnen und Lehrer auch anrufen. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen immer erreichbar sein, auch am Wochenende. Das ist für viele Lehrerinnen und Lehrer sehr schwierig. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind deshalb schon sehr müde.

Das echte Leben sieht anders aus

Petra Bauer erzählt, dass sie von mehreren Kindern keine Informationen hat. Sie weiß nicht, ob diese Kinder zu Hause lernen. Das Wichtigste ist aber, dass man mit den Kindern in Beziehung bleibt. Denn es ist wichtig, dass die Kinder wieder gerne in die Schule gehen.

Viele Kinder haben in der Coronavirus-Zeit viel dazu gelernt. Viele Kinder können jetzt zum Beispiel besser mit dem Computer umgehen und kennen sich mit Programmen am Computer aus. Viele Kinder müssen aber auch ihren Geschwistern helfen oder beim Kochen und Aufräumen helfen. In vielen Familien gibt es auch Gewalt. Viele Kinder müssen daher aufpassen, dass ihnen Zuhause nichts passiert. Das echte Leben sieht für viele Kinder leider anders aus.

Die Direktorin Petra Bauer sagt, dass die Situation in Schulen nach der Öffnung schwierig ist. Es gibt viele Regeln, die den Unterricht für Kinder mit Behinderungen schwierig machen. Die Kinder müssen zwar keine Masken tragen, die Masken sind aber ein Schutz, dass sich Lehrerinnen und Lehrer nicht mit dem Coronavirus anstecken. Ohne Masken ist die Gefahr höher, dass man sich ansteckt. Kinder mit Behinderungen haben aber oft Angst vor den Masken. Sehr wichtig ist es, mindestens einen Meter Abstand zu den Menschen zu halten. Viele Kinder verstehen das nicht.

Petra Bauer sagt, dass Kinder mit Behinderungen viel Nähe und viele Gespräche brauchen. Das ist in der Coronavirus-Zeit sehr schwierig. Man darf nicht singen. Man darf nicht gemeinsam an einem Tisch essen. Man darf nicht gemeinsam kochen. Es gibt keinen gemeinsamen Bewegungsunterricht und wenig Kontakt zwischen den Menschen und zwischen den Kindern. Für Kinder mit Behinderungen wird es schwierig sein, sich wohlzufühlen. Petra Bauer sagt, dass das kein richtiger Unterricht ist. Es ist Notbetreuung. Ein normaler Unterricht für Kinder mit Behinderungen ist noch nicht möglich. Das sollen die Eltern wissen.

Wie kann es im Herbst weitergehen?

Man weiß noch nicht, wie die Situation in der Schule im Herbst aussehen wird. Die Angst vor einer zweiten Welle des Coronavirus ist sehr groß. Eine zweite Welle bedeutet, dass sich wieder sehr viele Menschen mit dem Coronavirus anstecken. Herbert Pichler sagt, dass man Menschen mit Behinderungen nicht wegsperren darf. Man kann Menschen mit Behinderungen auch anders schützen.

In einigen Bundesländern in Österreich überlegt man, Kinder mit Behinderungen in eigene Klassen zu geben. Das sagt Albert Brandstätter. Er arbeitet für die Lebenshilfe Österreich, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt.

Viele Kinder arbeiten in Tagesstätten oder wohnen in Wohneinrichtungen. Die Eltern dieser Kinder sollen sicher sein können, dass die Tagesstätten und Wohneinrichtungen im Herbst wieder öffnen. Jedes Kind, das möchte, soll einen Platz bekommen. Österreich soll das nötige Geld dafür sicherstellen. Auch die Organisationen wollen sichergehen, dass sie im Herbst wieder öffnen können.

Viele weitere Fragen müssen noch geklärt werden. Zum Beispiel, ob eine Person jemanden, der sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, begleiten darf. Man weiß aber schon, dass es zu wenige Schutzmaßnahmen gibt. Solche Schutzmaßnahmen sind Masken oder Desinfektionsmittel. Es gibt auch zu wenig Platz, um ausreichend Abstand zu anderen Menschen zu halten.

Vorplanung gewünscht

Man muss sich überlegen, wie die Schulen auch in Zeiten einer Pandemie funktionieren können. Eine Pandemie ist eine Krankheit, die sich schnell und in vielen Ländern der Welt ausbreitet. Für Petra Bauer ist es wichtig, dass die Schulen Klarheit bekommen und Unterstützung von der Regierung. Sie findet es schwierig, in der Coronavirus-Zeit einen richtigen Unterricht zu machen.

Es braucht eine gute Planung und ein regelmäßiges Gespräch zwischen den Direktoren. Die Direktoren können über Probleme und Herausforderungen sprechen und gemeinsam Lösungen finden. Diese Gespräche gibt es aber nicht. Petra Bauer wünscht sich auch Unterstützung bei der Umsetzung der Regeln. Sie erarbeitet zurzeit ein Papier für die Hygienemaßnahmen. Hygienemaßnahmen sind zum Beispiel regelmäßig Hände waschen oder Gegenstände mit Desinfektionsmittel säubern.