Coronavirus

Was Kontaktpersonen wissen müssen

Ab wann gilt man als Kontaktperson? Wer ist K1, wer K2? Welche Quarantäneregeln treten damit in Kraft? Und was ist zu tun, wenn man eine Benachrichtigung durch die „Stopp Corona“-App bekommt?

Prinzipiell gilt man als Kontaktperson, wenn man Kontakt zu einer Person hatte, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Ausschlaggebend dafür, ob man zu den Kontaktpersonen zählt, ist vor allem der Zeitraum. Denn eine Kontagiosität, also die Möglichkeit, sich angesteckt zu haben, besteht im Regelfall bis zu 48 Stunden vor und bis zehn Tage nach Erkrankungsbeginn. Dieser wird mit dem ersten Auftreten von Symptomen definiert.

An einem Beispiel veranschaulicht heißt das: Wenn Person A am Montag Person B trifft, Person B am Mittwoch Symptome bekommt und dann tatsächlich positiv getestet wird, ist Person A eine Kontaktperson. Und: Person B ist von Mittwoch gerechnet noch weitere zehn Tage ansteckend. Wenn eine infizierte Person sehr schwere oder langwierige Symptome zeigt, kann der Zeitraum, in dem sie andere anstecken kann, auch länger sein.

Bei asymptomatisch Infizierten wird es ein bisschen komplizierter, da es sich dabei um Personen handelt, die das Virus zwar in sich tragen, aber keine Symptome aufweisen. Hier gilt der Grundsatz, dass die Kontagiosität 48 Stunden vor bis zehn Tage nach Probenentnahme besteht.

Illustration zeigt Paar auf einer Parkbank
QuickHoney/ORF.at

K1 oder K2?

Unterschieden werden zwei Arten von Kontaktpersonen: jene mit einem hohen Infektionsrisiko (Kategorie 1, K1) und jene mit einem niedrigen Infektionsrisiko (Kategorie 2, K2). Eine Zuordnung zu der jeweiligen Kategorie hängt davon ab, wie lange und wie intensiv der Kontakt zu der positiv getesteten Person war.

Laut Gesundheitsministerium sind K1-Kontaktpersonen jene, die

  • länger als 15 Minuten (das heißt auch mehrmals hintereinander für mehrere Minuten) direkten Kontakt in einer Entfernung von unter zwei Metern mit einer infizierten Person hatten
  • sich im selben Raum wie eine infizierte Person aufhielten (wieder länger als 15 Minuten und näher als zwei Meter)
  • ungeschützten direkten Kontakt mit einer infizierten Person hatten (Hände schütteln, Umarmungen etc.)
  • ungeschützten, direkten Kontakt mit infektiösen Sekreten eines bestätigten Falls hatten (Anhusten, Anspucken)
  • mit hoher Wahrscheinlichkeit einer relevanten Konzentration von Aerosolen ausgesetzt waren – unabhängig von der Entfernung (Feiern, Sport in Innenräumen, gemeinsames Singen)
  • im Flugzeug, Zug oder Reisebus direkt neben einer infizierten Person gesessen sind
  • im gleichen Haushalt mit einer infizierten Person leben
  • Gesundheitspersonal, das ohne Schutzausrüstung positiv Getestete betreut

Ausnahme: Wurden während des Kontakts geeignete Sicherheitsmaßnahmen ergriffen (Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, Trennwände etc.) kann die Kontaktperson zwar der Kategorie 2 zugeordnet werden, dennoch gelten die gleichen Testregelungen wie für K1-Kontaktpersonen. Ob der Kontakt im geschlossenen Raum oder im Freien stattgefunden hat, ist für die Einstufung nicht relevant.

Laut Gesundheitsministerium sind K2-Kontaktpersonen jene, die

  • kürzer als 15 Minuten direkten Kontakt in einer Entfernung von unter zwei Metern mit einer infizierten Person hatten
  • länger als 15 Minuten direkten Kontakt in einer Entfernung von über zwei Metern mit einer infizierten Person hatten
  • im gleichen Flugzeug, Zug oder Bus wie eine infizierte Person gesessen sind.

Genesene, die in den vergangenen sechs Monaten positiv auf das Coronavirus getestet wurden, können auch bei längerem Kontakt mit einer infizierten Person als K2 eingestuft werden. Das gilt auch für Geimpfte, wenn die Erstimpfung zumindest 22 Tage zurückliegt.

Auch Kinder unter zehn Jahren können trotz längeren Kontakts mit einer Infizierten Person als Kontaktperson der Kategorie II eingestuft werden. Das gilt jedoch nur für Infektionen im Klassenverband – also innerhalb einer Klasse oder Gruppe: Ist nur ein Kind positiv getestet, sind alle in der Klasse K2. Sind zumindest zwei Kinder oder eine Lehrperson positiv getestet, entscheidet die Gesundheitsbehörde, ob nun alle oder nur Teile der Gruppe K1 sind.

Je nach aktueller Coronavirus-Lage kann es bei der Einstufung jedoch zu regionalen Verschärfungen und Unterschieden zwischen den Bundesländern kommen.

Illustration zum Thema Abstand
QuickHoney/ORF.at

Was passiert, wenn ich Kontaktperson bin?

Nachdem eine Person positiv auf das Coronavirus getestet worden ist, muss sie den Gesundheitsbehörden des Magistrats gegenüber ihre Kontaktpersonen angeben. Im Normalfall wird man als Kontaktperson also von den Gesundheitsbehörden kontaktiert und muss sich bei diesen registrieren lassen. Dabei müssen der Name, die Telefonnummer, die E-Mail-Adresse sowie der Berufsort, die Berufstätigkeit und Informationen über Wohnverhältnisse angegeben werden.

Im Gegenzug erhält man ein Informationsschreiben über das Krankheitsbild, den Krankheitsverlauf und mögliche Übertragungsrisiken sowie darüber, wie man seinen Gesundheitszustand selbst überwachen kann. Ist man eine K1-Kontaktperson, erhält man zudem einen Absonderungsbescheid. Doch egal, ob man direkt von den Behörden kontaktiert wird oder auf anderem Weg, etwa direkt von der positiv gestesten Person, davon erfährt, dass man K1-Kontaktperson ist, die Folge ist immer die gleiche:

K1-Kontaktpersonen müssen bis zum 14. Tag nach dem letzten kontagiösen Kontakt in Quarantäne, dürfen also ihre Wohnung nicht verlassen. Wieder an einem Beispiel veranschaulicht bedeutet das: Wenn Person A am Montag die, wie sich später herausstellen wird, infizierte Person B trifft, muss Person A bis zum Mittwoch der darauffolgenden Woche in Quarantäne bleiben. Bei verlängerter Quarantäne (14 Tage – siehe Factbox), bedeutet das: Wenn Person A am Montag die, wie sich später herausstellen wird, infizierte Person B trifft, muss Person A bis zum Montag der zweiten darauffolgenden Woche in Quarantäne bleiben. Nach 14 Tagen kommt es im Normalfall zu einer Kontaktaufnahme durch die Behörden, um den Fall abzuschließen.

In diesen Tagen muss man als K1-Kontaktperson seinen Gesundheitszustand streng überwachen und etwa zweimal täglich Fiebermessen. Laut Gesundheitsministerium sollten „bei ausreichenden Testkapazitäten“ K1-Kontaktpersonen einer Testung unterzogen werden. Mit einem negativen Testergebnis ist nach zehn Tagen auch die vorzeitige Beendigung der Absonderung möglich.

Wird nicht getestet und es treten Symptome auf (Fieber, Husten, Atembeschwerden, Müdigkeit, Durchfall Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns etc.) muss man als Kontaktperson sofort die zuständige Gesundheitsbehörde informieren, gilt man dann doch als Verdachtsfall. Zudem sollte man die Gesundheitshotline 1450 verständigen, um die weitere Vorgehensweise abzuklären.

Der Fall, dass man sich als K1 wiederfindet, ohne von den Behörden verständigt zu werden, ist auch rechtlich heikel. Denn wer sich ohne behördlichen Bescheid korrekterweise in Quarantäne begibt, muss das auch seinem Arbeitgeber mitteilen. Um hier einen Nachweis erbringen zu können, um den Anspruch auf Entgeltfortzahlung zu gewährleisten, sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Behörde einen Absonderungsbescheid anfordern.

Keine Quarantäne für K2-Kontaktpersonen

Im Gegensatz zu K1-Kontaktpersonen, müssen K2-Kontaktpersonen nicht in Quarantäne, allerdings gibt es hier seitens des Gesundheitsministeriums die Aufforderung, soziale Kontakte sowie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Reisetätigkeiten freiwillig stark zu reduzieren. Auch sollte man Aufzeichnungen über seine Kontakte führen und noch bewusster auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen achten (Hust- und Niesetikette sowie Händewaschen).

Regeln für alle

Egal ob Kontaktperson oder nicht – Abstandregeln und die richtige Hust- und Niesetikette (in den Ellbogen!) gelten für alle. Und: Händewaschen nicht vergessen.

In manchen Fällen können seitens der Behörden auch der Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen und Versammlungsorten sowie Tätigkeiten, bei denen es zu häufigen Kontakten mit anderen Personen kommt, untersagt werden. Einschränkungen betreffen allerdings nur den Freizeitbereich, der Besuch einer Bildungseinrichtung ist davon ausgenommen.

Abgesehen von den Quarantänevorschriften gelten für K2-Kontaktpersonen die gleichen Regeln wie für K1-Kontaktpersonen – wird man von den Behörden kontaktiert, muss man sich registrieren lassen, erhält ein Informationsschreiben, sollte seinen Gesundheitszustand beobachten und bei Symptomen die Behörden sowie 1450 verständigen.

Seitens des Gesundheitsministeriums heißt es gegenüber ORF.at jedoch: „In infektionsepidemiologischen Hoch-Zeiten werden bei der Kontaktpersonen-Nachverfolgung bei Kapazitätsengpässen natürlich enge K1-Kontaktpersonen, die ein großes Risiko haben, die Infektion an viele weitere Personen oder an Personen, die ein großes Risiko für einen schweren Verlauf haben, weiterzugeben, priorisiert.“ Daher kann es sein, dass man als K2-Kontaktperson nicht von den Behörden kontaktiert wird.

Erfährt man also auf anderem Wege, dass man K2-Kontaktperson ist, entfallen die Registrierung sowie das Informationsschreiben. Dennoch sollte man seinen Gesundheitszustand beobachten und bei Symptomen die Behörden sowie 1450 verständigen. Als K2-Kontaktperson gilt man ebenso bis zum Ablauf des 14. Tages nach dem letzten kontagiösen Kontakt. Wenn die Gesundheitsbehörde für eine K2-Person Beschränkungen erlassen hat, können diese durch einen negativen PCR-Test aber nach zehn Tagen aufgehoben werden.

Zu abweichenden Vorgaben beim Kontaktpersonenmanagement kommt es bei Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern, Mitwirkenden an künstlerischen Darbietungen sowie beim Gesundheits, Pflege- und Schlüsselpersonal.

„Stopp Corona“-App: Was tun bei Benachrichtigung?

Schon oft wurde an die Bevölkerung appelliert, die „Stopp-Corona“-App zu installieren, die als digitales Kontakttagebuch dient. Wenn man sich selbst mit dem Coronavirus infiziert hat, kann man über die App eine entsprechende Meldung abgeben, woraufhin alle Kontakte aus den vergangenen zwei Tagen anonym darüber benachrichtigt werden. Hierfür klickt man auf den Button „Ärztliche Bestätigung melden“ (letzter Punkt in der App).

Als Empfänger einer Benachrichtigung gibt es zwei Optionen: Bekommt man eine gelbe Meldung, heißt das, man hatte Kontakt mit einem Verdachtsfall innerhalb der vergangenen zwei Tage. Danach sollte man seinen Gesundheitszustand überwachen, Sozialkontakte vermeiden und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Warnung gilt allerdings nur als Information.

Erhält man eine rote Benachrichtigung, heißt das, man hatte Kontakt mit einem bestätigten Fall innerhalb der vergangenen zwei Tage. Nun gilt man als Kategorie-4-Kontaktperson – eine Kategorie, die extra für die App-Nutzer und -Nutzerinnen eingeführt wurde. Nun gilt man als Kategorie-4-Kontaktperson – eine Kategorie, die extra für die App-Nutzer und -Nutzerinnen eingeführt wurde – und muss bei 1450 eine Testung veranlassen und sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Wenn eine Testung nach fünf Tagen ein negatives Ergebnis ergibt, kann die Quarantäne vorzeitig beendet werden.

Größte Wahrscheinlichkeit für positives Ergebnis am fünften Tag

Warum erst ab dem fünften Tag nach Kontakt? Weil dann die größte Wahrscheinlichkeit für ein positives Testergebnis besteht, beträgt die Inkubationszeit von Covid-19 (Zeitraum zwischen dem Kontakt mit dem Krankheitserreger bis zum Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen) doch durchschnittlich fünf bis sechs – manchmal auch bis zu zehn Tage. Zur Erinnerung: Bis zu zwei Tage davor und zehn Tage nach Symptombeginn gilt man als ansteckend.

Weitere Details, etwa was es bei einem positiven CoV-Fall im Haushalt zu beachten gilt, finden sich im Dokument „Informationen für Kontaktpersonen“ des Gesundheitsministeriums. Aktuelle Informationen, auch für Kontaktpersonen, in Fremsprachen gibt es hier.