Impfung

Fragen und Antworten zur Impfung

Mittlerweile können sich alle in Österreich lebenden Menschen ab fünf Jahren gratis gegen das Coronavirus impfen lassen. Im Folgenden wichtige Antworten des Gesundheitsministeriums zu Organisation, Wirkung und rechtlichem Rahmen der Impfung.

Wie kommt man zu einer Impfung?

Für die Organisation der Impfung sind die Bundesländer zuständig. Man kann entweder direkt einen Termin buchen oder Impfaktionen, für die keine Anmeldung erforderlich sind, nützen.

Wer soll sich wann impfen lassen?

Eine Dreifachimpfung wird ab dem Alter von fünf Jahren empfohlen. Bei den Fünf- bis Elfjährigen soll die dritte Impfung laut Nationalem Impfgremium (NIG) ab sechs Monate nach der zweiten Impfung erfolgen, bei ab 18-Jährigen ab dem vierten Monat nach der zweiten Dosis.

Derzeit wird eine vierte Impfung vom Impfgremium für über 80-Jährige allgemein sowie für über 65-Jährige mit Vorerkrankungen empfohlen. Sie sollen frühestens vier Monate, idealerweise ein halbes Jahr nach dem dritten Stich noch einmal immunisiert werden. Allen anderen sollte eine Impfung jedoch auch nicht verwehrt werden.

Dritte Impfung mit Biontech oder Moderna

Zugelassen für eine dritte Impfung und empfohlen sind derzeit mRNA-Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna, wobei eine Impfung trotz grundsätzlicher Empfehlung vor Ablauf der Sechsmonatsfrist als „Off-Label“ gilt. Auch alle mit einem anderen Vakzin geimpften Personen sollen eines dieser beiden Mittel erhalten. Grundsätzlich soll derselbe Impfstoff wie bei den vorhergehenden Impfungen eingesetzt werden, ein Umstieg ist aber möglich.

Nach Impfungen mit Vektorimpfstoffen (AstraZeneca) ist die Impfung nach vier Monaten „empfohlen“. Eine Empfehlung für eine frühere Nachimpfung bereits nach vier Monaten gilt auch für Ältere ab 65 Jahren, Alters- und Pflegeheimbewohner und Risikopatienten. Auch bestimmte Berufsgruppen mit hohem Ansteckungsrisiko sollen sich „dringend“ auffrischen lassen, für sie ist auch eine zweite Auffrischungsimpfung möglich („Off-Label“).

Moderna für Menschen über 30

Das Vakzin von Moderna soll generell nur noch für Personen ab 30 Jahren verwendet werden. Grund sind „internationale Sicherheitsberichte“ zu einem erhöhten Auftreten von Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzündung) vorwiegend bei jüngeren Personen, heißt es vom NIG. Auf ausdrücklichen Wunsch kann er aber eingesetzt werden. Sollte nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff eine Myokarditis aufgetreten sei, sollte der Impfstoff gewechselt werden. Eine Myokarditis anderen Ursprungs ist laut NIG bedeutungslos für die Impfung.

Beim ursprünglich als Einmalimpfstoff vorgesehenen Vakzin Janssen (Johnson & Johnson) gilt weiterhin die Empfehlung, sich nach vier Wochen eine Auffrischungsdosis mit einem mRNA-Impfstoff zu holen.

Impfen verpflichtend

Bis Februar war die Impfung freiwillig. Mittlerweile ist die Impfung für alle Personen mit Wohnsitz in Österreich ab 18 Jahren verpflichtend. Ausnahmen sind für Schwangere und jene vorgesehen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, sowie für Genesene (180 Tage lang). Anfang März verkündete die Regierung allerdings, dass die Impfpflicht vorerst ausgesetzt ist. Das Gesetz zur Impfpflicht bleibt allerdings quasi im Hintergrund bestehen.

Wie weist man eine Impfung nach?

Als Nachweis, dass man geimpft ist, gelten ein Eintrag im gelben Impfpass, ein in manchen Bundesländern verwendetes Impfkärtchen und ein Ausdruck der Daten aus dem E-Impfpass sowie elektronisch via Grünem Pass. Es kann zudem ein Ausdruck über die ELGA-Ombudsstelle beantragt werden.

Diesen ELGA-Ausdruck kann man auch in den Apotheken ausdrucken lassen. Dieses Service steht jenen Versicherten zu, die auch zur Inanspruchnahme von Gratistests in Apotheken berechtigt sind, hieß es vonseiten der Apothekerkammer.

Wie lange ist der Nachweis gültig?

Die erste Impfserie (zwei Impfungen oder Genesung plus eine Impfung) ist sechs Monate (180 Tage) gültig. Das Impfzertifikat der Boosterimpfung (drei Impfungen oder Genesung mit zwei Impfungen) ist seit Mitte April zwölf Monate (365 Tage) gültig.

Sollen sich Allergiker impfen lassen?

Personen mit bekannten und häufigen Allergien, etwa Allergien gegen Pollen oder Hausstaub, können und sollen geimpft werden. Bei anderen Allergien sollte man das mit der behandelten Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt vorbesprechen. Zu einer Impfung sollte jedenfalls der Allergieausweis mitgebracht werden. Nicht jede Allergie stellt hierbei ein Problem für eine Schutzimpfung dar. Bei der Impfung von Allergikern soll die Nachbeobachtungszeit jedenfalls bis zu 30 Minuten verlängert werden.

Illustration zeigt Situation nach einer Impfung
QuickHoney/ORF.at

Sollen sich Schwangere impfen lassen?

Bisher konnten in den Erfahrungen mit der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen bei Schwangeren ausnahmslos keine Auffälligkeiten erkannt werden, so das Gesundheitsministerium. Das Nationale Impfgremium empfiehlt bei Kinderwunsch „sowohl für Männer als auch Frauen“ eine Impfung „ausdrücklich“. Auch ist kein Intervall vor der Empfängnis einzuhalten, heißt es.

Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wurden mittlerweile Daten publiziert, weshalb bei der Impfung von Schwangeren mRNA-Impfstoffe zu bevorzugen sind. Schwangere haben ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Nach einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Evaluierung kann die Impfung gegen Covid-19 mit einem mRNA-Impfstoff bei Schwangeren vorgenommen werden, laut Impfgremium bevorzugt mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer. Bei der Impfung in der Schwangerschaft handelt es sich noch um eine Off-Label-Anwendung.

Überdies sollen erste und zweite Impfung laut Impfgremium „im 2. oder 3. Trimenon“ vorgenommen werden. Sollte eine Drittimpfung gemäß den Empfehlungen in die Zeit einer Schwangerschaft fallen, wird nun die Durchführung ab dem zweiten Trimenon empfohlen, dabei soll wie für alle Covid-19-Impfungen in der Schwangerschaft Comirnaty (Biontech/Pfizer) eingesetzt werden.

Sollen sich Personen impfen lassen, die bereits eine CoV-Infektion hinter sich haben?

Für all jene, die sich mit dem Coronavirus vor einer Impfung infiziert haben, ist eine Erstimpfung etwa vier Wochen nach der Genesung empfohlen. Genesene mit einer Impfung sollen laut NIG wie Personen mit zwei Impfungen angesehen werden, das gilt auch für Impfungen mit dem Janssen-Impfstoff. Seitens des NIG wird eine zweite Impfung ab vier Monate nach der ersten Impfung empfohlen. Eine weitere – dritte – Impfung kann nach weiteren sechs Monate erfolgen.

Wer sich zwischen der ersten und zweiten Impfung ansteckt, dem empfiehlt das NIG, die zweite Impfung ebenfalls vier Wochen nach der Genesung vorzunehmen. Doppelt Geimpfte, die nach der zweiten Impfung einen Impfdurchbruch (PCR-bestätigt) durchmachen, sollen sich nach der Genesung kurz vor Ablauf von 180 Tagen bzw. ab sechs Monaten nach der zweiten Impfung die dritte Dosis holen.

Sollen sich Kinder impfen lassen?

Für Kinder ab fünf Jahren ist das Vakzin von Biontech und Pfizer zugelassen. Das Impfgremium empfiehlt eine Impfung. Für einen ersten Impfschutz sind zwei Impfungen im Abstand von 21 Tagen notwendig (frühstens nach 19 Tagen und spätestens nach 42 Tage). Es gibt eine eigene Abfüllung für fünf- bis elfjährige Kinder. Auch ein Drittel der Erwachsenendosis ist zulässig, wenn kein Kinderimpfstoff verfügbar ist. Die dritte Impfung wird für Kinder ab fünf Jahren nach sechs Monaten empfohlen.

Soll man nach der Impfung weiter Maske tragen?

Die Maske dient dem Selbst- und Fremdschutz und wird empfohlen. Wo die Maske getragen werden muss, regelt stets die aktuelle Fassung der CoV-Maßnahmenverordnung.

Welche Impfstoffe werden verwendet?

In Österreich sind derzeit Impfstoffe von Biontech und Pfizer (Corminaty), Moderna (Spikevax), Johnson & Johnson (Janssen), AstraZeneca (Vaxzevria) und Novavax (Nuvaxovid) im Einsatz.

Für die dritte Impfung werden die Vakzine von Biontech und Pfizer sowie von Moderna verwendet. Alle in Österreich verwendeten Impfstoffe sind von der EMA zugelassen. Insgesamt gibt es Dutzende Impfstoffkandidaten weltweit.

Welche Technologien werden verwendet?

Alle Impfstoffe basieren auf dem Prinzip, dass der Körper auf den Wirkstoff in der Impfung, das Antigen, reagiert und aktiv Antikörper produziert. Auch spezifische T-Zellen werden generiert, das sind weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Es werden dem Immunsystem Antigene oder ein Bauplan für Antigene des Erregers präsentiert, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut wird. Die unterschiedlichen Impfstoffkandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze.

Das Vakzin von Biontech und Pfizer sowie jenes von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff. Hier wird den menschlichen Körperzellen der Bauplan (in Form der „messenger RNA“) für Virusproteine zur Verfügung gestellt. Der Körper wird so wie bei anderen Impfungen auch zur Bildung von Antikörpern angeregt. Während aber bei anderen Impfungen Bestandteile des Erregers direkt verabreicht werden, wird mit mRNA-Impfungen nur der Bauplan verabreicht, sodass die menschlichen Zellen die Erreger(-bestandteile) selbst produzieren. Die mRNA, die über den Impfstoff verabreicht wurde, wird nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut. Sie wird nicht in DNS eingebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche Erbinformation.

AstraZenecas und Johnson & Jonhons Vakzine sind Vektorviren-Impfstoffe. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des Spike-Proteins des Coronavirus genetisch verändert wird. Mit dem Spike-Protein, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das Spike-Protein und damit gegen SARS-CoV-2 bilden. Das Vektorvirus ist nicht vermehrungsfähig und kann auch die Virus-DNS nicht in die menschliche Erbinformation einbauen.

Der Novavax-Impfstoff ist weder ein mRNA-Impfstoff wie von Biontech und Pfizer sowie Moderna noch ein Vektorimpfstoff wie von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor gentechnisch hergestellten Version des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 bestehen. Dadurch soll wie auch bei den bisherigen Impfstoffen das Immunsystem auf eine mögliche Infektion vorbereitet werden. Der Körper soll die Proteine als fremd erkennen und damit das Immunsystem hochfahren. Es werden spezifische Antikörper und T-Zellen gebildet.

Hilft die Impfung auch gegen Virusmutationen?

Virusvarianten, die sich durch spontane Mutationen bilden, sind nichts Außergewöhnliches, sondern ein natürlicher Prozess, der in einem gewissen Ausmaß in nahezu allen Viren abläuft. Wie gut die Vakzine bei der jeweils vorherrschenden Variante wirken – sowohl was den Schutz vor Infektionen als auch vor schweren Verläufen im Fall eines Impfdurchbruchs angeht –, lässt sich immer erst mit einiger Zeitverzögerung und nach Vorliegen entsprechender Daten genau sagen. Alle Fachleute empfehlen aber weiter einen möglichst umfassenden Impfschutz.

Ist die schnelle Zulassung des Impfstoffs ein Risiko?

Jeder Impfstoff wird erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht, die verschiedenen Kandidaten durchlaufen streng kontrollierte Prozesse. Es gibt dafür klare gesetzliche und wissenschaftliche Vorgaben. Nur wenn sich dabei eine positive Nutzen-Risiko-Relation zeigt, erhält der Impfstoff eine Marktzulassung. Auch nach der Marktzulassung erfolgt eine ständige Kontrolle zum Erfassen von möglichen Nebenwirkungen und zur Überprüfung der Wirkung eine laufende weitere Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses. Im Fall des CoV-Impfstoffs gab es in Qualität, Art und Umfang der behördlichen Begutachtung keine Abstriche und Unterschiede zum „herkömmlichen“ Zulassungsprozess. Er konnte aber auch deshalb beschleunigt werden, weil in diesem Bereich schon seit Jahrzehnten an Impfstoffen geforscht wurde.

Wie sieht es mit Langzeitnebenwirkungen aus?

Man kann sie nicht ausschließen, so wie bei anderen Impfstoffen und Medikamenten zum Zeitpunkt der Zulassung auch. Um möglichst alle eventuellen Langzeitnebenwirkungen erfassen zu können, müsste man sehr große Studien über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte durchführen. Man legt daher zur Erfassung möglicher Langzeitnebenwirkungen großes Augenmerk auf Informationen aus den vorgelegten Tierversuchen und prüft sämtliche Anhaltspunkte, die sich aus dem klinischen Entwicklungsprogramm ergeben.

Verdächtige Symptome werden identifiziert und engmaschig überwacht. Eine Nutzen-Risiko-Bewertung findet im Rahmen des Zulassungsverfahrens statt, wird aber regelmäßig – auch nach Zulassung – unter Berücksichtigung zusätzlicher neu eingegangener Daten und Informationen untersucht.

Können die Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen?

Ja. Zu unterscheiden sind Impfreaktionen und echte Nebenwirkungen. Reaktionen sind Erscheinungen, die die eigentliche Wirkung der Impfung begleiten können und Ausdruck der erwünschten immunologischen Abwehrreaktion sind. Sie sind nicht gefährlich, können aber unangenehm sein, etwa Rötungen, Schwellungen und auch Schmerzhaftigkeit unterschiedlicher Ausprägung.

Auch systemische Impfreaktionen sind möglich und umfassen eine breite Palette wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber und andere. Sie sind ein Zeichen der normalen Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff, die zu einer Schutzwirkung führt. Diese Impfreaktionen klingen üblicherweise in wenigen Tagen folgenlos ab. Sehr seltene Nebenwirkungen (seltener als ein Fall auf 10.000 Geimpfte) können mitunter erst nach der Zulassung erfasst werden.

Von einem Impfschaden spricht man, wenn nach einer sachgerechten Impfung in einem zeitlichen Zusammenhang eine bleibende Schädigung auftritt. Dann kann ein Antrag auf Zuerkennung eines Impfschadens gestellt werden. Über diesen Antrag erfolgt ein Verwaltungsverfahren samt Prüfungen beim Sozialministeriumsservice. Aus einer Anerkennung ergeben sich Sozialleistungen in Form von Einmalzahlungen oder Rentenzahlungen.