Impfung

Fragen und Antworten zur Impfung

Mittlerweile kann sich jeder einfach gegen das Coronavirus impfen lassen. Im Folgenden wichtige Antworten des Gesundheitsministeriums zu Organisation, Wirkung und rechtlichem Rahmen der Impfung.

Wie kommt man zu einer Impfung?

Mittlerweile können alle Personen ab zwölf einen Impftermin buchen. In vielen Bundesländern ist genügend Impfstoff vorhanden, um direkt einen Termin zu erhalten, auch veranstalten einige Länder spontane Impfaktionen, für die keine Anmeldung erforderlich ist. Alle Informationen zur Anmeldung und Termine für tagesaktuelle Impfaktionen finden sich auf der Plattform Österreich impft.

Ab wann ist man durch die Impfung geschützt?

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech soll laut Fachinformation mit zwei Dosen im Abstand von 19 bis 42 Tagen verabreicht werden. Der Impfstoff von Moderna wird laut Fachinformation in zwei Dosen in einem Intervall von 21 bis 42 Tagen verabreicht. Ab dem 22. Tag nach der ersten Dosis ist bei allen verfügbaren Impfstoffen mit einer gewissen Schutzwirkung zu rechnen.

Mit der Verbreitung der Delta-Variante wurden vom Nationalen Impfgremium die empfohlenen Intervalle reduziert: Um eine „ausreichende Schutzwirkung schnell und bestmöglich zu erreichen“, wird empfohlen, das Intervall zwischen den einzelnen Dosen auf 21 Tage (Comirnaty von Biontech und Pfizer) bzw. 28 Tage (Spikevax von Moderna) zu verkürzen.

Ursprünglich wurde der Impfstoff von Janssen (Johnson & Johnson) als Einzeldosis verabreicht. Das Nationale Impfgremium empfiehlt nun jedoch, mindestens 28 Tage nach der Impfung eine weitere Dosis zu verabreichen – dabei handelt es sich um eine Off-Label-Anwendung. Empfohlen wird ein mRNA-Impfstoff, doch auch ein weiterer Stich mit dem Janssen-Impfstoff ist möglich.

Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca wird ebenfalls mit zwei Dosen verabreicht. Das Impfintervall ist mit vier bis zwölf Wochen laut Zulassung definiert. Das Nationale Impfgremium in Österreich empfiehlt trotz der Verbreitung der Delta-Variante weiterhin ein Intervall von vier bis acht Wochen.

Wann braucht es eine Auffrischungsimpfung?

Österreich hat im August damit begonnen, früh erstgeimpften Personen eine Auffrischungsimpfung („dritter Stich“) anzubieten. Die Auffrischungsimpfung wird auf Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (NIG) mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Pfizer sowie Moderna durchgeführt. Auch alle mit einem anderen Vakzin erst- bzw. zweitgeimpften Personen sollen eines dieser beiden Mittel erhalten. Über den dritten Stich werden die Menschen in Österreich per Brief informiert und zur Auffrischung aufgefordert.

Ist die Impfung freiwillig?

Ja. Die Regierung setzt auf Freiwilligkeit und Aufklärung. Die Impfung ist freiwillig und kostenlos.

Wie weist man eine Impfung nach?

Als Nachweis, dass man geimpft ist, gelten ein Eintrag im gelben Impfpass, ein in manchen Bundesländern verwendetes Impfkärchten und ein Ausdruck der Daten aus dem E-Impfpass sowie elektronisch via Grünem Pass. Es kann zudem ein Ausdruck über die ELGA-Ombudsstelle beantragt werden.

Diesen ELGA-Ausdruck kann man auch in den Apotheken ausdrucken lassen. Dieses Service steht jenen Versicherten zu, die auch zur Inanspruchnahme von Gratistests in Apotheken berechtigt sind, hieß es vonseiten der Apothekerkammer.

Ab wann und wie lange ist der Nachweis gültig?

Seit 15. August gilt eine Impfung erst bei vollständiger Immunisierung als Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr. Der Nachweis wird ab dem Tag der zweiten Impfung ausgestellt. Die Regelungen für Personen, die mit Johnson & Johnson geimpft werden sowie für Genesene und Getestete bleiben unverändert.

Nach der Vollimmunisierung (also dem Erhalt aller notwendigen Dosen des jeweiligen Impfstoffs) behält der Impfnachweis seine Gültigkeit für insgesamt neun Monate. Ursprünglich wurden die neun Monate von der Erstimpfung an gezählt – inzwischen werden sie ab dem Zeitpunkt der Vollimunisierung gerechnet.

Sollen sich Allergiker impfen lassen?

Personen mit bekannten und häufigen Allergien, etwa Allergien gegen Pollen oder Hausstaub, können und sollen geimpft werden. Bei anderen Allergien sollte man das mit der behandelten Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt vorbesprechen. Zu einer Impfung sollte jedenfalls der Allergieausweis mitgebracht werden. Nicht jede Allergie stellt hierbei ein Problem für eine Schutzimpfung dar. Bei der Impfung von Allergikern soll die Nachbeobachtungszeit jedenfalls bis zu 30 Minuten verlängert werden.

Illustration zeigt Situation nach einer Impfung
QuickHoney/ORF.at

Sollen sich Schwangere impfen lassen?

Bisher konnten in den Erfahrungen mit der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen bei Schwangeren ausnahmslos keine Auffälligkeiten erkannt werden, so das Gesundheitsministerium. Das Nationale Impfgremium empfiehlt bei Kinderwunsch „sowohl für Männer als auch Frauen“ eine Impfung „ausdrücklich“. Auch ist kein Intervall vor der Empfängnis einzuhalten, heißt es.

Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wurden mittlerweile Daten publiziert, weshalb bei der Impfung von Schwangeren mRNA-Impfstoffe zu bevorzugen sind. Schwangere haben ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Nach einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Evaluierung kann die Impfung gegen Covid-19 mit einem mRNA-Impfstoff bei Schwangeren vorgenommen werden, laut Impfgremium bevorzugt mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer. Mehr Informationen dazu bietet die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Sollen sich Personen impfen lassen, die bereits eine CoV-Infektion hinter sich haben?

Bisher wurde nach einer überstanden Infektion von einem Eigenschutz von sechs bis acht Monaten ausgegangen. Aufgrund des zunehmenden Anteils der Delta-Variante wurde die Empfehlung aber angepasst. Derzeit wird bei genesenen Personen eine Impfung ab circa vier Wochen nach der Infektion oder Erkrankung empfohlen.

Bei Personen, bei denen eine Infektion durch PCR-Test oder neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 gesichert festgestellt wurde, ist eine einmalige Impfung ausreichend, auch wenn die Infektion länger als acht Monate zurückliegt. Studien zeigen, dass diese Personen nur eine Impfung benötigen, um vergleichbaren Schutz wie nicht infizierte, regulär geimpfte Personen nach regulärem Impfschema zu erlangen.

Sollen sich Kinder impfen lassen?

Zunächst wurde der Fokus darauf gelegt, Ältere durch das Vakzin zu schützen. Darum wurden zu Beginn auch ausschließlich Erwachsene und Personen höheren Alters in Impfstudien aufgenommen. Die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie von Moderna sind aber seit geraumer Zeit in Österreich für Minderjährige zugelassen, das Impfgremium empfiehlt eine Impfung von Zwölf- bis 15-Jährigen ausdrücklich. Die Impfung von jüngeren Kindern wird hingegen vorerst nicht empfohlen – einige Ärzte impfen Kinder dennoch, was als „Off-Label-Anwendung“ gilt.

Soll man nach der Impfung weiter Maske tragen?

Die Maske dient dem Selbst- und Fremdschutz und wird empfohlen. Wo die Maske getragen werden muss, regelt stets die aktuelle Fassung der CoV-Maßnahmenverordnung.

Welche Impfstoffe werden verwendet?

In Österreich sind derzeit Impfstoffe von Biontech und Pfizer („Corminaty“), Moderna („Spikevax“), Johnson & Johnson („Janssen“) und AstraZeneca („Vaxzevria“) im Einsatz. Alle in Österreich verwendeten Impfstoffe sind von der EMA zugelassen. Insgesamt gibt es Dutzende Impfstoffkandidaten weltweit.

Welche Technologien werden verwendet?

Alle Impfstoffe basieren auf dem Prinzip, dass der Körper auf den Wirkstoff in der Impfung, das Antigen, reagiert und aktiv Antikörper produziert. Auch spezifische T-Zellen werden generiert, das sind weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Es werden dem Immunsystem Antigene oder ein Bauplan für Antigene des Erregers präsentiert, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut wird. Die unterschiedlichen Impfstoffkandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze.

Das Vakzin von Biontech und Pfizer sowie jenes von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff. Hier wird den menschlichen Körperzellen der Bauplan (in Form der „messenger RNA“) für Virusproteine zur Verfügung gestellt. Der Körper wird so wie bei anderen Impfungen auch zur Bildung von Antikörpern angeregt. Während aber bei anderen Impfungen Bestandteile des Erregers direkt verabreicht werden, wird mit mRNA-Impfungen nur der Bauplan verabreicht, sodass die menschlichen Zellen die Erreger(-bestandteile) selbst produzieren. Die mRNA, die über den Impfstoff verabreicht wurde, wird nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut. Sie wird nicht in DNS eingebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche Erbinformation.

AstraZenecas und Johnson & Jonsons Vakzine sind Vektorviren-Impfstoffe. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des „Spike-Proteins“ des Coronavirus genetisch verändert wird. Mit dem „Spike-Protein“, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das „Spike-Protein“ und damit gegen SARS-CoV-2 bilden. Das Vektorvirus ist nicht vermehrungsfähig und kann auch die Virus-DNS nicht in die menschliche Erbinformation einbauen.

Hilft die Impfung auch gegen Virusmutationen?

Virusvarianten, die sich durch spontane Mutationen bilden, sind nichts Außergewöhnliches, sondern ein natürlicher Prozess, der in einem gewissen Ausmaß in nahezu allen Viren abläuft. Wie die EMA Anfang Juli bekanntgab, dürften alle in der EU zugelassenen Impfstoffe, also jene von Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson „gegen alle in Europa zirkulierenden Stämme schützen, auch gegen die Delta-Variante“. Studien, die die Wirksamkeit des Coronavirus-Impfstoffs gegen die Delta-Variante belegten, gibt es derzeit nur von Biontech und AstraZeneca. Das Impfgremium verweist auf Daten aus Großbritannien, wonach nur zwei Impfstoffdosen ausreichenden Schutz bieten.

Ist die schnelle Zulassung des Impfstoffs ein Risiko?

Jeder Impfstoff wird erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht, die verschiedenen Kandidaten durchlaufen streng kontrollierte Prozesse. Es gibt dafür klare gesetzliche und wissenschaftliche Vorgaben. Nur wenn sich dabei eine positive Nutzen-Risiko-Relation zeigt, erhält der Impfstoff eine Marktzulassung. Auch nach der Marktzulassung erfolgt eine ständige Kontrolle zum Erfassen von möglichen Nebenwirkungen und zur Überprüfung der Wirkung eine laufende weitere Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses. Im Fall des CoV-Impfstoffs gab es in Qualität, Art und Umfang der behördlichen Begutachtung keine Abstriche und Unterschiede zum „herkömmlichen“ Zulassungsprozess. Er konnte aber auch deshalb beschleunigt werden, weil in diesem Bereich schon seit Jahrzehnten an Impfstoffen geforscht wurde.

Wie sieht es mit Langzeitnebenwirkungen aus?

Man kann sie nicht ausschließen, so wie bei anderen Medikamenten zum Zeitpunkt der Zulassung auch. Um möglichst alle eventuellen Langzeitnebenwirkungen erfassen zu können, müsste man sehr große Studien über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte durchführen. Man legt daher zur Erfassung möglicher Langzeitnebenwirkungen großes Augenmerk auf Informationen aus den vorgelegten Tierversuchen und prüft sämtliche Anhaltspunkte, die sich aus dem klinischen Entwicklungsprogramm ergeben.

Verdächtige Symptome werden identifiziert und engmaschig überwacht. Eine Nutzen-Risiko-Bewertung findet im Rahmen des Zulassungsverfahrens statt, wird aber regelmäßig – auch nach Zulassung – unter Berücksichtigung zusätzlicher neu eingegangener Daten und Informationen untersucht.

Können die Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen?

Ja. Zu unterscheiden sind Impfreaktionen und echte Nebenwirkungen. Reaktionen sind Erscheinungen, die die eigentliche Wirkung der Impfung begleiten können und Ausdruck der erwünschten immunologischen Abwehrreaktion sind. Sie sind nicht gefährlich, können aber unangenehm sein, etwa Rötungen, Schwellungen und auch Schmerzhaftigkeit unterschiedlicher Ausprägung.

Auch systemische Impfreaktionen sind möglich und umfassen eine breite Palette wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber und andere. Sie sind ein Zeichen der normalen Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff, die zu einer Schutzwirkung führt. Diese Impfreaktionen klingen üblicherweise in wenigen Tagen folgenlos ab. Sehr seltene Nebenwirkungen (seltener als ein Fall auf 10.000 Geimpfte) können mitunter erst nach der Zulassung erfasst werden.

Von einem Impfschaden spricht man, wenn nach einer sachgerechten Impfung in einem zeitlichen Zusammenhang eine bleibende Schädigung auftritt. Dann kann ein Antrag auf Zuerkennung eines Impfschadens gestellt werden. Über diesen Antrag erfolgt ein Verwaltungsverfahren samt Prüfungen beim Sozialministeriumsservice. Aus einer Anerkennung ergeben sich Sozialleistungen in Form von Einmalzahlungen oder Rentenzahlungen.