Impfung

Fragen und Antworten rund um die Impfung

Die Impfung gegen das Coronavirus ist im Gange, doch viele Fragen geistern herum. Im Folgenden wichtige Antworten des Gesundheitsministeriums zu Organisation, Wirkung und rechtlichem Rahmen der Impfung.

Wie kommt man zu einer Impfung?

Wegen der Knappheit von verfügbarem Impfstoff vor allem in der Anfangsphase wurde eine Priorisierung vorgenommen. In der ersten Phase werden vor allem Bewohner und Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen im Gesundheitsbereich und erste Hochrisikogruppen geimpft. In Phase zwei sind ab ca. Mitte März auch Impfungen im niedergelassenen Bereich und bei lokalen Impfstellen vorgesehen. Die Priorisierung der Impfungen erfolgt laut Impfplan nach Alter und gesundheitlichen Risiken, beginnend mit der Gruppe der älteren Personen und Personen mit hohen gesundheitlichen Risiken sowie Ansteckungsrisiko. Die dritte Phase ab dem zweiten Quartal umfasst den Rest der Bevölkerung. Informationen zum Impfplan gibt es hier.

Ab wann ist man durch die Impfung geschützt?

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech, der zunächst verimpft wird, soll mit zwei Dosen im Abstand von 21 Tagen verabreicht werden. Nach der zweiten Teilimpfung dauert es ca. eine bis zwei Wochen, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat.

Der Impfstoff von AstraZeneca wird ebenfalls mit zwei Dosen verabreicht. Das Impfintervall ist mit vier bis zwölf Wochen laut Zulassung definiert. Das Nationale Impfgremium in Österreich empfiehlt elf bis zwölf Wochen. AstraZeneca bietet einen vollständigen Schutz vor schwerer Erkrankung bereits drei Wochen (22 Tage) nach der ersten Dosis.

Ist die Impfung freiwillig?

Ja. Die Regierung setzt auf Freiwilligkeit und Aufklärung. Die Impfung ist freiwillig und kostenlos.

Sollen sich Allergiker impfen lassen?

Personen mit bekannten und häufigen Allergien, etwa Allergien gegen Pollen oder Hausstaub, können und sollen geimpft werden. Bei anderen Allergien sollte man das mit der behandelten Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt vorbesprechen. Zu einer Impfung sollte jedenfalls der Allergieausweis mitgebracht werden. Nicht jede Allergie stellt hierbei ein Problem für eine Schutzimpfung dar. Bei der Impfung von Allergikern soll die Nachbeobachtungszeit jedenfalls bis zu 30 Minuten verlängert werden.

Illustration zeigt Situation nach einer Impfung
QuickHoney/ORF.at

Sollen sich Schwangere impfen lassen?

Es liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung des Biontech-Pfizer-Impfstoffs bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Wirkungen in Bezug auf Schwangerschaft, embryonale/fötale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung schließen. Die Verabreichung in der Schwangerschaft sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken für Mutter und Fötus überwiegt.

Sollen sich Personen impfen lassen, die bereits eine CoV-Infektion hinter sich haben?

Prinzipiell kann und soll auch nach Infektion geimpft werden. Aufgrund der derzeitigen Impfstoffknappheit soll jedoch nach laborgesicherter SARS-CoV-2-Infektion eine Impfung gegen Covid-19 bis auf Weiteres aufgeschoben werden, da nach vorliegenden Daten bei diesen Personen Antikörper mehrere Monate (mindestens sechs bis acht Monate) bestehen. Die Datenlage wird laufend verfolgt, und die Empfehlungen, ob und wann eine Impfung erfolgen sollte, werden entsprechend angepasst. Sollte zwischenzeitlich Impfstoff verfügbar sein, so kann geimpft werden.

Sollen sich Kinder impfen lassen?

Zunächst wurde der Fokus darauf gelegt, Ältere durch das Vakzin zu schützen. Darum wurden zu Beginn auch ausschließlich Erwachsene und Personen höheren Alters in Impfstudien aufgenommen. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt Impfstoffe für Kinder zugelassen werden, so wird es sich vermutlich um dieselben Impfstoffe handeln, welche auch bei Erwachsenen eingesetzt werden, möglicherweise in einer anderen Dosierung. Derzeit ist das Vakzin von Biontech und Pfizer für Personen ab 16 zugelassen, jenes von Moderna ab 18 Jahren.

Muss man nach der Impfung weiter Maske tragen?

Ja. Die Maske dient Selbst- und Fremdschutz. Viren können nicht eingeatmet werden und durch die Atemluft nicht verbreitet werden.

Welche Impfstoffe werden verwendet?

Bisher wurden der Impfstoff von Pfizer und Biontech mit Namen Comirnaty und ein Impfstoff von Moderna zugelassen. Ende Jänner wurde auch der Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford zugelassen. Der Impfstoff von Pfizer und Biontech soll mit zwei Dosen im Abstand von 21 Tagen verabreicht werden, bei Moderna soll der Abstand vier Wochen betragen. Auch AstraZenecas Impfstoff wird in Österreich verimpft, die zwei Dosen werden im Abstand von vier bis zwölf Wochen verabreicht. Insgesamt gibt es Dutzende Impfstoffkandidaten weltweit, etwa 20 befinden sich in der für eine Zulassung bedeutsamen Phase drei der Impfstofftestung.

Welche Technologien werden verwendet?

Alle Impfstoffe basieren auf dem Prinzip, dass der Körper auf den Wirkstoff in der Impfung, das Antigen, reagiert und aktiv Antikörper produziert. Auch spezifische T-Zellen werden generiert, das sind weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Es werden dem Immunsystem Antigene oder ein Bauplan für Antigene des Erregers präsentiert, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut wird. Die unterschiedlichen Impfstoffkandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze.

Das Vakzin von Biontech und Pfizer sowie jenes von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff. Hier wird den menschlichen Körperzellen der Bauplan (in Form der „messenger RNA“) für Virusproteine zur Verfügung gestellt. Der Körper wird so wie bei anderen Impfungen auch zur Bildung von Antikörpern angeregt. Während aber bei anderen Impfungen Bestandteile des Erregers direkt verabreicht werden, wird mit mRNA-Impfungen nur der Bauplan verabreicht, sodass die menschlichen Zellen die Erreger(-bestandteile) selbst produzieren. Die mRNA, die über den Impfstoff verabreicht wurde, wird nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut. Sie wird nicht in DNS eingebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche Erbinformation.

AstraZenecas Vakzin ist ein Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des „Spike-Proteins“ des Coronavirus genetisch verändert wird. Mit dem „Spike-Protein“, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das „Spike-Protein“ und damit gegen SARS-CoV-2 bilden. Das Vektorvirus ist nicht vermehrungsfähig und kann auch die Virus-DNS nicht in die menschliche Erbinformation einbauen.

Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Das wird aus mehreren Gründen nicht möglich sein. So haben die unterschiedliche Vakzine auch unterschiedliche Ansprüche an die Logistik, etwa Transport und Kühlung. Es werden unterschiedlich viele Dosen zur Verfügung stehen. Auch können sie wegen der nicht zeitgleich erfolgten Zulassung nicht gleichzeitig überall angeboten werden. Auch wird nicht jeder Impfstoff für jede Person gleich gut geeignet sein, sodass es je nach Impfstoff unterschiedliche Indikationen bzw. Zielgruppen geben wird.

Hilft die Impfung auch gegen die Virusmutation B.1.1.7, die in Großbritannien zuerst gehäuft auftrat?

Virusvarianten, die sich durch spontane Mutationen bilden, sind nichts Außergewöhnliches, sondern ein natürlicher Prozess, der in einem gewissen Ausmaß in nahezu allen Viren abläuft. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna scheinen Laborstudien zufolge auch gegen die ansteckendere britische Variante wirksam zu sein. Klinische Daten stehen noch aus. Solche Daten liegen nur für den Impfstoff von AstraZeneca vor. Dieser ist der meistverwendete Impfstoff in Großbritannien und bietet einen guten Schutz gegen die britische Variante.

Die weiter auftretenden Virusvarianten stehen im Fokus der Wissenschaft, und es laufen derzeit intensiv Untersuchungen, die die Wirkung aller zugelassenen Impfstoffe auch bei weiteren Virusvarianten prüft.

Ist die schnelle Zulassung des Impfstoffs ein Risiko?

Jeder Impfstoff wird erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht, die verschiedenen Kandidaten durchlaufen streng kontrollierte Prozesse. Es gibt dafür klare gesetzliche und wissenschaftliche Vorgaben. Nur wenn sich dabei eine positive Nutzen-Risiko-Relation zeigt, erhält der Impfstoff eine Marktzulassung. Auch nach der Marktzulassung erfolgt eine ständige Kontrolle zum Erfassen von möglichen Nebenwirkungen und zur Überprüfung der Wirkung eine laufende weitere Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses. Im Fall des CoV-Impfstoffs gab es in Qualität, Art und Umfang der behördlichen Begutachtung keine Abstriche und Unterschiede zum „herkömmlichen“ Zulassungsprozess. Er konnte aber auch deshalb beschleunigt werden, weil in diesem Bereich schon seit Jahrzehnten an Impfstoffen geforscht wurde.

Wie sieht es mit Langzeitnebenwirkungen aus?

Man kann sie nicht ausschließen, so wie bei anderen Medikamenten zum Zeitpunkt der Zulassung auch. Um möglichst alle eventuellen Langzeitnebenwirkungen erfassen zu können, müsste man sehr große Studien über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte durchführen. Man legt daher zur Erfassung möglicher Langzeitnebenwirkungen großes Augenmerk auf Informationen aus den vorgelegten Tierversuchen und prüft sämtliche Anhaltspunkte, die sich aus dem klinischen Entwicklungsprogramm ergeben. Verdächtige Symptome werden identifiziert und engmaschig überwacht. Eine Nutzen-Risiko-Bewertung findet im Rahmen des Zulassungsverfahrens statt, wird aber regelmäßig – auch nach Zulassung – unter Berücksichtigung zusätzlicher neu eingegangener Daten und Informationen untersucht.

Können die Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen?

Ja. Zu unterscheiden sind Impfreaktionen und echte Nebenwirkungen. Reaktionen sind Erscheinungen, die die eigentliche Wirkung der Impfung begleiten können und Ausdruck der erwünschten immunologischen Abwehrreaktion sind. Sie sind nicht gefährlich, können aber unangenehm sein, etwa Rötungen, Schwellungen und auch Schmerzhaftigkeit unterschiedlicher Ausprägung. Auch systemische Impfreaktionen sind möglich und umfassen eine breite Palette wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber und andere. Sie sind ein Zeichen der normalen Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff, die zu einer Schutzwirkung führt. Diese Impfreaktionen klingen üblicherweise in wenigen Tagen folgenlos ab. Sehr seltene Nebenwirkungen (seltener als ein Fall auf 10.000 Geimpfte) können mitunter erst nach der Zulassung erfasst werden.

Von einem Impfschaden spricht man, wenn nach einer sachgerechten Impfung in einem zeitlichen Zusammenhang eine bleibende Schädigung auftritt. Dann kann ein Antrag auf Zuerkennung eines Impfschadens gestellt werden. Über diesen Antrag erfolgt ein Verwaltungsverfahren samt Prüfungen beim Sozialministeriumsservice. Aus einer Anerkennung ergeben sich Sozialleistungen in Form von Einmalzahlungen oder Rentenzahlungen.