Impfung

Fragen und Antworten rund um die Impfung

Die Impfung gegen das Coronavirus läuft auf Hochtouren. Im Folgenden wichtige Antworten des Gesundheitsministeriums zu Organisation, Wirkung und rechtlichem Rahmen der Impfung.

Wie kommt man zu einer Impfung?

Mittlerweile können sich alle Personen ab zwölf für eine Impfung vormerken lassen. In vielen Bundesländern ist genügend Impfstoff vorhanden, um direkt einen Termin erhalten zu können, auch veranstalten einige Länder spontane Impfaktionen, für die keine Anmeldung erforderlich ist. Informationen zur Anmeldung gibt es hier.

Ab wann ist man durch die Impfung geschützt?

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech soll laut Fachinformation mit zwei Dosen im Abstand von 19 bis 42 Tagen verabreicht werden. Es wird derzeit empfohlen, die Impfintervalle bei den beiden verfügbaren mRNA-Impfstoffen auszudehnen: Die Zweitimpfung soll in der sechsten Woche nach erfolgter Erstimpfung stattfinden.

Der Impfstoff von Moderna wird laut Fachinformation in zwei Dosen in einem Intervall von 21 bis 42 Tagen verabreicht. Ab dem 22. Tag nach der ersten Dosis ist bei allen verfügbaren Impfstoffen mit einer gewissen Schutzwirkung zu rechnen.

Ausnahme ist der Impfstoff von Janssen (Johnson & Johnson), der als Einzeldosis verabreicht wird. Die Schutzwirkung beginnt in etwa 14 Tage nach der Impfung und ist nach 28 Tagen voll aufgebaut.

Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca wird ebenfalls mit zwei Dosen verabreicht. Das Impfintervall ist mit vier bis zwölf Wochen laut Zulassung definiert. Das Nationale Impfgremium in Österreich empfiehlt vier bis acht Wochen.

Wer mit AstraZeneca zweifach geimpft ist, werde zumindest für neun Monate den vollen Impfschutz haben. Welche Impfstoffe für eine etwaige dritte Impfauffrischung verwendet werden, werde aktuell vom Nationalen Impfgremium noch geprüft.

Ist die Impfung freiwillig?

Ja. Die Regierung setzt auf Freiwilligkeit und Aufklärung. Die Impfung ist freiwillig und kostenlos.

Wie weist man eine Impfung nach?

Als Nachweis, dass man geimpft ist, gelten ein Eintrag im gelben Impfpass, ein in manchen Bundesländern verwendetes Impfkärchten und ein Ausdruck der Daten aus dem E-Impfpass sowie elektronisch via Grünem Pass. Es kann zudem ein Ausdruck über die ELGA-Ombudsstelle beantragt werden.

Diesen ELGA-Ausdruck kann man auch in den Apotheken ausdrucken lassen. Dieses Service steht jenen Versicherten zu, die auch zur Inanspruchnahme von Gratistests in Apotheken berechtigt sind, hieß es vonseiten der Apothekerkammer.

Ab wann und wie lange ist der Nachweis gültig?

Der Impfnachweis ist ab dem 22. Tag nach der ersten Impfung maximal drei Monate gültig. Das ändert sich mit 15. August: Ab dann gilt eine Impfung erst bei vollständiger Immunisierung als Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr. Der Nachweis wird ab dem Tag der zweiten Impfung ausgestellt. Die Regelungen für Personen, die mit Johnson & Johnson geimpft werden sowie für Genesene und Getestete bleiben unverändert.

Nach der Vollimmunisierung (also dem Erhalt aller notwendigen Dosen des jeweiligen Impfstoffs) behält der Impfnachweis seine Gültigkeit für insgesamt neun Monate ab der ersten Impfung (vorbehaltlich der wissenschaftlichen Erkenntnislage).

Sollen sich Allergiker impfen lassen?

Personen mit bekannten und häufigen Allergien, etwa Allergien gegen Pollen oder Hausstaub, können und sollen geimpft werden. Bei anderen Allergien sollte man das mit der behandelten Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt vorbesprechen. Zu einer Impfung sollte jedenfalls der Allergieausweis mitgebracht werden. Nicht jede Allergie stellt hierbei ein Problem für eine Schutzimpfung dar. Bei der Impfung von Allergikern soll die Nachbeobachtungszeit jedenfalls bis zu 30 Minuten verlängert werden.

Illustration zeigt Situation nach einer Impfung
QuickHoney/ORF.at

Sollen sich Schwangere impfen lassen?

Mittlerweile empfiehlt das NIG die Impfung ausdrücklich auch für Schwangere. In den aktualisierten Anwendungsempfehlungen des NIG hieß es: „Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen bei Schwangeren vor, diese ließen ausnahmslos keine Auffälligkeiten erkennen. Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wurden mittlerweile Daten publiziert, weshalb bei der Impfung von Schwangeren mRNA-Impfstoffe zu bevorzugen sind.“

In den ebenfalls aktualisierten Empfehlungen zur Priorisierung des NIG werden Schwangere nun in der dritten Priorität („erhöht“) angeführt: „Schwangere insbesondere im 2. und 3. Trimenon (Nutzen-Risiko-Evaluierung und Aufklärung!) sowie enge Haushaltskontakte von Schwangeren wegen des potenziell schweren Krankheitsverlaufes bei Schwangeren“.

Sollen sich Personen impfen lassen, die bereits eine CoV-Infektion hinter sich haben?

Prinzipiell kann und soll auch nach einer Infektion geimpft werden. Aufgrund der derzeitigen Impfstoffknappheit soll jedoch nach laborgesicherter SARS-CoV-2-Infektion eine Impfung gegen Covid-19 bis auf Weiteres aufgeschoben werden, da nach vorliegenden Daten bei diesen Personen Antikörper mehrere Monate (mindestens sechs bis acht Monate) bestehen. Die Datenlage wird laufend verfolgt, und die Empfehlungen, ob und wann eine Impfung erfolgen sollte, werden entsprechend angepasst. Sollte zwischenzeitlich Impfstoff verfügbar sein, so kann geimpft werden.

Sollen sich Kinder impfen lassen?

Zunächst wurde der Fokus darauf gelegt, Ältere durch das Vakzin zu schützen. Darum wurden zu Beginn auch ausschließlich Erwachsene und Personen höheren Alters in Impfstudien aufgenommen. Nachdem der Impfstoff von Biontech und Pfizer in Österreich inzwischen auch für Minderjährige zugelassen wurde, sollen Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren über den Sommer breitflächig gegen das Coronavirus geimpft werden. Der Impfplan wurde um die Altersgruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen erweitert.

Muss man nach der Impfung weiter Maske tragen?

Ja. Die Maske dient Selbst- und Fremdschutz. Viren können nicht eingeatmet werden und durch die Atemluft nicht verbreitet werden.

Welche Impfstoffe werden verwendet?

Bisher wurden der Impfstoff von Pfizer und Biontech und ein Impfstoff von Moderna zugelassen. Ende Jänner wurde auch der Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford zugelassen. Eingesetzt wird auch der Impfstoff von Janssen (Johnson & Johnson), er wird als Einzeldosis verabreicht. Insgesamt gibt es Dutzende Impfstoffkandidaten weltweit, etwa 20 befinden sich in der für eine Zulassung bedeutsamen Phase drei der Impfstofftestung.

Welche Technologien werden verwendet?

Alle Impfstoffe basieren auf dem Prinzip, dass der Körper auf den Wirkstoff in der Impfung, das Antigen, reagiert und aktiv Antikörper produziert. Auch spezifische T-Zellen werden generiert, das sind weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Es werden dem Immunsystem Antigene oder ein Bauplan für Antigene des Erregers präsentiert, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut wird. Die unterschiedlichen Impfstoffkandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze.

Das Vakzin von Biontech und Pfizer sowie jenes von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff. Hier wird den menschlichen Körperzellen der Bauplan (in Form der „messenger RNA“) für Virusproteine zur Verfügung gestellt. Der Körper wird so wie bei anderen Impfungen auch zur Bildung von Antikörpern angeregt. Während aber bei anderen Impfungen Bestandteile des Erregers direkt verabreicht werden, wird mit mRNA-Impfungen nur der Bauplan verabreicht, sodass die menschlichen Zellen die Erreger(-bestandteile) selbst produzieren. Die mRNA, die über den Impfstoff verabreicht wurde, wird nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut. Sie wird nicht in DNS eingebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche Erbinformation.

AstraZenecas Vakzin ist ein Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des „Spike-Proteins“ des Coronavirus genetisch verändert wird. Mit dem „Spike-Protein“, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das „Spike-Protein“ und damit gegen SARS-CoV-2 bilden. Das Vektorvirus ist nicht vermehrungsfähig und kann auch die Virus-DNS nicht in die menschliche Erbinformation einbauen.

Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Normalerweise ist das nicht möglich – mit der steigenden Verfügbarkeit von Impfstoffen wird allerdings im Rahmen mancher Aktionen nur ein bestimmter Impfstoff verimpft. Die unterschiedlichen Vakzine haben unterschiedliche Ansprüche an die Logistik, etwa Transport und Kühlung. Es werden unterschiedlich viele Dosen zur Verfügung stehen. Auch können sie wegen der nicht zeitgleich erfolgten Zulassung nicht gleichzeitig überall angeboten werden. Auch wird nicht jeder Impfstoff für jede Person gleich gut geeignet sein, sodass es je nach Impfstoff unterschiedliche Indikationen bzw. Zielgruppen geben wird.

Hilft die Impfung auch gegen Virusmutationen

Virusvarianten, die sich durch spontane Mutationen bilden, sind nichts Außergewöhnliches, sondern ein natürlicher Prozess, der in einem gewissen Ausmaß in nahezu allen Viren abläuft. Wie die EMA Anfang Juli bekanntgab, dürften alle in der EU zugelassenen Impfstoffe, alsojene von Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson „gegen alle in Europa zirkulierenden Stämme schützen, auch gegen die Delta-Variante“. Studien, die die Wirksamkeit des Coronavirus-Impfstoffs gegen die Delta-Variante belegten, gibt es derzeit nur von Biontech und AstraZeneca.

Ist die schnelle Zulassung des Impfstoffs ein Risiko?

Jeder Impfstoff wird erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht, die verschiedenen Kandidaten durchlaufen streng kontrollierte Prozesse. Es gibt dafür klare gesetzliche und wissenschaftliche Vorgaben. Nur wenn sich dabei eine positive Nutzen-Risiko-Relation zeigt, erhält der Impfstoff eine Marktzulassung. Auch nach der Marktzulassung erfolgt eine ständige Kontrolle zum Erfassen von möglichen Nebenwirkungen und zur Überprüfung der Wirkung eine laufende weitere Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses. Im Fall des CoV-Impfstoffs gab es in Qualität, Art und Umfang der behördlichen Begutachtung keine Abstriche und Unterschiede zum „herkömmlichen“ Zulassungsprozess. Er konnte aber auch deshalb beschleunigt werden, weil in diesem Bereich schon seit Jahrzehnten an Impfstoffen geforscht wurde.

Wie sieht es mit Langzeitnebenwirkungen aus?

Man kann sie nicht ausschließen, so wie bei anderen Medikamenten zum Zeitpunkt der Zulassung auch. Um möglichst alle eventuellen Langzeitnebenwirkungen erfassen zu können, müsste man sehr große Studien über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte durchführen. Man legt daher zur Erfassung möglicher Langzeitnebenwirkungen großes Augenmerk auf Informationen aus den vorgelegten Tierversuchen und prüft sämtliche Anhaltspunkte, die sich aus dem klinischen Entwicklungsprogramm ergeben. Verdächtige Symptome werden identifiziert und engmaschig überwacht. Eine Nutzen-Risiko-Bewertung findet im Rahmen des Zulassungsverfahrens statt, wird aber regelmäßig – auch nach Zulassung – unter Berücksichtigung zusätzlicher neu eingegangener Daten und Informationen untersucht.

Können die Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen?

Ja. Zu unterscheiden sind Impfreaktionen und echte Nebenwirkungen. Reaktionen sind Erscheinungen, die die eigentliche Wirkung der Impfung begleiten können und Ausdruck der erwünschten immunologischen Abwehrreaktion sind. Sie sind nicht gefährlich, können aber unangenehm sein, etwa Rötungen, Schwellungen und auch Schmerzhaftigkeit unterschiedlicher Ausprägung. Auch systemische Impfreaktionen sind möglich und umfassen eine breite Palette wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, leichtes Fieber und andere. Sie sind ein Zeichen der normalen Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff, die zu einer Schutzwirkung führt. Diese Impfreaktionen klingen üblicherweise in wenigen Tagen folgenlos ab. Sehr seltene Nebenwirkungen (seltener als ein Fall auf 10.000 Geimpfte) können mitunter erst nach der Zulassung erfasst werden.

Von einem Impfschaden spricht man, wenn nach einer sachgerechten Impfung in einem zeitlichen Zusammenhang eine bleibende Schädigung auftritt. Dann kann ein Antrag auf Zuerkennung eines Impfschadens gestellt werden. Über diesen Antrag erfolgt ein Verwaltungsverfahren samt Prüfungen beim Sozialministeriumsservice. Aus einer Anerkennung ergeben sich Sozialleistungen in Form von Einmalzahlungen oder Rentenzahlungen.