Coronavirus

Die wichtigsten Begriffe erklärt

Das Coronavirus beschäftigt Politik, Gesellschaft und Medien weltweit. Rund um das Virus, das seinen Ursprung in China hat, werden Begriffe genannt, die im Alltag nicht immer so geläufig sind. Außerdem kommen neue Bezeichnungen hinzu, die versuchen, die derzeitige Lage besser zu beschreiben. Ein Glossar von A bis Z:

Absonderungsbescheid: Bescheid der zuständigen Gesundheitsbehörde an jene, die CoV-positiv getestet wurden. Sie werden darin verpflichtet, sich in Quarantäne zu begeben. Braucht die infizierte Person medizinische Betreuung, wird sie in einem Spital – auf der Covid-19-Station – behandelt. Ist keine medizinische Betreuung notwendig, wird die infizierte Person zu Hause unter Quarantäne gestellt und über die umzusetzenden Maßnahmen aufgeklärt.

Antigen-Test: Antigen-Tests, häufig als „Schnelltests“ bezeichnet, werden unter anderem bei den Gratistests eingesetzt. Sie weisen spezifische Eiweiße des Virus nach und prüfen damit, ob aktuell eine Infektion vorliegt. Antigen-Tests sind weniger genau als PCR-Tests, und es gibt zwischen den verschiedenen Herstellern der Antigen-Tests ebenfalls deutliche Unterschiede. Wegen der geringeren Sensitivität der Tests muss ein positiver Antigen-Test durch einen PCR-Test bestätigt werden. Erst danach wird eine Quarantäne verhängt.

Illustration zeigt Nasenabstrich
QuickHoney/ORF.at

Antikörpertest: Anders als PCR-Test und Antigen-Test weist der Antikörpertest nicht das Vorhandensein des SARS-CoV-2-Virus nach, sondern prüft, ob im Blut Antikörper gegen das Virus gebildet wurden. Damit lassen sich auch Personen identifizieren, deren Infektion ohne Symptome verlief. Das ist vor allem für einen Überblick über die Ausbreitung – konkret vor allem die Dunkelziffer Infizierter – wichtig. Antikörpertests helfen dabei, einen Überblick über den Immunisierungsgrad in der Bevölkerung zu bekommen. Auch zur Überprüfung der Wirksamkeit der Impfung sind Antikörpertests wichtig.

Asymptomatisch: Eine Infektion mit bestimmten Erregern – allen voran Viren – kann auch unbemerkt verlaufen. Asymptomatisch bedeutet, dass die Infektion ohne Symptome oder Beschwerden vonstattengeht. Im Gegensatz dazu bedeutet symptomatisch, dass Symptome (Fieber, Husten etc.) erkennbar sind.

Basisreproduktionszahl R0: Ein wesentlicher Baustein der Bewertung von infektiösen Erkrankungen ist die Übertragungsrate. In der Wissenschaft spricht man von der Basisreproduktionszahl R0, also der Zahl der Menschen, die eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Der Wert ist im Kontext der öffentlichen Gesundheit sehr wichtig: Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich viele Menschen anstecken. Allerdings ist der Wert nie fix. Im Fall des Coronavirus sagen Fachleute, dass eine infizierte Person bis zu drei Personen ansteckt. Zum Vergleich: Bei Masern liegt der Wert bei 18.

Coronavirus: Coronaviren können bei vielen Tierarten Infektionen auslösen. Beim Menschen verursachen Erreger dieser Gattung vor allem Erkältungskrankheiten. Sie werden durch Tröpfcheninfektion – also beim Niesen, Husten und Sprechen – übertragen. Coronaviren sind kugelförmig. Durch Anhänge auf der Oberfläche ähneln sie winzigen Kronen (Lat.: corona, Dt.: Kranz, Krone) – daher der Name der Virusgruppe.

Covid-19: Das Coronavirus SARS-CoV-2 löst die Krankheit Covid-19 (Coronavirus disease 2019) aus.

Epidemie: Eine Epidemie bezeichnet das stark gehäufte, örtlich und zeitlich begrenzte Vorkommen einer Erkrankung. Dazu gehören viele Tropenkrankheiten wie Dengue-Fieber, aber auch Cholera, Grippe, Typhus, Pest und Kinderlähmung. Für Epidemien haben einzelne Staaten für gewöhnlich eigene Pläne, um das Ausbreiten einer Krankheit einzudämmen bzw. zu stoppen.

Epidemiegesetz: Das Epidemiegesetz regelt im Grunde, was der Staat bei einem Ausbruch von Epidemien machen darf. Das Gesetz sieht etwa vor, dass es in österreichischen Städten und Ortschaften zu Beschränkungen kommen kann, wenn das zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist. Aufgrund eines Anlassfalls kann eine Gesundheitsbehörde bzw. die Bezirkshauptmannschaft oder der Magistrat auch Quarantäne verordnen. Im Gesetz sind anzeigepflichtige Krankheiten festgehalten, zum Beispiel Gelbfieber und Cholera.

Herdenimmunität: in einer Bevölkerung gibt es dann, wenn ein hoher Prozentsatz der Menschen eine Erkrankung bereits hinter sich hat und damit immun ist (ob diese Immunität dauerhaft besteht, ist bei CoV noch unklar, Anm.). Dadurch kann sich das Virus – ähnlich wie bei einer hohen Rate geimpfter Personen – nicht mehr so rasch ausbreiten. Großbritannien und Schweden ergriffen daher anfangs kaum Schutzmaßnahmen, in der Hoffnung, rasch eine Herdenimmunität zu erreichen. Aufgrund der vielen Todesfälle und der drohenden Überforderung des Gesundheitssystems änderten auch diese Länder ihre Strategie.

Inkubationszeit: Die Inkubationszeit ist die Zeitspanne zwischen Ansteckung und sichtbarem Ausbruch einer Krankheit bzw. Auftreten der ersten Symptome. Die Inkubationszeit ist für Erreger von Infektionskrankheiten eine charakteristische Größe. Sie hängt von der jeweiligen Erkrankung ab und kann wenige Stunden oder viele Jahre betragen.

Illustration zeigt Thermometer
QuickHoney/ORF.at

Kontaktperson: Prinzipiell gilt man als Kontaktperson, wenn man Kontakt zu einer Person hatte, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Ausschlaggebend dafür, ob man zu den Kontaktpersonen zählt, ist vor allem der Zeitraum. Unterschieden werden zwei Arten von Kontaktpersonen: jene mit einem hohen Infektionsrisiko (Kategorie 1, K1) und jene mit einem niedrigen Infektionsrisiko (Kategorie 2, K2). Eine Zuordnung zu der jeweiligen Kategorie hängt davon ab, wie lange und wie intensiv der Kontakt zu der positiv getesteten Person war – mehr dazu in Infopoint Coronavirus.

Mutation: eine spontane, dauerhafte Veränderung des Erbguts. Ein üblicher Vorgang in der Natur, im Fall eines Erregervirus stellt sich immer die Frage, ob eine vorhandene Impfung und Medikamente noch wirksam sind. Viren versuchen sich zu optimieren, um sich möglichst rasch und weit ausbreiten zu können. Ob sich eine Mutation schneller verbreitet oder die Krankheitssymptome schwerer sind, lässt sich beim SARS-CoV-2-Virus so wie bei den meisten anderen nicht anhand von Gensequenzen ablesen. Das lässt sich erst im pandemischen Verlauf – also durch Tracing und Testen – ermitteln.

Mortalitätsrate: Mortalität bedeutet Sterblichkeit und ist die Anzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum bezogen auf eine bestimmte Menschengruppe, etwa Personen, die von einem Virus infiziert sind. Die Sterblichkeitsrate bei Ansteckungen mit dem neuartigen Virus liegt nach Angaben von Fachleuten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei bis zu drei Prozent. Sie liegt damit weit unter den zehn Prozent der SARS-Epidemie der Jahre 2002 und 2003. Bei Grippeviren liegt die Sterblichkeit unter einem Prozent.

Pandemie: Eine Pandemie ist eine Epidemie großen Ausmaßes. Eine ursprünglich nur regional auftretende ansteckende Krankheit (siehe „Epidemie“) verbreitet sich dabei in vielen Ländern, unter Umständen auch weltweit. Grippepandemien hat es Schätzungen zufolge seit dem 16. Jahrhundert bereits etwa 30-mal gegeben. Wegen des dichten Flugnetzes können Infektionskrankheiten heute weitaus schneller in weit entfernte Regionen der Welt vordringen.

Patient 0: Der Ersterkrankte bzw. jene Person, die der Anfangspunkt bei der Ausbreitung einer Krankheit ist, wird als Patient 0 bezeichnet. Die Bezeichnung dürfte aber durch ein Missverständnis entstanden sein. Denn Gaetan Dugas, der in den 70er und 80er Jahren als Ausgangspunkt des HI-Virus in Nordamerika gesehen wurde, war als Patient O gelistet, wobei der Großbuchstabe O für „Outsider“ (Dt.: Außenstehender) stand. Dugas kam nämlich nicht aus dem betroffenen Gebiet.

PCR-Test: ein Test, bei dem eine Probe nach der Methode Polymerase-Kettenreaktion (Engl.: polymerase chain reaction, PCR) analysiert wird. Durch den Nachweis von Nukleinsäuren in der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) lassen sich einige Viren, darunter auch das Coronavirus SARS-CoV-2 und Mutationen, direkt nachweisen. PCR-Tests gelten bisher als die besten Tests. Die Polymerase-Kettenreaktion ist eine Methode, um die Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA) im Labor zu vervielfältigen. Neben dem Erkennen von Virus- und Erbkrankheiten wird das Verfahren auch zum Überprüfen genetischer Fingerabdrücke und zum Klonen von Genen verwendet. Vermehrungsfähige Viren sind mit diesem Verfahren länger nachweisbar.

Persistenz: Unter Persistenz versteht man in der Medizin das Fortbestehen eines Symptoms bzw. einer Erkrankung, bei Infektionskrankheiten insbesondere das Überdauern von Krankheitserregern in Rückzugsräumen des Organismus. Im Kontext von Krankheitsverläufen meinen Mediziner und Medizinerinnen mit Persistenz solche Symptome, die trotz Behandlung fortbestehen.

Pneumonie: Eine Pneumonie ist eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung des Lungengewebes, also eine Lungenentzündung. Ursache einer Pneumonie können Bakterien, Viren, Pilze, Aspiration von Magensaft, Parasiten, Gifte (beispielsweise durch Einatmen ätzender Gase) und andere Faktoren sein.

Quarantäne: Quarantäne ist die Absonderung von Personen, die an bestimmten Infektionskrankheiten leiden oder bei denen Infektionsverdacht besteht. Die Absonderung kann auch auf Kontaktpersonen ausgeweitet werden. Die Quarantäne soll die Ausbreitung der Krankheit verhindern. Quarantäne wird seit dem 14. Jahrhundert praktiziert, als in italienischen Häfen Schiffe aus pestverdächtigen Ländern 40 Tage lang vor der Küste ankern mussten. Quarantäne gilt etwa für Lungenpest und an von Mensch zu Mensch übertragbarem hämorrhagischem Fieber. Die Dauer richtet sich nach der Inkubationszeit, das ist die Zeit zwischen Ansteckung und sichtbarem Ausbruch der Krankheit.

Reproduktionszahl: Gibt an, wie viele Personen ein bereits Inifzierter im Durchschnitt ansteckt. Ist die Reproduktionszahl bei 1, so bedeutetet das, dass die infizierte Person im Durchschnitt eine weitere Person ansteckt. Um die Epidemie einzudämmen, muss der Wert unter eins sein, je mehr, desto erfolgreicher verläuft der Kampf gegen die Pandemie.

SARS-CoV-2: Das Virus, das die Krankheit Covid-19 auslöst, wird SARS-CoV-2 genannt. Der Namensgeber des Virus, ein Team des Internationalen Komitees zur Taxonomie von Viren, bezieht sich mit dem Namen SARS-CoV-2 auf die sehr enge Verwandtschaft zum SARS-Virus (SARS-CoV), an dem 2002 und 2003 Hunderte Menschen starben. Die Viren sind Fachleuten zufolge Varianten ein und derselben Virusart.

Sequenzierung: Mit der DNA-Sequenzierung wird die Abfolge der Nukleotide in einem DNA-Molekül bestimmt, vereinfacht: Das Erbgut wird analysiert. In der Virologie dienen eine DNA-Sequenzierung so wie der PCR-Test zum gentechnischen Nachweis eines Virus. Dabei wird zunächst jene Erbinformation, die zum Wirt gehört, sequenziert und mit Hilfe einer Software anschließend ausgeblendet. Teile der übrigen Sequenzen gehören zum Erbut des Virus. Der entscheidende Vorteil an der Sequenzierungsmethode: Es können auch mutierte und bisher unbekannte Erreger entdeckt werden.

7-Tage-Inzidenz: Gibt an, wie viele Neuinfektionen es pro 100.000 Menschen binnen sieben Tagen gab. Sie ist epidemiolgisch aussagekräftiger als die Zahl der täglichen Neuerkrankungen. Mit zunehmender Impfrate werden auch andere Faktoren zur Bewertung der Lage herangezogen, etwa die Belegung der Intensivbetten. Die 7-Tage-Inzidenz ermöglicht auch einen Vergleich mit anderen Ländern – andere Teststrategien, Melderichtlinien sowie mögliche Unterschiede bei Falldefinitionen erschweren einen solchen jedoch.

Tröpfcheninfektion: Wenn es heißt, dass Krankheitserreger über Tröpfcheninfektionen übertragen werden, dann bedeutet es, dass sie beim Niesen, Husten, Sprechen durch winzige Speicheltröpfchen an die Luft gelangen und anschließend von einem anderen Menschen eingeatmet bzw. direkt über die Schleimhäute der oberen Luftwege aufgenommen werden. Die Ansteckung durch Tröpfcheninfektion erfolgt in den häufigsten Fällen innerhalb einer Entfernung von etwa einem, zwei Metern.

Illustration zeigt hustenden Mann, Symptom für CoV-Erkrankung
QuickHoney/ORF.at

Virusnukleinsäure-Nachweis: Mit diesem Verfahren werden Verdachtsfälle überprüft, also ob eine Person tatsächlich das Virus in sich trägt. Durch den Nachweis von Nukleinsäuren in der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) lassen sich einige Viren, darunter auch das neuartige Coronavirus, direkt nachweisen. Die Polymerase-Kettenreaktion ist eine Methode, um die Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA) im Labor zu vervielfältigen. Neben dem Erkennen von Virus- und Erbkrankheiten, wird das Verfahren auch zum Überprüfen genetischer Fingerabdrücke und zum Klonen von Genen verwendet.

Wirt: Als Wirt bezeichnet man ein Lebewesen, das einem in der Regel deutlich kleineren Organismus (Gast) als vorübergehender oder dauernder Lebensraum dient. Ein Virus benötigt Wirtszellen, um zu überleben.

Zoonose: Eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann, nennt man Zoonose. Als Erreger von Zoonosen kommen Viren, Bakterien, Pilze, Einzeller, Würmer und Insekten infrage. Die Krankheit Covid-19 ist ebenfalls eine solche Zoonose. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Virus SARS-CoV-2 seinen Ursprung in Fledermäusen hat, als Zwischenwirt fungierten vermutlich Schuppentiere (Engl.: Pangolin). Auch die WHO vermutet die Fledermaus als wichtiges Reservoir für das Virus.