Eine Kellnerin arbeitet im Cafehaus
APA/Georg Hochmuth
Gastro bis Kultur

Österreich sperrt auf

Am Mittwoch startet in Österreich die langersehnte umfassende Öffnung. Gastronomie, Hotellerie, Sportstätten, Kulturbetriebe und Freizeiteinrichtungen haben unter Auflagen wieder geöffnet, in Supermärkten kann man wieder länger einkaufen, auch die Regeln für Treffen und Reisen sind gelockert. Zum Schlüssel für diese Normalität soll der „Grüne Pass“ werden – also der Nachweis, dass man entweder negativ getestet, genesen oder geimpft ist („3-G-Regel“).

Die Öffnungen am Mittwoch sind die weitreichendsten seit langer Zeit, sie erlauben vor allem hart getroffenen Branchen wieder den Betrieb. Fast sieben Monate lang hatten die Gastronomie, Sportstudios, Kulturstätten wie Theater oder Kinos geschlossen, auch der Hotelbetrieb konnte nur sehr eingeschränkt laufen. All diese Bereiche dürfen nun wieder Gäste empfangen.

Ein Bündel von Regeln soll die sichere Öffnung ermöglichen. Zentral ist der Nachweis des Gesundheitsstatus auf Papier oder digital – er ist die Voraussetzung für Besuche von Wirtshaus, Theater, Therme, Kino und Co. Wichtig ist es, die Fristen zu beachten: Negative Selbsttests mit einer Erfassung des Ergebnisses in einem behördlichen Datenerfassungssystem sind 24 Stunden gültig, Antigen-Tests (z. B. Teststraße, Apotheke) gelten 48 Stunden, PCR-Tests 72 Stunden. Auch Selbsttests in den besuchten Betrieben sollen möglich sein, auch wenn das vielen Betreibern noch Kopfzerbrechen bereitet.

Der Lockdown ist zu Ende

Hotellerie, Gastronomie und Freizeitbetriebe öffnen nach monatelangem Lockdown wieder ihre Pforten. Die Kunden und Gäste müssen sich jedoch an die „3-G-Regel“ halten: getestet, geimpft oder genesen.

Auch Impfung nicht sofort gültig

Auch für Geimpfte und Genesene sind spezielle Fristen vorgesehen. So sind Teilgeimpfte erst ab dem 22. Tag nach der ersten Impfung von der Testpflicht befreit, das für maximal drei Monate. Nach der zweiten Impfung verlängert sich der Gültigkeitszeitraum auf neun Monate ab dem ersten Stich.

Grafik zum „3-G-Nachweis“
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Für bereits genesene Personen, die zusätzlich einmal geimpft wurden, gilt die Impfung neun Monate lang ab dem Zeitpunkt der Impfung. Nicht geimpfte Genesene sind ab dem Zeitpunkt der Genesung ein halbes Jahr lang von der Testpflicht befreit, es gelten der Absonderungsbescheid bzw. ein Attest. Ein Nachweis über Antikörper zählt für drei Monate ab dem Testzeitpunkt. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr sind von der Nachweispflicht ausgenommen. Für ältere Kinder und Jugendliche gelten auch die Schultests. Bei der Kontrolle der „3-G-Nachweise“ dürfen Betriebe auch Ausweise zum Abgleich kontrollieren, so die Verordnung.

Weniger Gäste, mehr Platz und Abstand

Auch diverse Abstands- und Hygieneregeln werden weiterhin gelten, so bleiben etwa FFP2-Maskenpflicht und der Zweimeterabstand aufrecht. Bei Veranstaltungen muss zwischen Besuchergruppen ein Platz frei bleiben, auch in der Gastronomie braucht es mehr Abstand zwischen den Tischen. Ein Baustein wird auch die Registrierung von Gästen mit Namen und Kontaktdaten sein, die Betriebe bei einer erwarteten Aufenthaltsdauer von mehr als 15 Minuten durchführen müssen. Sie soll dem Contact-Tracing dienen.

Gesteckt voll wird es zumindest vorläufig in den geöffneten Bereichen nicht sein: Quasi überall gelten Kapazitätsgrenzen, diese orientieren sich an der Art der Veranstaltung und dem Veranstaltungsort. Die maximalen Besucherlimits bei behördlich genehmigten Veranstaltungen mit zugewiesenen Sitzplätzen liegen outdoor jedenfalls bei 3.000, indoor bei 1.500. Ohne zugewiesene Sitzplätze dürfen es in- und outdoor maximal 50 Personen sein.

Große Privatfeiern wie Hochzeiten müssen noch warten, aber bei kleineren Treffen im privaten Rahmen gibt es Lockerungen: Tagsüber draußen sind bis zu zehn Personen plus Kinder erlaubt, von 22.00 bis 5.00 Uhr und drinnen nur vier Erwachsene aus verschiedenen Haushalten und sechs Kinder. Sowohl für Veranstaltungen als auch die Gastronomie liegt die Sperrstunde bei 22.00, damit gibt es auch keine Öffnung für die Nachtgastronomie.

Viele Lokale ausreserviert

Auch im Wirtshaus dürfen außen maximal zehn Erwachsene, innen vier Erwachsene aus unterschiedlichen Haushalten zusammenkommen. Die Vorfreude auf den Lokalbesuch war jedenfalls im Vorfeld groß: Gastronomievertreter meldeten viele ausreservierte Lokale, vor allem rund um die Feiertage. Bereits in der Früh öffneten bundesweit Lokale, sie durften sich nicht nur über Gäste, sondern auch über reges Medieninteresse freuen.

Freude und Optimismus in der Bewirtungsbranche sind jedenfalls vorherrschend, auch wenn manche Betriebe erst einmal nur teilweise öffnen wollten. Ohnehin gibt es Sorgen über die Rentabilität. Viele Lokale befürchten, dass sie u. a. aufgrund der Kapazitätsgrenzen und ausbleibender Urlaubsgäste oder weniger Veranstaltungen in die Bredouille kommen könnten.

Zudem warnte am Dienstag Gerti Schmidt von der Wirtschaftskammer Wien, dass viele Betriebe trotz der Öffnung weiter schwer zu kämpfen haben werden. Das betreffe etwa Betriebe, die ihr Geschäft nicht ins Freie verlagern können, also zum Beispiel Fitnesseinrichtungen und Tanzschulen. Diese hätten in der warmen Jahreszeit ohnehin saisonal bedingt eine geringere Auslastung, nun komme auch noch die Pandemie dazu.

Außenbereich der Therme Wien vor der Wiedereröffnung mit Liegestühlen in der Wiese
APA/Helmut Fohringer
Freizeitbetriebe mit Außenbereich – hier die Therme Wien – haben es derzeit leichter

Hotels: Negativer Teststatus bei Anreise

Grundsätzlich soll auch der Tourismus bald wieder Fahrt aufnehmen, auch die Hotels haben ab Mittwoch wieder offen. Beim Check-in muss man seinen negativen Infektionsstatus nachweisen. Danach gelten innerhalb der Hotels bzw. im Urlaub die jeweiligen allgemeinen Regeln – also etwa die Regeln für die Gastronomie im Hotelrestaurant. Auch Wellnessbereiche dürfen offen haben. Die Hotelbetriebe sollen zudem Testmöglichkeiten anbieten.

Auch Urlaubsgäste aus dem Ausland sollen möglichst bald wieder nach Österreich kommen. Dazu wurde auch die Einreiseverordnung adaptiert. Ab Mittwoch entfällt bei der Einreise Quarantänepflicht. Sie wird durch einen verpflichtenden Nachweis einer Impfung, Testung oder Genesung („3-G-Regel“) ersetzt. Dabei gelten allerdings je nach Herkunftsland verschärfte Bedingungen.

Grafik zu den neuen Einreisebestimmungen nach Österreich
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Keine Quarantäne ist für Staaten mit geringem Infektionsgeschehen vorgesehen, die jeweils aktuelle Liste findet sich auf der Website des Gesundheitsministeriums. Aus diesen Ländern ist jede Art der Einreise – auch zu touristischen Zwecken – möglich. Ein aktueller „3-G-Nachweis“ ist erforderlich. Kann dieser nicht vorgelegt werden, muss innerhalb von 24 Stunden ein Test nachgemacht werden.

Hochinzidenzstaaten mit strengeren Regeln

Bei Einreise aus Risiko- und Hochinzidenzstaaten ist ebenfalls ein „3-G-Nachweis“ vorzulegen. Geimpfte oder genesene Personen aus diesen Risikostaaten müssen keine Quarantäne antreten, Getestete aber schon. Die Quarantäne kann ab dem fünften Tag nach der Einreise mit einem neuerlichen negativen Testergebnis beendet werden. Die Einreise aus Virusvariantenstaaten – derzeit Brasilien, Indien und Südafrika – bleibt nur sehr eingeschränkt möglich.

Ausnahmen für Pendler würden unverändert bleiben und weiterhin nicht bei Einreise aus Virusvariantengebieten gelten. Vor jeder Einreise ist weiter eine elektronische Registrierung notwendig, die auf einem Portal des Gesundheitsministeriums angeboten wird. Pendlerinnen und Pendler müssen sie alle 28 Tage erneuern.

Supermärkte haben länger geöffnet

Eine weitere Erleichterung im Alltag gibt es ab Mittwoch unterdessen beim Einkaufen: Nach einer monatelangen Schließzeit um 19.00 kehren die Lebensmittelhändler Spar, REWE und Hofer am Mittwoch, Lidl am Donnerstag zu den Öffnungszeiten aus der Zeit vor der Pandemie zurück. Wie lange die Geschäfte offen haben, ist aber weiter regional unterschiedlich bzw. von Filiale zu Filiale anders. Die Sicherheitsregeln wie Maskenpflicht und Abstände bleiben aufrecht.

Öffnungswetter eher unfreundlich

Ein wenig Trüben könnte den großen Öffnungstag das Wetter: Es wird im ganzen Land kühl, nur vereinzelt zeigt sich die Sonne. Vielerorts wird es außerdem regnen, mitunter auch kräftig. Auch Gewitter sind möglich. Die Temperaturen schaffen maximal neun bis 18 Grad. Summa summarum also nicht die besten Voraussetzungen für den Schanigartenauftakt – mehr dazu in wetter.ORF.at.

Allerdings ist der Mittwoch ja nur der erste Tag der Öffnung, die laut Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Juli noch ausgeweitet werden soll. Optimismus dafür gibt nicht nur die sinkende 7-Tage-Inzidenz (am Dienstag lag sie bei 62,2), sondern auch der Fortschritt bei den Impfungen: Am Dienstag wurde die Schwelle von drei Millionen erstgeimpften Personen durchbrochen.

Bis Mittwoch wurden mehr als 3.064.524 Erstimpfungen gemeldet, damit sind rund 34 Prozent der Bevölkerung geimpft. 1.129.198 und somit fast 13 Prozent der Menschen in Österreich haben zwei Impfdosen erhalten. Fachleute zeigten sich aufgrund dieser Faktoren auch hinsichtlich der Öffnung vorsichtig optimistisch, es brauche aber weiterhin striktes Einhalten der Sicherheitsmaßnahmen, Tests, weitere Fortschritte bei der Impfung und Vorsicht hinsichtlich Virusmutationen.