Österreich

Welche Impfstoffe verwendet werden

Weltweit gibt es Dutzende Impfstoffkandidaten, viele befinden sich noch in der Zulassungsphase. In Österreich sind derzeit Impfstoffe von Biontech und Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson sowie AstraZeneca im Einsatz. Alle in Österreich verwendeten Impfstoffe sind von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen.

Österreich setzt seit Impfbeginn hauptsächlich auf den Impfstoff „Comirnaty“ von Biontech und Pfizer. Der Impfstoff soll laut Fachinformation mit zwei Dosen im Abstand von 19 bis 42 Tagen verabreicht werden. Der Impfstoff „Spikevax“ von Moderna wird laut Fachinformation in zwei Dosen in einem Intervall von 21 bis 42 Tagen verabreicht.

Mit der Verbreitung der Delta-Variante wurden vom Nationalen Impfgremium die empfohlenen Intervalle reduziert: Um eine „ausreichende Schutzwirkung schnell und bestmöglich zu erreichen“, wird empfohlen, das Intervall zwischen den einzelnen Dosen auf 21 Tage (Comirnaty von Biontech und Pfizer) bzw. 28 Tage (Spikevax von Moderna) zu verkürzen. Beim Impfstoff von AstraZeneca wird mittlerweile ein Intervall von vier bis acht Wochen empfohlen.

Der vor allem in der ersten Jahreshälfte 2021 verwendete AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria ist zwar weiterhin für die Grundimmunisierung zugelassen, aber nicht mehr in Österreich lagernd. Für AstraZeneca-Geimpfte kommt zur Auffrischung ein mRNA-Impfstoff zur Anwendung.

Schutzwirkung ab 22. Tag nach erster Dosis

Ab dem 22. Tag nach der ersten Dosis ist bei allen verfügbaren Impfstoffen mit einer gewissen Schutzwirkung zu rechnen. Laut dem Nationalen Impfgremium ist die Schutzrate vor Infektionen bei einmalig geimpften Personen aber deutlich niedriger als bei Personen nach zwei Dosen. Das gilt auch für das eigentlich als Einmalimpfstoff vorgesehene Vakzin von Janssen (Johnson & Johnson).

Deshalb soll nach der aktuellen Empfehlung des Impfgremiums mindestens 28 Tage nach der Impfung eine weitere Dosis verabreicht werden – dabei handelt es sich um eine „Off-Label-Anwendung“. Empfohlen wird ein mRNA-Impfstoff, doch auch ein weiterer Stich mit dem Janssen-Impfstoff ist möglich. Sollte eine Impfung versäumt worden sein, soll sie ehestmöglich nachgeholt werden.

Auffrischung nach vier Monaten

Mittlerweile steht für viele Menschen eine Auffrischungsimpfung an. Das Nationale Impfgremium (NIG) hat Mitte November die dritte (bzw. zweite) CoV-Impfung schon ab vier Monaten nach dem Erst- bzw. Zweitstich für alle Menschen über 18 für möglich erklärt bzw. empfohlen. Aktuelle Studien würden belegen, dass der Impfschutz früher nachlasse, hieß es dazu. Im Dezember wurde im Hinblick auf die Omikron-Variante in Aussicht gestellt, die Auffrischungsimpfung schon ab zwölf Jahren zuzulassen.

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte das NIG eine aktualisierte Anwendungsempfehlung, wonach angesichts der Omikron-Variante nicht nur die Rate der Auffrischungsimpfungen (dritter Stich) möglichst schnell anzuheben sei. Eine Impfung soll nur dann nicht durchgeführt werden, wenn es ausdrückliche Gegenanzeigen gibt, heißt es vom NIG. Die Impfung nach vier Monaten reduziere die Anzahl an Erkrankungen und Hospitalsierungen zudem deutlich.

Außerdem könne eine weitere Auffrischung (vierter Stich) in Hochrisikobereichen (etwa exponiertes Gesundheitspersonal) sowie in systemkritischen Bereichen ab sechs Monaten nach der dritten Impfung angeboten werden. Diese soll aber nur nach ärztlicher Individualeinschätzung und auf Wunsch der zu impfenden Person erfolgen („Off-Label“). Es gebe noch keine Evidenz, dass diese zusätzliche Impfung Infektionen vermeiden kann, es sei aber davon auszugehen, dass schwere Erkrankungen vermieden werden könnten.

Impfung ab fünf Jahren

Die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna sind prinzipiell ab zwölf Jahren zugelassen. Für Kinder ab fünf Jahren ist eine geringere Dosis des Biontech-Impfstoffs zugelassen. AstraZeneca- und Janssen-Impfstoffe dürfen ab 18 Jahren verimpft werden.

Derzeit sind die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie von Moderna dafür von der EMA freigegeben. Laut NIG soll möglichst der gleiche Impfstoff wie bei den vorhergehenden Immunisierungen eingesetzt werden. Bei Personen unter 30 Jahren kann aufgrund „vorläufiger Unsicherheit“ in Bezug auf ein erhöhtes Risiko für Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzüdung) auch der Impfstoff von Pfizer und Biontech verabreicht werden.

Das NIG empfahl auch allen mit dem J&J-Impfstoff (Janssen) Geimpften, sich so schnell wie möglich eine Auffrischung zu holen. Der Impfschutz hat den Experten zufolge zu schnell stark nachgelassen. In „begründeten Fällen“, so das NIG, kann die Auffrischungsimpfung zudem bereits nach vier Monaten erfolgen, etwa nach einer zweimaligen Impfung mit AstraZeneca, vor dem Antritt einer längeren Reise oder bei besonders hohem Expositionsrisiko.

Personen ab 65 Jahren, Alters- und Pflegeheimbewohnern und -bewohnerinnen, Risikopatienten und eben mit zwei Dosen AstraZeneca Geimpfte sowie bestimmten Berufsgruppen mit hohem Ansteckungsrisiko (medizinisches Personal, Pädagogen) empfiehlt das NIG „dringend“, den Drittstich möglichst ab dem vierten Monat vorzunehmen. Unter 120 Tagen Abstand werden Auffrischungsimpfungen nicht gewertet.

Auch der kürzlich von der EU zugelassene Impfstoff von Novavax wurde vom NIG kurz vor Weihnachten in die Liste der Vakzine aufgenommen. Erste Lieferungen nach Österreich würden im ersten 1. Quartal 2022 erwartet. Derzeit solle der Impfstoff in erster Linie für Erstimpfungen und Personen mit Kontraindikationen zu bisher zugelassenen Impfstoffen eingesetzt werden.

Welche Technologien werden verwendet?

Alle Impfstoffe basieren auf dem Prinzip, dass der Körper auf den Wirkstoff in der Impfung, das Antigen, reagiert und aktiv Antikörper produziert. Auch spezifische T-Zellen werden generiert, das sind weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Es werden dem Immunsystem Antigene oder ein Bauplan für Antigene des Erregers präsentiert, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut wird. Die unterschiedlichen Impfstoffkandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze.

Das Vakzin von Biontech und Pfizer sowie jenes von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff. Hier wird den menschlichen Körperzellen der Bauplan (in Form der „messenger RNA“) für Virusproteine zur Verfügung gestellt. Der Körper wird so wie bei anderen Impfungen auch zur Bildung von Antikörpern angeregt. Während aber bei anderen Impfungen Bestandteile des Erregers direkt verabreicht werden, wird mit mRNA-Impfungen nur der Bauplan verabreicht, sodass die menschlichen Zellen die Erreger(-bestandteile) selbst produzieren. Die mRNA, die über den Impfstoff verabreicht wurde, wird nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut. Sie wird nicht in DNS eingebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche Erbinformation.

AstraZenecas und Johnsons & Johnsons Vakzin ist ein Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus durch den Einbau des „Spike-Proteins“ des Coronavirus genetisch verändert wird. Im Fall von AstraZeneca handelt es sich um ein Virus, das normalerweise Schimpansen befällt. Die Grundlage des Vakzins von Johnsons & Johnson bildet indes ein harmloses, menschliches Adenovirus.

Mit dem „Spike-Protein“, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das „Spike-Protein“ und damit gegen SARS-CoV-2 bilden. Das Vektorvirus ist nicht vermehrungsfähig und kann auch die Virus-DNS nicht in die menschliche Erbinformation einbauen.

Der Novavax-Impfstoff ist weder ein mRNA-Impfstoff wie von Biontech und Pfizer sowie Moderna noch ein Vektorimpfstoff wie von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor gentechnisch hergestellten Version des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 bestehen. Dadurch soll wie auch bei den bisherigen Impfstoffen das Immunsystem auf eine mögliche Infektion vorbereitet werden. Der Körper soll die Proteine als fremd erkennen und damit das Immunsystem hochfahren. Es werden spezifische Antikörper und T-Zellen gebildet.