Österreich

Welche Impfstoffe verwendet werden

In Österreich sind derzeit Coronavirus-Impfstoffe von Biontech und Pfizer, Moderna, Janssen, AstraZeneca, Novavax und Valneva im Einsatz. Alle in Österreich verwendeten Impfstoffe sind von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen.

Österreich setzt seit Impfbeginn hauptsächlich auf den Impfstoff Comirnaty von Biontech und Pfizer. Für eine erste Impfserie werden unabhängig vom verabreichten Impfstoff zwei Impfungen empfohlen. Die Grundimmunisierung wird mit einer weiteren Impfung (dritte Impfung) abgeschlossen. Die empfohlenen Intervalle zwischen den ersten beiden Impfungen variieren je nach Impfstoff geringfügig.

Nach Auftreten der Delta-Variante Ende 2021 und Anfang des Jahres wurden vonseiten des Nationalen Impfgremiums (NIG) empfohlen, das Intervall zwischen erster und zweiter Impfung auf 21 Tage (Comirnaty von Biontech und Pfizer) bzw. 28 Tage (Spikevax von Moderna und Valneva von Valneva) zu verkürzen. Beim Impfstoff von AstraZeneca wird mittlerweile ein Intervall von vier bis acht Wochen empfohlen.

Der vor allem in der ersten Jahreshälfte 2021 verwendete AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria ist zwar weiterhin für die Grundimmunisierung zugelassen, aber nicht mehr in Österreich lagernd. Für AstraZeneca-Geimpfte kommt zur Auffrischung ein mRNA-Impfstoff zur Anwendung.

Schutzwirkung ab 22. Tag nach erster Dosis

Ab dem 22. Tag nach der ersten Dosis ist bei allen verfügbaren Impfstoffen mit einer gewissen Schutzwirkung zu rechnen. Laut dem Nationalen Impfgremium ist die Schutzrate vor Infektionen bei einmalig geimpften Personen aber deutlich niedriger als bei Personen nach zwei Dosen. Das gilt auch für das eigentlich als Einmalimpfstoff vorgesehene Vakzin von Janssen (Jcovden).

Deshalb soll nach der aktuellen Empfehlung des Impfgremiums mindestens 28 Tage nach der Impfung eine weitere Dosis verabreicht werden – dabei handelt es sich um eine „Off-Label-Anwendung“. Empfohlen wird ein mRNA-Impfstoff, doch auch ein weiterer Stich mit dem Impfstoff von Janssen ist möglich. Sollte eine Impfung versäumt worden sein, soll sie ehestmöglich nachgeholt werden.

Dritte Impfung nach vier Monaten

Das Nationale Impfgremium (NIG) hat Mitte November die dritte (bzw. zweite) CoV-Impfung schon ab vier Monaten nach dem Erst- bzw. Zweitstich für alle Menschen über 18 für möglich erklärt bzw. empfohlen. Kurz vor Weihnachten veröffentlichte das NIG eine aktualisierte Anwendungsempfehlung, wonach angesichts der Omikron-Variante nicht nur die Rate der Auffrischungsimpfungen (dritter Stich) möglichst schnell anzuheben sei.

Impfung ab fünf Jahren

Die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna sind prinzipiell ab zwölf Jahren zugelassen. Für Kinder ab fünf Jahren gibt es einen von der EMA zugelassenen Biontech-Impfstoff. AstraZeneca- und Janssen-Impfstoffe dürfen ab 18 Jahren verimpft werden.

Personen ab 60 Jahren, Alters- und Pflegeheimbewohnern und -bewohnerinnen, Risikopatienten und eben mit zwei Dosen AstraZeneca Geimpften sowie bestimmten Berufsgruppen mit hohem Ansteckungsrisiko (medizinisches Personal, Pädagogen) empfiehlt das NIG, den Drittstich möglichst ab dem vierten Monat vorzunehmen. Eine Impfung soll nur dann nicht durchgeführt werden, wenn es ausdrückliche Gegenanzeigen gibt, heißt es vom NIG.

Die Impfung nach vier Monaten reduziere die Anzahl an Erkrankungen und Hospitalsierungen zudem deutlich. Impfwillige Personen sollen beim Impftermin für die dritte oder vierte Impfung nicht abgewiesen werden, auch wenn im Einzelfall empfohlene Impfintervalle um wenige Tage unterschritten werden.

NIG empfiehlt vollständige Grundimmunisierung auch für Kinder

Das Impfgremium spricht sich seit Frühjahr 2022 auch für eine Vervollständigung der Grundimmunisierung mit einem dritten Stich für Kinder ab fünf Jahren aus. In der Empfehlung ist vorgesehen, dass sich Personen bis 18 Jahre sechs Monate nach der Zweitimpfung die dritte Impfung holen sollten.

Infektion kann Auffrischungsimpfung aufschieben

In der aktuellsten Empfehlung für den Herbst/Winter 2022 heißt es, dass sich Personen ab zwölf Jahren auch das vierte Mal impfen lassen können. Grundsätzlich können die Auffrischungsimpfungen ab zwölf durchgeführt werden und sind weiterhin „jeder Person empfohlen, die sich schützen will“. Das NIG rät speziell ab 60, Risikopersonen inklusive Schwangeren und Personen mit erhöhter Exposition etwa im Beruf zum vierten Stich.

Für Personen mit PCR-bestätigter Infektion nach zwei oder mehr Impfungen gelte: Bei asymptomatischem Verlauf nach Schema impfen möglich, ein Aufschub bis zu sechs Monate aber auch, nach symptomatischer Infektion können vor allem die unter 60-Jährigen bis zu ein halbes Jahr zuwarten. Diese Spezifikation wurde erst Mitte September vorgenommen

Impfstoffe für vierte Impfung

Für die Auffrischung könne der gleiche oder ein anderer Impfstoff wie bei der Grundimmunisierung verwendet werden. Der Vorzug wird den bivalenten mRNA-Impfstoffen gegeben, weil für sie eine Zulassung als vierte Impfung durch die europäischen Behörden vorliegt. Dabei handelt es sich um die an die Omikron-Variante BA.1 angepassten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, die auch bereits in Österreich schon verfügbar sind. Der auf BA.4-5 angepasste Biontech/Pfizer ist ebenfalls von der EMA zugelassen. Es können aber auch monovalente Impfstoffe eingesetzt werden, dies dann „Off Label“.

Der seit Ende August in Österreich verfügbare Impfstoff von Valneva ist derzeit nur für die ersten zwei Impfungen zugelassen. Für Personen, die bereits geimpft wurden, gibt es derzeit keine Empfehlung, Valneva als Booster oder Auffrischung zu verwenden.

Welche Technologien werden verwendet?

Alle Impfstoffe basieren auf dem Prinzip, dass der Körper auf den Wirkstoff in der Impfung, das Antigen, reagiert und aktiv Antikörper produziert. Auch spezifische T-Zellen werden generiert, das sind weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Es werden dem Immunsystem Antigene oder ein Bauplan für Antigene des Erregers präsentiert, sodass eine Immunität gegenüber dem Erreger aufgebaut wird. Die unterschiedlichen Impfstoffkandidaten nutzen dabei verschiedene Ansätze.

Das Vakzin von Biontech und Pfizer sowie jenes von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff. Hier wird den menschlichen Körperzellen der Bauplan (in Form der „messenger RNA“) für Virusproteine zur Verfügung gestellt. Der Körper wird so wie bei anderen Impfungen auch zur Bildung von Antikörpern angeregt. Während aber bei anderen Impfungen Bestandteile des Erregers direkt verabreicht werden, wird mit mRNA-Impfungen nur der Bauplan verabreicht, sodass die menschlichen Zellen die Erreger(-bestandteile) selbst produzieren. Die mRNA, die über den Impfstoff verabreicht wurde, wird nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut. Sie wird nicht in DNS eingebaut und hat keinen Einfluss auf die menschliche Erbinformation.

AstraZenecas und Johnsons & Johnsons Vakzin ist ein Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus durch den Einbau des „Spike-Proteins“ des Coronavirus genetisch verändert wird. Im Fall von AstraZeneca handelt es sich um ein Virus, das normalerweise Schimpansen befällt. Die Grundlage des Vakzins von Janssen bildet indes ein harmloses, menschliches Adenovirus.

Mit dem „Spike-Protein“, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das „Spike-Protein“ und damit gegen SARS-CoV-2 bilden. Das Vektorvirus ist nicht vermehrungsfähig und kann auch die Virus-DNS nicht in die menschliche Erbinformation einbauen.

Der Novavax-Impfstoff ist weder ein mRNA-Impfstoff wie von Biontech und Pfizer sowie Moderna noch ein Vektorimpfstoff wie von AstraZeneca und Janssen. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor gentechnisch hergestellten Version des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 bestehen. Dadurch soll wie auch bei den bisherigen Impfstoffen das Immunsystem auf eine mögliche Infektion vorbereitet werden. Der Körper soll die Proteine als fremd erkennen und damit das Immunsystem hochfahren. Es werden spezifische Antikörper und T-Zellen gebildet.

Beim Valneva-Impfstoff handelt es sich um einen Ganzvirusimpfstoff: Es wird das gesamte SARS-CoV-2-Virus genommen und abgetötet, damit es sich im Körper nicht mehr vermehren kann. Die bisherigen Impfstoffe haben sich im Vergleich immer nur auf das Stacheleiweiß an der Oberfläche des Virus konzentriert. Das ist jener Teil, mit dem der Erreger an den Körperzellen andockt.