Russische Panzer neben zwei beschädigten Autobussen in Mariupol
AP/Evgeniy Maloletka
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Moskau: Evakuierung von Mariupol erneut gescheitert

Die Bevölkerung von Städten und Dörfern in der Ukraine ist am Samstag erneut unter verstärkten Beschuss der russischen Armee genommen worden. Vor allem aus dem Süden sind heftige Kämpfe gemeldet worden, aber auch im Osten sowie aus der Umgebung der Hauptstadt Kiew. Die Evakuierungen laufen jedoch nur schleppend, jene der Hafenstadt Mariupol ist einmal mehr gescheitert.

Online seit 12. März 2022, 7.23 Uhr
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70 Prozent des Gebiets Luhansk besetzt

Ukrainischen Angaben zufolge sind mittlerweile 70 Prozent des Gebietes Luhansk im Osten des Landes von russischen Truppen besetzt. Jene Orte, die noch unter der Kontrolle Kiews stünden, seien dauerndem Beschuss ausgesetzt. Es gebe Dutzende verletzte und getötete Zivilisten. Gleichzeitig kämen keine Fluchtkorridore für Menschen aus der Region zustande.

Strom in Tschernobyl läuft teils wieder

Im ehemaligen Atomkraftwerk Tschernobyl ist es Technikern gelungen, einen Teil der Stromleitungen zu reparieren. Das berichtet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) unter Berufung auf den ukrainischen Betreiber. Die Stromversorgung für die Kühlung von Brennelementen ist am Mittwoch unterbrochen worden. Die IAEA hat aber kein Sicherheitsproblem gesehen.

Satellitenaufnahme des Kernkraftwerks von Tschernobyl.
AP/2022 Maxar Technologies

Biden: Wir müssen „Dritten Weltkrieg“ verhindern

Eine direkte militärische Konfrontation in der Ukraine zwischen dem US-Militär und den russischen Streitkräften muss nach Ansicht von Präsident Joe Biden verhindert werden, damit es nicht zu einem „Dritten Weltkrieg“ kommt. Das US-Militär und die NATO-Partner werden „jeden Zentimeter“ des Bündnisgebiets geeint und „mit voller Macht“ verteidigen, schreibt Biden auf Twitter.

„Aber wir werden in der Ukraine keinen Krieg mit Russland führen. Eine direkte Konfrontation zwischen der NATO und Russland ist der Dritte Weltkrieg – und etwas, das zu verhindern wir uns bemühen müssen.“

Mehrere Fluchtkorridore in Gebiet Sumy geplant

Die Evakuierung von Menschen aus belagerten und umkämpften Städten in der Ukraine gehen weiter. Für das Gebiet Sumy im Nordosten des Landes seien sechs Fluchtkorridore geplant, teilt der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy mit. Demzufolge sollen Zivilisten aus den Städten Sumy, Trostjanez, Lebedin, Konotop, Krasnopillja und Welyka Pyssariwka in die zentralukrainische Stadt Poltawa gebracht werden.

Insgesamt laufen die Evakuierungen schleppend. Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer sitzen in von russischen Truppen eingekesselten oder umkämpften Städten fest.

Kasparow für Technikblockade als Sanktion gegen Russland

Der frühere Schachweltmeister und Kreml-Kritiker Garri Kasparow hält einen möglichen Stopp westlicher Technik für Russlands Erdgas- und Ölindustrie für die wirksamste Sanktion gegen die russische Regierung. „Das Ölembargo selbst ist natürlich wichtig, aber das Entscheidende ist jetzt die technologische Blockade“, sagt Kasparow der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag-Ausgabe).

Der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow.
APA/AFP/Getty Images/Mark Wilson

Die russische Öl- und Gasindustrie könne ohne westliche Technologien nicht arbeiten. „Bei jeder Sanktionsmaßnahme ist es wichtig, dass es keine Schlupflöcher, keine Schwachstellen, keine Umgehungsmöglichkeiten gibt“, sagt Kasparow.

Weitere Jacht von Oligarchen in Italien festgesetzt

Italienische Behörden haben eine weitere Megajacht festgesetzt, die einem russischen Milliardär zugerechnet wird. Das auf einen Wert von rund 530 Millionen Euro geschätzte Schiff mit dem Namen „Sailing Yacht A“ liegt im Hafen von Triest.

Die „Sailing Yacht A“ im Hafen von Triest, Italien.
APA/AFP/Jure Makovec

Die von der deutschen Werft Nobiskrug gebaute Jacht wird dem russischen Kohlemilliardär Andrej Melnitschenko zugerechnet, der nach Russlands Invasion in die Ukraine auf eine EU-Sanktionsliste gekommen ist.

Gasprom: Gas fließt weiter in hohem Umfang nach Europa

Ungeachtet westlicher Sanktionen und russischer Drohungen eines Lieferstopps fließt weiterhin Gas in hohem Umfang durch das Transitland Ukraine nach Europa. Heute werde erneut die vertraglich vereinbarte Menge von 109,5 Millionen Kubikmetern durch die Röhren gepumpt, sagt der Sprecher des staatlichen Energiekonzerns Gasprom, Sergej Kuprijanow. Laut Vertrag liefert Gasprom jährlich 40 Milliarden Kubikmeter Gas.

Russische Truppen haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau bisher 3.491 Einrichtungen der militärischen Infrastruktur der Ukraine zerstört. Die Truppen würden „die Offensive in der Ukraine auf breiter Front fortsetzen“, zitieren russische Nachrichtenagenturen Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow.

Russische Raumfahrtbehörde warnt vor Absturz der ISS

Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, hat den Westen vor einem Absturz der Internationalen Raumstation (ISS) gewarnt. Rogosin schreibt auf Telegram, die gegen Russland verhängten Sanktionen beeinträchtigten den Betrieb der russischen Raumschiffe, die die ISS versorgen. Das betreffe vor allem den russischen Teil der Station, der für Kurskorrekturen zuständig ist.

Internationale Raumstation (ISS)
AP/NASA

Als Folge könne die 500 Tonnen schwere Konstruktion auf die Erde stürzen und „ins Meer oder auf Land fallen“. Der Behördenchef bezeichnet die Länder, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben, als „verrückt“ und fordert eine Aufhebung der Strafmaßnahmen.

Christian Wehrschütz aus der Ukraine

ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz erläutert die Situation in Kiew, aus der es Meldungen über Kämpfe und Beschuss in der Stadt gibt, die ukrainische Regierung spricht von einem Belagerungszustand.

Moskau warnt EU vor steigenden Energiepreisen

Die EU müsse sich aufgrund der Sanktionen auf steigende Energiepreisen vorbereiten, zitiert die russische Agentur Interfax einen Beamten des russischen Außenministeriums. Nikolai Kobrinez sagt, Russland sei ein verlässlicher Energielieferant, sei aber zu einer harten Konfrontation in diesem Sektor bereit, wenn es nötig sei. Er nannte keine Einzelheiten darüber, was diese Konfrontation beinhalten könnte.

Die Situation auf dem globalen Energiemarkt werde dazu führen, dass die EU mindestens das Dreifache für Öl, Gas und Strom zahlen müsse, so Kobrinez weiter. „Ich glaube nicht, dass die Europäische Union davon profitieren würde – wir haben eine dauerhaftere Versorgung und stärkere Nerven“, so der Beamte gegenüber Interfax.

Fast 1,6 Millionen nach Polen geflüchtet

Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes haben sich bereits fast 1,6 Millionen Menschen aus der Ukraine in Polen in Sicherheit gebracht. Seit Mitternacht seien 17.700 Menschen aus dem Nachbarland eingetroffen, berichtet die Behörde. Der Anstieg geht leicht zurück: Am Vortag sei die Zahl der Einreisenden um 12,5 Prozent gefallen, so die Behörde weiter.

Ukrainische Flüchtlinge in Polen.
AP/Markus Schreiber

Kiew: Mehr als ein Dutzend Fluchtkorridore geplant

Neben Fluchtkorridoren aus der Region Sumy plant die Ukraine zahlreiche weitere derartige Korridore. Aus Saporischschja habe sich erneut ein Konvoi mit Hilfsgütern und Bussen auf den Weg in die belagerte Hafenstadt Mariupol gemacht, so Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk. Bisher sind die vereinbarten Korridore nie zustande gekommen. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern.

Laut Wereschtschuk soll es auch Korridore für mehrere Orte nordwestlich von Kiew geben, unter anderem Hostomel, Makariw und Borodjanka.

Agentur: Luftwaffenstützpunkt bei Kiew zerstört

In der Nähe von Kiew ist einem Medienbericht zufolge ein ukrainischer Luftwaffenstützpunkt durch russischen Raketenbeschuss zerstört worden. Auch ein Munitionslager in Wassylkiw sei getroffen worden, zitiert der ukrainische Ableger der russischen Nachrichtenagentur Interfax die Bürgermeisterin des Orts.

Schüsse und Explosionen in der Früh in Kiew

Bereits in der Früh waren Schüsse in der ukrainischen Hauptstadt zu hören.

Ukraine wirft Russland Angriff auf Moschee in Mariupol vor

Die russische Armee hat in der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol nach ukrainischen Angaben eine Moschee angegriffen, in der sich mehr als 80 Zivilisten aufgehalten haben. Unter den mehr als 80 Erwachsenen und Kindern, die in der Moschee Schutz gesucht hätten, seien auch türkische Staatsbürger gewesen, so das ukrainische Außenministerium. Die Moschee sei von den „russischen Invasoren bombardiert“ worden, so das Ministerium.

Kiew rechnet nicht mit Beteiligung belarussischer Truppen

Die Ukraine stellt sich auf eine neue Welle von Angriffen auf Kiew, Charkiw und Donbass-Gebiete ein, wie ein Berater des ukrainischen Präsidialstabschefs mitteilt. Die Ukraine gehe aber nicht davon aus, dass sich Belarus den russischen Invasionsstreitkräften anschließen werde.

Worte gegen den Krieg

Mit einer Benefizlesung hat das Wiener Volkstheater dem russischen Angriff auf die Ukraine Literatur entgegengesetzt. Die Texte kamen von ukrainischen und russischen Autoren und von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek – mehr dazu in wien.ORF.at.

Russland sieht keine US-Gesprächsbereitschaft

Russland sei zur Wiederaufnahme von Gesprächen über Waffenkontrollen mit den USA bereit, wenn die US-Regierung darauf vorbereitet sei, zitiert die russische Nachrichtenagentur RIA den stellvertretenden Außenminister Sergej Rjabkow. Russland und die USA stünden in ständigem Kontakt. Doch aus Sicht des Kremls seien keine Zeichen erkennbar, dass die US-Regierung einen Dialog über die Ukraine fortsetzen wolle.

Russlands stellvertretender Außenminister, Sergej Rjabkow.
APA/AFP/Eloi Rouyer

Die russischen Vorschläge zu Sicherheitsgarantien, die den USA und der NATO vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine übermittelt worden sind, seien wegen der völlig veränderten Lage nicht mehr gültig, so die russische Agentur TASS unter Berufung auf das Außenministerium in Moskau.

GB: Russische Bodentruppen 25 Kilometer vor Kiew

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums werden die Kämpfe nordwestlich von Kiew fortgesetzt, wobei sich der Großteil der russischen Bodentruppen nun etwa 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt befindet, wie die US-Agentur AP berichtet.

In einem täglichen Geheimdienstbericht heißt es, Teile der großen russischen Militärkolonne nördlich von Kiew hätten sich zerstreut. Das dürfte einen russischen Versuch unterstützen, die ukrainische Hauptstadt einzukesseln, heißt es weiter. Dem Bericht zufolge könnte es sich aber auch um einen Versuch handeln, ukrainischen Gegenangriffen weniger ausgeliefert zu sein. Neben Kiew seien auch die Städte Charkiw, Tschernihiw, Sumy und Mariupol weiterhin eingekesselt und stünden unter schwerem russischen Beschuss.

Angriffe erschweren Evakuierung und Hilfe

Russische Luftangriffe und Kampfhandlungen erschweren nach Angaben des Gouverneurs der Region Kiew Versuche, Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Der Gouverneur der Region Donezk erklärt, es sei schwierig, unter ständigem Beschuss humanitäre Hilfe in Mariupol zu leisten. Die ukrainische Armee habe sich aus der Stadt Wolnowacha zurückgezogen.

Menschen fliehen aus Irpin.
Reuters/Serhii Nuzhnenko

Ukraine: 79 Kinder getötet, über 100 verletzt

Nach Angaben Kiews sind seit dem russischen Angriff mindestens 79 Kinder getötet und mehr als 100 verletzt worden. „Diese Zahlen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da keine Möglichkeit besteht, die Orte des Beschusses zu inspizieren, an denen russische Streitkräfte aktive Feindseligkeiten durchführen“, so die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen nicht.

In den ersten 16 Tagen des Kriegs seien landesweit mehr als 280 Lehranstalten beschädigt, davon allein 110 im ostukrainischen Gebiet Donezk, und neun vollständig zerstört worden, heißt es weiter. „Infolgedessen wurden sieben Millionen Kinder aufgrund aktiver Feindseligkeiten und der vorsätzlichen Zerstörung dieser Einrichtungen der Möglichkeit beraubt zu lernen.“

Zerstörte Schule in Tschernihiw, Ukraine.
APA/AFP

Israel: Haben Kiew nicht zum Einlenken geraten

Vertreter der Ukraine und Israels widersprechen israelischen Medienberichten, nach denen Israels Regierungschef Naftali Bennett die Ukraine zum Einlenken gegenüber Russland gedrängt haben soll. Israel empfehle der Ukraine nicht, Forderungen der Russischen Föderation zuzustimmen, so der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak auf Twitter.

Ein hochrangiger Vertreter Israels bezeichnet Darstellungen unter anderem der „Jerusalem Post“ als falsch. Bennett habe dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski zu keinem Zeitpunkt geraten, einen Deal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin anzunehmen.

Spitäler in südukrainischer Stadt Mykolajiw beschossen

Die russische Armee hat bei Angriffen auf die Hafenstadt Mykolajiw in der Südukraine auch Krankenhäuser beschossen. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtet, ist die Stadt nahe Odessa in der Nacht ununterbrochen beschossen worden. Unter anderem sollen eine Tagesklinik für Krebspatienten und eine Augenklinik getroffen worden sein.

In dem Krebszentrum waren während des Angriffs weder Patienten noch Angestellte. In der Augenklinik haben sich Patienten im Keller in Sicherheit gebracht, so die Klinikleiterin.

Kiew meldet Luftangriffe auf Ziele in der Westukraine

Die russische Luftwaffe hat nach Angaben aus Kiew auch Ziele in der Westukraine angegriffen. Mindestens sechs Langstreckenbomber des Typs Tupolew Tu-95 hätten Luft-Boden-Raketen gegen Ziele in Luzk und Iwano-Frankiwsk eingesetzt. Das russische Militär hat den Beschuss der militärischen Ziele nahe den beiden Orten gestern gemeldet.

Neuen Medienberichten zufolge ist in Luzk eine Fabrik zur Reparatur von Triebwerken von Kampfflugzeugen getroffen worden. Auch die zentralukrainische Stadt Dnipro sei angegriffen worden.

Gespäch zwischen Putin, Scholz und Macron läuft

Momentan ist offenbar ein neues Gespräch zwischen dem französischen Präsidentin Emmanuel Macron, Deutschlands Kanzler Olaf Scholz und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Gange. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP, die sich auf den Elysee-Palast beruft.

Belarus dementiert Pläne, sich Invasion anzuschließen

Belarus hat keine Pläne, sich an der russischen Invasion in der Ukraine zu beteiligen, schickt aber fünf taktische Bataillonsgruppen an seine Grenze, um die bereits dort stationierten Truppen zu ersetzen, so Generalstabschef Viktor Gulewitsch.

„Ich möchte betonen, dass die Verlegung von Truppen in keiner Weise mit der Vorbereitung und vor allem nicht mit der Teilnahme belarussischer Soldaten an der speziellen Militäroperation auf dem Territorium der Ukraine verbunden ist“, so Gulewitsch.

Italien hat seit Beginn des Ukraine-Kriegs Vermögenswerte russischer Staatsbürger im Wert von 700 Millionen Euro konfisziert. Wirtschaftsminister Daniele Franco gratuliert der Finanzpolizei zu den Konfiszierungen.

Russland droht mit Angriff auf Waffenlieferungen

Russland hat mit Angriffen auf westliche Waffenlieferungen in der Ukraine gedroht. Moskau habe die USA gewarnt, dass das „orchestrierte Hereinpumpen von Waffen durch eine Reihe von Staaten nicht nur ein gefährlicher Schritt ist, sondern diese Konvois auch zu legitimen Zielen“ für Angriffe der Armee mache, sagt der stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow.

Norwegen: Werden durch Krieg nicht reicher

Die norwegische Regierung hat der Annahme widersprochen, dass ihr Land im Zuge des Ukraine-Krieges und durch die hohen Gaspreise in Europa noch reicher werde. „Ja, wir bekommen höhere Öleinnahmen, aber der Ölfonds hat mehr verloren, als die Einnahmen zugenommen haben“, zitiert „Aftenposten“ Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum.

Der Minister verweist darauf, dass der norwegische Pensionsfonds Ausland – auch Ölfonds genannt – seit dem Jahreswechsel um eine Billion Kronen (rund 102 Milliarden Euro) geschrumpft sei. Krieg und unruhige Märkte könnten zudem zu noch größeren Verlusten führen. Krieg diene der norwegischen Wirtschaft nicht, so Vedum.

Selenski: Russland erleidet schwerste Verluste

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski sagt, dass Russland weitere Streitkräfte ins Land bringt. Moskau habe die schwersten Verluste seit Jahrzehnten erlitten, so Selenski weiter.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski.
AP/Ukrainian Presidential Press Office

In einer Videobotschaft appelliert er an Russland, vereinbarte Waffenruhen einzuhalten, um die Evakuierung der Hafenstadt Mariupol zu ermöglichen. Selenski berichtet auch von einem Gespräch mit Deutschlands Kanzler Scholz und Frankreichs Präsident Macron, in dem er die Länder gebeten hat, Druck auf Moskau auszuüben, was die Freilassung des entführten Bürgermeisters von Melitopol anbelangt.

Aeroflot-Vize kündigt und verlässt Russland

Der Vizechef der größten russischen Fluglinie Aeroflot, Andrej Panow, verkündet seinen Ausstieg aus dem Unternehmen und deutet einen Zusammenhang zum Ukraine-Krieg an. „Wir sind aus Russland ausgereist. Ich habe Aeroflot verlassen. Das alte Leben ist beendet“, so Panow bei Facebook. Er war seit 2018 als stellvertretender Generaldirektor für Strategie, Service und Marketing des Staatsunternehmens zuständig.

Flugzeuge der Fluglinie Aeroflot
APA/AFP/Kirill Kudryavtsev

Aeroflot-Vorstandschef Michail Polubojarinow ist zuvor persönlich von der EU mit Sanktionen belegt worden. Über das Schicksal von Panows bisherigem Vorgesetzten Polubojarinow gibt es unterschiedliche Angaben. Die Wirtschaftszeitung „RBK“ berichtet, der Aeroflot-Chef sei zurückgetreten. Das ist der Agentur Interfax in Luftfahrtkreisen bestätigt worden. Spekuliert wird, ob er Vizechef der russischen Post werden könnte.

Vatikan fordert „Ende des Massakers“

Der Vatikan fordet neuerlich ein Ende des Krieges in der Ukraine. „Krieg ist ein Wahnsinn, er muss beendet werden“, so Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. „Wir müssen ein Herz aus Stein haben, um teilnahmslos zu bleiben und zuzulassen, dass diese Verwüstung weitergeht, dass weiterhin Flüsse von Blut und Tränen fließen“, so der vatikanische Staatssekretär.

Ukraine: Separatisten erobern Stadtteile von Mariupol

Die prorussischen Separatisten setzen mit Unterstützung russischer Truppen ihren Vormarsch in der eingeschlossenen ukrainischen Hafenstadt Mariupol nach Angaben aus Kiew fort. Es sind östlich gelegene Randbezirke erobert worden, so das ukrainische Militär.

Zuvor hat das russische Verteidigungsministerium bereits die Einnahme mehrerer Stadtteile gemeldet. Mariupol am Asowschen Meer mit 400.000 Einwohnern wird seit Tagen belagert. Die humanitäre Lage spitzt sich dramatisch zu.

Die umkämpfte Kleinstadt Isjum im Gebiet Charkiw an der Grenze zum Donezker Gebiet soll laut ukrainischen Angaben bereits etwa zur Hälfte unter russischer Kontrolle stehen.

Premier League disqualifiziert Abramowitsch

Die englische Premier League disqualifziert den Eigentümer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch, als Direktor des englischen Spitzenclubs. Das teilt die Liga in einer Erklärung mit.

„Nach der Verhängung von Sanktionen durch die britische Regierung hat der Vorstand der Premier League Roman Abramovich als Direktor des Chelsea Football Club disqualifiziert“, so die Premier League.

Roman Abramovich
AP/Martin Meissner

„Die Entscheidung des Vorstands hat keine Auswirkungen auf die Fähigkeit des Vereins, zu trainieren und seine Spiele zu bestreiten, wie es in den Bedingungen einer von der Regierung ausgestellten Lizenz festgelegt ist, die am 31. Mai 2022 ausläuft.“ Abramowitsch hat letzte Woche angekündigt, den Londoner Club zu verkaufen, doch dieser Verkauf ist nun auf Eis gelegt, da Chelsea mit einer Sonderlizenz der Regierung arbeitet.

Russische Experten bei AKW Saporischschja angekommen

In dem von russischen Truppen besetzten ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja sind nach Angaben aus Kiew Fachleute aus Russland eingetroffen. Elf Beschäftigte des russischen Staatskonzerns Rosatom haben das AKW im Südosten der Ukraine erreicht, darunter seien zwei Ingenieure, so das staatliche Unternehmen Energoatom.

Laut Vertreter einer selbst ernannten militärisch-zivilen Verwaltung soll die Gruppe die Sicherheit der Anlage bewerten und auch für Reparaturarbeiten zuständig sein. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) funktioniert inzwischen die automatische Übertragung von Daten an die IAEA in Wien nach einer Unterbrechung wieder.

UNO dokumentiert Tod von 579 Zivilisten

Das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) hat seit dem Einmarsch russischer Truppen am 24. Februar den Tod von 579 Zivilpersonen in der Ukraine aufgezeichnet. Unter ihnen sind 42 Kinder und Jugendliche. Am Vortag waren es insgesamt 564. Dem Büro lagen zudem verifizierte Informationen über 1.002 Verletzte vor.

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, betont stets, dass die tatsächlichen Zahlen mit Sicherheit deutlich höher liegen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchten oft Tage, um Opferzahlen zu überprüfen.

UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte, Michelle Bachelet
AP/Sophie Garcia

„Die meisten Opfer unter der Zivilbevölkerung wurden durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite verursacht, darunter durch den Beschuss mit schwerer Artillerie und mit Raketenwerfern sowie durch Raketen- und Luftangriffe“, so das UNHCHR.

Scholz und Macron fordern Putin zu Waffenstillstand auf

Der deutsche Kanzler Scholz und der französische Präsident Macron rufen den russischen Präsidenten Putin zu einem sofortigen Waffenstillstand auf.

Außerdem drängen Scholz und Macron auf einen Einstieg in eine diplomatische Lösung des Konflikts, so der deutsche Regierungssprecher Steffen Hebestreit nach einem Telefonat von Scholz und Macron mit Putin. Aus dem Kreml heißt es, dass Putin Scholz und Macron über die Gespräche mit Kiew informiert habe.

Österreich schickt Züge zum Transport von Flüchtlingen

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) kündigt im Rahmen ihrer zweitägigen Reise nach Polen Hilfe beim Transport von Flüchtlingen an. Österreich werde „schon in den nächsten Tagen Züge an die polnisch-ukrainische Grenze schicken. Damit helfen wir, die ukrainischen Geflüchteten sicher aus den Krisengebieten zu bringen und entlasten gleichzeitig die polnischen Flüchtlingslager vor Ort“, so Gewessler an der polnisch-ukrainischen Grenze.

Wehrschütz zur Situation in Kiew

ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz erläutert die Situation in Kiew, aus der es Meldungen über Kämpfe und Beschuss in der Stadt gibt, die ukrainische Regierung spricht von einem Belagerungszustand. Können die angekündigten Fluchtkorridore in Kiew funktionieren?

Ukraine schafft Treibstoffsteuer ab

Zur Stützung der heimischen Wirtschaft schafft die Ukraine die Steuern auf Diesel und Benzin ab. „Das wird nicht nur im Zusammenhang mit der Aussaat gemacht, die wie immer sehr schnell, unverzüglich begonnen werden muss“, so Präsident Selenski. Der Schritt solle zudem dafür sorgen, dass es keinen Treibstoffmangel gebe und die Preise stabil blieben. Das betreffe sowohl die Mineralölsteuer als auch die Mehrwertsteuer.

Selenski: Rund 1.300 ukrainische Soldaten getötet

Der ukrainische Präsident Selenski berichtet bei einer Pressekonferenz in Kiew von bisher 1.300 getöteten ukrainischen Soldaten. Die Zahl lässt sich nicht unabhängig verifizieren.

Selenski sagt auch, dass bei den Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine mittlerweile konkrete Themen auf der Agenda stehen und nicht mehr nur gegenseitig Ultimaten gestellt werden.

Putin: „Eklatante Verstöße“ gegen humanitäres Völkerrecht

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht „eklatante Verstöße“ der ukrainischen Armee gegen das humanitäre Völkerrecht. In einem Telefonat mit Scholz und Macron hat er über „die wahre Sachlage“ in der Ukraine informiert, so der Kreml. Putin wirft der ukrainischen Armee „außergerichtliche Hinrichtungen von Dissidenten“, „Geiselnahmen und die Nutzung von Zivilisten als Schutzschilde“ vor.

Berichte über „Pseudoreferendum“ in Cherson

Russische Streitkräfte planen Berichten zufolge ein „Pseudoreferendum“ in der ukrainischen Stadt Cherson, die von Russland besetzt ist. Der stellvertretende Vorsitzende des Gemeinderats von Cherson sagt der Nachrichtenagentur Reuters, er wolle eine eigene Republik gründen.

Hilfskonvoi nach Mariupol unterwegs

Die ukrainischen Behörden starten einen neuen Versuch, die Bevölkerung der belagerten Hafenstadt Mariupol mit humanitären Hilfslieferungen zu versorgen. Ein von orthodoxen Priestern begleiteter Konvoi aus mindestens einem Dutzend Bussen ist vom mehr als 200 Kilometer entfernten Saporischschja in Richtung Mariupol unterwegs, wie Mariupols Vizebürgermeister Serhij Orlow der Nachrichtenagentur AFP sagt.

Flüchtlinge: Tschechien bittet EU offiziell um Hilfe

Tschechien bittet wegen der vielen ankommenden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine offiziell die EU um Hilfe. Man habe im Rahmen des EU-Zivilschutz-Mechanismus Wohncontainer für die Unterbringung von bis zu 50.000 Menschen angefragt, teilte Feuerwehrsprecherin Pavla Jakoubkova mit. „Jeder frei werdende Platz ist sofort belegt.“ Es drohe, dass man Neuankömmlingen demnächst nur noch eine Notunterkunft in Turnhallen oder Zeltlagern anbieten könne. Bisher sind die meisten in Wohnungen und Hotels untergebracht worden.

Freiwillige Helfer spielen mit Ukrainischen Flüchtlingskindern in Prag
APA/AFP/Michal Cizek

Fitch erwartet Zahlungsausfall von Gasprom

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von 28 russischen Rohstoffkonzernen herabgestuft und hält einen „Zahlungsausfall jeglicher Art für wahrscheinlich“. Fitch stuft nun den Gasriesen Gasprom, den Ölkonzern Lukoil, die Bergbauunternehmen Rusal, Polyus, Evraz und 23 weitere Unternehmen von B auf „hauptsächlich CC“ herab, was bedeutet, dass es „wahrscheinlich“ ist, dass diese Unternehmen ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen.

Protest für Freilassung von Bürgermeister

In der ukrainischen Stadt Melitopol protestieren rund 2.000 Menschen gegen die Entführung des Bürgermeisters der Stadt, Iwan Fediriw.

Nach ukrainischen Angaben haben russische Soldaten Fediriw beim Besuch eines Krisenzentrums in der Stadt verschleppt. Melitopol liegt im Süden der Ukraine auf halber Strecke zwischen Mariupol und Cherson.

Selenski will mit Putin in Jerusalem verhandeln

Der ukrainische Präsident schlägt Jerusalem als möglichen Ort für Verhandlungen über ein Kriegsende mit Putin vor. „Heute ist es nicht konstruktiv, sich in Russland, in der Ukraine oder in Belarus zu treffen. Das sind nicht die Orte, an denen wir ein Verständnis für die Beendigung des Krieges finden können“, sagt Selenski vor Journalisten. „Ob ich finde, dass Israel so ein Land sein kann und dabei besonders Jerusalem? Ich finde ja.“

Sowohl Selenski als auch Putin hatten zuletzt wiederholt mit dem israelischen Regierungschef Naftali Bennett telefoniert, der vor einer Woche den Kreml-Chef persönlich in Moskau getroffen hatte.

Papst: „In Gottes Namen, hört auf!“

Papst Franziskus fordert erneut das Ende des Krieges und weist auf das Leid der Kinder hin. In einem Tweet schreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Nie wieder Krieg! Denkt vor allem an die Kinder, an diejenigen, denen die Hoffnung auf ein würdevolles Leben genommen wird: tote oder verletzte Kinder, Waisen; Kinder, die als Spielzeug Kriegsreste haben … In Gottes Namen, hört auf!“

Appell an österreichische Firmen in Russland

Der ukrainische Botschafter in Wien, Vasil Chymynez, fordert österreichische Unternehmen mit Russland-Aktivitäten auf, ihr Engagement auf dem russischen Markt zu beenden. „Diese Tätigkeit ist eine eindeutige Unterstützung des Putin-Regimes und sie unterstützt auch die brutale Weiterführung des Kriegs gegen die Ukraine“, sagt er am Rande einer Wiener Solidaritätskundgebung im Gespräch mit der APA. Konkrete Firmen hat er dabei keine genannt.

Lobende Worte hat Chymynez für das „sehr, sehr große humanitäre Engagement“ der österreichischen Bevölkerung gefunden.

Der ukrainische Botschafter Wassyl Chymynez spricht bei einer Demonstration in Wien
APA/Tobias Steinmaurer

Deutschland nimmt 2.500 Flüchtlinge aus Moldawien auf

Die deutsche Regierung will ukrainische Geflüchtete aus Moldawien direkt nach Deutschland bringen. In einem ersten Schritt werde Deutschland 2.500 Geflüchtete aufnehmen, die in der kleinen Republik Moldau Schutz gesucht haben, sagt die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei einem Besuch in der Hauptstadt Chisinau. „Es ist klar, dass dies nur ein Anfang sein kann.“

Baerbock spricht sich für die Errichtung einer internationalen Luftbrücke aus, um Geflüchtete aus den Nachbarländern der Ukraine auszufliegen.

Protest gegen Lkw-Verkehr an polnischer Grenze zu Belarus

Eine Gruppe von Demonstrierenden hat am polnischen Grenzübergang Koroszczyn die Weiterfahrt von Lastwagen mit russischen und belarussischen Nummernschildern nach Belarus blockiert. Wie der Nachrichtensender TVN24 berichtet, hat sich ein Stau von etwa zehn Kilometern Länge gebildet. Die Teilnehmer des Protests haben teilweise ukrainische Flaggen getragen. „Der Krieg interessiert uns nicht, wir wollen einfach weiter“, so einer der betroffenen Fernfahrer.

Auch vor der Warschauer Regierungskanzlei fordert eine Gruppe von Demonstranten die Schließung der Grenzen für Lastwagen aus Russland und Belarus.

Selenski berichtet von Fortschritten bei Verhandlungen

Russland verfolgt nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski bei den Gesprächen über eine Beendigung des Krieges mittlerweile einen „grundlegend anderen Ansatz“. Zunächst hätten die Vertreter Moskaus nur „Ultimaten gestellt“, sagt Selenski bei einer Pressekonferenz. Mittlerweile habe man „angefangen zu reden“. Er sei „froh“, ein „Signal aus Russland erhalten“ zu haben.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Freitag gesagt: „Da sind gewisse positive Veränderungen, haben mir unsere Unterhändler berichtet.“ Die Verhandlungen würden „nun auf fast täglicher Basis geführt“.

Delegationen aus Kiew und Moskau sind in den vergangenen zwei Wochen dreimal persönlich zu Gesprächen in Belarus zusammengekommen. Im Mittelpunkt dieser Verhandlungen ist die Schaffung von Fluchtkorridoren für Zivilisten gestanden. Diese Verhandlungen würden per Videoschaltung fortgesetzt, so der Kreml.

Moskauer Börse bleibt erneut geschlossen

Wegen der beispiellosen Sanktionen gegen Russland bleibt die Moskauer Börse auch die dritte Woche in Folge geschlossen. Vom 14. bis 18. März werde es keinen Aktienhandel geben. Das teilt der wichtigste russische Handelsplatz der Agentur TASS zufolge mit.

Biden bewilligt weitere 200 Mio. Dollar Militärhilfe

US-Präsident Joe Biden ordnet die Freigabe von Waffenlieferungen und Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von 200 Millionen Dollar (182 Mio. Euro) an. Biden hat erst vor zwei Wochen – unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs – Soforthilfen über 350 Millionen Dollar für die ukrainischen Streitkräfte bewilligt. Dem US-Verteidigungsministerium zufolge sind die damit bereitgestellten Waffen, darunter moderne Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ Javelin, inzwischen bereits an die Ukraine geliefert worden.

Rund 300 Menschen bei Demo in Wien

Etwa 300 Personen und somit deutlich weniger als in den vergangenen Wochen haben heute am Wiener Platz der Menschenrechte aus Solidarität mit der Ukraine demonstriert. Neben Aktivisten sowie dem Botschafter der Ukraine in Wien haben sich auch Vertreter der österreichischen Parlamentsparteien an die Versammelten gewandt. Insbesondere haben sie dabei auch von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Russland und vom Verbot russischer Propagandasender in der EU gesprochen.

Menschen bei einer Demonstration „Gegen Putins Krieg in der Ukraine“ in Wien
APA/Tobias Steinmaurer

Israel dementiert Forderungen nach Kapitulation der Ukraine

Israel hat Behauptungen eines ukrainischen Regierungsvertreters zurückgewiesen, wonach Ministerpräsident Naftali Bennett Kiew dazu gedrängt haben soll, Moskaus Bedingungen für eine Beendigung des Angriffs auf die Ukraine zu akzeptieren. Eine Sprecherin des israelischen Regierungschefs bezeichnet einen entsprechenden Bericht als „schlichtweg falsch“.

„Zu keinem Zeitpunkt“ habe Bennett dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski geraten, einem entsprechenden Abkommen mit Kreml-Chef Wladimir Putin zuzustimmen.

ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz hält sich derzeit in Bila Zerkwa südlich von Kiew auf. Er hat heute die Evakuierungsversuche rund um die Hauptstadt beobachtet.

Bemühungen um Fluchtkorridore

Neben anderen ukrainischen Städten wird Mariupol seit Tagen belagert. Tausenden Menschen soll es an Essen, Wasser und Medikamenten fehlen. Erneut soll ein Konvoi mit Hilfsgütern und Bussen zur Evakuierung in die Stadt aufgebrochen sein. Ob der fünfte Versuch eines Fluchtkorridors gelingen würde, blieb zunächst unklar.

Kiew: Sieben Tote bei Angriff auf Fluchtkorridor

Bei einem russischen Angriff auf Frauen und Kinder in einem Fluchtkorridor nahe Kiew sind nach ukrainischen Angaben sieben Menschen getötet worden. Unter den Opfern sei ein Kind, erklärt der ukrainische Militärgeheimdienst auf Facebook. Der Angriff auf den zwischen den Kriegsparteien vereinbarten „grünen“ Korridor aus dem Dorf Peremoga habe sich schon gestern ereignet.

Moskau: Evakuierung von Mariupol erneut gescheitert

In der von der russischen Armee belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine ist nach russischen Angaben ein neuer Anlauf zur Evakuierung von Zivilisten gescheitert. 50 Busse hätten wegen Beschusses nicht abfahren können, sagt Generaloberst Michail Misinzew aus dem Verteidigungsministerium in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Mehrere orthodoxe Geistliche hätten sich bereiterklärt, die Bewohner beim Verlassen der belagerten Stadt zu begleiten.

Russland hat ukrainische „Nationalisten“ beschuldigt. Das ließ sich nicht überprüfen. Das ukrainische Innenministerium hat mitgeteilt, Grenzschutzbeamte hätten 15 russische Soldaten bei einem Angriff auf Mariupol getötet.

Anders als in Mariupol sind durch andere Korridore Evakuierungen zustande gekommen. Aus dem Gebiet Sumy mit den Städten Sumy, Lebedyn, Konotop, Trostjanez und mehreren Dörfern sind laut Angaben der Regionalverwaltung mehr als 10.000 Menschen über den „Grünen Korridor“ mit Bussen und Privatautos in Sicherheit gebracht worden.

Laut ukrainischem Innenministerium sind auch rund 200 Menschen aus der Kleinstadt Wuhledar im Donezker Gebiet evakuiert worden und aus den nordwestlichen Vororten von Kiew mindestens 60 Kleinbusse mit Menschen an Bord. Der Kiewer Gebietsverwaltung zufolge sind es rund 4.000 Menschen gewesen.

Satellitenbilder zeigen Zerstörungen in Mariupol

Dem US-Anbieter Maxar Technologies zufolge zeigen Satellitenbilder gravierende Schäden an ziviler Infrastruktur und Wohngebäuden in Mariupol. Dutzende Hochhäuser seien schwer beschädigt worden und es habe Brände gegeben, so Maxar.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat zuvor gesagt, Mariupol sei von russischen Streitkräften belagert worden, stehe aber noch unter ukrainischer Kontrolle.

Zerstörte Gebäude in Mariupol
AP/2022 Maxar Technologies

Nach ukrainischen Angaben sind heute rund 13.000 Menschen aus mehreren Städten des Landes evakuiert worden. Das seien fast doppelt so viele wie am Vortag, erklärt die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Es sei aber niemandem gelungen, die belagerte Stadt Mariupol zu verlassen.

Kiew: Russland organisiert gefälschtes Referendum für Cherson

Russland will nach ukrainischen Angaben in der eingenommenen Großstadt Cherson ein Referendum zur Gründung einer unabhängigen „Volksrepublik“ inszenieren. Das erklärt der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter.

Da es dafür keinerlei Unterstützung in der Bevölkerung gebe, werde das Referendum komplett gefälscht werden, sagt Kuleba. Das nahe der von Russland annektierten Halbinsel Krim gelegene Cherson ist als erste Großstadt der Ukraine nach dreitägiger Belagerung Anfang März von der russischen Armee eingenommen worden. In der Hafenstadt leben 290.000 Menschen.

Selenski spricht mit Bennett

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski twittert, er habe mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett gesprochen. Dabei seien die Aussichten auf Friedensgespräche zur Beendigung des Konflikts mit Russland erörtert worden. Zudem habe er Bennett gebeten, sich für die Befreiung des Bürgermeisters der Stadt Melitopol einzusetzen. Dieser ist nach Angaben der Ukraine von russischen Streitkräften entführt worden.

Keine Klarheit über AKW Saporischschja

Es gibt weiter Verwirrung um das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilt mit, die Ukraine habe der IAEA mitgeteilt, dass Russland vorhabe, die vollständige und dauerhafte Kontrolle über das AKW zu übernehmen. Russland habe diese Darstellung aber später zurückgewiesen.

Nach ukrainischen Angaben seien etwa 400 russische Soldaten auf dem AKW-Gelände. Die ukrainischen Behörden hätten der IAEA zudem mitgeteilt, dass sie weiter dabei seien, die beschädigten Stromkabel am AKW Tschernobyl zu reparieren.

Kernkraftwerk Saporischschja (Ukraine)
AP/Olexander Prokopenko

Ukraine korrigiert Angaben zu Beschuss auf Korridor

Die Ukraine korrigiert ihre Darstellung zum Tod von sieben Menschen. Die Frauen und Kinder aus dem Ort Peremoha seien entgegen den ursprünglichen Angaben des ukrainischen Geheimdienstes nicht in einem mit Russland vereinbarten Evakuierungskorridor gewesen, teilt das Verteidigungsministerium mit. Die Personen hätten versucht, alleine zu fliehen.

Der Geheimdienst hatte zunächst berichtet, sie seien in einem mit Russland vereinbarten „grünen Korridor“ gewesen, als sie von russischen Kräften angegriffen worden seien.

Die Liveberichterstattung endet hiermit vorerst, auf ORF.at finden Sie weiterhin die aktuellsten Entwicklungen und Nachrichten zum Ukraine-Krieg.