Freiwillige tragen einen toten Menschen in einem Leichensack zu einem Transportwagen
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Staatsanwältin: 410 Leichen bei Kiew

Nach dem Abzug der russischen Truppen aus dem Großraum Kiew sind 410 Leichen in dem Gebiet gefunden worden. Das sagte die Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa am Sonntag im ukrainischen Fernsehen. Fachleute hätten bereits 140 Tote gerichtsmedizinisch untersucht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschuldigte Russland in einem Interview indes des „Genozids“. Auch Rufe nach schärferen Sanktionen mehren sich.

Online seit 2. April 2022, 22.41 Uhr
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Papst: Vatikan hat nichts zu verbergen

In den Beziehungen zwischen Russland und dem Vatikan gibt es laut Papst Franziskus nichts zu verbergen. „Alles, was ich den Autoritäten gesagt habe, ist veröffentlicht“, sagt das katholische Kirchenoberhaupt auf dem Rückflug von Malta nach Rom vor Journalisten. Nichts sei dabei nur ihm vorbehalten gewesen, erklärt der 85-Jährige weiter. „Ich verwende dabei keine Doppelzüngigkeit.“

Russland will Sitzung des UNO-Sicherheitsrats zu Butscha

Russland will angesichts des Vorwurfs von Kriegsverbrechen im ukrainischen Butscha für Montag eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrats einberufen. Das schreibt der Vertreter Russlands bei der UNO, Dmitri Polanski, auf der Plattform Telegram. Bei der Sitzung solle über die „Provokation von ukrainischen Radikalen“ diskutiert werden.

Behörden: Sieben Tote in Charkiw

Beim Beschuss der Millionenstadt Charkiw im Osten des Landes hat es regionalen Behörden zufolge sieben Tote gegeben. Dabei sind auch mehrere Menschen verletzt worden. Der Gouverneur von Charkiw hat zuvor von „einigen“ Toten und 23 Verletzten gesprochen. Bei einem russischen Angriff auf ein Krankenhaus im östlichen Rubischne ist ein Mensch gestorben, drei weitere seien verletzt worden, teilt der Gouverneur der Region, Serhij Gajdaj, am Abend mit.

Auch in der südukrainischen Stadt Mykolajiw ist ein Mensch bei einem russischen Angriff gestorben. 14 weitere Menschen seien verletzt worden, darunter ein 15-Jähriger, teilt der Gouverneur Vitali Kim auf Telegram mit. Auch in der Schwarzmeerstadt Otschakiw habe es einen Bombenangriff gegeben, fügt er hinzu. Dort habe es ebenfalls Tote und Verletzte gegeben, die genaue Zahl sei unklar.

Ukraine: 2.694 Menschen aus umkämpften Städten geflüchtet

2.694 Menschen ist nach ukrainischen Angaben die Flucht aus umkämpften Städten gelungen. In der umkämpften und inzwischen auch schwer beschädigten Stadt Mariupol halten sich nach Schätzungen noch etwa 100.000 Einwohner auf. In den vergangenen Tagen hat es schon mehrere Versuche gegeben, Mariupol zu erreichen.

Russland wirft dem Roten Kreuz vor, die Evakuierung schlecht vorbereitet zu haben. Russland wirft zudem der Ukraine einmal mehr fehlende Kooperation bei der Evakuierung von Zivilisten aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol vor.

Knapp 2.000 Menschen hätten zwar in den vergangenen 24 Stunden selbstständig aus Mariupol flüchten können, teilt das russische Verteidigungsministerium mit. Hilfskonvois aber wären wegen ukrainischem Beschuss nicht in die Stadt am Asowschen Meer durchgekommen.

HRW: Kriegsverbrechen von Russland offenbar geduldet

Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in der Ukraine sind nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch keine Ausnahmen und werden von der russischen Armee offenbar geduldet. „Einzelfälle sind das bestimmt nicht“, sagt der Deutschland-Direktor der Organisation, Wenzel Michalski, in der ARD.

Er weist auf Tötungen, Vergewaltigungen und den Beschuss ziviler Wohnblöcke hin. „Das deutet eigentlich darauf hin, das zumindest Kriegsverbrechen geduldet werden. Vielleicht ist das nicht systematisch geplant. Allerdings: Der Beschuss ziviler Wohngegenden und die Benutzung von geächteten Waffen deuten darauf hin, dass man das in Kauf nimmt und mit als Kriegstaktik benutzt.“

Van der Bellen: „Zutiefst erschüttert“

„Zutiefst erschüttert“ von den „grauenerregenden Bildern“ in Butscha zeigt sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen alles, wofür wir stehen, werden geahndet werden“, betont der Bundespräsident am Sonntagabend auf Twitter.

Zuvor hat bereits das Wiener Außenamt eine UNO-Untersuchung gefordert. Politiker von Grünen und NEOS fordern eine schärfere Gangart gegenüber Russland.

Selenskyj: Neue Sanktionen reichen nicht aus

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagt, dass der Westen angesichts der Gräueltaten von Butscha neue Sanktionen gegen Russland verhängen werde. Diese würden aber nicht ausreichen, sagt er auch. Laut Selenskyj seien Hunderte Menschen im Großraum Kiew getötet worden, darunter Zivilisten. Russland weist das zurück.

Wehrschütz über Untersuchung von Kriegsverbrechen

Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz erklärt, warum eine internationale Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen in Butscha bei Kiew bedeutend ist: Die russische Propaganda habe es dann nämlich „viel, viel schwieriger“.

Wehrschütz (ORF) berichtet von der Front

Osteuropa-Korrespondent Christian Wehrschütz kommentiert die Kriegslage im Südosten der Ukraine.

Ukraine: Gezielte Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Ukrainische Politiker werfen den russischen Truppen gezielte Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor. Der Parlamentsabgeordnete Olexij Gontscharenko berichtet in einem auf Twitter veröffentlichten Video von nackten Frauenleichen, die unweit von Kiew am Straßenrand gefunden worden seien.

„Sie verstehen, was passiert ist“, sagte er – und deutete damit offensichtlich Vergewaltigungen an. Die Russen hätten versucht, die Leichen der Frauen zu verbrennen, sagt Gontscharenko weiter. Das lässt sich vorerst nicht überprüfen.

Im Ort Irpen unweit von Kiew seien Frauen und Mädchen erschossen worden, sagt Bürgermeister Olexander Markuschyn der Deutschen Welle. „Dann sind sie mit Panzern überfahren worden.“ Von russischer Seite gibt es noch keine Reaktion zu den Vorwürfen.

Habeck: EU-Sanktionen in ganzer Bandbreite möglich

Die angekündigten weiteren Sanktionen der EU gegen Russland werden nach den Worten des deutschen Wirtschaftsministers Robert Habeck zügig kommen. „Schnell, noch diese Woche“, sagt der Grünen-Politiker im ZDF. Das dann fünfte Sanktionspaket könne Maßnahmen umfassen „in der ganzen Bandbreite von persönlichen Sanktionen gegen weitere Menschen aus dem Putin-Regime über technische Güter; den Finanzmarkt werden wir uns auch noch einmal anschauen“.

UNO-Chef „zutiefst geschockt“ von Gräueltaten in Butscha

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres äußert sich „zutiefst geschockt“ über Gräueltaten an Bewohnern der ukrainischen Stadt Butscha. „Es ist essenziell, dass eine unabhängige Untersuchung zu effektiver Rechenschaft führt“, sagt er in New York laut Mitteilung.

Antonio Guterres
AP/Robert Bumsted

Das UNO-Menschenrechtsbüro in Genf teilt indes mit, es könne sich noch nicht zu den Ursachen und Umständen äußern. „Aber das, was bisher bekannt ist, wirft eindeutig ernsthafte und beunruhigende Fragen über mögliche Kriegsverbrechen und schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts auf“, erklärt das Büro.

UNO-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter hätten noch nicht die von den ukrainischen Behörden übermittelten Zahlen oder Informationen überprüfen können. „Wir sind höchst beunruhigt angesichts des verfügbaren Foto- und Videomaterials, darunter Aufnahmen von Toten mit hinter ihren Rücken verbundenen Händen.“

Slowakischer Minister: „Notfalls zahlen wir in Rubel“

Der slowakische Wirtschaftsminister und Vizeregierungschef Richard Sulik will notfalls lieber russische Zahlungsbedingungen für Gasimporte akzeptieren, als die eigene Wirtschaft zu schädigen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagt er: „Das Gas darf nicht abgedreht werden. Deshalb sage ich, auch wenn das manchen als zu pragmatische Position erscheinen mag: Wenn die Bedingung ist, in Rubel zu bezahlen, dann zahlen wir in Rubel.“

Die slowakische Industrie könne nicht völlig auf das russische Gas verzichten, erklärt Sulik. Die Forderung Russlands, Gasimporte in Rubel zu bezahlen, verurteilte Sulik als Verletzung bestehender Verträge.

Gouverneur: Charkiw unter Beschuss

Die ukrainische Metropole Charkiw befinde sich wieder unter Beschuss, das meldet der regionale Gouverneur. Auch Todesopfer gibt es ihm zufolge. „Leider gibt es Tote und Verletzte unter der zivilen Bevölkerung. Konkret gibt es bisher 23 Opfer, darunter Kinder.“

Scholz: Werden weitere Sanktionen beschließen

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz kündigt wegen der in Butscha aufgefundenen toten Zivilisten weitere Sanktionen an. „Wir werden im Kreis der Verbündeten in den nächsten Tagen weitere Maßnahmen beschließen“, sagt er und spricht von Kriegsverbrechen. „Putin und seine Unterstützer werden die Folgen spüren.“ Deutschland werde der Ukraine weiter Waffen liefern, damit diese sich gegen Russland verteidigen kann.

Johnson wirft Putin Kriegsverbrechen vor

Der britische Premierminister Boris Johnson verurteilt die Gräueltaten an der ukrainischen Zivilbevölkerung. „Russlands verabscheuenswürdige Angriffe auf unschuldige Zivilisten in Irpin und Butscha sind weitere Beweise dafür, dass (der russische Präsident Wladimir) Putin und seine Armee in der Ukraine Kriegsverbrechen begehen“, sagt Johnson einer Mitteilung zufolge.

Der britische Premier verspricht, „alles in meiner Macht zu tun, um Putins Kriegsmaschinerie auszuhungern“. London werde sowohl die Sanktionen gegen Moskau verschärfen als auch die Waffenlieferungen und die humanitäre Hilfe für die Ukraine erhöhen, fügt Johnson hinzu.

Ministerium: Über halbe Mio. Menschen zurückgekehrt

Mehr als 500.000 Menschen sind in die Ukraine zurückgekehrt, seit Russland das Nachbarland angegriffen hat. In der vergangenen Woche hätten 144.000 Menschen die Ukraine verlassen, 88.000 seien eingereist, teilt das ukrainische Innenministerium unter Berufung auf die nationalen Grenzbehörden mit. „Insgesamt sind rund 537.000 unserer Landsleute in die Ukraine zurückgekommen“, erklärt das Ministerium.

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) flohen seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar bis Samstag 4.176.401 Menschen aus ihrer Heimat.

Generalstaatsanwaltschaft: 410 Leichen bei Kiew entdeckt

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft, die mögliche russische Kriegsverbrechen untersucht, gibt an, dass 410 Leichen in den Vororten Kiews gefunden worden sind und dass 140 von ihnen bereits gerichtsmedizinisch untersucht worden seien. Das sagt die Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa im ukrainischen Fernsehen. Russland bestreitet, dass russische Truppen für den Tod von Zivilisten in Butscha verantwortlich sind.

Gouverneur: Russland verstärkt Angriffe auf Luhansk

Die russischen Angriffe auf die ostukrainische Region Luhansk haben nach Angaben des regionalen Gouverneurs zugenommen. Zudem verstärke Russland seine Truppen, um die gesamte Region erobern zu können, so der Gouverneur weiter.

Draghi zu Butscha: Von Massakern erschüttert

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi äußert sich erschüttert über die Berichte von Gräueltaten russischer Soldaten an Zivilisten im ukrainischen Butscha und fordert Konsequenzen für Russland. „Die Bilder der Verbrechen aus Butscha und anderen vom ukrainischen Heer befreiten Gebieten sind erschütternd“, sagt der Regierungschef in Rom in einer Mitteilung.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi
APA/AFP/Aris Oikonomou

„Die Grausamkeit der Massaker an hilflosen Zivilisten ist furchtbar und unerträglich.“ Italien verurteile entschieden „diesen Horror“ und spreche den Ukrainern seine Nähe und Solidarität aus. „Die Russen müssen sofort die Kriegshandlungen einstellen, die Gewalt gegen Zivilisten stoppen und für das Geschehene geradestehen.“

Autokorso in Berlin mit russischen Fahnen

Etwa 900 Menschen haben in Berlin an einem Autokorso mit russischen Fahnen teilgenommen. Der Umzug mit mehreren hundert Fahrzeugen ist als Veranstaltung mit dem Titel „Keine Propaganda in der Schule – Schutz für russischsprechende Leute, keine Diskriminierung“ angemeldet worden, wie die Berliner Polizei mitteilt.

Auf einem Schild ist zu lesen gewesen: „Stop hating Russians“ (Hört auf, Russen zu hassen). Viele Autos haben Fahnen in den russischen Nationalfarben Weiß-Blau-Rot mitgeführt.

Russland dementiert Massenmord an Zivilisten in Butscha

Das russische Verteidigungsministerium dementiert einem Agenturbericht zufolge einen Massenmord an Zivilisten in Butscha. Jegliches von der Ukraine veröffentlichte Bild- und Filmmaterial in diesem Zusammenhang stelle eine Provokation dar, berichtet RIA unter Berufung auf das Ministerium.

Alle russischen Einheiten hätten Butscha am 30. März verlassen, meldet Interfax. Bilder getöteter Zivilisten in Butscha sind auch von Journalisten, die sich dort befinden, geteilt worden.

Deutsche Ministerin bringt Gasstopp ins Spiel

Die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat angesichts der Hinweise auf ein russisches Massaker im Kiewer Vorort Butscha einen Stopp russischer Gaslieferungen ins Gespräch gebracht. „Es muss eine Reaktion geben. Solche Verbrechen dürfen nicht unbeantwortet bleiben“, sagt sie laut Vorabmeldung in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, die am Abend ausgestrahlt werden sollte.

Deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht
APA/AFP/Kenzo Tribouillard

Im Kreise der EU-Minister müsse ein Stopp der Gaslieferungen „miteinander besprochen werden“, sagt Lambrecht auf eine entsprechende Frage. Deutschland zählt bisher zu den Bremsern innerhalb der EU, was einen Gasboykott betrifft. Auch das stark von russischem Gas abhängige Österreich steht entsprechenden Überlegungen ablehnend gegenüber.

Butscha: Macron will Moskau zur Verantwortung ziehen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will nach der Entdeckung zahlreicher getöteter Zivilisten in der Umgebung der ukrainischen Hauptstadt Kiew Russland zur Verantwortung ziehen. Die Bilder aus der Stadt Butscha mit „Hunderten feige ermordeter Zivilisten auf den Straßen“ seien unerträglich, schreibt er bei Twitter. „Die russischen Behörden müssen sich für diese Verbrechen verantworten.“

In Butscha sind nach dem Rückzug der russischen Armee zahlreiche Tote gefunden worden. Nach Angaben der Behörden sind inzwischen 280 Menschen in Massengräbern beerdigt worden.

Russen melden Explosion in Dorf nahe Belgorod

Nach einem Brand eines Öllagers nahe der russischen Stadt Belgorod vor wenigen Tagen soll es in dem Gebiet an der ukrainischen Grenze erneut zu einer Explosion gekommen sein. „Es gab einen Knall, Trümmer fielen auf den Boden“, schreibt der Verwaltungschef des Stadtbezirks Jakowlewski, Oleg Medwedew, bei Telegram. Es habe keine Verletzten gegeben.

Der Verwaltungschef macht keine Angaben zu den Hintergründen des Vorfalls in dem Dorf Tomarowk. Die Trümmerteile würden untersucht und abtransportiert. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Am Freitag sollen nach russischer Darstellung zwei ukrainische Kampfhubschrauber in den russischen Luftraum eingedrungen sein und dann Luftschläge gegen das Öllager verübt haben. Die Ukraine hat eine Beteiligung nicht zugegeben.

Selenskyj: „Das ist Genozid“

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagt in einem Interview mit dem US-TV-Sender CBS, dass die russischen Angriffe in der Ukraine einem Genozid gleichkämen. „Ist das Genozid?“, wird der ukrainische Präsident in dem Interview gefragt. „In der Tat. Das ist Genozid“, sagt er.

In der Ukraine würden mehr als 100 Nationalitäten leben, so Selenskyj. „Hier geht es um die Zerstörung und Auslöschung all dieser Nationalitäten. Wir sind Bürger der Ukraine und wir wollen der Politik der Russischen Föderation nicht unterworfen werden.“

In einem kurzen Ausschnitt des noch nicht ausgestrahlten Interviews sagt er: „Das ist der Grund, warum wir zerstört und ausgelöscht werden. Und das passiert im Europa des 21. Jahrhunderts. Das ist also die Folter der ganzen Nation.“

Stoltenberg: Zurückweichen kein Rückzug

Bei dem Zurückweichen russischer Truppen bei Kiew handelt es sich NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zufolge nicht um einen echten Rückzug. Es sei eher eine Neupositionierung, der weitere Angriffe folgen könnten. Der Krieg müsse enden, sagt Stoltenberg bei CNN. Es liege in der Verantwortung von Russlands Präsident Wladimir Putin, das zu tun.

Blinken entsetzt über Gräueltaten in Butscha

Auch US-Außenminister Antony Blinken zeigt sich entsetzt über die Gräueltaten in Butscha bei Kiew. „Man kann nicht anders, als diese Bilder als einen Schlag in die Magengrube zu sehen“, so Blinken dem Sender CNN.

US-Außenminister Antony Blinken
Reuters/Olivier Douliery

Der Minister verweist darauf, dass die US-Regierung schon im vergangenen Monat zu dem Schluss gekommen sei, dass russische Truppen in der Ukraine Kriegsverbrechen begingen. „Das ist die Realität, die sich jeden Tag abspielt, solange Russlands Brutalität gegen die Ukraine anhält. Deshalb muss es ein Ende haben.“

Scholz fordert Aufklärung

Nach den Berichten über zahlreiche Leichen sowie Massengräber im ukrainischen Ort Butscha fordert der deutsche Kanzler Olaf Scholz (SPD) eine Aufklärung von „Verbrechen des russischen Militärs“. Diese Verbrechen müssten „schonungslos“ aufgeklärt werden, so Scholz in Berlin. Internationale Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz müssten Zugang zu diesen Gebieten erhalten sowie die Täter und ihre Auftraggeber „konsequent zur Rechenschaft gezogen werden“.

Kuleba fordert neue Sanktionen

Nach Bekanntwerden von Gräueltaten in der Stadt Butscha hat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba härtere Sanktionen der G-7-Staaten gegen Russland gefordert. „Das Massaker von Butscha war vorsätzlich. Die Russen zielen darauf ab, so viele Ukrainer wie möglich auszulöschen“, so Kuleba. „Wir müssen sie aufhalten und rausschmeißen.“

Dem britischen Sender Times Radio sagt Kuleba, es habe sich bei den Getöteten weder um Guerilla-Kämpfer noch um Menschen gehandelt, die den Russen Widerstand geleistet hätten. Sie seien aus Ärger und reiner Mordlust getötet worden. Er fügt hinzu: „Russland ist schlimmer als der IS, Punkt.“

Kreml: Sanktionen „über Rand der Vernunft hinaus“

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagt in einer Fernsehansprache, die Sanktionen gegen Putin gehen „über den Rand der Vernunft hinaus“ und zeigen, dass der Westen „zu allen Dummheiten fähig“ sei. Die Sanktionen würden die Erosion des Vertrauens in Dollar und Euro beschleunigen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow
AP/Alexander Zemlianichenko

Ein Treffen Wladimir Putins mit Wolodymyr Selenskyj sei „hypothetisch möglich“, sobald Unterhändler beider Länder einen Entwurf für ein zu erörterndes Abkommen vorbereitet hätten.

Russland wolle niemanden bedrohen, heißt es vom Kreml zum Gaskonflikt. Aber aufgrund des feindlichen Umfelds müsse man die Risiken absichern. Russland werde nichts tun, was seinen Ruf als zuverlässiger Gaslieferant untergraben könnte.

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