Zerstörtes Wohnhaus in Kiew
Reuters/Zohra Bensemra
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Bisher 1.200 Tote in Region Kiew entdeckt

In der Region um Kiew sind nach ukrainischen Angaben bisher mehr als 1.200 Tote gefunden worden. Staatsanwältin Iryna Wenediktowa nannte im Interview mit dem britischen Sender Sky News am Sonntag die Zahl von 1.222 geborgenen Toten „allein in der Region Kiew“. Den russischen Truppen warf sie erneut schwere Kriegsverbrechen vor. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) kündigte an, am Montag den russischen Staatschef Wladimir Putin in Moskau zu treffen.

Online seit 10. April 2022, 7.04 Uhr
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Das Liveticker-Team von ORF.at verabschiedet sich für heute. Die aktuellsten Entwicklungen zum Ukraine-Krieg finden Sie in ORF.at

APA: Nehammer-Reise seit einigen Tagen akkordiert

Die morgige Reise von Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) zu Russlands Staatschef Wladimir Putin dürfte bereits seit einigen Tagen mit Moskau akkordiert gewesen sein. Das berichtet die APA heute Abend.

Er habe vom geplanten Besuch Nehammers bereits Mitte der letzten Woche gehört, sagt eine Person aus dem Kreml-Umfeld der APA. „Ich kann das (Mitte letzter Woche, Anm.) nicht bestätigen“, kommentiert ein Sprecher des Bundeskanzlers. Er wollte gleichzeitig aber nicht sagen, seit wann konkrete Planungen gelaufen waren.

Klitschko: „Wir brauchen Waffen“

Der frühere Boxweltmeister Wladimir Klitschko fordert dringend weitere internationale Waffenlieferungen für die von Russland angegriffene Ukraine. „Wir brauchen Waffen. Wir können unser Land nicht mit unseren Fäusten verteidigen“, sagt Klitschko dem US-Fernsehsender ABC. Sein Bruder Witali ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Die Ukraine erwarte keine anderen Armeen auf ihrem Boden, sagte Klitschko. „Wir werden auf uns selbst aufpassen und unsere Heimat verteidigen, wir brauchen nur diese Waffen dafür.“ Wesentlich sei außerdem, Russland wirtschaftlich weiter zu isolieren und mit Sanktionen zu belegen. „Jeden Cent, den Russland bekommt, verwenden sie für Waffen, um uns Ukrainer zu töten“, sagt er.

Ukraine: Russische Soldaten stehlen radioaktives Material

Russische Soldaten haben nach ukrainischen Angaben während der Besetzung der Atomruine Tschernobyl radioaktive Substanzen aus Forschungslaboren gestohlen. 133 hoch radioaktive Substanzen seien entwendet worden, teilt die für die Verwaltung der Sperrzone rund um das AKW zuständige Behörde mit.

Selbst ein kleiner Teil davon sei tödlich, „wenn er unprofessionell gehandhabt wird“. Die russischen Streitkräfte haben am 24. Februar, dem ersten Tag ihres Angriffs auf die Ukraine, die Kontrolle über die Atomruine übernommen. Ende März haben sie sich schließlich von dem Gelände zurückgezogen.

Nehammers Reise zu Putin offiziell bestätigt

Die Reise von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) nach Moskau ist offiziell bestätigt worden. Wie die APA berichtet, kündigte der Kanzler das Treffen mit dem russischen Präsidenten Putin vor Journalisten und Journalistinnen selbst an.

Nehammer reist zu Putin

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) wird offenbar bereits morgen nach Moskau reisen, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen. Das berichten die deutsche „Bild“ und die „Kronen Zeitung“ heute.

Eine offizielle Bestätigung ist noch ausständig. ORF.at konnte keinen Pressesprecher des Kanzlers erreichen. Gestern traf Nehammer den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew.

Russischer Patriarch spricht von „Feinden“

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, hat zur Unterstützung der Regierung in Moskau im Ukraine-Konflikt aufgerufen.

„Der Herr möge jedem von uns in dieser für unser Vaterland schwierigen Zeit helfen, eine Einheit zu bilden, auch um die Macht herum“, wird Kirill von der Nachrichtenagentur TASS zitiert. „Auf diese Weise wird in unserem Volk echte Solidarität entstehen und die Fähigkeit, äußere und innere Feinde zurückzudrängen.“

Kirill ist eine wichtige Stütze von Kreml-Chef Wladimir Putin und unterstützt Moskaus Krieg in der Ukraine. Im Februar hatte der Patriarch die „Kräfte des Bösen“ verurteilt, die sich seiner Ansicht nach der historischen „Einheit“ zwischen Russland und der Ukraine entgegenstellen.

US-Republikanerin wirft Russland Völkermord vor

Die prominente US-Republikanerin Liz Cheney bezeichnet die Gräueltaten Russlands im Ukraine-Krieg als Völkermord. „Das ist eindeutig Genozid“, sagt Cheney dem Fernsehsender CNN. „Ich denke, dass Europa verstehen und sich mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass es sich um einen Völkermord handelt.“

Die Europäer müssten auch begreifen, dass sie diesen Feldzug von Russlands Präsident Wladimir Putin finanzierten.

Cheney räumt ein, sie verstehe die wirtschaftlichen Folgen für die westeuropäischen Länder, wenn sie einen Importstopp für russisches Öl und Gas verhängen würden, aber sie müssten es tun. „Jeden einzelnen Tag, an dem sie weiterhin russisches Öl und Gas importieren, finanzieren sie Putins Völkermord in der Ukraine“, beklagt sie.

Antikriegsprotest in Hiroshima

Rund 750 Menschen haben vor dem Friedensdenkmal in Hiroshima gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. Die Demonstranten und Demonstrantinnen hielten Schilder mit der Aufschrift „Kein Krieg“ und andere Botschaften auf Japanisch, Englisch und Russisch hoch.

Ukraine: Mehr als 1.200 Tote in Region Kiew entdeckt

In der Region um die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach ukrainischen Angaben bisher mehr als 1.200 Tote gefunden worden. Staatsanwältin Iryna Wenediktowa nennt im Interview mit dem britischen Sender Sky News die Zahl von 1.222 geborgenen Toten „allein in der Region Kiew“. Die russischen Truppen hatten sich in den vergangenen Tagen aus der Region zurückgezogen.

Bekannter Menschenrechtler in Moskau festgenommen

Bei einem Ein-Mann-Protest gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist der prominente Menschenrechtler Oleg Orlow in Moskau auf dem Roten Platz festgenommen worden, teilt die in Russland verbotene Menschenrechtsorganisation Memorial mit, zu deren Führung Orlow gehört.

Ein Video zeigt, wie er heute auf dem Roten Platz allein ein Plakat hochhielt, bevor die Polizei ihn abführte. Auf dem Plakat stand: „Unsere Weigerung, die Wahrheit zu wissen, und unser Schweigen machen uns zu Mitschuldigen an Verbrechen.“

Slowakei könnte Ukraine Radhaubitzen verkaufen

Der NATO-Mitgliedstaat Slowakei verhandelt mit der ukrainischen Regierung über einen Verkauf von Radhaubitzen vom Typ Zuzana. Darüber werde gesprochen, sagt Verteidigungsminister Jaroslav Nad im öffentlich-rechtlichen Sender RTVS.

Die slowakische Eigenentwicklung verfügt über ein 155-Millimeter-Geschütz. Im Gespräch sei auch die Reparatur beschädigter ukrainischer Militärfahrzeuge wie T-72-Kampfpanzern in der Slowakei.

UNO: 4,5 Mio. Menschen aus der Ukraine geflohen

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben mehr als 4,5 Millionen Menschen das Land verlassen. Die Zahl der Flüchtlinge sei binnen 24 Stunden um mehr als 42.000 auf insgesamt 4.503.954 gestiegen, wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mitteilt.

Es handelt sich um die größte Flüchtlingsbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Innerhalb der Ukraine sind nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zudem weitere 7,1 Millionen Menschen auf der Flucht.

Ukrainische Flüchtlinge in Polen
Reuters/Leonhard Foeger

Bei 90 Prozent der ins Ausland Flüchtenden handelt es sich um Frauen und Kinder, da Männer zwischen 18 und 60 Jahren die Ukraine derzeit nicht verlassen dürfen. Knapp 60 Prozent der 4,5 Millionen Flüchtlinge sind nach UNO-Angaben nach Polen geflüchtet.

Viele reisen von dort aber in andere Staaten weiter. In Polen haben bisher 700.000 Ukrainer und Ukrainerinnen eine nationale Identifikationsnummer erhalten, die ihnen Zugang zum Sozialsystem bietet.

Russische Bank hat keine Kontrolle mehr über Europa-Tochter

Die russische Großbank VTB hat der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin zufolge keine Kontrolle mehr über ihre Europa-Tochter VTB Bank Europe. Das ist die Konsequenz aus dem fünften Sanktionspaket der EU gegen Russland, das im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine gerade verhängt worden ist.

Gestern ist der Muttergesellschaft aus Sankt Petersburg die Ausübung ihrer Stimmrechte bei der Tochter VTB Bank Europe untersagt worden. Das russische Geldhaus sei Teil der neuen Sanktionen, so die BaFin. Die Tochter dürfe keine Weisungen der Muttergesellschaft mehr befolgen.

Ukraine: 2.200 Wehrpflichtige an Flucht gehindert

Der ukrainische Grenzschutz hat seit Beginn des Krieges gegen Russland knapp 2.200 Männer im wehrpflichtigen Alter an der verbotenen Ausreise gehindert. „In letzter Zeit gab es auch mehrere Fälle, in denen Leichen von Männern an den Ufern grenznaher Gewässer gefunden wurden“, teilt die Behörde mit.

Anders als Frauen und Kinder, die zu Hunderttausenden fliehen, sollen Männer ihr Heimatland verteidigen. Einige männliche Flüchtlinge hätten versucht, Beamte zu bestechen oder mit gefälschten Dokumenten über die Grenze zu gelangen, heißt es. In den Karpaten seien auch mehrere Vorfälle mit Erfrierungen registriert worden, unter anderem an der Grenze zu Rumänien.

Gouverneur: Flughafen von Dnipro „vollständig zerstört“

Russische Truppen haben nach ukrainischen Angaben erneut den Flughafen von Dnipro angegriffen und diesen „vollständig zerstört“. Sowohl der Flughafen als auch die umliegende Infrastruktur seien zerstört worden, wie der für die ostukrainische Stadt zuständige Gouverneur auf Telegram erklärt. Es werde derzeit geprüft, ob es Todesopfer gebe.

„Neuer Angriff auf den Flughafen von Dnipro“, teilt Valentin Resnitschenko mit. „Es ist nichts übrig geblieben.“ Die Angriffe dauerten den Angaben zufolge zunächst noch an: „Die Raketen fliegen und fliegen.“ Dnipro ist eine Industriestadt mit rund einer Million Einwohnern und Einwohnerinnen. Sie liegt am gleichnamigen Fluss, der eine wichtige natürliche Barriere zum teilweise pro-russischen Osten der Ukraine bildet.

Wladimir Klitschko: „Wir brauchen mehr Waffen“

Der frühere Boxweltmeister Wladimir Klitschko fordert dringend schnelle Hilfe aus Deutschland für die von Russland angegriffene Ukraine. An die Adresse von Ukrainern in Deutschland und deutschen Unterstützern sagt Klitschko, dessen Bruder Witali Bürgermeister von Kiew ist: „Macht alle gemeinsam Druck auf die deutsche Bundesregierung. Wir brauchen jetzt ein Embargo von Öl und Gas aus Russland. Wir brauchen jetzt mehr Waffen. Hier in der Ukraine zählt jede Stunde, jede Minute.“

Der frühere Boxweltmeister Wladimir Klitschko
Reuters/Marko Djurica

In der Videobotschaft an die Teilnehmer der Solidaritätsveranstaltung „Leuchtturm Ukraine“ in Berlin betont Klitschko besonders das Wort „jetzt“.

Johnson lobt ukrainische Eisenbahn

Der britische Premierminister Boris Johnson hat bei seinem Überraschungsbesuch in Kiew die Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Eisenbahner gelobt. „Man nennt euch hier ‚eiserne Menschen‘. Das hat mit eurem Beruf zu tun“, sagt Johnson in einer heute veröffentlichten Videobotschaft.

Es spiegle aber auch die Mentalität der Ukrainer und Ukrainerinnen wider, die sich gegen die „entsetzliche Aggression“ Russlands zur Wehr setzten.

„Ich reise in einem fantastischen Zug der ukrainischen Eisenbahn von Polen nach Kiew“, sagt Johnson in dem Video, das offenbar gestern vor seiner Ankunft in der ukrainischen Hauptstadt aufgenommen worden ist.

Prorussische Demos in Deutschland unter Auflagen

Unter strengen Auflagen haben in Frankfurt und Hannover prorussische Kundgebungen begonnen. In Frankfurt versammelten sich zu Mittag mehrere hundert Teilnehmende auf dem Opernplatz. Bis zu 2.000 Menschen sind erwartet worden. Angemeldet ist die Demonstration unter dem Motto „Gegen Hetze und Diskriminierung der russischsprachigen Mitbürger/Gegen Krieg – Für Frieden“ worden.

Ein Schild mit der Aufschrift „Keine Russophobie“
Reuters/Kai Pfaffenbach

In Hannover haben sich zu Mittag laut Polizei mehr als 600 Menschen mit rund 350 Autos getroffen, um sich einem prorussischen Autokorso durch die Stadt anzuschließen. Zu sehen sind Russland-Fahnen und deutsche Flaggen gewesen. Gleichzeitig haben sich in der Innenstadt rund 850 Gegendemonstranten und -demonstrantinnen versammelt.

„Donezker Volksrepublik“ nimmt OSZE-Mitarbeiter fest

Die selbst ernannte „Donezker Volksrepublik“ erhöht den Druck auf die administrativen Reste der formal mit 31. März beendeten Sonderbeobachtungsmission (SMM) der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): Nachdem laut einem russischen Medienbericht ein lokaler Mitarbeiter der Mission in Donezk festgenommen worden war, haben die prorussischen Behörden der Region die OSZE gestern kategorisch zur Einstellung aller Aktivitäten bis Ende April aufgefordert.

„Donezker Strafverfolger haben einen lokalen Mitarbeiter der Sonderbeobachtungsmission festgenommen, dem ‚gesetzwidrige Handlungen‘ vorgeworfen werden“, schreibt das russische Onlinemedium Wojennoje Obosrenije (Militärische Schau). Am wahrscheinlichsten sei, dass er „seinen westlichen Kuratoren“ Informationen zukommen habe lassen, erläutert das Medium.

Ein informierter Diplomat in Wien bestätigt der APA die Festnahme. Laut öffentlichen Quellen handelt es sich bei der Person um einen langjährigen Mitarbeiter der Mission, der insbesondere für Sicherheitsfragen zuständig war.

Scholz über Verhandlungsstand informiert

Deutschland nennt weitere Details zum Telefonat von Kanzler Olaf Scholz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Es sei auch über den Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine und Russland gegangen, so eine Regierungssprecherin. „Der Bundeskanzler verurteilte die abscheulichen Kriegsverbrechen des russischen Militärs in Butscha und in anderen Orten in der Ukraine.“

Die deutsche Bundesregierung werde zusammen mit ihren internationalen Partnern alles daransetzen, dass die Verbrechen schonungslos aufgeklärt und die Täter identifiziert werden, damit sie vor Gerichten zur Verantwortung gezogen werden. „Der Bundeskanzler und der ukrainische Präsident tauschten sich darüber hinaus über Möglichkeiten der weiteren Unterstützung der Ukraine aus und verabredeten, weiterhin eng in Kontakt zu bleiben.“

Video: Johnson spaziert mit Selenskyj durch Kiew

Der britische Premierminister Boris Johnson ist bei seinem Besuch in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten durch die Straßen der ukrainischen Hauptstadt gegangen. Selenskyjs Büro hat ein Video veröffentlicht, das die beiden Politiker im weitgehend menschenleeren Stadtzentrum zeigt, offenbar bewacht von Scharfschützen und anderen Sicherheitskräften.

Zu sehen ist, wie Johnson und Selenskyj über den Chreschtschatyk-Boulevard zum Maidan-Platz spazieren und dabei mehrere Passanten grüßen. Ein Mann ist sichtlich gerührt, den britischen Premierminister in der ukrainischen Hauptstadt zu treffen. „Wir brauchen Sie“, so der Mann, worauf Johnson antwortet: „Schön, Sie kennenzulernen. Wir haben das Privileg, Ihnen zu helfen.“

Papst urgiert Waffenstillstand in der Osterwoche

Papst Franziskus hat beim Angelus-Gebet für einen Waffenstillstand in der Ukraine während der Osterwoche plädiert. „Legen wir die Waffen nieder, beginnen wir einen österlichen Waffenstillstand. Aber nicht, um die Waffen neu zu laden und die Kämpfe wieder aufzunehmen, nein, sondern um einen Waffenstillstand zu erreichen“, so der Papst.

Papst Franziskus
AP/Gregorio Borgia

Selenskyj telefoniert mit Scholz: Kriegsverbrecher bestrafen

Wolodymyr Selenskyj hat in einem Telefongespräch mit dem deutschen Kanzler Olaf Scholz eine Verfolgung russischer Kriegsverbrechen in seinem Land gefordert. Beide hätten betont, dass alle Schuldigen an Kriegsverbrechen identifiziert und bestraft werden müssten, schreibt der ukrainische Präsident auf Twitter. „Besprochen haben wir auch antirussische Sanktionen, Verteidigungs- und finanzielle Unterstützung für die Ukraine“, so Selenskyj.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit bestätigt das Telefonat. Dies habe gestern stattgefunden. Es sei ein Austausch über die aktuelle Situation gewesen und eine Einschätzung der Lage. Weitere Details werden nicht genannt.

Nach den Reisen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und mehreren europäischen Regierungschefs nach Kiew hat der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk Scholz aufgefordert, ebenfalls die Ukraine zu besuchen. „Ich glaube schon, dass das ein starkes Signal sein könnte, wenn der Bundeskanzler nach Kiew reist“, sagt Melnyk der dpa.

Schönborn ruft zu Solidarität auf

Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn hat zur vollen Solidarität mit der Ukraine aufgerufen. Die Ukraine befinde sich in einem Fall von „Notwehr“ und müsse sich verteidigen, und der Westen müsse sie dabei unterstützen, sagt der Kardinal in der ORF-„Pressestunde“.

Umgang mit Flüchtlingen

Es brauche auch Solidarität mit den Flüchtlingen, „da liegt noch einiges vor uns“. Dass zwischen den Flüchtlingen 2015 und den Ukrainern und Ukrainerinnen heute unterschieden werde, kann Schönborn erklären. Grundsätzlich seien alle Flüchtlinge Menschen und als solche zu betrachten, aber die Situation 2015 sei eine andere gewesen.

„Das kann man nicht mit der jetzigen Situation vergleichen. Damals kamen vor allem sehr viele junge Männer, jetzt sind es Mütter mit Kindern. Das ist eine andere Situation“, so Schönborn. Zudem sei 2015 im Laufe der Zeit die Stimmung gekippt. Er hoffe, dass die Dimension der Flüchtlingswelle diesmal nicht wieder so groß werde, dass sich die Stimmung drehe.

Staatsanwältin: Angriff auf Kramatorsk ist Kriegsverbrechen

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft wirft Russland vor, auch bei dem Raketenangriff auf den Bahnhof der Stadt Kramatorsk mit über 50 Toten ein Kriegsverbrechen begangen zu haben. „Absolut, das ist ein Kriegsverbrechen“, sagt die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa dem britischen Sender Sky News.

Überreste einer russichen Tochka-U Rakete in Charkiw
AP/Andriy Andriyenko

Es sei eine russische Rakete gewesen, die mehr als 50 Menschen getötet habe, die mit ihren Kindern auf die Evakuierung gewartet hätten. „Das waren Frauen, das waren Kinder, und sie wollten einfach nur ihr Leben retten“, sagt Wenediktowa. Man habe Beweise dafür, dass es sich um einen russischen Angriff gehandelt habe.

Gouverneur: Tote bei Angriff auf Derhatschi bei Charkiw

Bei einem Angriff russischer Truppen auf die 18.000-Einwohner-Stadt Derhatschi in der Nähe der Millionenmetropole Charkiw sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Das hat der lokale Gouverneur Oleg Sinegubow via Facebook mitgeteilt. Demnach hätten russische Truppen 66 Artillerieangriffe in mehreren Teilen der Region ausgeführt.

„Zwei Menschen wurden getötet, es gibt Verletzte. Wie man sehen kann, ‚kämpft‘ die russische Armee weiterhin mit der zivilen Bevölkerung, weil sie keine Siege an der Front hat“, so der Gouverneur.

Deutsche Chemieindustrie warnt vor Stopp russischer Gasimporte

Der deutsche Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt eindringlich vor einem Stopp der Gasimporte aus Russland. „Ein Gaslieferstopp hätte katastrophale Folgen für die Industrie in Deutschland und die Menschen in unserem Land“, sagt VCI-Vizepräsident Werner Baumann zur „Bild am Sonntag“. Produkte der chemischen Industrie seien in fast allen Warengruppen zu finden, von Medikamenten über Lebensmittelverpackungen bis zur Fertigung von Autos oder den Bau von Häusern.

Deutschland würde mit einem Gasstopp deshalb „eine Welle der Arbeitslosigkeit drohen, wie wir sie seit vielen Jahren nicht gesehen haben“, warnt Baumann im Gespräch mit der Zeitung. In der Industrie drohten zudem irreparable Schäden, weil manche Produktionswerke nicht einfach heruntergefahren werden könnten. Hochöfen in der Stahlindustrie oder Glaswerke seien darauf ausgelegt, jahrelang ununterbrochen zu produzieren. Bei einem Gaslieferstopp könnten die Anlagen unbrauchbar werden.

Russisches Militär: Weitere Objekte in Ukraine zerstört

Mit neuen schweren Raketenangriffen haben die russischen Streitkräfte nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau Dutzende weitere Militärobjekte in der Ukraine zerstört. Insgesamt seien 86 Objekte innerhalb eines Tages getroffen worden, teilt der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau mit.

Im Gebiet Dnipropetrowsk seien der Stab und die Basis des Bataillons Dnipro vernichtet worden. Der Stützpunkt soll demnach auch als Sammelstelle für Söldner gedient haben.

Zerstört worden seien Startkomplexe des Luftabwehrsystems S-300 auf dem Militärflugplatz der Garnisonsstadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw sowie in der Ostukraine mehrere Drohnen, zwei Munitions- und drei Treibstofflager, sagt Konaschenkow. Überprüfbar sind diese Angaben nicht.

Luhansk-Gouverneur: Angriff „eine Frage von Tagen“

Der Gouverneur des Gebietes Luhansk geht von einer baldigen Offensive der Russen im Osten der Ukraine aus. „Es ist eine Frage von Tagen“, sagt Serhij Gaidai der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ (Sonntag-Ausgabe). „Sie stellen sich an der Grenze neu auf und bombardieren uns weiter. Sie kennen keine Moral mehr: Sie machen Krankenhäuser, Schulen und Häuser dem Erdboden gleich.“

Auf die Frage, was nun bevorstehe, sagt er: „Die Hölle.“ Er erinnert an Butscha oder Mariupol, wo seit Wochen schlimme Angriffe und Kriegsverbrechen beobachtet werden. „Bei uns wird es noch viel schlimmer“, sagt der Gouverneur. Anders als in anderen Teilen des Landes gebe es in Luhansk kaum noch Bunker für Schutzsuchende. „Wir verstecken uns in den Kellern. Ich versuche, alle meine Mitbürger zu überzeugen, von hier wegzugehen.“

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