Transport von Kriegsgefangenen aus dem Stahlwerk
Reuters/Alexander Ermochenko
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Mariupol-Kämpfer: Kiew hofft auf Gefangenenaustausch

Die ukrainischen Kämpfer, die nach der Aufgabe vom Asow-Stahl-Werk in Mariupol in russische Kriegsgefangenschaft geraten sind, werden weiter im von prorussischen Separatisten kontrollierten Donbas festgehalten. Die Ukraine hofft darauf, dass die Männer und Frauen im Zuge eines Gefangenenaustauschs freikommen können – auch, weil die Separatisten in der selbst ernannten „Volksrepublik Donzek“ bereits vor Jahren die Todesstrafe eingeführt haben.

Online seit 26. Mai 2022, 7.53 Uhr
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Selenskyj hält Vortrag in Stanford

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird morgen per Videoschaltung einen Vortrag an der US-Universität in Stanford halten.

„In einem entscheidenden Moment der ukrainischen Geschichte“ habe er die Ehre, Gastgebers Selenskyjs in Stanford zu sein, twittert Michael McFaul, Professor in Stanford und ehemaliger US-Botschafter in Russland.

Russische Grenzregion meldet Verletzte durch Beschuss

Die russischen Grenzregionen Kursk und Belgorod werfen der Ukraine einmal mehr schweren Beschuss vor. Heute sei dabei im Dorf Woroschba ein Mann leicht verletzt worden, schreibt der Kursker Gouverneur Roman Starowoit im Nachrichtendienst Telegram.

Im Gebiet Belgorod meldet Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow, dass das grenznahe Dorf Schuraljowka den ganzen Tag beschossen worden sei. Ein Frau sei verletzt worden, sagt er.

Russland, das den Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar selbst begonnen hatte, beklagt immer wieder Angriffe auch auf sein eigenes Staatsgebiet. Insbesondere Kursk hat zwischenzeitlich täglichen Beschuss gemeldet. Die ukrainische Seite äußert sich zu den Vorwürfen in der Regel nicht.

Russische Nationalgardisten verlieren nach Weigerung Job

Im russischen Nordkaukasus haben 115 Nationalgardisten einen Einsatz im Krieg gegen die Ukraine verweigert. Das hat ihnen allerdings eine Kündigung eingebracht, die nun ein Militärgericht als rechtmäßig bestätigt hat. Das meldet die Agentur Interfax aus Naltschik, der Hauptstadt der Teilrepublik Kabardino-Balkarien.

Den Angaben nach haben die Nationalgardisten sich geweigert, Befehlen zu gehorchen, und sind in ihre Kasernen zurückgekehrt. Daraufhin sind ihre ihre Verträge gekündigt worden.

Auch im südrussischen Gebiet Krasnodar haben nach Medienberichten 15 Angehörige der Polizeieinheit OMON ihre Jobs verloren. Sie sind im Februar auf einer Übung auf der Krim gewesen und haben sich geweigert, im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt zu werden.

WHO verurteilt in Resolution Russlands Angriffskrieg

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verurteilt das Vorgehen Russlands in der Ukraine. Das habe zu einem Gesundheitsnotstand geführt, heißt es in der Resolution, die von westlichen Ländern eingebracht wurde.

Bei der Jahresversammlung haben 88 Länder für den Text und zwölf dagegen gestimmt. 53 haben sich enthalten. Über einen von Russland eingebrachten Vorschlag, der die Wortwahl der westlichen Resolution nachahmt, ist ebenfalls abgestimmt worden. Er hat keine Mehrheit gefunden.

Russland warnt Westen erneut vor Waffenlieferungen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnt den Westen, dass die Lieferung von Waffen an die Ukraine, die russisches Territorium treffen könnten, „ein ernsthafter Schritt in Richtung einer inakzeptablen Eskalation“ wäre.

Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS hat Lawrow gegenüber dem arabischen Sender RT gesagt, er hoffe, dass vernünftige Menschen im Westen das verstehen würden, und hinzugefügt: „Es gibt dort noch einige wenige.“

Stahlwerk in Kriwij Rih wieder in Betrieb

Das Stahlwerk ArcelorMittal in der südukrainischen Stadt Kriwij Rih hat den Betrieb wieder aufgenommen. Es handelt sich um eines der größten Werke in der Ukraine. Geschäftsführer Mauro Longobardo berichtet von einem schwierigen Betrieb in Kriegszeiten. Bei geschlossenen Häfen gestalten sich sowohl der Import als auch der Export von notwendigen Rohstoffen wie Kohle problematisch. 2.000 Mitarbeiter haben sich der Armee angeschlossen, mehrere von ihnen sind bei Kämpfen bereits getötet worden.

Putin knüpft Getreideexporte an Ende der Sanktionen

Russland nutzt die in der Ukraine blockierten Getreideexporte offen als Pfand im Austausch für ein Ende der Sanktionen des Westens. Russland sei bereit, durch den Transport von Getreide und Dünger einen großen Beitrag für die Überwindung der Lebensmittelkrise zu leisten – „unter der Bedingung eines Endes der politisch motivierten Beschränkungen seitens des Westens“, so Präsident Wladimir Putin nach Kreml-Angaben bei einem Telefonat mit Italiens Premier Mario Draghi.

Die Gespräche konzentrierten sich auf die Entwicklungen in der Ukraine und die Bemühungen, eine gemeinsame Lösung für die anhaltende Nahrungsmittelkrise und ihre schwerwiegenden Auswirkungen auf die ärmsten Länder der Welt zu finden, kommentiert Draghis Büro das Telefonat.

Zuvor hat auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gesagt, die Getreideexporte aus der Ukraine könnten wieder laufen, wenn die Sanktionen gegen Russland aufgehoben würden.

Moskau: Hafen von Mariupol für zivile Schiffe wieder sicher

Zivile Schiffe können nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums wieder den Hafen von Mariupol ansteuern. Die Gefahr durch Seeminen sei gebannt worden, heißt es. Russland kontrolliert inzwischen die gesamte Küstenstadt. Die ukrainischen Häfen waren vor dem Krieg wichtig für die Ausfuhr von Getreide für den Weltmarkt.

Hafen in Mariupol
AP/Sergei Grits

Bericht über „mobile Propagandawagen“ in Mariupol

Russland hat einem Medienbericht zufolge „mobile Propagandawagen mit Großbildfernsehern“ in die eroberte Stadt Mariupol entsandt, auf denen Nachrichtensendungen des Staatsfernsehens und politische Talkshows mit Befürwortern der Invasion zu sehen seien.

Erklärtes Ziel sei, die Bemühungen um die Integration der neu besetzten Gebiete im Süden der Ukraine voranzutreiben, so der britische „Guardian“, demzufolge das russische Ministerium für Notsitationen die in Mariupol gesichteten Fahrzeuge als „mobile Informationskomplexe“ bezeichnet werden.

Von Russland Gefangene aus Mariupol weiter in Ostukraine

Die ukrainischen Kämpfer, die kürzlich in Mariupol in russische Kriegsgefangenschaft geraten sind, werden weiter im von prorussischen Separatisten kontrollierten Donbas festgehalten. „Alle werden auf dem Gebiet der Donezker Volksrepublik festgehalten“, so Separatistenführer Denis Puschilin nach Angaben der Agentur Interfax.

Transport von Kriegsgefangenen aus dem Stahlwerk
AP/Russisches Verteidigungsministerium

Die Ukraine hofft weiter darauf, dass die Männer und Frauen im Zuge eines Gefangenenaustauschs freikommen können – auch, weil die Separatisten in der selbst ernannten „Volksrepublik Donzek“ bereits vor Jahren die Todesstrafe eingeführt haben. Moskau hat bezüglich eines möglichen Austauschs bisher aber noch keine Entscheidung verkündet.

Belarus: Neues Militärkommando an Grenze zu Ukraine

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ordnet die Bildung eines neuen Militärkommandos im Süden des Landes an der Grenze zur Ukraine an. Das geht aus einem Video hervor.

Selenskyj fordert neue Sanktionen gegen Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert in einer im lettischen Parlament übertragenen Videoansprache, das sechste Sanktionspaket der EU gegen Russland, einschließlich eines Ölembargos, zu verabschieden sowie ein weiteres vorzubereiten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj
Reuters/Ukrainische Präsidentschaft

Reichster Ukrainer will Russland verklagen

Der reichste Mann der Ukraine will Russland wegen hoher Verluste nach der Bombardierung von Stahlwerken in Mariupol verklagen. „Wir werden Russland definitiv verklagen und Schadenersatz für alle Verluste und verloren gegangene Firmen verlangen“, kündigt Rinat Achmetow, Besitzer des größten ukrainischen Stahlherstellers Metinvest, in einem Interview mit dem ukrainischen Medienportal Mrpl.city an.

Zu Metinvest gehören das Asow-Stahl-Werk und auch die Iljitsch Eisen- und Stahlwerke in Mariupol. Die Stadt war heftig umkämpft, als letzte Bastion hatten sich Kämpfer im Stahlwerk verschanzt. Sie haben inzwischen aufgegeben. Das Werk und die Stadt sind fast vollständig zerstört. Achmetow beziffert die Schadenssumme mit bis zu 20 Milliarden Dollar (19,7 Mrd. Euro): „Die endgültige Summe wird in dem Verfahren gegen Russland festgelegt.“

Finnlands Regierungschefin Marin bei Selenskyj in Kiew

Der ukrainische Präsident Selenskyj veröffentlicht via Instagram und Telegram Bilder vom heutigen Besuch der finnischen Premierministerin Sanna Marin in Kiew. Im Rahmen ihrer unangekündigten Ukraine-Reise besucht Marin auch die beiden Kiewer Vorstädte Irpin und Butscha.

„Die Ukraine kämpft um ihr Überleben“

Der Krieg in der Ukraine könnte sich nach Einschätzung des Ukrainischen Weltkongresses noch lange hinziehen. Derzeit erlebe das Land starke Vorstöße russischer Truppen im Osten und Süden, sagt der Leiter des Büros für die Koordinierung humanitärer Initiativen des Weltkongresses, Andrij Waskowycz, beim Katholikentag in Stuttgart.

Der ehemalige Caritas-Präsident der Ukraine spricht sich eindringlich für die Lieferung schwerer Waffen aus. „Die Ukraine kämpft um ihr Überleben“, so Waskowycz: „Russland möchte diesen Staat zerstören.“ Deswegen sei ein Nachgeben für die Ukraine keine Option.

Sjewjerodonezk „unter Dauerbeschuss“

Nach Angaben des Leiters der örtlichen militärisch-zivilen Verwaltung steht die Stadt Sjewjerodonezk in der der ostukrainischen Region Luhansk seit eineinhalb Wochen unter „Dauerbeschuss“. Er erklärt gegenüber dem ukrainischen Radiosender NV, dass etwa 90 Prozent der Wohnungen durch die Kämpfe beschädigt worden seien. Nach seinen Schätzungen leben noch 12.000 bis 13.000 Menschen in der Stadt, zumeist suchen sie Zuflucht in Kellern.

Putin: Rückzug westlicher Firmen „vielleicht das Beste“

Der russische Präsident Wladimir Putin sagt, der Rückzug einiger ausländischer Unternehmen aus Russland als Reaktion auf die Invasion in der Ukraine sei „vielleicht das Beste“. Per Videolink bei einem Wirtschaftsforum der postsowjetischen Staaten in Kirgisistan zugeschaltet, sagt Putin, es sei trotz Sanktionen unmöglich, Russland von westlicher Technologie abzuschneiden.

Der „Diebstahl von Vermögenswerten durch den Westen“ werde „zu nichts Gutem führen“. Russland sei weiterhin wettbewerbsfähig. Und Putin verweist – wohl auf die derzeitige Nahrungsmittelkrise anspielend – darauf, dass Russland weiterhin der größte Weizenexporteur sei.

„Krieg wie ein einziger Tag ohne Unterbrechung“

„Zweiundneunzig Tage Krieg, ich habe das Gefühl, es ist ein langer, langer Tag ohne Unterbrechung“, sagt Kiews Bürgermeister Witali Klitschko am letzten Tag des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos. Die Ukraine ist ganz oben auf der Tagesordnung des viertägigen Treffens gestanden, an dem rund 2.000 Führungskräfte aus der Wirtschaft teilgenommen haben.

Russland: Westen schuld an Problemen mit Getreideexport

Für die Probleme mit Getreideexporten aus der Ukraine ist nach russischer Darstellung der Westen verantwortlich, indem er Sanktionen gegen Russland verhängt hat. Vorwürfe, dass Russland die Ausfuhren blockiere, weise die Regierung in Moskau kategorisch zurück, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow.

„Im Gegenteil, wir beschuldigen westliche Länder, Maßnahmen ergriffen zu haben, die dazu geführt haben.“ Unter anderen hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Russland beschuldigt, Lebensmittelexporte als Waffe einzusetzen. Die Ukraine ist ein wichtiger Getreidelieferant unter anderem für arme Länder in Afrika.

Granatenbeschuss rund um Region Charkiw

Rund um Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, finden weiter Kampfhandlungen statt. Gebäude in Dörfern der gesamten Region sind durch Granatenbeschuss zerstört worden. Laut dem Bürgermeister der Stadt Derhatschi, Wjatscheslaw Zadorenko, kehren Bewohner trotz anhaltender russischer Angriffe in ihre Häuser zurück und beginnen mit dem Wiederaufbau beschädigter Gebäude.

Separatisten: Möglicherweise noch Kämpfer im Asow-Stahlwerk

Denis Puschilin, Anführer der prorussischen Separatistenregion Donezk, kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sich im Asow-Stahl-Werk in Mariupol weiterhin ukrainische Kämpfer aufhalten. Im Moment würde „jeder Winkel“ des Stahlwerks durchsucht, sagt er der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Erst nachdem das weit verzweigte Tunnel- und Bunkersystem genau geprüft worden sei, könne man zu hundert Prozent sagen, dass sich keine ukrainischen Kämpfer mehr dort verstecken.

Luftaufnahme Gelände Asow-Stahlwerk
Reuters/Pavel Klimov

Truss: Putin erpresst die Welt mit Lebensmittellieferungen

Die britische Außenministerin Liz Truss wirft dem russischen Präsidenten Putin vor, die Welt mit der Lieferung von Lebensmitteln zu erpressen. Es sei entsetzlich, wie er Hunger und Nahrungsmangel unter den ärmsten Menschen der Welt als Waffe einsetze, sagt sie bei einem Besuch in Bosnien. „Das dürfen wir einfach nicht zulassen. Putin muss die Blockade des ukrainischen Getreides aufheben.“

Gestern hatte der russische Vizeaußenminister Andrej Rudenko erklärt, Russland sei bereit, einen Korridor für Schiffe, die Getreide aus der Ukraine bringen sollen, einzurichten. Im Gegenzug müssten aber einige Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden. Das lehnt Truss ab: „Was wir nicht haben können, ist eine Aufhebung der Sanktionen, eine Beschwichtigung, die Putin langfristig nur stärker macht.“

Scholz: Putin hat alle strategischen Ziele verfehlt

Russlands Präsident Wladimir Putin ist nach Ansicht des deutschen Kanzlers Olaf Scholz beim Angriff auf die Ukraine bereits gescheitert. „Schon jetzt hat er all seine strategischen Ziele verfehlt“, sagt Scholz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Eine Einnahme der gesamten Ukraine durch Russland scheint heute weiter entfernt als noch zu Beginn des Krieges.“

Zudem werde die NATO um Schweden und Finnland erweitert. Putin habe die Geschlossenheit der EU, der G-7 und der NATO unterschätzt. Die Brutalität des russischen Krieges habe zudem die Ukrainerinnen und Ukrainer als Nation enger zusammengeschweißt als je zuvor. „Putin darf seinen Krieg nicht gewinnen. Und ich bin überzeugt: Er wird ihn nicht gewinnen“, so der deutsche Kanzler.

Türkei: Verhandeln über Korridor für ukrainische Getreideexporte

Die Türkei berät nach eigenen Angaben über einen möglichen Korridor für eine Ausfuhr ukrainischen Getreides über ihr eigenes Territorium. „Die Türkei verhandelt sowohl mit Russland als auch mit der Ukraine über den Export von Getreide aus der Ukraine“, sagt ein hochrangiger türkischer Beamter. Die Schwarzmeerhäfen der Ukraine sind seit dem Einmarsch Russlands im Februar blockiert, und mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide stecken in ukrainischen Lagern fest.

Angriff auf Lyssytschansk in Region Luhansk

In der ostukrainischen Stadt Lyssytschansk hat russischer Artilleriebeschuss mehrere Häuser, Hotelanlagen, Fahrzeuge und ein humanitäres Hilfszentrum beschädigt. Nach Angaben des ukrainischen Militärs treiben die russischen Streitkräfte ihre Großoffensive im Donbas voran.

IWF: Lebensmittelpreise stürzen Länder in Krise

Durch die als Folge des Ukraine-Krieges gestiegenen Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten geraten immer mehr Länder nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Schwierigkeiten. „Inzwischen haben fast 30 Länder wegen der Nahrungsmittelpreise Probleme mit ihrer Zahlungsbilanz bekommen“, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa dem „Spiegel“.

„Einige von ihnen haben uns um Unterstützung gebeten. Ihnen helfen wir mit einem speziellen Fonds für arme Länder zu null Prozent Zinsen.“ Zudem werde geprüft, was internationale Institutionen tun könnten, um die Nahrungsmittelproduktion effizienter zu machen: „Wir müssen das Angebot ausweiten.“

OSZE klagt erneut über Haft von Mitarbeitern

Einen Monat nach Bekanntgabe der endgültigen Schließung der OSZE-Sonderbeobachtermission (SMM) in der Ukraine beklagen der polnische Außenminister und der amtierende OSZE-Vorsitzende Zbigniew Rau sowie OSZE-Generalsekretärin Helga Maria Schmid in einer Aussendung, dass vier lokale SMM-Mitarbeiter in Donezk und Luhansk weiter in Haft sind. Wochenlange Bemühungen der Organisation, die Freilassung der Festgenommenen zu erwirken, sind somit bisher gescheitert.

„Unsere verhafteten Kollegen werden ungerechtfertigt festgehalten und müssen sofort freigelassen werden“, erklärt OSZE-Generalsekretärin Schmid. Sie klagt zudem über „zunehmend empörende Vorwürfe“ gegen Mitarbeiter der nun eingestellten Mission, ließ gleichzeitig aber die Rolle von Russland unerwähnt. Bereits im April hatte der russische Vertreter bei der OSZE in Wien, Aleksandr Lukaschewitsch, von einer „möglichen Beteiligung einer Reihe von SMM-Mitarbeitern in Spionage für die Ukraine“ gesprochen.

Kämpfe um letzte freie Straße nach Sjewjerodonezk

Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, dementiert Meldungen, wonach eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den ukrainisch kontrollierten Gebieten im Osten des Landes von den russischen Streitkräften blockiert worden sei. „Luhansk ist nicht abgeschnitten worden“, sagt er.

Die Straße von Bachmut nach Sjewjerodonezk sei zwar unter Beschuss geraten, humanitäre Hilfe komme aber immer noch durch. Die Stadt Sjewjerodonezk stehe rund um die Uhr unter Beschuss, so Gajdaj. Nehmen die russischen Truppen die Straße ein, wäre Sjewjerodonezk eingekesselt. Beobachter erwarten dann ein ähnliches Schicksal der Stadt wie in Mariupol.

Russland erwartet starken Rückgang der Ölförderung

Russlands Ölproduktion wird nach Einschätzung von Vizeministerpräsident Alexander Nowak in diesem Jahr um bis zu 8,4 Prozent schrumpfen. Nach 524 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr dürften es 2022 noch 480 bis 500 Millionen Tonnen werden, sagt Nowak laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria.

Die Prognose könne sich je nach Situation noch ändern. Das Wirtschaftsministerium erwartet in seinem Basisszenario einen Rückgang um 9,3 Prozent auf rund 475 Millionen Tonnen. „Ich denke, der Rückgang wird viel geringer sein“, sagt Nowak. „Es gab nur einen Monat mit einem Rückgang von mehr als einer Million Barrel pro Tag, was jetzt nicht so tief ist. Ich denke also, dass es in Zukunft eine Erholung geben wird.“

GB: Große Verluste bei russischen Luftlandetruppen

Das britische Verteidigungsministerium widmet sich in seinem täglichen Bericht heute den russischen Luftlandetruppen (VDV). Seit Beginn der Invasion seien diese „an mehreren bemerkenswerten taktischen Fehlschlägen beteiligt“ gewesen, schreibt das Ministerium. Dazu gehöre gleich zu Kriegsbeginn der versuchte Vorstoß auf Kiew über den Flugplatz Hostomel.

Die Truppen seien bei Operationen eingesetzt worden, für die schwerere gepanzerte Infanterie geeignet gewesen wäre. Daher hätten die Einheiten schwere Verluste erlitten. Und weiter: „Ihre gemischte Leistung spiegelt wahrscheinlich ein strategisches Missmanagement dieser Fähigkeit und Russlands Unvermögen wider, die Luftüberlegenheit zu sichern.“

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