Raketeneinschlag auf einer Brücke über den Dnipro in der Region Cherson
APA/AFP
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Rückschläge für Russland in Cherson

In der südlichen Region rund um Cherson scheint die Ukraine wieder Erfolge verbuchen zu können. Kiew meldete am Samstag die Zerstörung einer Eisenbahnbrücke über den Fluss Dnipro, dadurch sei die Versorgung russischer Truppen erschwert. Zudem seien mehr als 100 russische Soldaten getötet sowie zwei Munitionslager und sieben Panzer zerstört worden. Auch der britische Geheimdienst sieht die russischen Truppen in der Region zunehmend unter Druck.

Online seit 30. Juli 2022, 10.07 Uhr
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USA-Botschafterin: Kein Zweifel an Russlands Plänen

Linda Thomas-Greenfield, die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, ist der Ansicht, es sollte kein Zweifel mehr an den Plänen Russlands geben. Der Kreml beabsichtige, die Ukraine zu zerlegen „und sie vollständig von der Weltkarte verschwinden zu lassen“, so Thomas-Greenfield vor dem UNO-Sicherheitsrat.

Linda Thomas-Greenfield
Reuters/Jeenah Moon

Man sehe zunehmend Anzeichen dafür, dass Russland alle ostukrainischen Regionen sowie die südlichen Regionen Cherson und Saporischschja annektieren wolle. Dafür würden auch „illegitime Stellvertreterbeamte installiert, mit dem Ziel, Scheinreferenden oder Dekrete zum Beitritt zu Russland abzuhalten“.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow „hat sogar erklärt, dass das Russlands Kriegsziel ist“, so die Botschafterin.

Finnland führt mit Großbritannien und USA Militärübung durch

Bei einer Militärübung in Finnland haben Soldaten des künftigen NATO-Mitglieds gemeinsam mit Einheiten aus den USA und Großbritannien trainiert. Insgesamt haben 750 Soldaten an der viertägigen Übung „Vigilant Fox“ (dt.: „Wachsamer Fuchs“) teilgenommen, darunter 150 britische Mitglieder von Heer und Luftwaffe, wie das Verteidigungsministerium in London mitteilt.

Moskau veröffentlicht Liste mit 50 getöteten Gefangenen

Einen Tag nach dem Angriff auf ein Lager mit ukrainischen Kriegsgefangenen veröffentlicht Russlands Verteidigungsministerium eine Liste mit Namen von 50 Toten und 73 Verletzten. Bei dem Angriff mit einem Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS sei der Großteil der 193 Kriegsgefangenen in Oleniwka im Gebiet Donezk getötet oder verletzt worden, teilt das Ministerium mit.

MI6-Chef: Russischer Angriff verliert „an Schwung“

Der russische Angriff auf die Ukraine verliert laut dem Chef des britischen Geheimdienstes MI6, Richard Moore, „an Schwung“. Entsprechend kommentiert Moore auf Twitter einen Eintrag des britischen Verteidigungsministeriums, wonach die russische Regierung zunehmend „verzweifelt“ sei.

Der Kreml habe Tausende Soldaten verloren und sei auf Waffen aus der Sowjetära angewiesen.

Auf der Suche nach Vermissten

Der Ukraine-Krieg führt auch dazu, dass Hunderte Menschen vermisst werden. Das kann unterschiedliche Gründe haben: etwa dass Menschen gefangen genommen oder getötet wurden, aber auch, dass Familien auf der Flucht getrennt wurden.

Das Internationale Rote Kreuz versucht, bei der Suche nach Vermissten zu helfen. Im Westen der Ukraine hat das Rote Kreuz eine Infozentrale geschaffen, die Suchmeldungen aufnimmt. Man bietet dort darüber hinaus finanzielle und psychosoziale Hilfe an. Bernt Koschuh berichtet aus der Zentrale:

Wegen unterschiedlicher Haltungen zum Ukraine-Krieg hat sich nach Einschätzung des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki die enge Partnerschaft zu Ungarn auseinanderentwickelt.

„Die Wege Polens und Ungarns haben sich getrennt“, so Morawiecki nach Angaben der Agentur PAP gestern bei einem Besuch in Grebkow östlich von Warschau. Morawiecki zufolge habe sich auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban ähnlich geäußert.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki
Reuters/Kacper Pempel

Die EU- und NATO-Mitglieder Polen und Ungarn waren bisher enge Verbündete in der Visegrad-Gruppe mit Tschechien und der Slowakei. Warschau und Budapest sind sich oft auch einig in Kritik an der EU, die sie ihrerseits mit Vertragsverletzungsverfahren überzieht.

Nächtliche russische Angriffe

Ukrainische Stellen habe mehrere nächtliche Angriffe der russischen Streitkräfte gemeldet, darunter den Beschuss eines Wohnviertels im südlichen Mykolajiw, ein Zivilist sei gestorben.

In Charkiw seien laut Bürgermeister Igor Terechow drei S-300-Raketen auf eine Schule niedergegangen. Laut dem Gouverneur der Region Charkiw, Oleg Sinegubow, schlugen in der Nacht mindestens fünf Raketen in der Stadt ein. Informationen über Opfer gab es vorläufig keine.

In der heftig umkämpften Region Donezk im Osten des Landes hätten die russischen Truppen zudem eine Busstation in Slowjansk beschossen. Verletzt worden sei niemand.

Ukraine-Krieg: Kein Ende in Sicht

Ein Ende des Krieges in der Ukraine ist derzeit nicht abzusehen, sagt der Russland-Experte Wolfgang Müller im Interview mit der ZIB2.

Gasprom stoppt Lieferung an Lettland

Der russische Energieriese Gasprom hat dem baltischen EU-Land Lettland den Gashahn zugedreht. Das Unternehmen habe die Lieferungen eingestellt, weil gegen die Bedingungen der Entnahme von Gas verstoßen worden sei, teilt der Energieriese mit. Details zu den Verstößen nennt der Staatskonzern nicht.

Russland hat zuletzt die Gaslieferungen in mehrere EU-Länder eingestellt, darunter Polen und Bulgarien. Im vergangenen Jahr hat Lettland noch etwa 90 Prozent seines Gases bei Russland gekauft.

Kiew meldet Erfolge bei Cherson

Die ukrainischen Streitkräfte gehen nach eigenen Angaben im Süden des Landes verstärkt gegen russische Truppen vor.

Mit der Zerstörung einer Eisenbahnbrücke über den Fluss Dnipro seien die Besatzungstruppen von der Versorgung auf dem Schienenweg abgeschnitten, teilt das ukrainische Militär mit.

In der Region Cherson hätten ukrainische Kräfte am Freitag außerdem mehr als 100 russische Soldaten getötet sowie zwei Munitionslager und sieben Panzer zerstört.

Ex-CIA-Chef hält Sieg von Ukraine für möglich

Der ehemalige US-General David Petraeus hält es für möglich, dass die Ukraine im Angriffskrieg von Russland eingenommene Gebiete zurückholen kann. „In der Tat scheint es immer wahrscheinlicher, dass die ukrainischen Streitkräfte einen Großteil, wenn nicht sogar alle Gebiete zurückerobern könnten, die in den letzten Monaten von den russischen Streitkräften eingenommen wurden“, sagt er der „Bild“ (Samstag-Ausgabe). Voraussetzung sei eine anhaltende Unterstützung der NATO.

Der ehemalige US-General David Petraeus
AP/Jae C. Hong