Physikerin Ilse Meitner

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Einer heimste die Lorbeeren ein

1938 ist die Kernspaltung von den Wissenschaftlern Otto Hahn, Fritz Straßmann und Lise Meitner erstmals nachgewiesen worden. Sie ermöglicht die Nutzung der Atomenergie für die Stromerzeugung, aber auch die Atombombe. Hahn erhielt den Nobelpreis, seine Kollegen gingen leer aus.

Den Ausschlag für die Entdeckung hatte eigentlich die österreichische Physikerin Meitner (1878 bis 1968) gegeben, so ihre Biografin Charlotte Kerner. Meitner gehörte zu den ersten in Österreich zum Studium zugelassenen Frauen und war 1906 die zweite Frau, die an der Universität Wien promovierte. In Berlin habilitierte sie 1922 als erste Frau in Deutschland im Fach Physik. 1926 wurde sie in Berlin - als erste Frau im Bereich Physik - außerordentliche Professorin.

Flucht nach Schweden

Meitner sei fasziniert gewesen von den Experimenten des Italieners Enrico Fermi und habe Hahn überredet, diese ebenfalls durchzuführen. Fermi hatte Uran mit Neutronen beschossen. Diese sollten in den Atomkern eindringen. „Fermi wollte dadurch neue, künstliche und schwerere Elemente schaffen, die er Transurane nannte“, so Kerner.

Persönlich miterleben konnte Meitner die Versuche Hahns und Straßmanns nicht. Der vor den Nationalsozialisten nach Schweden geflüchteten Jüdin blieb nur der Briefkontakt zu Hahn. Auf dem Postweg gab Meitner Hahn schließlich auch die theoretische Erklärung für die Versuchsergebnisse der beiden Chemiker.

Energie freisetzen durch Spaltung

Sie hatten statt der Transurane Barium gefunden, das nur etwa halb so groß ist wie Uran. „Nach dem damaligen Stand der Wissenschaft galt es als unmöglich, dass ein Atomkern in der Mitte auseinanderfliegen kann“, sagt der Mainzer Chemiker und ehemalige Straßmann-Schüler Norbert Trautmann. Man sei damals davon ausgegangen, dass durch die Bestrahlung mit Neutronen nur Elemente entstehen können, die sich wenig vom Ausgangselement unterscheiden.

Daher habe Hahn kurz nach dem Experiment Meitner um Hilfe bei der Interpretation der Ergebnisse gebeten, erläutert Trautmann. „Zusammen mit ihrem Neffen Otto Robert Frisch konnte Meitner erklären, wie der Spaltungsprozess stattfindet.“ Außerdem hätten die beiden Physiker auch gleich erkannt, dass dabei sehr viel Energie frei werde. „Kurz danach wurde von anderen Forschern gezeigt, dass bei der Spaltung neue Neutronen entstehen, die in einer Kettenreaktion wiederum Atomkerne spalten können“, erklärt der Chemiker.

Enorme Wirkung einer Entdeckung

Diese Entdeckung machte sich die Atomindustrie nur wenige Jahre später zunutze. 1942 entstand in den USA der erste Atomreaktor. Die Entdeckung brachte auch die Atombomben, die die US-Amerikaner 1945 auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abwarfen, mit verheerenden und bis dahin unvorstellbar schrecklichen Folgen.

„Hahn bezeichnete die Nutzung der Kernspaltung für militärische Zwecke später als ,Schweinerei‘, mit der er nichts zu tun habe“, sagt die Kuratorin des Deutschen Museums in München, Susanne Rehn-Taube. Auch Straßmann sei sehr erschüttert gewesen, dass die Entdeckung diese Folgen hatte, ergänzt Trautmann. Hahn und Straßmann gehörten daher auch zu den Unterzeichnern des Göttinger Manifests von 1957 gegen strategische Atomwaffen. „Auch Lise Meitner war immer gegen die Atombombe und für die friedliche Nutzung der Atomenergie“, sagt Kerner. Damals habe man die Atomenergie als die Lösung des Energieproblems der Menschheit betrachtet und dabei die Folgen nicht bedacht.

Meitner als „Zuarbeiterin“

Dass Hahn allein den Nobelpreis für Chemie bekam, habe Meitner akzeptiert, sagt Kerner. „Es hat sie aber furchtbar geärgert, dass sie noch lange nur als Mitarbeiterin Hahns bezeichnet wurde“, ergänzt die Biografin. „Frauen galten per se als Zuarbeiterinnen.“ Aus heutiger Sicht sei die Entdeckung der Kernspaltung eine Gemeinschaftsarbeit.

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Publiziert am 11.02.2017

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