Asmik Grigorian mit Zigarette
Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele
„Il Trittico“

Grigorians Himmelfahrt mit Tschick

Drei Opern in einer – das bekommt man eigentlich selten. Salzburg serviert in diesem Jahr das hierzulande kaum gespielte Puccini-Stück „Il Trittico“ („Das Triptychon“), in dem drei Opern stecken, darunter die tragische Himmelfahrt „Suor Angelica“. Asmik Grigorian beschert Salzburg mit großen Philharmonikern unter Franz Welser-Möst eine erhoffte Sternstunde: als Nonne, die für die Himmelfahrt den Habit ablegt – und sich die Zigarette ansteckt. Man könnte sagen, sie hat es sich verdient. Denn regiemäßig ging es in der Holzklasse zur Erlösung.

Irgendwann muss es einfach gut sein mit der travestie catholique bei den Salzburger Festspielen, zumal dann, wenn man bei Giaccomo Puccinis Spätwerk aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, „Il Trittico“, die Ordnung der Einzelstücke so umdreht, dass „Suor Angelica“ nicht in der Mitte, sondern am Ende steht. So wollte es Regisseur Christof Loy, weil die Geschichte der jungen Frau, die wegen eines unehelichen Kindes in ein Klosterdasein gezwungen wird, zur Salzburger Erlösungsdramaturgie passe.

TV-Hinweis:

Der ORF zeigt „Il Trittico“ am 13. August, live zeitversetzt, in ORF 2, 22.00 Uhr.

Doch Loy hatte die Rechnung ohne Loy gemacht. Denn das Nonnen-Stück am Ende hat so seine Aufbauschwächen. Nicht musikalisch. Aber dramaturgisch. Ein Klostergarten mag noch bei Shakespeare etwas hermachen. Bei Puccini wird darin der Sünde abgeschworen, bestraft – oder die gesunde Ringelblume gezogen, wofür es Lob von der Oberschwester gibt. Sonst singen Nonnen wunderschön im Chor und manche unter ihnen, vor allem Schwester Angelica, dürfen hervortreten. Das macht es für Asmik Grigorian, die an diesem Abend drei verschiedene Rollen verkörpern muss, nicht leichter, denn Nonnengewand ist nun mal Nonnengewand – und das entpersonalisiert auch den programmierten Sängerinnenstar des Abends.

Oper in 30 Sekunden: „Il Trittico“

Die Rubrik „Oper in 30 Sekunden“ bringt diesmal Berichte von der ersten Oper der diesjährigen Festspiele: „Il Trittico“ von Giacomo Puccini.

Es musste etwas passieren

Auf der breiten Bühne, auf der zwar innerlich die Hölle los ist, aber äußerlich wenig passiert, muss dringend ein Gewandwechsel her. Und Schwester Angelica bekommt nach dem verkündeten Tod ihres geliebten und zugleich nie gesehenen Sohns einen Koffer, in dem ein Teddybär und ein kleines Schwarzes enthalten sind. Und offenbar auch das, was Italo Svevo gerne die „ultima sigaretta“ nennt.

Mit diesen Utensilien befreit sich Grigorian von ihrem Nonnenschicksal – muss aber noch einmal um Vergebung bitten, da sie ja ihrem eigenen Sterben nachhilft. Und das ist selbst unter Nonnen im kleinen Schwarzen immer noch Sünde. Bei abgedunkelten Licht tritt sie vor die Pforte des Himmels – und schließt ihren verlorenen Sohn als Traumfigur, der auf die Bühne getreten ist, in die Arme. Es ist ein starkes Bild am Ende. Leider auch ein billiges. Und wenn an diesem Abend viel von Erlösung die Rede ist, dann muss man bekennen, dass man nach drei Stunden, Akklamation hin oder her, gerne auch von dieser Regiearbeit erlöst wurde. Der Weg zum Weltgericht, er führte schlicht durch die Holzklasse.

Bühne bei Giovanni Schichi
Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele
„Giovanni Schichi“ – und das Spiel mit den gierigen Erben. Die Struktur des Bühnenbildes kennt man beim Team von Christof Loy

Minimalismus trifft Spätnaturalismus

Auch bei „Il Tabarro“ („Der Mantel“) davor durfte man sich fragen, ob es auf der Bühne noch ein spätnaturalistisches Schiff braucht, um das Verständnis zu wecken, dass man sich an der Seine beim Umladen eines Kahns befinde. Wenn Puccinis Spätwerk darin glänzt, sich von der klassischen Oper eines Verdi zu verabschieden, dann tat der Regisseur das Gegenteil. Und das Motto war: ausdeuten, bis es alle kapiert haben. Subtilitäten suchte man hier so vergebens wie bei einem Kiss-Konzert.

„Il Trittico“ in Salzburg

Drei je einstündige Opern an einem Abend mit Musik von Giacomo Puccini: Bei den Salzburger Festspielen feiert am Freitag „Il Trittico“ Premiere. In allen drei Stücken ist die litauische Ausnahmesängerin Asmik Grigorian zu sehen, Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker.

Wenn, dann war das Anfangskapitel, der „Gianni Schichi“, das dramaturgisch gelungenste. Die Burleske und ein komödiantisch wie sängerisch glänzender Misha Kiria belebten das Stück. Die Heuchlerei einer Gesellschaft von Erben, sie wurde hier glänzend vorgestellt. „Il Tabarro“ als Teil zwei war sängerisch überzeugend aufgestellt: Die tragische Geschichte von Giorgetta (Grigorian), ihrem Mann Michele (Roman Burdenko) und dem Geliebten der Giorgetta Luigi (Joshua Guerrero) brachte in den verschiedenen Kombinationen die größten sängerischen Leistungen zum Vorschein.

Luigi: Joshua Guerrero, Giorgetta: Asmik Grigorian im zweiten Teil
Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele
Ein sängerisch großes Paar: Joshua Guerrero als Luigi und Asmik Grigorian als Giorgetta in „Il Tabarro“

Von der Vorsicht zum Ausdruck

Franz Welser-Möst agierte gerade bei „Il Tabarro“ und dem harmonischen Exotismus, der in diesem Teil von der Ouvertüre weg angelegt ist, zunächst vorsichtig, bevor er die Expressionslust zündete. Überhaupt war es ein musikalisch zu Recht gefeierter Abend. Der auch ein Lohn für den Mut war, den späten Puccini wiederentdeckt zu haben.

Der Sinn eines Festivals mag ja sein, gerade solche Stücke zu bergen, die sich in einem Repertoirebetrieb schwertäten. Salzburg feierte am Ende alles, was man an diesem Abend sah. Ein bisschen Erleichterung war zu spüren, dass es Oper auch mit Breitenwirkung gibt. Und alles doch auch ein bisschen aussah wie früher bei Karl-Ernst Herrmann.