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„Grandseigneur des deutschen Humors“

Der deutsche Humorist Loriot, der mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow hieß, ist tot. Er starb am Montag in Ammerland am Starnberger See an Altersschwäche, wie der Diogenes Verlag am Dienstag mitteilte. Er wurde 87 Jahre alt.

Die Familie habe den Schweizer Verlag gebeten, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte Verlagssprecherin Ruth Geiger. Eine ergänzende Stellungnahme der Angehörigen sei nicht geplant. „Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt“, sagte sie. Der Termin wurde von Geiger nicht genannt. „Die Familie möchte dies nicht.“

Loriot schuf den vielleicht populärsten Pensionisten und Lottomillionär der Fernsehgeschichte: Erwin Lindemann, der mit dem Papst und seiner Tochter auf Island eine Herrenboutique eröffnen wollte. Auch den knollennasigen Müller-Lüdenscheidt in der Badewanne verdankt das Publikum dem „Grandseigneur des deutschen Humors“, wie Loriot auch genannt wurde.

Vicco von Bülow steht am 1.7.1993 im Münchner Stadtmuseum zwischen zwei Hauptfiguren seiner Karikaturen

APA/dpa/Ursula Düren

„Komisches herzustellen ist mühsam“

Wappentier als Pseudonym

Der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow stammte aus einer alten preußischen Offiziersfamilie, deren Chronik zumindest hauptberuflich den Humor nicht vorsah. Seine Karriere begann Vicco von Bülow nach Notabitur und Kriegsdienst als Gebrauchsgrafiker, bevor er von 1950 an in Zeitschriften Karikaturen veröffentlichte.

Dabei nutzte er das Pseudonym Loriot - die französische Bezeichnung für das Wappentier der Bülows, den Pirol. Seine Cartoons erhielten nicht nur museale Weihen, sondern erreichten auch eine millionenfache Auflage.

Der Mann auf der grünen Couch

Der Zeichner, Autor, Regisseur und Schauspieler war trotz langer Bildschirmabstinenz Millionen von TV-Zuschauern als Mann auf dem grünen Biedermeier-Sofa bekannt. Unvergessen sind seine oft mit Evelyn Hamann gespielten Sketche wie etwa die „Liebeserklärung“, die an einem Stückchen Nudel im Gesicht scheitert. Auch die Trickfilme, etwa mit Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt sowie einer Gummiente in der Hotelbadewanne, zählen zu seinen Klassikern.

Sketch von Lariot mit Herren in der Badewanne

WDR/Loriot

Großen Erfolg hatte Loriot auch mit Operninszenierungen und den Filmen „Ödipussi“ und „Pappa ante Portas“. Seine Kurzfassung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ an einem Abend begeisterte die Zuschauer immer wieder. Produktiv wie kaum ein anderer zeigte Loriot sein einzigartiges Können als Zeichner, Texter, Schauspieler, Autor, Bühnenbildner, Dirigent, Fernseh-, Kino- und Opernregisseur.

Zahlreiche Auszeichnungen

Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen die Ernennung zum „Ehrengeehrten“ und „ersten und einzigen Träger des goldenen Pirols“, die Honorarprofessur der Universität der Künste Berlin, der Jacob-Grimm-Preis, der Ehrenpreis der Goldenen Kamera, der Karl-Valentin-Orden, das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik und die Ehrenbürgerschaft von Münsing und Brandenburg.

Im April 2008 erklärte Loriot seinen Rückzug aus dem Fernsehen: „Es ist an der Zeit. Ich werde mich aus dem Fernsehen zurückziehen“, zitierte die „Bild“-Zeitung den 84-Jährigen. „Das Fernsehen ist zu schnell geworden für meine Komik.“ Bei ihm habe es früher vier Sendungen mit je sechs Sketchen gegeben. „Heute fordern die Sender 24 Sendungen mit zahllosen Sketchen. Das ist nicht meins“, wurde er zitiert. Bei einer solchen Schlagzahl könne man einfach keine komische Qualität erreichen. „Die Forderungen sind unmenschlich geworden. Aber die Sender müssen es ja in diesem harten Wettbewerb so machen“, sagte Loriot.

Programmhinweis

In memoriam Loriot ändert der ORF sein Programm: Am Samstag widmet sich das Ö1-„Hörbild“ um 9.05 Uhr dem Humoristen und sendet „Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos“.

ORF2 zeigt am Sonntag um 14.25 Uhr Loriots ersten Kinofilm „Ödipussi“.

„Menschliche Dinge, die jedem passieren“

Dennoch ist sein Werk bis heute Kult. „Ich zeige ja allzu menschliche Dinge, die wirklich jedem passieren und einen großen Wiedererkennungswert haben“, sagte Loriot einmal. Distanz und eine gute Beobachtungsgabe seien dafür unerlässlich. „Darüber hinaus muss man wach bleiben, nichts als selbstverständlich hinnehmen und sich über alles wundern.“

Auch seine Ehefrau, mit der er seit 1951 verheiratet war und zwei Töchter hatte, habe ihm zu vielen Anregungen verholfen. Ein wichtiges Rezept: „Es wird in keinem meiner Filme irgendwo gelacht, nirgendwo“, wie Loriot einmal in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ betonte: „Lachen sollen die Zuschauer.“

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