Themenüberblick

Ein Superheld fängt klein an

Wenn er auftritt, hält die Stadt den Atem an. Das hätte SuperVaclav gerne. „Ich bin entschlossen, gegen Gleichgültigkeit und Heuchelei in der Gesellschaft zu handeln“, heißt es auf seiner Website. Doch vorerst müssen sich in Prag vor dem selbst ernannten Superhelden im rot-blauen Kostüm vor allem Hundebesitzer und Raucher fürchten.

Seit Ende September verfolgt SuperVaclav seine Form von Zivilcourage. Mit einer Helmkamera dokumentiert er sein Vorgehen und stellt die Videos auf YouTube und seinem Blog online.

„Land braucht einen Superhelden“

„Ich glaube, in dem Land läuft etwas schief“, sagte er in einem Interview mit der tschechischen Nachrichtenplattform Novinky: „Am meisten ärgert mich, dass niemand etwas tut, wir sind alle lasch, es herrscht komplette Hilflosigkeit, etwas zu verändern.“ Und so habe ich gar keine andere Wahl, als ins Superheldenkostüm zu schlüpfen. „Ich bin einfach ein Superheld, und ich glaube, das Land braucht einen Superhelden.“

SuperVaclav

Screenshot supervaclav.blogspot.com

SuperVaclav bei einem Interview

Die Liste der Missstände, gegen die SuperVaclav ankämpfen will, ist lang: gegen Hundekot auf den Straßen, Glasscherben und Zigarettenstummel auf Kinderspielplätzen, Sprayer, Drogendealer und Taschendiebe, öffentliches Urinieren und lautes Telefonieren, unfreundliche Postbeamte, Falschparker auf Behindertenparkplätzen und zu viele Autos generell - und freilich Menschen, die ihren Müll nicht trennen. Und Korruption in der Politik prangert er natürlich auch an. Wie er dagegen vorgehen kann, weiß er aber noch nicht genau.

Wasserkübel und Hundekot

Bei SuperVaclavs bisherigen Aktionen drängt sich allerdings die Frage auf, ob der Mann, der seine Identität bisher nicht lüftete, nicht deutlich übers Ziel schießt: Einem Raucher an einer Busstation erteilte er mit einem Kübel Wasser eine Lektion.

Zu fast so etwas wie internationalem Ruhm brachte er es aber mit einer Aktion gegen einen Hundebesitzer, der das verrichtete Geschäft seines Lieblings einfach in einem Park liegen ließ: SuperVaclav schnappte sich das Häufchen und brachte dem Mann dessen Fehlverhalten näher - und das nicht nur mit Worten. Allzu mutig stellte sich der Prager Superheld mit weißem Helm und Suspensorium dabei aber nicht an: In beiden Fällen ergriff er nach der Tat die Flucht vor den erbosten Opfern.

Nur ein Spinner?

Er stehe erst am Anfang seiner Entwicklung, bemerkt SuperVaclav dazu in seinem Blog. Er wolle nicht feig sein, aber in der Situation sei es die beste Lösung gewesen. Kritik, dass seine Aktionen zu gewalttätig seien, lässt er nicht durchgehen: Der Kübel Wasser gegen die Raucher sei eher als Spaß zu verstehen.

Schon einige politische Gruppierungen seien an ihn herangetreten und hätten ihn für ihre Sache gewinnen wollen. Doch gesteht er ein, dass manche Leute ihn einfach als Spinner bezeichnen. Damit scheint er jedenfalls kein Problem zu haben - im Gegenteil: Er fordert seine Leser auf, es ihm gleichzutun. Denn Tschechien brauche noch viel mehr Superhelden.

Links: