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Überraschend deutlich zugelegt

Die Schuldenkrise im Euro-Raum kann den Höhenflug der deutschen Exportwirtschaft nicht stoppen. Dank der steigenden Nachfrage aus aller Welt zogen die Ausfuhren im Mai überraschend kräftig an. Nach dem schwachen April stiegen die deutschen Exporte im Monatsvergleich um 3,9 Prozent, wie das deutsche Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Der Umsatz kletterte damit rund zehnmal stärker als von Fachleuten erwartet. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Im April waren die Exporte erstmals in diesem Jahr auf Monatssicht gesunken.

Insgesamt setzten die deutschen Unternehmen im Ausland 92,5 Mrd. Euro um - 0,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euro-Länder um 2,3 Prozent zurückgingen, legten sie in die Länder außerhalb der EU um 3,4 Prozent zu.

Rückschläge in kommenden Monaten

Die deutsche Wirtschaft muss in den kommenden Monaten allerdings Rückschläge fürchten. Denn viele Handelspartner aus der Euro-Zone stehen an der Schwelle zur Rezession oder stecken bereits mitten darin. Zuletzt lief es auch in den boomenden Schwellenländern, wo die deutschen Exporteure noch zulegen, deutlich schlechter: Chinas Wirtschaft dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit 1999 nicht mehr und hat zur Ankurbelung der Konjunktur zweimal binnen weniger Wochen die Leitzinsen gesenkt.

Im Mai überstieg der Ausfuhrwert in Drittstaaten mit 38,9 Mrd. Euro den Wert der Ausfuhren in die Euro-Länder um mehr als drei Milliarden Euro. Auch wenn die „Boomländer“ zuletzt selbst etwas an Dynamik verloren: Von Jänner bis April - neuere Länderdaten liegen den Statistikern noch nicht vor - legten die deutschen Exporte nach China um 6,8 Prozent, nach Indien um 5,4 Prozent, nach Brasilien um 14,9 Prozent und nach Russland sogar um 16,3 Prozent zu - diese Volkswirtschaften sind auch Hoffnungsmärkte der österreichischen Wirtschaft.

Importe deutlich angestiegen

Die deutschen Importe stiegen im Mai um 6,3 Prozent zum Vormonat. Analysten hatten im Schnitt nur mit plus 1,2 Prozent gerechnet. Im April waren die Importe noch um 4,9 Prozent geschrumpft und damit so stark wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden im Mai Waren im Wert von 77,2 Mrd. Euro nach Deutschland eingeführt - 0,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen bereinigten Überschuss von 15 Mrd. Euro aus.

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