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„Harte Schlacht um den Lachs“

Ein Bergbau-Joint-Venture macht der US-Regierung große Versprechen. Ein Projekt in Alaska soll mit dem Abbau von Gold und Kupfer dem Fiskus und der Wirtschaft monatlich Milliarden bringen und zusätzlich Tausende Arbeitsplätze schaffen. Brauchen könnten die USA beides gut, doch noch gibt es kein grünes Licht für die Mine.

Bei dieser handelt es sich konkret um das Projekt Pebble in der Bristol Bay im Südwesten Alaskas, betrieben vom Joint Venture Pebble Limited Partnership (PLP), hinter dem der britisch-südafrikanische Bergbaugigant Anglo American und das US-Unternehmen Northern Dynasty Minerals stehen. PLP verspricht ökologische Verantwortung, aber gegen den geplanten riesigen Tagebau regt sich Widerstand - von mehreren Seiten.

Initiativen wie Save Bristol Bay und Stop Pebble Mine warnen davor, dass das Projekt „den weltweit wichtigsten Lebensraum für (pazifische, Anm.) Lachse“ zerstören könnte und damit auch die zahlreichen Arbeitsplätze in Fischerei und Verarbeitungsindustrie, die daran hängen. Andererseits seien die Fischer selbst auf Kriegsfuß mit der Bergbauindustrie und lieferten sich mit dieser „eine harte Schlacht um den Lachs“, so die britische BBC in einer Reportage zu dem Thema.

Wildlachs in einem Fluss in der Bristol Bay

AP/Trout Unlimited/Ben Knight

Riesige Schwärme von pazifischen Blaurückenlachsen durchschwimmen auf ihrer Wanderung die Flüsse der Bristol Bay in Alaska

Die Fischer argumentierten, dass die geplante Mine die Lachsgewässer vergiften könnte. Bergbau in der Region ja oder nein sei für Alaska eine Art Grundsatzentscheidung. Ähnlich strittig ist immer wieder das Thema Erdölexploration in dem US-Bundesstaat. Eine gewisse Rolle dabei spielt das Unglück der „Exxon Valdez“, eines Tankers, der 1989 vor der Südküste Alaskas auf Grund gelaufen war. Die folgende Ölpest war eine der größten Umweltkatastrophen der USA.

„Unsere Vergangenheit und Zukunft“

Besonders für die indigenen Bewohner der Region, die Yupik, spielen der Lachs und dessen Fangtradition eine besondere Rolle. „Unsere Leute haben Tausende Jahre lang vom Fischen gelebt“, zitierte die BBC in ihrer Reportage Kim Williams, eine Fischerin und Gegnerin des Bergbauprojekts. „Das ist unsere Vergangenheit und unsere Zukunft.“

Aber: Es gibt auch den anderen Fang. Und der sei ein Milliarden Dollar schweres Geschäft. Kommerzielle Fischereiunternehmen fingen jedes Jahr zwischen Juni und September Millionen pazifische Wildlachse, die dann noch in der Region weiterverarbeitet und anschließend in die ganze Welt verschifft würden. Dazu kommen Sportangler und der lokale Tourismus. Ein Bergbauunglück könnte folglich nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Desaster nach sich ziehen.

Fischerboote in der Bristol Bay

AP Photo/Al Grillo

Schiffe bringen sich mit Netzen zum Auftakt der Fangsaison auf dem Naknek- Fluss in Position

Beim Fang gelten sowohl für die indigenen Fischer als auch für Hobby- und kommerzielle Fischer dieselben strengen Regeln: Sinkt der Bestand unter eine kritische Marke, darf nicht mehr weitergefischt werden. „Die erste Priorität ist immer die, die weltgrößte Wanderung von Wildlachsen nachhaltig zu schützen“, so die BBC. Genau an diesem Punkt drohe derzeit Gefahr. „Eine Wolke der Unsicherheit hängt über dieser Ecke Alaskas.“

Riesige Mineralienvorkommen vermutet

PLP vermutet nach Probebohrungen in der Bristol Bay eines der weltweit größten Vorkommen an Gold, Kupfer und anderen wertvollen Mineralien auf einer vergleichbaren Fläche. Laut BBC plant PLP, einen Tagebau anzulegen, der etwa drei Kilometer lang und über 750 Meter tief ist. Neben der riesigen Grube würde dieser aber auch noch andere Hinterlassenschaften produzieren: Abraumhalden und giftige Abfälle. Bei einem Rundflug über das Explorationsgebiet habe PLP-Chef John Shively gegenüber der BBC erklärt, dass der Abfall in einem Reservoir gelagert werden soll. Vorbehalte verstehe er nicht. „Wenn ich wüsste, dass die Mine das Wasser vergiftet und der Fischerei schadet, wäre ich dann hier?“ Im Gegenteil: „Dieser Bergbau wird den lokalen Stämmen geben, was sie wirklich brauchen. Jobs und die Chance auf ein besseres Leben“, so Shively.

Wissenschaftler hätten dagegen davor gewarnt, Hunderte Tonnen giftiger Abfälle nahe an einer geologischen Verwerfungszone mitsamt latenter Erdbebengefahr zu lagern. Außerdem machten auch sie sich Sorgen über eine mögliche Vergiftung der Flüsse mit Schwermetallen und Schwefelsäure - wie die indigenen Fischer auch. „Der Lachs ist unsere Lebensgrundlage“, so Projektgegnerin Williams. „Wir können ihn keiner Gefahr aussetzen.“ Die Frau habe ihre Bedenken sogar persönlich bei Anglo American in der Unternehmenszentrale in London deponiert.

„Die falsche Mine am falschen Platz“

Auch die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) sieht die Pläne offenbar in einigen Punkten kritisch, weshalb PLP nicht besonders gut auf sie zu sprechen ist und ihr eine „einseitige“ bzw. „voreingenommene“ Haltung vorwirft. Auch die politischen Geister schieden sich an dem Projekt, selbst die in Alaska regierenden Republikaner seien „hoffnungslos gespalten“, so die BBC. Der frühere Präsident des Staatssenats von Alaska, Rick Halford, früher ein deklarierter Bergbaubefürworter, hat offensichtlich seine Meinung geändert. Er habe „nie“ etwas gegen eine Mine gehabt - „bis jetzt“. Pebble sei „die falsche Mine am falschen Platz“.

PLP mit Sitz in der Stadt Anchorage macht den Bewohnern der Region, aber auch Alaska und den Vereinigten Staaten generell, große Versprechen. Das Minenprojekt würde allen nützen, sei umweltschonend, man beschäftige die „weltweit besten Wissenschaftler“, bei Pebble „höre man außerdem zu, bevor man handle. CEO Shively war früher Chef des Alaska Department of Natural Resources (DNR) und wurde dann an Board des 2007 gegründeten Joint Ventures geholt.

Steuermilliarden und Tausende Arbeitsplätze locken

In der Projektbeschreibung spricht PLP nun von jährlich 15.000 neuen Arbeitsplätzen, rund 18. Mrd. Dollar mehr an Steuereinnahmen und zusätzlich 64 Mrd. Dollar, die in die Wirtschaft fließen würden. Außerdem würde das Projekt die Abhängigkeit der USA von Kupferimporten mit einem Schlag um 20 Prozent verringern, und das alles bei Betriebskosten von rund einer Mrd. Dollar (rund 750 Mio. Euro) pro Jahr.

Summa summarum sind das Argumente, zu denen Washington eigentlich schwer Nein sagen kann. Zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze sind das, was nach der Krise fehlt. Dennoch appellieren die Gegner des Projekts an Präsident Barack Obama, ein Machtwort zu sprechen und dem Schutz der Lachse und der Natur Vorrang zu geben. Immerhin hatte er schon einmal die Erlaubnis für Erdölexplorationsrechte, die seinerzeit sein Vorgänger George W. Bush gegeben hatte, wieder zurückgezogen. Laut Schätzungen der PLP liegen in der Bristol Bay zumindest 1.900 (förderbare) Tonnen Gold, 25 Mio. Tonnen Kupfer und 1,3 Mio. Tonnen Molybdän. Der Gesamtwert der Mine könnte sich auf bis zu 750 Mrd. Euro belaufen.

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