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30-Zoll-Grenze fällt

Auf dem Flugzeugmarkt ist der Wettkampf um den billigsten Jet in vollem Gange. Neben immer neuen Taktiken zum Spritsparen bedeutet das für die beiden großen Konkurrenten Airbus und Boeing vor allem, immer mehr Menschen auf einem Flug unterzubringen. Die heurige Luftfahrtmesse im britischen Farnborough ließ die Abstände zwischen den Sitzreihen auf ein Rekordtief sinken.

Die große Branchenmesse Mitte Juli zeigte, dass sich die Flugzeughersteller den Wünschen von Billigfliegern gebeugt haben. Der US-Hersteller Boeing kündigte schon vor dem Messeauftakt an, dass die Passagiere in der neuesten Variante der 737 (737-MAX-8) noch enger zusammenrücken sollen. Statt derzeit maximal 189 Fluggästen sollen in einer 737 künftig 200 Platz finden, in anderen Worten: knapp zwei Sitzreihen mehr, mit entsprechend schrumpfendem Sitzabstand.

Sitzabstand unterschreitet 75 Zentimeter

Carrier wie Ryanair machten schon bisher aus ihrem Anforderungsprofil keinen Hehl: Der Hersteller, der die meisten Menschen pro Quadratmeter in seinen Flugzeugen unterbringen kann, macht das Rennen. Je mehr Passagiere auf gleichem Raum befördert werden, desto günstiger können die Airlines die Tickets anbieten, so die Überlegung. Ray Conner, Chef von Boeings Zivilflugsparte, sagte denn auch, mit der 737-MAX-8 wolle man sich „speziell an Billigfluglinien richten“.

Die Wünsche der Airlines nach spritsparenden und leistungsstärkeren Flugzeugen setzen Airbus und Boeing unter Zugzwang. Auf der Luftfahrtschau rangen die beiden großen Flugzeugbauer um neue Aufträge und die erfolgreichste Modellstrategie. Bei der 737-MAX-8 soll der Sitzabstand nur noch 29 Zoll (73,66 cm) betragen. Zum Vergleich: In der Architektur werden als Platzbedarf für einen Esstischsessel mit entsprechend gerader Sitzhaltung üblicherweise zumindest 75 Zentimeter Tiefe angenommen.

Airbus wirbt mit A330neo um Kunden

Auch Boeing-Rivale Airbus arbeitet daran, mehr Fluggäste in sein Modell A320 zu bekommen. Für die Langversion A321 hat Airbus schon eine Variante mit mehr Ausgängen vorgestellt, dank deren der Jet mehr Fluggäste befördern darf. Vor allem aber rührte Airbus in Farnborough für seinen A330neo die Werbetrommel. Dabei handelt es sich um eine Überarbeitung des 20 Jahre alten Langstreckenmodells A330 mit sparsameren Triebwerken. Der A330 konkurriert mit Boeings 787 „Dreamliner“, der deutlich weniger Kerosin verbraucht.

Sowohl Airbus als auch Boeing setzen nun vermehrt auf die Zivilluftfahrt, weil die Rüstungssparten wegen weltweit gekürzter Verteidigungsetats kaum noch Profit abwerfen. Boeing baut dabei schon für die Zeit nach den jetzt aktuellen Flugzeugtypen vor. Conner dachte in Farnborough laut über ein Modell zwischen dem „Dreamliner“ und der 737-MAX-8 nach. Da wäre seiner Ansicht nach noch Platz für einen kleineren Langstreckenjet, bei dem das Sitzplatzquetschen auch in der Breite beginnen würde.

Ist schmäler bald das neue kürzer?

Ein Flugzeugmodell mit schmälerem Rumpf - und ebenfalls entsprechend geringeren Betriebskosten - sei ein interessantes Marktsegment, so Conner. Boeing wolle diese Nische gerne besetzen. Konkrete Pläne gebe es allerdings noch nicht. Vorerst will sich Boeing auf die 737-MAX-8 konzentrieren. Der US-Hersteller konnte gleich zum Messeauftakt 30 Bestellungen der „Sardinendose“ durch die britische Billigfluglinie Monarch vorweisen.

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