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Behörden plaudern brisante Details aus

„Während der letzten fünf Jahre habe ich mich nur damit beschäftigt, die Flugsicherheit zu verbessern ... angesichts meiner jetzigen Lage wurde mir davon abgeraten, noch viel zu sagen“, hat der US-Sicherheitsexperte Chris Roberts am Sonntagabend getwittert. Da war ihm das FBI schon mit einem Durchsuchungsbefehl zu Leibe gerückt. Roberts will der Erste sein, dem Hacks von Zivilflugzeugen gelungen sind.

Roberts ist in der US-amerikanischen IT-Szene kein Unbekannter. Er sucht regelmäßig die Öffentlichkeit und bewirbt damit auch seine eigenen Dienstleistungen als Kapazität für Computersicherheit, zugleich gelten seine Fachkenntnisse als unbestritten. Seit Jahren versucht er, mit Fluglinien, Flugzeugherstellern und Flugsicherheitsbehörden ins Gespräch zu kommen. Als diese von seinen Warnungen, dass die Maschinen unsicher seien, nichts hören wollten, schritt er zur Tat.

„Erfolgsmeldung“ Ende April

Offenbar war es ein Bericht des US-Rechnungshofes im April, durch den sich Roberts provoziert sah. Der Bericht besagte im Wesentlichen, dass man die Gefahr künftig möglicher Hacks von Flugzeugen mit Wi-Fi-Systemen an Bord nicht vernachlässigen dürfe. Roberts hatte seinerseits schon seit Jahren gewarnt, dass Hacks von Passagiermaschinen schon jetzt möglich seien. Statt noch weiter zu reden, twitterte Roberts Ende April während eines Fluges mit United Airlines, er sei nun in das System des Jets eingedrungen.

Scherzhaft fragte er im Kurznachrichtendienst, ob er die Sauerstoffmasken aktivieren solle oder doch etwas anderes am System manipulieren. United las mit und empfing ihn gemeinsam mit der Polizei bei der Landung, wo auch all seine Computer und andere Hardware, die er bei sich hatte, beschlagnahmt wurden. Er wurde vernommen und sagte bereitwillig aus, was er schon alles auf Flügen getan habe oder noch tun könnte.

„Auf 10.000 Metern die Motoren ausschalten“

Es dauerte zwar ein wenig, aber schließlich landeten die Verhörprotokolle beim FBI, wo nun alle Alarmglocken schrillten. Roberts habe etwa ausgesagt, er sei seit 2011 schon bei rund einem Dutzend Flügen ins System der Jets gelangt und habe alle Daten mitgelesen. Einmal habe er auch tatsächlich einen Flug manipuliert: Mit seinem Laptop vom Passagiersitz aus habe er die Maschine zum Steigflug und dann dem Beginn einer Linkskurve gebracht. Möglich ist aber, dass die FBI-Agenten das missverstanden haben.

Roberst hatte gegenüber dem Magazin „Wired“ schon zuvor gesagt, er habe den Flugweg sowohl von Boeing- als auch von Airbus-Maschinen in Simulationen manipuliert. Unklar war vorerst, ob er das später auch tatsächlich in die Tat umsetzte. In einem TV-Interview hatte er noch Mitte April gewarnt, es sei für technisch Begabte kein Problem, „auf 10.000 Meter Flughöhe die Motoren auszuschalten, ohne dass eine einzige blöde Warnlampe im Cockpit aufleuchtet“.

Unbedankter „weißer Ritter“?

Zugute halten muss man Roberts, dass er in dem einen Monat seit dem Vorfall über den United-Flug kein Wort darüber verlor, wie er die Flugzeuge gehackt haben will. Umso detailreicher geht das dafür nun aus dem FBI-Dokument hervor, mit dem der Untersuchungsbefehl beantragt wurde. Demnach ist es tatsächlich eine Kleinigkeit, die Anschlüsse zum On-Board-Entertainment mit seinen Bildschirmen auf den Rückseiten der Passagiersitze freizulegen und mit dem eigenen Laptop zu verkabeln.

Das FBI betont in dem Schreiben auch, dass bei dem Passagiersitz, den Roberts auf seinem United-Flug benutzt hatte, die Abdeckungen zur Verkabelung entfernt worden seien. United Airlines belegte Roberts wiederum mit einem lebenslangen Flugverbot. Erst letzte Woche hatte die Fluglinie dabei einen Wettbewerb für einen „weißen Ritter“ ausgelobt: Wer beweisen kann, dass Hacks von United-Maschinen möglich seien, dem winkt eine Million Gratismeilen.

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