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Größte Übernahme des laufenden Jahres

In den USA bahnt sich eine Megafusion in der Medienbranche an: Für 85,4 Milliarden Dollar (78,45 Mrd. Euro) kauft der Telekomriese AT&T den Konzern Time Warner, zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros. gehören. Die Führungsgremien beider Unternehmen hätten das Geschäft einstimmig gebilligt, teilte AT&T am Samstagabend (Ortszeit) mit.

Der Zusammenschluss soll bis Ende 2017 abgeschlossen werden, die US-Behörden und Time-Warner-Aktionäre müssen noch zustimmen. Bei dem Deal handelt es sich um die bisher größte Unternehmensübernahme im Jahr 2016 - noch vor dem 66 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Gentechnikkonzerns Monsanto durch den deutschen Pharmariesen Bayer. AT&T will den Kaufpreis zur Hälfte in bar und zur Hälfte in eigenen Aktien bezahlen.

Lange Spekulationen

In Finanzkreisen war schon länger spekuliert worden, dass Time-Warner-Chef Jeff Bewkes sein Medienunternehmen zum Verkauf stellen könnte. US-Medien wie der Finanzdienst Bloomberg und das Wirtschaftsblatt „Wall Street Journal“ („WSJ“) hatten bereits vor dem Wochenende unter Berufung auf Insider über Gespräche zwischen AT&T und Time Warner berichtet. Bevor die ersten Spekulationen aufkamen, lag der Börsenwert des Medienkonzerns bei rund 68 Milliarden Dollar, während AT&T ihn auf etwa 233 Milliarden brachte.

Telekomkonzerne drängen ins Mediengeschäft

Mit der Übernahme wagt sich der größte US-Telekommunikationskonzern weit ins Geschäft mit TV- und Filminhalten vor. Damit folgt AT&T einem Branchentrend - die Telekomkonzerne suchen nach neuen stabilen Geldquellen und exklusiven Inhalten für ihre Netze, weil die Erlöse im klassischen Kerngeschäft unter Druck stehen.

So kaufte in den USA der Kabelanbieter Comcast 2011 NBCUniversal mit der gleichnamigen NBC-Senderkette und dem Universal-Filmstudio. Der größte AT&T-Rivale Verizon, zu dem bereits AOL mit Onlinemedien wie der Huffington Post gehört, will sich den Internetpionier Yahoo einverleiben. Allerdings könnte dieser Deal nach Bekanntwerden der massiven Hackerattacke auf Yahoo mit mindestens einer halben Milliarde betroffener Nutzer ins Wanken geraten.

Regulierungsbehörden müssen noch zustimmen

Die Übernahme von Time Warner bedeute das Zusammengehen zweier Unternehmen, die sich perfekt ergänzen, erklärte AT&T-Chef Randall Stephenson. „Ein großes Ärgernis für Kunden ist, dass sie einmal für Inhalte zahlen und dann nicht überall und auf jedem Gerät Zugriff darauf haben“, so Stephenson. „Unser Ziel ist es, das zu ändern.“ Time-Warner-Chef Bewkes sprach von einem „großartigen Tag für Time Warner und seine Aktionäre“. Beide Konzerne hätten die moderne Medien- und Kommunikationslandschaft geprägt.

Stephenson zeigte sich zudem zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. „Es wird kein Wettbewerber vom Markt verdrängt, es gibt keine Wettbewerbsbeschränkungen, die durch die Fusion dieser beiden Unternehmen entstehen“, sagte er vor Journalisten. Schon vor der Verkündung des Deals hatten US-Verbraucherschützer die Kartellbehörden aufgefordert, die Auswirkungen der Fusion genau zu prüfen.

Trump: Würde nicht zustimmen

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump kündigte am Samstag in einer Rede in Gettysburg (Pennsylvania) an, der geplanten Übernahme im Fall eines Wahlsieges nicht zuzustimmen. Der Deal würde eine zu große Machtfülle in zu wenigen Händen bedeuten und stehe exemplarisch für „jene Machtstrukturen, die ich bekämpfe“. Ohnehin würden die Medien schon heute „von zu wenigen kontrolliert“, sagte der Republikaner.

AT&T zahlt 107,50 Dollar je Time-Warner-Aktie. Der Preis liegt damit deutlich über dem jüngsten Kurs, der im außerbörslichen Handel auf 92,50 Dollar nach oben schoss.

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