Kritik an Abschaffung des Binnen-I beim Bundesheer

Bundesjugendvertretung, SPÖ-Jugendorganisationen und die Liste Pilz haben heute die Abschaffung des Binnen-I beim Bundesheer kritisiert. Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) wurde für die Maßnahme vom Frauennetzwerk Medien umgehend das „Rosa Handtaschl“ verliehen.

Die SJ ist der Meinung, dass die FPÖ mit dieser Maßnahme von den geplanten „Verschlechterungen im Gesundheitssystem“ ablenken will, die Liste Pilz ortet einen „weiteren Rückschritt unter Schwarz-Blau“.

Die Bundesjugendvertretung hält die vom Verteidigungsressort genannten Argumente Unlesbarkeit und Unverständlichkeit für vorgeschoben und fürchtet, dass dieses Beispiel in der Regierung Schule machen könnte.

Genau das fordern FPÖ-Frauensprecherin Carmen Schimanek und der Wiener FPÖ-Obmann Johann Gudenus in Aussendungen, da ihrer Ansicht nach das Gendern „überhandgenommen“ habe. Das Frauennetzwerk Medien hingegen betonte: „Wer Frauen auch sprachlich nicht mehr sichtbar macht, zeigt damit, dass sie keine Rolle spielen sollen.“

„Feministische Sprachvorgaben“

Wie heute bekanntwurde, schafft das Bundesheer das - ohnehin nicht verbindliche - Binnen-I ab. „Feministische Sprachvorgaben zerstören die gewachsene Struktur unserer Muttersprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit“, so Kunasek in der „Krone“ (Freitag-Ausgabe). So erklärte er das „Aus für sämtliche Formulierungen beim Bundesheer, die den Sprachfluss unnötig beeinträchtigen“.

Der 2001 - also unter der damaligen schwarz-blauen Regierung - verordnete „geschlechtergerechte Sprachgebrauch“ habe sich als nicht praxistauglich erwiesen. Sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter werde aber nicht prinzipiell abgelehnt. Wo sich eine Alltagstauglichkeit ergebe, würden Formulierungen wie „die Studierenden“ verwendet.

Offenbar keine verbindliche Regelung

Allerdings: Eine verbindliche Regelung, die das Binnen-I vorsieht, gibt es beim Bundesheer offenbar nicht. Das sagte die ehemalige Frauenbeauftragte beim Bundesheer, Irmtraut Karlsson, dem „Standard“ (Onlineausgabe). Laut ihren Recherchen gab es „nie eine solche Order beim Bundesheer“. Das Binnen-I sei nach Gutdünken verwendet worden.