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Kaum Schnee im Winter

Rund die Hälfte von Pakistans Bevölkerung ist in den kommenden Monaten von Wassermangel bedroht. Das teilte der Wetterdienst des südasiatischen Landes am Donnerstag mit. Die Behörde warnte vor einer Dürre, nachdem es zwischen Jänner und Mai dieses Jahres 44 Prozent weniger Niederschlag gegeben hatte als im Durchschnitt.

„Insbesondere diejenigen, die in den Provinzen Punjab und Sindh in der Landwirtschaft arbeiten, könnten direkt oder indirekt von der Dürre betroffen sein“, sagte der Leiter des Wetterdienstes, Ghulam Rasul. Zudem habe es im Himalaya im Winter kaum geschneit, weshalb in den Flüssen weniger Wasser fließe. Da sich auch die Wasservorräte auf einem Tiefstand befänden, sei es wahrscheinlich, dass sich die Situation in den nächsten Monaten verschärfe.

Pakistan produziert nicht nur Getreide für seine 220 Millionen Einwohner, sondern auch für das benachbarte Afghanistan. Das Land exportiert außerdem Reis in den Iran und die Türkei und Früchte in die USA, nach China und Europa. All diese Exporte seien nun bedroht, sagte der Leiter des Landwirtschaftsverbands der Provinz Punjab, Ibrahim Mughal.

Dutzende Tote durch Hitzewelle

In den vergangenen Wochen haben dem Land enorme Hitzewellen zugesetzt. Extrem hohe Temperaturen kosteten in der Hafenstadt Karachi Mitte Mai mehr als 60 Menschen das Leben. Unter den Hitzeopfern seien viele gewesen, die wegen des muslimischen Fastenmonats Ramadan tagsüber weder gegessen noch getrunken hätten, teilte ein Sprecher der Hilfsorganisation Edhi Foundation mit. Die Temperaturen erreichten der Stiftung zufolge 44 Grad Celsius. Vom Arabischen Meer her seien keine kühlenden Winde herübergeweht.

2015 waren bei einer Hitzewelle in Karachi etwa 2.000 Menschen gestorben, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde der dpa sagte. Damals war die Wetterlage ähnlich wie derzeit. Karachi ist mit mehr als 20 Millionen Einwohnern die größte Stadt Pakistans. Stromausfälle hätten die derzeitige Lage noch verschlimmert, sagte ein Einwohner, Zaheer Uddin Babar. Pakistan liegt zwischen den Industrienationen Indien und China. In dem Land machen sich die Folgen des Klimawandels besonders bemerkbar.

Dürre bedroht zwei Millionen Afghanen

Aber nicht nur der pakistanischen Bevölkerung droht aufgrund des Regenmangels und der Hitze eine verheerende Dürre. Auch im Nachbarland Afghanistan herrscht eine Trockenperiode. Nach ausbleibenden Regen- und Schneefällen im Winter haben Bauern in den am stärksten betroffenen rund 20 Provinzen von Afghanistan den Anbau von Weizen und anderen Nutzpflanzen reduziert oder verschoben, wie das UNO-Nothilfebüro (OCHA) berichtete.

Damit sei die Lebensgrundlage vieler Afghanen drastisch geschmälert worden. Die Lebensmittelversorgung von mindestens zwei Millionen Afghanen sei gefährdet. Nach Angaben von OCHA werden dringend rund 115 Millionen US-Dollar benötigt, um die Betroffenen in den kommenden sechs Monaten mit Nahrung und Trinkwasser zu versorgen. Die Hilfe solle vor allem Menschen in ländlichen Regionen des vom Krieg erschütterten Landes zugutekommen. Sie sollten davor bewahrt werden, ihre Dörfer verlassen zu müssen.

Bis Mitte Mai mussten dem Bericht zufolge wegen der Dürre bereits 21.000 Menschen ihre Häuser in den Provinzen Badghes und Ghor aufgeben. Neben dem Krieg bedrohen jedes Jahr auch Naturkatastrophen die Menschen in Afghanistan. Seit Jahresbeginn wurden nach Angaben von OCHA mehr als 108.000 Afghanen aufgrund von Konflikten und Naturkatastrophen vertrieben. Im Mai kamen mindestens 60 Menschen durch Überschwemmungen in mehreren Provinzen des Landes ums Leben. Heftige Regenfälle hatten das Hochwasser ausgelöst.

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