Themenüberblick

Frau hinterlässt drei Kinder

Die vergangene Woche mit einer Nowitschok-Vergiftung ins Krankenhaus eingelieferte Britin ist gestorben. Das teilte Scotland Yard am Sonntagabend mit. Die Polizei ermittelt nun wegen Mordes. Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich betroffen. „Ich bin entsetzt und schockiert“, sagte sie einer Mitteilung zufolge.

Die 44-jährige Frau aus Amesbury und ihr 45-jähriger Lebensgefährte waren am Samstag vor einer Woche mit Vergiftungserscheinungen ins Salisbury District Hospital eingeliefert worden. Das Opfer hinterlässt drei Kinder. Der Mann ist weiter in einem kritischen Zustand, wie ein Polizeisprecher sagte.

Hergang unklar

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar versehentlich mit dem tödlichen Nervengift in Berührung gekommen war. Im März fand in Salisbury der Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) statt. Sie waren bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Beide entkamen nur knapp dem Tod und leben inzwischen an einem geheimen Ort. Sie wurden ebenfalls im Salisbury District Hospital behandelt.

Einsatzkräfte in Salisbury (GB)

APA/AFP/Niklas Hallen

Suche nach dem kontaminierten Gegenstand in Salisbury

Das Paar aus dem benachbarten Amesbury könnte eventuell ein Fläschchen oder eine Injektionsspritze mit Resten des Gifts gefunden haben, das beim Attentat auf die Skripals verwendet wurde. Die Ermittler vermuteten zunächst, dass die beiden verunreinigte Drogen konsumiert hätten. Labortests ergaben schließlich, dass beide durch Nowitschok vergiftet wurden.

Sorge vor weiteren Vergiftungen

Nicht ausgeschlossen wird, dass noch andere Menschen mit dem Gift in Kontakt kommen könnten, solange der kontaminierte Gegenstand im Fall des Paares nicht gefunden ist. Das Krankenhaus in Salisbury versicherte am Samstag jedoch, das Risiko für die Bevölkerung sei gering.

Grafik zu Nowitschok-Vergiftungen

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Einige Bereiche in Salisbury und in dem Wohnort des Paares wurden vorsichtshalber abgesperrt. Bewohner forderten mehr Informationen von den Behörden. Das Paar soll unter anderem eine Veranstaltung in einer Kirche besucht haben, bevor es erkrankte. Zumindest bei einem Polizisten, der am Samstag wegen Verdachts auf Vergiftung in dem Krankenhaus untersucht worden war, konnte Entwarnung gegeben werden.

Einsatzkräfte in Salisbury (GB)

APA/AFP/Niklas Hallen

Einige Bereiche wurden sicherheitshalber abgesperrt

Die britische Regierung machte im Fall Skripal Russland für den Giftanschlag verantwortlich. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion hergestellt, später tauchte es in anderen Ländern auf. Moskau weist die Vorwürfe vehement zurück. Der Fall führte zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Russland und Großbritannien. Der neuerliche Nowitschok-Fall verschärfte die Spannungen erneut.

Russland wehrt sich gegen Vorwürfe

Russland bezeichnete die Vergiftungsfälle mit dem Kampfstoff Nowitschok als eine politische Intrige Großbritanniens. „Wir fordern die Regierung von (Premierministerin) Theresa May dazu auf, die Intrigen mit giftigen Chemikalien zu beenden und die Ermittlungen nicht zu behindern“, sagte die Sprecherin der Außenministeriums, Maria Sacharowa, nach Bekanntwerden des neuen Falls. Die britischen Sicherheitsbehörden sollten nicht an diesem schmutzigen politischen Spiel teilnehmen, sagte sie der Agentur TASS zufolge. Russland sei jederzeit zu gemeinsamen Untersuchungen bereit.

In Russland kursierten nach dem neuen Fall einige Theorien, wie das Paar vergiftet worden sein könnte. Ein psychisch labiler Mitarbeiter des Forschungslabors im nahe gelegenen Porton Down könnte den Kampfstoff in der Region verbreitet haben, sagte der Ex-Geheimdienstchef Nikolai Kowaljow der Agentur Interfax. Der Mitarbeiter könnte das nach einer Entlassung aus Rache veranlasst haben. Ein weiterer ehemaliger Geheimdienstchef sagte, das Labor habe wohl Probleme mit der Lagerung der Substanzen.

Links: