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Langer Weg bis zur Freiheit

Kaum jemand hat die vergangenen Jahrzehnte so geprägt wie Nelson Rolihlahla Mandela. Schon früh engagierte sich der am 18. Juli 1918 in Mvezo in der Transkei (heute: Provinz Ostkap) geborene Mandela gegen das System der Rassentrennung in Südafrika. 27 Jahre war er in Haft. Nach dem Ende der Rassentrennung wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas, 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Seine Kindheit verbrachte Mandela als Sohn eines Häuptlings des zur Xhosa-Sprachgruppe gehörenden Tembu-Stammes in relativem Wohlstand. Doch schon ab dem Alter von fünf Jahren arbeitete er als Hirtenjunge. An seinem ersten Schultag erhielt Rolihlahla (wörtlich: „Am Ast eines Baumes ziehen“, umgangssprachlich: „Unruhestifter“) seinen britischen Namen Nelson. Nach dem Schulabschluss studierte er Rechtswissenschaften am für Nichtweiße bestimmten Fort-Hare-College, wo er auch Oliver Tambo begegnete, der sein Vorgänger als Präsident des African National Congress (ANC) werden sollte.

Nelson Mandela

AP/Greg Marinovich

Nelson Mandela warnte nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis vor Gewalt zwischen Weißen und Schwarzen

Gemeinsam engagierten sich Mandela und Tambo gegen die rassistische Unterdrückung. 1940 wurde Mandela als Anführer eines Studentenstreiks von der Universität ausgeschlossen. Er ging nach Johannesburg, um als Bergwerkspolizist zu arbeiten. Nebenbei setzte er sein Jusstudium im Fernstudium fort und schloss es 1942 ab. 1942 trat er auch dem ANC, der 1912 gegründeten und somit ältesten Befreiungsorganisation des afrikanischen Kontinents, bei. Zusammen mit Tambo, Walter Sisulu und anderen gründete er 1944 die ANC-Jugendliga. Im selben Jahr heiratete Mandela seine erste Frau Evelyn Ntoko Mase, mit der er bis 1957 verheiratet war und vier Kinder hatte.

Militärische Spitze des ANC

1950 wurde er in das Nationale Exekutivkomitee des ANC berufen. 1952 eröffnete er schließlich zusammen mit Tambo in Johannesburg Südafrikas erste Kanzlei schwarzer Anwälte. Ab diesem Zeitpunkt versuchte die Polizei alles, um Mandela mundtot zu machen. Wiederholte Verhaftungen, Prozesse und Gefängnisstrafen konnten ihn jedoch nicht daran hindern, den Kampf gegen die Apartheid fortzusetzen. Wesentlichen Anteil hatte er an der Erarbeitung der 1955 angenommenen Freiheitscharta des ANC, in der die Forderung nach gleichen Rechten für Schwarze gestellt wurde.

Nelson und Winnie Mandela

Reuters/Howard Burditt

Nelson Mandela mit seiner zweiten Ehefrau Winnie Mandela

Während eines Hochverratsprozesses gegen ihn und weitere Aktivisten und Aktivistinnen heiratete Mandela 1958 seine zweite Frau, die Krankenschwester Winnie Madikezela, mit der er zwei Töchter haben sollte. Als das südafrikanische Regime unter dem erklärten Rassisten Hendrik Verwoerd 1960 den ANC verbot, ging Mandela in den Untergrund, wo er als Oberkommandierender die 1961 geschaffene militärische ANC-Organisation Umkhonto we Sizwe (Speerspitze der Nation) führte.

Teil seines Lebens hinter Gittern

Am 5. August 1962, als er als Chauffeur verkleidet den Wagen eines weißen Freundes steuerte und in eine Straßensperre geriet, wurde Mandela erkannt und verhaftet. Am 12. Juni 1964 wurde er schließlich wegen Sabotage zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Als Häftling mit der Nummer 466/64 verbüßte er den Großteil seiner Strafe auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt.

Als die internationalen Forderungen nach seiner Freilassung immer lauter wurden, bot der damalige südafrikanische Staatspräsident Pieter Botha Mandela Anfang 1985 an, gegen einen ausdrücklichen Gewaltverzicht auf freien Fuß zu kommen, doch der lehnte ab: „Nur freie Menschen können verhandeln, Häftlinge können keine Abmachungen treffen.“

Nelson Mandela

AP/Peter Dejong

Insgesamt 27 Jahre saß Nelson Mandela im Gefängnis

Über 27 Jahre saß Mandela im Gefängnis, erst am 11. Februar 1990 wurde Mandela von der Regierung Frederik Willem de Klerks in die Freiheit entlassen. Als er das Victor-Verster-Gefängnis nahe Kapstadt verließ, war das Ende der südafrikanischen Apartheid besiegelt. Nach seiner Freilassung sprach er sich innerhalb des ANC gegen den bewaffneten Kampf aus. Im Juli 1991 wurde Mandela formell zum ANC-Präsidenten gewählt und nahm an Mehrparteiengesprächen über die Zukunft Südafrikas teil.

Friedensnobelpreis mit De Klerk

Im April 1992 gab Mandela „trotz ungebrochener Liebe“ die Trennung von seiner Frau Winnie bekannt - wegen nicht näher genannter „Differenzen“. 1993 erhielt Mandela zusammen mit De Klerk den Friedensnobelpreis. Die beiden Politiker wurden damit für ihre Bemühungen ausgezeichnet, die Herrschaft der weißen Minderheit über eine achtmal so große schwarze Bevölkerungsmehrheit zu beenden.

1994 gewann der ANC die ersten freien und demokratischen Wahlen in Südafrika, und am 9. Mai wurde Mandela als erster Schwarzer zum Präsidenten der sogenannten Regenbogennation gewählt. Während seiner Amtszeit setzte er sich für nationale und internationale Versöhnung ein. „Südafrika gehört allen, die dort leben, Schwarzen und Weißen“, lautete einer seiner Wahlsprüche. 1995 nutzte Mandela den Sport als Mittel zur landesweiten Versöhnung.

Nelson Mandela

AP/Greg Marinovich

1994 gewann der ANC die Wahl in Südafrika, und Nelson Mandela wurde Präsident

Demonstrativ unterstützte er das bis auf einen einzigen Spieler weiße südafrikanische Rugby-Team bei der WM im eigenen Land und setzte so als erster schwarzer Präsident des Landes einen Meilenstein für die Stabilisierung des südafrikanischen Demokratiegedankens. Das südafrikanische Team holte den Weltmeistertitel, und Schwarze und Weiße feierten kurz nach dem Ende der Apartheid gemeinsam auf der Straße.

Letzter öffentlicher Auftritt bei WM 2010

Kurz vor Ende seiner Amtszeit als Präsident Südafrikas gelang Mandela noch ein internationaler Erfolg, als er Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi überzeugte, die Verdächtigen des Lockerbie-Attentats einem internationalen Gericht zu überstellen. Zu seinem 80. Geburtstag heiratete Mandela seine dritte Frau, Graca Machel, die Witwe des früheren Präsidenten von Mosambik, Samora Machel.

1999 gab Mandela das Amt als Präsident auf und zog sich 2004 ganz aus der Politik zurück. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit lebte Madiba - wie der Clanname Mandelas lautet - in den vergangenen Jahren zurückgezogen in seinem Heimatort Qunu im Südosten des Landes. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika. Am 5. Dezember 2013 starb Mandela im Alter von 95 Jahren nach einer Lungenerkrankung in seinem Haus in Johannesburg.

Zu Ehren des in der Ostkap-Provinz geborenen Mandela wurden die Gemeinden Port Elizabeth, Uitenhage und Despatch unter eine gemeinsame Verwaltung gestellt und in Nelson Mandela Bay umbenannt. Seit 2012 ziert Mandelas Porträt auch Südafrikas Geldscheine im Wert von zehn, 20, 50, 100 und 200 Rand.

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