Sri Lanka will Drogendealer erhängen

Sri Lanka will im Kampf gegen die Drogenkriminalität die Todesstrafe erstmals seit Jahrzehnten wieder ausführen. „Ab jetzt werden wir Drogenkriminelle erhängen“, sagte ein Regierungssprecher heute. Präsident Maithripala Sirisena sei bei Wiederholungstätern bereit, Hinrichtungsbefehle zu unterschreiben, sagte der Sprecher Rajitha Senaratne.

Seit dem Jahr 1976 werden Todesurteile in dem Inselstaat im Indischen Ozean nicht mehr vollstreckt, sondern in lebenslange Haftstrafen umgewandelt.

Senaratne bezog sich bei seiner Ankündigung auf einen Fall von dieser Woche: Ein verurteilter Drogendealer, dessen Todesstrafe umgewandelt wurde, habe die Einfuhr von 100 Kilogramm Heroin aus dem Gefängnis heraus organisiert.

Philippinen als Vorbild

Sri Lanka nimmt sich den harten Anti-Drogen-Kampf der Philippinen zum Vorbild, wie Senaratne erläuterte. „Wir haben gehört, dass die Philippinen damit Erfolg haben, ihre Armee einzusetzen“, sagte er. Welche Rolle die Armee beim Drogenkampf in Sri Lanka haben könnte, gab er indes nicht an.

Amnesty International forderte die sri-lankischen Behörden zum Verzicht auf die Vollstreckung der Todesstrafe auf. Sie sollten an der „langjährigen positiven“ Praxis festhalten, auf diese „grausame und unumkehrbare Bestrafung“ zu verzichten, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Die philippinische Polizei tötete nach eigenen Angaben seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte im Jahr 2016 rund 4.200 mutmaßliche Drogenkriminelle. Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass die Zahl etwa dreimal so hoch ist. Die EU-Kommission äußerte deutliche Kritik am Vorgehen der philippinischen Regierung.