Schultheaterstück im Auftrag Sobotkas sorgt für Proteste

Zu einem vom damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) initiierten Schultheaterstück, in dem das Thema Asyl beispielhaft an einem „guten“ und einem „bösen“ Flüchtling dargestellt wird, gibt es nun offene Briefe von Theaterschaffenden sowie von der Ehefrau eines Darstellers. Das Stück erzählt von zwei Flüchtlingen, einem Syrer und einem „Afrikaner“, der eine legal ins Land gekommen, der andere nicht, der eine mustergültig in den Integrationsbemühungen, der andere radikalisiert, der eine mit positivem Asylbescheid, der andere straffällig.

Rundherum würde „kein Klischee, kein Vorurteil, keine Diffamierung ausgelassen“, so eine „offene Anfrage“ an ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann und Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP), die von zahlreichen Theaterschaffenden und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern unterzeichnet wurde. Unter anderem will man wissen, wie die „Haltungen in diesem Stück mit den Zielen in den Lehrplänen übereinstimmen“, warum es nicht zu einer Ausschreibung bzw. zu einer Abstimmung mit den bestehenden Einrichtungen für Jugendtheater gekommen ist und ob weitere derartige Projekte in Planung sind.

„Das Boot ist voll“

Darüber hinaus hat sich auch die Ehefrau des Darstellers des „bösen“ Flüchtlings, die Afrikanistin Kerstin Agalassinger-Nyalusi, in einem Brief an Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen gewandt. Sie berichtet darin von dem Casting, bei dem Regisseur Edmund Emge erklärt habe, dass das Stück die Botschaft „Das Boot ist voll“ an die Schüler vermitteln solle.

Sie selbst halte das Stück „für politisch motiviert, voll von stereotypen Bildern und geschichtlichen Unwahrheiten sowie sexistischen, klischeehaften Rollenbildern und Karikaturen“. Wissen möchte sie unter anderem, warum ein Theaterstück an Schulen vom Innenministerium in Auftrag gegeben wird und welche Rolle Bildungs- und Familienministerium dabei spielen, und warum am Institut für Afrikawissenschaften, „nach ‚schwarzen‘ Amateurschauspielern gesucht, nicht jedoch um Expertenmeinung gebeten“ worden sei. Zusätzlich stellt sie die Frage nach der Finanzierung und den arbeitsrechtlichen Bedingungen - ihr Mann, der mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen sei, habe jedenfalls nie einen Vertrag unterschrieben.

Regisseur „erschüttert“

„Welt in Bewegung“ nennt sich das Stück, das die Agentur Acting Power im Auftrag des Innenministeriums verfasst hat, um kostenlos an Schulen gezeigt zu werden. Nach scharfer medialer Kritik, die im Wesentlichen auf Bekanntwerden des Textbuches basierte, war eine öffentliche Aufführung im Weltmuseum Wien im vergangenen März abgesagt worden. Autor und Regisseur Edmund Emge zeigte sich „erschüttert darüber, dass es in Österreich möglich ist, ein Stück zu verurteilen, das man nicht kennt“, wie er von der Rechercheplattform Addendum zitiert wird.