Modefirmen verzichten zunehmend auf giftige Chemikalien

Große Textilfirmen wie H&M, Zara, Benetton und Puma verzichten zunehmend auf giftige Chemikalien bei der Herstellung ihrer Kleidung. Seit Beginn der vor sieben Jahren von Greenpeace gestarteten „Detox-Kampagne“ schlossen sich weltweit 80 Firmen dem Ziel an, bis 2020 auf umwelt- und gesundheitsgefährdende Chemikalien in der Produktion zu verzichten.

Kampagne hat gegriffen

„Zu Beginn der Kampagne taten Unternehmen und Politik unsere Forderung nach giftfreien Kleidern als unrealistisch ab“, sagte heute Textilexpertin Viola Wohlgemuth von Greenpeace Deutschland. „Doch die Detox-Verpflichtungen wirken. Und sie entlarven die Ausreden des schmutzigen Rests der Branche.“ Unternehmen könnten und müssten sich am neuen giftfreien Standard messen lassen.

Die Textilindustrie ist eine Boombranche: Der weltweite Kleiderkonsum steigt von 62 Millionen Tonnen im Jahr 2017 voraussichtlich auf 102 Millionen Tonnen im Jahr 2030 an, wie es in dem Greenpeace-Bericht zu der Detox-Kampagne heißt. Für Mensch und Umwelt gerade in Schwellenländern ist die große Nachfrage nach preiswerten und immer neuen Schuhen, Shirts und Shorts ein Riesenproblem.

Im Produktionsprozess kommen oftmals giftige Stoffe zum Einsatz, etwa um die Kleidung zu färben, sie regenfest oder schimmelresistent zu machen. Dadurch gelangen Chemikalien in Flüsse und Meere, Trinkwasser wird verschmutzt und Mensch und Tier kommen mit Stoffen in Kontakt, die Krebs erregen oder ihr Hormonsystem beeinflussen. Zusätzlich kontrollieren die Behörden in den Produktionsländern wie China, Indonesien oder Mexiko die Abwässer der Fabriken häufig nur unzureichend.

Teil der Marketingstrategie

Dass die Modekonzerne ausschließlich auf das Wohl der Natur in ihrem Kampf für eine saubere Herstellung bedacht sind, ist nicht anzunehmen. „Es gibt einen Trend zur Nachhaltigkeit“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ heute Rudolf Voller. Er ist Professor an der Hochschule Niederrhein und beschäftigt sich mit den Geschäftsmodellen der Kleidungsfirmen. Heute könnten sich die Firmen der Nachhaltigkeitsdebatte nicht mehr entziehen, sagt Voller. „Wird Umweltverschmutzung publik, ist das geschäftsschädigend.“

Vielen dient die neue Sauberkeit auch als Marketing. Besonders im Outdoor-Bereich wird nachhaltige Produktion zum Verkaufsargument für den Handel, sagte Voller. Da neue wasserabweisende Technologien entwickelt werden, können sie nach und nach auf gesundheitsgefährdende Chemikalien verzichten.